Ein leises Tippen mit der Gerte in der Luft und die Hinterhand deines Pferdes bewegt sich. Eine einladende Bewegung der Schulter und das Pferd geht mit kreuzenden Beinen auf dich zu. Aufmerksam. Ein Ohr ist dir zugewandt. Es hört dir zu und will gerne mit dir zusammenarbeiten. Das alles ist eine Frage der Kommunikation und des Trainings, sagt die Pferdetrainerin und Filmpferde-Trainerin Hero Merkel. Wir müssen nur lernen, wie das Pferd angesprochen werden will und an unserer Körpersprache arbeiten. Jeder kann es lernen und jedes Pferd kann motiviert und zufrieden mitarbeiten. Hero ist knapp 20 Jahre alt. Auf dem Pferd saß sie schon vor ihrer Geburt. Ihre Mutter ist Reiterin und bis kurz vor ihrer Geburt auf dem Pferd gesessen. Hero ist schon als Baby mitgeritten und mit Pferden aufgewachsen. Sie hat bei verschiedenen Trainern gelernt und hat sich nach und nach ihr eigenes inneres System aufgebaut.

Hero Merkel - Pferdetrainerin Freiarbeit

Ruhig, gelassen, unerschütterlich

Sie ist ruhig, gelassen, unerschütterlich und sie hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Das kann ich deswegen so sicher sagen, weil Hero auch meine Trainerin ist. Einmal im Monat zeigt sie Carey und mir Kleinigkeiten und justiert meine Körpersprache. Dabei geht es manchmal nur um Zentimeter. Auch bei der Kommunikation, bei der Energie die wir ausstrahlen und generell im Zusammensein mit den Pferden.

Gleich erzählt sie im Interview, warum und vor allem wie jedes Pferd zu einem Verlasspferd werden kann. Was die wichtigsten Do’s und Dont’s in der Freiarbeit sind und wie wir es schaffen können unserem Pferd Freude an der Arbeit zu vermitteln.

Hero Merkel - Pferdetrainerin Freiarbeit

Übungsvideo für die Freiarbeit

PLUS: Übungsvideo für Freiarbeit! Hero hat sich mit ihren Pferden vor unsere Kamera gestellt und zeigt dir in einem Übungsvideo, wie du dir Seitengänge mit deinem Pferd Schritt für Schritt in Freiarbeit erarbeiten kannst.

INFO: Hero arbeitet nicht nur als Stuntfrau und macht Shows mit ihren Pferden, sondern trainiert auch mit ihren Pferden für Filme. Zum Beispiel für den Kino-Märchenfilm „König Laurin“ oder für den Tatort.

HIER kannst du mehr über den Film erfahren und HIER hat Hero Bilder auf ihrer Webseite vom Filmdreh.

Hier ist ein Video, das zeigt, wie Hero mit ihren Pferden arbeitet:

Vorher noch ein Beispiel für ein kleines AHA-Erlebnis, das Hero mir verschafft hat. Es zeigt, wie fein und klar Hero Merkel als Trainerin und Pferdefrau ist und es zeigt, die Bedeutung der Körpersprache und warum sogar Nuancen wichtig sind.

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Carey war immer wieder nicht besonders begeistert, wenn es um die Wendung der Hinterhand ging. Also: wenn ich bei ihr stand und mit einer äußeren Gerten-Hilfe wollte, dass sich ihre Hinterhand auf mich zubewegt. Nicht immer, aber manchmal wollte sie mit einfach keinen Milimeter mit ihrer Hinterhand auf mich zukommen. Sie stand einfach. Egal wie viel ich mit der Gerte getipselt habe. Ich habe mir viele Gedanken gemacht.

  • Ob sie körperliche Probleme hat. Die Osteopathin sagte „nein“.
  • Ob sie sich nicht gerne biegt und wir einfach langsamer daran arbeiten müssen. Manchmal ging es auch sehr gut.
  • Ob sie nicht versteht, was ich von ihr will. Ich habe also meinen Mann gebeten sich auf die andere Seite zu stellen und ihr zu zeigen, was ich mit meiner Gerte möchte, durch ein leichtes antippen an der Hinterhand.

Lange Rede, kurzer Sinn: Hero kam vorbei, ich habe ihr von dem „Problem“ erzählt, sie hat uns zugesehen, zufällig zeigte sich der Moment wieder und Hero meinte einfach nur: Dreh deine Schulter ein kleines bisschen nach außen. Und Carey tippelte mit der Hinterhand auf mich zu.

Was war? Ich hatte sie nur durch 2 Zentimeter Schulter blockiert, die etwas zu eingedreht Richtung Pferd war.

Diese kleine Geschichte zeigt, wie Hero arbeitet. Wie klar sie ist und wie einfach es oft ist, wenn wir an uns selbst arbeiten und uns verbessern. Ich freue mich, dass sie Carey und mich trainiert. Und jetzt freue ich mich noch mehr, dass Hero sich die Zeit für ein Video genommen hat und Tipps für dich hat. Wie du dir Seitengänge mit deinem Pferd ganz einfach und Schritt für Schritt erarbeiten kannst:

Ein Interview über Freiarbeit, feine Kommunikation und den einfachsten Weg zum Verlasspferd mit der Pferdefrau und Film-Pferdetrainern Hero Merkel

Pferdeflüsterei.de: Was macht denn gutes Pferdetraining für dich aus? Da gibt es diejenigen, die immer Gehorsam fordern oder diejenigen, die alles über Belohnung machen usw. – wie siehst du das für dich?

