Zäumungen mit Gebiss: hast du auch 1000 Fragen dazu in deinem Kopf? Weißt du vielleicht sogar nicht genau, welche Zäumung du bei deinem Pferd hast oder bist du auf der Suche nach der richtigen Zäumung und weißt nicht genau. welche zu euch passen könnte? Welche gibt es und wie wirken sie? Wollen Pferde mit Gebiss geritten werden oder mögen sie gebisslose Zäumungen eigentlich viel lieber? Welches Gebiss passt zu welchem Reiter? Der Artikel stellt dir alle gängigen Zäumungen vor und zählt die wichtigsten Fakten zu den Zäumungen mit Gebiss auf. Von der Wassertrense bis zur Kandare: Denn Zäumungen mit Gebiss haben unterschiedliche Wirkungen auf das Pferd. Deswegen ist es wichtig zu wissen, wie deine Zäumung wirkt. Nur dann weißt du, ob du die richtige für dich und dein Pferd gewählt hast.

SLIDER-Bilder-gebiss

Wir haben diese Idealvorstellung von dem lockeren und durchlässigen Reitpferd, das motiviert mit uns durch dick und dünn geht.

Dazu stellen wir uns gerne Folgendes vor: Rein mit der Trense und los gehts mit dem Reiten.

Blöd nur, wenn das Pferd das Maul nicht aufmachen will beim Trensen oder die Trense immer wieder herauskaut oder das Maul aufsperrt beim Reiten.

Das alles sind im Grunde Zeichen deines Pferdes an dich. Es will in aller Regel damit sagen, dass es sein Gebiss nicht mag. Sei es, weil das Gebiss zu groß ist, weil es diesen Gebisstyp nicht mag oder grundsätzlich kein Gebiss in seinem, Maul fühlen will. Dann kann es Sinn machen ein anderes Gebiss oder eine andere Zäumung auszuprobieren oder unter Umständen Gebisslos zu reiten.

Manche Pferde dagegen sperren das Maul schon auf, wenn sie die Trense sehen und kauen fröhlich auf ihrem Gebiss herum. Auch das ist ein Zeichen – diesmal für das Gebiss. Wenn du so ein Pferd hast, dann macht es auf jeden Fall Sinn, sich über die verschiedenen Zäumungen und Gebisse schlau zu machen, damit du die perfekte Kombination für dich und dein Pferd findest.

Das Thema “Gebisse” ist sehr umstritten und viele Reiter halten ihre Reiterhände für sanft und fein. Wer denkt schon von sich, dass er mit “harter Hand” reitet? Aber wenn du wirklich wirklich ehrlich zu dir bist, kannst du dann von dir behaupten immer nur wenige Gramm in den Händen zu halten, während du reitest?

Das ist tatsächlich auch gar nicht einfach und genau deswegen sollte man sich als Reiter schlau machen über die Gebisse und ihre Wirkungen. Die Wassertrense zum Beispiel, die als supersanft gilt, kann den Gaumen fast schon einklemmen und richtig Druck ausüben – speziell in der einfach gebrochene Version. Wusstest du nicht? Ich auch nicht, bis ich mich mal ein bisschen mehr mit dem Thema beschäftigt habe. Deswegen nehme ich dich jetzt mit auf meine Recherchereise und erzähle dir alles zu den verschiedenen Zäumungen und Gebissen, was ich herausfinden konnte.

Pferd Zäumung Gebiss

Wie die einzelnen Gebisse wirken und welche es gibt erkläre ich dir jetzt. Wichtig für dich ist am Ende vor allem, was dein Pferd zu deinem Gebiss sagt. Mag es das oder nicht? Läuft es zufrieden damit? Nimmt es die Trense gerne an beim Satteln und Trensen?

Daran kannst du erkennen, ob du die richtige Zäumung hast.

Ich gestehe dir jetzt am Anfang, dass ich gebisslose Reiterin bin. Meine Stute bilde ich gebisslos aus und solange sie zufrieden damit läuft, wird es auch dabei bleiben. Wir reiten mit Kappzaum und Sidepull – später einmal vielleicht mit Bosal. Aber das sind alles gebisslose Zäumungen – zumindest so wie ich sie nutze – und darum soll es heute nicht gehen. Wir reden über Gebisse und dazu passende Zäumungen.

