Clickerst du schon? Oder Horsemanshippst du etwa noch? Reitest du Dressur? Oder bist du ein Westernreiter? Magst du das englische Reithalfter lieber oder kannst du dir dein Leben nur mit Bosal vorstellen? Ach was, Bosal, sagst du vielleicht. Ich reite nur Gebisslos. Wie??!? Gebisslos? Das ist ja wohl total gefährlich und gymnastizieren kann man sein Pferd ja wohl auch nicht richtig damit. Und erst dieser Druck auf Nase und Genick bei den Gebisslosen Reitern. Das ist ja wohl gar nicht freundlicher als das Gebiss!! Nichts geht bei dir ohne die Trense im Maul. Das ist doch anatomisch korrekter als der Nasendruck von den Gebisslosen Zäumungen. Und jetzt? Was ist richtig und was ist falsch?Oder findest du vielleicht sogar, dass man immer und unbedingt ohne Sattel reiten sollte? Um GOTTES Willen, schreit es da von rechts und links: Ohne Sattel? Das ist ja das Schlimmste, was man dem Pferderücken antun kann. Von wegen punktuelle Gewichtsverteilung…

Stichwort Haltung

Gehört dein Pferd in den Offenstall oder hältst du nur (aber wirklich ausschließlich) den Paddocktrail für die einzig wahre Haltungsform?

Pferd auf Koppel

Und was ist eigentlich mit den Hufen? Beschlägst du dein Pferd etwa mit Eisen? Siehst du meinen entsetzten Blick? Wie kannst du es nur so quälen? Wie??!? Es hat einen Sehnenschaden? Die Eisen sind kurz mal aus gesundheitlichen Gründen drauf? Na, ich weiß ja nicht… Nur Barhuf ist das einzig Wahre und da bitte nur Strasser. Um GOTTES WILLEN kreischt es wieder rechts und links, nur Biernat. Nichts anderes kommt mir in die Tüte an das Pferd. Ich sage: Am liebsten Barhuf und mein Pferd und seine Gesundheit entscheiden dann mit.

Buchtipp*:

Stichwort Bodenarbeit

Ach, du machst Liberty*? Zirkuslektionen? Das geht gar nicht. Hochgefährlich! Also wenn Bodenarbeit, dann nur an der Longe. Vielleicht Dual-aktivierst* du schon und liebst die Farben Gelb und Blau oder du Geitnerst auf keinen Fall sondern longierst einfach nur so. Weil man eben mal gesagt hat, dass man longiert. Wer auch immer „man“ war.

Stichwort Horsemanship versus Clickern

Auf jeden Fall würdest du niemals ein Knotenhalfter benutzen. Horror, die Dinger! Was man damit alles falsch machen kann. Dafür nimmst du lieber einen Halsring und danach schwingst du sieben Spiele lang Seile um dein Pferd herum. Weil du das mal so gelernt hast. Das ist Horsemanship. Und Horsemanship ist ja auch ein Kurs den man buchen kann und plötzlich ist man Horsemanshippler. Deine Boxennachbarin schaut dich nur entsetzt an. Du arbeitest mit Druck? Du machst Horsemanship??!? Das geht ja wohl gar nicht. Du musst Clickern*. Das ist Motivation, nur so clicken äääh ticken die Pferde.

STOOOOP!

STOP! …möchte ich da manchmal laut schreien.

Was denn nun? …möchte ich brüllen.

Und wieso bitte muss ich mich entscheiden? …möchte ich fragen.

Und du stehst vielleicht auch manchmal zwischen all den Möglichkeiten und willst eigentlich nur wissen, wie du eine gute Verbindung zu deinem Pferd aufbauen kannst, was dein Pferd braucht um zufrieden zu sein und wie du deinem Pferd und dir gerecht werden kannst.

Freiarbeit auf der Koppel

Was ist richtig und was ist falsch?

Ich fürchte diese Frage kann ich dir nicht beantworten. Die kann dir niemand beantworten. Denn du bist eine Persönlichkeit und dein Pferd ist eine Persönlichkeit. Da haben wir also schon mal zwei. Das ist der erste Punkt.

  • Vielleicht ist dein Pferd dominant und du unsicher.
  • Oder dein Pferd ist unsicher und du manchmal zu laut.
  • Oder dein Pferd hat einen kleinen Kiefer und mag das Gebiss nicht oder dein Pferd mag keinen Druck auf der Nase haben.
  • Du möchtest unbedingt gebisslos reiten. Aber dein Pferd fühlt sich unwohl mit Bosal und Sidepull.
  • Oder es hört dir dann einfach nicht mehr zu, weil es grundsätzlich der Meinung ist, dass es mehr zu sagen hat als du.

