Reiterpension Marlie - Wolfgang Marlie Freiarbeit

Pas de deux! Wie wir die Pferde zum Tanz bitten können mit Wolfgang Marlie

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Der ganze Artikel für dich auf einen Blick

Was macht gutes Pferdetraining aus? Wie sollen wir uns dem Pferd annähern und was brauchen die Pferde wirklich von uns? Klarheit? Sanftmut? Achtsamkeit? Stärke? Führungsqualität? Wie sieht diese Stärke aus und wieviel davon müssen wir zeigen? Was ist richtig: positive oder negative Verstärkung? Das sind Fragen, die alle Pferdemenschen vermutlich immer wieder umtreiben. Jeder gibt darauf eine andere Antwort. Egal ob es um Alfonso Aguilar geht, Bernd Hackl oder Anja Beran. Wie auch die Philosophie von Wolfgang Marlie, der heute von seinen Trainingsideen erzählen wird.

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Es gibt so viele verschiedene wege, wie es Pferdemenschen gibt. Deswegen gibt es immer wieder Interviews auf der Pferdeflüsterei. Sie spiegeln 1:1 die Meinung des Interviewten wieder, weil ich es wichtig finde offen und neugierig zu sein, andere Meinungen für sich stehen zu lassen und dir absolut zutraue deinen eigenen Weg in den Antworten für dich zu finden. So mache ich es auch. Ich bin da, betrachte, frage nach und sortiere die Informationen dann für mich dort ein, wo sie für mich hinpassen und einiges sortiere ich auch einfach weg. Weil es nicht zu mir passt oder weil mir der Weg nicht für mich gefällt. So kannst du das auch machen. Mit all den Kursen, die du besuchst, mit all den Büchern die du liest und natürlich mit all den Informationen aus den Interviews hier auf der Pferdeflüsterei.

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Ich freue mich, dass so viele Experten sich schon auf diese Interviewidee eingelassen haben. Das erschafft eine wunderbare Vielfalt. Ob nun jede Antwort mir entspricht? Nein – aber das ist egal. Sie alle sind Inspiration, regen zum Nachdenken an, geben Wissen und Gedanken weiter. Mit manchen Gedanken freude ich mich an und lege sie in meinen inneren Werkzeugkoffer, mit manchen Gedanken nicht. Genauso kannst du es auch handhaben, wenn du möchtest. Ich würde mich freuen.

Deswegen hier der kleine Hinweis – Du findest all unsere Interviews HIER – damit du dir deine eigenen Gedanken zu den Gedanken vieler wunderbarer Pferdemenschen machen kannst

Und weil das Leben immer weitergeht, geht natürlich auch die Expertenrunde immer weiter. Heute mit dem Autor für „Feine Hilfen“ und „Reitkultur“ Wolfgang Marlie. Er ist Reiter, Pferdemensch und besitzt die Reitpension Marlie an der Ostsee – die er zusammen mit seiner Frau betreibt. Er hat unter anderem das Buch „Pferde wie von Zauberhand bewegt“ zusammen mit seiner Co-Autorin Ulrike Bergmann geschrieben.

Zu dem Buch gebe ich dir am Ende noch eine Rezension – jetzt kommen wir aber erst einmal zum Interview mit Wolfgang Marlie.

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Interview mit Wolfgang Marlie über Seilchenschwinger und positive Verstärker über Treiben und Halt geben und über die Frage, was Pferde von uns wirklich brauchen

HIER findest du im ersten Teil mehr Informationen zu seinem Unterricht und seiner Philosophie – wir steigen jetzt erst einmal mit der Praxis ein und sprechen dann all die vielen Themen durch, die Pferdemenschen bewegen.

Pferdeflüsterei: Ein Part deiner Trainingsidee ist die „Kopfkontrolle“ – das habe ich zumindest in der Stunde Bodenarbeit erfahren, die wir zusammen gemacht haben – was bedeutet das genau?

Wolfgang Marlie: Ich nenne es selber immer Kopfkontrolle, finde das Wort aber eigentlich sehr unschön, viel zu technisch. Es entspricht nicht dem, was ich erreichen möchte, wenn ich ein Pferd bitte, mir seinen Kopf anzuvertrauen. Ich bitte darum oder fordere es dazu auf, wie gesagt, darüber muss ich nochmal nachdenken, dass ich seinen Kopf bewegen, ihm damit die Blickrichtung dirigieren darf. Ein Raubtier würde das Pferd nie aus den Augen lassen. Wenn es also auf meinen Wunsch dazu bereit ist, sich mir zu- aber auch mal den Kopf abzuwenden, dann ist das schon ein Vertrauensbeweis, weil es zeigt, dass es mich nicht als Raubtier betrachtet.

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Pferdeflüsterei: Wie machst du das dann?

Wolfgang Marlie: Ich fasse den Kopf an und schiebe ihn möglichst weich seitlich weg oder hole ihn näher zu mir. Das ist eine sehr sanfte Form, Vertrauen und Respekt einzufordern … wieder das Wort fordern. Bitten wäre mir lieber. Wenn das Pferd das nicht will, kann ich es nicht wirklich dazu zwingen.

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Wenn ich das mit Beharrlichkeit und Ruhe mache, also ein ruhiges Bedrängen – wie es Sonne, Wind oder Regen schaffen können – eine beharrliche Ungemütlichkeit, die nicht gefährlich oder schmerzhaft ist, sondern nur lästig…wenn ich es schaffe, dass das Pferd dieser Ungemütlichkeit weicht und nicht opponiert, ist das quasi wie ein Gesellschaftsspiel zwischen uns, bei dem das Pferd im Idealfall neugierig auf mich wird. Zwischendurch biete ich immer wieder Pause an. Für uns beide. Da Pferde von Haus aus Energiesparer sind, werden sie dankbar sein, wenn sie es sich leisten können, Ruhe wirklich zu genießen.

Pferdeflüsterei: Das ist die Pause im Natural Horsemanship – deswegen erinnert mich deine Bodenarbeit auch sehr an die Seilchenschwinger..

Wolfgang Marlie: Ja klar, weil du diese tierbezogenen Themen immer wieder in jeder Trainingsmethode finden wirst. Bei Xenophon oder bei Pat Parelli. Das Wichtige ist, dass man die Bereitschaft hat, das Pferd auf Augenhöhe zu sehen.

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Punkt 2 im Marlie-Konzept: Halt geben durch Treiben

Pferdeflüsterei: Ein weiterer Teil deines Konzeptes ist das Thema „Halt geben“. Das erreichst du in deiner Idee – wenn ich das richtig verstanden habe – durch treiben?

Wolfgang Marlie: Halt geben, heißt für mich tatsächlich „treiben zu können“. Ich kann den Huf zum Beispiel nur Halten, wenn das Pferd ihn mir vorher gibt. Wenn es sich von mir in eine Position treiben lässt und dann die Bereitschaft entwickelt, sich von mir halten zu lassen, sich mir anzuvertrauen. Solange es die Bereitschaft nicht hat, sich auf meine treibende Einwirkung einzulassen, hat es auch kein Vertrauen in mich. Wie beim Tanzen. Da würde ich dich ja auch führen beziehungsweise treiben. Und es würde nur funktionieren, wenn du einverstanden bist und Spaß an dieser Fahrt ins Blaue hast.

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Pferdeflüsterei: …oder wenn ich extrem schüchtern und ängstlich bin und einfach mache was du sagst, weil ich mich nicht traue Nein zu sagen. Woher weißt du, wann das Pferd sich in deine Form von Halt (den du ja durchaus einforderst) begibt oder wann es das macht, weil es sich nicht traut Nein zu sagen.

Wolfgang Marlie: Es wird sich nicht unbedingt immer gleich begeistert darauf einlassen. Mir ist es wichtig – deswegen mache ich so viel mit freilaufenden Pferden – dass ich das Treiben nicht erzwinge. Dass ich sozusagen dem Pferd ein gewisses Maß an Belästigung zumute, aber nach Möglichkeit nur eine Art der Belästigung, die ihm keine Angst, sondern die es neugierig macht.

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Pferdeflüsterei: Du näherst dich in deiner Trainingsphilosophie dem „Halt“ sozusagen an?

Wolfgang Marlie: Ja, ich nähere mich dem Haltgeben an. Das ist ein Prozess. Wir kennen das ja auch von der Haltetherapie bei uns Menschen. Oder von dieser speziellen Wickelmethode für Babys, das Pucken, wo die Kinder sich offensichtlich geborgen fühlen in dieser sehr engen Art eingewickelt zu sein. Genau die gleiche Beobachtung habe ich durch Zufall bei Pferden oft gemacht: Sie reagieren in bestimmten Situationen gar nicht explosiv, sondern sind schnell bereit, sich auf die Situation ruhig einzulassen.

Pferdeflüsterei: Aber vielleicht sind sie nicht ruhig, sondern vielmehr „starr“. Gerade introvertierte oder rangniedrigere Exemplare trauen sich vielleicht gar nicht nein zu sagen.  Ob also das Eingerahmt sein immer ein entspanntes Gefühl ist, ist die Frage.

