Die Sonne brennt, die Temperaturen steigen und der Reitplatz ist heiß – aber was tun, wenn das Training trotzdem nicht auf der Strecke bleiben soll? Es gibt viele Möglichkeiten, wie du dein Pferd bei sommerlichen Temperaturen richtig trainieren kannst, ohne es zu überlasten. Dabei ist nicht nur das richtige Training wichtig, sondern auch die richtige Vorbereitung und die Beachtung der besonderen Bedürfnisse deines Pferdes.
Aber während wir im Sommer angesichts des schönen Wetters aufatmen, kann das Training mit dem Pferd zur Gratwanderung werden: Hitze, Insekten, staubige Plätze und üppige Weiden fordern ein gutes Auge, ein feines Gefühl und einen flexiblen Trainingsplan.
Doch genau darin liegt auch eine riesige Chance: Wenn du dein Pferd im Sommer bewusst trainierst, stärkst du nicht nur seine Gesundheit, sondern auch eure Verbindung.
Du willst, dass dein Pferd…
… entspannt mitarbeitet statt lethargisch oder überhitzt herumzudösen?
… gesund bleibt trotz tiefer Sandplätze oder harter Böden?
… sich bei der Weidezeit nicht überfrisst und mit Bauchschmerzen kämpft?
… dir zuhört – selbst wenn die Insekten surren und das Gras lockt?
Dann bist du hier goldrichtig. Denn wir schauen uns an, wie du dein Training anpasst – für mehr Freude, mehr Gesundheit und mehr Beziehung im Sommer.
Wir reden im Artikel darüber, wie du dein Pferd gesund, motiviert und mit Freude durch die Hitze begleitest.
Pferdetraining im Sommer birgt einige Herausforderungen: Die Hitze, die trockenen Böden und die lockeren Muskeln erfordern eine angepasste Herangehensweise.
Doch mit den richtigen Techniken und ein wenig Planung kannst du das Beste aus dieser Saison herausholen und die Bindung zu deinem Pferd intensivieren. Lies weiter, um zu erfahren, wie du dein Pferd gesund und motiviert durch den Sommer bringst.
Bevor wir über Herausforderungen sprechen – ein kleiner Lichtblick: Der Sommer bringt auch echte Trainingsgeschenke mit sich.
- Wärme fördert die Geschmeidigkeit: Gerade Pferde mit harter Muskulatur, ältere Tiere oder Pferde mit Stoffwechselthemen profitieren enorm davon, wenn ihr Körper nicht erst mühsam „auf Betriebstemperatur“ gebracht werden muss.
- Jungpferde sind oft entspannter: Der Sommer senkt bei vielen Pferden die Grundspannung – ideal, um mit elektrischen Jungpferden den Trainingsstart zu wagen.
- Keine Matschepampe mehr: Wer im Frühjahr durch knöcheltiefe Matschpisten gestapft ist, weiß den festen Sommerboden zu schätzen.
Pferdetraining im Sommer – Herausforderungen und Chancen
Die Sommermonate bieten nicht nur herrliche Bedingungen für Ausritte, sondern stellen uns als Pferdemenschen auch vor besondere Herausforderungen. Die Sonne brennt, der Boden wird härter oder trockener, und die Luft fühlt sich manchmal stickig an – besonders in Reithallen.
Doch auch diese Bedingungen können, mit der richtigen Strategie, optimal von dir genutzt werden, um dein Pferd gesund und motiviert zu halten. Wenn du die Bedürfnisse deines Pferdes in dieser Saison im Blick behältst und dein Training entsprechend anpasst, kannst du die Sommermonate erfolgreich nutzen.
Der Kreislauf deines Pferdes ist sensibel – genau wie deiner. Bei Temperaturen über 25 °C und starker Sonneneinstrahlung kommt nicht nur die Lust, sondern auch der Körper an Grenzen.
Deine Sommer-Hacks für hitzegerechtes Training:
- Trainingszeit clever wählen: Morgens zwischen 6–9 Uhr oder abends nach 19 Uhr ist die beste Zeit – weniger UV, mehr Frische.
- Training im Wald oder am Waldrand: Waldstücke bieten natürliche Kühlung – perfekt für Bodenarbeit, Handarbeit oder Spaziergänge mit Mini-Lektionen.
- Bewusst im Schritt trainieren: Entspanntes, strukturiertes Schritttraining ist nicht langweilig – sondern biomechanisch wertvoll und kreislaufschonend.
- Kühlen mit Wasser: Beine abduschen nach dem Training, Bauchschürze nass machen, mobile Wassereimer mitnehmen.
- Bewässerten Reitplatz nutzen: Wenn möglich, spritze den Boden vorher ab – so schützt du die Lunge vor Staub.
Und: Achte besonders auf alte Pferde oder solche mit Atemwegserkrankungen! Weniger ist hier oft mehr.
Hitze und Kreislauf – So schützt du dein Pferd vor Überlastung
Hitze ist wohl die größte Herausforderung für jedes Pferd im Sommer. Durch die erhöhten Temperaturen kann es schnell zu Kreislaufproblemen kommen, sowohl bei Pferd als auch Reiter. Zu hohe Belastung bei heißen Temperaturen kann dazu führen, dass dein Pferd dehydriert oder sich überhitzt. Deshalb ist es wichtig, das Training entsprechend der Temperatur anzupassen.
Was viele unterschätzen: Sommertraining ist nicht gleichbedeutend mit weniger Training – sondern mit anderemTraining. Es geht nicht darum, die Intensität einfach zu halbieren. Es geht darum, dein Pferd feinfühlig und klug durch die warmen Wochen zu begleiten. Nicht mit starren Plänen, sondern mit klarem Fokus, Empathie und guter Vorbereitung.
Ein klug strukturierter Sommertrainingsplan ist wie eine Landkarte, die du jeden Tag neu lesen darfst. Manchmal zeigt sie dir den Weg in den Wald. Manchmal führt sie dich auf die Wiese für eine sanfte Handarbeitseinheit. Und manchmal heißt sie ganz einfach: heute nicht. Heute nur Verbindung, Nähe, Leichtigkeit.
