Longieren? Das ist doch dieses „Im Kreis schleudern“. Das nimmt man doch gerne um Pferde vor dem Reiten ein bisschen müde zu machen…  Nur zwei Klischees rund um das Longieren, denen ich auch früher aufgesessen bin. Ja, viele nutzen die Longe leider nur genau dafür und genau das ist falsch.

Denn so bekommst du schlicht und einfach ein immer besser konditioniertes Pferd, das weder mehr Balanace hat, noch mehr Motivation. Denn sinnlos im Kreis zu laufen ist für Pferde in etwa so toll, wie für dich immer und immer wieder abspülen zu müssen. Es ist doof! Aber Longieren kann auch Spaß machen, Balance und Vertrauen bringen, Bindung und ein gutes Körpergefühl, Muskelaufbau und noch viel mehr. Wenn man es richtig macht. Wie das geht, erklärt dir jetzt die Longenexpertin Babette Teschen.

Was du alles damit erreichen kannst, wenn du dein Pferd richtig longierst, erklärt die Trainerin Babette Teschen. Zusammen mit ihrer Kollegin Tania Konnerth hat sie den Longenkurs entwickelt, der mittlerweile ein Standardwerk geworden ist.

INFO: Live erleben kannst du sie bei PFERNETZT 2017. 

PFERNETZT ist der Pferdeevent für Pferdemenschen – am 06. und 07. Mai 2017 im Seminarhotel Fohlenweide bei FULDA.

2 Tage geballtes Pferdewissen, 22 pferdefreundliche Speaker, 26 spannende Vorträge für 200 gleichgesinnte Pferdemenschen.

In spannenden Workshops, Vorträgen und Vorführungen bekommst Du Einblicke in die Arbeit von bekannten Pferdetrainern wie Babette Teschen oder Arien Aguilar und in die unterschiedlichsten Trainingsmethoden und Themen rund ums Pferd.

Hier findest Du das Programm und HIER kannst Du Tickets kaufen.

In drei verschiedenen Räumen auf der Fohlenweide wird es Vorträge geben zu Themen von feinem Reiten und vertrauensvoller Bodenarbeit über Kräuterfütterung bis zu Pferdeanatomie. Die Trainer werden dir nach den Seminaren für deine Fragen zur Verfügung stehen und wir alle freuen uns darauf, uns mit dir und den Trainern auszutauschen. Ich werde auch da sein und würde mich freuen dich dort zu treffen.

Babette Teschen - Longenarbeit (Foto: Tania Konnerth)
Babette Teschen – Longenarbeit (Foto: Tania Konnerth)

Interview mit Babette Teschen von Wege zum Pferd über richtiges Longieren, den Unsinn der Hilfszügel und Tipps zur feinen Kommunikation

Pferdeflüsterei: Ich werfe jetzt mal mit zwei „Klischees“ in Sachen Longieren um mich:

  1. Longieren – „das ist doch schleudern im Kreis“
  2. Longieren – „damit macht man das Pferd ein bisschen müder vor dem Training“

Das sind die zwei Klischee-Pole zwischen denen sich Longieren für viele bewegt. Dabei kann Longieren so viel mehr sein als das. Was bedeutet gutes Longieren für dich?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Für mich ist Longieren so viel mehr! Longieren ist eine wundervolle Möglichkeit sich mit dem Pferd gemeinsam zu bewegen, mit dem Pferd zu kommunizieren, in Kontakt zu kommen und dabei gleichzeitig das Pferd in Sachen Balance, Haltung und Laufmanier zu schulen. Für mich ist gute Longenarbeit eine Bewegungsschule für das Pferd.

Gutes Longieren bringt Abwechslung ins Training, baut Muskulatur und Kondition des Pferdes auf und macht, wenn es richtig ausgeführt wird, Pferd und Mensch gleichermaßen viel Spaß! Ein gutes Training sollte im Idealfall das Pferd auf allen Ebenen ansprechen, also auf der physischen und auf der psychischen – und genau das kann Longenarbeit, wenn sie abwechslungsreich und gut ausgeführt wird, erreichen.

