Stell dir vor dein Pferd läuft mit gespitzten Ohren auf dich zu. Es kann es kaum erwarten, bis du das Gatter öffnest und es von der Koppel holst. Es läuft motiviert und begeistert mit dir mit und wenn ihr die Halle betretet, hat es sofort ganz viele Ideen im Kopf, was ihr heute alles zusammen anstellen könntet. Ein wunderschöner Gedanke. Der Gedanke, dass das Pferd hochmotiviert, begeistert und freiwillig mit dem Menschen geht, dass es mit einem freudigen Gesichtsausdruck in der Freiarbeit um dich herumhüpft. Genau das hört man immer wieder von Menschen, die ausschließlich mit positiver Verstärkung arbeiten. Aber funktioniert das wirklich so einfach?

Clickern Sady positive Verstärkung Zirkuslektionen

Gleichzeitig gibt es aber auch die Bilder von futtergestressten Pferden, die keine Sekunde ruhig stehen können im Training, weil sie immer nur auf das nächste Leckerli hoffen. Die scheinbar mit der Verantwortung selbst mitdenken zu müssen, um an ihre Belohnung zu kommen, nicht klar kommen. Bilder von Pferden, die einfach nur mit dem Maul nach Leckerli suchen, während der glücksstrahlende Mensch neben dem Pferd behauptet, dass das Pferd ihn spiegelt weil eine ganz besondere Bindung zwischen beiden bestehe.

Von Vorurteilen und dem Clickern

Und dann ertappe ich mich dabei, dass ich Vorurteile habe, weil ich denke, dass das Pferd die Übung nur für das Leckerli machen würde. Nicht für sich, den eigenen Stolz, den Menschen oder Vorurteile erwischen uns immer dann, wenn wir ein Urteil fällen, bevor wir uns die Dinge mit eigenen Augen angesehen haben.

Es ist normal Vorurteile zu haben. Du hast sie, ich habe sie, jeder hat sie. Bis ich die ersten guten Clickerer kennengelernt hatte, dachte ich, dass beim Clickern wie wild Leckerli ins Pferd gestopft werden und am Ende gestresste Pferde dabei herauskommen. Bevor ich die ersten guten Englisch Reiter kennengelernt habe, dachte ich, dass in dieser Reitweise viel zu oft im Maul herumgezerrt wird und bevor ich gute Westernreiter kennengelernt habe, hatte ich Bilder von Pferde vor Augen, die auf der Vorhand vor sich hin schlurfen und vor lauter Horsemanshipperei jeden Willen aufgegeben haben.

Weißt du was? Beides ärgert mich und ich versuche immer wieder die verschiedenen Trainingsmethoden zu verstehen und kennenzulernen. Denn die Wahrheit liegt aus meiner Sicht vermutlich in der Mitte. Leckerli sind ein toller Motivator. Klar, Schokolade ist für uns Menschen ja auch ein toller Motivator. Das ist aber doch in Ordnung und es wäre eigentlich ziemlich bescheuert, diesen Motivator nicht zu nutzen. Gleichzeitig fühlt es sich verdammt gut an, wenn wir wissen woran wir sind und nicht täglich raten müssen, was unser Gegenüber von uns wollen könnte.

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Clickern nach Sady

Das waren jetzt viele Gedanken zu einem ganz grundsätzlichen Thema, aber eigentlich will ich dir heute nicht erzählen, woran ich glaube und welchen Weg ich für mich richtig finde – ich will dir einfach eine andere Methode vorstellen, in die ich bei einem Kurs von Sylvia Czarnecki alias Sady reinschnuppern durfte – vielleicht sind Elemente daraus richtig für dich, vielleicht die ganze Methode.

HIER findest du übrigens ihr Buch zum Clickern: „Ehrlich motiviert!: Positives Training mit Pferden“*

Soviel verrate ich dir vorab: Während des Kurses wurde mir wieder einmal klar, wie viel wir mit Druck mit unseren Pferden arbeiten. Egal ob es um den Zug am Strick geht, das Gertentippen in der Halle oder die Körpersprache oder eben die Leckerli über deren Vergabe wir bestimmen.

Und egal für welche Trainingsmethode wir uns entscheiden, ist das Wichtigste, dass wir nie den Willen und die Bedürfnisse unserer Pferde vergessen. Sie müssen auch „Nein“ sagen dürfen – so wie wir auch mal „nein“ sagen wollen. Wür dürfen sie nicht überfordern und wir dürfen bei allem nie vergessen Spaß zu haben und uns wohl zu fühlen mit unseren Pferden und den Trainingsideen, die wir so haben.

Genug Gedanken von mir – jetzt erzähle ich dir von meinem Kurs bei Sady. Zirkuslektionen und positive Verstärkung.

HIER findest du im ersten Teil des Kursberichtes alles zu den Zirkuslektionen

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Über positives Verstärken, Clickern und die Futterbelohnung

Soviel vorweg: Positive Verstärker – und dahinter steckt eine ganze Philosophie – sind mehr als Futterautomaten. Es ist eine Lerntheorie und ein anderer Weg mit dem Pferd.

Dabei sind das Futter und der Click! (also das Markersignal) Belohnung für dich und dein Pferd, denn der Click kommt ja nur, wenn dein Pferd etwas richtig gemacht hat. Dein Pferd freut sich aufs Leckerchen und du dich darüber, dass etwas geklappt hat.