Was zählt, ist nicht die Länge einer Einheit, sondern ihre Qualität. Zwanzig Minuten bewusste Seitengänge in der kühlen Halle, fünfzehn Minuten aktives Führen mit Wechseln auf dem schattigen Hof oder zehn Minuten verspieltes Target-Training im Putzbereich können an heißen Tagen mehr bewirken als eine Stunde Reiten unter der Sonne. Dein Pferd spürt den Unterschied. Es merkt, wenn du vorbereitet bist. Wenn du sein Wohl über deinen Ehrgeiz stellst. Wenn du in Resonanz gehst mit dem, was gerade möglich – und sinnvoll – ist.
Und genau das ist der Punkt: Der Sommer ist eine Einladung zum Umdenken. Er schenkt dir die Gelegenheit, neue Trainingswege zu entdecken, die vielleicht ganz leise sind – aber dafür umso wirksamer. Wege, die Beziehung bauen. Verständnis fördern. Vertrauen vertiefen.
Training in den kühleren Stunden des Tages
Nutze die frühen Morgenstunden oder den späten Abend, um das Training zu absolvieren, wenn die Temperaturen noch angenehmer sind. So kannst du dein Pferd nicht nur körperlich schonen, sondern auch die Luftfeuchtigkeit und die angenehme kühle Brise nutzen.
Kühlung und Flüssigkeitsaufnahme
Wasser ist im Sommer dein bester Freund. Sorge dafür, dass dein Pferd immer Zugang zu frischem Wasser hat. Gutes Aufwärmen und langsames Abkühlen durch Schrittarbeit sind ebenso wichtig wie das Kühlen des Körpers mit Wasser, wenn dein Pferd schwitzt. Wenn möglich, kannst du auch mit einem Wasserschlauch gezielt die Beine oder den Hals abkühlen.
Ein durchgeschwitztes Pferd nach einem heißen Tag braucht nicht nur Schatten, sondern auch Flüssigkeit – und zwar mehr, als wir oft denken. Denn was wir außen sehen – das glitzernde Fell, den dunklen Schweif, die leichten Atemzüge – erzählt nur einen Teil der Geschichte. Innen läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren, die Thermoregulation arbeitet, der Elektrolythaushalt schwankt. Gerade in der Hitze des Sommers wird dein Pferd nicht nur durstig, sondern auch anfälliger. Für Kreislaufschwäche, Muskelverkrampfungen, Erschöpfung. Deshalb ist das Thema Flüssigkeit kein Nebenschauplatz – sondern ein zentrales Element deines Sommertrainings.
Achte darauf, dass dein Pferd zu jeder Zeit Zugang zu frischem, sauberem Wasser hat. Koppeltränken sollten regelmäßig kontrolliert werden – nicht nur auf Sauberkeit, sondern auch auf Temperatur. Denn viele Pferde trinken deutlich weniger, wenn das Wasser zu warm oder zu abgestanden ist. Du kannst auch mit kleinen Tricks arbeiten: Ein Stück Apfel oder ein Schuss Apfelsaft im Wassereimer sorgt für zusätzlichen Anreiz. Oder du bereitest deinem Pferd regelmäßig ein lauwarmes Mash zu – am besten mit Elektrolytzusätzen oder natürlichen Mineralien, um den Haushalt auszugleichen.
Wenn dein Pferd stark schwitzt – sei es durch Training oder einfach durch die Temperaturen –, darfst du ergänzen. Mineralfutter, Salzlecksteine oder Elektrolytpulver können hier sanfte Helfer sein. Gleichzeitig ist es wichtig, auch die Fütterung auf Sommermodus umzustellen. Weniger Kraftfutter an heißen Tagen, dafür mehr strukturreiche, leicht verdauliche Rationen. Und immer ein wachsames Auge auf die Weidezeiten und das individuelle Verdauungssystem deines Pferdes. Denn der Sommer ist nicht nur schön – er ist auch anspruchsvoll.
Bodenverhältnisse im Sommer – Was du beachten solltest
Gerade im Sommer kann der Boden auf dem Reitplatz oder im Gelände eine große Herausforderung darstellen. Wenn der Boden zu trocken ist, kann er zu hart und rutschig werden, was die Gelenke deines Pferdes stärker belastet. In tieferem Sand erhöht sich die Belastung auf die Muskulatur.
- Selbst auf dem Sand laufen, um Belastung zu spüren
- Vorteile gezielt nutzen (Seitengänge auf hartem Boden, Kompliment im Sand)
- Aufwärmzeit verlängern
- Bodenarbeit statt Reiten
Im Sommer verändert sich der Boden. Die weichen, oft matschigen Frühjahrsplätze verwandeln sich in trockene, teils staubige oder sogar steinharte Flächen. Was für uns Menschen beim Spazieren vielleicht kaum spürbar ist, kann für Pferde einen immensen Unterschied bedeuten – biomechanisch, muskulär, aber auch mental. Denn wenn der Untergrund nicht mehr verlässlich federt, wenn der Sand zu tief wird oder die Wiesen knüppelhart sind, verändert sich das Bewegungsgefühl. Und das wiederum beeinflusst den gesamten Bewegungsapparat deines Pferdes.
Ein tiefer, trockener Reitplatz-Sand zum Beispiel erhöht die Belastung auf Sehnen, Bänder und Gelenke. Gerade Pferde mit viel Schwung oder eher schwerem Körperbau sinken schnell zu tief ein und ermüden dabei ungleich stärker. Du kannst dir das am besten vorstellen, wenn du selbst einmal zwei Runden durch diesen Sand läufst – barfuß oder mit Turnschuhen. Du wirst merken, wie anstrengend jeder Schritt wird. Genauso geht es deinem Pferd. Nur dass es nicht zwei, sondern vier Beine zu koordinieren hat – und dabei vielleicht noch dein Gewicht tragen soll.
