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Gelassenheitstraining! Wie du deinem Pferd die Gespenster easy erklären kannst

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Der ganze Artikel für dich auf einen Blick

Gelassenheitstraining oder „Anti-Schreck“-Training? Erfahre den großen Unterschied und lerne, wie du deinem Pferd die Gespenster kinderleicht und nachhaltig so erklären kannst, dass es zukünftig mehr Mut und Gelassenheit in sich trägt. 

Gelassenheitstraining versus Anti-Schreck-Training

Dieser pingelige Umgang mit den beiden Wörtern zu Beginn eines Artikels, mag dir vielleicht erst einmal merkwürdig vorkommen, aber vertrau mir bitte und folge dem Gedanken kurz. Ich verspreche dir, dass auch noch ganz viele praktische Tipps kommen. Aber es ist unglaublich, dass wir uns bewusst machen, WAS wir mit dem Pferd trainieren wollen und einen guten Plan haben, damit unser Training erfolgreich wird. 

„Anti-Schreck“ ist das gängige Wort für das Training mit vermeintlich schrecklichen Gegenständen. Das Pferd soll lernen sich vor all den Gespenstern, die aus seiner Sicht überall lauern können, nicht mehr zu erschrecken. Das ist Prinzipiell eine gute Idee, aber wenn du es richtig angehst und Mut und Gelassenheit deines Pferdes viel mehr im Blick hast, als das „Anti-Schreck“, wird dein Training viel nachhaltiger sein. Das ist nicht nur ein theoretischer Perspektivwechsel, sondern hat ganz praktische Folgen in der Umsetzung. Bist du neugierig geworden? Dann lass uns loslegen! Wie du das mit deinem Pferd üben kannst, werde ich dir im Artikel Schritt für Schritt erklären. Aber vorher will ich dir genauer erklären, warum es bei mir kein “Anti-Schreck-Training” gibt.

Du kannst mit sehr vielen Gegenständen trainieren – vom Regenschirm, bis zur Plastiktüte. Am Besten baust du dir einen coolen Gelassenheits-Parcour und variierst ihn immer wieder. Damit du einen bunten Parcour zusammenbekommst, haben wir ein paar richtig coole Trainingsgegenstände fürs Gelassenheitstraining für dich. Damit wird dein Gelassenheits-Parcours super variabel, zum absoluten Blickfang und das Training macht gleich doppelt Spaß. Klick dich HIER ZU DEN SACHEN UND ERFAHRE MEHR DAZU

Warum wir kein Anti-Schreck-Training machen sollten

Kein Anti-Schreck-Training? Klingt absurd, denkst du? Der ganze Artikel soll sich doch darum drehen…. Ja, das ist auch so – aber ich mache trotzdem kein Anti-Schreck-Training, sondern Gelassenheitstraining. Das mag vielleicht etwas pingelig erscheinen auf den ersten Blick, aber es hat einen guten Grund. Denn wenn du deinem Pferd grundsätzlich Gelassenheit beibringen willst, gehst du unter Umständen anders vor, als wenn du einzelnen Gegenstände den Schrecken nehmen willst. 

Im Idealfall erreichst du ein gut im Kopf vernetztes und selbst denkendes Pferd, das sich grundsätzlich gelassener durch sein Leben bewegt und in gruseligen Situationen lieber erst einmal seinen Kopf einschaltet, als an Flucht zu denken und auf seine Instinkte zu hören. 

Flatterball

Im Anti-Schreck-Training da steckt ja schon genau das drin, was wir nicht mehr haben wollen: Der Schreck! Den wollen wir loswerden und doch benennen wir das Ganze auch noch danach. Ist das nicht widersinnig? Ich glaube fest, dass Wörter Macht haben und habe das Training deswegen umbenannt in Gelassenheitstraining.

Es macht einen Unterschied ob wir Gelassenheit trainieren oder mit “Anti-Schreck” arbeiten wollen:

  • Einmal nehmen wir in Kauf, dass wir das Pferd erschrecken müssen, um den Anti-Schreck-Faktor zu erarbeiten.
  • Einmal üben wir entspannt die Gelassenheit mit unserem Pferd und lassen es selbst entdecken, dass es keinen Grund gibt sich zu erschrecken. 