Wolfgang Marlie: Das ist eine ganz wichtige Frage! Ich glaube nämlich, man kann es doch erkennen. Zum Beispiel daran, ob das Pferd nach so einer Halteeinheit gut ansprechbar, motiviert ist. Es kommt immer auch auf den Menschen an, der mit dem Pferd agiert. Möchte er dem Pferd helfen oder möchte er sich selbst etwas beweisen? Ich stelle immer wieder fest, dass Pferde sich sehr sicher fühlen, wenn das Gegenüber sich sicher fühlt.

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Mehr Entspannung und Neugierde

Pferdeflüsterei: Also eigentlich plädierst du für mehr Entspannung beim Pferd?

Wolfgang Marlie: Auch. Ich plädiere vor allem für Neugier. Das ist nochmal eine Stufe mehr. Und ich möchte ermutigen. Pferde wie Menschen. Wenn jemand Angst vor der Höhe hat, neigen wir dazu zu sagen: Sei ja vorsichtig, das ist ja so gefährlich! Das müssten wir aber nicht sagen, denn das weiß der Mensch selbst. Aber je mehr ich jemandem sage, dass er vorsichtig sein soll, desto mehr Angst hat er.

Es macht einen großen Unterschied ob wir jemanden entmutigen, in dem wir ständig erklären, was er alles falsch macht – oder ihn zu ermutigen, indem man ihn neugierig macht, ihm das Gefühl gibt, dass er okay so ist wie er ist und dass er all sein Potenzial nur noch besser nutzen kann.

Pferdeflüsterei: Wie machst du das im Training?

Wolfgang Marlie: Wir müssen den Pferden das Gefühl geben, dass sie ein Mitspracherecht haben. In der freien Natur muss sich ein Pferd nie prügeln, wenn es das nicht will. Es kann immer gehen. Pferde erleiden aus meiner Sicht keinen Gesichtsverlust, wenn sie nachgeben, sondern machen einfach das, was praktisch ist für sie. Sie haben sozusagen keine Eitelkeit in sich.

Im Zweifelsfall halten sie sich von dem fern, was ihnen unangenehm ist. Das bedeutet: Wir dürfen die Pferde nicht zwingen still zu halten, wir müssen ihnen immer den Raum lassen zu gehen. Oder sie sogar ins Gehen treiben, damit sich irgendwann ein Bedürfnis nach Ruhe einstellt. Das Prinzip darf nicht sein, ein Pferd zu bestrafen.

Das ist entmutigend. Deswegen ist es für mich unglaublich wichtig dem Pferd nie zu sagen, dass es falsch ist, was es macht, sondern ihm einen Weg zu zeigen und zu sagen: ‚Komm, das wäre für dich praktischer.‘ Das Pferd zu ermutigen beinhaltet, dem Pferd das Bewusstsein für seine Fliehfähigkeit zu geben. Dass es das Gefühl hat, dass es sich jeder schwierigen Situation immer entziehen kann. Dann wird es meist gar nicht das Bedürfnis haben zu fliehen. Gutes Pferdetraining braucht ein System und es braucht Zeit.

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Das System Marlie

Pferdeflüsterei: Was ist denn das System mit dem du ganz praktisch arbeitest?

Wolfgang Marlie: Das System ist, eine Grundkommunikation mit dem Tier aufzubauen, die nur auf den Botschaften basiert: Das Pferd zu bedrängen und Abstand zu fordern oder es in die Ruhe und in die kuschelige Nähe einzuladen. Aber das muss das Pferd an der Art wie ich mich zeige, wie ich mich äußere, erkennen können. Verbal, optisch oder taktil.

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Pferdeflüsterei: Das Wort Bedrängen mag ich ja nicht besonders, aber ich bleiben wir einfach mal dabei: Wie „bedrängst“ du und wie lädst du ein?

Wolfgang Marlie: Bedrängen bedeutet, dem Pferd eine Unbehaglichkeit zuzumuten, die es veranlasst aus seiner vermeintlichen Komfortzone zu gehen. Ich möchte Pferde auf Signale konditionieren. Ich möchte, dass das Pferd lernt, über seine Sinne meine Signale wahrnehmen zu können. Das kann eine Berührung sein oder etwas, was ich ihm zeige oder was ich akustisch von mir gebe.

Um diese Signale dem Pferd bekannt zu machen, muss ich ein Motiv liefern. Ein Motiv ist ein angenehmes Gefühl oder ein lästiges Gefühl. Was veranlasst das Pferd etwas zu verändern? Eher ein lästiges, als ein angenehmes Gefühl. Nur dann wecke ich Veränderungsbedarf. Dann kann ich das Pferd aus dem Unangenehmen ins Angenehme führen.

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Pferdeflüsterei: Praktisch gesprochen: Du bewegst es, um es dann zu streicheln. Aber du meinst, dass es ohne „Bedrängen“ nicht geht?

Wolfgang Marlie:. Wie soll das Tier sich für irgendetwas interessieren, wenn ich ihm nichts gebe, auf das es sich einlassen kann? Wenn ich ihm keinen Grund liefere, etwas zu verändern?

Positive Verstärkung aus dem Marlie-Blickwinkel

Pferdeflüsterei: Naja, die positiven Verstärker zum Beispiel schließen das „Bedrängen“ komplett aus. Und wenden eine komplett konträre Lerntheorie an.

Wolfgang Marlie: Das ist mir zu diffus. Ich denke, dass es Stress ist, wenn das Pferd keine klaren Rahmenlinien bekommt. Wenn es also selbst herausfinden soll, was gewünscht ist, ist das anstrengender als klare Signale. Aus meiner Sicht ist da zu viel Raterei im Spiel.

Nehmen wir ein Beispiel. Da steht ein Pferd, ich möchte, dass es zu mir kommt, winke mit der Möhre und belohne es damit, wenn es kommt. Ich halte dem Pferd die Möhre hin und wecke damit ein Bedürfnis, das es vorher gar nicht hatte. Also schränke ich seine Behaglichkeit in dem Moment ein. Es wird also auch bedrängt. Ich kann nur da ansetzen, wo Bedarf ist. Bedarf heißt aber immer auch, dass ich ein Defizit fühle.

Die reine positive Verstärkung geht meiner Überzeugung nach nicht, weil sich die Gedankenwelt des Pferdes nur verändern kann, wenn ich es ein bisschen störe in seiner Behaglichkeit. Das ist bei uns Menschen genauso. Wir müssen unsere Komfortzone verlassen. Wir brauchen einen Auslöser, um noch einmal darüber nachzudenken, ob das, was wir gerade machen wirklich so praktisch ist. Ich möchte dem Pferd gezielt sagen, was ich mir von ihm wünsche. Das sage ich dem Pferd dadurch, dass ich es berühre und es ihm „begreiflich“ mache. Die ruhig anliegende Hand sagt: Mach bitte ein bisschen Platz. Die streichelnde Hand sagt: mach bitte Pause. Das bringe ich ihm so bei. Der Kern ist immer, es dem Pferd begreiflich zu machen.

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Pferdeflüsterei: Das würde jetzt ziemlich weit führen, wenn wir die positive Verstärkung und deren Lerntheorien zerlegen und diskutieren. Ich denke, dass sie ein bisschen anders funktioniert, als du beschreibst und ein sehr schöner Weg sein kann, aber das ist einen Extra-Artikel wert. Letztlich gibt es viele Wege, die nach Rom führen. Aber diskutieren wir nicht über positive Verstärkung, sondern bleiben einfach bei deiner Theorie und deinen Vorstellungen von Pferdetraining. Darum soll es ja im Interview gehen. Für mich klingt das was du beschreibst und ich sehe das was du machst im Grunde wie Natural Horsemanship in einer klaren und deutlichen Ausprägung. Du spielst „wer bewegt wen“, hast am Ende die Entscheidungsgewalt, kommunizierst über das Treiben und die Pause – wobei du treiben ganz kleinteilig definierst – willst Klarheit in den Emotionen und Führungskompetenz zeigen, was wiederum dem Pferd Sicherheit gibt?

Wolfgang Marlie: Ich habe ja auch gar nichts gegen Natural Horsemanship. Im Gegenteil. Ich denke, dass Pferde mit unklaren Botschaften nichts anfangen können. Sie schätzen die Klarheit, damit sie sich sicher fühlen können. Als ich anfing zu reiten, wollte ich, dass das Pferd genau das macht, was ich will. Das ist heute anders. Ich habe Freude daran, wenn der andere sich freut oder wenn ich für den anderen etwas tun kann. Ich bin den Pferden zugewandt. Das ist eine ganz andere Basis.

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Freude statt Ehrgeiz im Pferdetraining

Pferdeflüsterei: Also die Technik ist ähnlich geblieben, wenn auch sanfter geworden – aber das Gefühl ist nicht mehr Ehrgeiz, sondern Freude?

Wolfgang Marlie: Das ist der gravierende Unterschied. Ich habe keinen Frust mehr. Früher hatte ich ständig Frust, weil es im Training oft nicht so funktioniert hat, wie ich das wollte. Heute finde ich schon im Tun Freude und habe so eine ganz andere Haltung dem Pferd und mir selbst gegenüber. Wir lassen uns so viel entgehen, wenn wir die Pferde nur trainieren wollen und nicht als das sehen, was sie sind und nicht mit ihnen gemeinsam entdecken, was sie können und wohin der gemeinsame Weg uns führen kann.

