Gebisslos Reiten, ja oder nein? Die Gretchenfrage spaltet die Reiterwelt. Die einen schreien: Ja! Die anderen empören sich über die Ponyhof-Fraktion und wollen nicht ohne ihre Trense. Und dann gibt es die vielen Menschen dazwischen, die nicht genau wissen, dass es auch ohne Gebiss geht oder die unentschlossen sind, wie sie mit ihrem Pferd umgehen wollen oder die sich nicht trauen ihr Pferd ohne Gebiss zu reiten. Fragst Du Dich auch, ob Du Gebisslos reiten solltest? Die Erfinderin und Profi-Turnierreiterin der Gebisslosen Zäumung „LG-Zaum“ erklärt im Interview, warum sie sich von einer Trensennutzerin zu einer Gebisslos Reiterin gewandelt hat.

Gebisslos ja oder nein?

Ich persönlich gehöre zu der Gebisslos-Fraktion. Aber das ist erstmal nur ein Bauchgefühl. Ich will „Mit Gebiss“ auch gar nicht verteufeln. Es ist auch nicht jede Zäumung für jedes Pferd geeignet. Das eine kommt vielleicht gut zurecht mit Gebiss im Maul, das andere kann besonders gut mit dem Bosal und das dritte reagiert auf ein Sidepull am Besten.

Ich persönlich mag den Gedanken, dass ein Pferd ohne Metall im Maul mit mir in Kontakt treten kann. Aber weil mich und viele andere die Frage umtreibt und ich glaube, dass sie für alle Pferdebesitzer eine wichtige Frage ist, habe ich recherchiert zu dem Thema.

Pferd mit gebissloser Zäumung
(Foto: LG-Zaum.de)

Wissenschaftliche Studien zur großen Trensenfrage

  • Es gibt einige Studien, die sagen, dass das Gebiss gesundheitsschädlich ist für die Pferde. Es soll den Kieferknochen verletzen (kleine Haarrisse), es soll den Pferden das Atmen erschweren, weil kauen und atmen zum Teil von den gleichen Organen abhängen und das Pferd kauen will (weil es etwas im Maul hat) und gleichzeitig atmen muss (weil wir als Reiter es fordern).
  • Es gibt auch eine Studie die sagt, dass im Pferdemaul gar kein Platz für ein Gebiss ist. Finde ich logisch, weil das Pferd von Mutter Natur ja nicht für das Tragen eines Gebisses geschaffen wurde.
  • Es gibt aber auch viele Pferdeexperten die sagen, dass die Gymnastizierung ohne Gebiss gar nicht richtig möglich ist oder die Nase und die Druckpunkte am Kopf durch die Nerven so viel empfindlicher sind als die Nerven im Maul, weshalb Gebisslose Zäumungen eigentlich die größeren „Schmerzen“ verursachen.

Es liegt immer am Reiter so sanft wie möglich zu reiten. Wenn wir uns schon auf den Rücken der Pferde setzen und sie gegen ihre Natur reiten, dann ist es Deine Verantwortung die Zügeleinwirkungen im Idealfall auf ein Minimum zu beschränken und uns Gedanken zu machen, wie wir das dem Pferd so angenehm wie möglich machen können.

Alles anders ohne Metall im Maul?

Ich werde immer wieder mit Argumenten gegen das Gebisslose Reiten konfrontiert, wenn ich von meinem Entschluss erzähle, mein Pferd Gebisslos auszubilden.

  • Da sei keine Anlehnung möglich
  • Stellen und Biegungen gehen nicht richtig
  • Das Pferd würde dann eher durchgehen.
  • Gebisslos sei eine Gefahr für Pferd und Reiter…

Ich habe diese extreme Ablehnung nie verstanden und verstehe sie bis heute nicht. Hier gibt es einen wunderbaren Artikel, der die Argumente perfekt widerlegt. Übrigens, ich war schon mit einem Pferd ausreiten, das sich mit Kandare (!) kaum halten ließ und einem anderen Pferd gemütlich mit Sidepull, das sich sofort durch veränderte Körperspannung problemlos vom Galopp in den Trab durchparieren ließ.

Manchmal frage ich mich, ob Pferd Nummer 1 vielleicht sogar wegen des Schmerzes durch die Kandare „wegrennen“ wollte, während Pferd Nummer 2 sich schmerzbefreit auf meine veränderte Körperspannung einlassen konnte. Ich weiß es nicht! Aber ich will mich nach und nach durch die Gebisslosen Zäumungen wühlen und bin dabei natürlich auch auf den LG-Zaum gestossen. DIE bekannteste Gebisslose Zäumung neben Sidepull und Bosal.

LG-Zaum
(Foto: LG-Zaum.de)

LG-Zaum mit dem Glücksrad

Entwickelt hat diesen Spezialzaum die Profireiterin Monika Lehmenkühler*. Sie ist von Haus aus Dressurreiterin. Weil sie für eines ihrer Pferde eine Gebisslose Zäumung brauchte, hat sie angefangen sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ist auf die diversen Studien gestossen und war mit keiner der existenten Zäumungen zufrieden.

Weil sie Stellung und Biegung weiterhin gut hinbekommen wollte, hat sie sich hingesetzt und den LG-Zaum erfunden. Das war 2002. Das besondere an dem Zaum ist das Glücksrad, das die Lederteile miteinander verschnallt und so weicher oder etwas schärfer eingestellt werden kann. Diese Verschnallung ist relativ kompliziert, aber wenn man es mal raus hat, dann scheint es sehr gut zu funktionieren. Zumindest bei verschiedenen Pferdexperten und Zeitschriften wie der Cavallo zum Beispiel kam der LG-Zaum im Test sehr gut weg.

Da geht’s lang zur Webseite vom LG-Zaum!

Ich werde den Zaum auch testen, wenn meine Jungstute eingeritten wird. Dann berichte ich exklusiv hier, wie sich der Zaum macht. Bis dahin gibt es aber erst einmal ein Interview mit Monika Lehmenkühler über ihren Wandel vom Reiten mit Gebiss zur absoluten Gebisslosigkeit und über das korrekte Verschnallen des LG-Zaums.

INFO: Wenn ihr nach dem Interview Fragen an Monika zum LG-Zaum habt, dann stellt sie gerne in einem Kommentar und sie wird sie euch beantworten

Interview mit LG-Zaum Erfinderin Monika Lehmenkühler

Gebisslose Zaeumung
(Foto: LG-Zaum.de)

Petra von der Pferdeflüsterei: Die erste und vermutlich wichtigste Frage: Warum Gebisslos, aus Deiner Sicht?

Monika Lehmenkühler: Man könnte diese Frage mit einem Satz beantworten. Am liebsten würde ich darüber ein Buch veröffentlichen. Buchtitel: „Die Vorteile des Gebissreitens“ – Seitenzahl 200, Inhalt 0 😉

Warum „Gebisslos“ ist eine längere Geschichte, die ich in meinem Buch* – verlegt vom Olms Verlag – ausführlicher beschrieben habe. Das fing vor über 20 Jahren an, als mir mein damaliger Trakehner Marti (sehr kleine Maulspalte) vermittelte, daß er so gar keine Gebisse mag (Zungestrecken, wildes Abkauen, widerspenstiges Ablehnen des Gebisses beim Auftrensen etc.) Ich machte mich also auf die Suche nach adäquaten gebisslosen Zäumungen und war mit keiner 100%ig zufrieden. Aber Marti war ohne Gebiss im Maul schon deutlich zufriedener. Zu dem Zeitpunkt gab es nur vergleichsweise wenige gebisslose Zäume auf dem Markt und im Grunde war kein einziger dabei, der klassisches Reiten wie gewohnt möglich machte. So beschäftigt man sich dann eben Tag für Tag im Kopf mit diesem Problem. Nach einigen Jahren offenbarte sich für mich die Lösung dann in einem Traum.

Petra von der Pferdeflüsterei: Wirklich? Du hast den LG-Zaum geträumt? Verrückt! Aber wenn man sich lange mit etwas beschäftigt, sagt einem das Unterbewusstsein manchmal die Lösung in den verrücktesten Momenten.

Monika Lehmenkühler: Ja, der LG-Zaum ist tatsächlich aus der jahrelangen Beschäftigung und der Unzufriedenheit mit den auf dem Markt verfügbaren gebisslosen Varianten entstanden. Im Grunde war er keine Entwicklung im Sinne von mathematisch/physikalischen Berechnungen/Überlegungen heraus, vielmehr war er eine Eingebung, denn wie sagt man so schön? Träume sind keine Schäume, ich wachte eines Morgens auf und zeichnete die Konstruktion von der ich träumte auf und ließ den ersten Prototypen bauen. Meinen ersten Ritt mit dem Glücksrad (und so hieß es bereits) werde ich nie vergessen 😉

Petra von der Pferdeflüsterei: Heißt also, dass Deine Pferde anders reagiert haben als mit Gebiss. Was sind für Dich die Unterschiede – im Vergleich zu Deiner „Gebiss-Zeit“ im Verhalten der Pferde?

Monika Lehmenkühler: Nach 20 Jahren Praxis mit Gebissen und nunmehr 24 bald 25 Jahren gebisslosem Reiten kann ich mit Fug und Recht behaupten, daß sehr viele positive Veränderungen für mich sofort spürbar und heute noch sind. An erster Stelle war es bei meinem Trakehner Marti und all den anderen Pferden das ruhige und zufriedene Maul, die entspannte Maulspalte/Kiefer und ein dadurch wesentlich ruhigere Kopfhaltung.

(Link zum Pferdeflüsterei Shop)

Petra von der Pferdeflüsterei: Mittlerweile bist Du kompromisslos und reitest nur noch mit dem LG-Zaum?

Monika Lehmenkühler: Zu mit Sicherheit 80 – 90 % reite ich mit dem LG-Zaum. Allerdings nutze ich durchaus zwischendurch zur Überprüfung auch schon einmal eine Art aus weichem Leder gefertigten Bändele, das ich beim Reiten leicht ausziehen und nur noch als Halsriemchen benutzen kann. Ich benutze den LG nach wie vor hauptsächlich, weil es damit so einfach und fein klappt die Pferde auszubilden. Die Zügel halte ich zumeist nur noch zwischen Daumen und Zeigefingerspitze. Allerdings ist es mein Ziel immer weniger Mittel zu nutzen um selbst anspruchsvolle Lektionen abzurufen, weshalb ich eben zeitweise selbst den LG weglasse um im optimalen Fall auch ohne jeglichen Druck am Kopf der Pferde eine Kommunikation herzustellen.

Gebisslos Reiten
(Foto: LG-Zaum.de)

Petra von der Pferdeflüsterei: Ich bin ja tendenziell Westernreiterin, Du reitest Dressur. Jetzt kommt die Westernfrage: Funktioniert der LG-Zaum denn auch Reitweisen-übergreifend?

