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Wie du wirklich erfolgreich mit deinem Pferd trainieren kannst

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Darum geht's in diesem Artikel

Heute bekommst du ein BAM!-Zitat von mir. Dieses Zitat passt so sehr auf die Pferdewelt und bringt eine unglaublich wichtige und oft vergessene Tatsache auf den Punkt: echter Erfolg und eine schöne Partnerschaft mit dem Pferd lassen sich nicht mit Power, Energie oder gar Kraft erreichen, wenn der falsche Wille und das falsche Mindset dahinter stehen. 

„Es braucht genauso viel Energie ein großes Ziel zu erreichen, wie ein unzufriedenes Leben zu leben.“

Napoleon Hill

Vor kurzem habe ich dieses Zitat gelesen und musste sofort an die Pferdewelt denken. Es ist der perfekte Wegweiser zu feinem, fairen und gerechten Training mit dem Pferd und es kann dir dabei helfen die Pferdepersönlichkeit in dir zu entdecken. Denn lass es uns einmal umdeuten in die Pferdewelt.

Ich dichte es für dich neu: 

„Es braucht genauso viel oder vielleicht sogar mehr Energie das Pferd mit Kontrolle und Druck in kurzfristige Trainings“erfolge“ zu drücken, wie an sich selbst zu arbeiten und sein Pferd mit Geduld und Fairness langfristig für sich zu gewinnen.“

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Im ersten Fall bekommst du irgendwann eine Maschine, derer du dir nie ganz sicher sein kannst – im zweiten Fall bekommst du einen echten Partner. 

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So sieht gutes Pferdetraining aus

Was ich damit meine? Wenn wir den Dominanz-Theorien folgen, die gerne und immer wieder gepredigt werden, müssen wir unglaublich viel Energie und Kraft in die andauernde Kontrolle unserer Pferde stecken. Denn wir erreichen damit letztlich nur kurzfristige oder unfreiwillig erbrachte Leistungen, die wir den Pferden abdrücken können, weil sie als Beutetiere nun einmal unserem Druck und unseren Ausrüstungsgegenständen in aller Regel unterlegen sind. Viel schöner ist es doch, wenn wir mit Liebe, Empathie, Gefühl, Freude und Kreativität ans Pferdetraining gehen.

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Das ganze Dominanz-und-Druck-Thema hat aus meiner Sicht mehrere dicke, schwere und zum Teil auch schlimme Haken: 

  1. Es ist nicht erstrebenswert ein anderes Lebewesen mit Druck und Kontrolle zur Zusammenarbeit zu zwingen
  2. Eine echte Beziehung ist nicht möglich, wenn einer von beiden im Grunde nichts zu sagen hat
  3. Wollen wir die Zeit mit unseren Pferden nicht lieber genießen und zwar beide – Pferd und Mensch? 
  4. Selbst wenn uns die Partnerschaft und das Herz und Gefühl der Pferde egal wäre, so wollen wir doch zumindest Sicherheit und die bekommen wir mit Zwang und Druck nicht wirklich – dazu habe ich HIER einen ausführlichen Artikel geschrieben 
  5. Es braucht mindestens genauso viel Energie und Power sich mit Kontrolle und Druck die Zusammenarbeit mit den Pferden zu erzwingen, wie es Energie braucht, um das Pferd mit Wissen, Geduld, Liebe und Arbeit an sich selbst auf die eigene Seite zu ziehen – das ist aber soviel erfüllender, befriedigender, friedvoller und vor allem tiefgreifender und langfristiger als der vermeintlich einfache Weg mit Druck. 
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Das bedeutet Druck im Pferdetraining

Was meine ich mit Druck? Es gibt verschiedene Trainingsmethoden und Ansätze in der Pferdewelt – von der rein positiven Verstärkung und damit absoluten Abwesenheit von (dinglichem) Druck bis zur negativen Verstärkung. 

All diese Trainingsformen haben ihre Berechtigung und es ist eine Frage der Menschen-Persönlichkeit und Persönlichkeit des dazugehörigen Pferdes, welche Methode oder welche Mischform daraus die Ideale sein könnte. 