Noch herausfordernder wird es auf hartem Boden. Wenn der Waldboden durch wochenlange Trockenheit betonähnlich wird oder die Wiese vor der Halle kaum noch nachgibt, kann das ebenfalls kritisch sein. Besonders Pferde mit empfindlichen Hufen oder chronischen Gelenkthemen zeigen dann oft Unlust, stumpfe Bewegungen oder sogar Stolpern. Das ist kein Widerstand – es ist oft schlichtweg Schutzverhalten. Ein kluges Pferd spürt instinktiv, was dem eigenen Körper guttut – und was nicht.
Statt mit Druck zu reagieren oder „sich das nicht bieten zu lassen“, wie es viele Stimmen auf dem Reitplatz rufen, darfst du hinschauen. Hinterfragen. Umdenken. Vielleicht planst du dann einen reinen Bodenarbeitstag ein oder weichst auf weichere Waldwege aus. Vielleicht ist die Halle die bessere Wahl. Oder du bleibst einfach länger in der Aufwärmphase, um Sehnen und Bänder geschmeidiger zu machen, bevor du dein Pferd in verstärkte Bewegungen bringst.
Wenn dein Pferd unter dem Reiter auffällig vorsichtig läuft, sich unwillig zeigt oder „blockiert“ wirkt – überprüfe als erstes den Boden. Und dann dein Bauchgefühl. Beides irrt sich selten.
Achte darauf, dass der Boden nicht zu hart ist, da dies auf lange Sicht zu Gelenkbelastungen führen kann. Wenn du mit deinem Pferd im Gelände unterwegs bist, ist es wichtig, auf Unebenheiten und steinige Stellen zu achten, die das Verletzungsrisiko erhöhen können.
Vorteile des Sommertrainings
- Wärmere Muskeln = einfacheres Aufwärmen
- Entspanntere Pferde (besonders für Jungpferdetraining gut)
- Keine matschigen Plätze mehr
- Verlockung durch Gras beim Training
- Strategien zur Fokuslenkung: Wechsel, höhere Gangarten, gute Trainingspläne
- Probleme durch zu viel Weide (volle Bäuche, Fruktan-Gefahr)
- Vorschläge wie:
- Bodenarbeit oder Handarbeit mit dem vollen Pferdemagen
- langsames Anweiden
- Fruktangehalt je nach Wetterlage im Blick behalten
Abwechslung mit Bodenarbeit
Bodenarbeit ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, dein Pferd auch im Sommer zu trainieren, ohne es zu überlasten. Übungen wie das Führen über unterschiedliche Untergründe oder das Arbeiten an der Longe können helfen, deine Pferd zu fördern, ohne dass es zu hoch beansprucht wird.
Gerade an heißen Tagen ist Reiten nicht immer die beste Idee – für den Pferdekörper, für die Konzentration, für den Kreislauf. Und genau hier darf die Bodenarbeit ihren ganz großen Auftritt haben. Sie schenkt deinem Pferd Bewegung ohne Last, Klarheit ohne Überforderung und Kommunikation ohne Worte. Es ist fast wie ein Gespräch auf Augenhöhe – nur geführt mit dem ganzen Körper.
Wenn du dein Pferd vom Boden aus trainierst, kannst du seine Bewegungsmuster viel genauer beobachten. Du siehst, wie locker oder fest es sich bewegt, ob es in der Schulter frei ist, wie es auf deine Energie reagiert und wie fein euer Miteinander wirklich ist. Bodenarbeit ist dabei keine „Notlösung“, wenn Reiten nicht geht – sie ist eine eigenständige, unglaublich wertvolle Trainingsform. Und im Sommer ein besonders kraftvoller Baustein für gesunde Gymnastizierung, feine Kommunikation und mentale Auslastung.
Ein großer Vorteil: Du kannst die Intensität ganz leicht dosieren. Ein paar Seitengänge im Schritt, weiche Übergänge, eine verspielte Taktvariation oder gezielte Übungen für Koordination und Balance – das alles lässt sich sanft und schweißfrei gestalten. Je nach Temperament deines Pferdes kannst du auch Elemente einbauen, die seinem Naturell entsprechen. Ein introvertiertes Pferd wird zum Beispiel durch ruhige, wiederholte Sequenzen mit vertrauter Struktur entspannen. Ein extrovertiertes Pferd freut sich über Abwechslung, neue Impulse und ein bisschen kreative Energie.
Auch kleine Spielimpulse lassen sich in die Bodenarbeit integrieren – ein Podest zum Draufsteigen, das Target zum Antippen oder ein einfaches Hütchen, das umrundet werden soll. All das fördert nicht nur die Konzentration, sondern auch die Motivation. Denn wenn du dein Pferd mitdenkend und mitspielend erlebst, entsteht etwas ganz Besonderes: ein echtes Miteinander.
Und wenn du ein bisschen tiefer gehen willst, kannst du sogar Lektionen wie Schulterherein, Travers oder kleine Traversalen am Kappzaum üben – biomechanisch sinnvoll und völlig reitfrei. Du wirst erstaunt sein, wie viel Tiefe diese Übungen bekommen, wenn dein Pferd ohne Reitergewicht arbeiten darf. Wie viel feiner dein Gefühl wird. Und wie viel bewusster dein Pferd sich selbst trägt.
Bodenarbeit im Sommer ist also nicht nur eine gute Alternative – sie ist eine Einladung. Eine Einladung zum Hinschauen, zum Fühlen, zum Eintauchen in das feine, oft übersehene Band zwischen dir und deinem Pferd. Und vielleicht ist genau das die schönste Trainingslektion, die der Sommer uns schenkt.
Das Thema Gras – Wie du den Weidegang in den Trainingsplan integrierst
Sommer bedeutet nicht nur warmes Wetter, sondern auch, dass die Weiden voller frischem, saftigem Gras stehen. Doch dieser Luxus kann auch eine Herausforderung darstellen: Gras kann zu Verdauungsproblemen führen, wenn das Pferd zu schnell zu viel davon frisst. Ein weiterer Faktor ist der hohe Fruktangehalt, der bei heißem Wetter variieren kann und Verdauungsstörungen begünstigen kann.