Monika Lehmenkühler: Ja… und inzwischen werden es auch immer mehr Westernreiter, die den LG-Zaum für sich und ihre Pferde entdecken. Auch wenn der LG auf klassischen Turnieren nach wie vor nicht zugelassen ist, reiten doch immer mehr trotzdem im Training ihre Pferde gebisslos mit LG.

Petra von der Pferdeflüsterei: Es gibt ja noch einige andere Gebisslose Zäumungen – das Bitless Bridle oder Sidepull zum Beispiel, wie auch das Bosal. Wo sind die Unterschiede zum LG-Zaum?

Monika Lehmenkühler: Das Bitless Bridle* unterscheidet sich vom LG-Zaum erstens durch die Überkreuzführung der Riemen an deren Ende die Zügel befestigt werden. Das bedeutet eine gewisse Umstellung für das Pferd, weil der Zug im Prinzip zunächst auf der jeweils anderen Seite des Pferdekopfes ankommt. Das kann verwirrend sein. Ein weiterer Nachteil ist, daß sich durch den Verlauf durch zwei Ringe, die Konstruktion leicht zuzieht und sich nur schlecht gleich nach dem Nachgeben der Hand löst. Das kann dann schneller zum Abstumpfen führen. Beim LG-Zaum nimmt man den Zügel an und der ausgeübte Druck auf den LG-Zaum läßt SOFORT nach, sobald die Hand nachgibt.

Das Sidepull* aus der Westernreitweise ist, wie der Name schon verrät – recht präzise bei den seitwärtsweisenden Zügelhilfen, weil sie gleich und ohne Verzögerung ankommen. Das ist auch beim LG-Zaum so. Aber durch die genauere, ruhigere und großflächigerer Auflage am Kopf der Pferde wirkt das noch ein wenig verständlicher für sie. Die Vertikalkontrolle, sprich das Herstellen einer anatomisch korrekten Haltung beim Pferd, ist mit einem Sidepull meist nur s e h r versierten Reitern möglich. Der LG-Zaum mit seinem kleinen Hebel macht es wesentlich leichter die gewünschte Beizäumung beim Pferd zu erreichen, um Rücken und andere Punkte entsprechend der anatomisch korrekten Haltung zu schonen.

Das Reiten mit einem Bosal*, bekannt aus der Westernreitweise, wird selbst im Westernbereich nur von sehr erfahrenen Profis praktiziert. Der Profi der altcalifornischen Reitweise, Jean Claude Dysli, erklärte mir einmal bei einem Telefonat, daß er immer einen LG-Zaum im Kofferraum hat, da das Reiten mit Bosal für manche Reiter nur schwer umzusetzen ist. Das Bosal ermöglicht keine präzise seitliche Einwirkung auf das Pferd, weshalb Reiter und Pferd bereits recht weit geschult sein müssen (absoluter Schenkelgehorsam).

Petra von der Pferdeflüsterei: Rein technisch betrachtet – wie genau und an welchen Druckpunkten wirkt der LG-Zaum auf den Pferdekopf ein?

Monika Lehmenkühler: Der LG-Zaum wirkt auf den Nasenrücken, das Kinn und letztlich auch ein wenig auf das Genick. Das glatt und großflächig aufliegende Rad ermöglicht eine für die Pferde sehr verständliche und plausible seitliche Einwirkung. Prof. Dr. Preuschoft (bekannt und anerkannt durch seine Druckmessungen von Gebissen auf Pferdemäuler) hat den LG-Zaum sehr intensiv getestet und untersucht und stellte zusätzlich fest, daß der LG-Zaum aus ca. 5 Gramm Zügelzug aufgrund seines minimalen Hebels lediglich 7,5 Gramm Zug macht.

Petra von der Pferdeflüsterei: Es gibt nicht nur Preuschoft, sondern noch viele weitere Studien zu dem Thema. Prof. Robert Cook kam in seiner umstrittenen und berühmten Studie zu dem Ergebnis, dass das Gebiss Pferde krank macht und ihnen schadet. Oder die Uni Hannover, die entdeckt hat, dass in den meisten Pferdemäulern gar kein Platz für ein Gebiss ist. Andere Studien wiederum kommen zu dem Ergebnis, dass es sogar besser sei das Pferd mit dem Gebiss zu reiten, weil es das Kiefer lockert, dadurch, dass es das Gebiss mit der Zunge aufnimmt, das wiederum lockert den Hals, das wiederum den Rücken. Sie haben auch viel geforscht zu dem Thema: Heraus gekommen ist dabei der LG-Zaum – auf welchen Studien und Erkenntnissen basiert der LG-Zaum?

Monika Lehmenkühler: Die unglaubliche Studie auf die sich diese Theorie des zufrieden und konzentriert kauenden Pferdes bezieht, spottet tatsächlich jeder Beschreibung und ich muß jedesmal innerlich lachen, wenn ich über diese Argumentationskette und Rechtfertigung nachdenke.

Ich erkläre mal kurz diese absurde Studie: Eine Gruppe Studenten bekam vor einer Prüfung Kaugummi und eine weitere Gruppe keinen. Es stellte sich heraus, daß die kauenden Studenten eine bessere Leistung ablieferte. Das wars!

Da den Schulterschluss auf die Pferde zu ziehen mutet schon sehr abenteuerlich an. Denn die Pferde sollen ja wohl kaum sitzen und schreiben, sie sollen große und perfekte körperliche Leistung erbringen. Für eine körperlich anstrengende Leistung benötigen die Tiere vor allem dringend eins: Eine freie und ungehinderte Atmung. Durch ein Gebiss wird dieses grundlegende und nachvollziehbare Bedürfnis des Lauftieres Pferd sehr stark eingeschränkt. Das hat Cook eindeutig bewiesen! Ein Pferd, das bei Bewegung und Arbeit mit dem Reiter in Atemnot gerät, konzentriert sich natürlich vor allem darauf Luft zu bekommen. Also auf die behinderte Atmung. Es konzentriert sich sicherlich deutlich weniger auf das was der Reiter von ihm verlangt. Es gerät dadurch in einen krassen Konflikt und in großen Stress, der zunächst zu Konzentrationsstörungen führt und dann auch zu gravierenden gesundheitlichen Problemen.

Petra von der Pferdeflüsterei: Wenn das wirklich wahr ist, sollte das allein schon ausreichen, um auf Gebisse zu verzichten. Aber gibt es denn noch mehr Gründe für Dich auf das Gebiss zu verzichten?

Monika Lehmenkühler: Ein lockerer Kiefer ist eine der Voraussetzungen dafür, daß Pferde zufrieden und locker unter dem Reiter laufen. Nachweislich führen Kieferblockaden zu weiteren Blockaden der Halswirbel bis in den Ledenwirbelbereich. Ein Pferd ohne einen wie auch immer beschaffenen Fremdkörper im überaus sensiblen und von viele Nerven durchzogenen Maul, hat einen lockeren Kiefer. Jedes Pferd wird versuchen einen Fremdkörper in seinem Pferdemaul, der auf die Zunge, das Diastema (Zahnloser Teil des Kiefers auf dem das Gebiss liegt), am weichen Gaumen und an den Zähnen wirkt, durch ständiges abkauen im Maul zu verschieben (das eine mehr das andere weniger). Mal quetscht das Gebiss nämlich nachweislich die Zunge, mal stößt es schmerzhaft an die Zähne, mal schmerzt es auf dem – nur von einer dünnen Knochenhaut überzogenen – Diastema oder es schlägt an den weichen Gaumen.

Dieses Verhalten zur Vermeidung von Schmerzen wegen des Gebisses, führt eben genau zu diesen Kieferblockaden, die dann über ein Gebiss – das zum Kauen anregen soll – behoben werden sollen?! (Oh Herr laß es Hirn regnen und nimm ihnen die Regenschirme weg!)

Petra von der Pferdeflüsterei: Das scheint tatsächlich ein Widerspruch in sich zu sein und eine Art Teufelskreis. Wenn diese Studien alle Recht haben, wieso wird dann immer noch deutlich mehr mit Gebiss geritten?

Monika Lehmenkühler: Sehr häufig wird an alten Traditionen krampfhaft festgehalten, in der Reiterei ist dies u.a. im Fall von Gebissnutzung so. Bei manchen Reitern ist es durchaus auch die Angst vor Kontrollverlust und bei manchen Reitern ist es schlicht nur Unwissenheit.

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Petra von der Pferdeflüsterei: Aber gibt es denn auch schon Studien, die mit dem LG-Zaum durchgeführt wurden und wenn ja: zu welchen Ergebnissen kommen sie?

Monika Lehmenkühler: Richtige Studien gibt es noch nicht. Aber Prof. Dr. Holger Preuschoft (anerkannter Wissenschaftler im Bereich Druck im Maul und Pferdeanatomie – LINKhat den LG-Zaum unter anderem auf seinem eigenen Pferd getestet und war sehr angetan. So sehr, daß wir in Kontakt stehen und er mit seinen Ergebnissen an einer überarbeiteten Neuauflage meines Buches „Anspruchsvoll Gebisslos Reiten“ (Link*) mitwirken möchte.

Petra von der Pferdeflüsterei: Gibt es da schon Langzeit-Tests? Also Pferdegesundheit und Pferdezufriedenheit im Zusammenhang mit dem Gebisslosen LG-Zaum?

Monika Lehmenkühler: Nein konkret nicht, außer bei meinen eigenen Pferden.

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Petra von der Pferdeflüsterei: Muss man als Reiter anders reiten mit dem LG-Zaum? Beim Bosal beispielsweise muss man anders mit den Zügeln „einwirken“ als bei der Trense…

Monika Lehmenkühler: Nein, wenn es nach den korrekten klassischen Lehren geht nicht!

Petra von der Pferdeflüsterei: So, nehmen wir an, jetzt hast Du mich überzeugt und ich habe jetzt habe einen LG-Zaum bei mir Stall. Wie muss ich mein Pferd daran gewöhnen – oder umgewöhnen? Hast Du da Schritte oder Tipps für die Umstellung von Gebiss auf LG-Zaum?

Monika Lehmenkühler: Weil Pferde sich viel eher auf ein Gebiss (als Fremdkörper) ein- oder umstellen müssen und alle bereits als Fohlen mit dem Druck eines Halfters vertraut sind, beantwortet sich die Frage von selber 😉

Petra von der Pferdeflüsterei: Aber kommen wir mal zu den Kritikern des Gebisslosen Reitens: Immer wieder höre ich, dass ohne Gebiss die „Notbremse“ fehlen würde, gerade im Gelände. Ich würde meinen, dass ein Pferd, das durchgehen will, es tun wird, ob mit oder ohne Gebiss. Hast Du da Erfahrungen gemacht? Sind die Pferde schlechter oder anders kontrollierbar mit einem gebisslosen LG-Zaum?