Mehr dazu kannst du HIER in dem Artikel “Clickern oder Horsemanship” nachlesen

Ich möchte Druck an sich nicht verteufeln: ich denke durchaus, dass Pferde mit Druck umgehen können. Sie kennen den Druck und das Weichen von Druck schließlich auch aus ihrer Herde.

Sie kommunizieren mit Energie und mit ihrem Körper miteinander und verstehen diese Sprache durchaus sehr gut. Es geht mir eher um die Frage, wann wir Druck machen und wie wir Druck machen beziehungsweise um die Grenzen von Druck und eine faire und feine Kommunikation mit dem Pferd. 

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“Guter Druck” im Pferdetraining

Falls du jetzt verwirrt bist, will ich dir kurz definieren, was ich mit „gutem“ Druck meine: 

  • Druck ist schon dein Gedanke oder das Gefühl, dass du mitbringst, wenn du zum Pferd gehst. 
  • Druck kann ein Einatmen sein oder das ganz softe Heben der Gerte. Das alles sind verschiedene Spielarten von Druck. Denn Pferde sind unglaublich fein und jede Form von Energie im Raum kann für ein Pferd Druck sein. 
  • Druck kann auch die Abwesenheit von etwas Gutem sein, wie beispielsweise die Abwesenheit des Leckerlis. 

Wenn du beispielsweise mit positiver Verstärkung trainierst oder Leckerli benutzt, dann gehört ja auch dazu, dass es das Leckerli beispielsweise nicht gibt, wenn das Pferd unhöflich ist oder an der Tasche knabbert. Das ist aus meiner Sicht auch schon Druck. Denn für ein Futtertier wie das Pferd ist die Abwesenheit von Futter auch Druck. 

Du siehst also, dass Druck nichts Schlimmes sein muss.

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“Schlechter Druck” im Pferdetraining

Schlimm wird Druck nur, wenn er langsam und schleichend in Alternativlosigkeit für das Pferd oder gar Gewalt gegen das Pferd übergeht. Oder wenn wir eine minimale oder gar maximale Abwesenheit von Gefühl und Empathie haben im Training. 

Das ist ein schleichender Prozess und leider wird viel zu oft noch als „alltäglich“ und „normal“ im Pferdetraining betrachtet, was ich schon als Gewalt bezeichnen würde. 

  • Wenn Menschen ihr Pferd mit der Gerte schlagen, weil es nicht vorwärts will.
  • Wenn Menschen am Gebiss zerren, weil es nicht so anhält, wie der Mensch sich das vorstellt.
  • Wenn die Sporen sich in die Flanken bohren, weil das Pferd nicht so galoppiert, wie der Mensch das möchte.
  • Wenn Ausbinder eingeschnallt werden, damit das Pferd in einer vermeintlich guten Haltung läuft.
  • Wenn Pferde aufs Maul geschlagen werden, weil sie an der Tasche knabbern wollten.
  • Wenn Pferde in die Box gepackt werden und nur 2 oder 3 Stunden am Tag aufs Paddock dürfen.
  • Wenn Pferde mit Sperrriemen das Maul zugesperrt wird.
  • Wenn scharfe Gebisse eingeschnallt werden, damit das Pferd schneller reagiert oder „gehalten“ werden kann.
  • Wenn Pferde nicht vorwärts gehen wollen, weil sie vor irgendetwas Angst haben und der Mensch sie daran vorbeitreibt mit all seinen Mitteln der Macht.
  • Wenn am Knotenhalfter scharf geruckt wird, weil das Pferd nicht gleich hört.
  • Wenn mit schweren Karabinern am Kinn des Pferdes mit dem Rope geschlenkert wird, damit das Pferd rückwärts geht.
  • Wenn die Pferde mit der Longierpeitsche mit einem Zischen am Pferdehintern touchiert und getrieben werden, wenn sie nicht so laufen, wie der Mensch das möchte. 

Diese Liste könnte ich endlos weiterführen. Es sind nur Beispiele von Dingen, die ich im Alltag immer wieder gesehen habe und die mit einer Selbstverständlichkeit ausgeführt wurden, die mich immer wieder erschreckt. Mich erschreckt die Selbstverständlichkeit dieser vermeintlich kleinen alltäglichen Gewalttätigkeiten und mich erschreckt die maximale Abwesenheit von Liebe, Gefühl, Mitgefühl und Empathie, die ich in diesen Momenten sehe. 