Ehrlich gesagt sehen viele Gebisse für mich wie frisch aus der Folterkammer aus. Das sind sie natürlich nicht immer, aber es ist wichtig die Gebisse und ihre Wirkungsweise zu kennen, damit du deinem Pferd nicht aus Versehen und ungewollt Schmerzen zufügst. Denn letztlich hast du zwar mit Gebisslosen Zäumungen natürlich auch Druckpunkte und kannst das empfindliche Nasenbein, die Nasenatmung oder das Genick beeinflussen und mit zuviel Druck stören, aber das Eisen im Maul hat nun einmal mehr Schmerzpotential als eine gebisslose Zäumung. Deswegen sollte deine Trense sehr gut sitzen und das Gebiss sehr gut passen.

Die Verwirrung in Sachen Gebisse

Es gibt fast so viele Gebisse wie es Pferderassen und Pferde-Fellfarben gibt. Immer mehr Gebisstypen und Marken wandern auf den Markt, und du als Reiter fragst dich dann was davon sinnvoll ist, was zum Pferd passt und welches Gebiss du eigentlich kaufen sollst.

Viele sehe ein bisschen aus wie Folterinstrumente´- manche sind es auch, manche sind es nicht.

GANZ GRUNDSÄTZLICH GILT: Am Ende ist am wichtigsten, dass das Pferd einverstanden ist mit dem was es im Maul hat. Manche Pferde mögen lieber eine gebisslose Zäumung und laufen damit zufriedener, manche Pferde laufen zufriedener und lockerer mit einem Gebiss.

Das Angebot für Trensen und Zäumungen ist mindestens genauso groß wie das für Gebisse. Trotzdem unterscheiden sie sich immens voneinander.

Die Unterschiede liegen im Sitz, in der Größe, in der Form und manchmal auch einfach nur im Look.

Ich werde dir jetzt die verschiedenen Gebisse vorstellen, die Materialien aus den Gebisse hergestellt werden und die verschiedenen typischen Zäumungen. Am Ende kannst du dir dann ein eigenes Bild davon machen welche Zäumung für dich und dein Pferd die Beste sein könnte. Am Ende sollte aber vor allem die Meinung deines Pferdes gelten, und natürlich deine auch ein bisschen. Also teste  jedes Gebiss sorgfältig und schau dir genau an wie dein Pferd darauf reagiert.

Trensen – die große Auswahl

Wenn du dich mit den Trensen beschäftigst, wirst du feststellen, dass manche Trensen dich tatsächlich positiv überraschen werden und manche Trensen dir negativ aufstoßen werden.

Es gibt Trensen, die den Ruf haben sanft zu sein, wie die Wassertrense, die aber eigentlich gar nicht so sanft sind. Es gibt auch Trensen die den Ruf haben scharf zu sein, wie die Kandare, die aber in den richtigen feinen Händen sehr punktuelle Hilfen ermöglicht.

Es ist also wichtig sich mit den verschiedenen Trensen auszukennen. Damit du die richtige Trense für dich und dein Pferd finden kannst.

Basicwissen zur Trense a.k.a. Zäumung

Eine Trense besteht im Grunde aus:

  • einem Stirnriemen
  • einem Genickriemen
  • einem Kehlriemen
  • einem Nasenteil
  • dem Gebiss

In den Ringen des Gebisses werden die Zügel rechts und links befestigt. Du hast also eine sehr direkte Einwirkung auf das Pferdemaul.

Dann gibt es aber noch die Westerntrensen – da fehlt zum Beispiel das Nasenteil oft oder der Stirnriemen. Manchmal wird sie auch nur um ein Ohr gelegt, statt eines Stirnriemens.

Oft hängt es an den klassischen Trensen noch ein Sperrriemen beziehungsweise die Nasenriemen werden so um das Gebiss verschnallt, dass sie das Maul mehr oder weniger “sperren”. Das ist eine merkwürdige Entwicklung, auf die ich persönlich gerne verzichten würde.

Der Sperriemen bzw. das “Sperren” ist aus meiner Sicht ein NoGo:

  • Er verhindert das aufsperren des Maul des Pferdes und schränkt die Kaubewegung des Pferdes ein.
  • Das ist für das Pferd nicht besonders schön. Denn es kann nicht kauen, es kann nicht speicheln und es kann letztlich auch nicht richtig atmen.
  • Es kann im Grunde das Maul nicht aufmachen und seine Meinung sagen.