Vielleicht ist dein Pferd kein guter Futterverwerter und möchte sich im Offenstall nicht mit den anderen Pferden ums Futter streiten. Es ist dir also vielleicht dankbar, wenn es abends in seine Box darf und in Ruhe fressen und schlafen kann. Es ist dann die Verantwortung für sich und andere abends los und kann erst dann entspannen. Vielleicht fühlt sich dein Pferd aber so wohl in der Herde und ist so gelassen und selbstbewusst, dass es sich beim Futter durchsetzen kann und hasst es ohne seine Herde in der Box zu stehen.

Pferd schaut in die Kamera

Was wichtig ist und immer gilt: Sei ein ruhiger sicherer Ort für dein Pferd! Lerne dein Pferd kennen und gib euch Zeit. Sei klar, fair und höflich. Achte deine Grenzen und beachte deine Regeln genauso wie die deines Pferdes. Setz euch nicht unter Druck und such einen gemeinsamen Weg für euch beide. Ich persönlich finde Dressur spannend, sitze gerne im Westernsattel und liebe Bodenarbeit – besonders die Freiarbeit. Und du? Und dein Pferd?

(Reklame)

Was liebt dein Pferd?

Vielleicht hat dein Pferd nicht den Körperbau für die hohe Dressur und fühlt sich unwohl mit einem schwingenden Seil, dafür liebt es das Clickergeräusch. Oder es fängt sofort an fordernd zu werden, will in deinen Taschen wühlen und hat keinerlei Futterdisziplin und du schaffst es einfach nicht das Gebettle deinem Pferd abzuerziehen. Dann eben weg mit den Leckerli. Manchmal muss man auch einfach nur pragmatisch sein.

Pferd hört hin

Die Frage muss also lauten: Was ist richtig und was ist falsch für dich und dein Pferd?

Wie ist der Charakter deines Pferdes? Wie ist seine Persönlichkeit? Wie ist deine Persönlichkeit? Wo habt ihr Schnittmengen und wo habt ihr vielleicht Probleme und mit welchen Trainingsmethoden könnt ihr beide, individuell, am Besten zusammenkommen.

  • Schau dir dein Pferd an.
  • Beobachte es in der Herde.
  • Wie geht es mit den anderen Pferden um?
  • Wie geht es mit anderen Einstellern um?
  • Wie verhält es sich auf der Weide?

Kurz: Mach erst einmal eine Charakterstudie von deinem Pferd. Wenn du dir langsam klarer darüber bist, wer dein Pferd eigentlich ist, kannst du dich und dein Pferd beobachten.

Pferde frisst

So kannst du an deiner Charakterstudie noch arbeiten: 

  1. Versuche immer wieder eure Dynamik zu beobachten, versuche euch von außen zu betrachten.
  2. Bitte nette Stallkollegen darum euch bei der Arbeit zuzusehen und dir zu sagen, wie du und dein Pferd auf sie wirken. Frage sie, wie sie euch als Duo wahrnehmen.
  3. Was ihnen Gutes und vielleicht auch Schlechtes auffällt.

Immer vorausgesetzt, dass du eine nette ehrliche und faire Stallgemeinschaft hast, die nicht dem Schubladendenken verfallen ist.

Das bringt mich zum nächsten Punkt. Weg mit den Schubladen! Bitte! Wirklich! Ich meine es ernst: Weg mit den Schubladen!

Clickerst du schon oder Horsemanshippst du noch?

Ich kann es ehrlich gesagt nicht verstehen, wenn die Clickerer die Horsemanshippler doof finden oder die Horsemanshippler sich über die Clickerer lustig machen. Es ärgert mich wenn die Dressur-Reiter die Western- oder Freizeitreiter belächeln und die Westernreiter die Dressur ignorieren.

Ich finde es wichtig die Methoden zu kennen, offen zu bleiben, Fragen zu stellen, verschiedene Reitweisen zu betrachten und verschiedene Trainingsmethoden anzusehen und sich dann das Beste für das eigene Pferd rauszuziehen. Aus allen Methoden. Das nennt sich dann gesunder Menschenverstand.

Freies Hallo

Ein Beispiel: 

Nimm doch einfach mal dich und deine Freunde. Der eine joggt vielleicht. Die andere macht lieber Yoga. Die dritte ist so nervös, dass sie meditiert. Der nächste klettert oder wandert. Und manche Joggen und machen Yoga. Schreit da irgendjemand, dass man Yoga und Joggen nicht gleichzeitig machen kann? Nein! Warum sollst du dann also nicht Methoden im Training von dir und deinem Pferd mischen.

