Zusammenarbeit mit dem Pferd fängt am Boden an. Egal ob es um das erste „Hallo“ auf der Weide oder in der Box geht oder den Putzplatz oder die Bodenarbeit auf dem Platz oder im Roundpen. Pferde sind Muskelleser und absolute Körpersprachen-Entschlüssel-Experten. Egal was wir fühlen, wir strahlen es mit unserem Körper aus. Wir zeigen durch unsere Körpersprache wer wir sind und wer wir gerne wären. Das alles können die Pferde entschlüsseln.

Kappzaum Sabro

Warum Bodenarbeit wichtig ist für die Pferd-Mensch-Beziehung

Natürlich können sie das nicht so genau, wenn wir auf ihrem Rücken sitzen. Deswegen ist der Boden der beste Ort, um die Beziehung zum Pferd zu finden und zu festigen. Der Sattel sollte eigentlich nur die Folge daraus sein. Alles, was wir mit unserem Pferd tun wollen und noch viel mehr, können wir am Boden vorbereiten und trainieren. Alles, was am Boden funktioniert wird im Sattel vermutlich noch viel leichter und besser funktionieren.

Und damit meine ich nicht, dass du dein Pferd longierst und im Kreis “schleuderst”, um es müde zu machen. Das ist keine schöne Bodenarbeit, auch wenn viele Reiter davon ausgehen, dass es so wäre. Im Gegenteil – auch das Longieren will gelernt sein. Denn wenn weder Stellung noch Biegung vorhanden sind, wenn das Pferd körperlich nicht darauf vorbereitet ist, wird die Kreisbewegung den Sehnen und Gelenken eher schaden. In diesem Beitrag soll es aber nicht um das Longieren gehen, sondern grundsätzlich um die Bodenarbeit und ihre Möglichkeiten für dich und dein Pferd.

Mehr zum Thema findest du HIER bei “Wege zum Pferd” – die beiden Trainerinnen haben auch einen genialen Longenkurs.

Ich bin nach einem halben Jahr Reitunterricht zum ersten Mal auf der Hacienda Buena Suerte bei Kenzie Dysli in Kontakt gekommen und seitdem Fan.

Wenn man weiß, wie Pferde funktionieren und ein bisschen in ihre Köpfe geschaut hat, verwundert es um so mehr, dass für viele Reiter die Zusammenarbeit mit dem Pferd eigentlich nur aus der Reiterei besteht.

  • Das Pferd darf rempeln am Putzplatz, aber soll dann auf feinste Hilfen am Platz reagieren?
  • Woher soll das Pferd den Unterschied kennen?
  • Deswegen ist Führtraining am Boden genauso wichtig, wie die perfekten Volten beim Reiten.

Bodenarbeit und die verschiedenen Übungen dazu können so viel bewirken in dir selbst, in deinem Pferd und in eurer Beziehung zueinander.

Pferde verstehen lernen

Pferde verstehen lernen

Bodenarbeit ist ein weiter Begriff. Es heißt im Grunde, dass du das mit deinem Pferd vom Boden aus Übungen machst und vorbereitest, was du später dann vom Sattel aus abfragen möchtest.

Emotional: Führtraining, Kommunikation, Körpersprache, Sicherheit miteinander, Vertrauen, Respekt, Höflichkeit, Achtsamkeit, gegenseitiges Zuhören

Praktisch: Übungen wie Seitengänge, Hinterhand- oder Vorhandweichen, Stop und Rückwärtsrichten, Führtraining und Versammlung plus Biegung in allen Gangarten, Zügelhilfen, aktive Hinterhand, Kruppe herein, Schulter herein, Travers usw.

Alles was am Boden gut vorbereitet wurde, klappt im Sattel umso besser. Egal üb es um das Führen geht oder um Gymnastizierung. Natürlich gehört zur Bodenarbeit auch neben dem korrekten Führen auch Anti-Panik-Training, wie Trainingseinheiten mit der Plane oder anderen Dingen, vor denen das Pferd Angst hat. Mit jedem bisschen Bodenarbeit und Training, bei dem das Pferd am Boden lernt Ängste zu überwinden und Aufgaben zu erfüllen, wird es ruhiger, gelassener und selbstbewusster werden. Außerdem kannst du die Bodenarbeit ausweiten bis du bei Themen wie Freiheitsdressur und Zirzensik angekommen bist.