Was du zum Clickern brauchst:

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Die Vorteile des Clickerns – nach Sady:

  • Basis der positiven Verstärkung ist es, das Lernverhalten der Pferde in und auswendig zu kennen. Damit es keine Missverständnisse zwischen Pferd und Mensch gibt.
  • Fürs Clickern brauchst du einen Masterplan und eine Grundidee davon, wie du das Verhalten deines Pferdes trainieren kannst
  • Du stellst dir immer wieder Fragen, wie:
    • Wie lernt das Pferd?
    • Wie motiviere ich es richtig?
    • Wie geht es meinem Pferd?
  • Die Kommunikation ist klarer, wenn wir das Lernverhalten des Pferdes kennen.

Beim Clickern beziehungsweise bei dem Weg zur positiven Verstärkung gehst du laut Sady in verschiedenen Schritten vor.

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Schritt 1: Am Anfang steht die Konditionierung

Was ist Konditionierung? Die klassische Konditionierung (Stichwort: Pawlowscher Effekt) findet im Grunde immer statt, weil es ja immer irgendein Verhalten gibt. Das hat etwas mit der Evolution zu tun: Wenn Tiere nicht lernen würden aus dem Geschehen um sie herum, würden sie langfristig nicht überleben. Nur durch das Lernen, können sie der Umwelt trotzen.

Bei Konditionierung entscheidet also nicht unbedingt das Tier, sich zu freuen oder zu reagieren – das ist einfach ein Reflex.

INFO: Wie funktioniert Konditionierung – Sady nennt als Beispiel die Coca Cola Werbung zu Weihnachten:

Weihnachten ist etwas worüber man sich freut à das Unternehmen Coca Cola ist erstmal wertneutral à jetzt kam aber Coca Cola ums Eck und hat unsere Freude über Weihnachten durch die jährlich immer wieder gleich ablaufende Werbung mit Coca Cola verknüpft – jetzt freuen wir uns unbewusst, wenn wir die Werbung sehen, weil wir an Weihnachten denken und Coca Cola mit dem heimeligen Weihnachtsgefühl verbinden.

Schritt 2: Was bringt uns dieses Wissen fürs CLICKERN:

Das Futter ist im Grunde ein ganz klassischer Reiz für das Pferd. Es freut sich wenn es Futter bekommt, Glückshormone fließen.

Die Handbewegung von der Tasche zum Pferdemaul oder der Click (von Clickerern gerne auch Marker genannt, weil du auch ein Wort, ein Zungenschnalzen oder ein Küsschengeräusch machen kannst – vollkommen egal: Hauptsache du verwendest diesen Marker nur für das Clickern) haben erstmal keine Bedeutung für das Pferd.

Wenn du aber ein paar mal Clickerst oder mit der Hand zur Tasche greifst und dann sofort fütterst, fängt das Pferd an, sich über den Click zu freuen. Irgendwann verbindet das Pferd den Click mit der Futterfreude und das sorgt dann für eine Riesengroße Endorphin-Ausschüttung. Endorphine sind die Superduper Glückshormone.

DESWEGEN ist es ganz wichtig laut Sady: Du musst immer erst Markern, dann in die Tasche greifen und füttern. Du solltest auch nie Markern ohne dann Futter zu geben. Sonst könnte das Pferd gestresst werden, weil es nie so genau weiß, wann es nun Futter bekommt und wann nicht. So ist die Verbindung verlässlich für dein Pferd:

Marker = Futter = Lob

Kleiner Exkurs: Stichwort – Operante Konditionierung (also das Lernen über Konsequenzen). Das ist ein sehr bewusstes Lernen. Dein Pferd lernt über sein Verhalten und entscheidet dann etwas zu tun oder nicht zu tun. Weil es die Konsequenz kennt. Das ist im Grunde auch das, was Horsemanshipler machen und auch Clickerer. Egal wie du trainierst. Operante Konditionierung spielt immer eine Rolle.
  1. Gesetz der Bereitschaft: Ein Bedürfnis und ein Anreiz müssen da sein – zum Beispiel Leckerli (ein angenehmer Zustand wartet) oder der Druck lässt nach (ein unangenehmer Zustand wird vermieden)
  2. Gesetz der Übung: Das Verhalten muss dann immer wieder wiederholt und bestärkt werden – damit es sich wirklich einprägt und festigt
  3. Gesetz der Wirkung: Ein Verhalten wird dann wiederholt, wenn es sich lohnt zum Beispiel weil das Pferd ein Leckerli kommt – oder der Druck nachlässt

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Die wichtigsten Unterschiede: Positive und negative Verstärkung

  • Positive Verstärkung: Dein Pferd bekommt eine Belohnung für ein gutes Verhalten. Also das Leckerli, wenn das Pferd richtig reagiert
  • Dazu gehört die Negative Strafe: Du nimst etwas weg, wenn dein Pferd nicht gut reagiert. Du geht’s also weg oder belohnst das nicht, wenn es etwas falsch machst
  • Negative Verstärkung: Du nimmst etwas weg, wenn dein Pferd ein gutes Verhalten zeigt. Zum Beispiel das Wegnehmen der Gerte, wenn das Pferd auf den Druck reagiert oder das aufhören Druck zu machen, wenn das Pferd richtig reagiert
  • Dazu gehört die Positive Strafe: Du baust Druck auf, wenn das Pferd etwas falsch macht

Das ist jetzt auf den ersten Blick verwirrend, wegen der Namen – aber de fakto ist der Unterschied ganz einfach. Bei der positiven Verstärkung arbeitest du mit Futterbelohnung und dem wegnehmen dieser Belohnung. Bei der negativen Verstärkung arbeitest du mit Druck oder dem Weglassen von Druck.