Monika Lehmenkühler: Ja, genau so ist es, wie vermutet. Ein Fluchttier, das in Panik gerät und durchgeht läßt sich – und die Versicherungen wissen es genau, denn sie versichern auch gebissloses Reiten – selbst mit dem schärfsten Gebiss nicht halten. Im Gegenteil! Das Fluchttier Pferd wird, wenn es über den Fluchtreflex hinaus auch noch Schmerzen erleidet (zwangsläufig durch ein Gebiss), sogar noch mehr fliehen wollen. In den vielen letzten Jahren erreichten mich unzählige Berichte von Reitern, sogar mit sogenannten notorischen Durchgängern, die ohne Gebiss mit dem LG-Zaum ihr Verhalten komplett ablegten. Es gibt natürlich keine Garantie! Das würde ich niemals behaupten, denn ein Fluchttier ist und bleibt ein Fluchttier!

Petra von der Pferdeflüsterei: Nummer 2 – Immer wieder gibt es die Kritik, dass ohne Gebiss und auch mit LG-Zaum die Biegungen, Anlehnung usw. nicht so gut zu erreichen ist, wie mit dem Gebiss. Kannst Du das auch entkräften?

Monika Lehmenkühler: Ja, das kann ich leicht entkräften, nicht nur durch die unzähligen Pferde, die ich in den langen Jahren – teils bis zu Lektionen der Hohen Schule – ausgebildet habe. Das mag durchaus in manchen Fällen mit einem Gebiss zunächst schneller erreicht werden, denn Schmerz ist ein wirklich starkes Argument. Ob das jedoch richtig und reeler ist, lasse ich hier einmal unkommentiert.

LG Zaum Pferdchen
(Foto: LG-Zaum.de)

Petra von der Pferdeflüsterei: Ich habe den Trainer Bernd Hackl zum Beispiel auch mal zum Thema Gebisslos „ja oder nein“ interviewt (… und zwar hier). Ich zitiere: „Was ich nicht verstehe ist, dass so viele Leute mit einem Gücksrad arbeiten, diese Abkürzung gehen. Je nachdem wie ich das Glücksrad einstelle, habe ich eine Hebelwirkung. Alles, was eine Hebelwirkung hat, ist in meinen Augen nicht mehr gebisslos. Denn gebisslos heißt für mich, keine Einwirkung auf den Pferdekopf.“ Was würdest Du ihm erwidern?

Monika Lehmenkühler: In meiner Facebook-Gruppe LG-Zaum Freunde postete eines der Mitglieder (bald 1.500) diese Aussage von Bernd Hackl. Daraufhin entstand eine riesige und teilweise wirklich empörte Diskussion. Ich hatte mich damals herausgehalten. Allerdings weiß ich, dass seine VOX Pferdeprofi-Kollegin Sandra Schneider den LG-Zaum schon sehr lange und überaus begeistert nutzt. Sie war es auch, die den LG-Zaum mit nach Namibia nahm, woraufhin ich viele Zäume an wiederum begeisterte Reiter dort schickte.

Zu der oben formulierten Aussage des Herrn Hackl möchte ich folgendes ausführen: „Was ICH nicht verstehe, dass so viele Leute mit einem Gebiss arbeiten, diese Abkürzung gehen…“ obwohl sie längst wissen sollten was für schlimme gesundheitliche Probleme mit der Nutzung von Gebissen jeder Art einhergehen. … und ja, der LG-Zaum hat eine geringfügige Hebelwirkung. Allerdings zweifle ich an seiner Aussage: „Alles, was eine Hebelwirkung hat, ist in meinen Augen nicht mehr gebisslos. Denn gebisslos heißt für mich, keine Einwirkung auf den Pferdekopf.“ Als Gebisslos soll seiner Meinung nach also nur gelten was null Wirkung auf den Kopf der Pferde ausübt? Bedeutet also: Halsring oder gar nichts… Hmmmm! Diese Aussage ist in sich aus anatomischer Sicht ja schon ein Fehler. Bedenkt man noch, daß die sensibelsten und schmerzempfindlichsten Regionen bei Säugetieren die Geschlechtsorgane und das Innenleben der Mäuler sind, sollte man begreifen können, daß schon so viele Menschen umdenken und gebisslos reiten. Sie möchten ohne schmerzhafte Einwirkung auf das sensibelste Zentrum, aber eben nicht ohne eine gewisse Kontrollmöglichkeit auf ihr Pferd weiter reiten. Für viele Menschen bedeutet bereits der Schritt vom Gebiss zum gebisslosen Zaum durchaus eine Überwindung ihrer Angst vor Kontrollverlust. Wollten sie (nach Bernd Hackl) das Eisen aus den zarten Mäulern verbannen, dann konsequenter Weise auch gleich noch jegliches Kopfstück? Das würden sich nicht sehr viele Menschen, zum Leidwesen der Pferde, trauen. Dann also im Umkehrschluss lieber mit einem Gebiss weiter machen, Herr Hackl? Ein Vertrauensaufbau geht leider nur Schritt für Schritt. Mein Ziel ist absolut jegliche Lektionen ohne die Einwirkung auf den Kopf des Pferdes zu realisieren. Allerdings braucht es dafür – selbst für mich als erfahrene langjährige Reiterin – viel Zeit und Geduld und für eine Weile die Möglichkeit auf den Kopf der Pferde einwirken zu können. Auch um sich und das Pferd nicht in Gefahr zu bringen.

(Link zum Pferdeflüsterei Shop)

Petra von der Pferdeflüsterei: Ich persönlich bin an diesem Punkt nicht seiner Meinung, schätze Bernd Hackl aber als Pferdemann sehr. Aber auch an der Aussage von Bernd zeigt sich, dass gebissloses Reiten und auch der LG-Zaum die Reiterwelt spaltet. Warum, glaubst Du, ist das so?

Monika Lehmenkühler: Als ich mit dem gebisslosen Reiten anfing waren es nur ein paar Wenige aus der sogenannten Müslifraktion, die mit ihren Ponys gezäumt auf Halfter ohne Sattel durch den Busch hoppelten. Von anspruchsvollem Reiten ohne Gebiss (außer ein paar wenigen aus der Westernszene) keine Spur. Ich halte es da mit Victor Hugo: „Nichts ist mächtiger als eine Idee deren Zeit gekommen ist!“ Grundsätzlich müssten, nach den unumstößlichen und offenkundigen, durchaus neueren Erkenntnissen, sofort nach § 1 Tierschutzgesetz „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“ Gebisse verboten werden. Diese neuen Erkenntnisse werden leider viel zu langsam angenommen. Unter anderem weil der Mensch Neues gerne ignorieren und lieber bei Gewohntem und Althergebrachtem bleiben will.

LG Zaum - Neues schaffen
(Foto: LG-Zaum.de)

Dann müssten viel zu viele Reiter ihre jahrelange Praxis in der Ausbildung ihrer Pferde sozusagen mit einem sehr schlechten Gewissen über den Haufen werfen. Das käme halt einem schmerzenden Eingeständnis gleich und dazu sind offenkundig immer noch sehr viele Menschen nicht bereit 🙁 Wir begegnen bei der Frage „Gebisslos, ja oder nein?“ der verborgenen Wechselwirkung von Glaube an die Tradition und modernem Denken. Je mehr ein gewohntes Tun die eigene Wertschätzung erfährt, desto weniger ist es möglich sich objektiv davon zu distanzieren und zu hinterfragen. Leider ist diese Art von Objektivität dem Menschen nun einmal versagt. Es ist eine Art von Selbstbetrug…

Petra von der Pferdeflüsterei: Nächster Punkt, der aber vermutlich dazu passt. Ich frage mich immer wieder, wieso es bis heute so schwer ist, ein Pferd Gebisslos bei Turnieren vorzustellen – Man könnte es doch dem Einzelnen selbst überlassen. Wieso sperrt sich die offizielle Reiterwelt so sehr dagegen?

Monika Lehmenkühler: Nun, ich glaube, das ist wie in der Politik. Der der bezahlt, bestimmt was die Musik spielt. Die FN zum Beispiel hat große Sponsoren. Einer dieser Sponsoren ist die Firma Sprenger…
Ich denke, das Wohl der Pferde weicht somit dem schnöden Mammon, was sonst?!

Petra von der Pferdeflüsterei: Wir können das natürlich nicht nachprüfen und lassen das einfach mal so stehen. Lass uns weiter über das Thema Gebisslos in einem anderen Bereich reden, der mich auch sehr beschäftigt. Du hast viele Jungpferde ausgebildet – mittlerweile alle Gebisslos, nehme ich an?

Monika Lehmenkühler: Ja ausschließlich!

Petra von der Pferdeflüsterei: Merkst Du da Unterschiede bei der Ausbildung – also: waren die mit Gebiss ausgebildeten Pferde anders, als die Gebisslos ausgebildeten?

Monika Lehmenkühler: Nein, keine großartigen Unterschiede, bis auf die Tatsache, daß die Pferde deutlich entspannter und konzentrierter bei der Sache sind!

Weil ich es mir nicht verkneifen kann auch noch allgemeine Fragen loszuwerden, wenn ich eine Pferdeexpertin wie Monika Lehmenkühler im Interview vor mir sitzen habe, habe ich ihr noch ein paar Grundsatzfragen gestellt:

Petra von der Pferdeflüsterei: In der Pferdeflüsterei dreht sich alles um die Frage: Was ist das Beste für das Pferd. Die Pferdewelt scheint sich ja immer wieder in Lager zu spalten. Es gibt die Trensenfans und die Gebisslosfans, die Clickerer und die Horsemanshipler, die Turnierreiter und die Bodenarbeiter und oft findet die eine Seite die andere grundsätzlich bescheuert. Wie würdest Du den korrekten Umgang mit dem Pferd für Dich definieren – also in Sachen Haltung, Umgang und Reitweise?

Monika Lehmenkühler: Immer möglichst nah an den natürlichen Bedürfnissen der Pferden. Leider wissen zu wenige Menschen in dieser hochtechnisierten Welt überhaupt noch, welche Grundbedürfnisse ein Pferd hat, sie kennen ja nicht einmal mehr ihre Eigenen 🙁 Allem kann man leider nicht gerecht werden, denn dann dürften WIR ja objektiv betrachtet nicht einmal mehr reiten 😉 ….Es geht um die goldene Mitte. Die Menschen sollten wieder lernen auf ihre innere Stimme zu hören, dann wäre der Umgang mit diesen wundervollen Geschöpfen kein Buch mit sieben Siegeln mehr. So verschieden wie die Menschen und die Pferde sind, wird es immer verschiedene Wege geben und das ist auch gut so. Wichtig ist einzig, daß es sich gut anfühlt für Beide… Darum sage ich sehr oft auch im Unterricht: „Alles was sich gut anfühlt ist richtig!“

(Foto: LG-Zaum.de)
(Foto: LG-Zaum.de)

Petra von der Pferdeflüsterei: Wie sieht die ideale Pferdehaltung für Dich aus?

