Bosal

Das Bosal ist eine gebisslose Zäumung, die aus der altkalifornischen Reitweise kommt. Es besteht aus Rohhaut und hat auch einen Kern aus echter Rohhaut. Das ist zumindest die Art und Weise, wie ein Klassisches aufgebaut ist. Ganz ursprünglich soll es sogar über die Araber nach Spanien und von dort nach Amerika gekommen sein – dort haben es sich die indianischen Vaqueros geschnappt – besagt zumindest die Geschichte – bis es dann bei den Cowboys gelandet ist. Damals hatte es den Namen “Jaquima” – was in etwa Halfter bedeutet.

Das Bosal wird dem Pferd angepasst und dann mit einem Lederriemen (Hanger) verbunden als Zaumzeug genutzt. Es ist also im Grunde das Nasenteil der Zäumung.

Bosal von Barefoot nah - BF-BSXX-XXXX/36

Die kalifornische Hackamore besteht aus:

  • dem Bosal (das ist der geflochtene Teil) – Da würde ich auf ein Bosal komplett aus Rohhaut setzen. Die sind zwar deutlich teuer, aber die Qualität muss einfach stimmen.
  • der Mecate (die Zügel – sie sind meist aus Mähnen- oder Schweifhaar geflochten)- bekommst du zum Beispiel HIER
  • dem Hanger – gibt es zum Beispiel HIER im Tackroom Ratingen

Das alles zusammen ergibt das Zaumzeug – beziehungsweise Hackamore genannt – am Pferdekopf.

Die Mecate gibt es mittlerweile auch aus Nylon, Baumwolle oder sogar Alpaka-Haar. Das ist natürlich bedeutend weniger kratzig als so eine Mecate aus Schweif- oder Mähnenhaar. Letzteres ist die weichere Variante. Das kannst du dir HIER genauer ansehen.

Mecate aus Nylon von Barefoot details - BF-MCNY-XXXX/36

Die Cowboys sind früher mit Handschuhen geritten auf dem Viehtrieb – deswegen konnten sie die spitze und haarige “Mecate” ganz gut ertragen. Der Sinn dahinter ist, dass du mit der Mecate an den Hals des Pferdes kommst und es dem Druck der Mecate weichen soll. Durch die kitzelnden harten Härchen, wird die Kommunikation sozusagen verstärkt. Reagiert ein Pferd fein, weicht es alleine durch das Kitzeln der Härchen und du kommst mit der Mecate gar nicht mehr richtig an den Hals.

Mecate aus Mähnenhaar von Barefoot - BF-MCEH-XXXX/36

Diese Art des “Lenkens” ist auch aus der Westernreitweise bekannt – das sogenannte Neckreining. Das Pferd wird also weniger durch den Zug am Maul, als mehr durch das Anlegen des Zügels gelenkt. Es weicht dem Druck.

Ein Beispiel: Wenn du die Mecate auf der linken Halsseite des Pferdes anlegst, wird es nach rechts weichen.

Wie wirkt das Bosal?

Das Bosal wirkt über die Nase des Pferdes ein. (Es gibt auch die Theorie, dass es ganz leicht auf die Nasennerven wirkt durch das “Rascheln” des Bosals auf der Nase, wenn man es bewegt). Haupt-Einwirkung sollen aber die Zügel sein, also die Mecate. Sie ist durch das Mähnenhaar leicht kratzig und gibt so beim anlegen ein deutliches Signal an das Pferd. Das zweite Signal ist, wie gesagt, das Bosal und seine Bewegung am Pferdemaul.

Bosal mit Mecate von Barefoot - BF-BSXX-XXXX/36

Wenn du mit der Wassertrense (die ja eine der ganz üblichen und weit verbreiteten ist) leicht zupfelnd rechts stellst, dann wirkst du auf den rechten Maulwinkel ein. Beim Bosal ist es so, dass du das Pferd nach links biegst durch die Rotation am Bosal, wenn du den linken Zügel leicht annimmst mit einem anziehen und Zupfen des linken kleinen Fingers. Weil: der rechte Schenkel (also die rechte Seite) des Bosals legt sich an die Nase des Pferdes – und bewegt dadurch den Kopf deines Pferdes nach links.