Letztlich gilt: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Es ist eine Frage deiner Persönlichkeit und der deines Pferdes, was besser zu euch passt. Plus: Wenn du gut trainierst sind sowohl negative und positive Verstärkung Trainingsmethoden die gut funktionieren: In einem Fall gibt es Erleichterung, im anderen Fall Leckerli – es ist also eine Frage der Motivation des Pferdes und von dir und der chemischen Prozesse die im Gehirn ablaufen.

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Schritt 3: Wie geht die POSITIVE VERSTÄRKUNG praktisch

Die erste Frage, die du dir immer stellen musst: Wie kann ich es erreichen, dass mein Pferd ein Verhalten zeigt, damit ich es verstärken kann?

Es gibt verschiedene Wege der positiven Verstärkung:

  1. Du kannst das Clickern / Markergeräusch etablieren
  2. Du arbeitest mit den Futterpositionen (Rückwärts erarbeiten über Futter ein stückweit hinter dem Pferd zu platzieren)
  3. Du kannst das Target-Training nutzen
  4. Du kannst das erwünschte Verhalten „einfangen“
    1. Erst bewusst jede Reaktion belohnen
    2. Dann später: Nur noch das belohnen, was du haben willst
    3. So kannst du nach und nach die Übung aufbauen

Worauf musst du achten beim Clickern:

  1. Du solltest die Umgebung immer so gestalten, dass dein Pferd vorbereitet wird (Beispiel Podesttraining: erst auf Matte steigen lassen, dann Matte die auf das Podest legen, dann die Matte wegnehmen)
  2. ALSO: Immer vorher überlegen, wie du dem Pferd den Weg ebnest, damit es auf die Idee kommt die Aufgabe anzugehen
  3. Fehlverhalten: Nicht belohnen! Einfach ignorieren
  4. Der Mensch muss sein Verhalten ändern, damit das Pferd sein Verhalten ändern kann = Positive Verstärkung ist VIEL Arbeit an sich selbst
  5. Bedeutet: Es gibt kein „Mach es trotzdem“, wenn das Pferd das gewünschte Verhalten nicht zeigt
  6. Bedeutet auch: Immer mal wieder bekanntes und trainiertes Verhalten belohnen – sonst wird es mit der Zeit schlechter werden, wenn es nie belohnt wird – weil sonst der Anreiz fehlt

Das TIMING ist wie immer im Pferdetraining sehr wichtig: Da jedes Signal und Übung zu einem Verstärker werden kann, wenn auf ein Verhalten eine angenehme Konsequenz folgt, verstärken wir manchmal dann auch ungewollt das falsche Verhalten, wenn Timing der Futtergabe nicht stimmt. Also: das Verhalten deines Pferdes nur belohnen, wenn vorher das Signal dazu gegeben wurde.

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Sonst können Verhaltensketten entstehen – das ist blöd! Es ist außerdem wichtig, dass du immer auch an der Futterhöflichkeit trainierst, wenn du in das Thema einsteigst. Dein Pferd muss erst einmal lernen, dass betteln nichts bringt. Je nach Pferd kann das längern dauern oder schneller gehen.

WARUM Futterlob? Dazu habe ich HIER schon einmal einen Artikel geschrieben. Leckerli sind einfach toll!

TIPP: Du kannst deinem Pferd ein Basis-Verhalten beibringen wie „Still stehen und Nase gerade nach vorne“. Wenn das Pferd gelernt hat, dass dieses Verhalten immer zuerst gefordert wird, lernt es ruhig zu stehen und zu warten und nicht hibbelig und nervös das Leckerli zu fordern oder in seiner Futternot irgendein Alternativverhalten zu zeigen.

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So gibst du die Leckerli beim Clickern richtig:

  1. Wichtig: Deine Hand immer erst nach dem Markersignal zur Futtertasche oder zum Pferdemaul bewegen! Sonst wird die Handbewegung zum Markersignal.
  2. Das Futter auf der flachen Hand mit stabiler Handposition, ruhig – Hand nicht wegziehen
  3. Futterposition beachten – dein Pferd orientiert sich am Futter und wird sich immer in Richtung des Futters bewegen – also erst Füttern, wenn das Pferd das gewünschte Verhalten zeigt à WICHTIGES WERKZEUG
  4. Wenn du ein Futtergestresstes Pferd hast – macht es Sinn, das Pferd im Alltag mitzutrainieren – sonst wird es bei ruhigen Situationen gestresster sein, weil es immer Bewegung liefern wird in der Hoffnung auf Futter – KLARE RITUALE SCHAFFEN
  5. PAUSEN sind ganz wichtig – Zur Regeneration, weil die Übungen auch geistig anstrengend sind und damit das Pferd lernt, sich in Anwesenheit von Futter zu entspannen
  6. Die Signalkontrolle: Erklär deinem Pferd immer erst einmal, dass es das gewünschte Verhalten auf Signal zeigen soll und nicht, wenn es kein Signal gibt – sonst hast du unter Umständen schnell ein Pferd, dass alles abspult, was es schon kann, damit ja Futter rüberwächst.
  7. Solltest du so ein Pferd haben, kannst du folgendes versuchen: Du kannst ein gutes Standard-Ausgleichsverhalten trainieren, das für Entspannung sorgt. Zum Beispiel „Still stehen und Nase vor“ – und erst dann belohnst du. Damit das Pferd nicht immer alle Verhaltensweise anbietet ohne ein Signal, sondern lernt, dass es sich nicht lohnt einfach irgendwas anzubieten

