Die Kandare ist eine Zäumung für Pferde. Neben den verschiedenen Trensen und gebisslosen Zäumungen, die es gibt, hat auch die Kandare einen festen Platz in der Reiterwelt. Vor allem in der Dressur und den klassische Reitweisen gehört die Kandare dazu. Allerdings gehört sie nicht in Anfängerhände. Sie muss, wenn überhaupt, mit sehr weicher Hand geritten werden. Durch die Hebelwirkung aufgrund der Tatsache, dass das Gebisstück nicht gebrochen ist in der Mitte und die Verstärkung an der Seite, wirkt sie deutlich schärfer im Pferdemaul als zum Beispiel eine gebrochene Trense, wie die Wassertrense. Wie sie oft im Reitsport bei einem englischen Reithalfter genutzt wird. Da aber bitte auf den Nasenriemen (auch als Sperrriemen bekannt) verzichten.

Kandare pferdegerecht

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Die Kandare kommt aus dem ungarischen und wird von dem Wort “kantar” = Zaumzeug abgeleitet. Es ist ein unbegrochenes Gebissstück mit einer rasanten Hebelwirkung. Kleinste Bewegungen der Hand, spürt das Pferd im Maul. Genau deswegen gehört sie auch nicht in Anfängerhände. Erfahrene Reiter nutzen sie zur Verfeinerung der Hilfen, vor allem für die hohen Dressurlektionen, Biegung und Stellung.

Dressurprofi Anja Beran hat zum Beispiel HIER im Interview genau erklärt, wie feine Dressur aussieht und warum aus ihrer Sicht eine Kandare wichtig ist

Trotz allem darf man nicht vergessen, dass durch die Hebelwirkung enorme Kraft auf das Pferd ausgeübt wird und es zu Verletzungen im Pferdemaul kommen kann. Deswegen stehe ich der Kandare kritisch gegenüber und würden jeden bitten, der überlegt sie zu nutzen, sich genau zu überlegen, ob er so ruhige und feine Hände, einen so ausbalancierten Sitz hat, dass er gewährleisten kann, das Pferd nicht zu verletzen und dem Pferd keine Schmerzen zuzufügen. Sie kann in der falschen Hand also zu einem Folterinstrument werden. Deswegen gehört sie eigentlich nicht in viele der Hände, die vielleicht aktuell mit ihr reiten.

Bitte: Fragt euch ganz ehrlich und genau, ob ihr die Reiterliche Fähigkeit besitzt mit einer so scharfen Zäumung umzugehen und ob die Kandare wirklich sein muss. 

Viele Reiter nutzen sie, um ihr Pferd halten zu können oder ein Pferd, das vermeintlich Hilfen der Zügel ignoriert besser lenken zu können oder eine Anlehnung zu erreichen, die ihnen mit der Wassertrense und dem Trensenzügel nicht gelingt. Das Pferd wird vielleicht den Kandarenzügel nachgeben, weil es muss, weil es Schmerzen hat. Aber die Muskeln werden verspannen, es wird versteifen und nur versuchen dem Schmerz zu entgehen. Das ist weder besonders förderlich für gutes und gesundes Reiten, noch in irgendeiner Form artgerecht, tiergerecht und fair. Es ist schlicht falsch aus diesen Gründen eine Kandare zu nutzen. Es macht nur Probleme und fügt dem Pferd Schmerzen zu.

HIER schreiben die Pferdeblogger “Wege zum Pferd” warum sie eine Kandare nutzen und wie

Die Kandare – so sieht sie aus

Die Kandare ist im Grunde eine Stange, die quer durch das Pferdemaul geführt wird, rechts und links außerhalb des Pferdemaules sind die Querstangen (Bäume), die neben der Stange für diese Hebelwirkung sorgen. Zwischen Backenstück des Kandarenzaumes und Zügeln am unteren Teil der Bäume bestehen Verbindungen. Dazu kommt die Kinnkette, die unter dem Kinn des Pferdes (Kinngrube) verläuft und in den Haken verschnallt sind. Das verstärkt die Hebelwirkung noch.

  • Durch den Zug am Zügel auf das Pferdemaul –> kann zu Verletzungen am Maul kommen
  • Durch den Druck auf den Unterkiefer zwischen Stange und Kette am Kinn –> kann zu Quetsch-Verletzungen führen
  • Zug auf das Pferdegenick – durch Zaumzeug.

Anders als beim Westernreiten (da enspricht das Bridle der Kandare in der Ausbildungsstufe) wird die Kandare in der Dressur immer von einer Unterlegtrense begleitet. Das ist eine dünne Trense, die über der Stange ist und mit einem weiteren Zügel verbunden ist. Die Unterlegtrense ist über der Kandare. Dadurch wirkt erstmal die Trense – sie sollte übrigens auch ein bisschen breiter sein als die Kandare und jeweils etwa einen halben Zentimeter außerhalb des Maules ragen. Dazu gibt es noch den Nasenriemen.