Das Bosal ist zwar gebisslos, hat aber natürlich trotzdem eine Wirkung. Es ist wie mit jedem Kommunikationsmittel am Pferd: Weniger ist mehr.

Probier es einfach mal selbst aus, in dem du ein Bosal um deine Handgelenke legst und lasse jemand anderen an der Mecate zupfeln – du wirst ganz schnell ein Signal spüren. Das ist fast schon erstaunlich und zeigt mir immer wieder, dass wir Menschen viel zu viel machen am Pferd und unsere Hilfsmittel oft in ihrer Wirkung unterschätzen.

Bosal mit Alfonso Aguilar

Man sollte also nicht zerren, sondern fein zupfeln. Ganz schlecht ist es, wenn du direkt nach hinten ziehen musst, weil das Pferd dann “nur” sehr starken Druck auf die Nase bekommt statt feine Signale und zurecht verärgert ist. Es wird sich dann eher dagegen lehnen.

Auch die Zügel sollten mit Bosal nie so komplett durchhängen, vor allem bei den schnelleren Gangarten. Denn bei einem schönen rasanten Galopp schlenkern die Zügel unter Umständen und damit schlägt das Bosal gegen die Pferdenase.

Die Kräfte des Reiters werden bei den gebisslosen Zäumungen auf das Genick und die Nase übertragen, insofern kann die Zäumung so natürlich auch sehr viel Druck erzeugen und braucht auch bei einem Bosal eine weiche Reiterhand.

Wann wird ein Bosal genutzt?

Weil es gebisslos ist, wird das Bosal auch gerne bei der Ausbildung in der altcalifornischen Reitweise von Jungpferden genutzt, da diese noch wachsende Kieferknochen haben und eine Trense den jungen Kiefern schaden kann. Gestartet wird die Jungpferde Ausbildung mit einem dickeren Bosal, dann nimmst du eine Nummer kleiner und dann noch ein ganz schmales Bosal. Zuletzt kommt in der Ausbildung zum Brdile Horse das Bridle. Also im Grunde eine Kandare.

Die Ausbildung eines Pferdes in der Hackamore dauert 3-5 Jahre – je nach Pferd. Die altkalifornischen Reiter lassen sich also sehr viel Zeit.

Oft wird das Bosal beim Westernreiten verwendet. Bei Turnieren im Dressurbereich sind gebisslose Zäumungen wie das Bosal zum Beispiel soweit ich weiß nicht zugelassen, im Springturnier wohl teilweise erlaubt.

Vorteile des Bosal

Laut Trainern wie der Bosal-Expertin Kitty Grätzer aktiviert das Pferd mit Bosal schneller die Hinterhand. Was ein grandioser Vorteil ist und weshalb sich das Erlernen der altkalifornischen Reiterei mit Bosal lohnt.

Fans der altkalifornischen Reitweise (also die Reitweise der Cowboys, die Kühe hüten müssen mit ihrem Pferd) stellen ihr Pferd dann irgendwann auf Kandare um, weil man das Bosal nur beidhändig reiten sollte und die Kuh natürlich einhändig gejagt werden muss. Ich persönlich will keine Kühe jagen und kann mir auch eine beidhändige Reitweise gebisslos sehr gut vorstellen ;-)

Der bekannte Pferdetrainer Alfonso Aguilar geht sogar so weit zu sagen, dass das Bosal deutlich sanfter als jedes Zaumzeug mit Gebiss ist. Er findet außerdem beruhigend, dass er die Einwirkung des Bosal jederzeit beobachten kann – wenn es also zum Beispiel reibt, sieht er das sofort – bei den Zäumungen mit Gebiss, merken wir oft gar nicht, was wir unter Umständen ausrichten, weil sie sich ja im Maul befinden – und wir viel nicht richtig sehen können.