Das musst du dir wie einen Werkzeugkasten vorstellen, den du dir in deinem inneren Baumarkt kaufen und im Stall abstellen kannst. Dann packst du die verschiedenen Erfahrungen und Trainingsmethoden nach und nach in deinen Werkzeugkasten und holst je nach Pferd und Situation dann das passende Werkzeug raus.

Ein Werkzeugkasten muss gut gefüllt sein

Dressur: Sie ist gut, weil sie deinem Pferd dabei hilft balanciert, dehnbar, biegsam und muskulär gut aufgestellt zu sein. Dank den gymnastischen Übungen der Dressur kann dein Pferd an seiner Hinterhand Kraft entwickeln, die Bauchmuskeln aktivieren, den Rücken aktivieren und den berühmten Schwung und die Versammlung entwickeln. Nach und nach. Am Boden und im Sattel. Immer besser und besser und besser. Aber: Das Training sollte individuell auf die Schwächen deines Pferdes angepasst werden.

Westernreiten: Das Pferd soll lernen sich selbst zu tragen. Du gibst möglichst keine Hilfen, wenn dein Pferd gerade macht, was es soll. Impulsgebende Hilfen. Das ist toll, weil dein Pferd ganz klare Signale bekommt. Du sagst deinem Pferd, was du dir wünschst, zum Beispiel Galopp, und dann lässt du es in Ruhe solange es galoppiert. Die Botschaft ist logisch und klar.

Clickern: Positive Verstärkung. Du hast ein Geräusch, auf das du dein Pferd mit Leckerli konditionierst. Wenn dann das Geräusch kommt, weiß dein Pferd genau, dass du etwas von ihm haben willst oder es etwas gut gemacht hat. Es wird anfangen von alleine nach der Lösung zu suchen. Das ist toll, weil es motiviert ist.

Horsemanship: Werde ein Pferdemensch. Lerne die Pferde zu verstehen und setze deinen Körper so ein, dass die Pferde ihn aufgrund der klaren Körpersprache lesen können. Das entspricht dem natürlichen Verhalten der Pferde. Das ist toll, du fängst an in der Sprache der Pferde zu sprechen.

(Link zum Pferdeflüsterei Shop)

Ich könnte das jetzt noch ewig so weiterführen. Jede Methode hat Vorteile, jede Methode hat auch Nachteile.

  • Warum soll ich also nicht positiv konditionieren und gleichzeitig meine Körpersprache einsetzen?
  • Warum soll ich mein Pferd nicht gymnastizieren und gleichzeitig auf die treibenden Hilfen verzichten?
  • Warum soll ich auf jedes Pferd die gleiche Methode anwenden – wenn das eine vielleicht mehr auf Körpersprache und Erziehung und das andere mehr auf positive Konditionierung und Clickergeräusch abfährt.

Carey auf der Weide

Warum musst du dich entscheiden? Ich finde: Nein!

Eigentlich ist sie nämlich ganz einfach, die Antwort auf die Frage: Was ist richtig und falsch für mein Pferd?

  1. Lerne dein Pferd kennen
  2. Schau dir dein Pferd an und achte darauf, wie es reagiert – worauf reagiert es gut und worauf schlecht?
  3. Arbeite am Boden an eurer Beziehung
  4. Besuche dein Pferd auch mal auf der Koppel und verbringe Qualitätszeit mit deinem Pferd
  5. Arbeite an deiner inneren Haltung – vom inneren Ommmmh bis zu dem selbstbewussten Wissen was du willst
  6. Arbeite an deinem Reitersitz
  7. Gymnastiziere dein Pferd – so viel wie es kann und so individuell, wie es das braucht
  8. Stell es in den Offenstall oder in die Paddockbox oder in den Aktivstall oder in den Paddocktrail – hauptsache die Herde versteht sich und es darf mindestens einige Stunden täglich mit Artgenossen auf die Weide – mag dein Pferd keine Artgenossen? Dann hör darauf!

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Trainingsmethoden sind nur eine Auswahl und die Erklärungen ein klitzekleiner Einblick. Auch die Themen Futter oder Barhuf oder Haltung sind wichtig. Auch da scheint es nur Lager zu geben. Entweder ist etwas bombig oder beschissen. Entweder man macht es so oder so. Als ob es nur schwarz und weiß gäbe. Das macht mich ehrlich gesagt manchmal fertig.