Aber reden wir erst einmal über die verschiedenen Gebisstypen, die es gibt.

Verschiedene Gebisstypen

Da gibt es eine große Bandbreite, verschiedenste Marken und Materialien. Deswegen beschreibe ich dir die Basis-Typen und dann kannst du selbst schauen, welches Material und welcher Hersteller dir am besten gefällt.

Insgesamt gibt es drei Grundformen unter den Gebissen:

  1. Die Wassertrensen
  2. Die Kandaren
  3. Die Pelhams

Pferdegebiss – Die Stange

Die Stange kann auf die Zunge deines Pferdes und auf die Laden wirken. Das sind die Hohlräume im Gebiss. Wenn du nur an einer Zügelseite Zügel ziehst, dann kann die Stange an einer Seite auf die Zunge und auf der anderen an die Laden deines Pferdes drücken – ziehst du auf der anderen Seite dann drückt die Stange wiederum auf die jeweils andere Seite deines Pferdes. Beides sollte natürlich nicht passieren. Denn du solltest mit so wenig Zügeleinsatz wie nur irgendmöglich reiten.

Die Stange hat eine sehr direkte und wenig flexible Wirkung. Wenn du zum Beispiel Dressur reiten möchtest und das wiederum mit Zügeleinwirkung als Signalhilfe umsetzen willst – Gymnastizierung, Stellung und Biegung – dann ist die Stange nicht geeignet für dich und dein Pferd.

Das Pferd kann die Stange mit der Zunge festhalten. Das wiederum gibt deinem Pferd eher die Möglichkeit sich dem Gebiss zu entziehen. Das ist sicher bei vielen Reitern nicht gewünscht und auch nicht Sinn der Sache. Denn eigentlich solltest du ein Gebiss nur nutzen, wenn du schon feine und gute Gewichtshilfen geben kannst und punktuell ergänzen willst. Aber ich finde es gut, denn das Pferd kann so dafür sorgen, dass du nicht ganz so viel Druck aufbauen kannst.

Pferdegebiss – die einfach gebrochene Trense

Das einfach gebrochene Gebisse wirkt auch auf die Laden und die Zunge deines Pferdes. Es kann das Gebiss auch ein Stückweit mit der Zunge am Gaumen festhalten, um sich zum Beispiel einem zu festen Zug zu entziehen. Bei rechtem Zügelzug wirkt es nur auf die rechte Seite, ziehst du links wirkt es links.

Damit hilft es relativ gut getrennte Hilfen zu geben, zumal es nur auf die Laden einwirkt.

Pferdegebiss – das doppelt gebrochene Gebiss

Dann gibt es noch das doppelt gebrochene Gebiss. Es besteht im Grunde aus drei Teilen. Es wirkt auch auf die Laden und die Zunge. Wenn du das Gebiss mit beiden Zügeln anziehst, drückt es zwar nicht am Gaumen, drückt aber sehr stark auf die Zunge und die Laden und kann beides sogar quetschen.

Bei manchen Pferden sieht man regelrecht Abdrücke auf der Pferdezunge. Das darf natürlich nicht passieren. Das ist Tierquälerei. Das Pferd kann dem ganzen auch nicht entgehen, es hat keinerlei Möglichkeiten das Gebiss im Maul festzuhalten.

Die Kandare

Die Kandare ist eine der schärfsten Varianten unter den Gebissen. Je länger die Schenkel der Kandare sind, desto härter und schärfer wirkt das Gebiss – je kürzer die Schenkel desto weicher ist das Gebiss, aber desto schneller wirkt es.

Das Metallteil im Maul bestimmt letztlich auch mit wie scharf die Kandare ist: Je länger das Metallteil ist, desto mehr Druck werden auf die Maulwinkel und das Genick ausgeübt und desto mehr Schärfe und Wirkung hat das Gebiss. Oft haben die Teile eine kleine “Welle” in der Mitte für die Zungenfreiheit.

Dann gibt es noch die klassische Dressur Kandare. Das ist im Grunde auch ein Stange, es wird aber zusätzlich eine Unterlegtrense verwendet. Die Kinnkette sollte gleichzeitig so verschnallt werden, dass sie erst ab einem bestimmten Winkel wirkt.

Wenn die Kette enger verschnallt wird, wird das Gebiss schärfer. Das kann dann tatsächlich bis zum Kieferbruch führen, wenn der Reiter mit zu harter Hand reitet, da die Kette sehr stark mit Druck auf den Unterkiefer wirkt.