Der Unterschied mag klein klingen, aber es spielt eine Rolle mit welcher Intention wir auf das Pferd zugehen und wie wir unseren inneren Trainingsplan gestalten. Gerade bei emotionalen Themen ist das besonders wichtig. 

 

Pferd läuft durch die Vertrauensgasse

Gelassenheitstraining – warum und wieso?

Pferde sind Fluchttiere. Sie sind seit Jahrtausenden darauf geeicht die Flucht zu ergreifen, wenn Gefahr drohen könnte. Sie greifen nicht an, sie bleiben nicht stehen – sie rennen. Das mag ihnen oft das Leben gerettet haben in der Wildnis, ist aber für uns aktuell nicht so schön. Denn wir wollen ein Pferd haben, das bei uns bleibt. 

Im Pferd laufen aber bei drohender Gefahr in aller Regel Prozesse ab. Je nachdem wie instinktgesteuert das Pferd ist sind diese Prozesse präsenter oder weniger präsent im Alltag. 

1. Adrenalin schießt ein und wird auch schnell wieder gestoppt – Pferde sind innerhalb von Sekunden auf 180 und genauso schnell wieder runter. Stress kostet ja Energie und Energie gilt es zu bewahren für das Überleben. Deswegen können Pferde sich auch genauso schnell wieder beruhigen, wie sie sich aufregen. Letzteres kann uns in schwierigen Situationen helfen. 

2. Das Pferd orientiert sich auch an seiner Herde. Die Macht der Schwarmintelligenz spielt bei Pferden eine große Rolle. Da sie in der Herde lautlos kommunizieren, um möglichst unhörbar für vermeintliche Fressfeinde zu sein, achten sie auf feinste Muskelzuckungen und Stresslevel oder Atmung ihrer Herdengenossen. 

3. Pferde können ihr Gegenüber unglaublich gut lesen und haben grandiose Sinne – HIER findest du mehr Artikel zu den Pferdesinnen und dem Pferdekörper – wenn du noch mehr dazu lesen willst. 

Diese 3 Fakten kannst du für dich nutzen. Denn du weißt ja jetzt, dass die Aufregung schnell wieder vorbei sein kann und dein Pferd eigentlich kein Interesse daran hat diesen aufregenden Zustand lange beizubehalten. Es wird sich also schnell auf deine Ideen einlassen, wenn es lernt, dass du ziemlich gut weißt, wann wirklich Gefahr droht und wann nicht. 

Je mehr du das mit deinem Pferd in einem kontrollierten Rahmen (=Reitplatz) trainierst, desto schneller wird es das lernen. Es kann dich besser einschätzen und lernt mit jeder Runde Gelassenheitstraining, dass ihm an deiner Seite gar nichts passieren kann und die vermeintlich gruseligen Dinge gar nicht so schlimm sind, wenn du das sagst. 

Du kannst deinem Pferd also durch deine Ruhe und dein „Fels-in-der-Brandung-Feeling“ vermitteln, dass es sich an dir orientieren kann und sich – wenn du ruhig bleibst – getrost mit den gruseligen Dingen auseinandersetzen kann. Das macht es nach und nach mutiger. Denn aus Erfahrung wird man bekanntlich klug und das gilt auch für dein Pferd. 

Deswegen darfst du dein Pferd nicht überfordern und musst besonders kleinschrittig am Anfang sein, immer die Ruhe bewahren und es in seinem Tempo lernen lassen, dass es sich auf Neues ganz entspannt einlassen und es untersuchen kann. 

So werdet ihr nach und nach immer gelassener miteinander und dein Pferd lernt nachhaltig und grundsätzlich, dass du weißt, was du tust, es sich auf dich verlassen kann und an dir orientieren soll und es immer Sinn macht den Kopf einzuschalten und sich die Sachen genauer anzuschauen. 

Damit hast du dein Ziel erreicht: Du hast dein Pferd mit dem Gelassenheitstraining nach und nach immer GELASSENER gemacht und das wird es dann generell viel mehr auf neue Gegenstände und gruselige Situationen übertragen. 

Gelassen mit dem Pferd – die wichtigsten Basics

Ganz wichtiger Faktor:  Wenn du gelassen bleibst, steigen die Chancen, dass dein Pferd gelassen bleibt. Nicht nur beim Gelassenheitstraining, sondern auch im Gelände.

Wie kannst du diese Gelassenheit demonstrieren?