Weil ich mich ganz oft frage: Wo bleibt denn der gesunde Menschenverstand? Wo bleibt die Individualität? Und ganz ehrlich: Wo bleibt die Toleranz?

Worauf ich hinauswill: Deine Aufgabe ist es so viel Wissen wie möglich zu sammeln und dann zu sehen, welches Wissen zu dir und deinem Pferd in welcher Situation passt. Und dafür zu sorgen, dass dein Pferd gesund und artgerecht trainiert und gehalten wird. Die Aufgabe deines Pferdes ist es dir Rückmeldungen zu geben und zu lernen dir zu vertrauen. Dafür musst du wiederum eine vertrauenswürdige Person sein. Nach welcher Methode du das erreichst ist vollkommen egal, hauptsache sie ist gewaltfrei und fair.

Weg mit dem Schubladendenken! Wenn du die Methoden mischen willst, dann mach das. Wenn dein ganzer restlicher Stall Horsemanship oder Liberty für das Grauen hält, egal – wenn du dein Pferd kennst und überzeugt davon bist, dass es das Richtige für euch ist, dann mach es. Wenn du dazu clickern willst und alle clickernden Stallgenossen entsetzt sind, dass du mischen willst – egal: wenn es das Richtige für dich und dein Pferd ist, dann mach es. Egal, was der Stall sagt. Hör auf dein Bauchgefühl und hör auf dein Pferd.

Frage: Kennst du auch diese Geschichten, dass dir jeder reinreden will? Was beschäftigt dich bei dir und deinem Pferd? Schreibe mir! Ich freue mich auf deine Geschichte

 

Autor: Petra

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

18 Kommentare zu “Dressur meets Horsemanship und wer clickert darf auch Knotenhalftern!

  1. Claudia Barfuss sagt:

    Guten Morgen Petra, ich lese regelmässig mit und mir gefällt Dein Artikel hier sehr, da er dazu aufruft andere Meinungen zu respektieren. Über den Tellerrand hinaus zu blicken.
    So lange das eigene Pferd im Mittelpunkt steht und es um dessen Interesse geht ist jede Trainingsmethode ok. Wie Du finde ich wichtig, dass man informiert bleibt und sich selbst auch immer wieder hinterfragt.
    Dazu kommt noch, dass man im Alltag manchmal Kompromisse machen muss.
    Herzliche Grüsse aus der Schweiz, Claudia von 4my.horse

    • Petra sagt:

      Liebe Claudia, wie lieb – ich freue mich sehr über deinen Kommentar. Genau darum ging es mir im Artikel. Nicht darum eine Richtung zu bevorzugen, sondern um die Idee offen zu bleiben, immer dazu zu lernen und sich selbst zu hinterfragen. Die Kompromisse gehören dazu 😉 Ganz liebe Grüße, Petra

    • Alexandra sagt:

      Hallo Petra!

      Genau das meinte ich in meiner Mail 🙂 Lustig, dass ich als erstes nach der Newsletter-Anmeldung über diesen Artikel falle.

      Du beschreibst das innere Chaos vieler Reiter ganz wunderbar! Und auch die „unsichtbaren Grenzen“ an die viele bei dem Arbeit mit ihrem Pferd stoßen. Die Welt ist voller Vorurteile und Angst vor neuem. Besserwissern und Druck von außen. Und dabei ist es doch nur wichtig was einem selber gut tut!
      Wie sanft oder grob eine Methode, ein Gebiss, ein Was-weiß-ich ist, und ob man Trainingsmethoden mischen kann, hängt letzten Endes von der ausführenden Person ab und natürlich vom Pferd. Vor allem aber vom Verständnis dessen was man da überhaupt tut!

      Steigert jemand z.B. beim Natural Horsemanship solange unreflektiert den Druck „BIS DA WAS PASSIERT!!!“, weil man das da einfach so machen muss, ist das sehr wohl eine grobe Trainingsmethode. Denkt der Mensch aber kurz mal nach, statt draufzuhauen, so kann er vielleicht feststellen, dass das Pferd ihn so einfach nicht versteht – er die Hilfe vielleicht anders erklären sollte.
      Erarbeitet er dann z.B. mit dem Clicker das Weichen von Vor- und Hinterhand oder den Wechsel der Gangarten, dann fluppt plötzlich auch das NHS ohne Gewaltexzesse.

      Und trotz dieser Erfolgsgeschichten ist Mischen immernoch verpönt. Schade ehrlich gesagt.

