Pferde Verstehen

Ein Gastbeitrag von Nadja von “Pferde Verstehen”:

Ray Hunt beschreibt hier die optimale Interaktion zwischen Mensch und Pferd. Die Harmonie, die sich einstellt, wenn beide das Gleiche denken und auf das Gleiche hinarbeiten.

“Feel it! A feel following a feel. There’s no pressure mentally or physically.” – Ray Hunt

Angenehmerweise haftet dem Ganzen nichts Mythisch-Überhöhtes an. Im Gegenteil, das „Feel“, von dem hier die Rede ist, ist greifbar im wörtlichen Sinne: Es geht um das Gefühl, das wir dem anderen mit einer körperlichen Berührung geben und vom anderen im Gegenzug selbst erhalten.

Pferde Verstehen

Wenn wir dem Pferd eine Hilfe geben, dann präsentieren wir sie immer mit einem gewissen Gefühl.

  • Wir können die Finger langsam um den Zügel schließen oder wir können daran rucken.
  • Wir können das Bein sacht an die Seite des Pferdes legen oder wir können ihm die Hacken in den Bauch treten.

Was wir auch tun, wir vermitteln dem Pferd ein Gefühl – das kann ein gutes genauso wie ein schlechtes sein. Das Pferd gibt uns als Reaktion auf unsere Einwirkung ein Gefühl zurück.

  • Lehnt es sich gegen den Zügel, blockiert es seinen Nacken und beißt die Kiefer zusammen?
  • Oder gibt es nach im Hals und wird weich?
  • Folgt es unserer Schenkelhilfe, indem es im nächsten Schritt weiter ausgreift?
  • Oder bleibt das Vorwärts aus, und stattdessen zieht sich das Pferd zusammen und versteift sich?

„Feel“ transportiert Information – von uns zum Pferd und vom Pferd zu uns zurück. Hört das Pferd uns zu, und geben wir unsere Signale auf freundliche, klare Weise, wird es uns ebenso antworten. Weil das Pferd uns und dem Gefühl, das wir vermitteln, dann leicht und willig folgen kann (follow a feel), spricht Hunt von der Abwesenheit von Druck. Dann ist „Feel“ Kommunikation in ihrer gelungensten Form.

Pferde Verstehen

Natürlich kann „Feel“ über das Körperliche hinaus gehen. Hunt wird auch gern zitiert mit den Worten, dass wir es doch anstreben sollten, 90 Prozent mental und nur noch 10 Prozent mit dem Körper zu reiten. Die Basis jedoch liegt in der (ganz profanen) Berührung von Pferde- und Menschenkörper.

Für mich ist Ray Hunts Zitat aus zwei Gründen wichtig:

  1. Es schärft die Sinne für die Antworten des Pferdes. Ich ertappe mich oft dabei, vor lauter Hilfen und Kommandos ans Pferd völlig zu vernachlässigen, welches Gefühl ich gerade von ihm zurückbekomme.
  2. Es nimmt „Druck“ den negativen Beigeschmack, weil er richtig angewandt zum Gefühl werden kann.

Text: Nadja von Pferde Verstehen
Bilder: Nadja von Pferde Verstehen

Pferde Verstehen

Wer ist der Zitategeber – Ray Hunt*

Tom Dorrance ist der Vater der Bewegung, die wir heute Horsemanship nennen. Der Zitatgeber Ray Hunt (1929-2009) war sein bekanntester Schüler – mit dem Ruf, alles reiten zu können, was Haare hat.

Hunt suchte Dorrances Rat, weil er mit seinem Pferd Hondo in einer Sackgasse steckte. Dorrance fand in ihm, so wird erzählt, das passende Gegenstück, das alle unkonventionellen Ideen des Älteren reiterlich umzusetzen wusste – trotz Klumpfuß und chronischer Lungenerkrankung.

Während Dorrance zurückgezogen lebte, war Hunt einer der ersten, der zum Seminare Geben durch das Land tourte und damit eine moderne Form des Reitunterrichts begründete – so wie es seine Schüler, darunter auch Buck Brannaman, heute noch tun.

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Autor: Gastautor / Gastautorin

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