Gutes Longieren und schlechtes Longieren – die Unterschiede

Pferdeflüsterei: Du sagst, dass schlechtes Longieren dem Pferd schaden kann – was macht schlechtes Longieren aus – und wie kann es dem Pferd konkret schaden?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Wenn ein Pferd in schlechter Laufmanier an der Longe läuft, schadet die Kreislinie dem Pferd physisch und auch psychisch. Durch die Schräglage, in der unausbalancierte Pferde natürlicherweise laufen, kommt es zu einer Überlastung von Sehnen, Bändern und Gelenken.

Durch das falsche Laufen wird oftmals genau die Muskulatur trainiert, die wir bei einem Pferd nicht wollen, wie z.B. die Muskulatur des Unterhalses. Ein Pferd, welches in Schräglage und ohne Biegung auf einer Kreislinie läuft, läuft auf der Vorhand. Die Muskulatur verspannt. Die Pferde haben auch mental Stress, da sie nicht in Balance sind.

Pferdeflüsterei: Was kann gutes Longieren alles beim Pferd erreichen?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Gutes Longieren ist eine Bewegungsschulung für das Pferd und befähigt das Pferd dazu, sich das ein gesunderhaltendes Laufen selbst zu erarbeiten. Das Pferd lernt, wie es auf einer Kreislinie in guter Manier läuft. Es lernt das Gleichgewicht der Schulterachse zu finden, es lernt sich im Körper zu biegen. Durch die korrekten Bewegungen baut sich die Muskulatur auf, die ein Reitpferd braucht um uns tragen zu können: eine gute Oberhalsmuskulatur, Bauchmuskulatur, Rückenmuskulatur und eine kräftige Hinterhand. Einem so geschulten und trainieren Pferd fällt es auch unterm Reiter viel leichter in guter Manier zu laufen. Damit dient gute Longenarbeit der Ausbildung des Pferdes.

Darüber hinaus kann gutes Longieren das Miteinander mit dem Menschen erheblich verbessern. Mensch und Pferd lernen sich besser zu verstehen, die Körpersprache korrekt anzuwenden und zu lesen. Diese verbesserte Kommunikation wirkt sich auch auf alle anderen Bereiche im Umgang mit dem Pferd aus, sowohl auf das Reiten, als auch auf das Miteinander am Boden.

Babette Teschen - Longenarbeit (Foto: Tania Konnerth)
Babette Teschen – Longenarbeit (Foto: Tania Konnerth)

Pferdeflüsterei: Blicken wir mal auf das Ganze mit der Pferdebrille: Was sind so die Schwierigkeiten und Hürden für ein Pferd, wenn wir mit dem Longieren starten wollen?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Es gibt im Clickertraining einen schönen Leitsatz, der für mich zum häufigsten Fehler, der beim Longieren gemacht wird, gut passt und das ist der Satz: „Beginne nie mit dem Zielbild“. Genau das versuchen die meisten Menschen beim Thema Longieren: Sie nehmen sich ihr Pferd, schnallen die Longe ans Kopfstück, stellen sich in großer Entfernung zum Pferd mittig auf und sagen „Nun lauf!“ … Das Pferd hat ja aber noch gar nicht gelernt, die Hilfegebung des Menschen zu verstehen, es kann noch nicht in guter Manier auf der Kreisbahn laufen und die Körpersprache des Menschen steht oft auch noch im Widerspruch zu dem, was das Pferd tun soll.

So kommt es häufig von Anfang an zu Missverständnissen. Das Pferd macht Fehler, die vom Menschen mehr oder weniger freundlich korrigiert und im schlimmsten Falle bestraft werden. Oftmals wird das Pferd dann noch mit irgendwelchen Verschnallungen ausgestattet (auch Hilfszügel genannt), die dem Pferd das Ganze noch schwerer und unangenehmer machen.

Für das Pferd ist das mit Sicherheit eine frustrierende und motivationskillende Angelegenheit und führt in vielen Fällen dazu, das Pferde nicht mit Spaß an der Sache an der Longe mitarbeiten und in schlechter Laufmanier laufen. Dazu kommt noch, dass der Kreis für Pferde eine besondere Schwierigkeit darstellt. Pferde laufen in der Natur in der typischen Motorradhaltung um Kurven, sie kippen dabei in den Kreis hinein.