Kandare pferdegerecht

Eine Kandare ist um so weicher, umso fester die Hebel verbunden sind, wenn die Unterlegtrense einfach oder doppelt gebrochen ist und die Kette am Kinn sehr eng verbundene Glieder hat, weil der Druck sich dann auf mehrere Glieder verteilt.

Die Kandare dient aufgrund all dieser Punkte nur dazu, um die Hilfengebung auf höchstem Niveau zu verfeinern. Das bedeutet, dass sowohl Pferde als auch Reiter wirklich gut ausgebildet sein müssen, um mit der Kandare zu arbeiten. Beide müssen das Konzept der Anlehnung beherrschen und eine Idee von der Versammlung haben.

Es gibt verschiedene Versionen, die Kandare zu reiten. Drei zu eins, in einer Faust bis zu geteilten Zügeln. Mehr dazu erfährst du HIER.

INFO: Ich persönlich halte die Kandare für so scharf, dass ich sie selbst nicht verwenden möchte. Ich denke, dass sich die hohen Lektionen der Dressur auch ohne erreichen lassen und stelle mir die Frage, ob die Grenzen an die man dann vielleicht stößt, nicht einfach akzeptiert werden sollten. Das ist aber meine persönliche Meinung.

Sie dient NICHT dazu Pferde am Durchgehen zu hindern. Erfahrene Reiter, vor allem in der Dressur, sollten die Kandare eigentlich nutzen um feinere Hilfen geben zu können. Leider wird die Kandare oft genutzt, wenn Reiter ihr Pferd mit der einfachen Trense nicht unter Kontrolle haben, da sie eine schärfere und schmerzhaftere Wirkung auf das Pferd hat.

Wer mit Kandare reiten will, muss also über eine ruhige Hand verfügen, einen unabhängigen Sitz und sensible Hände beim Reiten. Das Pferd muss in der Ausbildung soweit sein, Anlehnung und Versammlung beherrschen und der Reiter sollte über das Koordinationsvermögen verfügen mit vier Zügeln zu reiten.

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Kandaren sind im Grunde feste Metallstangen, die durch das Pferdemaul geführt werden und die für die Hebelwirkung rechts und links jeweils eine Art Querstange angebracht haben (die Bäume). Die Zügel sind an dieser Querstange rechts und links befestigt. Dazu kommt dann noch eine Metallkette unterm Pferdemaul, die zusammen mit den Querstangen und der Metallstange im Maul eine ganz schön heftige Hebelwirkung auf das empfindliche Kiefer, Maul und die Zunge des Pferdes ausüben kann.

Deswegen ist es wichtig, dass bei den Kandaren nicht einseitig Kraft auf den Zügel ausgeübt werden. Es entsteht ein Gefühl des Ungleichgewichts durch die ungebrochene Form der Gebissstange. Auf der einen Seite am Unterkiefer, auf der anderen Seite am Oberkiefer. Das ist verwirrend für das Pferd. Deswegen muss das Pferd also schon sehr gut auf Gewicht und Schenkel reagieren, da die Kandare sonst nicht richtig genutzt werden kann. Es sollte schon eine vage Ahnung haben, was Versammlung bedeutet. Durch den Druck der Gebissstange auf einerseits Unterkiefer und andererseits die Zäumung im Genick wird ein fein gerittenes Pferd dann schneller verstehen, dass es sich einerseits aufrichten und andererseits mehr auf die Hinterhand setzen soll. Das ist die Idee hinter der Kandare. Das muss man mit Vorsicht genießen – denn falsch eingesetzt wird die Kandare zu einem Marterinstrument.

Mir sträubt sich alles, wenn ich lese, wie viele Reiter die Kandare nutzen

Ganz ehrlich, bestimmt kann man eine Kandare bzw. ein Kandarengebiss auch fein nutzen, aber in mir sträubt sich alles, wenn ich lese, dass Menschen im Reitsport die Kandare nutzen um ihr bockiges Pferd im Gelände besser im Griff zu haben. Es ist schlimm, wenn der Mensch sein Tier mit Schmerz im Griff haben will. Dann doch lieber in kleinen Schritten am Vertrauen arbeiten und ein einfaches Reithalfter nutzen – sei es nun mit oder ohne Wassertrense.

Wenn die Kommunikation nicht stimmt, dann macht es eher Sinn wieder abzusteigen und die Bindung sowie Kommunikation über Bodenarbeit und Training zu erarbeiten, statt über mehr Hilfsmittel – wie die Kandare.

Die Dressurkandare übt im Gegensatz zu einem “normalen” Reithalfter extremen Zug auf das Maul aus, dann wird der Unterkiefer gepresst durch Gebissstange und Kinnkette , die damit verschnallt sind, und es entsteht Zug auf das Genick.

By the way: Wenn der Zug zwischen Kinnkette und Gebiss zu stark ausgeübt wird, kann man seinem Pferd durch die Art und Weise, wie sie verschnallt ist und die dadurch entstehende Hebelwirkung, das Kiefer brechen. Das muss man sich erstmal vor Augen halten, bevor die Dressurkandare zum Einsatz kommt.

