Clickern

Click! Leckerli! Click! Leckerli! So einfach soll das gehen mit dem Clickern. Dass es dafür mehr braucht als einfach nur einen Clicker und ein paar Leckerli, das werde ich dir in dem folgenden Artikel erklären. Positive Verstärkung nennt sich das Konzept dahinter. Es geht darum, das Pferd mit Lob und Leckerli zu trainieren. Es geht um Motivation des Pferdes und Freude miteinander und es geht um ein Training ohne Druck.

SLIDER-Bilder Clickern

Kein Druck. Das soll gehen? Ja! Sagen die Clickerer. Wie genau, will ich dir jetzt beschreiben. Ich selbst clickere nicht, habe aber schon Clickerkurse besucht, mit Clickerern gesprochen und viel darüber gelesen. Ich selbst nutze Leckerli, Lob und Liebe, aber auch Grenzen und finde das Konzept des “Weichens von Druck” in Teilen durchaus schlüssig. Im Grunde könnte man sagen, dass ich beide Konzepte mische, was wiederum Verfechter der einen und der anderen Seite gerne schwierig finden. Ich finde es nur logisch. Warum manches aus dem Clickern aus meiner Sicht super ist und manches nicht, will ich dir jetzt erklären. Der Artikel erhebt nicht den Anspruch vollständig zu sein oder in die Tiefen des Clickerns einzusteigen – es ist ein Überblick.

Wenn du selbst Clickerer bist oder etwas anderes gelernt hast, dann schreibe mir gerne einen Kommentar. Ich versuche mich ja an der Erklärung eines Konzeptes, das ich nicht selbst lebe und deswegen bin ich offen und freue mich über Anregungen und Hinweise oder Gedankenaustausch.

HIER findest du übrigens eine Artikelserie über einen Clickerkurs bei Sady von “Motionclick” – da kannst du tiefer einsteigen – ihre Bücher sind auch sehr gut

Und HIER findest du einen Kurs einer meiner Lieblings-Clickertanten Tanja von “Tash Horse Experience”

Clicker-Training ist…

…eine Trainingsmethode, die nach dem Prinzip der positiven Verstärkung arbeitet – operantes Konditionieren nennt sich das auch. Die Idee dahinter: Wenn es Lob, Liebe oder Leckerli gibt (also etwas positives) nach einem gezeigten Verhalten, dann wird dieses Verhalten sicher noch öfter gezeigt.

Das Clickern arbeitet mit Leckerli und Belohnung. Druck im klassischen Sinne mit Gertensignalen oder anderen Formen des körperlichen Drucks spielt im Clickern im Grunde keine Rolle. Clickern setzt auf die neuere Verhaltensforschung und verschiedene wissenschaftliche Erkenntnisse. Grundsätzlich ist immer wieder bewiesen worden, dass wir alle in einer lobenden und freundlichen Atmosphäre und auch durch das Verstehen einer Aufgabe besser lernen als unter Druck oder durch Kritik. Insofern ist es durchaus logisch beim Training auch auf Lob und Leckerli, Verstehen und eine gute Atmosphäre zu setzen als auf den reinen Drill und Druck. Da bin ich übrigens ganz beiden Clickerern, die im Grunde davon ausgehen dass Tiere mit Lob und Leckerli am besten lernen. Egal ob Hund, Katze, Kaninchen oder Pferd.

Wichtig ist vor allem das Timing, denn die Belohnung muss ziemlich flott auf das gezeigte Verhalten folgen (etwa 2-3 Sekunden) damit das Tier versteht, wofür es genau gelobt wurde. Deswegen nehmen die Clickerer den “Clicker” – denn der ist schneller gedrückt, als das Möhrchen aus der Tasche geholt. Der Clicker funktioniert also als Marker – heißt: er markiert für das Pferd, dass dessen Antwort richtig war und kündigt das Leckerli an. Markersignal heißt das in der Clicker-Sprache. Je nach Übung bedeutet das aber auch, dass der Mensch die Übung in viele bis tausend kleine Schritte zerlegen muss, damit das Pferd nach und nach versteht was es tun soll und so die vielen kleinen Schritte am Ende wieder zur großen Übung zusammengesetzt werden können.