Monika Lehmenkühler: In jedem Fall gehört eine 24 Std. (Gitter)Boxenhaltung sehr rasch abgeschafft. Allerdings brauchen Offenstallprojekten eine gute Planung. Denn auch eine schlecht organsierte Offenstallhaltung kann für Pferde zu einem Martyrium werden.

Petra von der Pferdeflüsterei: Was würdest Du gerne ändern, wenn Du die Regeln der FN schreiben dürftest oder als Richterin im Turniersport sitzen würdest?

Monika Lehmenkühler*: OMG! Darüber würde ich dann einmal ein Buch schreiben 😉

Autor: Petra

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

39 Kommentare zu “Warum Gebisslos Reiten die einzige Alternative ist

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    meine Meinung zum Thema gebisslos hatte ich ja schon an anderer Stelle geschrieben und Wiederholung langweilt.
    Ich finde allerdings etwas gut was im Interview noch gesagt wurde, nämlich, dass es wichtig ist auf sein Bauchgefühl zu hören.
    Ich finde es oft schade, dass darauf so wenig gehört wird. Ich selber schaffe es auch nicht immer, denke aber, dass das letzten Endes das ist was zählt. Mein Pony und ich machen die Dinge, die sich für uns Beide (!) gut anfühlen.
    Letztens war bei uns im Stall ein Bodenarbeitskurs. Eine Teilnehmerin sollte ihr Pferd rückwärtsrichten. Dieses ging nicht zurück und sie sollte mit dem Seil energisch schütteln. Man hat ihr genau angesehen, dass sie das Gefühl hatte, dass das nicht gut ist. Sie hat es trotzdem gemacht, weil die Trainerin es ihr gesagt hat. Ihr Pferd ist verstört rückwärts gerannt und ich hab ihm Gesicht der Frau gesehen, dass sie am liebsten abgebrochen hätte. Aber sie hat nicht auf ihr Gefühl gehört, sondern weiter gemacht. Die beiden haben die Stunde sehr niedergeschlagen verlassen. Das hat mich an mich früher erinnert und ich weiß noch, dass ich in solchen Situationen immer das Gefühl hatte, ich verrate mich und mein Pferd. Heute versuche ich solche Dinge nicht mehr zu machen. Letztes Weihnachten gab es bei uns im Stall einen kleinen internen Trail. Dieser konnte geführt oder geritten gemeistert werden. Ich habe mit meinem Pony nur so zum Spaß teilgenommen. Da er deutlich jünger ist wie die anderen und vieles noch nicht so kann, habe ich mir da auch gar nichts ausgerechnet. Mein Pony hat es dann aber super gemacht und ich habe ihn kräftig mit Karotten belohnt. Hier kam irgendwann die Anweisung ich solle das lassen. Er müsse das auch so können. Ich bin heute noch stolz auf mich, dass ich mich da durchgesetzt habe und wir unseren Weg weiter gegangen sind. Denn für uns war es so in dem Moment richtig.
    Wir haben dann ürbrigens den geführten Trail sogar gewonnen :).

    Sorry für den langen Kommentar und jetzt eigentlich noch nichtmal zum Thema Gebisslos.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, Du weißt ja, dass ich Deine langen Kommentare sehr mag, weil in ihnen immer sachliche und wissensorientierte Infos stecken und man einfach an jedem Wort merkt, dass Du Dir viele Gedanken machst, wie Du für Dein Pferd ein guter Mensch sein kannst. Also immer her mit den langen Kommentaren!! Ich freue mich über jeden Menschen, der sich Gedanken macht über unser Zusammensein mit den Tieren und es macht mich immer froh, wenn ich sehe, dass es da draussen Pferdemenschen gibt, die pro Pferd und pro Tier sind 🙂 Ich habe mich also auch über diesen Kommentar gefreut und mich mit Dir mitgefreut, dass Du auf Dein Bauchgefühl gehört hast und belohnt wurdest. Ich hatte auch schon ein paar Mal in dieser kurzen Zeit als Pferdemädchen (Es sind ja erst 1,5 Jahre) Situationen in denen Menschen auf mich wirklich eingeredet haben, wie ich etwas handhaben soll und was das Beste für mein Pferd sei. Mein Bauch hat etwas anderes gesagt, ich habe auf den Bauch gehört und bin mittlerweile jedes mal wieder froh. Das ist nämlich gar nicht so leicht, wenn man so bequatscht wird und unter Druck steht und alle so einen merkwürdigen Brustton der Überzeugung haben. Also ein großes „HIGH FIVE“ auf das Bauchgefühl und darauf, dass wir hoffentlich immer darauf hören werden 🙂 Alles Liebe, Petra

  2. Akki sagt:

    Ein super Interview! Spannendes Thema, das immer wieder auf den Tisch kommen sollte. Ich bin selber kein absoluter Fan des LG-Zaums, aber ich setze mich gern mit allen Möglichkeiten auseinander. Das absolute Plus des Glücksrads ist die leichte Umstellung für den Reiter, der fast keinen Unterschied zur Trense fühlt. Ausprobieren lohnt sich! Aber nicht vergessen: das Pferd lernt täglich, auf unsere Einwirkung zu reagieren. Wir müssen ihm auch das Glücksrad erklären, bevor wir hohe Lektionen damit reiten können 😉

    • Petra sagt:

      Hi Akki, da geht es Dir wie mir, ich finde den LG-Zaum eine von verschiedenen Alternativen auf dem Markt, die es sich lohnt auszuprobieren. Was dann das Richtige für das eigene Pferd ist, entscheidet die Zufriedenheit des Pferdes 🙂 Ich werde auf jeden Fall testen ob meine Kleine dann auch mit dem LG-Zaum kann. Wenn sie zufrieden ist und wir zusammen arbeiten können, dann bleibt es gerne dabei. Wenn nicht, wird auch Sidepull oder eine andere Gebisslose Zähmung ausprobiert. Ich persönlich strebe die hohen Lektionen ja gar nicht so perfekt an. Mir ist nur wichtig, dass wir Gymnastizieren können, so dass sie lernt mich gesund zu tragen. Solange es ihr nicht schadet, bin und bleibe ich einfach ein Fan von den Gebisslosen Zäumungen. 🙂 Bis bald und liebe Grüße, Petra

  3. Nadja sagt:

    Hallo und erstmal vielen Dank für das interessante Interview! Ich habe eine Frage zur lateralen Wirkung des LG-Zaums: Wie funktioniert die? Bei der einfach gebrochenen Trense wirkt ja das Stück der Trense auf die Zunge/das Maul, wo der Zügel eingesetzt wird und entsprechen stellt sich das Pferd im Nacken. Ich kann auch mit seitlich ausgestreckten Armen (wie man es aus dem Westernreiten oder dem Horsemanship kennt) agieren. Der LG-Zaum liegt nun seitlich am Pferdekopf an, wenn ich da meine Arme seitlich vom Körper für eine Richtungshilfe (direct rein) gebe, dann bohre ich dem Pferd eine Seite des Glücksrads in die Nase, oder verstehe ich da etwas falsch? Auf mich wirkt die Konstruktion von der Wirkungsweise ähnlich einer Kandare – und die wird soweit ich es verstehe ebenfalls nicht für laterale Hilfen eingesetzt. Danke schonmal vorab fürs Aufklären! VG Nadja

    • Petra sagt:

      Hi Nadja, schön Dich mal wieder hier zu lesen 🙂 Und die Antwort ist auch schon da. Da habe ich mich dann doch mal rausgehalten. Da ich den LG-Zaum ja gar nicht richtig kenne. Bald kann ich hoffentlich aus eigener Erfahrung berichten und Dir sagen, was ich darauf antworten würde 😉 Aber erstmal muss Monika Lehmenkühler ran. Liebe Grüße, Petra

  4. Andreas Werft sagt:

    Ich denke das wir Reiter uns sehr viel mehr mit der Anatomie des Pferdes, dem gesamten Nervensystem und vor allem seinem Ursprung und seinen Aufgaben in freier Wildbahn zu Urzeiten beschäftigen müssen, denn jetzt mal unabhängig vom Gebiss zu dem ich gleich noch kurz kommen möchte, sollte man z.B. wissen das ein sogenanntes kuckiges Pferd in der Ursache liegt dass das Pferd immer schon Beutetier war und um sich und seine Herde zu schützen einfach kucken musste, das Pferd, so unglaublich es klingt hat seine Umgebung in regelmäßigen Abständen gescannt, quasi abfotografiert und diese Bilder gespeichert. In Gefahren Situationen hat das Pferd diesen Speicher dann abgerufen und alles war gut wenn das „Foto“ vorhanden war.
    War es nicht vorhanden, löste das eine Fluchtreaktion aus.

    Wenn man das z.B. weiß, dann weiß man z.B. auch das man das Pferd in ungewohnter Umgebung erst einmal schauen und „fotografieren“ lassen sollte und dabei weder Zügel aufnehmen oder sonstige Hilfen einsetzen sollte, weil das Pferd mit diesem Einsatz dann aus der Konzentrationsphase bzw. ich möchte mal Scannphase sagen herausgeholt wird und dann das“Foto“ nicht speichert und es dann im späteren Arbeiten z.B. in einer Ecke versucht das „Foto“ abzurufen und dieses dann nicht findet und sich das Pferd somit zumindest erschreckt oder gar durchgeht!

    Warum schreibe ich das hier?
    Einfach um zu erklären das es ganz oft logische Erklärungen für das Verhalten eines Pferdes gibt und dieses Verhalten nicht bösartig oder unerzogen ist sondern sein überleben sicherte.

    So verhält es sich auch mit dem Gebiss, wir müssen wissen was das Gebiss im Pferdemaul bedeutet und auslöst!

    Fakt ist das ein Gebisslos gerittenes oder ein Pferd mit sehr ruhig liegendem Gebiss (fast angeklebt) sehr viel entspannter und Bewegungsfreudiger ist .

    Woran liegt das?
    Wenn man bedenkt, dass das Gebiss im Maul, (über die Nerven die auf der Zunge sind), dem Gehirn signalisiert, das dort jetzt grade fressen auf der Zunge liegt und durch jede Handbewegung (gleich Bewegung des Gebisses) noch mehr fressen ins Maul kommt sich dann die Luftröhre schließt und die Speiseröhre sich öffnet, dann kann man sich sicher sehr gut vorstellen das ein Pferd panisch reagiert, denn das würden wir auch wenn unsere Luftröhre plötzlich geschlossen wäre und wir laufen müssten.