Du siehst also, dass du sehr fein mit der Kandare umgehen musst und sehr leichte, ruhige, lockere und feine Hände haben musst. Dann kannst du sehr punktuelle Hilfen geben und dein Pferd feiner in der Genickstellung beeinflussen, was natürlich hilfreich ist, wenn du versammelnde Übungen reiten willst.

Letztlich würde ich nur sehr sehr guten Reitern zur Kandare raten. Sie ist auf keinen Fall eine Trense, die du nutzen solltest, weil du ein Pferd besser halten willst oder ein temperamentvolles Pferd bändigen willst. Du löst damit nur Schmerz aus. Dann solltest du ein Pferd anders trainieren, am Boden am Vertrauen arbeiten oder dir einen guten Trainer suchen und nicht einfach zur Kandare greifen.

Das Olivenkopfgebiss

Dann gibt es noch das Olivenkopfgebiss. Das war früher sehr beliebt. Das gibt es mit einfach oder mehrfach gebrochenem Metallteil. Da werden an dem Ende des Gebisses olivenförmige Teilstücke quer angebracht, die fest mit den Ringen verbunden sind.

Dadurch sollen die Mundwinkel des Pferdes frei bleiben und nicht eingeklemmt werden. Außerdem soll verhindert werden, dass die Trense durch das Maul gezogen wird. Dadurch hat es aber auch eine kleine Hebelwirkung und es kann aber sehr hart auf das Pferdemaul wirken. Der Aufbau überträgt nämlich unter Umständen mehr Bewegungen der Reiterhand auf das Pferdemaul. Hast du also keine ruhige Reiterhand wird dein Pferd eher im Maul gestört.

Das Pelham

Das Pelham gibt es in verschiedenen Versionen. Du kannst es mit Stange kaufen, mit gebrochenem oder doppelt gebrochenem Gebiss. Wenn du es mit vier Zügeln reitest, soll es wie eine Kombi aus Trense und Kandare funktionieren. Da aber die Gebisse nicht getrennt sind, wirken sie sehr viel undeutlicher und ungenauer. Genaue Hilfengebung ist also damit nicht möglich.

Die Wassertrense

Wassertrensen sind die Klassiker unter den Gebissen. Es gibt sie ziemlich oft. Das ist ein einfach gebrochenes Gebiss mit zwei exakt gleichlangen Seiten. Sie sind mit einem beweglichen Gelenk miteinander verbunden. Wassertrense heißt Wassertrense, weil dein Pferd damit immer noch gut trinken kann. Es gibt die Wassertrensen mittlerweile auch in einer doppelt gebrochenen Version, die etwas sanfter sein soll, weil sie weniger stark auf die Zunge Druck ausüben.

Die Zäumungen

Es gibt verschiedene Zäumungen, die du dann mit den Gebissen verschnallen kannst:

  • Englische Trensen bestehen meist aus einer Trense und einem Reithalfter. Beispielsweise das englische Reithalfter, das zwei Fingerbreit unterm Jochbein verschnallt wird und zwei Fingerbreit Luft unter dem Nasenriemen bieten soll. Der Nasenriemen dient dazu das Maul des Pferdes im Grunde zu “sperren”, damit es sich den Reiterhilfen nicht entziehen kann. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen. Denn ein Halfter, das dem Pferd sämtliche Mitsprahe “Verbietet” ist aus meiner Sicht nicht besonders Pferdefreundlich.
  • Hannoversches Reithalfter: Lange Zeit war das der Klassiker. Erfunden etwa Mitte des 19. Jahrhunderts an der Kavallerieschule in Hannover. Es hat ein Backenstück und ein Genickstück. Dann hat es noch einen Nasenriemen und die Kinnriemen.Der Nasenriemen sollte die klassischen zwei Finger breit unterm Jochbein liegen bzw. vier bis fünf Fingerbreit über den Nüstern. Wird es zu tief verschnallt, kann das Pferd nicht mehr richtig atmen. Das Hannoversche Reithalfter soll besonders gut sein für Pferde, die einen langen oder geraden Kopf haben, beziehungsweise mit einer langen Maulspalte. Das Nasenteil wird unterhalb des Gebisses verschnallt und liegt im Kinnbereich deines Pferdes. Es ist also ziemlich nah an den Nüstern, darf deswegen nicht zu tief sitzen. Es soll durch seine Verschnallung unter anderem Verhindern, dass das Pferd durch seitliche Kaubewegungen den Reiterhilfen ausweicht. Auch das macht es für mich zu einem fragwürdigen Reiterzaumzeug.
  • Das kombinierte Reithalfter: Ist im Grunde ein englisches Reithalfter – hat aber einen zusätzlich Pull-Riemen (oder auch Sperrriemen) genannt. Leider ist genau dieses Halfter mittlerweile stark verbreitet in Deutschland.
  • Das mexikanische Reithalfter: Ist im Grunde wie ein kombiniertes Reithalfter, hat aber den sich kreuzenden Sperrriemen auf der Nase.
  • Das schwedische Reithalfter: Das ist im Grunde ein kombiniertes Reithalfter, aber der Nasenriemen wird durch eine sogenannte Umlenkschnalle zurückgeführt und dann verschnallt. Das ist wie ein Flaschenzug. Oft werden sie viel zu eng verschnallt. Wobei man sich ganz grundsätzlich fragen sollte, ob so ein Reithalfter wirklich etwas am Pferd verloren hat.
  • Eine Westerntrense, die du auch ohne Nasenteil verschnallen kannst
  • Der Kappzaum mit Gebissriemchen