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Pferdeflüsterei: Du möchtest gar nicht so sehr Technik vermitteln, sondern vor allem eine andere Einstellung und ein anderes Gefühl?

Wolfgang Marlie: Genau. Schlechte Lehrer sind Entmutiger, gute Lehrer sind Ermutiger. Pferde sind nicht zu 100% kontrollierbar. Du kannst keinem Pferd 100% trauen, weil es ein Lebewesen ist, das jederzeit bocken oder treten kann. Aber das ist nicht das Problem. Denn du musst nicht dem Pferd trauen, du musst dir selbst vertrauen. Dann kann dich letztlich auch kein Pferd ängstigen und du kannst mit allen Pferden umgehen, ihnen Sicherheit geben. Weil du immer einen Weg finden wirst, um mit dem Pferd zu arbeiten – je nachdem wie es sich verhält. Weil du dir selbst vertraust und deswegen die entsprechende Gelassenheit besitzt.

Ich lese sehr gern die Bücher von Mark Rashid. Er beschäftigt sich letztlich immer mit der inneren Einstellung. Er sagt, dass er nicht mit sanfter Hand reiten kann, wenn er nicht sanft ist. Er kann auch nicht sanft zum Pferd sein, wenn er nicht sanft ist. Das ist eine Grundeinstellung des Respektes. Dass wir akzeptieren, dass das Meer tief ist oder hohe Wellen produziert. Ich liebe es nicht trotz all dem, sondern ich mag es so, wie es ist. Jemanden ein bisschen zu mögen und sich gleichzeitig vorzustellen wie er sein müsste, damit wir ihn richtig mögen könnten – darum kann es nicht gehen. Mir geht es darum, dass alles in der Natur liebenswert ist. Alles hat seinen Wert und je mehr ich alles respektieren kann, desto zufriedener werde ich mit dem Leben sein.

Pferdeflüsterei: Ich danke dir für deine Gedanken zum Thema. Es ist wichtig immer wieder neue Blickwinkel kennenzulernen, denke ich – um dann den eigenen Weg zu finden. 

Stell dir vor du stehst am Rande einer Tanzfläche. Die Musik startet, der Takt bebt zart unter deinen Füßen und einer der Menschen im Raum bewegt sich auf dich zu. Du kennst ihn nicht oder vielleicht kennst du ihn auch schon länger – das ist eigentlich egal. Stell dir einfach das Gefühl vor, wie du da stehst und wartest bis du aufgefordert wirst. Stell dir vor, dass dieser Mensch vor dir steht. Er reicht dir die Hand und bittet dich freundlich zum Tanz. Wie fühlt sich das an?

Und jetzt stell dir die gleiche Situation noch einmal vor: Aber diesmal stürmt der Mensch auf dich zu und zieht dich einfach auf die Tanzfläche. Er fragt nicht, ob du möchtest, er stellt sich nicht vor, er bittet nicht sondern fordert ziemlich deutlich. Wie fühlt sich das an?

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Genau so geht es auch deinem Pferd. Es will nicht auf die Tanzfläche gezerrt werden und es will nicht überfallen werden. Das ist kein besonders schönes Gefühl. Weder erzeugt es Vertrauen noch Sympathie. Lautstärke erzeugt auch keinen Respekt, genauso wenig wie Grobheit. Beides erzeugt eher Angst. Das Ergebnis mag eine gewisse Kontrolle sein, aber was dabei fehlt ist das Wohlwollen, die Liebe, die Sicherheit, das Vertrauen und das Gefühl.

Ich will kein Mensch sein, der über Angst, Stress oder Zwang Kontrolle erreicht. Ich will Sicherheit über Geduld, Empathie und Gefühl und Klarheit erreichen. Das gelingt mir mal besser und mal schlechter. Aber ich strebe jeden Tag neu danach.

Was bedeutet es mit Pferden zu tanzen?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wenn du 10 Pferdemenschen fragst, wirst du vermutlich 10 verschiedene Antworten bekommen. Ich will dir meine Gedanken dazu andeuten und ich lasse vor allem Wolfgang Marlie zu Wort kommen.

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Er schreibt unter anderem für die „Feine Hilfen“ und „Reitkultur“, er hat zusammen mit seiner Co-Autorin Ulrike Bergmann das Buch „Pferde wie von Zauberhand bewegt“ geschrieben und er ist Zeitzeuge der Entwicklung unserer deutschen Reiterwelt in den letzten 60 Jahren. Er hat all die Namen live erlebt, die gerne fallen, wenn es um die Entwicklung der Reiterei bei uns in Deutschland geht: Egon von Neindorff, Paul Stecken, Fredy Knie, Klaus Hempfling, Pat Parelli…und er hat sein eigenes System entwickelt, das er in seiner Reitpension Marlie unterrichtet. Das wird er dir gleich im einem kleinen Interview erklären.

Aber vorher will ich dir ein Zitat um die Ohren werfen. Irgendwie passt es für mich sehr gut zu diesem Artikel. Und ich will dir danach auch kurz erklären, was ich damit meine und warum es für mich hierher gehört.

„Der Empfänger bestimmt die Botschaft“

Dieses Zitat ist sehr passend für die Pferdewelt finde ich. Ich hole kurz etwas aus, um zu erklären, was ich meine. Kennst du den Medientheoretiker Marshall McLuhan? Ein faszinierender Wissenschaftler, der unter anderem für diese eine ganz besondere These berühmt ist.

„Der Empfänger bestimmt die Botschaft“

Was er damit letztlich meint: Wir alle sind Persönlichkeiten. Wir haben Erlebnisse hinter uns und wir haben eine Vergangenheit. Wir sind in unserem Leben verschiedenen Menschen begegnet und haben verschiedene Dinge erlebt. Das alles prägt uns und unsere Sichtweise auf das Leben. Deswegen wird bei jeder Botschaft, die an uns gerichtet wird all das immer mitschwingen, was uns und unsere Persönlichkeit ausmacht. Wir werden also jede Botschaft aus unserem Blickwinkel und unseren Erfahrungen heraus betrachten und bewerten. Wir als Empfänger bestimmen, wie wir die Botschaft verstehen, die an uns gerichtet wird, und was wir daraus machen.

Warum ich dir das erzähle? Weil es in der Pferdearbeit auch so ist. Weil wir aufgrund unserer Persönlichkeit und unseres Vorlebens die Botschaften der Pferde unterschiedlich interpretieren und Trainingsmethoden unterschiedlich wahrnehmen. Je nachdem woher wir kommen und wer wir sind, kann eine Trainingsmethode hart oder weich erscheinen. Weil wir als Empfänger bestimmen, wie wir etwas wahrnehmen und beurteilen.

Kommen wir also zurück zu der Frage, was es bedeutet, mit Pferden zu Tanzen und Pferde wie von Zauberhand zu bewegen.

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Kurz gesagt: Es bedeutet für Wolfgang Marlie etwas anderes als für mich. Aber es bedeutet für dich unter Umständen auch etwas anderes als für Wolfgang Marlie oder mich. Das ist in Ordnung. Weil wir Menschen Individuen sind und weil Pferde Individuen sind und weil viele Wege nach Rom führen. Sie alle sind für mich in Ordnung, solange sie fair dem Tier gegenüber sind.

Deswegen finde ich so wichtig verschiedene Ideen und Thesen zu kennen und gelten zu lassen. Deswegen sind Gedanken manchmal etwas anderes als das Handeln und wir sind alle in der Theorie sehr viel schlauer als in der Praxis. Weil nämlich auch das Pferd Empfänger unserer Botschaft ist und etwas daraus machen wird. Gleichzeitig nehme ich mir das Recht heraus mir für mich zu überlegen, welche Botschaft ich persönlich mag und welche nicht und wie ich die Botschaft für das Pferd und mich interpretieren will. Aus diesen Gründen passt das Zitat so gut für mich.

Was ich sagen will: Egal welche Botschaft du siehst, hörst oder liest – Du allein bestimmst zusammen mit deinem Pferd, wie du es zum Tanz auffordern willst, was Tanz für dich bedeutet. Zum Beispiel, wer von euch beiden wie viel Führungsanteil hat und wie du dein Pferd beim Tanz führen willst. Dein Pferd wird natürlich auch eine Idee haben.

Vielleicht möchtest du beim Lesen ja auch überlegen, wie du den Tanz mit deinem Pferd für dich siehst und in einem Kommentar schreiben. Ich freue mich auf deine Idee vom Tanz.

Wolfgang Marlie und der Tanz mit dem Pferd

Ich will dir jetzt erst einmal schildern, wie Wolfgang Marlie den Tanz zwischen Pferd und Mensch sieht. Zumindest soweit ich das in unseren Gesprächen wahrgenommen habe. Er hat mir in einem ausführlichen Gespräch von den Pferden erzählt, die ihn zum Umdenken gebracht haben, wie er sich den Tanz vorstellt und wie er sich das Vertrauen und die Sicherheit mit den Pferden erarbeitet. Nicht alles ist mein Weg, aber es ist wie immer im Leben ein individueller Weg und wieder ein bisschen mehr Trainingsgedanken und Trainingswerkzeug in meinem Werkzeugkasten. Denn ich als Empfänger habe einige der Botschaften von Wolfgang Marlie für mich bestimmt und mitgenommen.