    Im Normalfall ohne Reiter würde das Pferd nämlich mit geschlossener Luftröhre nicht traben oder galoppieren, das tut es nur weil wir (viele) treiben.
    (Das oft sogar mit Sporen, wobei jedem klar sein sollte das diese nicht zum treiben gedacht sind sondern nur der feinen Hilfengebung )

    Viele suchen die Ursache für ein „unter dem Sattel“ weglaufenden Pferd z.B. im Rücken, auf die Idee das ich im Maul viel zu aktiv bin und mein Pferd in Panik gerät weil die Luftzufuhr (weil Gebiss im Maul – gleich fressen) gesperrt ist, darauf kommen nur wenige.

    Die wenigsten Reiter wissen leider auch das der vordere Bewegungsapparat wenn gefressen wird eingeschränkt ist, daher oft die kurzen Schritte wenn ein Pferd z.B. auf der Koppel frisst.

    Je ruhiger die Hand – desto ruhiger das Gebiss desto – größer der Schritt könnte man grob sagen.

    Ich hoffe ich konnte es einigermaßen erklären und ein wenig dazu beitragen das wir doch mehr das Pferd studieren.

    GlG. und weiterhin viel Spaß mit unserem treuen Partner Pferd

    • Petra sagt:

      Lieber Andreas, danke Dir für Deinen supertollen Kommentar! Besser hätte ich es definitiv nicht erklären können 🙂 Das entspricht genau der Studie von Prof. Cook, der auch diese Verbindung von Rennen, Kauen, Speichel, Schlucken, Gebiss und Schaum vor dem Mund hergestellt hat, weil Schluckreflex gleich Atemreflex und beides gleichzeitig geht nicht. Mich überzeugt die Logik, wenn man einen Blick auf den Pferdekopf wirft. Ich hoffe sehr, dass meine Stute ohne Gebiss zurecht kommt, weil ich selbst auch ein so viel besseres Gefühl hätte, wenn wir es zu zweit schaffen würden. Und wenn nicht, musst Du vorbeikommen und uns zeigen, wie es geht 😉 Alles Liebe, Petra

  5. Vicki sagt:

    Also ich kann dazu nur dazu sagen: Respekt! Vor dir und Frau Lehmenkühler!
    So ne Frechheit mit dieser Kaugummi-Studie. Auch sollten in solchen sinne erstmals wirklich diese Boxenhaltung abgeschafft werden! Richtig durchgeführt kann sie gut sein aber das was man heute sieht ist. Nicht. Mehr. Normal!!

    Ok. Ich schweife ab.
    Ich würde sagen für den Anfang sollten nur noch Olivenkopf und Wassertrense erlaubt sein bis Trensen hoffentlich abgeschafft werden! Natürlich sollten Gebisslose Zäume erlaubt sein! 😉

    Ich kenne eine die reitet mit LG. Sie schrieb mir, dass es für ihre pferde ne große umstellung war und ihres (und das ihrer freunde) nach 9 monaten eingerostet ist.

    Also in solchen Sachen: ich stehe auf der Seite der Gebisslos Reiter!

    Liebe Grüße Vicki (sorry ich schreib vom handy)

    • Petra sagt:

      Liebe Vicky, ich kenne das Handy-Tippen – da werden Kommentare meist etwas knapper in den Formulierungen, immer diese kleinen Tasten 😉 Ich finde auch, dass Boxenhaltung ohne Paddock und Weidegang ein No-Go sind. (Immer vorausgesetzt, das Pferd will es so, manch ein Oldie will ja gar nicht raus aus der Box, weil er seine Ruhe hat oder auch manch ein Junges Pferd – da muss das Pferd entscheiden) Aber da schweife ich auch gerne mal ab 😉 Ich bin auch sehr pro Gebisslos, egal ob LG oder Sidepull oder Bosal. Ich höre immer wieder von Reitern die den LG-Zaum nutzen, dass sie und Pferd so problemlos umgestellt werden konnten und super damit zurecht kommen. Das hat mich so weit überzeugt, dass ich den Zaum gerne nächstes Jahr testen will, wenn meine Jungstute bei mir ist. Wenn sie ihn mag, dann wird sie auch damit ausgebildet. Hast Du auch ein Pferd? Und wenn ja: Wie reitest Du denn Dein Pferd? Liebe neugierige Grüße, Petra

    • Hauptstadttraber sagt:

      Hallo Vicky,

      Dein Kommentar bringt mich jetzt doch dazu meinen eigenen „Senf abzugeben“. Also, bitte glaubt doch nicht alles 1:1, was euch so vorgekaut wird (ob nun mit oder ohne Kaugummi). Also, mal Ernst, außer Frau Lehmkühler und Herrn Cook irren sich alle, die auf die Wirkung von Gebissen setzen, weil sie einer Kaugummi-Studie anhängen?
      Jetzt mal ehrlich, wie glaubwürdig ist das wohl?

      Ich kenne es so: Das Gebiss ist eine Reiterhilfe, weil es auf das Zungenbein einwirkt, dieses über Strukturen im Rücken letztendlich mit der Hinterhand verbunden ist.
      So kann man es z.B. im von mir sehr geschätzten Buch „Pferdephysiotherapie“ von Helle Kleven nachlesen. Aber auch in: „Der Reiter formt das Pferd“ und sicher noch in vielen anderen Pferdefachbüchern. Übrigens, sei hier erwähnt: Das Buch von Frau Lehmkühler habe ich auch derzeit in meinem Bücherschrank, denn auch ich trage mich immer wieder mit dem Gedanken aufs gebisslose Reiten umzusteigen, ABER: Erstens habe ich mein Pferd nun soweit umgestellt, dass es locker unterm Reiter in Anlehnung läuft, zweitens setzt auch meine Trainerin (klassische Richtung) auf diese EinwirkungsMÖGLICHKEIT und Drittens – Achtung – Provokativ:
      Es zwingt mich richtig Reiten zu lernen. Ich muss mich jedes Mal verdammt gut konzentrieren, wenn ich aufs Pferd klettere, denn ich bin mir bewusst, dass das Gebiss ein Fremdkörper fürs Pferd ist, so aber auch der Sattel, das Zaumzeug überhaupt und ICH.
      Ich werde mir ev. dennoch den LG-Zaum zulegen, einfach als Überprüfung unseres Ausbildungsstandes, nach Zahneingriffen, zur Abwechslung etc.pp.
      Aber ich greife nicht dazu, um den Weg einer langen (!) Ausbildung für mich und das Pferd abzukürzen, weil es im Internet immer so wohlig klingt. Dafür habe ich einfach auch schon zuviel offline gelesen.
      Das nur mal zum Nachdenken… Und frei zum Kommentieren (bitte, gern).

    • Petra sagt:

      Hallo Hauptstadttraber, vielen Dank für deinen Kommentar 🙂 ich antworte auch mal darauf, auch wenn er an Vicki ging. Ich würde auch sagen, dass das schwarz-weiße Denken keinen Sinn macht und alles Vor- und Nachteile hat – je nachdem was man nutzt. Das eine übt Druck auf die Nase und das Genick aus, das andere auf den vielleicht zu kleinen Kiefer und stört den Schluckreflex des Pferdes. Dafür hilft es über das Zungenbein unter Umständen für den Rücken. Wobei man den ja auch über Bodenarbeit und Gymnastizierung trainieren und zum schwingen bringen kann. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Ich würde sagen, dass egal ob Gebiss oder nicht, man sich immer wieder zwingen muss richtig Reiten zu lernen 🙂 Auch ohne Gebiss muss Frau und Mann ja mit sanfter Hand an den Zügel, denn man kann einem Pferd ja auch das Nasenbein brechen. Ich finde die Studien nicht unlogisch, genau wie die (von einem Gebisshersteller bezahlte) Studie der Uni Hannover vor ein paar Jahren, die das Ergebnis herausgebracht hat, dass das Pferdemaul eigentlich zu klein für ein Gebiss ist. Aber versteh mich nicht falsch – ich will damit nicht sagen, dass ich Gebisse komplett doof finde. Ich finde, dass das Pferd entscheiden muss womit es am entspanntesten läuft und womit Reiter und Pferd auch gemeinsam arbeiten und ausreiten können. Egal ob Gebisslos oder nicht. Du wirst immer für alles oder gegen alles Studien finden. Ich finde, dass wir individueller entscheiden müssen. Monika Lehmenkühler ist wirklich überzeugt von ihrem Zaum, immerhin hat sie ihn ja auch selbst exakt so entwickelt. Das kann ich verstehen und das hat auch nicht unbedingt was mit einer Verkäufer-Mentalität zu tun, sonst hätte sie ja auch einen mit Gebiss entwickeln können. Aber das soll sie ruhig selbst sagen 😉 Was ich nicht ganz verstehe ist, warum man mit Gebisslos eine lange Ausbildung abkürzt? In der altcalifornischen Reitweise zum Beispiel ist das Gebisslose Anreiten und dann über Bosal und Hackamore nach und nach die Ausbildung zum Gebiss hin der lange Weg der Ausbildung. Über Jahre, inklusive Gymnastizierung. Zum Beispiel auch, weil die PFerde noch wachsende und weichere Kieferknochen haben in jungem Alter. Das würde mich interessieren 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  6. monika Lehmenkühler sagt:

    Liebe Nadja,

    zu deiner Frage: Wie funktioniert die lateralen Wirkung des LG-Zaums? Ich kann auch mit seitlich ausgestreckten Armen agieren. Der LG-Zaum liegt nun seitlich am Pferdekopf an, wenn ich da meine Arme seitlich vom Körper für eine Richtungshilfe (direct rein) gebe, dann bohre ich dem Pferd eine Seite des Glücksrads in die Nase, oder verstehe ich da etwas falsch?

    (Das kann man nat. ebenso mit dem LG, so er dann korrekt angepaßt ist. Keineswegs wirkt die Konstruktion ähnlich einer Kandare, denn alles was gut ist ist rund. 😉 Ein Hebelarm würde die seitwärtsweisenden Hilfen allerdings bedeutend verringern).