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Pferdeflüsterei: Im Kreis laufen ist nicht gerade das, was Energiesparer wie Pferde supertoll finden – wie schaffst du es deine Pferd an der Longe zu motivieren? Oder ist das eine gymnastische „Pflichtübung“, die einfach nicht mit richtig Spaß machbar ist?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Immer nur Runde um Runde im Kreis zu laufen und nie anzukommen, ja, das ist mit Sicherheit sehr langweilig und demotivierend für unsere Pferde. Deswegen bin ich auch kein „Auf-dem-Kreis“-Longierer, sondern ich nutze alles an Fläche, was mir zur Verfügung steht. Ich bewege mich immer gemeinsam mit dem Pferd, wir laufen also miteinander: auf dem Kreis, geradeaus und viele Bahnfiguren.

Dabei liegt neben dem Anspruch, die Laufmanier des Pferdes zu verbessern und das Pferd gymnastizierend zu trainieren, der Schwerpunkt darauf, miteinander spielerisch Spaß haben. Wie bei allen Arbeiten mit dem Pferd spielt für mich die Motivation des Pferdes eine sehr große Rolle. Wenn man es schafft, dem Pferd mit viel Spaß, Begeisterung und Lob das Longieren als ein tolles gemeinsames Spiel zu vermitteln, haben die meisten Pferde viel Freude an der Arbeit an der Longe.

Babette Teschen - Wege zum Pferd (Foto: Tania Konnerth)
Babette Teschen – Wege zum Pferd (Foto: Tania Konnerth)

Pferdeflüsterei: Jetzt ist ja jedes Pferd anders – longierst du dann auch jedes ein bisschen anders? Oder gibt es Basis-Punkte, die immer gleich sind?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Ja, jedes Pferd ist anders und es sollte genau so gearbeitet werden, wie es für dieses Pferd am besten passt. Sicherlich gibt es Basisübungen, die ich bei jedem Pferd zu trainieren versuche, so sollte z.B. jedes Pferd die Seitengänge lernen, um sich korrekt zu biegen und mit dem Hinterbein unter den Schwerpunkt zu treten und Last aufzunehmen. Die Basisübung „Seitengänge“ ist für mich ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum guten Laufen auf dem Kreis. Wann und wie und mit welchem Seitengang ich aber mit einem Pferd beginne, ist von Pferd zu Pferd verschieden.

Mit dem einen Pferd muss ich eher untertourig starten, um es in die Losgelassenheit zu bringen, bei einem anderen Pferd ist hingegen erst einmal ein flottes Vorwärts wichtig.

Pferdeflüsterei: Hast du ein Bild für uns von einem korrekt longierten Pferd und kannst erklären, was daran alles gut ist und worauf man achten muss?

Babette Teschen Longieren

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Auf diesen zwei Fotos kann man den Unterschied gut erkennen. Auf dem linken Foto sieht man Inka in der typischen „Motorradmanier“ auf der Kreisbahn laufen: sie guckt mit der Nasenspitze gegen die Bewegungsrichtung, stellt sich also nach außen, sie kippt auf die innere Schulter (roter Pfeil), dadurch läuft sie schräg (grüne Linie wäre ein lotrecht laufendes Pferd). Sie biegt sich nicht, dadurch fällt die Hinterhand aus und das Pferd läuft nicht spurig auf dem Kreis. So kann die Hinterhand keine Last aufnehmen, das Pferd läuft auf der Vorhand. Durch die Schräglage werden die Gelenke, Sehnen und Bänder überlastet.

Auf dem rechten Foto läuft Pepe korrekt auf der Kreislinie. Er guckt dahin wohin er läuft, er stellt sich im Genick. Seine innere Schulter ist angehoben, wodurch sie weite, raumgreifende Bewegungen machen kann. Das innere Hinterbein hat Platz, weit unter den Schwerpunkt zu treten. Deutlich ist zu erkennen das Pepe gebogen auf dem Kreis läuft, die Hinterhand läuft der Kreisbahn folgend spurig. So findet das Pferd seine Balance und kann mit lockeren, raumgreifenden Bewegungen laufen, der Rücken ist angehoben.

