Lesetipp! Das meine ich genauso wortwörtlich. Ich bin verliebt ab den ersten Zeilen. Das Buch „Pferde – wie von Zauberhand bewegt“ mit Wolfgang Marlie verzaubert. Aus jeder Zeile und jedem Wort spricht der Wunsch nach mehr Fairness und Sanftmut in der Pferdewelt und in den Buchseiten wirst du immer wieder wunderschöne Weisheiten und Gedanken entdecken, die du dir mit an den Stall nehmen kannst. Wolfgang Marlie nimmt den Leser mit auf seinen Weg zu einer sanften Kommunikation mit den Pferden.

„Pferde sind dann wie von Zauberhand bewegt, wenn sie mit einem zärtlichen Gefühl geführt werden. Es ist die Kunst, sich in ein Pferd zu verlieben oder das Glas immer als halb voll statt als halb leer anzusehen“ (Wolfgang Marlie)

Das Buch ist eine Biografie. Eigentlich. Denn viel mehr liefert es immer wieder Gedanken und Ideen von dem bekannten Pferdetrainer und Autor für eines meiner Lieblingsmagazin – die “Feine Hilfen”* – Wolfgang Marlie zum Pferdetraining und zum Umgang mit den Pferden. – Geschrieben hat das Buch Ulrike Bergmann, die den Pferdetrainer Wolfgang Marlie seit vielen Jahren kennt.

Wolfgang Marlies Cover Pferde wie von Zauberhand bewegt

Er ist Mitte 70 zu dem Zeitpunkt als das Buch herauskommt und blickt auf viele Jahre Pferdetraining und Entwicklung in der Pferdewelt zurück. Neben seinen Erlebnissen mit den Pferden, den Treffen mit Trainern wie Fredy Knie, Paul Stecken oder Egon von Neindorff erzählt er auch von seiner Kindheit, den ersten Jahren mit Pferden und seiner Ausbildung zum Reitlehrer in einer FN-Kaderschmiede. Aber er beschreibt auch seinen Weg zu einem anderen, sanfteren Umgang mit den Pferden, von Begegnungen mit Pferdeflüsterern und wie sie seinen Weg mit den Tieren verändert haben. Was bedeutet Führung? Was wollen die Pferde von uns und was brauchen sie? Wie sollten wir mit ihnen umgehen und was müssen wir von uns selbst geben. Ich liebe seine Gedanken zum Thema „Führung“ oder „Fairness“ – die Ehrlichkeit mit der er beschreibt zu welchen Einsichten er gekommen ist.

Sogenannte Trainingsmethoden – Annodazumal

Denn angefangen hat bei ihm alles ganz anders. Klassisch. Mit Reitstunden in großer Runde und einem Reitlehrer der sicher auch das Durchsetzen am Pferd gepredigt hat. Er schreibt davon, dass man damals bissigen Pferden eine heiße Karotte gegeben hat, damit sie sich das Maul verbrennen und nicht mehr beissen. Grauenvoll, dass das als Pferdetraining galt.

Da kann man sich gut vorstellen, wie die sonstigen Trainingsmethoden aussahen. Aber das Leben ist immer ein Weg und wir lernen jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde neu dazu. Dann wenn wir offen bleiben, begeisterungsfähig und neugierig. Wenn wir tolerant sind und andere Wege genauso gelten lassen, wie unseren eigenen. Dann finden wir immer neue Impulse und Ideen, die wir in unser Tun einfließen lassen können. Und dann stehen wir irgendwann da, als Erwachsene, und erkennen, was wir falsch gemacht haben. Dann können wir es besser machen. Genau diesen Weg vom klassischen „FN-artigen“ Reiter zum pferdefreundlichen Trainer und Kommunikator erzählt Wolfgang Marlie.