Er bestätigt außerdem, dass du mit Bosal die höchste Versammlung erreichen kannst und alle gymnastizierenden und klassischen Übungen natürlich auch mit Bosal trainieren kannst. Passage, Piaffe und Co sind also auch mit Bosal möglich.

Alfonso Aguilar mit Bosal

Worauf musst du achten beim Bosal?

  • Das Bosal sollte von guter Qualität sein. Ist es billige, flache und schlecht bearbeitete Rohhaut, kann sie richtig reiben und regelrecht wie Schmirgelpapier an der Pferdenase wirken
  • Ein Bosal sollte einen Rohhautkern haben – nicht Leder, nicht Metalldraht – sondern einen Rohhautkern. Leder ist zu wabbelig, Metall zu hart und scharf
  • Der Rohhautkern ist entweder gedreht oder geflochten.
  • Die Nervenknoten am Bosal sollten nicht zu groß sein – sie könnten sonst drücken
  • Bosal und Mecate sollten aufeinander abgestimmt sein – je nach Empfindsamkeit und Charakter des Pferdes – kann beides größer, schwerer oder schmaler und leichter sein
  • Je schwerer die Mecate und je mehr du sie herumwickelst, desto schwerer das Bosal, desto stärker die Wirkung

Wie wird die Mecate ans Bosal geknotet?

Eine Anleitung in Bildern – Schritt für Schritt – wir haben dabei dem bekannten Pferdetrainer und Bosal-Experten Alfonso Aguilar über die Schulter geschaut:

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Mecate knoten - Schritt für Schritt

Nochmal zusammengefasst – was du für dein Bosal brauchst:

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten “Ich”, das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

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4 Kommentare zu “Bosal

    • Petra sagt:

      Das freut mich sehr und ich hoffe, dass wir deine Erwartungen auch erfüllen können :-) Wir geben uns Mühe :-)

  1. Sebastian sagt:

    Ich glaube es gibt da ein paar missverständnisse. Das nutzt zwar das neckraining, aber das Bosal sollte nicht um die Nase rotieren. Sondern wenn ich links leicht annehme / nicht zupfen und das bosal an den Kopf angepasst ist. Dann gibt das Pferd den Kopf auch nach links. Quasi wie bei einer Wassertrense. Nur das man keine Großen Armbewegungen machen muss. Desweiteren kann man mit dem Bosal / Hackamore einhändig reiten. Grundsätzlich haben die Vaqueros erst einmal die Pferde komplett in dem Hackamore / Bosal ausgebildet und damit Rinder gearbeitet. Bzw. die Rinder genutzt um ihre Pferde zu arbeiten. Dazu gibt es gute Videos von Jeff Sanders auf Youtube.

    • Petra Haubner sagt:

      Hi Sebastian, hmmmm – also ich habe es wie folgt bei Alfonso gelernt und auch aufgeschrieben "Wenn du mit der Wassertrense (die ja eine der ganz üblichen und weit verbreiteten ist) leicht zupfelnd rechts stellst, dann wirkst du auf den rechten Maulwinkel ein. Beim Bosal ist es so, dass du das Pferd nach links biegst durch die Rotation am Bosal, wenn du den linken Zügel leicht annimmst mit einem anziehen und Zupfen des linken kleinen Fingers. Weil: der rechte Schenkel (also die rechte Seite) des Bosals legt sich an die Nase des Pferdes – und bewegt dadurch den Kopf deines Pferdes nach links." da steht also nirgends, dass man mit dem Bosal zupfen soll – du zupfst mit dem kleinen Finger ein bisschen. wenn du noch mehr Kommunikation brauchst bei deinem Pferd. Als Erwiderung auf deinen Kommentar :-) Viele liebe Grüße, Petra

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