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Nochmal zusammengefasst – Was du zum Clickern brauchst:

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Und mein persönliches Fazit nach dem Kurs

Positive Verstärkung ist eine ganze Philosophie und Clickern ist mehr als eine Trainingsmethode, die man eben mal so nebenbei einsetzen kann. Es ist wichtig zu wissen, was man tut und sich damit auseinanderzusetzen, damit man kein Futtergestresstes Pferd hat, sondern ein motiviertes. Das was begeisterte Clickerer immer wieder beschreiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Pferde motiviert sind durch den Click und die Eindeutigkeit dieses Signals im Training.

Wenn du die positive Verstärkung komplett einsetzen willst, musst du im Grunde deine ganze Arbeitsweise mit dem Pferd umstellen, falls du bislang klassisch gearbeitet hast. Auch auf dem Pferderücken, auch bei der Bodenarbeit und auch im Alltag – egal ob du dein Pferd zur Box bringen willst oder putzen oder füttern.

Wenn du es ganz ernst meinst, dann darfst du nie Druck anwenden, weil positive Verstärker davon ausgehen, dass sonst die Kommunikation vergiftet werden könnte – weil das Pferd sich doch nicht darauf verlassen kann, dass nicht auch mal Druck eingesetzt wird. Das stelle ich mir schwierig vor und frage mich immer wieder, ob wir der Kommunikation mit dem Pferd dann nicht eine Ebene nehmen, die der natürlichsten Kommunikation der Pferde entspricht: Das Wer bewegt wen in der Pferdeherde.

Gleichzeitig bekomme ich hin- und wieder ein schlechtes Gewissen im Verlauf des Kurses, weil ich mich frage, ob ich meinem Pferd zuviele Regeln aufsetze. Wenn ich dann aber darüber nachdenke, wie entspannt und zufrieden meine Stute oft ist, wenn ich ihr freundlich aber klar gesagt habe, was ich möchte – frage ich mich, ob Regeln wirklich so schlimm sind. Und ob sich Futter und Regeln nicht vielleicht doch sehr gut verbinden lassen.

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Sady rät zum Beispiel dazu beide Methoden nicht zu mischen, weil das einbringen von Druck eine potentielle Fehlerquelle bringen könnte. Gleichzeitig rät sie dazu zu entspannen, wenn du dich für die positive Verstärkung entscheiden möchtest. Die Umstellung auf positive Verstärkung ist ein Prozess – das geht nicht von heute auf Morgen. Das finde ich super, weil sie zu keinem Zeitpunkt anderen die eigene Meinung aufdrücken will. Sie gibt alle Infos und ihr Wissen im Kurs weiter, sagt auch ihre Meinung – überlässt es aber den einzelnen Teilnehmern einen eigenen Weg zu finden.

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Ich kenne die positive Verstärkung als Trainingsmethode nicht genug um da ein klares Urteil zu haben. Letztlich denke ich aber, dass Pferde Rahmenlinien verstehen und auch verstehen, wenn man „Nein“ sagt, wenn sie gleichzeitig im Training auch „Nein“ sagen dürfen – werden sie verstehen, wenn man mischt. Das ist aber meine persönliche Meinung.

Letztlich gilt: Egal wie du trainierst – gutes Training ist nicht einfach, wir müssen uns immer damit auseinandersetzen, die Theorie kennen und dann unser Pferd ansehen und sehen worauf es wie reagiert, um den idealen Weg für uns und unser Pferd zu finden. Egal ob positive oder negative Verstärkung. Es geht darum Freude miteinander zu haben, mit einem Lächeln und Spaß zu trainieren und immer auch die eigene Persönlichkeit und die des Pferdes miteinzubieziehen.

Ich glaube persönlich an meinen kleinen Werkzeugkoffer, der mit jedem Kurs und jedem Tag und jedem Fachbuch etwas voller wird. Den ich öffnen kann und dann je nach Situation und Pferd das Richtige tun kann.

Frage: Wie siehst du das? Wie arbeitest du mit deinem Pferd? Schreib mir gerne einen Kommentar, ich freue mich auf deine Meinung!