      Vielen Dank für diesen Artikel! Ich liebe ihn!

    • Petra sagt:

      Hallo Alexandra, du sprichst mir mit deinem Kommentar aus der Seele. Danke dafür. Genauso sehe ich das auch. Es sind die Menschen die etwas Gutes oder schlechtes aus den meisten Dingen machen. Schade eigentlich, dabei könnten wir doch schlauer sein. Aber nach und nach wird sich etwas ändern, ich bin zuversichtlich 🙂 Liebe Grüße und bis bald, Petra

  2. Nadja sagt:

    Was für ein cooler Text! Wobei es selbst gegen Toleranz und Über-den-Tellerrand-Schauen noch das Gegenargument gibt: „Die macht alles ein bisschen und nichts richtig.“ Oder „Die sucht doch nur nach Abkürzungen“. Ich denke, dass Paledo schon viel Toleranz braucht bei meinen diversen Experimenten – seien es Gebisse oder verschiedene Reitweisen und Hilfengebungen 🙂 Aber am Ende kommen sie im zu Gute. Ich bin auch durchaus der Meinung, dass man manche Dinge nicht kombinieren kann – und finde das auch nicht schlimm. Denn wie du schreibst: Was für den einen passt, muss nicht für den anderen passen. VG! Nadja

    • Petra sagt:

      Hey Nadja, danke dir 🙂 jajaaaa, immer diese Gegenargumente. Ich finde, solange wir unserem Pferd und selbst treu bleiben, immer unserem Pferd und uns selbst in die Augen schauen können, dann kann gar nicht so viel schief gehen. Und am Ende hast du absolut Recht damit: Was für den einen passt, muss für den anderen nicht passen. Das wird das neue Toleranz-Motto 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Nina Witzle sagt:

    Huch, das sollte noch nicht abgeschickt werden. Weiter geht es also:
    Du beschreibst es haargenau wie es ist. Die meisten Menschen haben ihr Regal im Kopf, in dem alles fein säuberlich in den Schubladen untergebracht ist! Und wehe, jemand will das eine Paar Socken in die oberste Schublade legen! Das gehört da nicht hin!
    So oft sieht man leider Sachen ablaufen, die „schon immer so gemacht wurden“. Es wird nicht auf die Bedürfnisse der Pferde geachtet und andere Möglichkeiten werden meist erst dann in Erwägung gezogen, wenn die eigene schon sowas von schief gelaufen ist, dass nichts mehr geht. Wenn dann die Rettung naht, wird man wahrscheinlich alles von vorher wegwerfen… anstatt zu versuchen, sich aus allem das positive herauszuziehen. Und das ist wirklich das wichtigste, woran wir alle arbeiten sollten. Ich möchte das gern mit deinem schönen Satz beenden, dass sowohl jeder Mensch, als auch jedes Pferd eine Persönlichkeit ist. Und für jedes Paar etwas anderes das Beste und Richtigste sein kann.
    Vielen Dank und liebe Grüße
    Nina Witzke, pferdetherapie-witzke

    • Petra sagt:

      Oh Gott ja! Danke für deinen Kommentar 🙂 Dieses „das macht man halt so“ oder das „Man hat das immer schon so gemacht“, das macht mich wirklich fertig. Es gibt Gutes und Schlechtes und man sollte immer wissen, was welche Wirkung hat und sich dann entscheiden, ob man es nutzen will oder nicht. Und nicht dieses „Das hat man eben schon immer so gemacht“ *wuaaaah* Du machst Pferde-Therapie, lese ich da? Da begegnet dir wahrscheinlich auch sehr viel. Ein spannender Job, stelle ich mir vor. Und vermutlich hast du auch viele Techniken und Methoden, auf die du dann bei Bedarf zurückgreifst? So viele Fragen! Ganz liebe Grüße auf jeden Fall und bis bald, Petra