Nahaufnahme Vertrauensgasse

Indem du – und das ist das Schwerste – dich von deinem aufgeregten Pferd nicht anstecken lässt, die Aufregung "möglichst ignorierst" und der Fels in der Brandung für dein Pferd bist. Denn wenn du dich aufregst über dein aufgeregtes Pferd, wird es diese Aufregung nicht mit seinem Verhalten in Verbindung bringen, sondern glauben, dass da wirklich eine Gefahr sein muss – wenn du so aufgeregt bist.

In dem du eine entspannte und supergelassene Körpersprache hast.

Indem du tiiiiief ausatmest und alle Energie loslässt, wenn du dich einem vermeintlich schrecklichen Gegenstand annäherst oder dein Pferd sich aufregt.

Indem du abschnaubst oder den Kopf leicht Richtung Gras senkst.

Indem du einfach alles tust, was deinem Pferd Gelassenheit signalisiert.

Indem du kurz hinschaust und dann entspannt weitermachst – so signalisierst du deinem Pferd, dass du die vermeintliche Gefahr nicht übersiehst aber als absolut ungefährlich einstufst

Für dein Pferd bedeutet das nämlich, dass die Gefahr ja gar nicht so groß sein kann, wenn du so entspannt bist. Du bist das andere Herdenmitglied für dein Pferd und zeigst durch deine Gelassenheit, dass keine Gefahr droht und ihr entspannt weiterlaufen, weitertrainieren, euch den Gegenstand anschauen oder weitergrasen könnt.

Vergiss alle Theorien davon, dass man sein Pferd nicht loben, streicheln oder anfassen darf, wenn es Angst hat oder gar besser komplett ignorieren soll, weil man dann die Angst belohnen würde. Alles Quatsch! 

1. Dein Pferd ist ein Lebewesen mit Gefühlen, dass sich über entspannte und ruhige Ansprache freut. 

2. Angst und Stress sind „Instinktzustände“, die dein Pferd ganz sicher nicht freiwillig herbeiruft und in denen es auch nicht lernen kann. Kein Lebewesen kann das. 

–> Sei einfach an seiner Seite, gib ihm Sicherheit, Ruhe und Kraft und zeige ihm, dass Angst gerade ein sehr unnnötiges Gefühl ist, weil es keine Gefahr gibt. 

–> Je nach Pferd kannst du kleine Aufgaben abfragen und es so wieder gedanklich zu dir holen oder du schaust nach einzelnen Tipps aus dem „Embodiment for Horses“ – das sind Trainingslektionen, die die Gefühle der Pferde unmittelbar beeinflussen können. Wenn du mehr dazu erfahren willst, kannst du dir DIESEN ARTIKEL HIER noch DURCHLESEN. 

–> Du kannst dein Pferd beruhigen durch deine Atmung oder beruhigende tiefe Worte. Hilf deinem Pferd außerdem, in dem du es nicht mit Druck oder Gewalt an den Gruselgegenstand zwingst, sondern atme tief, lasse dir Zeit und mach dir bewusst, dass ihr jetzt einfach eine neue Aufgabe habt, der ihr euch zuerst widmen solltet: Den Grusel entspannt zu überwinden. 

Du lobst dein Pferd, wenn es sich beruhigt oder dem Gespenst annähert und bittest es immer wieder freundlich und fein sich dem Grusel anzunähern und es mit beiden Augen anzuschauen, zu untersuchen, zu betasten, den Kopf zu senken usw. Bleibe einfach ruhig und lass das Pferd in seinem Tempo vorangehen. 

Du kannst ihm helfen, indem du dich entspannt, tief atmest, den Gegenstand oder den Bereich zuerst betrittst und ihm damit zeigst, dass es unproblematisch ist. Du kannst es loben, sobald es auch nur in die richtige Richtung denkt: 

  • Mit Stimme,
  • Mit Streicheln
  • oder mit Leckerli

– je nachdem wie du trainierst. Manchmal kann es auch helfen, wenn man den Schreckgegenstand streichelt und lobt. Das bedeutet für dein Pferd, das er ja gar nicht so schrecklich sein kann und du kommst dir so albern dabei vor, dass du automatisch mit entspannst. 