Wolfgang Marlies Cover Pferde wie von Zauberhand bewegt blick ins Buch

Von Fehlern und wozu sie gut sein können

Ich persönlich finde ja, dass der einzige Fehler, den man machen kann, seine Fehler immer weiterzuführen. Niemand ist perfekt und wir alle zucken sicher auch mal zusammen bei dem Gedanken, wie wir hier und da schon mit Tieren umgegangen sind. Weil wir es nicht besser wussten oder weil die Trainer uns genau das geraten haben. Aber schlimm ist nur, wenn wir nicht daraus lernen, die Augen verschließen und weitermachen, weil wir uns die Fehler nicht eingestehen wollen.

Das sorgt dann oft für eine unglaubliche Abwehr gegen jede Form des „neuen“ oder der „Kritik“ oder der „Auseinandersetzung“. So hat auch Wolfgang Marlie erlebt, dass es Beschwerdebriefe gegen ihn bei der FN wegen Tierquälerei gab, weil er in einer Zeit von „dahingegebenem Zügel“ sprach in der Anlehnung mit Zügelzug das einzig Wahre war. Ich glaube, dass darin vor allem die Angst der Menschen vor Neuem steckt und davor sich eingestehen zu müssen, dass man unter Umständen jahrelang zu brutal mit einem Tier war, das man ja eigentlich liebt. Es ist nur schade, wenn man lieber die Augen verschließt, statt sich den Fehler einzugestehen und es dann besser zu machen.

Zumal wir ohnehin gerne viele Regeln für andere haben und nicht ganz so viele für uns. HIER in dem Artikel beschreibe ich, warum Regeln nicht nur für mein Pferd gelten

Wolfgang Marlie nimmt uns zusammen mit seiner Co-Autorin Ulrike Bergmann mit auf diese Reise der Fehler, der Erkenntnisse und der Veränderung und ist damit Inspiration über die eigenen Fehler nachzudenken, zu erkennen und zu verändern. Er beschreibt seine ersten Reitversuche, seine Kindheit, seinen Umgang als Jugendlicher mit den Pferden, sein Reiten mit Muskelkraft, statt mit feinen Hilfen und letztlich auch die Momente der Erkenntnis. Das finde ich beruhigend ehrlich und mag die Art und weise, wie er von seiner Vergangenheit erzählt ohne sich selbst zu geißeln. Er beschreibt welche Trainer ihn beeinflusst haben, wie er mit Leckerli, Lob und Leitlinien umgeht. Was für ihn feine Hilfen bedeuten und wie er den Umgang mit seinen Pferden pflegt.

HIER findest du zum Beispiel einen Artikel zum Thema “Umgang und Regeln” mit Pferden – in dem ich mir Gedanken um Lob und Leitlinien gemacht habe

Kennst du das auch, wenn du ein Buch liest und beim Lesen so ein warmes und wohliges Gefühl bekommst. So eine Art „Zuhause“-Gefühl, das dir zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist oder dieses Buch und diese Zeilen, dir einen weiteren Schritt auf deinem Weg zeigen können? So geht es mir beim Lesen immer wieder.

Wolfgang Marlies Cover Pferde wie von Zauberhand bewegt blick ins Buch Bilderstrecke

Dann wenn er zum Beispiel schreibt:

„Wenn man sie führen möchte, sollte man das mit Überzeugung tun. Man kann Pferde für jede Idee gewinnen, wenn man selbst überzeugt davon ist. Pferde sind zu 100% bereit Verantwortung an jemanden abzugeben, den sie für kompetenter halten als sich selbst.“
(Wolfgang Marlie)

Oder:

„Außerdem gehe ich heute davon aus, dass Pferde nur aus zwei Gründen nicht das tun, was wir uns wünschen: Entweder, weil sie nicht verstehen oder weil sie Angst haben. Sie dafür zu bestrafen, zusammenzuziehen, zu verhauen, ihnen unsere Zuneigung zu entziehen, sie in irgendeiner Form zu bestrafen – es ergibt für mich keinen Sinn mehr. Das ist einfach gesagt, aber natürlich schwer umzusetzen. Wenn das bisher verladefromme Pferd einfach nicht auf den Hänger will oder man zum Beispiel vor Publikum scheitert. Dann wird aus Schatzi ziemlich schnell ein Mistbock. Dabei sachlich und dem Pferd selbst dann zugewandt zu bleiben das macht für mich heute den echten Pferdefreund aus.“ (Wolfgang Marlie)