Alle diese Zäumungen kannst du mit den verschiedenen Gebissen verschnallen.

Dann gibt es noch verschiedene Materialien aus denen die Gebisse geformt werden können. Wie zum Beispiel Edelstahlgebisse, Ledegebisse oder Kupfergebisse und noch viele mehr. Sie alle haben vor und Nachteile. Es ist nur wichtig, sie zu kennen. Damit du dich dann für das richtige Gebiss entscheiden kannst.

Das Edelstahlgebiss

Edelstahlgebisse sind besonders robust. Sie sind eine Mischung aus Chrom, Nickel, Wolfram und anderen Materialien. Deswegen auch geschmacksfrei und rostfrei. Edelstahlgebisse variieren sehr stark im Gewicht, je nachdem ob sie massiv oder hohl gefertigt sind.

Aber: Es können sich mit der Zeit scharfe Kanten bilden, besonders in der Verbindung zwischen Mundstück und Gebissring. Das Edelstahlgebiss sollte deswegen ständig überprüft werden, damit das Pferd keine Schmerzen leiden muss.

Das Kupfergebiss

Gebisse aus Kupfer nehmen sehr viele Pferde gerne ins Maul. Kupfer ist sehr zäh, aber gleichzeitig auch weich und dadurch angenehmer für das Pferd.

Aber: Kupfer fördert wegen seines besonderen Geschmacks den Speichelfluss des Pferdes. Das ist natürlich besonders schwierig bei Gebissen, weil die Pferde dann nicht mehr so gut schlucken können, wenn sie beim Reiten in die Kaubewegung kommen. Deswegen werden Kupfergebisse  auch gerne mit Edelstahl kombiniert, um sie etwas zu verfeinern.

Das Messing- und das Bronzegebiss

Messinggebisse unterscheiden sich in den Anteilen von Zink. Messing wird besonders bei sehr günstigen Gebissen verwendet, weil es nicht besonders haltbar und relativ spröde ist. Bronze gehört zu den ältesten Materialien in der Verwendung für Gebisse. Es ist sehr verschleißfest und Korrosionsbeständig, aber es lässt sich nur sehr schwer verarbeiten. Deswegen sind Bronzegebisse meist sehr teuer.

Das Argentangebiss

Dass Argentangebiss hat einen sehr hohen Kupferanteil von bis zu 60 %. Dazu enthält es noch Nickel und Zink.

Aber: Nickel gehört zu den Allergie Auslösern und kann auch beim Pferd allergische Reaktion auslösen. Man sollte sich diese Gebisse sehr genau ansehen, bevor man sie verwendet.

Das Aurigangebiss

Aurigangebisse sind eine Weiterentwicklung der Argentangebisse. Sie haben neben dem Kupferanteil – der noch etwas höher ist als beim Argentangebiss – keinerlei Nickel. Da Nickel als Auslöser für verschiedene Allergien bekannt ist, sollte man das tatsächlich im Pferdemaul vermeiden.