Oder der Schreckgegenstand hat ein Leckerli. Das hältst du so nah an den Schreckgegenstand, dass dein Pferd erstens hingehen muss, wenn es das Leckerli haben will und zweitens lernt, dass der Schreckgegenstand ja Leckerli gibt, also nicht so böse sein kann.

Trainingstipp: Touch mit Lob und Leckerli

Du kannst deinem Pferd auch beibringen neue Gegenstände mit dem Maul zu berühren – das geht am besten mit Leckerli. So dass dein Pferd lernt Dinge mit dem Maul zu ertasten. Das kannst du dann mit „gruseligen“ Dingen angehen und so dein Pferd schneller freundlich dazu bringen den Gegenstand zu berühren. 

Oder du bringst deinem Pferd in einer ruhigen Trainingssituation bei den Kopf auf Kommando zu senken, so dass du eine entspannte Kopfhaltung in stressigen Situationen leichter anfragen und deinem Pferd so beim Entspannen helfen kannst. 

Dazu habe ich beispielsweise das Wort “Easy” etabliert. So hat sie gelernt, dass ich ihr Entspannung mit diesem Wort vermitteln will und sie nicht scheut oder weggeht, sondern sich schrecklichen Gespenstern erst einmal annähert, sie tastet und möglichst entspannt, wenn ich “Easy” sage.

Flattervorhang

Die wichtigsten Schritte zu einem gelassen Pferd

.Im Grunde kannst du immer nach dem gleichen Konzept vorgehen. Wichtig ist erst einmal, dass du deinem Pferd alle Zeit der Welt gibst. Wenn es drei Stunden braucht, braucht es eben drei Stunden. Du solltest es niemals zum Schreckgegenstand “hindrücken” oder gar mit Gerteneinsatz oder Lautstärke „durchtreiben“. 

Dein Pferd soll lernen gelassen zu werden, sich neuen Dingen selbstbewusst zu nähern, zu denken und positive Erfahrungen mit dem Schreckgegenstand machen.

Es soll sich damit auseinandersetzen und selbst lernen Schreckgegenstände erst einmal zu beäugen, statt vor ihnen zu fliehen. Wenn du es durchtreibst und es nicht selbst lernen lässt, wird dein Pferd nichts dazulernen.

  • Deswegen nähere dich langsam dem Gegenstand an
  • Atme tief und habe eine übertrieben entspannte Körperhaltung
  • Achte darauf, dass deine Hand den Strick locker hat und nicht aus Versehen und in Erwartung des Kommenden fest greift – diese Spannung würde dein Pferd spüren
  • Du kannst auch Singen, wenn dich das entspannt – Hauptsache du bist gelassen
  • Lasse dein Pferd um den Gegenstand herumlaufen und sich damit auseinandersetzen
  • Nähere dich dem Gegenstand immer mehr an – während du um ihn herumläufst mit deinem Pferd oder langsam heranläufst
  • Lobe dein Pferd für jeden Schritt in die richtige Richtung
  • Erlaube deinem Pferd immer wieder stehen zu bleiben und Pausen zu machen, wenn es das möchte – nur weg vom Gegenstand sollte es tendenziell nicht. Das ist die einzige Richtung, die “nicht erlaubt ist”
  • Aber nie mit Gewalt oder Lautstärke – wenn es doch mal einen Meter nach hinten hüpft bestrafe es nicht dafür, sondern schicke es einfach wieder den Meter nach vorne
  • Irgendwann solltet ihr an den Punkt kommen, dass dein Pferd so nah dran ist am Gegenstand, dass es ihn berühren könnte
  • Ideal ist es wenn dein Pferd den Gegenstand mit dem Maul berührt – denn Pferde nutzen ihr Maul um gefährliche Gegenstände zu untersuchen – wenn dein Pferd das machen will, ist es super
  • Auch wenn es mit den Hufen auf den Gegenstand tritt oder scharrt – dann untersucht es den Gegenstand. Yeay!

Trainingstipp: Annäherung und Rückzug

Wenn dein Pferd sich mit dem Gegenstand auseinandergesetzt hat, kannst du (sofern es geht) den Gegenstand hochheben und dein Pferd damit berühren.