Zum Beispiel folgende Botschaft: „Liebe dein Pferd für das was es ist und nicht für das, was du gerne hättest.“

Ein Satz, den er während des Trainings zu mir sagt. Es geht darum keine Besitzansprüche an das Pferd zu haben und bedingungslos zu sein. Es geht in seiner Philosophie darum, nicht primär das Pferd als Freund gewinnen zu wollen, sondern sich dem Pferd gegenüber freundschaftlich zu verhalten.

Dieser Gedanke hallt noch in mir nach seitdem wir gesprochen haben. „Liebe dein Pferd für das was es ist und nicht für das, was du gerne hättest“ …sagte Wolfgang. Und er hat so Recht mit diesem Satz. Wie oft habe ich mir überlegt, dass es schade ist, dass Carey kein richtiges Kuschelpferd ist. Oder, dass ich mir wünschen würde, dass sie ein bisschen weniger introvertiert und gnadenlos ist. Aber das ist falsch. Mein Pferd ist wie es ist und genau dafür sollte ich es lieben. Denn dadurch lehrt sie mich so unglaublich viele Dinge wie Fokus, Achtsamkeit und Freude über die kleinen Geschenke des Lebens.

Carey schnuppert freude

Pferde wie von Zauberhand bewegt“ – das Marliekonzept in der Theorie

Wolfgang Marlie will mit Pferden tanzen und ganz klar die führende Person sein bei diesem Tanz. Er will, dass wir Menschen die Führung übernehmen und dem Pferd die Sicherheit geben, dass es sich auf diesem Parkett namens Reitplatz oder Gelände oder Halle unserer Führung anvertrauen kann. Dafür müssen wir in seiner Trainingsidee dem Pferd Halt durch Treiben geben, wir müssen ihm die Sicherheit geben, dass es sich uns anvertrauen kann – das erarbeitet er sich im Training durch verschiedene Stellschrauben – und wir müssen klar und konsequent sein.

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Wolfgang Marlie kommt aus einer Zeit der harten Reiterei. In seinem Buch beschreibt er, wie ihm als Teenager gezeigt wurde, dass man bissigen Pferden eine kochend heiße Karotte gab, um ihnen das Schnappen abzugewöhnen. Drill und Gehorsam waren genauso normal wie Kontrolle und das bedingungslose Durchsetzen dessen, was der Reiter von seinem Pferd wollte. Das „Durchsetzen“ gegenüber dem Pferd war die Grundhaltung.

Viele Pferde und Reiter haben ihn über die Jahre zum Umdenken gebracht. Heute will er mit Pferden tanzen, Vertrauen und Partnerschaft statt Drill und reinen Gehorsam. Er sagt selbst, dass es das Wort „Strafe“ in seinem Gedankenrepertoire nicht mehr gibt – stattdessen gibt es Konsequenz und Ablenkung. Der Ehrgeiz spielt keine Rolle mehr in seinem Pferdeleben, sagt Wolfgang Marlie. Stattdessen sieht er Pferde wie ein Naturereignis. So wie man dem Berg nicht ankreidet, dass er hoch ist, wenn man ihn besteigt, so will er den Pferden nicht mehr ankreiden, wenn sie nicht ausführen, was er von ihnen möchte. Es ist nicht persönlich.

„Wirkliche Liebe ist bedingungslos und tut vor allem dem gut, der liebt.“ (Wolfgang Marlie)

Beziehungsarbeit mit dem Pferd

Es geht Wolfgang Marlie heute darum eine Beziehung zu dem Pferd aufzubauen, sich dem Pferd vorzustellen und das Pferd zum Tanz zu bitten – so dass es lernen kann dem Menschen zu vertrauen und sein Leben dem Menschen anzuvertrauen.

„Pferde sind als Herdentiere dazu bereit die Verantwortung für ihr Leben an andere abzugeben. Dann wenn sie davon ausgehen können, dass der andere genug Kompetenz hat, ihr Leben auch schützen zu können.“ (Wolfgang Marlie)

Im folgenden Interview erklärt Wolfgang Marlie seine Pferdewelt und die Idee hinter seinem Training genauer. Die Antworten stehen für sich – ich will nicht meine Meinung schreiben, sondern seinen Gedanken Raum geben.

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„Pferde wie von Zauberhand bewegt“ – ein Interview mit Wolfgang Marlie 

Pferdeflüsterei: „Pferde wie von Zauberhand bewegt“ ist ja dein Credo. Du sagst in deinen Kursen und Texten und in deinem Buch immer wieder, dass du mit Pferden tanzen willst – wie sieht dein Tanz mit den Pferden genau aus?

Wolfgang Marlie: Es geht um meine Grundeinstellung, darum meine eigene Einstellung zu hinterfragen. Sich also zu fragen, warum will ich mit Pferden umgehen? Und zu dem Schluss zu kommen, dass man Pferde mag. Aber dafür, dass sie so sind wie sie sind und nicht dafür wie sie aus unserer Sicht sein sollten. Wenn ich nicht so sehr daran interessiert bin ein gutes Reitpferd zu trainieren, sondern mehr an der Beziehung, die ich zu ihm haben kann, dann ist erstens mein Lebensgefühl besser, weil ich nicht so viele Enttäuschungen erlebe und zweitens habe ich mehr Freude daran mit einem Pferd umgehen zu dürfen. Ich sage mittlerweile: Wer Freundschaft sucht, hat mehr vom Reiten.

Der Umgang mit den Pferden ist ja ein Privileg. Es ist ein Geschenk und es sollte nicht darum gehen, möglichst viel Leistung raus zu holen, sondern darum, mit den Pferden eine schöne Zeit zu haben. Es ist wie in der Kunst oder in der Musik: Man wird nie fertig, es gibt immer neue Dinge zu entdecken. Das ist so unglaublich reizvoll daran, mit Pferden zu arbeiten. Ich brauchte aber einige Zeit, genauer gesagt mehrere Jahrzehnte, um das zu erkennen.

Pferdeflüsterei: Also ist der Umgang mit Pferden per se der Tanz für dich?

Wolfgang Marlie: Im Grunde ja. Zu tanzen bedeutet aufeinander zuzugehen, sich zusammenzufinden und dann zwei Seelen mit einem Gedanken zu werden. Das beglückt uns sehr als soziale Wesen. Dafür muss ich im Training mit Tieren als Mensch aber den Anfang machen. Es macht keinen Sinn von dem Tier zu erwarten, dass es auf mich zu geht. Ich sollte mich um das Pferd bewerben, wie ich mich um eine Dame bewerbe, mit der ich tanzen möchte.

Pferdeflüsterei: Wie bewirbst du dich denn konkret um den Tanzpartner?

Wolfgang Marlie: Ich schaue, wer mir gegenüber steht. Ich vergleiche das immer gerne mit Musik. Jemand der Geige spielt, kann so perfekt sein wie er will. Aber wenn er die Geige aus dem Kasten nimmt, muss er sie zuerst stimmen. Wenn ich also mit dem Pferd eine bestimmte Aufgabe erfüllen will, muss ich das Pferd erst einmal auf das einstimmen, was ich von ihm möchte. Also versuche ich zu erfragen, wo seine Bedürfnisse sind, wo ich Unterstützung anbieten kann.

Es geht mir um die Erkenntnis, dass Pferde als soziale Wesen Gesellschaft und Unterstützung brauchen. Als sehr vorsichtige Wesen, die sie sind, werden sie auch schnell ängstlich. Das macht sie für uns als Partner sehr geeignet, weil sie dadurch auch sehr schnell bereit sind, sich auf Menschen einzulassen. Diese tiefe Sehnsucht nach Harmonie, die in uns Menschen ist, ist auch genauso tief im Pferd verankert. Das Pferd wünscht sich die Harmonie und weiß oft aber nicht, wie es sie mit uns organisieren soll. Wir als denkende Menschen haben da eher eine Idee.

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Pferdeflüsterei: Also siehst du dich als führenden Part. Aber wie genau machst du das in der Praxis – um bei dem Bild mit dem Tanz zu bleiben. Bittest du? Forderst du auf?

Wolfgang Marlie: Es macht nur Sinn jemanden um einen Tanz zu bitten. Wenn ich es fordere, dann ist meine Chance geringer, dass der Tanzpartner mich akzeptiert und meine Chance ist geringer, dass dadurch etwas Harmonisches entsteht.

Pferdeflüsterei: Ich habe dir ja auch ein paar mal bei der Bodenarbeit zusehen können. Und würde schon sagen, dass du mit einem gewissen Druck zum Tanz bittest. Ich würde sagen, nachdem ich dich beobachtet habe, dass du schon sagst „Komm, Tanz!“ – wenn ich es auf das Bild mit der Aufforderung zum Tanz beschreiben soll.

Wolfgang Marlie: Spontan würde ich sagen, das sehe ich anders. Wenn ich fordere, würde mir kein harmonischer Tanz gelingen. Oder ? Im zweiten Moment erschreckt mich deine Beobachtung ein bisschen. Ich sollte mich da dringend mal wieder selbst überprüfen. Der Russe Nevzorov zum Beispiel – kennst du ihn?