Pferde verstehen lernen

Welche Formen der Bodenarbeit gibt es – ein paar Beispiele:

  • Natural Horsemanship: Das Training mit dem Pferd basierend auf der Kommunikation der Pferde untereinander in der Herde. Gelernt wird durch Pausen. Das Grundprinzip: Mache das Gewollte angenehm und das Ungewollte unangenehm, damit das Pferd begreift, was der Mensch möchte. Die Methode arbeitet vor allem mit negativer Verstärkung über Druckstufen. Bekannte Trainer sind Pat Parelli oder Birger Giesecke. Die Methode hat Schönes – zum Beispiel das Wissen darum, wie Pferde miteinander kommunizieren und die Tipps und Hinweise, um Pferde richtig lesen zu lernen. Es geht auch viel um das Führen und Dominanz. Für meinen Geschmack oft zuviel. Der Druck, der ausgeübt wird ist aus meiner Sicht oft zu stark und zu mechanisch – Pferde sind Individuen und nicht jedes Pferd kommt mit dieser Trainingsmethode gut klar. Auch die Gymnastizierung wird bei dieser Trainingsmethode nicht genug beachtet. Sie ist aber wichtig, um die Hinterhand zu aktivieren und damit ein schwungvolles Pferd zu trainieren, dessen gut bemuskelter Rücken den Reiter gesund tragen kann. Letztlich kommt es immer auf den Trainer und den Menschen an. Vieles kann man für den Alltag mitnehmen und nutzen.
  • Freiheitsdressur: Kein Strick, kein Halfter – nur Menschen und Pferde – ohne alles. Das ist die Idee hinter dieser Form der Bodenarbeit. Im Grunde kannst du all das auch ausführen, was du mit Strick mit deinem Pferd trainiert hast. Letztlich könnte man sagen, dass alles Freiheitsdressur ist, was ohne Strick und Halfter oder Zaumzeug funktioniert. Das Pferd reagiert auf Körpersprache und die gemeinsame erarbeitete Kommunikation.
  • Longenarbeit: Training an der Longe, um Muskelaufbau, Biegung und Stellung zu verbessern und zu erarbeiten. Nach bestimmten Zeitintervallen und sehr bewusst in allen Gangarten. Im Idealfall mit einem Kappzaum, um feine Signale auf Pferdekopf und Pferdehals ausüben zu können. Bitte nicht mit Halfter oder Gebiss. Es sollte aber definitiv nicht das sein, was man zu häufig auf Reitplätzen sieht – das “ablongieren” um das Pferd müde zu machen. Das “im Kreis scheuchen”. Denn das ist nicht nur unspannend aus dem Blickwinkel der Pferde, sondern auch schädlich für die Gelenke der Pferde.
  • Anti-Schreck-Training: Mit Planen, Flaschen, Tüten, Regenschirmen – mit allem, was Pferde in der Natur und im Gelände erleben und sie erschrecken könnte trainieren, um ihnen zu zeigen, dass die vermeintlichen Gespenster doch keine Gespenster sind. Dass sie die Gespenster “jagen” und bewegen können und sie selbstbewusst aus jeder Situation rausgehen können, um so die Fluchtreflexe nach und nach zu minimieren. Wer das will, muss den Pferden im Training Zeit lassen nachzudenken und selbst auf das Schreckhindernis zuzugehen – damit das Pferd lernt zu denken und nicht hindurchgetrieben wird. Denn es ist weder ein Lerneffekt da noch ist es besonders fair ein Fluchttier durch die Gefahr zu jagen.
  • Dualaktivierung: Michael Geitner hat diese Trainingsmethode erfunden. Es geht um Intervalltraining für mehr Balance und Muskelaufbau bei Pferden und das Training der Verbindung beider Gehirnhälften durch die Farben gelb und blau. Ähnlich wie beim Longieren ist es zu kompliziert den ganzen Gedanken in drei Sätzen zusammenzufassen. Deswegen findest du HIER ein Interview mit dem Pferdetrainer Michael Geitner in der Pferdeflüsterei
  • Zirzensik: Zirkuslektionen für das Pferd. Das ist vor allem ein Spaßthema. Kompliment, Hinlegen oder Steigen – das alles sind kleine Übungen, die du mit deinem Pferd trainieren kannst und die einfach Spaß machen. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. HIER gibt es zum Beispiel einen Artikel über Training für Zirzensik PLUS eine Übung – Schritt für Schritt: Der Pony-Walzer
  • Clickern: Click – Leckerli – Click – Leckerli – so wird der Click als positives Geräusch vom Menschen im Pferdekopf installiert. Anschließend fordern Clickerer ihre Pferde dazu auf ihnen bestimmte Übungen anzubieten. Es ist ein Training der vielen kleinen Schritte, denn jeder kleine Schritt in die richtige Richtung wird mit einem Click belohnt. So findet das Pferd im Grunde über die positive Verstärkung mit Click und Leckerli heraus, was der Mensch will und der Mensch belohnt jede noch so kleine Idee und Momentaufnahme in die richtige Richtung.
  • Akademische Bodenarbeit: Bent Branderup hat die akademische Reitkunst aus den Theorien der alten Meister entwickelt. Dazu gehört aber nicht nur das Reiten, sondern auch die Bodenarbeit an der Hand – mit Kappzaum. Verschiedene Lektionen der hohen Schule werden da trainiert. So werden alle Übungen und Trainingseinheiten erarbeitet, die später einmal zu einem gymnastizierten und versammelten Pferd führen sollen. Von der Levade über die Piaffe bis zur stinknormalen Kruppe Herein-Übung.