  • Fange an der Schulter an und arbeite dich dann erst langsam zur Hinterhand und den Beinen vor
  • Wenn das geht, kannst du Richtung Hals und Kopf gehen
  • Achte darauf, dass dein Pferd eine entspannte Kopfhaltung dabei hat, den Kopf nicht hoch reißt und immer wieder blinzelt
  • Wenn dein Pferd an irgendeiner Stelle gestresst reagiert, dann gehe wieder ein Stück weg mit dem Gegenstand – Annäherung und Rückzug heißt das Spiel
  • Alles immer ruhig und gelassen und mit aaaaaller Zeit der Welt
  • Immer viel loben, sobald dein Pferd auch nur ansatzweise entspannt reagiert und viele Pausen einbauen

TIPP: Wer bewegt wen spielt eine große Rolle in der Pferdewelt. Das kannst du für dein Gelassenheitstraining nutzen. Derjenige der den anderen bewegen kann ist stärker. Wenn sich also ein Gegenstand wegbewegt, dann ist er schwächer als das Pferd in den Augen deines Pferdes – denn dein Pferd kann den Gegenstand ja jagen.

Wenn du also einen schrecklichen Gegenstand hast, kannst du ihn auch vor deinem Pferd herziehen und dein Pferd hinterherlaufen lassen. Auch das kann manchmal helfen. Bei Traktoren zum Beispiel. Wir “jagen” sie immer, wenn sie uns im Wald begegnen. Ich drehe dann auch mal um gehe dem Traktor zusammen mit dem Pferd ein paar Meter hinterher.

Vertrauensgasse mit Hund

Praktische Übung fürs Gelassenheitstraining

Eigentlich ist dieser Part ganz kurz erklärt. Du kannst dir einen Parcour aufbauen und du kannst jede Gelegenheit nutzen, die euch in eurem Alltag begegnen. 

Kein Problem, sondern eine Challenge: Betrachte gruselige Gegenstände oder „schreckliche Situationen“ nicht als Stressfaktor, sondern als Herausforderung und Aufgabe. Wenn dein Pferd also etwas gruselig findet, vermeide es nicht, sondern suche es bewusst aber kontrolliert und fokussiere dich dann darauf in aller Ruhe den Schrecken zu nehmen durch bewusstes Training damit. Sobald mein Pferd irgendeine Situation oder einen Gegenstand gruselig findet, ändere ich meine Pläne sofort und bleibe in der Situation oder bei dem Gegenstand mit meinem Pferd – solange bis es das Gespenst nicht mehr gruselig findet.

Ein Beispiel: Vor einigen Jahren wollte ich auf einem Reitplatz abends Trab-Galopp-Übergänge trainieren. Es war aber dunkel, es war windig und verregnet. Das alles hat bei meinem Pferd für eine gruselnde Grundstimmung gesorgt. Auch die beiden anderen Pferde am Platz waren gestresst wegen des Wetters und der Stimmung. Also habe ich die Trainingspläne über den Haufen geworfen und wir haben nur entspannt stehen und gemeinsam Schritt laufen geübt. 

–> Das Trainingsziel war also einfach spontan ein anderes an diesem Abend: Entspannt zu bleiben und sich mit den anderen Pferden und gruseligen Orten am Platz auseinanderzusetzen.

Aber natürlich kannst du das alles auch bewusst trainieren und dir einen schönen Parcour bauen. Deswegen habe ich jetzt ein paar coole Tipps für deinen Einstieg in das ganze Thema. 

Tipps für Gegenstände, die du verwenden kannst

  • Flatterbänder an einer Stange aufhängen
  • Regenschirm
  • Plastiktüten oder Luftballons an der Gerte befestigen
  • Planentraining mit verschiedenen Planen und Duschvorhängen
  • Laute plötzliche Geräusche von jemandem am Rand machen lassen, wenn ihr vorbeigeht
  • Fahnen und andere flatternde Schals oder Stoffe die irgendwo angebunden sind
  • Dosen an einer Schnur hinter deinem Pferd herziehen oder irgendwo aufhängen und durchlaufen
  • Fahrradfahrer, die an euch vorbeifahren

Du kannst dir also auch Stallkollegen engagieren und dann nacheinander trainieren. So könnt ihr euch gegenseitig unterstützen und auch vermeintlich schreckliche Alltagssituationen üben. Mit jedem Schreckgegenstand wird dein Pferd gelassener werden, weil es das Grundprinzip “Gelassenheit” lernt. 