Das Eisengebiss

Das Eisengebiss wurde früher vor allem für Arbeitspferde verwendet. Eisen ist als Material relativ günstig. In der heutigen Reiterei gibt es kaum noch Eisengebisse. Ab und an noch bei Westernreitern. Sie scheinen sehr schnell ungepflegt. Pferde nehmen die alten Eisengebisse aber meistens ganz gerne an, weil sie einen süßlichen Geschmack haben.

Das Gummigebiss

Das Gummigebiss kann variieren in der Härte je nachdem aus welchem Gummi es hergestellt wurde. Üblicherweise wird Kautschuk zur Gebissherstellung verwendet. Ein Naturmaterial. Gummigebisse halten nicht so lange wie Eisengebisse. Allerdings werden sie gerne mit einem Metallkern kombiniert um die Haltbarkeit zu erhöhen.

Pferde kauen gerne auf den Gummigebissen herum, fast wie auf einem Kaugummi. Dann gibt es noch Kunststoffgebisse Sie unterscheiden sich von Gummi eigentlich nur dadurch, dass sie ein glattes und hartes Material sind. Und: sie werden zum Teil sogar mit Geschmack angeboten. Damit die Pferde zum Kauen angeregt werden.

Das Ledergebiss

Pferde mögen Ledergebisse meistens ganz gerne. Sie kauen auch gerne auf dem Leder. Das ist ein Naturmaterial, dass die Pferde zu schätzen wissen. Sie passen sich dem jeweiligen Pferd sehr gut an.

Allerdings sind Ledergebisse nicht besonders haltbar. Selbst bei sehr guter Pflege. Man kann die Ledergebisse ab und an mit Öl pflegen. Zum Beispiel indem man sie einfach in Speiseöl einlegt.

Wie verschnallst du das Gebiss

Das Gebiss liegt in der einzigen Lücke im Pferdemaul. Deswegen ist es wichtig, dass du es nicht zu hoch und nicht zu nirdrig verschnallst. Die Backenstücke – an denen das Gebiss hängt – müssen genau richtig verschnallt werden. Sie dürfen nicht zu eng und nicht zu locker sein.

Experten sagen, dass dein Pferd im Idealfall exakt zwei Hautfalten am Mundwinkel hat, wenn das Gebiss richtig verschnallt ist. Ist das Gebiss zu lang rutscht es im Maul hin und her, ist es zu kurz kann es die Hautfalten ums Maul herum einklemmen.

Faustregel: Das Gebiss sollte im Idealfall etwa einen halben Zentimeter länger sein (auf beiden Seiten), als das Mau deines Pferdes breit ist.

Das richtige Gebiss für dein Pferd

Wenn du das richtige Gebiss für dein Pferd suchst, dann musst du vor allem auf die Größe des Gebisses achten, damit es gut im Maul liegt, aber nirgends drückt oder stört.

  • Ein gutes passendes Gebiss darf nicht zu klein sein weil es drücken kann
  • Es darf aber auch nicht zu groß sein, weil es dann nicht korrekt in der Maulhöhle des Pferdes liegt.
  • Dann spielen noch Faktoren wie dünne oder dicke des Gebisses eine Rolle, das Material und die Verschnallung des Gebisses. Also ob hoch oder tief
  • Dann spielt natürlich auch die dazugehörigen Zäumung eine Rolle

Hippovital hat HIER übrigens einen Artikel dazu geschrieben: Gebisse und ihre Wirkungen

5 Fragen, um das richtige Gebiss für dein Pferd zu finden

  1. Wie fein und leicht ist deine Reiterhand?
  2. Was denkst du über die Wirkung von Gebissen?
  3. Wie steht es um deine Ausbildung?
  4. Wie steht es um die Ausbildung deines Pferdes?
  5. Wie empfindsam ist das Maul deines Pferde?