    LG monika

  7. Christina Ward sagt:

    Seit 20 Jahren versuche in in Spanien zu zeigen dass Pferde sehr gut bisslos geritten werden können. Oft heisst es.. was.. und dies am Strand? Mit Pferden die von verschiedenen Reitern geritten werden ? Dies ist doch nicht möglich.
    Wir holen seit 20 Jahren Pferde aus schlechten Verhältnissen heraus und versuchen dann gleich rauszufinden wie wir sie am besten reiten können. Oft haben Pferde schon solche Panik vor dem Gebiss dass sie noch so glücklich in einem bisslosen Zaum sofort gut laufen, vor allem die die über die Nase angeritten wurden kennen es schon sehr gut.
    Andere kennen die Einwirkung über die Nase und den Hals nicht. Somit machen wir es Schritt für Schritt und reiten die Pferde zuerst mit einer Trense bei der wir sehen dass das Pferd am besten damit zurecht kommt. Wenn es dann an Stimme und Gewichtshilfen, sowie an die feinen Hilfen vom Zügelkontakt am Hals gewöhnt ist können wir sie dann auf Bisslos umstellen. Wichtig ist dass man sich Zeit nimmt die Anhaltehilfen zu üben und immer feiner zu werden. Viele vergessen im richtigen Moment loszulassen. Sobald man nur schon merkt das das Pferd auf die Zughilfe reagiert und anhält , muss man auch gleich nachgeben.

    Ich hatte ein toller Dressur Hengst Jahre lang unter seinem Reiter leiden sehen, der jedes mal stärkere Trensen in den sensiblen Pferdemund steckte , und das Pferd stundelang ablongierte da es immer weniger zu bändigen war. Das Pferd piaffierte schon nervös in seiner Box wenn der Besitzer in den Hof kam.
    Ich habe das gleiche Pferd schlussendlich abgekauft und habe mit ihm lange nur Schrittübungen gemacht ,Übergänge vom Schritt zum Halt gemacht, Volten, und vom Boden aus ebenfalls mit Doppellonge.
    Ich konnte das gleiche Pferd nach mehreren Monaten ganz ohne Zaum, in allen drei Gangarten reiten, Galoppwechsel, Handwechsel..alles nur mit Körperhilfe. Das gleiche, laut Vorbesitzer, unsensible, dickköpfige Pferd konnte nun zeigen dass es genau das Gegenteil war. Es war unglaublich sensibel und konnte meine Gedanken sofort spüren und umsetzten. Für mich war dies mein tollstes Erlebnis diese Einheit spüren zu dürfen sowie das gleiche Pferd mit entspanntem Kiefer und hängender Unterlippe reiten zu können.

    Noch ein paar kurze Komentare zu Bisslos :

    Junge Pferde reiten wir immer Bisslos an. Ich finde dass sich die jungen Pferde viel besser auf die neuen Einflüsse konzentrieren können als wenn sie am Biss rumkauen und gleichzeitig noch mitkriegen sollen was sonst noch von ihnen verlangt wird. Dies ist nur meine Erfahrung.

    Habe ich Probleme mit oder ohne Trense: Ich lasse die Zähne untersuchen und schau mir immer die Halswirbel sowie den Rücken gut an. Was kann ein Pferd auch anderes tun als Rennen wenn es ihm weh tut. Es ist sein erster Instinkt. Somit muss man dies auch ernst nehmen wenn ein Pferd stets von den Hilfen davon rennt.

    Dies sind nur meine Erfahrungen, ich denke jeder gute Reiter macht es richtig wenn einfühlsam mit seinem Pferd umgeht, mit oder ohne Trense.

    Grüsse aus dem Süden

    • Petra sagt:

      Liebe Christina, vielen Dank für Deinen wundervollen Kommentar. Der es ziemlich perfekt zusammenfasst. Ich habe meine Schlagzeile bewusst ein wenig deutlicher geschrieben, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Aber ich denke grundsätzlich, dass immer je nach Pferd und Reiter entschieden werden muss, was das Beste für den Einzelnen ist. Ich persönlich finde das Thema „Gebisslos“ sehr spannend und möchte diesen Weg gehen, wenn meine Stute ihn mitgehen will und wir als Team gut miteinander klar kommen. Das werde ich dann nächstes Jahr langsam aber sicher merken 😉 Spannend finde ich Deine Geschichte von dem Dressur-Pferd. Ich fürchte fast, dass es sehr vielen sensiblen oder temperamentvolleren Pferden so ergeht, wie dem Pferd, das Du dann Gott sei Dank gekauft hast. Wenn das Pferd sich wehrt gilt es als bockig und stur, anstatt zu fragen warum es das vielleicht tut. Für viele haben Pferde zu funktionieren und wenn sie das nicht tun, werden sie eben dazu gezwungen. Das finde ich schrecklich. Wie schön, dass Du ihm ein neues Leben geschenkt hast und er bei Dir zeigen durfte, wie er ist. Und Dein Statement zum Schluss: „ich denke jeder gute Reiter macht es richtig wenn einfühlsam mit seinem Pferd umgeht, mit oder ohne Trense.“ unterschreibe ich komplett! Alles Liebe, Petra

  8. Manuela Gräf sagt:

    Sehr, sehr informativ und öffnet hoffentlich bei vielen die Tür zum Nachdenken, Überdenken und Umsetzen. Ich reite seit 20 Jahren ausschließlich und jedes Pferd gebisslos. Zuletzt einen jungen, angerittenen Huzulen von Polen nach Österreich (1.200 km). Er wurde mit einem Gebiss angeritten und hat sich sehr schnell umgestellt. Sicher brauchte es eine Eingewöhnungs- und Lernphase. Aber, er hat bei dieser Reise all die punktuellen Signale gelernt, verstanden und verinnerlicht, die mit einer gebisslosen Zäumung möglich sind. Auch aus einer Erfahrung und der Erkenntnis heraus, dass man, um so mehr man ein Pferd „riegelt“, es versucht dem Schmerz, dem man ihm dadurch zufügt, zu entkommen, habe ich damals meine kleine Araberstute von all dem, was ihr letztendlich Schmerzen zugefügt hat, befreit. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich mir dachte, dass es so nicht weitergehen kann, wusste ich es nicht besser und habe alle möglichen guten Ratschläge befolgt. Es tut mir heute noch leid, dass sie mit mir durch diese Zeit gehen musste. Selbst eine ruhige Reiterhand, bei der das Gebiss quasi nur im Maul „liegt“, bzw. liegen soll, löst aber immer noch die Reflexe aus, die für das Laufen nicht vorgesehen sind. Selbstversuch: einen Löffel quer in den Mund nehmen, und die Reaktion des eigenen Körpers wahrnehmen. Das müsste eigentlich allen alles „ohne Worte“ sagen!

    • Petra sagt:

      Liebe Manuela, darf ich erstmal fragen, was ein „Huzule“ ist? Also ich nehme stark an, dass es eine besondere Rasse ist und ich könnte auch googeln, aber vermutlich kannst Du mir de Eigenheiten viel besser erklären. Ich finde es sehr spannend, dass Du mit einem jungen Dir unbekannten Pferd und dann auch noch Gebisslos 1200 Kilometer geritten bist. Hat das immer gut geklappt? Und wie lange habt ihr denn gebraucht?
      So viele Fragen, aber wenn Du so spannende Dinge schreibst, MUSS ich ja nachfragen 😉 Ich persönlich habe auch das Gefühl, dass ein schärferes Gebiss manches oft verschlimmert, als die Kontrolle zu verbessern. Aber mit meiner erst kurzen Erfahrung, kann ich da natürlich noch keine Allgemeinaussagen machen. In der Reiterwelt haben alle soviel Wissen für sich gepachtet und jeder hat sowieso IMMER Recht, deswegen ist es einfach schwer sich dem zu entziehen und den eigenen Weg zu finden. Das braucht Zeit und es macht dich sehr sympathisch, dass du bis heute darüber nachdenkst. Aber ich denke, dass wir immer nur aus dem momentanen Wissen heraus handeln können und es einfach Erfahrung und die richtigen PFerdemenschen braucht, die einen auf den passenden Weg bringen. Deswegen ist es toll, dass Du so ehrlich bist und vor allem, dass Du Deinen Weg gefunden hast. Das bestärkt mich, bei dem Thema Gebisslos zu bleiben. Danke für Deinen Kommentar und ich bin gespannt und hoffe, dass du vorbeisurfst und mehr von Deinem Huzulen zu erfahren. Liebe Grüße, Petra

  9. Vicki sagt:

    Hi Petra!

    Ja es kommt wirklich immer auf das Pferd an aber selbst ein Paddock vor der Box ist kein ersatz für die weide. (immer wenn ich zum reiten fahr, sehe ich einen anderen reitstall. kleine paddockboxen, kleine paddocks, ne riesiege weide daneben auf der nie ein pferd steht. die pferde sind entweder in der paddockbox, oder auf dem paddock. nie auf der weide. schon wenn es 11°C hat oder es ein bisschen tröpfelt= decke drauf. wenn es regnet, föhnt etc. werden die paddocks und die boxen zugemacht und die pferde gammeln da drinnen. nun haben sie aus der reithalle ne gehmaschine gemacht -.- aber auf die idee die pferde auf die weide zu stellen, nein darauf kommen sie nicht. Meine Goti die in der Nähe wohnt hat erzählt, dass die Boxen pro Monat 800 Euro kosten! Für so ne ****)

    Nein ich habe kein eigenes Pferd. ich gehe dort reiten:[url=http://www.pegasus.co.at/about/]*Klick*[/url] (Wenn du mein Lieblingspferd sehen willst, musst du auf ,,Pferdeteam“ klicken. Sie heißt Shakira (Shaki) und ist die Leitstute. Meine Reitlehrerin ist die Laura)
    Ich möchte zurzeit gebisslos reiten. Bin Shaki schon 2x so geritten und sie war viel entspannter und williger. Nun musste ich 2x wieder mit Trense reiten und ab da ist mir die Shaki jedes mal durchgegangen und hat auch sonst auf durchzug geschalten. Ich hab mich etwas verar-ähm äppelt gefühlt. xD

    Ich freue mich für dich wenn deine Kleine (haste schon nen Namen?) zu dir kommt!