Noch zwei Lesetipps:

HIER gibt es einen Artikel von Tash Horseexperience zu den häufigsten Clicker-Irrtümern

HIER hat Saskia von Pferdespiegel über ihre Erfahrungen mit der positiven Verstärkung

Autor: Petra Haubner

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

15 Kommentare zu “Motivation, Vertrauen, Bindung? Was das Clickern alles können kann

  1. Katrin sagt:

    Hallo,
    mit dem Clickern beschäftige ich mich schon lange. Kennengelernt habe ich es im Hundetraining und es ist wie bei allen Trainingsmethoden unglaublich wichtig das richtige Timing zu finden. Damit steht und fällt wirklich alles. Zugegeben war ich mit dem Clickern bei meinen Hunden nicht sehr erfolgreich, weil ich anfangs nicht den Sinn des Clickerns verstanden habe, denn ich war der Meinung wieso Clickern wenn´s dann eh ein Leckerlie gibt? Inzwischen habe ich begriffen, daß die Gabe des Leckerlies nach einer Zeit weg fällt und nur noch geclickert werden muß. Das Geräusch allein bestärkt das Tier in seiner von mir gewünschten Handlung. Ich kann somit viel schneller loben und ein neues Verhalten abfragen. Leider habe ich wie Anfangs in Deinem Bericht erwähnt, sehr viel negative Berichte gelesen in denen es darum ging, daß die Pferde richtig läßtig wurden, wenn nicht gleich gefüttert wurde. Dies ist auch der Grund, warum ich mich nicht traue mit diesem Training zu beginnen.

    • Petra sagt:

      Hallo Katrin, das kann ich gut verstehen – es kann schon einschüchtern, wie bei jeder Trainingsmethode – dieser Satz, wie wichtig es sei alles gaaanz perfekt und korrekt machen zu müssen. Und ja: Ich glaube, dass es beim Clickern wichtig ist ein gutes Timing zu haben. Aber das ist auch beim Horsemanship oder beim Hufekratzen so. Ich glaube, dass es einfach eine Frage der Informationen und des Wissens ist und der Bereitschaft sich reinzuschaffen in das Thema, wenn man die Methode gerne ausprobieren will. Aber: Noch kein Meister ist vom Himmel gefallen und wenn man ein Lächeln hat und Freude, dann kann gar nicht so viel schief gehen.

      Wobei dir Sady widersprechen würde, dass das Futter irgendwann wegfallen kann. Weil auf den Click immer das Futter folgen soll, damit die Pferde Verlässlichkeit haben und nicht enttäuscht oder gestresst werden, weil da ein Click kommt und kein Futter. Aber der Click erhöht erstens die Vorfreude und damit die Menge der Glückshormone und sorgt zweitens für ein exakteres Timing. Es ist wohl eher so, dass du einfach mit der Zeit weniger Clickerst bei bereits bekannten Aufgaben und mehr bei neuen Trainingsübungen. Ich hoffe, ich habe dich nicht mehr verwirrt. Ich wollte eigentlich sagen: Nur Mut! Wenn du Lust darauf hast und es mit Freude und Neugierde angehst und mit Gefühl für dein Pferd – kann gar nicht so viel schief gehen 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

    • Miriam sagt:

      Hallo Katrin,

      sorry, wenn ich mich hier einmische, aber bei Clickertraining wird nicht auf das Futter verzichtet nach dem Click. Man hört nur irgendwann auf jedes Mal das gezeigte Verhalten zu Clicken.
      Das Versprechen, was der Click macht, nämlich Futter zu geben, sollte nicht enttäuscht werden.

      Liebe Grüße
      Miriam

    • Petra sagt:

      Hey Nadja, die Frage müsste ich jetzt an Sady weitergeben. Warum sie so trainiert für den Einstieg. Da bin ich raus 😉 Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Sady sagt:

    Ja, da muss man wohl zu den Fotos wirklich noch Erklärungen liefern. Petra war an einem Samstag auf einem meiner Kurse, dabei handelte es sich um einen Einsteiger zirkuskurs, nicht um einen Kurs mit dem Kernthema Clickertraining. Ich arbeite zwar mit einem markersignal und auch mit so viel positiver Verstärkung wie es eben in einer solchen Situation möglich ist, aber man darf nicht vergessen, dass weder die Teilnehmer, noch die Pferde Erfahrung auf dem Gebiet mitgebracht haben. Die Fotos sind in der ersten Einheit mit den Pferd Mensch fahren entstanden, in der es hauptsächlich um gymnastizierende Dehnübungen geht und die Vorbereitung von Kompliment und Verbeugung. Dazu gehört unter anderem das korrekte und zweckmäßige füttern in den Lektionen, aber auch das biegen und stellen über die führende Futterhand. Die Pferde wurden zudem bisher wenig mit Futter gearbeitet und haben dementsprechend auch noch keine Grundausbildung in Bezug auf Futter Disziplin. Meine Wunschvorstellung wäre auch, dass alle Pferde höflich in den Kurs kommen und Erfahrung mit Clickertraining haben, leider ist das ein frommer Wunsch in den meisten Fällen. Das bedeutet, Liga Training haben , leider ist das ein , wo sich in den meisten Fällen . Das bedeutet , dass man das Pferd eben unter Umständen zeitweise auch mal am Halfter Anfässt, damit es während der Erklärungen nicht die Nase in die Tasche steckt und die ganze Zeit falsches Verhalten trainiert. Bei der Vorbereitung der Verbeugung soll das Pferd zu dem Lernen Komma die Vorderbeine und die Hinterbeine unabhängig voneinander zu bewegen, um sich entsprechend aufzustellen. Um das jeweilige Vorderbein zu belasten oder zu entlasten, beziehungsweise das Pferd auf die Hinterhand zu setzen, lernt das Pferd die Bewegungen über das Positionieren am Halfter. jede noch so kleine Reaktion , still halten und in das Halfter greifen , wird dabei geklickt. Es geht hier also nicht darum, wie man ins Clickertraining einsteigt.