Das ist nur eine kleine Auswahl an Lektionen, Übungen und Trainingsmöglichkeiten – Formen, Trainer und Seitenstränge gibt es tausende. Ausprägungen, Ideen und Gedanken zu dem Thema auch. Bodenarbeit ist so vielfältig wie das Reiten.

Tanzen mit dem Pferd – Freiheitsdressur und die Bodenarbeit

Ein Traum, wenn alles auch in Liberty und Freiheit funktioniert. Denn es heisst, dass das Pferd freiwillig bei dir bleibt. Durch die Bodenarbeit – vom Spazierengehen bis zur Freiheitsdressur – bekommt das Pferd Abwechslung, das Mensch-Pferd-Team kann zusammenwachsen und das Pferd motiviert werden.

Praktische Basics für die Bodenarbeit

So können große Aufgaben erst einmal in viele kleine Teilaufgaben zerlegt werden, die dann am Boden geübt werden. Sobald das Pferd eine der Teilaufgaben löst oder einen Schritt in die richtige Richtung macht, wird es ausgiebig gelobt und darf eine kleine Pause machen, so dass es nach und nach begreifen kann, was der Mensch eigentlich will. Das ist Motivation pur.

Sobald die Aufgabe, wie zum Beispiel Hinterhandweichen, am Boden perfekt klappt, kann der Mensch aufsteigen und auch von oben das Gleiche abfragen. Es geht also bei der Bodenarbeit um mehr Gelassenheit, mehr Schwung und Gleichgewicht, mehr Taktreinheit und mehr Vertrauen zwischen Mensch und Pferd.

Dazu als Hilfsmittel braucht es erst einmal nur Pferd und Mensch. Dann vielleicht noch einen längeren Führstrick und ein Knotenhalfter und eventuell eine Longe oder Hindernisse wie Pylonen oder Stangen, die man in das Training integrieren kann.

Es geht darum dem Pferd beizubringen entspannt und fein nachzugeben, es geht um mehr Respekt und Vertrauen zwischen Mensch und Pferd. Viele bestätigen, dass zum Ausritte entspannter laufen nach der Bodenarbeit, weil die Pferde mehr Vertrauen zu ihrem Reiter haben.