Oder:

„Ich bin mir sicher, dass sich Pferde gerne auf Ausflüge und Abenteuer mit Menschen einlassen. Sie sind von Natur aus neugierig und brauchen, wie wir auch, gewisse Herausforderungen. Wichtig ist dabei, dass wir die Rahmenbedingungen so organisieren, dass Zwei- und Vierbeiner ruhig gefordert aber niemals überfordert werden.“ (Wolfgang Marlie)

Oder:

„Klar sein, geht vor beliebt sein bei Pferden. Wenn die Leitstute ihre Herde irgendwohin führt, ist vorher geklärt, dass sich die Pferde ihrer Führung anvertrauen. Hält sich ein einzelnes Pferd nicht daran, muss es mit den Konsequenzen leben. Unerwünschtes, unpraktisches, die Sicherheit der Herde gefährdendes Verhalten hat Konsequenzen. Und jetzt kommt der kritische Punkt: weil Pferde miteinander nicht gerade zärtlich sind, heißt es oft, wir Menschen müssten sie nur mal ordentlich verprügeln, dann würden sie uns schon verstehen. Dabei ignorieren wir, welch feines Frühwarnsystem Pferde benutzen, wie berechenbar das Verhalten der Leitstuten für die Herde und wie komplex das menschliche Verhalten für Tiere ist. Wir sind es nicht gewöhnt, so einfach zu denken wie Pferde, verwirren sie oft mit hundert Informationen gleichzeitig und machen ihnen damit unbeabsichtigt Angst.“ (Wolfang Marlie)

Das ganze Buch aus dem die Zitate sind: “Pferde – wie von Zauberhand bewegt” bekommst du HIER*

Was die FN in diesem Buch zu suchen hat

Zum Schluss setzt sich Wolfgang Marlie auch noch mit den Richtlinien der FN auseinander. Da gibt es ja die berühmte Skala der Ausbildung, die aus verschiedenen Stufen besteht. Was ich besonders liebe ist, dass er der Skala eine weitere Stufe hinzufügt und eigene Interpretationen zu den einzelnen Stufen liefert.

Seine erste Stufe ist die der Freundschaft und des Engagements. Noch vor Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten und Versammlung steht die Freundschaft. Sie ist die Basis für all das, was noch kommen kann. Nur wenn Pferd und Mensch miteinander reden, und im Einklang sind, kann das Pferd losgelassen und taktvoll sein. Das ist so unglaublich logisch. Wie soll ein unsicheres Pferd, das seinen Mensch nicht versteht, den Sinn und die Offenheit für Schwung und Takt haben? Bei der Losgelassenheit erwähnt er die Psyche des Pferdes als wichtigen Punkt – die FN betrachtet ja vor allem den Körper. So nimmt er der Reihe nach die verschiedenen Stufen der Ausbildungsskala in seinem Buch durch und interpretiert sie neu. Das ist ein lesenswertes Kapitel.

„Früher reichte es mir, wenn ich die Pferde dazu bekommen habe, das zu tun, was ich von ihnen wollte. Heute möchte ich, dass sie es gerne tun.“ (Wolfgang Marlie)

Fazit: “Pferde – wie von Zauberhand bewegt”

Überhaupt schmökert sich das ganze Buch in einem Rutsch durch. Weil es eine Mischung aus Trainingsleitfaden und Biografie ist. Es ist locker geschrieben und liest sich angenehm. Die Gedanken und Ideen dazwischen, lassen einen immer wieder innehalten und nachgrübeln, den eigenen Standpunkt hinterfragen und durchdenken. Ich mag es wenn Bücher mich anregen und inspirieren während ich sie lese.