Equipment – was braucht man für die Longenarbeit

Pferdeflüsterei: Kommen wir noch zum Thema Equipment – was braucht man alles für das Longieren und was macht dieses gute Equipment aus?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Unser wichtigstes Zubehör sind unser Körper und unsere Energie und Ausstrahlung. Dann brauchen wir noch einen guten Kappzaum, der dem Pferd angenehm ist, eine Gerte/Bogenpeitsche/Peitsche, eine Longe und viel Lob :-).

Pferdeflüsterei: Ich habe mal gelesen, dass du für Kappzaum mit Naseneisen bist – warum?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Ich empfehle in der Lernphase des Pferdes einen Kappzaum mit einem festen Eisen zu nutzen. Der Kappzaum ist dafür da, dem Pferd die Genickstellung korrekt zu erklären. Das funktioniert meiner Erfahrung nach durch die bessere Stabilität, die ein Kappzaum mit einem festen Eisen bietet, sehr viel besser und einfacher als mit einem Kappzaum ohne Eisen.

Pferdeflüsterei: Könnte man nicht einfach in kleineren Schritten üben und dann auch ohne Naseneisen auskommen?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Ja, das kann man sicherlich. Ich sehe nur keinen Grund dafür, es dem Pferd und mir unnötig schwer zu machen. Wenn das Eisen gut abgepolstert ist, ist es in meinen Augen nichts, was dem Pferd in irgendeiner Weise unangenehm ist. Natürlich darf das Eisen nicht klemmen oder zu wenig abgepolstert sein und der Kappzaum darf auch nicht zu eng verschallt sein.

In meinen Kursen kommen häufig Teilnehmer, die mit ihre Pferde bereits mit Kappzaum ohne Eisen gearbeitet haben, und da sehe ich sehr viele Pferde, die sich verwerfen und nicht gelernt haben sich korrekt im Genick zu stellen.

Pferdeflüsterei: Du bist gegen Hilfszügel – ich auch – magst du noch einmal kurz erklären, warum? Viele nutzen sie beim Longieren und halten sie für hilfreich….

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Für mich gibt es keine schlüssigen Argumente für den Einsatz von Hilfszügeln, aber viele intelligente Argumente gegen sie:

  • Die Pferde lernen nicht, in Selbsthaltung zu gehen/in Dehnungshaltung zu laufen.
  • Oftmals werden die Pferde durch die Hilfszügel dazu gebracht, hinter der Senkrechten zu laufen.
  • Die Stellung wird verhindert (es sein denn, sie wird durch ungleich lange Hilfszügelverschnallung erzwungen).
  • Dem Pferd wird seine Balancerstange „Hals“ genommen.
  • Der Hilfszügel kann nicht nachgeben. Muskeln, die ihre Länge und Haltung nicht wechseln können, verspannen sich und werden auf diese Weise nicht optimal trainiert.
  • Die Pferde lernen häufig, sich auf das Gebiss zu legen oder dem Druck des Gebisses zu weichen (Stirn-Nasen-Linie verläuft dann hinter der Senkrechten), statt korrekt an das Gebiss heranzutreten, und lernen damit, gegen das Gebiss zu büffeln bzw. der Anlehnung auszuweichen.
  • Ein Hilfszügel zwingt Kopf und Hals in eine bestimmte Position und blockiert so oftmals die Schulter des Pferdes (durch Anspannung des Kopf-Arm-Muskels).
  • Die Aktivität der Hinterhand wird nicht gefördert. Ein gut laufendes Pferd ist das Resultat einer aktiven Hinterhand und eines losgelassenen Rückens, der die Bewegung der Hinterhand durchlässt, und einer freien Schulter.
  • Hilfszügel blockieren die freie Schulter und stehen so dem korrekten Laufen kontraproduktiv gegenüber.
  • Die Psyche des Pferdes leidet durch Fesselung. Eine angespannte Psyche lässt kein losgelassenes Pferd zu.
  • Das Sichtfeld des Pferdes wird eingeschränkt, was das Pferd in eine hilflose Position bringt.
  • Das Longieren mit Ausbindern ist gefährlich. Wenn ein Pferd erschrickt oder Panik bekommt, kann das Pferd sich leicht überschlagen.