Pferdeflüsterei: MMh..

Wolfgang Marlie: Er reitet ja nur mit dem Halsring. Er sagt: das Schöne daran sei, dass man nicht fordern könne, sondern nur bitten. Genau so sehe ich das auch. Die Bitte ermöglicht Neugierde. Dahinter steckt die Idee, dass wir Menschen nach Gemeinsamkeiten suchen und immer daran interessiert sind, uns auszuprobieren. So kommen wir schon auf die Welt, unternehmungslustig und neugierig. Wer nicht neugierig ist, wird nicht überleben. Es ist ein Grundbedürfnis, sich zu informieren und zu lernen. Wenn ich dann die geeignete Übung oder Energie finde, um mein Pferd anzuregen, so dass es sich für mich interessiert – werde ich es auch anregen sein Grundbedürfnis nach Neugierde und Abenteuer zu erfüllen.

Pferdeflüsterei: Also bewirbst du dich bei jedem Pferd ein Stückweit anders?

Wolfgang Marlie: Wenn Menschen etwas miteinander unternehmen wollen, spielen sie unter anderem Gesellschaftsspiele, machen Sport, gehen zum Volleyball und anderes. Dabei geht immer um Kommunikation und Abenteuer. Das macht neugierig und man will gerne mitmachen. Analog zu den Pferden bedeutet das: Ich frage das Pferd solange „Was spielst du mit mir?“ und „Woran bist du gerade interessiert?“, bis ich eine Antwort bekomme. Dabei ist es natürlich wichtig, dass ich im Blick habe, was das aktuelle Bedürfnis des Pferdes ist: Ruhe, Aktion, Sicherheit … Oder hat es Hunger oder ist es müde? Dann versuche ich das Bedürfnis so gut es geht abzudecken und dadurch wird das Pferd eine Neugierde auf mich entwickeln.

Pas de deux! Wie wir die Pferde zum Tanz bitten können mit Wolfgang Marlie 1

Pferdeflüsterei: Wenn ich aber praktisch auf deine Bodenarbeit schaue, würde ich sagen: Du checkst erst einmal was das Pferd mit sich machen lässt und wie es sich bewegt und gibst dann relativ viel Energie mit deiner Körpersprache oder deinem Trainings-Tool und machst klassisches Natural Horsemanship in vielen Teilen…Natürlich auch mit viel Lob und Pausen. Diese Art der Kommunikation ist für mich im Grunde aber mehr Aufforderung als Bitte.

Wolfgang Marlie: Es ist für mich wichtig, das richtige Maß zu finden. Eines, das den Anderen anregt, aber nach Möglichkeit nicht aufregt. Wenn man zum Beispiel „Join Up“ nicht richtig versteht, kann man damit viel Unheil anrichten. Dann macht man den Pferden einfach nur Angst. Das ist nicht der Sinn der Sache. Genau wie wir Menschen, brauchen auch die Pferde die Anregung. Wir leben ja in einem Spannungsfeld zwischen tödlicher Langeweile und Panik. Beides ist nicht gut und beide Zustände sollten wir beim Pferdetraining nicht erreichen. Wir sollten uns in der Mitte dazwischen ausbalancieren. Wir sollten anregend wirken, aber Aufregung nicht aufbauen sondern runterfahren. Aufbauen von Energie und runterfahren von Energie. Das ist das Leben.

Wir sehen immer wieder, dass gerade männliche Pferde sich gegenseitig fit machen fürs Leben, vor allem wenn sie jung sind. Dazu braucht man einen Sparringspartner. Junge Pferde rangeln und toben miteinander und im nächsten Moment stehen sie ganz freundschaftlich beisammen. Dieses spielerische Kräftemessen ist sehr typisch für männliche Pferde. Das machen Stuten in dieser Form meist nicht. Die bewegen sich linear durch die Gegend oder sie verteidigen ihre Position gegen andere Eindringlinge, die sich nicht integrieren können. Darauf müssen wir beim Training auch Rücksicht nehmen.

Wenn du noch mehr Marlie willst – nächste Woche erscheint ein ausführliches Interview zu seinen konkreten Trainingsideen mit ihm

Ostseewind und Pferdeschnauben – die Pension Marlie

Reiterpension Marlie

Reiterpension Marlie

Ostseewind, Meeresrauschen und ein schönes altes Klinkerhaus in Scharbeutz. Urlaub bei Wolfgang Marlie macht auf jeden Fall Spaß. Die Gegend ist wunderschön und die Pension strahlt Gemütlichkeit aus. Jeden Abend beim Abendessen wird gefragt was der Gast am nächsten Tag reiterlich machen möchte. Ich zum Beispiel wünsche mir Sitzschulungen und eine Bodenarbeitsstunde mit dem Chef.

Wenn ich schon bei Wolfgang Marlie zu Gast bin, will ich auch wissen, wie er mit den Pferden arbeitet. Meine Wünsche werden alle erfüllt – neben der Bodenarbeitsstunde mit Wolfgang, bekomme ich wunderbaren Unterricht von einer Feldenkreis – inspirierten Reitlehrerin und darf auf Franklin-Bällen reiten. Beides ist grandios für den Sitz.

Der Praxistest: Meine Bodenarbeitsstunde mit Wolfgang Marlie

Wolfgang Marlie erklärt mir in der Stunde, wie er Kommunikation und Vertrauen erarbeitet. Seine Philosophie ist klar: Vertrauen als Bindeglied und Spaß am Zusammensein mit den Pferden. Gleichzeitig sieht er sich auch den Menschen genauer an. Er bittet mich mit dem Pferd in der Halle etwas zu machen und schaut mir einfach dabei zu. Ich bin gehemmt, weil ich einen Zuschauer habe und Wolfgang bemerkt diese Hemmung sofort.

Er spricht mich darauf an und als ich ihm sage, dass ich dazu neige zuviel zu denken, statt manchmal einfach zu machen, sagt er mir einen zweiten Schlüsselsatz, den ich mir mit nach Hause nehme:

Es ist okay, wenn du denkst. Lass dir das nicht nehmen. Nur wer nachdenkt hat auch Fragen und nur wer Fragen hat entwickelt sich auch weiter.“ (Wolfgang Marlie)

Ein entspannender und schöner Gedanke, den ich mir gerne mitnehme aus der Stunde.

Reiterpension Marlie - Wolfgang Marlie Freiarbeit

Zurück zur Bodenarbeitsphilosophie

Wolfgang will, dass wir die Pferde nicht überfordern. Wir erzeugen aus seiner Sicht Vertrauen, indem wir zeigen, dass wir führen können. Treiben ist die Kommunikation, die Pferde aus seiner Sicht vor allem verstehen – über das Treiben und Pausieren erzeugt er Klarheit und schafft Vertrauen. Treiben kann bei ihm auch das Heben des Hufes oder das Anlegen der Hand an die Nase sein. Treiben kann aber auch das Vertreiben sein, auch mit Gertensignalen oder starker Körperenergie. Im Grunde reden wir von Energie, Druck und Körpersprache.

Leckerli als Motivator oder als Einstieg in die Kommunikation findet Wolfgang Marlie durchaus legitim, gleichzeitig besteht er auf klaren Signalen. „Führung mit Mitspracherecht“ nennt er das.

Kopfkontrolle als Technik

Ein wichtiger Punkt (der mir neu war) auf seiner Liste ist der Pferdekopf. Er sagt, dass Pferde ihren Kopf zur Kontrolle nutzen und wir den Pferden Sicherheit und Halt über die Kontrolle des Pferdekopfes geben können. Wenn sie uns ihren Kopf anvertrauen, vertrauen sie uns auch viel eher den restlichen Körper an. Wobei er den „Halt“ durchaus auch einfordert und ein Stückweit „erzwingt“. Das ist ein zu scharfes Wort, wenn es so geschrieben steht – deswegen die Anführungszeichen.

Reiterpension Marlie - Wolfgang Marlie Freiarbeit

Was ich meine ist, dass er das Pferd auch in den „Halt“ drängelt, bis es dann in Kopf und Körper nachgibt. Das wäre zum Beispiel nicht mein Weg, weil ich will, dass das Pferd zu mir in den Halt kommt. Da scheiden sich bei der Bodenarbeitsstunde auch die Geister bei uns beiden. Ich bitte das Pferd zu mir zu kommen und mir zu folgen. Wolfgang findet, dass ich das Pferd gelockt habe und mir lieber über das Treiben eine Verbindung suchen soll.

Er zeigt mir seine Idee an Brokat – ein hübscher Schecke, der erst seit kurzem am Stall ist. Brokat ist neugierig und interessiert, wendet sich aber auch schnell wieder ab, weil er vermutlich wenig Vertrauen in das hat, was vom Menschen kommen könnte.