  4. Miriam sagt:

    Hallo Petra,

    ich versuche mehr bei mir zu bleiben und weniger auf die anderen zu schauen. Das gelingt mir nicht immer, aber ich möchte meinen Fokus mehr auf meinen Weg mit meinem Pony haben wie auf dem was andere tun. Ratschläge versuche ich selten zu geben. Lieber berichte ich einfach, wie mein Pony und ich mit diesen Dingen umgehen.
    Eigentlich bin ich in der Dressur zu Hause. Trotzdem bin ich jahrelang Wanderritte mit Westernsattel geritten. Mein Pony steht in einem Stall, in dem zumindest momentan noch eine Horsemanshiptrainerin ist. Bei dieser Trainerin habe ich einen Kurz zum Thema Equicinetic besucht und bereue es nicht. Allerdings habe ich diesen Kurs nicht mit meinem eigenen Pony besucht, sondern Ponys von ihr für den Kurs zur Verfügung gestellt bekommen. Warum das? Weil ich persönlich durchaus der Meinung bin, dass man manche Dinge nicht mischen sollte (ich ganz persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Trainingsmethoden die auf unterschiedlichen Grundlagen basieren einfach nicht gut zu mischen sind ohne an Effekt zu verlieren, aber das ist meine Meinung und Erfahrung) und mein Weg meinem Pony etwas beizubringen einfach ein anderer ist. Trotzdem kann ich natürlich auch hier etwas lernen.
    Letztlich passen muss es für mein Pony und mich. Ob es das tut, entscheiden auch nur wir beide. Mein Pony wurde schon mit den Worten bedauert: „Muss das arme Pony wieder soviel Karotten fressen? Denkst du denn, dass es dich dann liebt?“. Man bedenke, dass mein Pony im Training ungefähr eine bis zwei Karotten bekommt, welche sehr klein geschnitten sind. Aber hier brauch ich mich nicht zu rechtfertigen, denn mein Pony zeigt mir sehr deutlich, dass unser Weg für uns der richtige ist und das ist alles was letzten Endes für mich zählt. Ich versuche dabei aber offen zu bleiben und auch andere Wege mir anzuschauen.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, der beste Weg ist der, den ihr beide zusammen geht, finde ich. Individuell und auf dein Pony zugeschnitten. Egal welche Trainingsmethode (also immer vorausgesetzt, dass sie nicht schadet oder krank macht – aber das ist bei dir ja überhaupt gar kein Thema), solange dein Pony und du zusammenwachst und zufrieden miteinander seid, sollen alle anderen einfach still bleiben. Vor allem, wenn sie nicht gefragt werden. Das liebe ich ja ohnehin immer so – diese ungefragten Ratschläge von außen.. Ihr zwei macht das super! Ganz liebe Grüße und bis bald, Petra

  5. Christina sagt:

    Hallo Petra! Du sprichst mir gerade aus der Seele!! Ich komme ursprünglich aus der Westernreiterei und habe am Schluss recht schlechte Erfahrungen machen müssen … Wenn man es aber natürlich richtig macht mit dem guten Willen, ist am Westernreiten natürlich überhaupt nichts falsch! Ich bin aber froh, dass es am Schluss nicht mehr so rosig lief, da ich so auch endlich mal wieder über den Tellerand schauen musste und die Akadamische Reitkunst für uns entdeckt habe. Nach einem Kurs hatte ich dann einiges zum üben und zog mir einen Reitlehrer (Klassiche Reitkunst) hinzu… Doch das war nix… Einige Dinge aus dem Westernreiten finde ich super! Z. B. das Stoppen mit Beine leicht vom Bauch weg, sich tief reinsetzen und „Woah“ – kein Zügeldruck und Beine ran, wie bei der ganzen Parade, die ich dort dann bei ihm lernen sollte. Irgendwie passte mir das einfach nicht. Warum darf ich nicht ein paar Dinge beibehalten, wenn mein Pferd das so gut beherrscht?! Niemand sonst muss ihn reiten können – nur wir beide müssen miteinander klar kommen. Außerdem ist dieser Stopp immer 100%ig abrufbar – in jeder (brenzliger) Situation.
    Danke für diesen Artikel, ich war lange am Grübeln, ob ich das denn so richtig mache mit meinem Mix 😉 GLG

    • Petra sagt:

      Hallo Christina, die Erfahrung, dass jede Reitweise Gutes haben kann, aber auch schlecht genutzt werden kann, habe ich auch schon gemacht. Ich finde, dass du absolut recht hast. Wenn du und dein Pferd als Team funktioniert, warum dann nicht Elemente aus der Westernreitweise nutzen? Ich mache bei meiner Trainerin auch eine Mischung aus Horsemanship und akademischer Bodenarbeit – gemischt mit Gymnastizierung und klassischen Elementen plus Führtraining 😉 Alles was gut ist für das Pferd und euch beiden gut tut, ist doch das Richtige für euch – so denke ich 🙂 Ganz liebe Grüße und weiter so auf eurem eigenen Weg, alles Liebe, Petra