    • Petra sagt:

      Das stimmt – liebe Sady und danke für die Ergänzung. Das Thema "Management", das du auf Nachfrage ja auch angesprochen hattest beim Trainieren, habe ich weggelassen, weil es mir ein weiterer Punkt war – der mir so selbstverständlich vorkam. Aber vielleicht muss man auch das erklären. Wie gut, dass du das jetzt schon angesprochen hast, damit ist auch das ergänzt zum Artikel 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    wie du ja weißt, wird mein Pony von Anfang an mit positiver Bestärkung trainiert. Genauso die Hunde und sogar die Meerschweinchen werden mit Clickertraining bestärkt. Für mich persönlich gibt es momentan keinen anderen Weg mit meinen Tieren umzugehen.
    Ich denke nicht, dass sich positive Bestärkung und Regeln widersprechen. Wir haben Regeln. Sowohl für die Ponys wie auch für die Hunde (die Meerschweinchen sind da etwas raus 😉 ). Das ist für mich kein Widerspruch. Denn auch Regeln kann ich mit Hilfe des Clickers und meinem eigenen Auftreten erklären. Es ist auch hier wichtig konsequent und klar zu sein. So z.B. gibt es bei uns kein Futter von der Hand ohne, dass dafür was getan wurde. Also Futter ausschließlich nach Click. Sonst gibt es nichts. Auch kein Begrüßungsleckerchen. Hier gibt es keine Ausnahme. Es gibt die Regel, dass ich nicht bedrängt werde, dass ich höflich gefragt werde, bevor in meinen Bereich eingedrungen wird, dass nicht nach mir geschnappt wird, dass buckelnde Ponyhinterteile sich nicht in meiner Nähe befinden usw. Ich denke es ist nur die Frage, wie ich diese Regeln festsetze. Anfangs hat mein kleiner Ponymann immer wieder versucht mich zu schubsen. Das ist etwas, was ich nicht mag und was er lernen sollte. Da es ihm am meisten Spaß gemacht hat mich zu schubsen, wenn ich dann einen Schritt nach hinten gemacht habe, habe ich mich gewappnet und bin einfach stehen geblieben (ging bei seiner Größe natürlich auch). Ich habe nichts gesagt, ihn nicht gestraft und bin einfach nicht weiter darauf eingegangen. Bald war das Thema erledigt und er macht es bis heute nicht mehr.
    Was ich nicht unter Konsequenz verstehe, was viele für sich darunter verstehen, ist, dass ich darauf bestehe, dass er die Übungen macht, die ich fordere. Soll heißen, wenn ich ihn bitte, dass er z.B. antrabt und er tut es nicht, bleibe ich nicht dran bis er trabt. In der Regel frage ich nochmal an, wenn er Nein sagt, wenn er das immernoch nicht will, dann versuche ich zu hinterfragen warum nicht. Hat er mich nicht verstanden? Bin ich einen Schritt zu weit? Passt meine Hilfengebung nicht? Oder auch, hat er einfach keine Lust heute? Je nachdem was ich vermute, gehe ich anders vor. Hat er mich nicht verstanden, versuche ich es anders, bin ich zu schnell im Training versuche ich nochmal einen Schritt zurück zu gehen. Ich versuche meine Hilfengebung anzupassen und wenn er keine Lust hat, dann lassen wir es. Dadurch, dass ich nicht auf die Ausführung bestehe, ist es nicht so, dass ich ein Pony habe, was nichts mitmacht. Im Gegenteil meistens ist er sehr motiviert und freut sich auf unsere gemeinsame Zeit. Er gibt sich auch bei anstrengenden Übungen unheimlich Mühe und ist meistens begeistert dabei.
    Was das Clickertraining allerdings nicht ersetzt ist, dass ich mich mit dem Wesen Pferd auseinander setzen muss. Dass ich mir Gedanken über das Training machen muss. Ich selber mache ich mir z.B. einen Plan zu jeder Übung und überlege mir jeden einzelnen Trainingsschritt vorher. Da ich das Training sehr kleinschrittig gestalte um möglichst oft loben zu können und meinem Pony eine hohe Erfolgsrate zu ermöglichen, ist das viel Arbeit. Auch beim Clickertraining muss man einfach wissen was man tut. Es reicht nicht sich einen Clicker zu kaufen und sich mit Leckerlies zu bewafffnen. Dann entstehen eben oft genau die Probleme die du beschreibst. Die Pferde sind gestresst, weil sie nicht wissen was man von ihnen will und nur noch nach dem Leckerchen gieren. Das ist Clickertraining falsch gemacht.
    Für mich lohnt sich das stänige Hinterfragen, die Arbeit an mir selber und die Geduld, die ich manchmal im Trainign beweisen muss. Denn ich habe ein Pony was mitsprechen kann (er kann mit mit Hilfe des Initiatorsignals z.B. sogar sagen wann er bereit ist, geputzt zu werden), er hat keine Angst vor Fehlern, weil er noch nie wirklich gestraft wurde, er ist voller Vertrauen in sich und die Welt, er ist begeistert und motiviert dabei. Er verlässt begeistert Gras und Herde um mit mir Abenteuer zu bestehen. Mein Pony erwartet nie etwas schlechtes. Er geht auf alles und jeden offen zu und das freut mich jeden Tag.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      LIebe Miriam, danke für deinen wunderbaren Worte und Gedanken zum Thema. Das unterschreibe ich alles alles alles 🙂 Ich denke, dass wir sogar sehr ähnlich arbeiten. Ich habe nur keinen Clicker und bitte auch mal um das Weichen durch meine Körpersprache. Bei meiner Kleinen wäre es schwer stehen zu bleiben, wenn sie schubsen wollte – insofern muss ich sie dann bitten zurückzugehen. Aber ich sehe "Konsequenz" genau wie du: Es bedeutet klar und verständlich zu sein, einen Plan zu haben, Regeln und eine Idee – aber es bedeutet nicht, sich immer durchzusetzen. Ich höre auch manchmal auf, statt den Druck zu erhöhen, wenn etwas nicht klappt. "Das Pferd muss funktionieren" – der Satz existiert bei uns nicht im Training. Das Pferd darf immer auch eine Meinung haben und wenn es partout nicht will, dann denke ich auch um 🙂 Das ist so wichtig. Und genau wie du mache ich die Erfahrung, dass mein Pferd tatsächlich immer motivierter und begeisterter und feiner wird, umso länger wir zusammen basteln – sie "nutzt" nicht aus oder respetiert mich nicht weniger, nur weil sie auch mitreden darf. Ich liebe dieses Gefühl, dass wir eine Kommunikation haben, die auf beiden Seiten stattfinden darf. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall an deinen Ponymann und dich und bis bald, Petra