Sommer bedeutet Weidezeit. Und Weidezeit bedeutet: viel Gras, viel Energie – und manchmal wenig Konzentration. Das saftige Grün verführt. Nicht nur auf der Koppel, sondern oft auch auf dem Reitplatz, am Wegrand oder mitten im Gelände. Gerade junge oder sehr nahrungsorientierte Pferde lassen sich von einem Grasbüschel leichter ablenken als von der schönsten Traversale.
Diese Lust aufs Fressen ist kein Ungehorsam, kein „Testen“, kein Zeichen mangelnden Respekts. Sie ist schlicht ein biologisches Bedürfnis – und sie wird im Sommer besonders präsent. Umso wichtiger ist es, dass du dein Training entsprechend planst. Wenn dein Pferd mit vollem Grasbauch von der Weide kommt, wird es keine körperlichen Höchstleistungen vollbringen. Der Magen ist gespannt, der Darm arbeitet auf Hochtouren und das ganze System ist mit Verdauung beschäftigt. Stell dir vor, du müsstest direkt nach einem Drei-Gänge-Menü joggen – genau so fühlt sich das für dein Pferd an.
In solchen Momenten sind Bodenarbeit, lockere Führübungen oder auch ein ruhiger Spaziergang die besseren Alternativen. Du kannst durch feine Handarbeit Dehnungen ermöglichen, sanft lockern und deinem Pferd gleichzeitig das Gefühl geben, gesehen und verstanden zu werden. Das stärkt nicht nur das Vertrauen – es hilft auch dem Körper, wieder in Balance zu kommen.
Ein weiterer Punkt, den viele Pferdemenschen unterschätzen, ist der Fruktangehalt des Grases. Gerade in Hitzephasen oder nach kühlen Nächten kann der Zuckergehalt im Gras enorm steigen – was insbesondere bei empfindlichen Pferden zu Verdauungsproblemen, Reheanfälligkeit oder Unwohlsein führt. Deshalb ist es hilfreich, auch den Weidegang zu beobachten und gegebenenfalls an Tagen mit hohem Fruktanrisiko das Training besonders sanft oder kürzer zu gestalten.
Und dann ist da noch das eigentliche Training auf grasbewachsenen Plätzen. Auch hier darfst du vorausschauend planen: Starte mit aktiven Gangarten, arbeite klar strukturiert und mit hoher Präsenz. Je interessanter und abwechslungsreicher du bist, desto weniger hat das Gras eine Chance, die Aufmerksamkeit deines Pferdes zu kapern. Gleichzeitig solltest du deinen Trainingsplan anpassen: Wenn du weißt, dass dein Pferd gerne „abtaucht“, wähle Lektionen, bei denen du nah dran bist – etwa die Arbeit am Kappzaum, Seitengänge oder gymnastische Linienführung.
Training auf Gras ist möglich – aber nur dann sinnvoll, wenn du mental präsent bist, dein Pferd vorbereitet ist und du weißt, dass euer Fokus nicht nach zwei Minuten auf der grünen Wiese verloren geht. Klarheit, Nähe, Ideen – das ist deine Antwort auf die sommerliche Grasverlockung.
Tipp! Training auf der Weide
Die Weide ist ein hervorragender Ort, um Abwechslung in dein Training zu bringen. Indem du dein Pferd in höhere Gangarten motivierst oder es gymnastizierende Übungen wie seitliche Bewegungen am Kappzaum durchführen lässt, kannst du das Gras als Anreiz nutzen, ohne dass dein Pferd den Kopf ganz in das Gras senkt.

Der Umgang mit Insekten und anderen sommerlichen Störungen
Im Sommer sind Insekten und andere Störungen wie Mücken oder Fliegen ein ständiger Begleiter. Diese können das Training nicht nur unangenehm machen, sondern auch das Verhalten deines Pferdes beeinflussen.
Sommerzeit ist Insektenzeit. Und auch wenn Fliegen, Mücken und Bremsen ein wichtiger Teil unseres Ökosystems sind, können sie für dein Pferd zu echten Stressfaktoren werden. Juckende Stiche, herumschwirrende Schwärme und das permanente Summen führen bei vielen Pferden zu Unruhe, Nervosität oder sogar körperlichem Stress. Kein Wunder – wenn der Körper sich gegen Angriffe wehren muss, bleibt wenig Raum für entspanntes Lernen oder feines Körpergefühl.
Wenn dein Pferd mit dem Schweif schlägt, ständig den Kopf hebt oder gar bockt, liegt das vielleicht nicht an deiner Hilfengebung – sondern einfach daran, dass es versucht, sich gegen die Plagegeister zu wehren. Deshalb ist es so wichtig, Insekten ernst zu nehmen und dein Training entsprechend anzupassen.
Fliegenmasken sind kein Gimmick, sondern eine wertvolle Hilfe – auch beim Reiten oder bei der Bodenarbeit. Achte auf eine gute Passform und angenehme Materialien, damit dein Pferd sich damit wohlfühlt. Es gibt zudem viele sanfte Insektensprays auf pflanzlicher Basis, die du nutzen kannst, um die schlimmsten Belagerungen abzuwehren. Und an Tagen, an denen die Bremsen in Scharen kommen, ist es völlig legitim, das Training nach drinnen zu verlegen oder ganz umzubauen.
Vielleicht nutzt du dann die Stallgasse für eine kurze Einheit mit Balancepads oder übst ein paar Lektionen auf der Putzfläche. Vielleicht wird es ein Spiel- oder Clickertag – oder einfach nur eine Massage mit der Kardätsche. Dein Pferd wird es dir danken. Denn du nimmst es ernst. Du passt dich an. Und du bleibst bei ihm – auch wenn der Trainingsplan heute einen kleinen Sommerhaken schlägt.
Auch im Training solltest du darauf achten, dass du Orte wählst, die weniger von Insekten befallen sind.

Dein Pferd braucht im Sommer nicht mehr, sondern weniger von dir. Aber das mit Tiefe.