Clickertraining ist keine Wunderwaffe, die alle Probleme sofort aus dem Weg räumen wird. Es ist im Grunde eine Trainingsmethode und eine Philosophie, die man verstehen muss, um erfolgreich zu sein. Denn wie bei allem erzeugt man eher Stress und Unverständnis beim Tier, wenn man sie nicht richtig anwendet. Das Timing ist beim Clickern besonders wichtig, genau wie im Grunde auch die innere Haltung. Wobei letztere bei jeder Trainingsmethode wichtig ist, aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Grundlage des Clickern ist das positive Verstärken (Teil der operanten Konditionierung):

  • Dabei wird erwünschtes Verhalten belohnt und gleichzeitig unerwünschtes Verhalten nicht bestraft sondern ignoriert
  • Das Pferd soll im Training selbst herausfinden was der Mensch möchte – allerdings zerlegt der Mensch die Aufgabe in so kleine Schritte, dass es das Pferd möglichst einfach hat die richtige Antwort zu finden
  • Beim Training arbeitest du zum Beispiel mit Targets – das kann deine Hand sein oder eine Fliegenklatsche oder etwas anderes.
  • Du lässt das Pferd nicht dem Druck weichen, sondern wartest bis es sich zum Target hinbewegt
  • Du hast ein Markersignal – zum Beispiel der Click. Es kann aber auch ein bestimmtes Wort oder Schnalzen sein – hauptsache es ist immer gleich
  • Das Pferd wird auf Target und Marker konditioniert – so dass du dann mit dem Training starten kannst
  • Du arbeitest mit Leckerli – ohne geht gar nichts beim Clickern
  • Macht das Pferd etwas Unerwünschtes ignorierst du das
Ein Beispiel: Wenn du eine Hinterhandwendung machen möchtest, würdest du in vermutlich dort mit der Gerte an die Hinterhand tippen oder das Seil dorthin schwingen, wo dein Pferd weichen soll.

Beim Clickern hältst du ihm auf der anderen Seite ein Target hin – wie zum Beispiel eine Fliegenklatsche oder deine Hand – auf die sich dein Pferd mit seiner Hinterhand zubewegen soll. Klappt das, klickst du und gibst deinem Pferd ein Leckerli.

Das war die Kurzversion. Natürlich ist das Ganze nicht so leicht und so schnell erarbeitet – sondern muss in viele kleine Schritte zerlegt werden. Wie das Schritt für Schritt geht, erklärt Tanja von Tash Horseexperience HIER in einem Artikel

Clickern – Die Ausrüstung

  • Du brauchst einen Clicker
  • Einen Leckerlibeutel
  • Gutes Timing
  • Leckerli
  • Leckerli
  • Leckerli
  • Noch mehr Leckerli

Mit dem Clicker konditionierst du das Pferd zuerst. Das heißt am Anfang gibst du dem Pferd Futter und clickst, dann gibst du Futter und clickst, dann gibst du Futter und clickst. Solange bis das Pferd das System verstanden hat.

So wird das Pferd also irgendwann verstehen dass das Clickgeräusch etwas Gutes ist, so dass du mit dem Clicker arbeiten kannst. Der Click beziehungsweise das Markersignal ist aber nicht die Belohnung und ersetzt das Leckerli auch nicht irgendwann, sondern nur das Zeichen, dass etwas super war. Danach muss immer das Leckerli folgen. Die Leckerli können auch variieren. Das “Geht so”_leckerli gibts für ganz passable Leistungen und einfache Aufgaben – das “Juchuuu”-Leckerli gibts für große Aufgaben und große Leistungen. Jackpot nennen das die Clickerer gerne.

Grob gesprochen: Anfangs musst du jedes Mal ein Leckerli geben, dann weniger. Dann wieder mehr. Du variierst also im Grunde die Clickrate. So dass du vor allem clickst und Leckerli gibst, wenn das Pferd etwas gut gemacht hat oder etwas Neues lernen soll. Dann lobst du wieder jeden kleinen Schritt mit dem Clicker.

HIER gibt es einen Artikel, der Schritt für Schritt und ganz detailliert erklärt, wie du den Click richtig installierst

  • Der Leckerli Beutel macht Sinn damit du eine entsprechend große Menge dabei hast. Denn es sind gerade am Anfang deutlich mehr Leckerli im Einsatz. Oder wenn du neue Übungen mit dem Pferd trainieren möchtest
  • Dazu noch das Timing. Das ist besonders wichtig. Denn dein Pferd wird nur verstehen, was du von ihm willst, wenn du genau die richtige Handlung clickst. Und das Timing beim Leckerli geben natürlich auch. Denn dein Pferd wird nur verstehen, dass der Clicker etwas Gutes ist, wenn du das Leckerli sehr schnell gibst, nachdem du geklickt hast. Zumindest am Anfang. Hat das Pferd einmal verstanden, dass auf jeden Click auch ein Leckerli folgt, kannst du dir auch etwas mehr Zeit lassen, bis du das Leckerli aus der Tasche geholt hast. Das PFerd hat ja den Click sofort als Zeichen bekommen.