HIER findest du noch einen Lesetipp von Herzenspferd zum Thema Gelassenheitsstraining 

Zum Schluss noch ein Gedanke für dich und dein Mindset – die Botschaft an dein Pferd muss immer sein: „Setze dich damit auseinander, fliehe nicht, achte auf mich und sei mutig – dann hast du ein selbstbewussteres und entspannteres Leben.“ Die Botschaft an dich: „Sei der geduldige Fels in der Brandung für dein Pferd und betrachte Gruselsituationen nicht als Problem, sondern als Challenge für eure Weiterentwicklung und Geschenk für einen weiteren Schritt zu mehr Gelassenheit. 

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Kommentare (6)

Also ich habe zwei Fragen und zwar ich geh mit meiner Pflegebeteiligung oft auf dem Feld spazieren und da is hinter einer Hecke so ein Container von an dem so ne Pläne hängt die halt so rumflattert wenn es windig ist und da erschrickt sie halt immer. Hast du da einen Tipp für die angebliche Gefahr die das Pferd nicht sehen kann?Und sie hat eine Sehne Verletzung weshalb ich mit ihr erstens auf keinen Platz kann da diese auf so einem Hügel sind den sie nicht runter darf. Deshalb hab ich nichts eingezäuntes wo ich das mit ihr machen könnte hast du da eventuell Ideen? Liebe Grüße ?

Hallo liebe Sara, tatsächlich findest du fast schon alle Infos in dem Artikel – also die praktischen Schritte. Wenn du keinen platz hast, dann bleibt vermutlich nur der Spot selbst. Ich will da ungerne aus der Entfernung Tipps geben, weil ich nicht einschätzen kann, wie panisch dein Pferd ist. Und kann im Zweifelsfall immer nur dazu raten sich einen guten und feinen Trainer vor Ort zu suchen, der euch da begleitet. Aber ich persönlich würde vermutlich diesen Ort aufsuchen, aber so viel Abstand halten, wie mein Pferd braucht um einigermaßen Stressfrei zu sein und mich dann einfach mit viel Geduld, Zeit und ohne Druck annähern. Und wenn das Tage dauert, dann dauert es eben Tage. Aber wie gesagt: Hol dir einen guten Trainer, der euch vor Ort damit hilft. Ganz liebe Grüße, Petra

Hallo liebe Petra
Also ich stehe noch sehr am Anfang mit meinem fast 4 jährigen Wallach. Ich gebe ihm viel Zeit und lass Ihn auch oft einfach Pferd sein, er ist aber seit Letzten Jahr sehr schreckhaft geworden, alle Geräuche die er hört aber nicht sehen kann oder wenn irgendwo was wackelt oder so da dreht er sich schnell und hält leider in manchen Situationen den abstand zu mir nicht mehr ganz ein. da habe ich oft etwas Angst das er mich tritt oder anrempelt.
Jetzt im Winter hat er noch seine Pause wo er Pferd sein darf, ab Frühjahr geht es wieder los und da will ich auch gerne das Gelassenheitstraining starten damit ich mit meinem Pferd eine gute vertrauensvolle Beziehung /Partnerschaft habe .
Ich weis nicht wie ich richtig damit umgehen so wenn er mich bei einem Gegenstand oder so weg zieht oder wenn er sich erschreckt wo es sehr eng ist ,wie ich mich da verhalten soll?
Vielen Dank schonmal.
Liebe Grüße Susi

Hallo liebe Susi, das ist aus der Ferne wirklich schwer zu beantworten und auch so pauschal sehr schwierig. Das sind jetzt gleich einfach mal ein paar kurze allgemeine Gedanken dazu.

Ich weiß aber nicht, wie du dann bist und wie dein Pferd dann ist – im Zweifelsfall würde ich mir an deiner Stelle immer einen sanften und guten Trainer vor Ort suchen, der euch beobachtet und dir mitteilt, was da zwischen euch passiert an Kommunikation und eventuell auch Missverständnissen in der Körpersprache.