Manchmal denken wir, wir müssten besonders viel tun, um „richtig“ zu trainieren. Doch dein Pferd wünscht sich im Sommer nicht mehr Lektionen, mehr Programm, mehr Input – sondern Präsenz. Spürendes Training. Eine klare Linie, einen ruhigen Atem, eine Idee, die passt.
Es geht nicht darum, den perfekten Trainingsplan durchzuziehen, während der Schweiß fließt. Es geht darum, immer wieder hinzuhören: auf den Boden unter den Hufen, auf die Körpersignale deines Pferdes, auf die Hitze in der Luft und den Wind im Schweif. Es geht um kleine Veränderungen, die Großes bewirken – eine bewässerte Reitbahn, ein Wechsel in den Wald, ein Tag Pause, wenn dein Pferd schon auf der Weide viel geleistet hat.
Und es geht um Vertrauen. Dass du deinem Gefühl trauen darfst. Dass du erkennst, wann weniger wirklich mehr ist. Und dass du weißt: Wenn du dein Pferd siehst, in seiner Ganzheit, in seinem Empfinden – dann bist du genau auf dem richtigen Weg. Auch – und gerade – im Sommer.
Denn gutes Training ist immer Beziehung. Immer ein Gespräch. Immer ein „Ich sehe dich. Und ich nehme Rücksicht auf dich.“
Wenn du das schaffst – dann ist der Sommer nicht mehr dein Gegner. Dann wird er zum Trainer an deiner Seite.
Und das ist vielleicht die schönste Lektion dieser Jahreszeit.
Mit den richtigen Anpassungen kann das Training deines Pferdes auch im Sommer erfolgreich sein.
- Die richtige Planung
- Das Aufeinander-Abstimmen der Bedürfnisse deines Pferdes
- Eine angepasste Trainingsweise sind der Schlüssel.
Denke immer daran: weniger ist manchmal mehr – vor allem in der heißen Jahreszeit. Achte auf Abwechslung, sorge für ausreichend Flüssigkeit und Kühle und achte auf den richtigen Zeitpunkt für das Training. Mit diesen Tipps bist du bestens gerüstet, um dein Pferd durch den Sommer zu bringen.



Hallo,
ich würde auch gerne noch meine Erfahrungen zum Clickertraining beisteuern:
Seit 5 Jahren habe ich eine Reitbeteiligung an einer schon reiferen Haflingerdame. Vor vier Jahren bin ich dem Clickern begegnet. Anfangs nur mit meiner Katze und dann habe ich es einfach mal beim Pony probiert. Der Erfolg war überragend. Zuvor hat sie absolut das Attribut „emotionslos“ verdient. Plötzlich hatte ich ein Pony, das freudig neben mir her zum Reitplatz getrabt ist, sein gerade serviertes Heu hat liegen lassen, um etwas mit mir zu trainieren und einfach so viel offener und aufgeschlossener war. In den ersten Jahren war das CT für mich nur eine Methode neben unserem ganz klassischen Umgang. Niemals hätte ich gedacht, dass dieses extrem faule Pony freiwillig einem Ball hinterher traben würde für ein lächerlich kleines Stückchen Möhre. Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich mal auf dem Platz reiten wollte und das Pony freudestrahlend neben mir her dorthin marschiert ist und dann extrem enttäuscht war als ich aufgestiegen bin und wir ganz „normal“ geritten sind.
Wir haben dann noch ein halbes Jahr einen Ausflug ins Natural Horsemanship gemacht mit einer wirklich netten Trainerin, die stets bemüht war, so wenig Druck wie möglich anzuwenden und gute Leistungen mit einem Leckerli zu belohnen. Leider verging kaum eine Trainingseinheit wo es nicht nötig war Phase 3 oder 4 anzuwenden. Gerade das Rückwärts war ein ewiger Streitpunkt und wenn ich Galopp verlangt habe flogen regelmäßig die Hinterhufe gezielt in Richtung meines Kopfes. Was war ich so sauer!Während der ganzen Zeit habe ich davon geträumt frei, ohne Seil, mit meinem Pferd zu arbeiten. Doch dann hat sie sich immer bemüht möglichst viel Abstand zu mir zu bekommen und hätte sich, wenn ich sie gelassen hätte, sofort in die Ecke gestellt und nichts gemacht.
Das Schlüsselerlebnis hatte ich dann beim Verladetraining. Wir haben ein wenig Druck aufgebaut und auf ihre Reaktion gewartet. Und es passierte nichts rein gar nichts. Sie hat sich mit verkniffenem Gesichtsausdruck ins Seil gehängt und nicht mal mehr auf Locken mit super gutem Futter reagiert. Dann plötzlich die Reaktion: Das Pony steigt ein wenig und hüpft gleichzeitig nach vorne in den Anhänger. So ging das noch mehrmals bis sie drin stand. Auch beim zweiten und dritten Durchgang keine Veränderung des Verhaltens. Ein nervenaufreibendes Erlebnis und ich hatte wirklich Angst, dass sie mich oder sich selbst verletzt . So konnte das nicht bleiben.
Beim nächsten Übungstermin wollte ich es anders versuchen. „Bewaffnet“ mit klein geschnittenen Möhren und einer Frisbeescheibe, die ich vor Ewigkeiten mal als Target installiert hatte, ging es los. Halfter und Strick kamen ab und ich clickte erst einige Mal das Berühren des Targets in den Nähe des Anhängers. Dann ging es zur Rampe. In unter zwei Minuten stand das Pony komplett entspannt und frei im Anhänger. Die nächsten beiden Durchgänge gingen noch schneller und als ich mich schon entfernt hatte spazierte sie wie selbstverständlich nochmal alleine hinein und dann ganz gesittet und langsam wieder rückwärts heraus. Da wurde mir klar, dass das der Weg ist, den ich gehen will und zwar komplett. Ich habe viel gelesen, Videos geschaut, mich im Clickerforum angemeldet. Dort fand ich das erste Mal Gleichgesinnte von denen die meisten ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.