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10 Kommentare zu “Zäumungen

  1. Claudia sagt:

    Hallo Petra,
    ich lese deine Artikel sehr gern und finde die Art und Weise deines Umgangs mit Pferden und allem was dazu gehört sehr gut. Ich persönlich finde, das Gebisse, egal welche, nichts im Pferdemaul zu suchen haben. Sowohl aus anatomischen als auch aus ethischen Gründen. Es gibt genug Beispiele, dass man auch Pferde ohne Gebisse ausbilden kann. Womit ich auch viele gebisslose Zäumungen als unschön finde, nur dazu da das Pferd unseren Willen aufzudrücken. Es geht doch meistens um unser Ego und auch ums Geld, wenn ein Pferd wer weis wie hoch springen, Rennen bewältigen oder im Dressurviereck rumtippeln muss. Und alles nur mit Gebissen. Der Mensch ist da sehr einfallsreich im Design der teilweise schon als "Folterinstrumente" zu bezeichnenden Gebisse. Das Pferd an sich ist ohne unserer vermeintliches "wir tun alles nur zum Wohle und zur Gymnastizierung des Pferdes" oft besser dran. Obwohl es immer mehr Pferdemenschen gibt, die andere Wege gehen, zum Glück für die Pferde. Ich selber habe an meinen Vierbeiner keine Erwartungen die es undbedingt und mit allen Mitteln erfüllen muss. Er hat glaube ich schon genug Unschönes durch Menschen erfahren und hat lange Zeit gebraucht um so zu sein wie er jetzt ist, einfach nur Pferd und Kumpel. Das erste was ich im vor vier Jahren versprochen habe, nachdem ich auch noch sein Maulinneres gesehen und gefühlt habe, war, dass er nie wieder ein Gebiss in sein Maul bekommt. Ich reite auch seit über drei Jahren nicht, weil er für mich körperlich nicht in der Lage war dies ohne Probleme zu ertragen. Wir arbeiten dran, aber wirklich der Hauptgrund wird die "Reitbarkeitswiederherstellung" nicht sein und schon gar nicht mit Gebiss.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Claudia, danke dir für deine Meinung und den Kommentar. Grundsätzlich bin ich auch deiner Meinung – weil es zu viele Studien gibt, die plausibel klingen und gegen das Gebiss im Maul sprechen. Aber es gibt immer mal wieder auch Pferde, die das Gebiss gerne nehmen, darauf herumkauen und zum Beispiel die Einwirkung über Genick und Nase nicht mögen – die ja gebisslose Zäumungen in aller Regel haben. Insofern würde ich Gebisse nicht verteufeln und letztlich ist es ja immer die Reiterhand. Ich sehe es so: Wenn es geht wird meine Stute Gebisslos ausgebildet und geritten. Wenn sie aber sagt, dass sie aus irgendwelchen Gründen mit dem Gebisslosen Reiten nicht so klar kommt oder das Gebiss lieber mag – dann wird es eben ein Gebiss :-) Aber lieber wäre mir natürlich, wenn wir Gebisslos bleiben könnten. Schön finde ich auf jeden Fall, dass du deinem Pferd die Zeit und Ruhe gibst anzukommen und keine Erwartungen hast – das ist ein großes Geschenk :-) Viele liebe Grüße, Petra

  2. Daria sagt:

    Liebe Petra,
    Ich bin auf deinen Artikel gestoßen, nachdem ich mir ein Video auf Youtube der Hofreitschule Bückeburg "Das richtige Gebiss für mein Pferd – mit Christin Krischke" angesehen und nach weiteren Quellen hierzu gesucht habe.
    Vielleicht findest du es auch interessant.
    Lg Daria

    • Petra sagt:

      Liebe Daria, danke dir für den Tipp – der Name fiel schon öfter und ich habe in das Video auch schon reingeschaut. Sehr spannend! Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Sabine Hoose sagt:

    Hallo Petra , ich habe auch das Video von Christin Krischke über die verschiedenen Gebisse gesehen und bin mir nun nicht mehr sicher welches Gebiss das richtige ist ! Dort wird das Stangengebiss als sanfter dargestellt ,da es gleichmäßiger auf Laden und Zunge wirkt , im Gegensatz zu den gebrochenen , die im Prinzip überwiegend auf die Laden einwirken ! Wie ist deine Meinung dazu ?
    Lg Sabine

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Sabine, da kann ich dir leider keine richtige Antwort geben. Ich habe das auch schon öfter von verschiedenen Experten gehört, aber bin selbst Reiterin ohne Gebisse und deswegen bei dem Thema "Gebissvariationen" nicht sattelfest genug, um dir guten Gewissens eine Antwort auf deine spezifische Frage zu geben. Tut mir ganz arg leid und viele liebe Grüße, Petra