  6. Tine sagt:

    Hallo Petra, vielen Dank für diesen einfühlsamen und lustig geschriebenen Artikel! Ich bin gerade auf der Suche nach meinem ersten eigenen Pferd und daher auch täglich auf den unterschiedlichsten Websites unterwegs, um mir Wissen anzueignen. Über Bodenarbeit, Horsemanship, Gymnastizierung, clickern… und und und, was es da alles gibt! Und ich muss zugeben, ich war schon total verwirrt. Was ist denn jetzt die „richtige“ Methode? Ist akademische Bodenarbeit besser als Horsemanship? Sind Horsemanship-Methoden grausam? Soll ich clickern mit meinem Pflegepferd, das selbst ohne Leckerli schon nach mir schnappt?! Ich war zwischendurch wirklich überwältigt von der Fülle an „richtigen“ Wegen und Möglichkeiten. Mein Ziel ist doch, wenn ich dann mal ein eigenes Pferd habe, es so auszubilden und mit ihm umzugehen, dass es gesund ist und bleibt, dass wir Vertrauen zueinander aufbauen und Spaß miteinander haben, also gerne Zeit miteinander verbringen.

    Bei deinem Artikel ist es mir jetzt wie Schuppen von den Augen gefallen: So habe ich das bei meinem Hund auch schon gemacht… Im ersten Jahr der Erziehung, es ist mein erster Hund, haben wir alle 4 Wochen, manchmal auch öfter, die Trainingsmethode gewechselt. Wir haben so viel ausprobiert. Futterbeutel, clickern, Schleppleine, apportieren, Kunststücke, zwischendurch auch mal „Wer ist hier der Boss“ 😀 Erziehung lief bei uns nach dem Trial & Error Prinzip. Kam ich mit einer Methode nicht weiter, habe ich was anderes probiert. Trotzdem – ständig hatte ich die Befürchtung, dass dieser Wechsel „falsch“ ist und ich meinen Hund nicht „richtig“ erziehe. Und im Endeffekt habe ich nun einen Hund, der mir (meistens) zuhört und mich fragt, wie es nun weitergeht – wir kommunizieren einfach. Ich habe ihn so oft und lange beobachtet, dass ich jede Bewegung, jedes Mienenspiel übersetzen kann. Ich werde oft gefragt, wie ich ihm Kommandos gebe, und ehrlich, ich weiß es nicht. Es ist ein Mischmasch aus Sprache, Körpersprache, Stimme, Blicken, und zwar ein Mischmasch der zu uns passt. Und das ist so schön.

    Du machst mir Mut, „richtig“ und „falsch“ über Bord zu werfen und diese einzigartige Kommunikation in Zukunft auch mit Pferden herauszufinden! Danke dafür 🙂

    • Petra sagt:

      Liebe Tine, ich kann dich so gut verstehen. Genauso ging es mir Anfangs auch. Ich persönlich halte viel von Horsemanship-Gedanken, weil sie in ihrer absoluten Basis aus dem Herdenverhalten der Pferde entstanden sind. „Wer bewegt wen“, klare Konsequenz, sicherer Partner in der Welt sein usw. Aber gleichzeit mache ich auch akademische Bodenarbeit für die Gymnastizierung – demnächst werde ich den Longenkurs von Wege zum Pferd ausprobieren und ich arbeite natürlich auch mit Leckerli – bestehe dann aber wieder auf der Futterhöflichkeit. Ich denke, dass jedes Pferd anders ist und das eine wirst du wahnsinnig schnell zu Futterhöflichkeit erziehen können, das braucht vielleicht auch viel Motivation und klarste Ansagen – warum dann nicht clickern. Das andere wird schnell frech und ist dominant – da macht dann vielleicht ein Hauch mehr „Nein“ Sinn. Ich finde geradezu schrecklich, dass man so verwirrt wird, weil nämlich jeder in der Pferdewelt mit dem Brustton der Überzeugung behauptet als einziger Recht zu haben. Und plötzlich ist Horsemanship was Böses, weil es ja mit Druckstufen arbeitet (was aber etwas ist, was Pferde in der Herde kennen) oder Clickern doof, weil das doch die Zirkustricks sind (was Quatsch ist, weil ich auch Pferdemenschen die ihr Pferd bei der Gymnastizierung clickern) 🙂 Kurz: Ich glaube, dass es nicht einfach ist – aber ich mache es genau wie du mit deinem Hund: Trial and Error. Was funktioniert bleibt, was nicht geht. Und ich beobachte mein Pferd sehr viel und frage sie immer wieder, wie sie etwas findet. Durch manches muss sie durch – Gymnastizierung zum Beispiel. Findet sie nicht so toll. Muss aber, weil ich sie gesund reiten will. Anderes findet sie super – das machen wir dann eben auch oft. Ich drücke dir die Daumen bei der Pferdesuche und sage: Tschaka! Mach so wie dein Bauch und dein zukünftiges Pferd dir sagen – dann wird alles gut werden 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  7. Margitta sagt:

