Artikel aktualisiert am 02.04.2017

Sattel, Trense, Longe und Reitergewicht sind meistens die ersten Dinge, an die sich viele Jungpferde zum Start ihres Reitpferdelebens gewöhnen sollen. Gibt es nicht Lerninhalte, die wichtiger sind? Wie mag sich wohl das Pferd dabei fühlen, wenn es anfangs zuerst mit unserem Equipment bestückt wird?

Sattel: Schwieriges Thema!

Natürlich in der passenden Farbe und natürlich von namhaften Herstellern. Oder es wird ein billiger „passt-schon-ungefähr“-Sattel gekauft. Weil man ja weiß, dass sich das Pferd muskulär noch verändern wird. Wenn das Pferd dann ausgewachsen ist und Muskeln aufgebaut hat, dann könne man ja einen guten Sattel erwerben.

Denn: Wenn wir schon unser Pferd satteln wollen, sind wir absolut in der Pflicht ihm einen Sattel auf den Rücken zu legen, der ihm nicht schaden kann. Und es ist tatsächlich schwierig für ein Jungpferd immer einen wirklich passenden Sattel parat zu haben. Junge Pferde verändern sich immer wieder in Körperbau und Muskulatur. Da ist ein Lammfellsattel zum Beispiel eine gute Empfehlung, weil die Schultern sich frei bewegen und die Muskeln frei entwickeln können.

Mein Grund ohne Sattel zu beginnen: Ich möchte dem Pferd zu keinem Zeitpunkt ein „doofes Gefühl“ geben. Weder wenn ich auf ihm sitze, noch wenn ich anfange es zu dirigieren. Da ich die Hilfengebung langsam beginne – also erst im Stand dann im Schritt – ist ein Sattel nicht nötig. Wenn die Pferde am Boden richtig vorbereitet wurden. Ich empfinde es auch als Vorteil, da ich ohne weitere Lederschichten unter mir Spannungen schneller spüren und darauf eingehen kann.

Islandpferd Freyr und der Sattel 1

Islandpferd Freyr und der Sattel 6

Vom Nicht-Sattel zum Barebackpad

Danach benutze ich gerne ein Barebackpad. Eine Vorstufe zum Sattel quasi… Weil noch keine Steigbügel ins Spiel kommen. Das Pad wird aber wie ein Sattel gegurtet.

HIER gibt es anatomisch geformte Barebackpads für den gesunden Pferderücken

Und ich habe immer die Gewissheit, dass kein unangenehmer Druck entsteht. Durch das Wildleder des Pads habe ich aber einen deutlich besseren Halt, wenn das Pferd mal im Zick-Zack hüpft oder läuft. …ohne alles ist so ein Pferd doch ganz schön rutschig.

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Vom Sattel zur Trense

Ich bin nicht generell gegen das Reiten mit einem Gebiss. Aber für ein Jungpferd? Aus meiner Sicht ist die Trense für das junge Pferd erst einmal ein Störfaktor. Und solange es sich mit diesem Störfaktor beschäftigt, kann es sich unmöglich gut auf mich konzentrieren. Außerdem habe ich immer das Gefühl meine Führungsqualitäten würden in den Augen des Pferdes sinken, wenn ich es „nur“ mit Sattel und Trense „bändigen“ kann.

Mir geht es um Motivation statt Zwang. Ich möchte ja ein Pferd, das motiviert und zugewandt ist. Deswegen lasse ich ihm anfangs die Zeit mit dem Menschen zu lernen, ohne doofe Erfahrungen zu sammeln.

Warum keine Longe beim Jungpferd?

Auch die Longe benutze ich nicht. Es ist so schön, wenn die Pferde gerne mit dem Menschen zusammen sind. Erreiche ich aber nicht das Gegenteil, wenn ich es immer an der langen Longe und mit Hilfe der Longierpeitsche von mir weg treibe? Ich finde es schön, wenn die Pferde sich nah bei mir wohlfühlen.

Also jage ich sie nicht von mir weg, sondern lasse mir und dem Pferd auch hier die Zeit die es braucht um sich langsam zu entwickeln. Mit der Zeit und dem passendem Training kann ich natürlich langsam eine größere Distanz aufbauen, so dass ich später auch in anderen Gangarten auf einem größeren Zirkel arbeiten kann.