Ich kann dir nur sagen, wie ich mit meiner Stute umgehe, wenn sie einen Schreckhüpfer macht. Wir haben von Anfang an ein paar Regeln festgelegt miteinander. Die haben sich aus den gemeinsamen Tagen und Wochen ergeben. Die Regeln meines Pferdes sind zum Beispiel: Wenn ich fresse, will ich nicht gestreichelt werden..oder: Wenn ich Nein zu etwas sage, dann habe ich einen guten Grund – hör bitte genau hin und schau, ob du etwas falsch erklärst oder ich diese Übung so noch nicht leisten kann. usw. Meine Regeln gibt es aber auch. Eine davon ist: Wenn du einen Hüpfer machst, dann bitte immer von mir weg. Und eine andere ist: Wenn du etwas gruselig findest, dann setze dich bitte damit auseinander, schau es dir an, beschäftige dich damit, bestubse es mit deinem Maul und vertraue darauf, dass ich dir nichts zeigen würde, das wirklich gefährlich ist.

So – das mussten wir immer wieder auch üben. Zum Beispiel auch indem ich den schrecklichen Gegenstand gestreichelt und freundlich behandelt habe (dann kann er ja nicht so schlimm sein), indem der schreckliche Gegenstand auch mal ein Leckerli hergegeben hat, in dem wir solange davor oder daneben standen, bis mein Pferd Schritt für Schritt selbst dorthin gegangen ist und wenn sie viel Angst hatte, dann bin ich zwischen sie und den schrecklichen Gegenstand, solange bis sie so entspannt hat, dass sie selbst einen Schritt darauf zumachen konnte. Usw.

Wenn er dich also wegzieht, würde ich persönlich meinem Pferd freundlich aber bestimmt sagen, dass ich nicht gezogen werden will und dass wir bitte stehenbleiben und uns dem Gegenstand oder Ursprung des Geräusches annähern. Solange bis es entspannt daneben stehen kann. Ohne Druck und Gewalt – mit viel Zeit und Geduld. Das kann Anfangs auch mal eine Stunde oder länger dauern, in der ihr euch nicht vorwärtsbewegt, aber eben auch nicht weg oder grasen oder etwas anderes, sondern mit dem Schrecklichen Ding beschäftigt. Und dann würde ich mein Pferd immer wieder mal freundlich bitten ein bisschen auf den Gegenstand zuzugehen.

Wenn mein Pferd auf mich springt oder mich wegrempelt, ist aus meienr Sicht das respektlos. Du wirst nie erleben, dass ein Pferd in eine Leitstute reinspringt "nur" weil es sich erschreckt. Es ist sich der anderen Pferde durchaus bewusst. Verstehe mich nicht falsch – ich habe totales Verständnis dafür, dass ein Pferd sich erschreckt oder Angst hat. Aber ich habe viel Respekt vor und für die Bedürfnisse meines Pferdes und erwarte als Gegen"leistung" einfach auch, dass mein Pferd Respekt vor mir und meinen Bedürfnissen hat. Und ein Bedürfnis ist nunmal, dass ich gerne ganz bleiben würden. Wenn also ein Pferd mich anrempelt oder auf mich zuspringt, schicke ich es entsprechend zackig auch wieder weg. Und atme danach sofort durch und schicke dem Pferd ein friedliches Gefühl. Es soll ja nicht Angst haben vor mir oder Aggression von mir spüren oder adrenalin, sondern einfach nur die freundliche aber klare Bitte verstehen, dass es meinen "Tanzbereich" bitte immer respektieren soll.