  4. Rena sagt:

    Hallo Petra,
    ich bin zufällig auf deinen Artikel gestoßen und finde dass manches nicht ganz richtig formuliert ist. Du schreibst beispielsweise "Oft wird die Trense mit einem so genannten Reithalfter kombiniert. Das ist der berühmte Sperriemen." Das Reithalfter an sich ist aber nicht der Sperrriemen. Das richtige Englische oder das richtige Schwedische Reithalfter haben beide nur einen Nasenriemen (auch in deinem Sperrriemen-Link schreibst du Nasenriemen statt Sperrriemen oder dass der Sperrriemen auch Nasenriemen genannt wird…) Den sogenannten Sperrriemen an sich (befestigt am Nasenriemen, führt von dort aus unter das Gebisses) gibt es eigentlich nur beim kombinierten Reithalfter(kombiniert z. B. mit Englischen Reithalfter). Das hannoversche Reithalfter besteht ebenfalls nur aus einem Nasenriemen. Dieser wird allerdings unter dem Gebiss verschnallt, ähnlich wie der Sperrriemen. Es wirkt jedoch anders als das Kombinierte Reithalfter.
    Ich bin auch alles andere als ein Fan vom Sperrriemen und stimme dir absolut zu, dass die Reiter damit nur den Schmerz der Pferde verstecken. Dass bei den meisten Standard-Trensen mittlerweile ein Sperrriemen dran ist, ist schlimm…

    Beim Stangengebiss schreibst du, dass wenn man an einem Zügel zieht, es nur auf dieser Seite wirkt und dass das nicht gut für die Dressurarbeit ist. Beim einfach- gebrochenen Gebiss schreibst du das selbe (zumindest verstehe ich das so), aber hier ist es wiederum gut. Da erschließt sich mir der Sinn nicht. Meines Wissens wirkt die Stange auch teilweise auf der anderen Seite, weil sie ja kein Gelenk hat und man hat damit weniger Einwirkung, was du vermutlich mit nicht für die Dressurarbeit geeignet meinst. Das sehe ich nicht unbedingt so, denn eigentlich ist ja mein Ziel hauptsächlich mit Gewicht- und Schenkelhilfe zu reiten und nicht meinem Pferd den Kopf irgendwo hin zu ziehen.
    Bei der Kandare schreibst du "Das Metallteil über dem Gebiss bestimmt wie scharf es ist." Welches Metallteil meinst du damit? Die Wölbung in der Gebissstange selbst, die bei Zügelanzug auf den Gaumen wirkt? Ich selbst bin nie mit Kandare geritten und kenne mich daher auch nicht genauer damit aus.
    Bei den restlichen Gebissen gehst du nicht genau darauf ein wie sie wirken, was ich mir eigentlich gewünscht hätte. Dass ein Olivenkopf- oder D-Ring-Gebiss beispielsweise auch eine leichte Hebelwirkung hat. Oder dass ein Kunststoffgebiss schärfer wirken soll als ein Metallgebiss (habe ich mir sagen lassen, habe damit aber bisher keine Erfahrung).

    Ich finde das Thema über das du schreibst wichtig, dass man sich eben gut überlegt welches Equipment man benutzt. Ich hätte mir gewünscht, dass im Beitrag auch die Begrifflichkeiten stimmen.
    Ich habe allerdings auch noch etwas weiter gestöbert und ein paar tolle Beiträge gefunden, die ich anregend fand. Ich lerne immer gern dazu =)

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Rena, danke für deinen langen Kommentar. Tatsächlich habe ich das meiste eigentlich schon im Artikel genauso erklärt erklärt und geschrieben. Vielleicht hast du es überlesen? Auch bei den Zäumungen. Das Hannoversche hat ja durchaus einen"sperrende Funktion" mit seiner Verschnallung. Aber das steht alles auch im Artikel. Bei der Kandare habe ich das "Metallteil" mit einem weiteren Satz beschreiben, damit klar ist, was gemeint ist. Das war blöd formuliert. Ich meine im Grunde das "Gebissteil" im Maul und auf deinen Wunsch hin, habe ich noch einen weiteren Satz zur Olivenkopftrense geschrieben. Wobei die Wirkung da eigentlich schon mit einem Satz erwähnt war :-) Dass Kunststoffgebisse schärfer wirken sollen als Metallgebisse ist mir neu – deswegen wäre es quatsch, wenn ich etwas dazu schreiben würde. Dazu habe ich auch keine Erfahrungen und kenne keine Studien. Wenn du da mal Studien findest, gib mir gerne Bescheid. Ganz liebe Grüße. Petra

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