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Ich möchte damit niemanden anprangern und ich will mich auch nicht freisprechen davon. Vieles ist über lange Jahre genauso gelehrt worden und wird auch heute noch so gelehrt. Gleichzeitig haben wir Menschen ja auch ein eigenes Paket, das wir mit uns tragen. In diesem Paket liegen vielleicht auch Ängste, Unsicherheiten oder Unwissenheit feinsäuberlich verpackt nebeneinander. 

Außerdem haben auch wir Menschen Instinkte und wenn wir es mit einem so großen und kraftvollen Wesen zu tun haben, das gerade am Strick droht durchzudrehen oder panisch zu werden, dann schießt bei uns Menschen nun einmal das Adrenalin ein.

Oder wenn das Pferd – auf dessen Rücken wir gerade sitzen und uns damit auch ein Stückweit ihm ausliefern – sich weigert zu tun, was wir wollen, dann kann das natürlich auch für Adrenalin und Stress in uns sorgen. Unser Körper ahnt durchaus, dass wir verdammt schlechte Karten hätten, wenn das Pferd unter uns sich nun gegen uns entscheiden würde. 

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Neue Wege kosten Kraft

Ich glaube, dass genau aus diesen Situationen heraus, der Unwissenheit, den üblichen gelehrten Umgansgweisen an vielen Reitställen oder den Ängsten, die in den Menschen mitschwingen, Gewalt am Pferd entsteht und als nötig verargumentiert wird. Denn wenn wir – vermeintlich – Kontrolle ausüben können, können wir Menschen uns sicherer fühlen. Dass diese Sicherheit aber sehr trügerisch ist, wird dabei gerne vergessen. 

Oder – um auf das Anfangszitat zurückzukommen: „Es braucht genauso viel Energie ein großes Ziel zu erreichen, wie ein unzufriedenes Leben zu leben.“

Es scheint im ersten Moment ein so wunderbar einfacher und klarer Weg. Aber weder bekommst du damit eine Beziehung, noch echte Sicherheit. Das wusste schon Pluvinel vor hunderten von Jahren – kannst du HIER nachlesen.

Wir Menschen müssen ja nur der Ranghohe sein und dann wird das Pferd gehorchen. Bums. Aus. Fertig. Super! Können wir uns zurücklehnen, auf die Herde und ihre Verhaltensweisen untereinander verweisen und mit all dem fröhlich weitermachen, was wir so mit dem Pferd treiben wollen. 

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Wir müssen nicht viel nachdenken, nicht viel Wissen anschaffen, keine eigenen Entscheidungen treffen – wir können einfach eine Gleichung ansetzen: 

Mensch = Boss —> Pferd funktioniert?

Das funktioniert leider auch bei sehr vielen Pferden, weil Pferde sehr nachgiebig, Harmoniewillig und Kommunikationsfreudig sind. Das funktioniert auch in vielen Situationen, weil wir Menschen die Ausrüstungsgegenstände an der Hand haben, um uns immer durchsetzen zu können und bei den Pferden, die sich grundsätzlich weigern die ganze Chausse mitzumachen, haben wir dann eben „blöde Zossen“ und „dumme Gäule“, die sich zu Problempferden mausern. 

Der beste Weg zu mehr Vertrauen und Bindung mit deinem Pferd

Aber wollen wir das wirklich? Willst du ein Pferd, das „funktioniert“? Wenn du diese Frage mit einem dicken und fetten JA beantwortest, dann habe ich einen Tipp für dich: Kauf dir ein Fahrrad! 

Denn das hat keine Gefühle, keine Schmerzen, keine Anrechte auf seinen Körper, keinen Willen und ist eine wunderbar funktionierende Maschine. 

Wenn wir aber ein Pferd haben wollen, dann ist es unsere Pflicht auch die Gefühle, Befindlichkeiten und Bedürfnisse des Pferdes in unser Training miteinzubeziehen. Wir müssen dem Pferd zuhören, verantwortlich, fair und fein handeln – und all unsere Energie in unsere seelische und körperliche Fortbildung stecken sowie Wissen über das Wesen und Verhalten der Pferde ansammeln, um dem Tier so besser gerecht zu werden. 