Ganz liebe Grüße und ich drücke euch die Daumen,

Petra

Liebe Petra,
deine Gedanken zum Thema Anti-Schreck- oder Gelassenheitstraining mag ich sehr. Es stimmt schon, worauf legt man den Fokus?
Ich habe noch ein paar Gedanken zu dem Thema. Einmal zum Thema wie zeigen Pferde Angst. Nicht alle Pferde fliehen in gefährlichen Situationen. Das ist meine Erfahrungen es gibt Pferde, die haben hier auch andere Strategien und ich finde es für mich wichtig diese Strategien zu kennen und unterscheiden zu können. Mein Ponymann ist z.B. einer, der bei Angst stehen bleibt. Er friert einfach ein. Ein nervöses zur Seite springen oder panisches weggaloppieren sieht man bei ihm eher nicht. Aber dieses Einfrieren. Anfangs habe ich es ehrlich gesagt für Bockigkeit gehalten bis mir klar wurde, dass er einfach Angst hat. Hier heißt es für mich immer wieder genau hinfühlen.
Unsere Pferdedame ist ein Pferd was bei Gefahr angreift. Sie rennt auch eher nicht weg, sondern dreht sich zum angstmachenden um und versucht anzugreifen. Das ist natürlich nicht ganz so ungefährlich für sie selber und für mich. Aber auch hier musste ich genau hinfühlen und spüren, dass es kein respektloses sondern ängstliches Verhalten ist in diesem Moment.
Das Pferdemädchen ist typisch Pferd, wie es wohl meistens vorkommt. Sie flieht erstmal. Bei drei so unterschiedlichen Pferden heißt es für mich immer wieder, hinfühlen, hinschauen, achtsam sein und genau überprüfen was Angst macht und ob es Angst oder etwas anderes ist. Das ist natürlich bei unserem Mädchen am leichtesten zu erkennen, aber mittlerweile kenne ich die Strategien der anderen zwei auch.
Womit ich gute Erfahrungen gemacht habe, wenn es möglich ist, das Ganze ganz frei zu machen. Ich habe am liebsten keinen Strick und kein Halfter am Pferd und sie dürfen sich auch wegbewegen. Warum auch nicht? Vielleicht waren sie sich selber kurz zu mutig. Müssen sie das dann wirklich aushalten? Dann überlegen sie sich vielleicht beim nächsten Mal, ob sie nochmal so mutig gleich vorgehen, wenn sie diese Entscheidung nicht mehr ändern dürfen. Der Ponymann ist z.B. so ein Kandidat. Er macht alles immer so nach dem Augen zu und durch System, manchmal ist er sich selber dann aber doch zu schnell.
Ich habe damit die besten Erfahrungen gemacht. Sie sind ja alle neugierig und wollen dann wissen womit ich mich beschäftige und das lobe ich einfach. Ein Weggehen wird von mir ignoriert. Ich halte sie nicht fest und versuche immer, wenn ich einen Strick habe, diesen so locker wie möglich zu halten.
Letztens habe ich den Ponys meine Geburtstagsluftballons auf den Paddock gegeben. Sie haben sie mit Freude platzen lassen, aber das war nur möglich, weil ich sie selber habe bestimmen lassen was sie tun und was nicht.
Liebe Grüße
Miriam

Hallo liebe Miriam, wie immer freue ich mich sehr über deine Gedanken – sie ergänzen so schön und zeigen oft weitere Blickwinkel auf – das ist so toll. Immer weiterkommentieren bitte :-) :-) Du hast schon Recht, dass Pferde Ängste unterschiedlich zeigen, manchmal sogar zwei der Varianten. Carey zum Beispiel hüpft manchmal weg und manchmal bleibt sie starr. Ich treibe sie auch nicht zwanghaft vorwärts – vielleicht sollte ich noch ergänzen, dass wir auch da auf unser Gefühl hören müssen, was das Pferd gerade braucht. Ich finde nur wichtig, dass das Pferd sich mit dem vermeintlich gefährlichen Gegenstand auseinandersetzt und anfängt Neugierde zu entwickeln und auf Neues zuzugehen statt immer erst in Angst auszubrechen. Bei Carey zeigt sich zum Beispiel, dass sie immer öfter nach dem ersten Schreck und manchmal sogar schon vorher von alleine auf die Orte und Gegenstände zugeht. Das war Anfangs nicht ganz so. Sie hat gelernt, dass sie sich damit auseinandersetzen kann und ihr nichts passiert und dass es sich lohnt mutig zu sein. Ohne Zwang natürlich. Sie macht das sehr neugierig und mutig. Aber natürlich ist jedes Pferd anders und ich würde sie nie "hinprügeln", wenn sie partout erst einmal weg wollen würde oder gar am Strick zerren. Manchmal gehen all diese Nuancen im Artikel verloren. Ich glaube aber auch ein bisschen mehr als du an Rahmenlinien. Du bist ja positive Verstärkerin und da ist dein Weg genau der passende. Ich glaube auch an Lob und Vertrauen und würde mein Pferd auch nie zwingen oder gar Gewalt anwenden. Das Pferd muss weggehen dürfen – das stimmt schon. Aber ich denke auch, dass ich meinem Pferd sagen kann, dass es doch mal versuchen soll sich damit auseinanderzusetzen weil es dann lernt, dass die Gefahr gar keine ist. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall und bis ganz bald, Petra

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