  • Wolfgang Marlie nähert sich an lässt das Pferd an seiner Hand schnuppern und greift dann nach Brokats Kopf
  • Er gibt mit der einen Hand Druck mit beiden Fingern auf die Nase und streichelt das Pferd gleichzeitig mit der anderen Hand am Kinn
  • Nach und nach beginnt er den Kopf des Pferdes zu bewegen. Nach rechts und links. Nach oben und unten.
  • Er stellt und biegt den Pferdekopf
  • Dabei macht er immer wieder Pausen und streichelt das Pferd
  • Er hält es nicht krampfhaft fest, lässt ihm aber auch wenig Raum den Kopf wegzubewegen

Vieles erinnert mich an der Art der Bodenarbeit sehr an die Konzepte von Natural Horsemanship. Treiben statt Folgen. Druck und Pause als Kommunikationsmittel und Energie über eine zum Teil ziemlich energetische Körpersprache in einem eingegrenztem Raum.

Reiterpension Marlie - Wolfgang Marlie Freiarbeit

Wolfgang Marlie spielt „wer bewegt wen“ mit den Pferden und gibt sich selbst als Ruhepol in der Mitte. Da ist für mich manchmal zu viel Forderung und zu wenig Bitte, aber ich bin auch bekennende „Wattebauschwerferin“.

Das Timing stimmt und er kann Pferde lesen. Das merkt man seiner Bodenarbeit an. Er ist klar in seiner Körpersprache und die Pferde wissen sehr schnell, was sie bekommen. Manchmal regt er mir fast schon zu sehr auf als an – aber auch das ist mein persönlicher Blickwinkel. Gleichzeitig spürt man immer wieder auch mal seine Biographie durchschimmern.

Er kommt aus einer Zeit in der man sehr hart mit den Pferden umgegangen ist und hat über die Jahre sicher Sanftmut in sich gefunden für die Pferde. Man spürt die Liebe zu den Tieren. Trotzdem ist mein Begriff von „Sanftmut“ noch ein anderer als seiner und ich würde ihm nicht in allen Theorien zustimmen. Gleichzeitig nehme ich viel Inspiration, Anstöße zum Nachdenken und Gedanken einfach wertneutral für mich mit und überlege mir, was ich für mich daraus mache.

Kurzes Fazit zum Reiturlaub in der Pension Marlie

Die Schulpferde reagieren sehr fein auf Stimmsignale, kein Reiter muss Schenkel oder Zügel einsetzen, man kann mit Gewichtshilfen und Stimmhilfen reiten und sich so ganz auf den eigenen Sitz, die Übungen und die Reitstunde konzentrieren. Die Pferde werden zunächst gebisslos geritten, damit niemand Unerfahrenes am Maul zerren kann und jedes hat natürlich seine eigene passende Ausrüstung. Sie stehen in einem Winterpaddock in der Herde und kommen nur nachts in die Box.

Die Stimmung ist positiv und wohlwollend, die Reitlehrer erklären sanft und geduldig, es liegt ein Lächeln und Spaß an der Sache in der Luft. Wichtig ist den Trainern und Wolfgang vor allem Angst zu nehmen und Mut zu machen. Alles wird in sehr kleinen Schritten erklärt und keiner darf aufs Pferd, der nicht vorher mindestens eine Stunde Bodenarbeit gemacht hat um sich dem Wesen der Pferde etwas mehr anzunähern. Das würde ich mir für alle Reitschulen wünschen. Zumal Bodenarbeit hier auch bedeuten kann, dass der Schüler eine Stunde lang das Pferd streichelt oder putzt oder nur zwei Meter nach rechts oder links bewegt, weil auch viele Menschen ohne Pferdeerfahrung oder mit Ängsten kommen, die sie abbauen wollen.

Wir Schüler werden nicht bewertet, sondern bekommen Ideen, Inspiration und Hinweise. Es gibt für jeden Schüler eine Einführung, die immer mit der Bodenarbeit startet, weil viel Wert auf die Kommunikation und Beziehung mit dem Pferd gelegt wird. Nichts wird übereilt, Fragen dürfen jederzeit gestellt werden und das Wissen wird freigiebig geteilt. Die Pension ist sehr gemütlich und Karli, die Seele des Hauses, gibt uns zusammen mit ihrem Personal jeden Tag das Gefühl ein herzlich willkommener Gast zu sein. Es ist sehr einfach sich in der Pension wohlzufühlen.

Es kommt aber immer wieder vor, dass die Schulpferde bis zu vier mal pro Tag Unterricht gehen müssen. Da der Unterricht Schritt für Schritt und im positivsten Sinne langsam vorangeht und zum Teil eben auch in der Bodenarbeit besteht, überarbeiten sich die Pferde dabei nicht. Nur mag ich die Botschaft ans Pferd nicht so gerne. Es wird ja viermal rausgeholt, zum Teil auch viermal gesattelt und muss so viermal mit einem fremden Menschen in Kommunikation treten – egal ob bei der Bodenarbeit oder beim Reiten. Es wäre für mich nicht besonders schön, wenn ich mir vorstelle, dass ich gerade Feierabend gemacht habe und schon wieder ruft ein neuer Kollege an, der mich ins Büro bittet.

Mir fehlt der tägliche Koppelgang – was ein bisschen dem Platz geschuldet ist. Auf meine Nachfrage erfahre ich dann, dass die Pferde eine Weide haben und dort auch immer wieder Wochenweise hindürfen. Mehr wäre schon schöner, denke ich. Wie so vieles andere, sobald Pferd nicht heißgeliebte Privatpferde sind und sie einen Job als Schulpferde haben. Das ist ja immer ein Dilemma. Mehr Bemuskelung, mehr Gymnastizierung, mehr Freizeit – wäre ja alles immer schön. Aber letztlich ist es immer noch ein Reitbetrieb, der funktionieren muss.

Aber das Reiten ist – so wie ich es erfahren habe – der pferdefreundlichste Reitunterricht, den ich bei einer Reitschule bislang erlebt habe. Die Pferde reagieren fein im Unterricht und sind den Menschen gegenüber durchaus freundlich und interessiert. Sie äußern auch ihre Meinung. Das zeigt mir, dass sie das dürfen und darauf geachtet wird, wie es ihnen geht und was sie fühlen.

Dank des Systems der Stimmhilfen funktioniert das eben ohne Zügelzerren oder klopfende Schenkel. Und das wiederum macht den Unterricht sehr pferdefreundlich. Außerdem erfahre ich von einer Trainerin, dass die ganzen Schulpferde dem Hof geschenkt wurden. Es sind oft also auch Pferde mit einer Vergangenheit, die natürlich auch die Blessuren dieser Vergangenheit in sich tragen. Umso erstaunlicher ist, wie entspannt die Pferde alle sind.

Buchrezension „Pferde wie von Zauberhand bewegt“

„Pferde sind dann wie von Zauberhand bewegt, wenn sie mit einem zärtlichen Gefühl geführt werden. Es ist die Kunst, sich in ein Pferd zu verlieben oder das Glas immer als halb voll statt als halb leer anzusehen“ (Wolfgang Marlie)

Das Buch ist eine Biografie. Eigentlich. Denn viel mehr liefert es immer wieder Gedanken und Ideen von dem bekannten Pferdetrainer und Autor für eines meiner Lieblingsmagazin – die “Feine Hilfen”* – Wolfgang Marlie zum Pferdetraining und zum Umgang mit den Pferden.

Geschrieben hat das Buch Ulrike Bergmann, die den Pferdetrainer Wolfgang Marlie seit vielen Jahren kennt.Er ist Mitte 70 zu dem Zeitpunkt als das Buch herauskommt und blickt auf viele Jahre Pferdetraining und Entwicklung in der Pferdewelt zurück. Neben seinen Erlebnissen mit den Pferden, den Treffen mit Trainern wie Fredy Knie, Paul Stecken oder Egon von Neindorff erzählt er auch von seiner Kindheit, den ersten Jahren mit Pferden und seiner Ausbildung zum Reitlehrer in einer FN-Kaderschmiede. Aber er beschreibt auch seinen Weg zu einem anderen, sanfteren Umgang mit den Pferden, von Begegnungen mit Pferdeflüsterern und wie sie seinen Weg mit den Tieren verändert haben. Was bedeutet Führung? Was wollen die Pferde von uns und was brauchen sie? Wie sollten wir mit ihnen umgehen und was müssen wir von uns selbst geben. Ich liebe seine Gedanken zum Thema „Führung“ oder „Fairness“ – die Ehrlichkeit mit der er beschreibt zu welchen Einsichten er gekommen ist.

“Pferde – wie von Zauberhand bewegt” bekommst du HIER*

SOGENANNTE TRAININGSMETHODEN – ANNODAZUMAL

Denn angefangen hat bei ihm alles ganz anders. Klassisch. Mit Reitstunden in großer Runde und einem Reitlehrer der sicher auch das Durchsetzen am Pferd gepredigt hat. Er schreibt davon, dass man damals bissigen Pferden eine heiße Karotte gegeben hat, damit sie sich das Maul verbrennen und nicht mehr beissen. Grauenvoll, dass das als Pferdetraining galt.