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Das bedeutet nicht – weil ich den Aufschrei fast schon wieder hören kann – dass wir nicht auch Regeln, Wünsche und Grenzen haben dürfen. Pferde wollen ja durchaus einen sicheren und klaren Partner an ihrer Seite haben und können sehr gut nachvollziehen, wenn wir auch Grenzen und Regeln haben:

  • Die Frage ist nicht, ob du Grenzen und Regeln für dein Pferd hast, sondern wie du sie durchsetzt und deinem Pferd erklärst. 
  • Die Frage ist nicht, ob du Trainingsziele hast und sie zusammen mit deinem Pferd umsetzen möchtest, sondern wie du deinem Pferd diese Ziele erklärst, wie sehr du die körperliche und seelische Kompetenz deines Pferdes miteinbeziehst und wie kleinschnittig du dabei vorgehst. 
  • Die Frage ist nicht, ob du der Chef bist, sondern ob ihr eine faire und klare Kommunikation miteinander entwickelt, bei der dein Pferd mitreden darf sobald es um seinen Körper geht und du mitreden darfst, sobald es um eurer beider Sicherheit geht. 
  • Die Frage ist nicht, ob dein Pferd immer gehorchen muss, sondern ob du auch Kompromissbereit bist, deinem Pferd auch zuhörst und ihr gemeinsam so trainiert, dass deine Idee letztlich zur Idee deines Pferdes werden kann

Auch diese Liste könnte ich noch endlos weiter fortführen, aber das würde diesen Artikel sprengen. Es sollen einfach nur ein paar Inspirationsbeispiele dafür sein, wohin du dein Mindset und deinen Blickwinkel lenken kannst, wenn du einen fairen und feinen Weg mit deinem Pferd gehen willst. 

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Ich will es zum Schluss noch einmal kurz zusammenfassen – ganz viel lässt sich in drei Punkten zusammenfassen: 

  1. Lerne die Pferde kennen und schaffe dir ganz viel Wissen über Pferdeverhalten und den Pferdekörper an
  2. Arbeite an dir, deinem Blickwinkel, deinem Mindset und deiner inneren klaren und fokussierten Gelassenheit
  3. Was du nicht willst, dass man dir tut – das füge auch keinem anderen zu

Dieses ganze Thema ist unglaublich vielschichtig und lässt sich sicher nicht in einem Artikel erklären. Es gibt dazu schon sehr viele Artikel hier auf der Pferdeflüsterei, die im Grunde alle kleine Bausteine sind, die sich zu einem Fundament zusammenbauen, auf dem du eine Beziehung mit deinem Pferd aufbauen kannst. 

Wenn du magst, dann stöbere einfach noch ein bisschen durch das Blog. Ein oder zwei Artikel habe ich dir schon verlinkt. 

Wenn du es noch praktisch angehen willst, findest du HIER eine Serie, wie du ganz praktisch in die feine Beziehungsarbeit gehen kannst. 

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The Place to be für Deine Meinung:

  • Alexandra sagt:

    Liebe Petra,

    da hast du es nochmal treffend auf den Punkt gebracht!
    Manchmal sind meine pferdigen Freunde allerdings ganz schön gnadenlos, wenn ich dachte, ein Thema sei abgearbeitet, und in ihren Augen ist das Ergebniss noch optimierbar;-)) Kennt ihr das auch?
    Sammy ist ja sehr sensibel, und reagiert meist schon auf einen Blick und eine minimale Geste hin. Im Frühling hat er dann noch Probleme mit seiner Allergie, alles juckt, und ich hab jetzt wieder gemerkt, wenn ich mit der falschen Einstellung hingeh, nicht selber völlig gechillt bin, oder mich mit der Frage beschäftige, was andere über uns denken, statt ganz bei ihm zu sein, fällt er wieder in sein altes”gleich mal in die Luft gehen” Muster zurück.
    Dann folgen unweigerlich die Kommentare von wegen ungezogen, nicht durchgehen lassen mit den entsprechenden Ratschlägen.
    Inzwischen denke ich, die einzige Lösung ist, solange an mir zu arbeiten, bis ich mich auch innerlich nicht in diese Spirale reinziehen lasse und stattdessen gelassen bei mir selbst bleibe. Nur so kann ich ihn da abholen und auf dem Weg aus diesem Verhalten begleiten.
    Dummerweise stehe ich mit diesem Konzept ziemlich allein auf weiter Flur, abgesehen von der langsamen Besserung von Sammys verhalten.
    Das ich den beiden auch ein Mitspracherecht bei der Frage, ob und wie lange wir reiten zugestehe, verursacht ebenso Augenrollen, allerdings nicht bei den Pferden.