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7 Kommentare zu “Bodenarbeit

  1. Anna sagt:

    Hallo 🐴
    Finde das was ihr hier für Sachen habt ganz gut!👍
    Habe aber eine Frage :
    Was mache ich wen mein Pferd immer Mega aufgewühlt ist wen ich mit ihm trainieren will.😕
    Vielleicht habt ihr ja eine Idee 😇
    Lg Anna

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Anna, aus der Ferne Pferdeverhalten individuell zu beurteilen ist im grunde unmöglich – tut mir sehr leid, aber da kann ich die gar nicht weiterhelfen. Es gibt tausend Gründe und Möglichkeiten. Es kann an der Haltung liegen, am futter, an der Ausrüstung, an deiner Körpersprache oder Signalgebung oder Trainingsmethode und und und. Ich kann dir nur raten, dir einen sanften und guten Trainer vor Ort zu leisten, der euch direkt weiterhilft und mit einem guten Tierarzt abzuklären, ob das Verhalten deines Pferdes medizinische Gründe hat. Viele liebe Grüsse und viel erfolg, Petra

    • Elea sagt:

      Hallo Anna
      wenn mein Pferd aufgedreht ist muss es erstmal ein paar runden auf dem platz laufen, bevor ich überhaupt anfange. Lg Elea

  2. Clara sagt:

    Hallo,🐎
    Ich finde eure Artikel über Bodenarbeit echt super und schaue häufig mal vorbei👍🏽😊Ich mache selbst viel Bodenarbeit und auch Zirkuslektionen mit meinem Pferd.
    Es klappt auch total super,mein Pferd meistens (😋)lernt sehr schnell und gut.
    Deswegen beherrschen wir die viele Übungen sowohl auf dem Boden,als auch im Sattel 🐴 .Ich habe bis jetzt aber immer nach einer gelungenen Übung am Boden,mein Pferd mit einem leckerchen oder einem Stück Möhre belohnt.
    Ist das richtig,oder sollte ich das meinem Pferd/mir lieber abgewöhnen und mein Pferd zumbeispiel nur am Ende belohnen (Bodenarbeit )?🐴☺️
    Lg Clara🙃

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Clara, also ich würde sagen: wenn das so super klappt, warum dann etwas ändern? Never change a running System..sagt man ja so schön. Jedes Pferd ist anders und ihr beide scheint doch einen super Weg gefunden 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Clara sagt:

    Hallo,🐎
    Ich finde eure Artikel über Bodenarbeit echt super und schaue häufig mal vorbei👍🏽😊Ich mache selbst viel Bodenarbeit und auch Zirkuslektionen mit meinem Pferd.
    Es klappt auch total super,mein Pferd lernt meistens (😋)sehr schnell und gut.
    Deswegen beherrschen wir die viele Übungen sowohl auf dem Boden,als auch im Sattel 🐴 .Ich habe bis jetzt aber immer nach einer gelungenen Übung am Boden,mein Pferd mit einem leckerchen oder einem Stück Möhre belohnt.
    Ist das richtig,oder sollte ich das meinem Pferd/mir lieber abgewöhnen und mein Pferd zumbeispiel nur am Ende belohnen (Bodenarbeit )?🐴☺️
    Lg Clara🙃

  4. Sabine sagt:

    Hallo Petra ,
    Danke für die schönen Artikel.
    Ich habe ein älteres Pferd , 25 Jahre das ich betreue , Pflege und spazieren gehe. Es wird nicht geritten. Kannst du mir ein paar Übungen am Boden empfehlen was ich mit ihm machen könnte .
    Damit vllt keine Langeweile entsteht wenn ich ihn nur im Kreis laufen lasse.
    Oder vllt ein Buch darüber empfehlen?
    Ich bin jetzt nicht die Pferdespezialistin was das so betrifft , ich genieße eher den Kontakt zum Pferd .
    Sonnige Grüße
    Sabine

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