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6 Kommentare zu “Kandare

  1. Julia sagt:

    Ich möchte hier etwas korrigieren, die Kandare ist für die Aufrichtung des Pferdehalses zuständig und nicht für die Biegung oder Stellung wie ganz oben beschrieben. Die Kandare ist nicht zum lenken da, sondern zum feinen differenzieren der Kopf-/Halshaltung des Pferdes. Die Unterlegtrense widerum ist für die Biegung/Stellung zuständig. Die Kinnkette ist eher ein Schutz, sonst würde sich das Gebiss zu sehr drehen und stark auf das Genick wirken. Leider wird diese nur oft zu locker verschnallt und die Kandare fällt durch. Dann tendiert man die Zügel noch kürzer zu fassen und einen größeren Druck aufzubauen da die Kandare nicht mehr in der richtigen Position (45 Grad zum Pferdemaul) gestoppt wird. Es ist auch deutlich zu fühlen sobald die Kinnkette zum Einsatz kommt, daher ist es besonders wichtig, dass die Kette richtig verschnallt wird. Punkt 2 wäre, dass der Nasenriemen ungleich einem Sperriemen ist. Es darf sehr wohl ein Nasenriemen verwendet werden, nur eben kein Sperrriemen (auch wenn beides festgeschnürt aufs selbe kommt, was einen Sperrriemen in jedem Fall unnötig macht, da der Zaum nur so eng ist wie der engste der beiden Riemen).

    • Petra sagt:

      Liebe Julia, da hast du total Recht – zumindest bei der Kandare bin ich ganz deiner Meinung. Der Artikel ist uralt und ein bisschen vereinfacht missverständlich formuliert. Da muss ich mal wieder ran :-) Danke dir für den Hinweis und liebe Grüße, Petra

  2. Conny sagt:

    Hallo, folgender Hinweis: Das Pferd wird nicht mit der Kandare aufgerichtet. Die Aufrichtung ist die Konsequenz aus der Versammlung und wird ggf. durch die Unterlegtrense unterstützt. Die Kandare ist für die Beizäumung zuständig und sollte im Normalfall gar nicht zum Einsatz kommen (Stichwort: Wippender Kandarenzügel).

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Conny, so ist es ganz genau – da hast du Recht. Ich habe etwas verallgemeinert. Aber natürlich sorgt ist die Kandare ein Teil dessen, womit Reiter arbeiten um eben die Aufrichtung und Versammlung durch den Einfluss auf das Kiefergelenk zu erreichen. So zumindest kenne ich die Theorie dahinter. Auf jeden Fall lieben Dank für deine Ergänzung und viele Grüße, Petra

  3. Kalle sagt:

    Hoi,
    Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die starke Wirkung der Kandare erst durch die Kette wirksam. Die Kandarre ohne Kette ist damit also einfach nur eine ungebrochene Trense (?) und damit kann ich die Schärfe nicht nur über die Länge der Bäume definieren sondern auch, ab wann die Kette beim Zügelzug greift? Ich bin verwirrt, weil die Pferde, die ich gesehen habe mit loser Kette und "viel" Zügelzug nicht starkem Schmerz "angemessen" reagiert haben. Wäre cool, wenn das wer versteht (und mir die Fragen dann beantworten kann).

  4. Kati sagt:

    Hey Kalle,
    nicht ganz. Die Kette ist in jedem Fall Gegenstück und notwendiger Bestandteil vom Gebiss mit Anzügen oder Hebelwirkung, sei letztere noch so klein. Keine ungebrochene Trense (Stange), Kandare bleibt sie, egal wie verschnallt. Die korrekte Verschnallung trägt aber zur Gesunderhaltung von Pferd und Reiter bei, und gewährleistet den erwünschten Effekt – siehe oberster Kommentar von Julia. Eine zu eng anliegende Kette ist dem Pferd bereits vor Zügelaufnahme unangenehm (Druck führt zu Gegendruck und (Tast-)Haare können sich einklemmen), bei zu weiter Verschnallung geht die Kette oder deren Wirkung verloren. Über die Länge der verschnallten Kette bzw. ab wann die Kette Druck ausübt, die Wirkung oder Schärfe der Zäumung zu beeinflussen, ist nur minimal möglich und daran eine Definition von Schärfe kaum ablesbar – nach meiner Logik und Erfahrung. Die Kinnkette soll das Gebiss ruhiger im Maul liegen lassen, und soll bei nachgebender Zügelhilfe das Öffnen der Ganaschen fördern. Anschaulich wird das z.B. beim Myler Kombinationsgebiss, einfach mal auf deren Seite das Bild und die zugehörigen Erklärungen anschauen – der Übergang Gebiss/Kette/Nasenriemen und die Auswirkungen sind hier optisch besser sichtbar.

    Die Kandare gibt es in verschiedenen Ausführungen, und wird außerdem häufig im Fahrsport verwendet, dort idR ohne Unterlegtrense.
    LG

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