Da kann man sich gut vorstellen, wie die sonstigen Trainingsmethoden aussahen. Aber das Leben ist immer ein Weg und wir lernen jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde neu dazu. Dann wenn wir offen bleiben, begeisterungsfähig und neugierig. Wenn wir tolerant sind und andere Wege genauso gelten lassen, wie unseren eigenen. Dann finden wir immer neue Impulse und Ideen, die wir in unser Tun einfließen lassen können. Und dann stehen wir irgendwann da, als Erwachsene, und erkennen, was wir falsch gemacht haben. Dann können wir es besser machen. Genau diesen Weg vom klassischen „FN-artigen“ Reiter zum pferdefreundlichen Trainer und Kommunikator erzählt Wolfgang Marlie.

Wolfgang Marlies Cover Pferde wie von Zauberhand bewegt blick ins Buch

VON FEHLERN UND WOZU SIE GUT SEIN KÖNNEN

Ich persönlich finde ja, dass der einzige Fehler, den man machen kann, seine Fehler immer weiterzuführen. Niemand ist perfekt und wir alle zucken sicher auch mal zusammen bei dem Gedanken, wie wir hier und da schon mit Tieren umgegangen sind. Weil wir es nicht besser wussten oder weil die Trainer uns genau das geraten haben. Aber schlimm ist nur, wenn wir nicht daraus lernen, die Augen verschließen und weitermachen, weil wir uns die Fehler nicht eingestehen wollen.

Das sorgt dann oft für eine unglaubliche Abwehr gegen jede Form des „neuen“ oder der „Kritik“ oder der „Auseinandersetzung“. So hat auch Wolfgang Marlie erlebt, dass es Beschwerdebriefe gegen ihn bei der FN wegen Tierquälerei gab, weil er in einer Zeit von „dahingegebenem Zügel“ sprach in der Anlehnung mit Zügelzug das einzig Wahre war. Ich glaube, dass darin vor allem die Angst der Menschen vor Neuem steckt und davor sich eingestehen zu müssen, dass man unter Umständen jahrelang zu brutal mit einem Tier war, das man ja eigentlich liebt. Es ist nur schade, wenn man lieber die Augen verschließt, statt sich den Fehler einzugestehen und es dann besser zu machen.

Zumal wir ohnehin gerne viele Regeln für andere haben und nicht ganz so viele für uns. HIER in dem Artikel beschreibe ich, warum Regeln nicht nur für mein Pferd gelten

Wolfgang Marlie nimmt uns zusammen mit seiner Co-Autorin Ulrike Bergmann mit auf diese Reise der Fehler, der Erkenntnisse und der Veränderung und ist damit Inspiration über die eigenen Fehler nachzudenken, zu erkennen und zu verändern. Er beschreibt seine ersten Reitversuche, seine Kindheit, seinen Umgang als Jugendlicher mit den Pferden, sein Reiten mit Muskelkraft, statt mit feinen Hilfen und letztlich auch die Momente der Erkenntnis. Das finde ich beruhigend ehrlich und mag die Art und weise, wie er von seiner Vergangenheit erzählt ohne sich selbst zu geißeln. Er beschreibt welche Trainer ihn beeinflusst haben, wie er mit Leckerli, Lob und Leitlinien umgeht. Was für ihn feine Hilfen bedeuten und wie er den Umgang mit seinen Pferden pflegt.

HIER findest du zum Beispiel einen Artikel zum Thema “Umgang und Regeln” mit Pferden – in dem ich mir Gedanken um Lob und Leitlinien gemacht habe

Kennst du das auch, wenn du ein Buch liest und beim Lesen so ein warmes und wohliges Gefühl bekommst. So eine Art „Zuhause“-Gefühl, das dir zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist oder dieses Buch und diese Zeilen, dir einen weiteren Schritt auf deinem Weg zeigen können? So geht es mir beim Lesen immer wieder.

Wolfgang Marlies Cover Pferde wie von Zauberhand bewegt blick ins Buch Bilderstrecke

Dann wenn er zum Beispiel schreibt:

„Wenn man sie führen möchte, sollte man das mit Überzeugung tun. Man kann Pferde für jede Idee gewinnen, wenn man selbst überzeugt davon ist. Pferde sind zu 100% bereit Verantwortung an jemanden abzugeben, den sie für kompetenter halten als sich selbst.“
(Wolfgang Marlie)

Oder:

„Außerdem gehe ich heute davon aus, dass Pferde nur aus zwei Gründen nicht das tun, was wir uns wünschen: Entweder, weil sie nicht verstehen oder weil sie Angst haben. Sie dafür zu bestrafen, zusammenzuziehen, zu verhauen, ihnen unsere Zuneigung zu entziehen, sie in irgendeiner Form zu bestrafen – es ergibt für mich keinen Sinn mehr. Das ist einfach gesagt, aber natürlich schwer umzusetzen. Wenn das bisher verladefromme Pferd einfach nicht auf den Hänger will oder man zum Beispiel vor Publikum scheitert. Dann wird aus Schatzi ziemlich schnell ein Mistbock. Dabei sachlich und dem Pferd selbst dann zugewandt zu bleiben das macht für mich heute den echten Pferdefreund aus.“ (Wolfgang Marlie)

Oder:

„Ich bin mir sicher, dass sich Pferde gerne auf Ausflüge und Abenteuer mit Menschen einlassen. Sie sind von Natur aus neugierig und brauchen, wie wir auch, gewisse Herausforderungen. Wichtig ist dabei, dass wir die Rahmenbedingungen so organisieren, dass Zwei- und Vierbeiner ruhig gefordert aber niemals überfordert werden.“ (Wolfgang Marlie)

Oder:

„Klar sein, geht vor beliebt sein bei Pferden. Wenn die Leitstute ihre Herde irgendwohin führt, ist vorher geklärt, dass sich die Pferde ihrer Führung anvertrauen. Hält sich ein einzelnes Pferd nicht daran, muss es mit den Konsequenzen leben. Unerwünschtes, unpraktisches, die Sicherheit der Herde gefährdendes Verhalten hat Konsequenzen. Und jetzt kommt der kritische Punkt: weil Pferde miteinander nicht gerade zärtlich sind, heißt es oft, wir Menschen müssten sie nur mal ordentlich verprügeln, dann würden sie uns schon verstehen. Dabei ignorieren wir, welch feines Frühwarnsystem Pferde benutzen, wie berechenbar das Verhalten der Leitstuten für die Herde und wie komplex das menschliche Verhalten für Tiere ist. Wir sind es nicht gewöhnt, so einfach zu denken wie Pferde, verwirren sie oft mit hundert Informationen gleichzeitig und machen ihnen damit unbeabsichtigt Angst.“ (Wolfang Marlie)

Das ganze Buch aus dem die Zitate sind: “Pferde – wie von Zauberhand bewegt” bekommst du HIER*

WAS DIE FN IN DIESEM BUCH ZU SUCHEN HAT

Zum Schluss setzt sich Wolfgang Marlie auch noch mit den Richtlinien der FN auseinander. Da gibt es ja die berühmte Skala der Ausbildung, die aus verschiedenen Stufen besteht. Was ich besonders liebe ist, dass er der Skala eine weitere Stufe hinzufügt und eigene Interpretationen zu den einzelnen Stufen liefert.

Seine erste Stufe ist die der Freundschaft und des Engagements. Noch vor Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten und Versammlung steht die Freundschaft. Sie ist die Basis für all das, was noch kommen kann. Nur wenn Pferd und Mensch miteinander reden, und im Einklang sind, kann das Pferd losgelassen und taktvoll sein. Das ist so unglaublich logisch. Wie soll ein unsicheres Pferd, das seinen Mensch nicht versteht, den Sinn und die Offenheit für Schwung und Takt haben? Bei der Losgelassenheit erwähnt er die Psyche des Pferdes als wichtigen Punkt – die FN betrachtet ja vor allem den Körper. So nimmt er der Reihe nach die verschiedenen Stufen der Ausbildungsskala in seinem Buch durch und interpretiert sie neu. Das ist ein lesenswertes Kapitel.

„Früher reichte es mir, wenn ich die Pferde dazu bekommen habe, das zu tun, was ich von ihnen wollte. Heute möchte ich, dass sie es gerne tun.“ (Wolfgang Marlie)

FAZIT: “PFERDE – WIE VON ZAUBERHAND BEWEGT”

Überhaupt schmökert sich das ganze Buch in einem Rutsch durch. Weil es eine Mischung aus Trainingsleitfaden und Biografie ist. Es ist locker geschrieben und liest sich angenehm. Die Gedanken und Ideen dazwischen, lassen einen immer wieder innehalten und nachgrübeln, den eigenen Standpunkt hinterfragen und durchdenken. Ich mag es wenn Bücher mich anregen und inspirieren während ich sie lese.