Zum Schluss ende ich mit einem schönen Satz aus dem Buch, der zeigt, wie Wolfgang Marlie sich verändert hat im Verlauf seines Reiterlebens. So einfach und doch so groß:

„Früher reichte es mir, wenn ich die Pferde dazu bekommen habe, das zu tun, was ich von ihnen wollte. Heute möchte ich, dass sie es gerne tun.“ (Wolfgang Marlie)

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6 Kommentare zu “Pferde wie von Zauberhand bewegt! Der Weg zu sanftem und feinem Training

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    dieser Artikel berührt mich gerade sehr.
    Ich bin ja einen ähnlichen Weg gegangen. Komm ich ursprünglich aus der FN-Reiterei, bin auf Turnieren gestartet, hatte Reitstunden wie oben beschrieben und habe Dinge getan, die ich heute schrecklich finde. :(
    Mein erstes Pferd hat mich auf einen anderen Weg gebracht. Auch hier hatte ich einige Versuche gestartet, die ich heute nicht mehr machen würde. Er war aber immer sehr klar zu mir und hat mir gezeigt, dass diese Art von Umgang nichts für ihn ist.
    Heute gehe ich hoffentlich einen viel pferdefreundlicheren Weg und trotzdem ertappe ich mich immer noch bei alten Mustern.
    Zwei Sätze, die du aus dem Buch zitier hast, bewegen mich sehr:
    „Außerdem gehe ich heute davon aus, dass Pferde nur aus zwei Gründen nicht das tun, was wir uns wünschen: Entweder, weil sie nicht verstehen oder weil sie Angst haben. Sie dafür zu bestrafen, zusammenzuziehen, zu verhauen, ihnen unsere Zuneigung zu entziehen, sie in irgendeiner Form zu bestrafen – es ergibt für mich keinen Sinn mehr. "
    "Ich bin mir sicher, dass sich Pferde gerne auf Ausflüge und Abenteuer mit Menschen einlassen. Sie sind von Natur aus neugierig und brauchen, wie wir auch, gewisse Herausforderungen. Wichtig ist dabei, dass wir die Rahmenbedingungen so organisieren, dass Zwei- und Vierbeiner ruhig gefordert aber niemals überfordert werden.“ (Wolfgang Marlies)
    Zwei Dinge geben mir hier zu denken:
    – Einmal habe ich gerade die Szene an der Moder vor Augen wo du Fotos gemacht hast. Der Ponymann kam aus dem Wasser und hat dich in Bedrängnis gebracht. Automatisch habe ich ihn hier gestraft und es mir hinterher schön geredet. Aber wenn ich ehrlich bin, war sein Verhalten einfach nur die Folge dessen, dass er es nicht gewohnt ist, dass er nicht die volle Aufmerksamkeit von mir hat und diese dann eingefordert hat. Er kennt es nicht und hat nicht verstanden, dass er jetzt warten soll. Natürlich war seine Art die Aufmerksamkeit einzufordern nicht in Ordnung, trotzdem war eine Strafe nicht angebracht. Eigentlich haben sich hier nur zwei Lernaufgaben gezeigt: 1. Stillstehen sollten wir dringend auch unter Ablenkung üben und 2. mit dem Ponymann üben, dass er auch dann höflich bleiben soll, wenn er gerade nicht im Mittelpunkt steht.
    – Dann das Thema mit Liebensentzug strafen. Im Prinzip mache ich genau das. Wenn mir sein Verhalten nicht gefällt, ignoriere ich es in der Regel. Darüber muss ich noch etwas nachdenken…

    Liebe Grüße und vielen Dank für diesen Artikel
    Miriam

    • Petra Haubner sagt:

      Liebe Miriam, das Buch hat mich auch sehr berührt – ich glaube, dass es dir auch gefallen würde. Ich finde ohnehin toll, dass du einen so langen und selbstkritischen Weg gegangen bist und immer noch gehst. Viel zu viele Menschen bleiben still stehen – das ist schade und manchmal auch schlimm für die dazugehörigen Tiere – je nachdem welchen Weg sie gelernt haben, den sie nicht verlassen wollen. Das mit deinem Ponymann sehe ich tatsächlich ein bisschen anders. Ich fand nicht, dass du ihn gestraft hast. Er hat geschubst und du hast auf pferdisch gesagt "nein, das war respektlos", indem du ihn einfach an die Stelle zurückgeschoben hast, an der er ungefähr vorher stand. Ich fand das eine sehr ruhige und freundliche – aber bestimmte Reaktion von dir – die er sehr gut verstanden hat – hatte ich zumindest das Gefühl. Aber du kennst ihn natürlich sososo viel besser :-) als ich – insofern kann ich mich natürlich auch getäuscht haben. Was ich voll nachvollziehen kann ist deine Idee mehr daran mit ihm zu arbeiten und die Frage zum "Liebesentzug". Denn das ist neben dem Click, mein Hauptproblem bei der 100% positiven Verstärkung. Man "bestraft" das Pferd ja quasi mit Liebesentzug – etwas, was es aus seiner Natur und Herde nicht kennt – wenn es frech wird oder etwas tut, was es nicht tun soll oder nicht reagiert. Das erscheint mir persönlich fast "gemeiner" als eben einfach mal klar aber bestimmt "nein" zu sagen in einer Sprache, die sie kennen – die Körpersprache. Darüber habe ich schon oft nachgedacht. Aber da wir nie ganz in ihre Köpfe schauen können, wird es wohl immer ein Rätselraten bleiben und wir werden nie alles komplett perfekt machen können – solange aber Pferde, wie dein Ponymann, so schnell udn Freudig auf dich zugerannt kommen, kann es nicht so falsch und schlecht für ihn sein, wie du mit ihm bist :-) Viele liebe Grüße, Petra

  2. Karin sagt:

    Hallo,
    ich war bei ihm mal gewesen zu zwei Seminaren, die waren schon echt gut, schade finde ich nur, das er doch ab und zu in alte Muster verfällt, da kommt dann doch mal die Gerte zum Einsatz, wenn das Pferd nicht auf den Hänger möchte usw. Aber seinen Gedanken und Ansätze sind schon ganz gut ;) . Lg Karin

    • Petra sagt:

      Hallo Karin, vermutlich steckt so einiges ganz tief in uns drin, was wir lange verinnerlicht haben. Ich bin auf jeden Fall gespannt und werde mir ein eigenes Bild machen, weil ich einen Kurs bei ihm besuchen werde :-) Ich werde berichten. Viele liebe Grüße, Petra

  3. Chris sagt:

    Hallo Petra,

    ich hatte das Buch vor einer Weile ebenfalls gelesenen und es hat mich sehr berührt. Vor allem, weil ich an einigen Stellen auch mein eigenes Pferd gesehen habe und die Vorstellung unbeschreiblich schrecklich war, wie es so sensiblen, feinfühligen und liebevollen Wesen teilweise ergangen ist (und an vielen Orten leider noch immer ergeht). Umso schöner sind seine Schilderungen der Veränderungen und sein Bekenntnis zu einem pferdefreundlichen Umgang. Dadurch wurde es für mich zu einem der lehrreichsten Pferdebücher, die ich bislang gelesen habe.

    Kürzlich war ich endlich selbst über ein Wochenende in seiner Reiterpension und durfte an ein paar "Reitstunden" teilnehmen. Sozusagen Reitstunden, ohne zu reiten (bis auf ca. 30 Minuten). Was erstmal ungewöhnlich klingt, finde ich grundsätzlich aber wirklich super. Ich wurde nicht, wie in anderen Reitschulen, gleich auf irgendein Pferd gesetzt, um dann mit Zügel, Schenkel und Gerte leicht überfordert irgendwas zu tun, von dem ich gar nicht weiß, was genau ich da gerade mache. Stattdessen erklärte uns Wolfgang in einer Bodeneinheit erstmal die Grundlagen seiner Arbeit, stellte uns ein Pferd frei auf den Reitplatz, malte ein Quadrat in die Mitte, in der wir das Pferd parken sollten und ließ und "einfach mal machen". Ich war schon etwas überrascht, wie planlos man dann so vor einem fremden Pferd steht, wo doch mit dem eigenen inzwischen alles wunderbar funktioniert.