    Liebe Grüße Vicki
    (ich guck gerade auf YouTube ,,Cloud ein wilder Hengst in den Rocky Mountains“ (ich will auch Mustangs beobachten! Davon träume ich schon immer! (hab mir zum Nikolaus auch ,,Carolyn Resnick ,,Tochter der Mustangs“ gewünscht und bekommen *.*)))

    • Petra sagt:

      Hi Vicky, da kann ich Dir nur zustimmen und zwar laut und aus voller Überzeugung. Ich finde vollkommen in Ordnung, wenn Pferde auch mal Nachts im Paddock stehen, aber nicht den ganzen Tag. Und wozu hat man eine Weide, wenn die Pferde dann nicht darauf dürfen? Wie verrückt! Ich denke, dass es auf der Hand liegen müsste, dass man ein Bewegungs- und Herdentier nicht alleine in eine Box packen kann. Zumindest bei den allermeisten Pferden. Für mich persönlich kommt nur eine Weidehaltung in Frage oder ein Offenstall. Ich denke auch, dass Pferde ein Fell haben, damit sie gewärmt werden und nicht weil wir sie dann so gerne streicheln 😉 Diese ewige Decke kann ich also, genau wie Du, auch nicht so Recht nachvollziehen. Immer natürlich mit Blick auf das Pferd. Wenn eines erkältet ist oder das Winterfell nicht gewachsen ist oder für kurze Momente nach dem Training oder oder oder … 🙂 Es gibt viele Gründe auch mal kurz die Decke auszupacken, wenn das Pferd es braucht. Aber ein Stall, wie der, an dem Du vorbeifährst zu Deinem Stall, wäre auch nichts für mich. Deine Lehrstute ist ein sehr hübsches Pferd, man sieht den frechen herausfordernden Blick. Ich finde Deine Beschreibung spannend, wie sie mit und ohne Gebiss ist – denn das deckt sich mit vielen der Studien die gegen Gebiss sind. Wissen werden wir es wohl nie, aber für mich ist gebisslos auch der Weg, den ich gehen möchte. Meine Kleine kommt nächsten Sommer, dann ist sie alt genug um in einen neuen Herdenverband zu wechseln und alt genug für die Ausbildung. Ich freue mich schon wahnsinnig. Hab ein schönes Weihnachtsfest und liebe Grüße, Petra P.S.: Danke für den „Filmtipp“ – den werde ich mir über die Feiertage ansehen.

  10. Vicki sagt:

    Hallo Petra!
    Ich hätte da mal eine Frage an Frau.Lehmenkühler:

    Meine Goti meint, dass sich ein Pferd mit Trense besser halten lässt, ala Gebisslos. Ich kann dazu nichts sagen, weil ich jedes Pferd nach ner Zeit als es durchging angehalten habe, und mir ging ein Pferd gebisslos nie durch. Ud da Frau Lehmenkühler mehr Erfahrung damit hat, wollte ich sie fragen.

    Ach Petra, könntest du bitte mal das Ehepaar Markus und Andrea Eschbach interviewen oder einen ihrer Kurse besuchen? Die beiden sind einfach Klasse! Ich habe drei ihrer Bücher gekauft und auch sonst sind die beiden sehr gute, verständnissvolle, gebisslose Pferdetrainer! Bitte *-* *schmollmund mach*

    Liebe Grüße, Vicki <3

    • Petra sagt:

      Liebe Vicky, erstmal: was ist denn eine Goti? Ich habs ja so gar nicht mit den vielen Abkürzungen 😉 Ich schicke Monika Lehmenküler Deine Frage und bin mir sicher, dass sie gern antwortet. Ich ahne sogar schon ihre Antwort.
      Markus und Andrea Eschbach habe ich auch schon entdeckt und will irgendwann einen Kurs besuchen. Das kann zwar noch dauern, aber wenn es mal klappt, dann berichte ich hier gerne und sofort 🙂 Liebe Grüsse, Petra

    • monika Lehmenkühler sagt:

      Hallo Vicki,

      die Frage hast du dir ja gleich selber beantwortet 😉

      Ein Pferd mit einem Gebiss „halten“ zu wollen ist sicher nicht der richtige Lösungsansatz. Eher im Gegenteil wird ein Fluchttier, welches panisch durchgeht in seiner Angst ja bestätigt, wenn das Gebiss schmerzhaft eingesetzt wird (was ja automatisch der Fall ist). Wird einem Fluchttier, zu seiner Panik zusätzlicher auch noch Schmerz zugefügt, wird es eher noch mehr fliehen.

      Unzählige Erfahrungsberichte von LG-Zaum Reitern, bestätigen mir dies beeindruckend.

      Ich hoffe die Frage zufriedenstellen beantwortet zu haben.

      Viele herzliche Grüße

      monika

  11. Vicki sagt:

    Hi petra!

    Eine Goti ist eine Taufpatin 😉 das ist glaub ich keine abkürzung. wir sagen aber so.

    ok ich warte dann mal. (also es kommt nicht auf die frage wegen den halten an sonder wenn das pferd dir durchgegangen ist und dann langsamer wird uns sich langsam unter ,,kontrolle“ bringen lässt, glaubt meine goti, dass man dann in dem moment ein pferd mit ner trense drinnen schneller zum stehen bringt, als mit nem lg-zaum oder so)

    Cool 🙂 ich bin ein großer fan von ihenen und freu mich auf einen bericht von ihenen hier <3

    Liebe Grüße,
    Vicki 😉
    (ist der newsletter kostenlos? ich bin zurzeit pleite und meine eltern täten mich killen, wenn ich dafür zaheln müsste xD)

    • Petra sagt:

      Liebe Vicky, dann warten wir mal ab, was Monika antwortet, wenn sie Deinen Kommentar liest 🙂 und ich weiss ab jetzt was eine Goti ist. Ich glaube ja, dass ein Pferd das durchgeht grundsätzlich schwer zu stoppen ist, auch mit Gebiss. Und höre und lese immer wieder, dass aus ehemaligen Durchgängern ohne Gebiss entspanntere Pferde wurden. Aber ich warte gespannt auf Monikas Antwort 🙂 Und natürlich ist der Newsletter kostenlos, das ist ein Service für Dich und die Leser 🙂 Liebe Grüsse, Petra

  12. Manuela Gräf sagt:

    Liebe Petra,
    ich bin dir ja noch eine Antwort schuldig! Tut mir leid, das ist völlig bei mir untergegangen. 🙁

    Zum Huzulen: bis zu dem Zeitpunkt, wo ich mich für diesen Wanderritt angemeldet hatte, wusste ich auch nicht, was ein Huzule ist. 🙂

    Der Einfachheit halber kopiere ich ein paar Rassebeschreibungsmerkmale in diese Nachricht.

    Der Huzule (auch Altösterreichischer Huzule) ist eine Ponyrasse und stammt aus der „Huzulei“, einem Gebiet in den Ostkarpaten nördlich des Flusses Bistritz, wo sich die Nachfahren der Tataren und Kosaken, ebenfalls Huzulengenannt, als Bergbauern niedergelassen haben.
    Der Huzule ist ein meist falbfarbenes, braunes oder geschecktes Pony mit einem Stockmaß von 125 cm bis 147 cm. Andere Farben sind selten, Schimmel sind für die Zucht nicht zugelassen. Der lange, gerade Kopf mit geradem oder leicht konkavem Profil, starken Ganaschen, kleinen Ohren, lebhaften Augen und großen Nüstern steht auf einem kurzen, kräftigen Hals mit starkem Unterhals, der ihm eine nur mäßige Aufrichtung verleiht.
    Dem wenig ausgeprägten, breiten Widerrist folgt ein kräftiger Rücken sowie eine kurze, schräg abfallende Kruppe mit niedrig angesetztem Schweif. Er hat eine kräftige, steile und kurze Schulter sowie einen breiten, tiefen und langen Rumpf.
    Der Huzule gilt als ausgesprochen robust, gesund und langlebig sowie instinktstark. Sein freundlicher Charakter, die sprichwörtliche Nervenstärke und Trittsicherheit machen ihn zu einem nahezu idealen Wanderreitpferd. Zudem ist er gelehrig und arbeitswillig.
    So ist ein kleines, kompaktes, stämmiges, mutiges, trittsicheres Pferd mit großem Brustumfang und festen, harten Hufen entstanden.
    Die teilweise vorhandene Kuhhässigkeit der Hinterbeine ist auf die oben beschriebenen Lebens- und Aufzuchtbedingungen zurückzuführen und ist ein Hinweis auf die besondere Trittsicherheit des Pferdes in steilem Gelände und darf nicht als Fehler gesehen werden.

    Für die ca. 1.200 km von der ukrainischen Grenze im Südosten Polens, bis nach Österreich waren wir 7 Wochen unterwegs.
    Wer Interesse hat, etwas über den Ritt zu erfahren, kann gerne mal auf dem Blog https://abenteuerritt.wordpress.com/ schauen.
    Wir waren eine Gruppe von 13 Reitern. Felix Kern aus Österreich hat diesen Ritt organisiert und dafür 2 Herden Huzulen Wallache 2 Jahre zuvor, in Polen gekauft.
    Es war gigantisch zu sehen, in welch unberührter Natur diese Pferde aufwachsen konnten. Sie waren alle eingeritten und zwischen 5-7 Jahre alt.

    Ja, auf dem Ritt ist immer alles gut gegangen! 🙂 Ist nicht selbstverständlich, aber wir waren eine tolle Truppe, die Pferde verlässliche Partner und Glück hat uns natürlich auch zur Seite gestanden.

    Für mich war es von Anfang an keine Frage, dass ich das mir zugeteilte Pferd gebisslos reiten werde. Ich reite jedes Pferd gebisslos und es ist kein Hexenwerk.
    Sicher ist es für die Pferde eine Umstellung -und das war es auch in den ersten Tagen für den Huzulen-, weil er ja die dazu gehörenden Signale und den damit verbundenen Körpereinsatz als Hilfe so noch nicht kannte und verstehen konnte.
    Aber, das ging sehr schnell und während des Rittes hatte er diese „Art“, wie man ihn aufforderte den Impulsen und den Gewichtshilfen zu folgen, sehr schnell verstanden.

    Am Ende des Rittes war er für mich so ein toller und vertrauensvoller Partner geworden, dass ich zwei Wochen nach dem Ritt dem Drängen in meinem Herzen nachgab und „Finisz“ zu uns holte.

    Ich hoffe sehr, dass du weiter gute Erfahrungen im gebisslosen Reiten sammeln kannst und wenn ja, dann auch viele Reiter und Pferde davon profitieren können, indem wir es immer weiter und weiter geben und versuchen die Menschen zum Umdenken zu bewegen. Denn: „Pferde haben Schmerzen“. Nur leider hat die Natur für sie keinen Schmerzlaut vorgesehen, mit dem sie das ausdrücken könnten.
    Jede Katze, jeder Hund würde kreischen, schreien, jaulen usw. Ein Pferd kann das nicht.

    Liebe Grüsse

    Manuela

    • Petra sagt:

      Liebe Manuela, danke Dir!! Ich dachte schon, dass ich mich immer fragen muss, was ein „huzulele“ ist 😉 Ich freue mich sehr über Deinen Kommentar und finde Deine Geschichte spannend! Mutig, dass Du Gebisslos mit einem unbekannten Pferd losgeritten bist, aber es klingt schon sehr so, als ob Du auch genau weißt, was Du tust, wenn Du auf dem Pferd sitzt. Und dann geht es sicherlich auch mit einem Neuling. Ich werde jetzt gleich mal auf Deine Seite surfen und schicke Dir liebe Grüße, Petra P.S.: Ich finde es ja sehr schön, dass Dein Teilzeit-Huzulele dann am Ende zu einem Familienmitglied wurde 🙂

  13. Manuela Gräf sagt:

    Liebe Petra,
    Mut gehört nicht zum Gebisslos reiten!
    Sondern, die Einsicht, dass alles andere eine Qual für das Pferd ist und wie ich schon beschrieben hatte, es keine „Hexerei“ ist.
    Die Pferde sind dankbar und lernen sehr schnell auf die Signale bei Gebisslosem reiten zu reagieren.