    Moin! Ich finde es so Sünde, dass man immer wieder massiv auf Schubladendenken stößt. Das fängt meiner Beobachtungen nach sogar schon dabei an, was das Pferd oder Pony „an hat“: welche Marke? Welche Saison? Passen Farbe und Look zum Fell? Wehe irgendetwas stimmt nicht, nach Meinung der kritischen Beobachter, dann wird gleich hinterm Rücken des betroffenen Paares getuschelt und gekichert.
    Das ist so schade, aber leider gab es das schon, als ich noch eine Lütte war und das kleine Pferde-Einmaleins gelernt habe. Nur gabs damals noch nicht so viele verschiedene Trainingsmethoden, Horsemanship kannte man nicht in Deutschland und bei den Reithosen konnte man in der Dressur zwischen blau und schwarz und im Western zwischen braun und schwarz wählen – fertig.
    Genau das Gleiche für unsere vierbeinigen Kameraden. Als ich meinen Haflinger Anfang der 90er ausstatten musste, da gab es eine minimale Auswahl und man hatte so ziemlich das Selbe, wie jeder Zweite am Stall.
    Jetzt, bei meinem Jungwallach, stehe ich oft mit offenem Mund im Dorfreitladen und denke, ich wäre versehentlich in eine Londoner Shopping Mall gestolpert! Überall glitzert und glänzt es, alleine das Regal für Shampoos ist besser gefüllt als so manches Regal für Menschen-Shampoos und wenn ich „nur mal eben“ Pferdefutter kaufen will, werde ich fast erschlagen von all den Zusätzen und Extras, die man ins Futter mischen kann und alleine die Basics kommen in einer Vielfalt daher, dass man neidisch werden könnte.
    Letztes Jahr war ich wieder auf der Equitana und wollte mir einige Bücher und Gegestände fürs Training kaufen und da habe ich im Grunde das erlebt, was hier so herrlich beschrieben steht: alles geht, nichts gibt es nicht! Ich habe mich dann für Bücher aus den Kategorien Western, Erziehung, Bodenarbeit und Dressurlektionen entschieden und einige entsprechende Ausrüstungsgegenstände dazugekauft, vom Neckring bis zum Spielwürfel.
    Und nun (mein Wallach wird erst 2) suche ich mir aus all der Vielfalt einfach die Übungen raus, die am besten zu meinem Kleinen passen und zu dem, was ich später von ihm möchte. Vor allem machen wir viel Gymnastizierung am Boden und Anti-Scheu-Übungen, weil er zum Freizeitpferd im Westernstil ausgebildet werden soll.

    Ich kann wirklich nur unterschreiben, was dieser Artikel besagt: mischt euch einfach das zusammen, was zu euch passt (euch selbst und eurem Pferd). Und solltet ihr nicht das Glück haben, wie ich an einem Offenstall zu sein, wo jeder sein Ding machen kann, ohne das gekichert wird, dann würde ich einfach den Stall wechseln. Denn in negativer Atmosphäre macht Training einfach keinen Spass und das überträgt sich aufs Training selbst.

  8. Nano sagt:

    Danke, Danke, Danke!!!!!! für diesen Artikel! Ich habe mein Pferd seit 2 Jahren und habe anfangs viel Zeit und Nerven damit vergeudet, sämtliche Ratschläge zu befolgen… War ja schließlich Anfänger… Mittlerweile schaue ich, was zu mir und Pony passt; auch wenn ich primär Westernreiterin bin, hat es uns nicht geschadet, bei den Spaniern, Geitnerern, Horsemanshippern und seit neuestem Clickerern hereinzugucken und herauszufiltern, was zu uns passt. Mein Pony dankt es mir und kommt mir brummelnd auf der Weide entgegen, offensichtlich, weil er gerne mit mir zusammen ist! Also nur Mut zum Blick über den Tellerrand!

    • Petra sagt:

      Sehr gerne! Und danke dir für deinen Kommentar. Ich denke auch, dass wir mischen können, was das Zeug hält. Hauptsache das Pferd nimmt es an und es passt zum Pferd-Mensch-Team. Weg mit dem Schubladendenken! Juchuuu! Liebe Grüße, Petra

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