    Er fragte uns, was wir gerade versuchten und warum wir es auf diese Art machten. Er regte zum Hinterfragen des bisher Erlernten an, er regte dazu an, nachzudenken, zu überlegen, was wir noch ausprobieren könnten, um das Ziel zu erreichen. All dies ohne die sonst üblichen Tipps wie: "Nun nimm mal die Gerte, der respektiert dich nicht!". Viel eher ging es darum, uns einmal zu verdeutlichen, dass wir da gerade vor einem fremden Pferd stehen, von dem wir absolut nichts wissen. Wie ist es heute drauf? Wovor hat es Angst? Und umgekehrt, dass auch das Pferd uns gar nicht kennt.

    Am nächsten Tag, zur Sitzschulung, wurde uns das selbe Pferd zugewiesen. Das Konzept ist also gleich deutlich geworden. Erstmal das Pferd kennen lernen, alles weitere folgt danach. Und auch die Sitzschulung lief wirklich pferdefreundlich ab. Wir hatten zwei Stunden gebucht und die erste Stunde bestand aus: Bodenarbeit. Nochmal gegenseitiges abchecken, dann langsames Aufwärmen und nochmal mit der Hilfengebung vertraut machen. Zwischendurch immer mal kurze Pausen, wälzen lassen und danach ging es ans Putzen und Satteln – unangebunden mitten in der Reithalle, was mir sehr gut gefiel und was ich nach Lektüre des Buches auch mit meinem eigenen Pferd, nach Möglichkeit, regelmäßig so mache.

    Die zweite Stunde bestand dann endlich aus Reiten und da wir uns zu zweit ein Pferd teilten, hatte jeder etwa 25 Minuten auf dem Pferd. Das schreckt manche sicherlich ab, weil sich unter Reitstunden ja in erster Linie auch reiten vorgestellt wird. Aber für mich war diese Art und Weise des Unterrichts wirklich super, weil wir eben nicht direkt auf ein fremdes Pferd, dazu in kaltem Zustand, gesetzt wurden, sondern uns den Weg in den Sattel erstmal erarbeiten mussten. Mit meinem eigenen Pferd mache ich es ja nicht anders – wenn wir Unterricht haben oder ich mit ihm trainieren möchte, bereiten wir uns auch vorher darauf vor, wärmen uns auf, checken die Lage und legen nicht gleich los.

    Es war auf jeden Fall sehr lehrreich und ich werde sicherlich nochmal, und dann auch etwas länger, dorthin fahren. Vielleicht mal zu einem der Seminare. Auch wenn ich vielleicht nicht in allen Punkten mit seinen Ansichten übereinstimme und ich einiges weiterhin, gerne, anders mache, so habe ich dennoch einiges mitgenommen. In erster Linie geht es bei ihm nämlich viel mehr um die innere Einstellung und weniger darum, wie genau man dann irgendwas davon umsetzt. Und das hat mich in meinem bisherigen Tun definitiv bestätigt und mich sogar noch den ein oder anderen Punkt an mir hinterfragen lassen.

    Dein Abschlusszitat fasst es eigentlich perfekt zusammen:

    „Früher reichte es mir, wenn ich die Pferde dazu bekommen habe, das zu tun, was ich von ihnen wollte. Heute möchte ich, dass sie es gerne tun.“ (Wolfgang Marlie)

    Viele Grüße
    Chris

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Chris, das freut mich sehr. Mir ging es in Teilen ähnlich wie dir – ich finde seine Reitschule absolut empfehlenswert und habe mir auch Inspiration mitgenommen – auch wenn mir nicht alles gefallen hat oder für mich passend war. Aber das muss ja auch nicht :-) So lange es unterm Strich fair und pferdefreundlich ist. Ganz liebe Grüße, Petra

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