Zum Schluss ende ich mit einem schönen Satz aus dem Buch, der zeigt, wie Wolfgang Marlie sich verändert hat im Verlauf seines Reiterlebens. So einfach und doch so groß:

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Feines Pferdewissen für Pferdefreunde

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9 Kommentare

  1. Ganz lieben Dank für dieses Interview, Petra!
    Ich plane für den Frühling einen Urlaub bei Wolfgang Marlie und merke, dass sich seine Einstellung nicht mit meiner deckt. Die leicht provokanten Fragen, die du ihm gestellt hast, haben mir aus der Seele gesprochen. Seine Kommentare zum Treiben erinnern mich an etwas, das Bernd Hackl mal über diverse Reitlehrer gesagt hat ("Jetzt hast du ihn. Treiben, treiben!" – anstatt erstmal mit dem zufrieden zu sein, was das Pferd von sich aus zu geben bereit ist.)
    Den Urlaub werde ich trotzdem dort machen, denn zumindest scheinen es die Pferde im Vergleich zu vielen anderen "Reiterhöfen" bei ihm recht gut zu haben. Auf einigen Homepages sieht man direkt Sperrriemen auf den Fotos oder den Slogan "Das Wohl unserer Tiere liegt uns besonders am Herzen" über einem Foto von einem völlig verschnürrten Pferd mit, aus meiner Sicht, panischem Ausdruck in den Augen.
    Mein großes Vorbild ist Sandra Schneider, aber ich kann mich schlecht eine Woche auf dem Rosenhof einnisten :-D.
    Es kann auch sein, dass ich etwas zu blauäugig bin, wenn ich mir vorstelle, mit meinem zukünftigen Pferd nur mit Sidepull ins Gelände zu reiten, aber eins weiß ich sicher: Bevor ich Hilfsmittel wie Kandare, Ausbinder oder Sperrriemen brauche, lasse ich es lieber ganz.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Hallo liebe Kerstin, dann bin ich mal gespannt auf deine Erfahrungen und schicke dir viele liebe Grüße, Petra

  2. Hallo Petra,
    mich interessiert Dein persönlicher Eindruck beim Vergleich von Wolfgang Marlie und Honza Bláha:
    Wer arbeitet mit mehr Druck (Stärke, Dauer)?
    Wer zeigt bessere und präzisere Zeitverhalten (Timing)?
    Wer produziert den eleganteren Tanz/das schönere Ergebnis mit dem Pferd?

    1. Hallo lieber Jörg, das ist ganz schwer zu beurteilen. Trainer zu vergleichen, vor allem, wenn man sie nur einen Tag oder zwei erlebt hat ist wirklich schwierig. Ich würde sagen, dass beide ein sehr gutes Timing haben und beide mit Druck arbeiten. Aber jede auf eine eigene Art. Ein Tanz ist es bei beiden – aber schon mit einem dominanten Tanzherren – würde ich sagen. Honza ist mehr Cowboy, Wolfgang mehr Gentleman. Insofern – sie nehmen sich nichts, aber jeder auf seine Art und Weise. Viele liebe Grüße, Petra

  3. Liebe Petra,
    wieder ein sehr interessantes Interview. Auch wenn ich definitiv aus einer anderen Ecke komme, konnte ich hier wieder ein paar Denkanstöße mitnehmen.
    Was ich anders sehe ist, dass ich dem Pferd eine Situation unbequemer machen muss, damit es sich aus seiner Komfortzone bewegt. Das erlebe ich bei meinem Ponymann ganz anders. Er hat einen starken Willen und sagt deutlich, wenn er etwas gut findet oder wenn nicht.
    Er arbeitet aber immer begeistert mit, wenn die Übung ihm entweder einfach total viel Spaß macht (z.B. Ball spielen) oder sie ihm einen anderen Nutzen wie z.B. mehr Beweglichkeit bringt. Er muss für sich einen Sinn in der Übung sehen und dann ist er auch dabei. Findet er diesen für sich nicht, dann hat er auch überhaupt keine Motivation.
    Das macht das Training manchmal schwerer, denn ich muss mir immer überlegen wie ich ihm Übungen so näher bringe, dass er möglichst schnell erkennen kann, was sie ihm bringt. Das Schulterherein hat er z.B. sehr schnell gelernt, weil er schnell gemerkt hat, dass ihn das beweglicher macht. Er fragt manchmal selber nach, ob wir das nicht üben können. Ich habe einen Baumstamm auf dem Paddock liegen an dem ich immer wieder beobachten kann, wie er selbständig das bewusste Drüberschreiten übt. Hier gewinnt er an Körpergefühl.
    Das Kruppeherein können wir nach wochenlangem Üben noch immer nicht. Warum? Weil ich noch nicht den richtigen Ansatz gefunden habe es ihm so beizubringen, dass er versteht, was es ihm bringt. Ich habe bisher versucht es ihm über das Hüfttarget zu erklären. Er sieht für sich aber keinen Sinn in dieser Übung. Das Hüfttarget macht ihm keinen Spaß (er kaspert halt einfach gerne rum) und er zieht für sich auch keinen anderen Nutzen aus der Übung. Also will er nicht richtig und das macht es sehr zäh.
    Jetzt könnte ich natürlich mehr Druck machen und versuchen ihn zu überzeugen, denn ich bin mir sicher, wenn er das Kruppeherein begriffen hat, wird er wieder das Mehr an Beweglichkeit für sich entdecken und die Übung gut machen. Das ist für mich aber nicht der Weg. Das wäre einfach, aber ich versuche nun einfach einen anderen Weg zu finden, wie ich ihm diese Übung erklären kann und zwar so, dass er Spaß daran hat und motiviert mitmacht. Oftmals dauert das länger und ist komplizierter, aber ich freue mich, wenn ich einen Weg finde, der die Motivation meines Ponys erhält. Dafür gehe ich gerne Umwege.
    Liebe Grüße
    Miriam

    1. Hallo Miriam, das ist ja "lustig", was du am Schluss über das Kruppeherein schreibst… Wir haben eine ähnliche Blockade beim Renvers, das ja im Prinzip nur ein "umgekehrtes" Travers ist… Irgendwie schaff ichs nicht, die Hilfen so ans Pferd zu bringen, dass er kapiert, dass es die gleiche Bewegung ist, nur halt zur Bande hin und nicht zur Bahnmitte…
      Das mit der Komfortzone unterschreib ich dir, da hängt er (glaub ich) noch ein bisschen an den ganz alten Denkmustern, dass Reiten/etc. halt "Arbeit" ist, die keinen Spaß macht (darum liest man auch oft, das Pferd auf!jeden!Fall!immer! mit ausreichend Pausen zu "Belohnen"). Je nachdem, wie aber das "Training" aufgebaut ist, ist das Pferd ja eh motiviert und dann hab ich dieses Komfortzonenthema gar nicht…

    2. Liebe Miriam, was für ein schöner Gedanke. Ich finde, dass dein Ponymann es ziemlich gut bei dir hat und er ist ja auch so eine freche neugierige und wunderbare Persönlichkeit. Ich glaube schon, dass es auch Pferde gibt, die den Halt einer klaren Ansage brauchen, um Verantwortung abgeben zu können – aber immer in Maßen. Ich zweifle auch noch sehr an dem Modell des "Kratzens an der Komfortzone", das ja gerade im Horsemanship und in vielen anderen Trainingsideen verbreitet ist. Deinen Ansatz finde ich sehr spannend. Ich muss da mal ein bisschen drüber grübeln, ob ich da mit meinem Pferd beispielsweise auch Möglichkeiten hätte oder ob sie das als Inkonsistenz betrachten würde, die ihr wiederum Unsicherheiten verursacht. Auf jeden fall vielen lieben Dank für deinen Kommentar und deine bereichernden Gedanken zum Thema. Alles Liebe und bis bald, Petra

  4. Hallo Petra, ein sehr interessantes Interview!
    Ich habe auch das Buch gelesen (Pferde – wie von Zauberhand bewegt), konnte damit aber, ehrlich gesagt, nicht so viel anfangen, zusammen mit dem Interview rückt es sich gerade ein bisschen besser zurecht in meinem Oberstübchen ;)
    Er hat seinen eigenen Weg gesucht (und gefunden), irgendwo in dem riesigen Graubereich zwischen positiver Verstärkung (über die er sich vllt nochmal informieren sollte ;) ) und den Horsemanship-Methoden (die ja meist über Druckstufen arbeiten). Es ist ihm anzumerken, dass er die Art und Weise, wie mit Pferden umgegangen wird, positiv zu Gunsten der Pferd verändern möchte und das ist schon sehr viel!
    Auch die pos. Verstärkung kennt Signale, auf die das Pferd hin bestimmte Reaktionen anbieten soll (die Intensität entspricht ungefähr dem, was Herr Marlie selbst beschreibt mit "wie es Sonne, Wind und Regen schaffen können" – Sylvia Czarnecki schreibt "milde störend"), ausschließlich über das "freie Formen" arbeiten wohl die wenigsten.
    Und für viele Pferde ist es schon eine "Erleichterung", wenn das Signal nur wiederholt, nicht aber die Intensität gesteigert wird.

    1. Hallo liebe Chrisa, ja deine Gedanken kann ich sehr nachvollziehen. Ich hatte nach dem Buch auch andere Erwartungen als ich dort war. Aber auch wenn ich nicht alle Ansichten teile, finde ich sie trotzdem interessant. Und ein paar Gedankengänge habe ich mir auf jeden Fall mitgenommen. Nur nicht zur positiven Verstärkung ;-) Da hast du Recht, das dachte ich auch beim Interview. Wollte aber jetzt keine Trainingsmethode durchdiskutieren oder belehren, sondern weiter über Wolfgang Marlies Ansichten reden. Auf jeden Fall lieben Dank für deine Gedanken und ganz liebe Grüße, Petra

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