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Beispiele – was man mit der Longe alles erreichen kann

Pferdeflüsterei: Jetzt gibst du ja schon lange Longenkurse – hast du vielleicht eine oder zwei Geschichten parat von Pferden, bei denen sich durch deine Art des Longierens nach und nach Dinge zum Positiven verändert haben? Beispiele sozusagen für die richtige Art des Longierens und ihre Wirkung?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Oh, da gibt es viele 🙂 …

Für mich bietet gutes Longieren die Möglichkeit einer hochwertigen gymnastizierenden Arbeit in Kombination mit einer schönen Kommunikation und Beziehungsarbeit mit dem Pferd. Das wiederum hat eine positive Wirkung sowohl auf der körperlichen als auch auf der psychischen Ebene und verbessert in vielen Fällen sowohl die körperliche Entwicklung des Pferdes, als eben auch das Miteinander von Pferd und Mensch und ist damit sehr beziehungsfördernd.

Ich durfte schon sehr oft miterleben, wie so genannte Widersetzlichkeiten verschwinden, Pferde anfangen aufzublühen und Mensch und Pferd ein Team wurden. Für mich ist diese Art der Arbeit ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von körperlichen Schwächen und Krankheiten von Pferden.

Nicht umsonst wird die Arbeit nach dem Longenkurs von erstklassigen Physiotherapieausbildungsstätten ausdrücklich empfohlen und auch in Pferdekliniken bin ich regelmäßig als Referentin engagiert. Auf unserer Internetseite gibt es mehrere wunderschönen Berichte von Pferdebesitzern, die mit ihren Pferden eine tolle Entwicklung erlebt haben. zum Beispiel Anne und Pia oder Birgit mit ihrem Traber.

Pferdeflüsterei: Wie bist du denn selbst zum Longieren gekommen und wie sah das bei dir Anfangs aus?

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Ich habe das Longieren noch ganz klassisch gelernt, in der Mitte stehend, das Pferd „einrahmend“ und mit Hilfszügeln. Vieles gefiel mit dabei nicht, vor allem die Motivation und die Gefühlslage der Pferde. Mein Bauch sagte immer mehr „nein“ zu dem was ich sah und fühlte: Pferde mit unglücklichen Gesichtsausdruck, Pferde, die sich hinter den Zügel verkrochen usw.

Umso mehr ich lernte wie ein Pferd sich korrekt bewegen soll, desto mehr sah ich, dass meine damalige Art zu longieren nicht zu dem Zielbild führte, das ich anstrebte. So sah ich mich um und kam zu anderen Arbeitsweisen, aus denen ich mir Stück für Stück die Elemente zusammensuchte, die ich heute nutze.

Pferdeflüsterei: Wie habt ihr nach und nach euren Longenkurs und eure Form des Longierens entwickelt? Das war ja sicher auch ein Weg der Erkenntnis.

Babette Teschen (Wege zum Pferd): Ich war schon immer begeistert von Bodenarbeit jeglicher Art, ganz besonderes auch der klassischer Handarbeit und eben dem Longieren. Irgendwann spielte ich damit, diese Arbeiten nicht getrennt voneinander zu betreiben, sondern diese miteinander zu kombinieren.

Ich entwickelte immer mehr Übungen, die sich zu nach und nach zu einem sinnvollen Programm zusammenfügten. In meinen Praxiskursen konnte ich diese Übungen und mein Wissen über das korrekte Laufen und was dafür an Lernschritten und Hilfestellungen nötig ist immer mehr verfeinern, so dass daraus der neue Longenkurs in der heutigen Form entstand. Es steckt mein praktisches Erfahrungswissen von weit über zehn Jahren in diesem Kurs.

Pferdeflüsterei: Vielen Dank für das spannende Interview!

Für alle, die interessiert sind – HIER gibt es den Longenkurs von Wege zum Pferd zu kaufen

LESETIPPS von Wege zum Pferd für typische „Probleme“, die beim Longieren immer wieder beschrieben werden sind:

  1. Pferd stellt die Nase nach außen
  2. Pferd kommt in den Zirkel und es werden Eier statt Kreise
  3. Pferd drückt den Rücken weg und „rennt“ oder läuft einfach nur mehr oder weniger unzufrieden
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PFERNETZT ist der Pferdeevent für Pferdemenschen – am 06. und 07. Mai 2017 im Seminarhotel Fohlenweide bei FULDA.