Positiv versus Negativ

Clickertrainer sind überzeugt davon, dass ihre Tiere wacher, intelligenter und motivierter sind durch das Clickern. Da die Tiere selber mitlernen und mitentscheiden dürfen, was trainiert wird und was nicht. Anders als bei der negativen Verstärkung. Denn da steigerst du ja den Druck solange bis du ein Ergebnis bekommst, das Pferd hat also in aller Regel weniger Wahl. Deswegen gehen Clickerer davon aus, dass du beim Clickern ein motivierteres Pferd an deiner Seite hast, als bei der negativen Verstärkung.

Clickern ist Training statt Dressur und Kommunikation statt Hilfe. Das sagen zumindest die Clickerer, weil du die Hilfe nicht so lange gibst, bis das Pferd macht was du möchtest, sondern das Pferd lernt zu verstehen was du von ihm möchtest. Es bekommt nur dann die Belohnung wenn es das Richtige macht. Das soll das Pferd vor allem selbst herausfinden. Wenn auch die Aufgaben sehr kleinschrittig unterteilt werden müssen, damit das Pferd die richtige Lösung schnell und stressfrei finden kann. Unterstützt von dem Clicksignal oder dem Target, dem das Pferd folgen soll.

Anders bei der negativen Verstärkung, wie man sie zum Beispiel im Horsemanship nutzt. Die Idee dahinter ist, dass das Tier zum Beispiel durch das Erhöhen von Druck dazu bewegt wird das Gewünschte zu tun. Du erhöhst solange den Druck bis das Pferd das erwünschte Verhalten zeigt. Zeigt das Pferd das erwünschte Verhalten, hörst du sofort auf mit dem Druck. Dieses System spielt mit dem Gedanken des “wer bewegt wen” in der Pferdeherde. Pferde sind es gewohnt sich in der Herde durch Druck und dem Weichen von Druck gegenseitig zu bewegen und so die Rangordnung auszudiskutieren. Genau das macht sich die negative Verstärkung zunutze.

Egal ob nun positive oder negative Verstärkung – beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Bei beiden Systemen muss aus meiner Sicht gelten, dass das Pferd auch Mitspracherechte haben darf und bei beiden Systemen ist das Timing und die Konsequenz sehr wichtig.

So oder so kann es sonst zu Stress im Training führen.

“Gerade im Training mit positiven Verstärkern (Clickertraining) geraten die Pferde oft in eine Art Euphorie. Das ist zwar in gewissem Ausmaß erwünscht, kann aber schnell für Pferd und Mensch anstrengend werden und ins Negative abdriften. Auch können Pferde gestresst sein, wenn du zu viel Druck im Training anwendest. Achte also darauf, hier eine Balance zu halten und dem Pferd zwischendurch Pausen zu gönnen, bzw. den Druck zu reduzieren auf ein angemessenes Level.” (Zitat: Tash Horseexperience)

Gibst du das Futter also inkonsequent und achtest nicht auf das richtige Timing stresst du das Pferd bei der positiven Verstärkung. Außerdem ist die Abwesenheit von Futter – also das Ignorieren beim Clickern – auch eine Form von Stress für das Futtertier Pferd. Im Grunde also aus meiner Sicht auch eine Strafe. Genau wie ich mir immer wieder Gedanken mache um das beim Clickern übliche Ignorieren von unerwünschten Verhaltensweisen. Das ist ein Teil der Trainingsphilosophie.

Wenn ich aber das Pferd ignoriere während es mit mir zusammen ist – zum Beispiel auf dem Platz oder im Wald – dann lasse ich aus meiner Sicht das Pferd im Grunde alleine zurück mit seinen Emotionen. Je nachdem wie sehr das Pferd drängelt, gibt es auch Clickerer, die dann zum Beispiel den Platz verlassen. Ehrlich gesagt stelle ich mir das “Alleingelassensein” für ein Herdentier viel schlimmer vor als ein freundliches Nein.

Hast du bei der negativen Verstärkung ein schlechtes Timing und dosierst den Druck zu stark, stresst du das Pferd auch. So oder so haben also beide Trainingsmethoden Vor- und Nachteile. Und letztlich ist es wie immer der Mensch, der sie ausführt, der darüber entscheidet wie gut oder schlecht die Methode ist.

Ich persönlich denke dass die Mischung aus beidem ideal ist, auch wenn viele Clickerfans genau das verneinen werden. Weil du mit Lob, Leckerli und Konsequenz deinem Tier einen Rahmen setzt aus “Ja und Nein”, der das Training verständlich macht. Es kennt sowohl Futter und positive Emotionen aus seinem Pferdeleben als Glücksfaktoren, als auch Druck und Körpersprache aus dem Herdenleben. Das wiederum wird es aus meiner Sicht entspannen. Wenn Gefühl, Timing, innere Haltung und Respekt auch von Seiten des Menschen da sind.