    Hier ein paar sehr interessante und aufklärende Berichte, warum gebisslos Reiten NICHT NUR eine ALTERNATIVE sein sollte, sondern zum Wohle des Pferdes eine SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT!

    https://www.youtube.com/watch?v=V_V3FvyjfZc

    https://www.youtube.com/watch?v=xInjgudGIso

    https://www.youtube.com/watch?v=558TMpbPaAc

    bei dem Gespräch mit Hiltrud Strasser kommt es ziemlich am Ende zum Thema Qualen mit dem Gebiss. Auch sehr gut und nachvollziehbar erklärt!!!

    Ich hoffe, man kann die Links öffnen und dass die Beiträge die enorme und abnorme Gewalt verdeutlichen!

    Danke für deine Wünsche zu meinem „Teilzeit Huzulen“ 🙂

    Liebe Grüsse

    Manuela

    • Petra sagt:

      Wunderbar – spannende Links nehme ich immer gerne entgegen – viele Dank! 🙂 Ich persönlich bin auch sehr überzeugt von der Gebisslosen Reiterei. Wenn das Pferd damit gut klarkommt, was bei den meisten der Fall zu sein scheint, dann ist das eine so schöne Lösung. Zumal ich einige Studien zu diesem Thema gelesen habe und deswegen auch sehr zum Gebisslosen neige. Liebe Grüße, Petra

    • Petra sagt:

      Super, Manuela – ich danke Dir 🙂 Hab den Link gleich geklickt und werde lesen gehen. Das Thema treibt mich ja auch sehr um. Liebe Grüße und bis bald, Petra

  14. Sabrina sagt:

    Liebe Petra,

    toller und lehrreicher Artikel!
    Ich habe gestern seit gut 5 Monaten mein Pferd mal wieder aufgetrenst, da wir bis jetzt an unserem Vertrauen gearbeitet haben.
    Und was soll ich sagen, es sah nicht schön aus…er sperrte das Maul auf und kaute ganz wild, er mochte es ganz offensichtlich nicht, dass da plötzlich was in seinem Maul ist.
    Ich habe mir wie viele andere auch nie wirklich Gedanken über das Thema Gebiss gemacht, aber jetzt ist das anders. Ich habe nach Antworten gesucht und Sie mal wieder bei dir gefunden 😉 Danke dafür!!!
    Ich werde nun versuchen ihn langsam mit dem Glücksrad zu reiten, den weh tun möchte ich ihm nicht – und ja ich weiß es kommt auf die Hand des Reiters an aber trotzdem hat er mir deutlich gezeigt, dass ihm das Gebiss nicht gefällt.
    Da ich selber mal eine Zahnspange hatte, die im Mund an den Backenzähnen befestigt wurde und dann nach außen ging und dann mit einem Gummi was um den Hals ging fest war, kann ich nachvollziehen wie unangenehm es ist, wenn ständig etwas an den Mundewinkeln (oder Maulwinkeln 😉 ) ist…
    Ich denke jeder sollte mal darüber nachdenken und es zumindest ausprobieren wie das Pferd sich am meisten wohl fühlt 🙂

    LG
    Sabrina

    • Petra sagt:

      Liebe Sabrina, danke für deinen Kommentar. Du scheinst ja gerade einmal alles umdrehen zu wollen, wie lange hast du denn dein Pferd schon? Ich persönlich bin ein großer Fan vom Gebisslosen Reiten. Weil ich zu viele Studien gelesen habe, die mir sagen, dass ein Gebiss nicht schön für das Pferd ist. Allerdings würde ich es immer das Pferd entscheiden lassen. Es soll ja auch Pferde geben, die mit Gebiss entspannter gehen. Das Glücksrad klingt für mich auch sehr gut. Ich werde es mit meiner Jungstute auch testen. Am Ende entscheidet sie, ob es ein Sidepull, ein Bosal oder ein Glücksrad oder etwas anderes in der Art wird. Am Ende kommt es, wie du schreibst, dann auch wieder auf die Reiterhand an. Genick und Nase können ja auch sehr empfindlich sein. Aber egal, wie ich es drehe und wende: Am ende erscheint es mir einfach nicht schön, mit Metall im Maul arbeiten zu müssen. Und weil ich es ungern wollen würde, möchte ich es meinem Pferd auch ersparen. Immer vorausgesetzt sie ist ohne Gebiss glücklich und zufrieden. Ich habe mir geschworen, dass der Gesichtsausdruck meines Pferdes immer wieder über solche Fragen entscheiden wird 🙂 Ich freue mich, dass Du es ausprobieren willst und bin gespannt, wie es dir gefällt. Wenn du magst, schreib doch mal, wie dein Pferd das Gebisslose Reiten angenommen hat. Ich würde mich freuen. Alles Liebe, Petra

  15. Sabrina sagt:

    Hallo Petra,

    ich habe ihn seid August letzten Jahres. Wie ich schon in einem anderen Beitarg erwähnt hatte, war und bin ich relativ unerfahren aber lerne nun ständig neues 🙂
    Ich werde auch ihn entscheiden lassen, ob er gebisslos geritten werden möchte, aber ausprobieren sollte man es mal finde ich.
    Ich habe auch unzählige Studien gelesen, die mir sagen, im Maul vom Pferd ist kein Platz.
    Ich berichte dann gerne, wie er das gebisslose reiten findet 🙂

    Lg
    Sabrina

    • Petra sagt:

      Hallo Sabrina, hatte ich dich das etwa schon einmal gefragt? Das tut mir leid. Ich habe manchmal ein Hirn wie ein Sieb 😉 Lernen ist etwas Schönes und am Ende ist es fast schon so: Egal welchen Trainer du fragst (also die Guten), jeder sagt dir dass er ständig neues dazulernt. Das ist auch etwas, was ich an den Pferden liebe: Es wird nie langweilig, es ist eine Lebensaufgabe. Ich bin gespannt, wie dein Kleiner das Gebisslose reiten annimmt und freue mich schon auf deinen Bericht. Alles Liebe, Petra

  16. Sabrina sagt:

    Liebe Petra,

    oh ne sorry, so sollte das nicht rüber kommen 😉 Wollte nur damit sagen, dass ich eben unerfahren bin, denke bei den ganzen Kommentaren kannst du bestimmt nicht zuordnen wer wer ist und wo wer schon mal was geschrieben hat 😉
    Ich hatte ja bereits deinen tollen Artikel „Beim Halftern fängt alles an…“ kommentiert, da ich mich einfach so wieder finde in deinen Beiträgen 😉

    LG Sabrina & Mighty

    • Petra sagt:

      Liebe Sabrina, so ist es auch ganz und gar nicht rübergekommen 🙂 Ich hab nur selbst gedacht: Mist, stimmt, ich glaube wir hatten das schon einmal in einem Kommentar davon. Ich freue mich sehr, dass du immer wieder vorbeischaust und dich sogar wiederfindest in den Beiträgen. Das ist das höchste Lob.
      Ich schick dir und deinem Pferd liebe Grüße und freue mich schon auf den Gebisslosen Kommentar von dir, Petra

  17. Anja sagt:

    Ich reite sowohl als auch. Meine Pferde sind Iberer und Doma Vaquera ausgebildet, wie ich auch. Diese wird traditionell mit einer Kandare und einhändiger Zügelführung geritten. Mein Lehrer hat mir damals, damit ich eine feine Hand bekam, die Zügel durch dünne Bindfäden ersetzt – zu fest dran gezogen, riss der Faden durch. Dadurch habe ich bis heute – leider – für viele Fremdpferde eine zu weiche Hand, da diese oft kräftiges am-Zügel-Ziehen gewohnt sind. Ich reite meine Pferde aber auch mit einfacher Wassertrense, Sidepull oder nur mit dem Stallhalfter (auf dem Platz auch nur mit einem Strick um den Hals). Ebenso arbeite ich sie am Boden auch sogar bis in die hohe Schule rein mit Halfter und somit gebißlos – manchmal aber eben auch mit Gebiß.
    Ich mache es eben auch immer von der Tagesverfassung des Pferdes abhängig.

    Leider behaupten immer noch zu viele Reitlehrer, man könne nur extra dafür ausgebildete Pferde gebißlos reiten. Die Mädchen sind dann immer ganz erstaunt, wenn ich ihnen zeige, wie sie auch ihre Pferde gebißlos reiten können.

  18. Hauptstadttraber sagt:

    Danke für Deine ausführliche Antwort, Petra.

    Ist eine sehr vermittelnde Position, gefällt mir. Sollten wir Pferdeleute uns eh zu eigen machen.

    Ich will nur noch kurz meine Sicht darstellen, da Du ja eine Verständnisfrage aufgeworfen hast (Warum ich der Meinung bin, dass durch das gebisslose Reiten die Ausbildung abgekürzt wird). Nun, es ist schlicht meine Beobachtung. Der Griff des „Freizeitreiters“, damit meine ich die 2x die Woche Hobbyreiter und sich- ansonsten- nicht- damit- auseinandersetzen- Reiter, zur gebisslosen Zäumung ist ja schon fast obligatorisch. Genauso wie die Besattelung mit Westernsattel.. Klingt klischeehaft, ist es aber nicht.
    Wenn ein Reiter nicht mit weicher Hand reitet – und das geht nur bei einem ausbalanciertem Sitz – dann wird das Pferd Abwehrreaktionen zeigen. Diese entfallen beim gebisslosen Reiten oder zeigen sich nur in abgemilderter Form (dafür gibt es dann andere Probleme nur nebenbei). Es gibt Experten, die dazu neigen zu sagen (und zu schreiben), dass es für die Tiere dann sowieso besser ist, „sanft“ und „gewaltlos“ gearbeitet zu werden, anstatt falschem Ehrgeiz gepaart mit fehlendem Können zum Opfer zu fallen. Kann man so sehen, sehe ich aber nicht so. Ich denke, ein Pferd muss den Rücken aufwölben können.
    Übrigens: Klar kann man ein Pferd am Boden gymnastizieren, mache ich auch, aber wenn ich reiten möchte, dann reicht dieser Muskelaufbau dann nicht mehr aus und muss unterm Reiter erfolgen. Für ein Pferd eine neue Herausforderung den Rücken mit Sattel und Reiter herzugeben als an der Kappzaumlonge.
    Das Problem in Teilen der Reiterei ist in meinen Augen der Hang zur Bequemlichkeit. Aber das würde nun schon wieder eine längere Antwort werden.
    Danke für Deine Seite, macht mir Spaß darin zu lesen.

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