Seitdem hat sich viel verändert. Wir sind nur noch positiv unterwegs, die Bindung hat sich enorm verbessert. Auf dem Platz machen wir nur noch Freiarbeit. Kein Halfter, kein Strick, keine Gerte. Ich habe dadurch ein Pony bekommen, das unglaublich schnell neue Dinge lernt, wirklich mit mir kommuniziert und gerne bei mir bleibt. Rückwärts gehen zählt inzwischen zu ihren Lieblingsübungen ohne jegliche Berührung, Gerten- oder Seilgefuchtel. Eines unserer Signale dafür ist, dass ich mit locker eingeknicktem Knie und herunterhängenden Armen vor ihr stehe. Und das finde ich einfach großartig. Genauso mit dem Kopfsenken: Wo sie früher gegen die Hand auf dem Mähenkamm dagegen gegangen ist und ziemlich starker Druck nötig war, um überhaupt eine kleine Nach-Unten-Bewegung zu bekommen (von der mit dieser Übung eigentlich verbundenen Entspannung waren wir meilenweit entfernt), reicht heute eine über dem Mähenkamm schwebende Hand, um den Kopf sofort bis zum Boden zu senken und dort so lange zu lassen, bis der Click kommt. Inzwischen galoppiert sie frei neben mir, ohne dass ich um mein Leben fürchten muss.
Ich bin ihr heute unendlich dankbar, dass sie mir diese Lektion erteilt hat. Mit einem „gut funktionierenden“ Pferd hätte ich mir niemals diese ganze Mühe und Arbeit gemacht. Und ja es ist verdammt viel Arbeit an sich selbst. Es müssen so viele Barrieren im Kopf abgebaut werden, man muss bereit sein sehr viel über sich selbst und seinen Umgang mit dem Pferd zu lernen. Ich schäme mich heute für so vieles, was ich den Pferden früher, ohne nachzudenken, angetan habe, weil man das eben einfach so gemacht hat und das Pferd ja wissen muss, wer der Chef ist. So oft wird von Vertrauen, Respekt ,Natürlichkeit und Dominanz geredet. Wir sind keine Pferde und das weiß das Pferd auch ganz genau und deshalb macht es für mich wenig Sinn, zu versuchen sich wie ein ranghöheres Pferd zu verhalten. Alles war wir von unserem Pferd wollen ist alles andere als natürlich. Kein anderes Pferd würde versuchen ihm ein Halfter anzuziehen, es zu satteln oder gar zu reiten. Insofern ist eigentlich alles, was wir mit dem Pferd machen in gewisser Weise ein „Kunststück oder Trick“. Daher müssen diese Dinge kleinschrittig und gründlich trainiert werden. Und ganz wichtig: Arbeit muss sich lohnen! Niemand von uns würde arbeiten gehen, wenn der Chef uns am Ende des Monats mit einem müden „Danke“ abspeisen würde.
Wenn man sich verschiedene Trainer ansieht mag das Endergebnis bei allen leicht, fein und ohne Druck rüberkommen, aber man sollte sich immer fragen, wie der Weg dorthin aussah. Und ehrlich gesagt möchte ich kein Pferd haben, dass es als Belohnung empfindet, wenn es seine Ruhe vor mir hat.
Die meisten Menschen, die mit positiver Verstärkung arbeiten, haben sehr unter den missbilligenden Blicken und unschönen Kommentaren der anderen Pferdeleute zu leiden. Ein sachliches Gespräch mit fundierten Argumenten ist kaum möglich. Das finde ich einfach nur schade. Jeder hat seinen eigenen Weg und dabei ist das einzige, was zählt, dass Mensch und Pferd sich mit diesem Weg wohl fühlen und niemanden gefährden.
Auch der immer wieder angebrachte Vorwurf, man würde ja ständig Futter ins Pferd schieben ist einfach nur traurig. Mein gesamtes Training kann ich mit zwei sehr sehr klein geschnittenen Möhren gestalten, die andere dem Pferd zur Begrüßung, zum Abschied oder als tägliche Futterration geben. Auch das einfach mal so in den Trog geschüttete Kraftfutter kann man wunderbar nutzen. Wenn man pro Click drei Haferkörner gibt, kann man mit einer normalen Ration dem Pferd schon sehr viel sinnvolles beibringen. Ebenso bietet es sich im Frühjahr hervorragend an mit Gras zu clickern und das Pferd so anzuweiden.
Die Entscheidung für die positive Verstärkung hat mir unglaublich viele neue Wege eröffnet für den Umgang mit meinen Tieren. Inzwischen werden Pferd, Hund und Katze regelmäßig geclickert und es bereitet mir und ihnen sehr große Freude. Auch in Zoos findet diese Art des Trainings immer häufiger Verwendung und ermöglicht es, das Verladen oder wichtige medizinische Maßnahmen ohne Betäubung und den damit verbundenen Stress für Mensch und Tier durchzuführen.
LG Kim
Hallo Kim, danke dir für deine Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema. Genau das, was du beschreibst liest man ja immer wieder. Der Clicker soll ein toller Weg sein. Für mich ist er es nicht zu 100% – zumindest sehe ich das jetzt so. Aber da der Weg mit den Pferden immer wieder Kurven und Schleifen schlägt, wer weiß :-) Aber ich kann mir gut vorstellen und nachvollziehen, dass es so gut funktioniert. Auch nach all dem was du beschreibst und was auch andere immer wieder beschreiben. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall und bis bald, Petra
Sorry für die Rechtschreibung, das war vorhin am Handy :X
Liebe Petra,
wie du ja weißt, wird mein Pony von Anfang an mit positiver Bestärkung trainiert. Genauso die Hunde und sogar die Meerschweinchen werden mit Clickertraining bestärkt. Für mich persönlich gibt es momentan keinen anderen Weg mit meinen Tieren umzugehen.