 Etwas anderes ist es natürlich, wenn das Pferd frech wird oder sich bereits unangenehme Verhaltensweisen angewöhnt hat. Dann arbeite auch ich etwas mehr auf Distanz – der Sicherheit wegen.

Wenn ich aber Vertrauen aufbaue – wie bei Herrn Freyr – dann werde ich das Jungpferd niemals von mir wegtreiben. Ich will ihm zeigen, dass die Nähe zu mir schön ist. Mit „schön“ meine ich aus Pferdesicht Komfort, Sicherheit, Abwechslung…usw…

Herr Freyr und der Sattel

Bei Freyr konnte ich im „Stall-Alltagsleben“ gut beobachten, dass er Sättel nicht mochte. Immer wenn irgendwo am Putzplatz jemand einen Sattel zu seinem Pferd trug, spannte er sich sofort an und bekam wieder diesen Blick: Skeptik pur! Ich habe das ignoriert, aber zur Kenntnis genommen. Da ich ja am Anfang sowieso ohne Sattel mit den Pferden arbeite. Nun – viele Wochen später und einiges Vertrauen mehr – bin ich dieses Thema mit Herrn Freyr angegangen.

Die ersten Schritte zum Satteln

Zuerst die Wiederholung: Zuerst habe ich mein Seilschwingen wiederholt. Das habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr getan aber er versteht sofort und ist cool (leckt sich die Lippen…..).
Islandpferd Freyr und der Sattel 1

Dann das Schwingen mit dem Schal: Das Schwingen mit meinem Schal dagegen verursachte wieder eine kleine Spannung… Aber nur kurz am Anfang. Dann ist auch der Schal okay.

Islandpferd Freyr und der Sattel 7

Islandpferd Freyr und der Sattel 3

Islandpferd Freyr und der Sattel 8

Islandpferd Freyr und der Sattel 2

Jetzt Schnuppern am Pad: Als ich ihm dann das Pad gezeigt habe, hat er schon einmal vorsorglich den Po eingeklemmt und sich fluchtbereit gemacht. Aber – „nanu“ dachte Freyr, das ist ja gar nicht schlimm, Sabine streichelt mich ja nur mit dem Ding.

Islandpferd Freyr und der Sattel 4

Als Nächstes Streicheln mit dem Pad: So sattle ich mit Schwung über dem Widerrist und streiche dann das Pad Richtung Kruppe wieder herunter. Bis die Flanken nicht mehr zucken und Herr Freyr seine Lippen leckt. Bei ihm ein sicheres Zeichen für sein okay.

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Zum Schluss der Gurt: Einige Tage habe ich so verfahren, bis ich auch den Gurt angelegt habe. Beim Gurten achte ich sehr darauf, dass ich ihm keine Haare einklemme und nicht zu fest gurte. Dafür streiche ich mit meiner freien Hand unter dem Gurt das Fell glatt und spüre so die Festigkeit des Gurtes. Es darf nicht so locker sein, dass es ins Rutschen kommen könnte. Aber es darf auch nicht so fest sein, dass es unangenehm wäre.

Islandpferd Freyr und der Sattel 14

Islandpferd Freyr und der Sattel 1

Die Hausaufgaben? So sind wir wieder ein ganzes Stückchen weiter gekommen. In der nächsten Zeit werden wir viel ausreiten gehen und die Natur genießen.

Das nächste Mal? Welche Gänge ich dabei favorisiere, wann ich trabe und wann ich tölte und wie sich unser erster Galopp angefühlt hat, beschreibe ich beim nächsten Mal.

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4 Kommentare zu “Welche Ausrüstung braucht das Jungpferd? Gedanken zum Sattel(n)

  1. Miriam sagt:

    Liebe Sabine,

    wieder ein sehr interessanter Artikel bei dem ich einige Denkanstöße bekommen habe.