    Meine Aufgabe hab ich jetzt darin gefunden, zu lernen selbstbewusst und ohne negative Gefühle damit umzugehen, gegen den Strom zu schwimmen anstatt die Pferde erziehen zu wollen. Und ich bin sicher, mit einem völlig problemlosen Reitpferd hätte ich nie soviel über Pferde, Kommunikation, meine Mitmenschen und mich selbst gelernt wie mit den zwei besten Personal Coaches der Welt!

    Viele Grüße an alle, und bleibt gesund!

    Alexandra

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Alexandra, das unterschreibe ich alles und kenne im Grunde auch alles. Auch wenn ich mir manchmal ein superbraves und superliebes megakuscheliges Pferd wünschen würde, weil es so viel einfacher wäre – bin ich meiner Kleinen unglaublich dankbar dafür, dass sie fordernd, willensstark und klar ist in ihrer Meinung. Nur so konnte und kann ich lernen :-) Wobei wir letztlich auch von den "braven" Pferden etwas lernen können. Sie sagen es nur einfach freundlicher und feiner und werden deswegen gerne überhört. Ganz liebe Grüße, Petra

  • Miriam sagt:

    Liebe Petra,
    wie meistens kann ich dir nur zustimmen. Ich habe für mich gelernt, dass der Weg zu meinen Pferden über mich geht. Und dieser Weg endet nicht. Gerade stellt mich unser kleines Wildpferd vor Herausforderungen. Sie fordert noch mehr ein, dass ich ihre persönlichen Grenzen achte wie meine anderen Beiden. Ist der Ponymann ein absolut körperbetontes Pferd und möchte immer am liebsten auf den Schoß sitzen, hält sie Abstand. Mag nicht einfach so angefasst werden und nimmt unbedachtes Verhalten hier sehr krumm. Sie achtet sehr auf ihren persönlichen Raum. Übrigens kann ich sagen, dass sie das im Gegenzug auch bei mir sehr deutlich macht. Hier stelle ich fest, dass ich manchmal noch etwas “beleidigt” bin, wenn ich merke, dass ich mir Mühe gebe und sie mich trotzdem “zurück weist”. Meine Lernaufgabe ist hier wohl, dass ich meine Erwartungshaltung überdenke und ich nicht dafür “belohnt” werden will, bloß weil ich mich so anstrenge. Sie hat ein Recht auf ihren Körper und ihre Grenzen. Egal wieviel Mühe ich mir gebe, sie darf ihre Grenzen haben und nur weil ich nett bin, muss sie nicht “Ja” sagen.
    Noch fällt es mir manchmal schwer, aber ich bin ihr dankbar, dass sie mir auch hier hilft meine eigenen Punkte anzugehen. Ich könnte sie natürlich zwingen sich anfassen zu lassen, aber was habe ich dann gewonnen?

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Miriam, wie wunderschön deine Gedanken wieder sind. Deine Pferde können sich so glücklich schätzen, dass sie bei dir gelandet sind. Ich kenne deine Gefühle übrigens auchs ehr gut. Denn ich habe ja auch kein Schoßpferd, obwohl es meiner Harmonie-bedürftigen Kuschelseele sicher manchmal leichter wäre, lerne ich viel mehr durch meine Kleine und ihre Persönlichkeit und lerne auch die zarten kleinen Momente viel mehr zu schätzen. Ganz liebe Grüße an deine kleine Wildstute und die anderen, Petra