Futterneid und Bettelei

Viele glauben, dass die Pferde Futterneidisch werden mit dem Clickern oder anfangen zu betteln. Gerade Verfechter der negativen Verstärkung sind oft ganz gegen die Futtervergabe. Ich persönlich denke, dass sie sich damit einen riesigen Motivator nehmen. Denn Futter macht glücklich und ist für die meisten Pferde ein wunderschönes Lob, eine großartige Bestätigung und eine tolle Motivation mitzuarbeiten. Aus meiner Sicht liegt es nur am Menschen und nicht am Pferd, wenn die Bettelei um Futter zu groß wird.

HIER gibt es noch einen Artikel zu genau dem Thema: Liebt mich mein Pferd nur wegen der Leckerlis?

Am Anfang der Leckerlivergabe steht für mich immer die Leckerli-Höflichkeit. Erst wenn das Pferd verstanden hat, dass Schnappen, drängeln oder beissen nichts bringen und die Leckerli dann erst Recht nicht kommen – da funktioniert das Prinzip des Ignorierens übrigens sehr gut – kann mit dem Training mit Leckerli begonnen werden.

HIER gibt es einen Artikel zum Thema “Leckerli” und “Leckerlihöflichkeit”

Wenn du dein Pferd um Höflichkeit bittest und darin konsequent und klar bleibst, sind Leckerli grandios für das Pferdetraining.

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4 Kommentare zu “Clickern

  1. Nina sagt:

    Hallo Petra,

    vielen Dank für diesen hilfreichen Artikel. Auch ich gehöre zu der Fraktion, die sowohl clickert als auch horsemanshippt. Das Clickern ist für Pferdi und mich quasi eine Art Spielrunde zum Entspannen. Wenn ich merke, dass Pferdi vielleicht mal einen eher unmotivierten Tag und nicht so wirklich Lust zum arbeiten hat … wer hat solche Tage nicht … dann kann ich ihn meist doch mit einer Runde clickern zum Mitmachen bewegen. Wenn ich den Target-Stick oder einen Spielball oder Ähnliches raushole, weiß er schon was Sache ist und sein Blick wird ganz anders :)

    Das Clickern war für mich die absolute Rettung … ich hatte mein Pferd noch nicht lange und habe ihn durch Unwissenheit so überfordert, dass er sämtliche Kommunikation mit mir einstellte. Durch das Clickern fand ich einen neuen Weg … mit viel Auseinandersetzung mit mir selbst und diversen Versuchen und Probiererei kam ich dann zum Horsemanship … da stecke ich noch in den Kinderschuhen und ganz am Anfang … aber selbst durch die ersten Basics und Anfänge hat sich mein Pferd (und ich auch) schon so sehr positiv verändert, dass ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Welch ein schönes Gefühl :)

    Viele Grüße
    Nina

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Nina, vielen Dank für deinen Kommentar – ich freue mich, dass du dich als Praxisbeispiel zu Wort gemeldet hat :-) Und noch mehr freue ich mich mit euch mit, dass ihr einen neuen gemeinsamen Weg gefunden habt. Es ist manchmal gar nicht so leicht die richtige Balance zu finden. Viele liebe Grüße, Petra

  2. Steffi sagt:

    Ein schöner Artikel. Ich bin eingefleischter clickerer, arbeite aber durchaus auch mit Druck. Nicht steigernd, sondern zum Beispiel bei der Hinterhandwendung durch auflegen der Hand mit minimalen Druck. Weicht sie auch nur ein wenig gibt es Click + Leckerli.

    Zu dem Thema "im Wald ignorieren" kann ich sagen: Nein, wir ignorieren sie und ihre Emotionen natürlich nicht. Wenn meine Stute unruhig wird oder zu drängeln beginnt bauen wir Clickerübungen wie Kopf tief oder das Handtarget ein. Wenn sie Angst vor etwas bestimmten hat, einer Mülltüte zB, gehen wir selbstverständlich darauf zu und belohnen jedes Annähern.
    Man glaubt gar nicht wie schnell das Objekt nicht mehr Gruselig ist :D Und dann kann es auch weiter gehen.

    Danke für den schönen Artikel
    LG, Steffi

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Steffi, danke für deine Gedanken und Ergänzungen zum Thema. Ich freue mich immer, wenn mehr Meinungen und Wege zu den Themen durch die Kommentare dazukommen. Ganz liebe Grüße, Petra

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