  4. Kim sagt:

    Hallo,
    ich würde auch gerne noch meine Erfahrungen zum Clickertraining beisteuern:
    Seit 5 Jahren habe ich eine Reitbeteiligung an einer schon reiferen Haflingerdame. Vor vier Jahren bin ich dem Clickern begegnet. Anfangs nur mit meiner Katze und dann habe ich es einfach mal beim Pony probiert. Der Erfolg war überragend. Zuvor hat sie absolut das Attribut "emotionslos" verdient. Plötzlich hatte ich ein Pony, das freudig neben mir her zum Reitplatz getrabt ist, sein gerade serviertes Heu hat liegen lassen, um etwas mit mir zu trainieren und einfach so viel offener und aufgeschlossener war. In den ersten Jahren war das CT für mich nur eine Methode neben unserem ganz klassischen Umgang. Niemals hätte ich gedacht, dass dieses extrem faule Pony freiwillig einem Ball hinterher traben würde für ein lächerlich kleines Stückchen Möhre. Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich mal auf dem Platz reiten wollte und das Pony freudestrahlend neben mir her dorthin marschiert ist und dann extrem enttäuscht war als ich aufgestiegen bin und wir ganz "normal" geritten sind.
    Wir haben dann noch ein halbes Jahr einen Ausflug ins Natural Horsemanship gemacht mit einer wirklich netten Trainerin, die stets bemüht war, so wenig Druck wie möglich anzuwenden und gute Leistungen mit einem Leckerli zu belohnen. Leider verging kaum eine Trainingseinheit wo es nicht nötig war Phase 3 oder 4 anzuwenden. Gerade das Rückwärts war ein ewiger Streitpunkt und wenn ich Galopp verlangt habe flogen regelmäßig die Hinterhufe gezielt in Richtung meines Kopfes. Was war ich so sauer!Während der ganzen Zeit habe ich davon geträumt frei, ohne Seil, mit meinem Pferd zu arbeiten. Doch dann hat sie sich immer bemüht möglichst viel Abstand zu mir zu bekommen und hätte sich, wenn ich sie gelassen hätte, sofort in die Ecke gestellt und nichts gemacht.
    Das Schlüsselerlebnis hatte ich dann beim Verladetraining. Wir haben ein wenig Druck aufgebaut und auf ihre Reaktion gewartet. Und es passierte nichts rein gar nichts. Sie hat sich mit verkniffenem Gesichtsausdruck ins Seil gehängt und nicht mal mehr auf Locken mit super gutem Futter reagiert. Dann plötzlich die Reaktion: Das Pony steigt ein wenig und hüpft gleichzeitig nach vorne in den Anhänger. So ging das noch mehrmals bis sie drin stand. Auch beim zweiten und dritten Durchgang keine Veränderung des Verhaltens. Ein nervenaufreibendes Erlebnis und ich hatte wirklich Angst, dass sie mich oder sich selbst verletzt . So konnte das nicht bleiben.
    Beim nächsten Übungstermin wollte ich es anders versuchen. "Bewaffnet" mit klein geschnittenen Möhren und einer Frisbeescheibe, die ich vor Ewigkeiten mal als Target installiert hatte, ging es los. Halfter und Strick kamen ab und ich clickte erst einige Mal das Berühren des Targets in den Nähe des Anhängers. Dann ging es zur Rampe. In unter zwei Minuten stand das Pony komplett entspannt und frei im Anhänger. Die nächsten beiden Durchgänge gingen noch schneller und als ich mich schon entfernt hatte spazierte sie wie selbstverständlich nochmal alleine hinein und dann ganz gesittet und langsam wieder rückwärts heraus. Da wurde mir klar, dass das der Weg ist, den ich gehen will und zwar komplett. Ich habe viel gelesen, Videos geschaut, mich im Clickerforum angemeldet. Dort fand ich das erste Mal Gleichgesinnte von denen die meisten ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.
    Seitdem hat sich viel verändert. Wir sind nur noch positiv unterwegs, die Bindung hat sich enorm verbessert. Auf dem Platz machen wir nur noch Freiarbeit. Kein Halfter, kein Strick, keine Gerte. Ich habe dadurch ein Pony bekommen, das unglaublich schnell neue Dinge lernt, wirklich mit mir kommuniziert und gerne bei mir bleibt. Rückwärts gehen zählt inzwischen zu ihren Lieblingsübungen ohne jegliche Berührung, Gerten- oder Seilgefuchtel. Eines unserer Signale dafür ist, dass ich mit locker eingeknicktem Knie und herunterhängenden Armen vor ihr stehe. Und das finde ich einfach großartig. Genauso mit dem Kopfsenken: Wo sie früher gegen die Hand auf dem Mähenkamm dagegen gegangen ist und ziemlich starker Druck nötig war, um überhaupt eine kleine Nach-Unten-Bewegung zu bekommen (von der mit dieser Übung eigentlich verbundenen Entspannung waren wir meilenweit entfernt), reicht heute eine über dem Mähenkamm schwebende Hand, um den Kopf sofort bis zum Boden zu senken und dort so lange zu lassen, bis der Click kommt. Inzwischen galoppiert sie frei neben mir, ohne dass ich um mein Leben fürchten muss.
    Ich bin ihr heute unendlich dankbar, dass sie mir diese Lektion erteilt hat. Mit einem "gut funktionierenden" Pferd hätte ich mir niemals diese ganze Mühe und Arbeit gemacht. Und ja es ist verdammt viel Arbeit an sich selbst. Es müssen so viele Barrieren im Kopf abgebaut werden, man muss bereit sein sehr viel über sich selbst und seinen Umgang mit dem Pferd zu lernen. Ich schäme mich heute für so vieles, was ich den Pferden früher, ohne nachzudenken, angetan habe, weil man das eben einfach so gemacht hat und das Pferd ja wissen muss, wer der Chef ist. So oft wird von Vertrauen, Respekt ,Natürlichkeit und Dominanz geredet. Wir sind keine Pferde und das weiß das Pferd auch ganz genau und deshalb macht es für mich wenig Sinn, zu versuchen sich wie ein ranghöheres Pferd zu verhalten. Alles war wir von unserem Pferd wollen ist alles andere als natürlich. Kein anderes Pferd würde versuchen ihm ein Halfter anzuziehen, es zu satteln oder gar zu reiten. Insofern ist eigentlich alles, was wir mit dem Pferd machen in gewisser Weise ein "Kunststück oder Trick". Daher müssen diese Dinge kleinschrittig und gründlich trainiert werden. Und ganz wichtig: Arbeit muss sich lohnen! Niemand von uns würde arbeiten gehen, wenn der Chef uns am Ende des Monats mit einem müden "Danke" abspeisen würde.
    Wenn man sich verschiedene Trainer ansieht mag das Endergebnis bei allen leicht, fein und ohne Druck rüberkommen, aber man sollte sich immer fragen, wie der Weg dorthin aussah. Und ehrlich gesagt möchte ich kein Pferd haben, dass es als Belohnung empfindet, wenn es seine Ruhe vor mir hat.