    Ich werde mein Pony zwar nie reiten und deshalb wird er natürlich auch nicht mit einem Sattel Bekanntschaft machen. Allerdings habe ich schon mit ca. 2 Jahren angefangen ihn an einen Longiergurt zu gewöhnen. Nicht weil ich ihn damit longieren will, sondern weil ich es wichtig fand, dass er es kennt, wenn auch mal was um seinen Bauch geschnallt wird. Zudem will ich ihn irgendwann mal fahren und da brauchen wir dann ja ein Geschirr.
    Da wir auch hier mit positiver Bestärkung gearbeitet haben, hatte er überhaupt kein Problem damit. Ganz am Anfang fand er es etwas merkwürdig, hat mir aber vertraut und mittlerweile ist es für ihn völlig selbstverständlich sich auch mal mit dem Gurt zu bewegen. Wichtig fand ich hier genau wie du es beschreibst, dass langsam vorgegangen wird. Selbst bei meinem unerschrockenen Pony habe ich gemerkt, dass es für ihn komisch ist, wenn was auf den Rücken kommt und wenn der Gurt zugemacht wird. Das darf man denke ich nicht unterschätzen was das für das Fluchttier Pferd bedeutet.
    Meine Gedanken zum Thema Longe. Ich longiere mein Pony noch nicht, weil er mir dafür einfach noch zu jung ist. Da er sich noch im Wachstum befindet, möchte ich ihn nicht länger auf der Kreislinie laufen lassen. Wir haben uns das Arbeiten aus der Distanz noch nicht wirklich erarbeitet, aber wir werden das denke ich aus der Übung "Abstand halten" heraus entwickeln. Mein Pony ist gerne in meiner Nähe, aber durch die positive Art wie er gelernt hat Abstand zu halten, macht er auch das gerne und es ist für ihn völlig in Ordnung. Mittlerweile korrigiert er sich sogar selber, wenn er mal wieder zu nah neben mir ist (was mittlerweile gerade beim Führen sehr selten noch vorkommt und meistens dann, wenn er etwas aufgeregt ist). Von daher denke ich, dass auch ein größerer Abstand wenn wir ihn positiv besetzen kein Problem für ihn sein wird. Auch hier denke ich, kommt es darauf an langsam zu machen. Ich werde ihn nicht rausschicken, sondern mit meiner Körpersprache und positiver Bestärkung langsam einen größeren Abstand erarbeiten. Wie gesagt noch sind wir nicht so weit, weil mir das gerade noch nicht wichtig ist. Ich werde aber auch hier wie immer erst Mal frei beginnen und erst später dann die Longe einsetzen.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Sabine sagt:

      Liebe Miriam,
      vielen Dank für deinen langen Kommentar und deine tollen Anregungen für die Arbeit mit deinem Pony. Man merkt, wie sehr du ihn liebst und dir Gedanken um euch und die Ausbildung machst. Das gefällt mir!
      Mit unserem Shetty haben wir viel von hinten gearbeitet – so wie am langen Zügel, um ihn auf diverse Schlittenfahrten vorzubereiten. Das hat er immer supergerne gemacht. Oder wir haben ihn als Handpony am Fahrrad mitgenommen, da war er auch immer mit viel Freude dabei.
      Auf einer Show sah ich einmal ein Pony vor einem kleinen Sulky, welches ohne Kopfstück sogar super schöne Galoppwechsel zeigte! Hammer!
      Liebe Grüße
      Sabine

  2. Ann-Christin Ponyliebe sagt:

    Liebe Sabine,
    ich finde es einfach herrlich zu sehen, mit welcher Ruhe du den kleinen Freyr an seine Aufgaben gewöhnst. Fast könnte man meinen, es ist wie mit schwierigen Menschen – du machst es so subtil, dass am Ende bestimmt der Ponymann denkt, es wären seine Ideen gewesen ;) Finde ich großartig!

    Ich liebe diese Reihe sehr – bin ich es doch sonst eher gewohnt, dass ein Pferd sehr rabiat eingeritten wird :/

    • Sabine sagt:

      Liebe Ann-Christin,
      herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar. In der Pferdewelt gibt es tatsächlich sehr verschiedene Wege, was die Ausbildung und den Umgang mit Pferden angeht.
      Und ich möchte ein bisschen zum Nachdenken anregen und eben aufzeigen wie eine Pferdegrundschule auch aussehen kann.
      Freyr ist ein tolles Pferd, ich würde ihn nicht als schwierig bezeichnen, aber er ist schon anspruchsvoll und erwartet einen sensiblen Umgang mit ihm. Es macht einfach ganz viel Spaß mit ihm arbeiten zu dürfen!
      Liebe Grüße
      Sabine

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