Ich denke nicht, dass sich positive Bestärkung und Regeln widersprechen. Wir haben Regeln. Sowohl für die Ponys wie auch für die Hunde (die Meerschweinchen sind da etwas raus ;) ). Das ist für mich kein Widerspruch. Denn auch Regeln kann ich mit Hilfe des Clickers und meinem eigenen Auftreten erklären. Es ist auch hier wichtig konsequent und klar zu sein. So z.B. gibt es bei uns kein Futter von der Hand ohne, dass dafür was getan wurde. Also Futter ausschließlich nach Click. Sonst gibt es nichts. Auch kein Begrüßungsleckerchen. Hier gibt es keine Ausnahme. Es gibt die Regel, dass ich nicht bedrängt werde, dass ich höflich gefragt werde, bevor in meinen Bereich eingedrungen wird, dass nicht nach mir geschnappt wird, dass buckelnde Ponyhinterteile sich nicht in meiner Nähe befinden usw. Ich denke es ist nur die Frage, wie ich diese Regeln festsetze. Anfangs hat mein kleiner Ponymann immer wieder versucht mich zu schubsen. Das ist etwas, was ich nicht mag und was er lernen sollte. Da es ihm am meisten Spaß gemacht hat mich zu schubsen, wenn ich dann einen Schritt nach hinten gemacht habe, habe ich mich gewappnet und bin einfach stehen geblieben (ging bei seiner Größe natürlich auch). Ich habe nichts gesagt, ihn nicht gestraft und bin einfach nicht weiter darauf eingegangen. Bald war das Thema erledigt und er macht es bis heute nicht mehr.
Was ich nicht unter Konsequenz verstehe, was viele für sich darunter verstehen, ist, dass ich darauf bestehe, dass er die Übungen macht, die ich fordere. Soll heißen, wenn ich ihn bitte, dass er z.B. antrabt und er tut es nicht, bleibe ich nicht dran bis er trabt. In der Regel frage ich nochmal an, wenn er Nein sagt, wenn er das immernoch nicht will, dann versuche ich zu hinterfragen warum nicht. Hat er mich nicht verstanden? Bin ich einen Schritt zu weit? Passt meine Hilfengebung nicht? Oder auch, hat er einfach keine Lust heute? Je nachdem was ich vermute, gehe ich anders vor. Hat er mich nicht verstanden, versuche ich es anders, bin ich zu schnell im Training versuche ich nochmal einen Schritt zurück zu gehen. Ich versuche meine Hilfengebung anzupassen und wenn er keine Lust hat, dann lassen wir es. Dadurch, dass ich nicht auf die Ausführung bestehe, ist es nicht so, dass ich ein Pony habe, was nichts mitmacht. Im Gegenteil meistens ist er sehr motiviert und freut sich auf unsere gemeinsame Zeit. Er gibt sich auch bei anstrengenden Übungen unheimlich Mühe und ist meistens begeistert dabei.
Was das Clickertraining allerdings nicht ersetzt ist, dass ich mich mit dem Wesen Pferd auseinander setzen muss. Dass ich mir Gedanken über das Training machen muss. Ich selber mache ich mir z.B. einen Plan zu jeder Übung und überlege mir jeden einzelnen Trainingsschritt vorher. Da ich das Training sehr kleinschrittig gestalte um möglichst oft loben zu können und meinem Pony eine hohe Erfolgsrate zu ermöglichen, ist das viel Arbeit. Auch beim Clickertraining muss man einfach wissen was man tut. Es reicht nicht sich einen Clicker zu kaufen und sich mit Leckerlies zu bewafffnen. Dann entstehen eben oft genau die Probleme die du beschreibst. Die Pferde sind gestresst, weil sie nicht wissen was man von ihnen will und nur noch nach dem Leckerchen gieren. Das ist Clickertraining falsch gemacht.
Für mich lohnt sich das stänige Hinterfragen, die Arbeit an mir selber und die Geduld, die ich manchmal im Trainign beweisen muss. Denn ich habe ein Pony was mitsprechen kann (er kann mit mit Hilfe des Initiatorsignals z.B. sogar sagen wann er bereit ist, geputzt zu werden), er hat keine Angst vor Fehlern, weil er noch nie wirklich gestraft wurde, er ist voller Vertrauen in sich und die Welt, er ist begeistert und motiviert dabei. Er verlässt begeistert Gras und Herde um mit mir Abenteuer zu bestehen. Mein Pony erwartet nie etwas schlechtes. Er geht auf alles und jeden offen zu und das freut mich jeden Tag.
Liebe Grüße
Miriam
Vielen Dank, Miriam, ganz wunderbar zusammengefasst!