    Die meisten Menschen, die mit positiver Verstärkung arbeiten, haben sehr unter den missbilligenden Blicken und unschönen Kommentaren der anderen Pferdeleute zu leiden. Ein sachliches Gespräch mit fundierten Argumenten ist kaum möglich. Das finde ich einfach nur schade. Jeder hat seinen eigenen Weg und dabei ist das einzige, was zählt, dass Mensch und Pferd sich mit diesem Weg wohl fühlen und niemanden gefährden.
    Auch der immer wieder angebrachte Vorwurf, man würde ja ständig Futter ins Pferd schieben ist einfach nur traurig. Mein gesamtes Training kann ich mit zwei sehr sehr klein geschnittenen Möhren gestalten, die andere dem Pferd zur Begrüßung, zum Abschied oder als tägliche Futterration geben. Auch das einfach mal so in den Trog geschüttete Kraftfutter kann man wunderbar nutzen. Wenn man pro Click drei Haferkörner gibt, kann man mit einer normalen Ration dem Pferd schon sehr viel sinnvolles beibringen. Ebenso bietet es sich im Frühjahr hervorragend an mit Gras zu clickern und das Pferd so anzuweiden.

    Die Entscheidung für die positive Verstärkung hat mir unglaublich viele neue Wege eröffnet für den Umgang mit meinen Tieren. Inzwischen werden Pferd, Hund und Katze regelmäßig geclickert und es bereitet mir und ihnen sehr große Freude. Auch in Zoos findet diese Art des Trainings immer häufiger Verwendung und ermöglicht es, das Verladen oder wichtige medizinische Maßnahmen ohne Betäubung und den damit verbundenen Stress für Mensch und Tier durchzuführen.
    LG Kim

    • Petra sagt:

      Hallo Kim, danke dir für deine Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema. Genau das, was du beschreibst liest man ja immer wieder. Der Clicker soll ein toller Weg sein. Für mich ist er es nicht zu 100% – zumindest sehe ich das jetzt so. Aber da der Weg mit den Pferden immer wieder Kurven und Schleifen schlägt, wer weiß 🙂 Aber ich kann mir gut vorstellen und nachvollziehen, dass es so gut funktioniert. Auch nach all dem was du beschreibst und was auch andere immer wieder beschreiben. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall und bis bald, Petra

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