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Autor: Petra

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

9 Kommentare zu “Richtig Longieren! Was die Longe alles für dein Pferd tun kann

  1. Luna&Sternchen sagt:

    Liebe Petra,
    Danke für diesen tollen Artikel.
    Ich persönlich nutze das Longieren gerne um Sternchen zu beobachten und um zu gucken wo unsere Schwachstellen sind. Dazu reicht dan auch ein normales Stallhalfter. Mal eine Frage außerhalb des Themas: Wie kommst du Careys Ausbildung voran? 😉

    • Petra sagt:

      Liebe Luna, der Dank gebührt Babette, die die Interviewfragen so fundiert beantwortet hat. Ich will dir da auch gar nicht reinreden bei deiner Art mit Sternchen – du kümmerst dich so liebevoll um sie, das ist wirklich immer wieder schön zu lesen. Ich persönlich würde trotzdem nicht ohne Kappzaum longieren und habe selbst auch den Longemkurs auf meinem Ausbildungsplan mit Carey. Wir longieren also aktuell gar nicht, weil das Longieren ohne Biegung und Stellung wirklich nicht so gut für die Gelenke ist. Da hat Babette sicher Recht. Deswegen um auf deine Frage zu antworten: Steht der Longenkurs auf dem Aufbildungsplan als nächster Schritt ganz oben. Nur fehlte mir die Zeit ihn so anzugehen, wie man das müsste. Das soll aber jetzt kommen. Ansonsten gehen wir viel Spazieren, üben erste Seitengänge, Biegungen und Stellung und gymnastizierung am Boden. Zügelhilfen am Boden. Also Rechts, Links, Stop, Rückwärts über anlegen und weichen. Achtsamkeit bei der Körpersprache über Freiarbeit und kleine Stimmsignale. Geritten wird noch nicht. Das kommt in diesem Frühjahr. Dann ist Carey 5 Jahre alt und wir haben auch das Go von unserer wunderbaren Osteopathin. Die Carey letztes Jahr noch etwas zu weichen Körperbau diagnostiziert hat, weshab ich von 4 auf 5 Jahre geschoben habe. Ganz liebe Grüße an euch und bis bald, Petra

  2. Tina sagt:

    Interessantes Interview! Ich bin gespannt auf die Vorführung bei Pfernetzt. 🙂 Als Anfänger gibt’s sooo viel zu lernen. Ich freu mich drauf!

    Liebe Grüße
    Tina

    • Petra sagt:

      Hallo Tina, hach wie schön! Dann lernen wir uns ja im Mai kennen – wie schön, dass du kommst!! Ganz liebe Grüße, Petra

    • Tina sagt:

      Ja, genau! Ich freu mich schon auf den ganzen Input und die Pfernetzung! Das wird bestimmt toll! 🙂 Liebe Grüße, Tina

    • Petra sagt:

      Aber wirklich 🙂 Apropo PFernetzung – ich habe gerade auf deinem Blog gelesen, dass du eine Allergikerin bist. Ich schreibe das mal so direkt, weil die Info auch auf deinem Blog ist 🙂 Wusstest du schon, dass es eine Rasse für Allergiker gibt? Curly Horse heißen diese Spezialpferdchen – auf die Allergiker wohl nicht so reagieren in aller Regel. Und haben ein wirklich knuffiges Fell. Der Name ist Programm 😉 Ganz liebe Grüße, Petra

    • Tina sagt:

      Oh, das ist aber lieb – danke für den Hinweis! 🙂 Tatsächlich kenne ich die Curlys schon, allerdings noch gar nicht lange, erst seit Ende letzten Jahres. Eine Arbeitskollegin (danke Jutta! :*) hatte mir zufällig von der Rasse erzählt, und das ist auch überhaupt erst der Grund, warum ich nach über 20 Jahren meinen Traum von den Pferden wieder ausgegraben habe. Wie das genau alles war und wie das jetzt weitergeht, schreibe ich auch bald mal genauer auf meinem Blog. 🙂 Ganz liebe Grüße! Tina

  3. Manuel sagt:

    Wow, was ein tolles Interview…tolle Tipps, die man gleich umsetzen kann. Gerade für Anfänger finde ich den Artikel super, weil man nützliche Informationen für den Anfang bekommt.

    Vielen Dank, liebe Grüße Manuel

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