LIebe Miriam, danke für deinen wunderbaren Worte und Gedanken zum Thema. Das unterschreibe ich alles alles alles :-) Ich denke, dass wir sogar sehr ähnlich arbeiten. Ich habe nur keinen Clicker und bitte auch mal um das Weichen durch meine Körpersprache. Bei meiner Kleinen wäre es schwer stehen zu bleiben, wenn sie schubsen wollte – insofern muss ich sie dann bitten zurückzugehen. Aber ich sehe „Konsequenz“ genau wie du: Es bedeutet klar und verständlich zu sein, einen Plan zu haben, Regeln und eine Idee – aber es bedeutet nicht, sich immer durchzusetzen. Ich höre auch manchmal auf, statt den Druck zu erhöhen, wenn etwas nicht klappt. „Das Pferd muss funktionieren“ – der Satz existiert bei uns nicht im Training. Das Pferd darf immer auch eine Meinung haben und wenn es partout nicht will, dann denke ich auch um :-) Das ist so wichtig. Und genau wie du mache ich die Erfahrung, dass mein Pferd tatsächlich immer motivierter und begeisterter und feiner wird, umso länger wir zusammen basteln – sie „nutzt“ nicht aus oder respetiert mich nicht weniger, nur weil sie auch mitreden darf. Ich liebe dieses Gefühl, dass wir eine Kommunikation haben, die auf beiden Seiten stattfinden darf. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall an deinen Ponymann und dich und bis bald, Petra
Ja, da muss man wohl zu den Fotos wirklich noch Erklärungen liefern. Petra war an einem Samstag auf einem meiner Kurse, dabei handelte es sich um einen Einsteiger zirkuskurs, nicht um einen Kurs mit dem Kernthema Clickertraining. Ich arbeite zwar mit einem markersignal und auch mit so viel positiver Verstärkung wie es eben in einer solchen Situation möglich ist, aber man darf nicht vergessen, dass weder die Teilnehmer, noch die Pferde Erfahrung auf dem Gebiet mitgebracht haben. Die Fotos sind in der ersten Einheit mit den Pferd Mensch fahren entstanden, in der es hauptsächlich um gymnastizierende Dehnübungen geht und die Vorbereitung von Kompliment und Verbeugung. Dazu gehört unter anderem das korrekte und zweckmäßige füttern in den Lektionen, aber auch das biegen und stellen über die führende Futterhand. Die Pferde wurden zudem bisher wenig mit Futter gearbeitet und haben dementsprechend auch noch keine Grundausbildung in Bezug auf Futter Disziplin. Meine Wunschvorstellung wäre auch, dass alle Pferde höflich in den Kurs kommen und Erfahrung mit Clickertraining haben, leider ist das ein frommer Wunsch in den meisten Fällen. Das bedeutet, Liga Training haben , leider ist das ein , wo sich in den meisten Fällen . Das bedeutet , dass man das Pferd eben unter Umständen zeitweise auch mal am Halfter Anfässt, damit es während der Erklärungen nicht die Nase in die Tasche steckt und die ganze Zeit falsches Verhalten trainiert. Bei der Vorbereitung der Verbeugung soll das Pferd zu dem Lernen Komma die Vorderbeine und die Hinterbeine unabhängig voneinander zu bewegen, um sich entsprechend aufzustellen. Um das jeweilige Vorderbein zu belasten oder zu entlasten, beziehungsweise das Pferd auf die Hinterhand zu setzen, lernt das Pferd die Bewegungen über das Positionieren am Halfter. jede noch so kleine Reaktion , still halten und in das Halfter greifen , wird dabei geklickt. Es geht hier also nicht darum, wie man ins Clickertraining einsteigt.
Danke fuer die Erklärung, Sady!
Das stimmt – liebe Sady und danke für die Ergänzung. Das Thema „Management“, das du auf Nachfrage ja auch angesprochen hattest beim Trainieren, habe ich weggelassen, weil es mir ein weiterer Punkt war – der mir so selbstverständlich vorkam. Aber vielleicht muss man auch das erklären. Wie gut, dass du das jetzt schon angesprochen hast, damit ist auch das ergänzt zum Artikel :-) Ganz liebe Grüße, Petra
Mich machen die Hände, die in die Halfter auf den Fotos greifen, wahnsinnig. Wieso wird das so gelehrt? Bzw. was ist der Sinn dahinter? VG! Nadja
Hey Nadja, die Frage müsste ich jetzt an Sady weitergeben. Warum sie so trainiert für den Einstieg. Da bin ich raus ;-) Ganz liebe Grüße, Petra
Sorry, meine Erklärung dazu steht weiter unten … Ich glaube, dann wirst du nicht benachrichtigt ;)
Hallo,
mit dem Clickern beschäftige ich mich schon lange. Kennengelernt habe ich es im Hundetraining und es ist wie bei allen Trainingsmethoden unglaublich wichtig das richtige Timing zu finden. Damit steht und fällt wirklich alles. Zugegeben war ich mit dem Clickern bei meinen Hunden nicht sehr erfolgreich, weil ich anfangs nicht den Sinn des Clickerns verstanden habe, denn ich war der Meinung wieso Clickern wenn´s dann eh ein Leckerlie gibt? Inzwischen habe ich begriffen, daß die Gabe des Leckerlies nach einer Zeit weg fällt und nur noch geclickert werden muß. Das Geräusch allein bestärkt das Tier in seiner von mir gewünschten Handlung. Ich kann somit viel schneller loben und ein neues Verhalten abfragen. Leider habe ich wie Anfangs in Deinem Bericht erwähnt, sehr viel negative Berichte gelesen in denen es darum ging, daß die Pferde richtig läßtig wurden, wenn nicht gleich gefüttert wurde. Dies ist auch der Grund, warum ich mich nicht traue mit diesem Training zu beginnen.
Hallo Katrin, das kann ich gut verstehen – es kann schon einschüchtern, wie bei jeder Trainingsmethode – dieser Satz, wie wichtig es sei alles gaaanz perfekt und korrekt machen zu müssen. Und ja: Ich glaube, dass es beim Clickern wichtig ist ein gutes Timing zu haben. Aber das ist auch beim Horsemanship oder beim Hufekratzen so. Ich glaube, dass es einfach eine Frage der Informationen und des Wissens ist und der Bereitschaft sich reinzuschaffen in das Thema, wenn man die Methode gerne ausprobieren will. Aber: Noch kein Meister ist vom Himmel gefallen und wenn man ein Lächeln hat und Freude, dann kann gar nicht so viel schief gehen.
Wobei dir Sady widersprechen würde, dass das Futter irgendwann wegfallen kann. Weil auf den Click immer das Futter folgen soll, damit die Pferde Verlässlichkeit haben und nicht enttäuscht oder gestresst werden, weil da ein Click kommt und kein Futter. Aber der Click erhöht erstens die Vorfreude und damit die Menge der Glückshormone und sorgt zweitens für ein exakteres Timing. Es ist wohl eher so, dass du einfach mit der Zeit weniger Clickerst bei bereits bekannten Aufgaben und mehr bei neuen Trainingsübungen. Ich hoffe, ich habe dich nicht mehr verwirrt. Ich wollte eigentlich sagen: Nur Mut! Wenn du Lust darauf hast und es mit Freude und Neugierde angehst und mit Gefühl für dein Pferd – kann gar nicht so viel schief gehen :-) Ganz liebe Grüße, Petra
Hallo Katrin,
sorry, wenn ich mich hier einmische, aber bei Clickertraining wird nicht auf das Futter verzichtet nach dem Click. Man hört nur irgendwann auf jedes Mal das gezeigte Verhalten zu Clicken.
Das Versprechen, was der Click macht, nämlich Futter zu geben, sollte nicht enttäuscht werden.
Liebe Grüße
Miriam