Hero Merkel: Wenn ich ein Pferd trainiere, darf ich nicht meine eigenen Bedürfnisse hochfahren. Ich muss mich komplett auf das Pferd einstellen. Die eigenen Befindlichkeiten sollten wir komplett außen vor lassen. wir sollten niemals unfair sein.

Ein Pferd hat definitiv manchmal bessere und manchmal schlechtere Tage und es wäre unfair, das dem Pferd abzusprechen. Für mich ist das Maß der Dinge, ob mein Pferd versucht mitzuarbeiten. Wenn es nicht kooperativ ist, kann es schon sein, dass ich mal mehr anfordere. Wenn ich aber merke, dass es heute nicht so gut drauf ist oder steif, dann akzeptiere ich auch, dass die Übung nicht so toll ist wie sonst.

Hero Merkel - Pferdetrainerin Freiarbeit

Warum Angst uns nicht weiterbringt

Pferdeflüsterei.de: Für viele stellt sich die Frage vielleicht auch, weil sie einen Wunsch nach Sicherheit haben. Deswegen hält sich der Glaube so sehr, dass wir die Pferde nur dominieren müssen, damit sie uns immer ohne zu fragen, folgen. Die andere Seite, ist die Suche nach der Partnerschaft. Da ist die reine Dominanz ja nicht förderlich. Wenn man nun dieses Vertrauen sucht und die Angst im Umgang mit dem Pferd verlieren möchte. Was kann der Mensch tun, um dem Pferd Sicherheit zu vermitteln – ohne eben stur dominieren zu wollen.

Hero Merkel: Der erste Schritt ist ein bisschen Selbstkontrolle. Wenn ich sehr nervös bin, kann das Pferd neben mir nicht gelassen und sicher sein. Gerade wenn man von Angst über Kontrollverlust spricht oder Angst hat vor der Schreckhaftigkeit des Pferdes – dann steht dahinter ja, dass der Mensch sich Sorgen macht und Befürchtungen hat. Das Pferd kann aber nicht verstehen, weshalb sich der Mensch Sorgen macht.

Das Pferd denkt, dass der Mensch sich sorgen macht, weil wahrscheinlich gleich jemand kommt, der versucht das Pferd zu fressen. Der erste Schritt, um ein gelassenes und mit dem Menschen verbundenes Pferd zu haben, ist, sich selbst am Riemen zu reissen und selbst gelassen sein und selbst nur aufs Pferd konzentriert sein. Ich mache ja auch viele Stunts und das habe ich von vielen Stuntmen gelernt: Die haben nie Angst vor Kontrollverlust. Die Pferde werden mit den Stuntmen in der Arbeit oft sehr ruhig. Weil die Stuntmen keine Angst vor ihnen haben.

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Pferdeflüsterei.de: Ich glaube auch, dass eigentlich jedes Pferd zu einem Verlaßpferd werden kann, wenn der Mensch an der Seite des Pferdes an sich arbeitet und Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.

Hero Merkel: Also ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass besonders hibbelige Pferde, wenn sie mal zum Menschen Vertrauen gefasst haben, besonders verlässlich sind. Ein Pferd, das extrem entspannt ist, das kann gar nicht üben mit seiner Angst umzugehen. Plötzlich kommt etwas und es hat noch nie dieses Gefühl von Angst gespürt und ist dann total außer Rand und Band.

So ist mein Brauner auch ein bisschen. Er ist total entspannt, egal ob der Traktor kommt oder die böse Plane – es ist alles egal. Wenn dann aber etwas kommt, wovor er Angst hat, ist das total hart für ihn, weil er dieses Gefühl gar nicht kennt. Bei Pferden, die eher Angst haben, kann man mit dem Pferd arbeiten und ihm zeigen, was es mit seiner Angst machen kann oder wie man als Team dadurch gehen kann.

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Pferdeflüsterei.de: Wie arbeitest du mit der Angst des Pferdes?

Hero Merkel: Ich glaube, je softer, desto besser. Ich setze mich schon durch, weil das Pferd in mir eine verlässliche Führungsposition braucht. Sonst geht es nicht. Es muss anknüpfen und Vertrauen schöpfen können. Aber ich halte nichts davon, das Pferd auf Teufel komm raus durchzudrücken. Aber das Pferd muss sich mit dem Angstgegenstand damit beschäftigen.

Das bedeutet, solange das Pferd in die Richtung schaut, ist alles in Ordnung. Sobald es wegschaut, versuche ich es wieder näher hinzutreiben. Das Pferd darf jederzeit stehen bleiben und wenn ich frage, ob es vorwärts geht, darf es auch mal einen Zentimeter vorwärts gehen. Aber es darf nicht rückwärts gehen. Dann werde ich standfester und sage: Nö, wir beschäftigen uns jetzt damit. Du musst nicht unbedingt näher hin, aber du musst deinen Geist damit beschäftigen und dich damit auseinandersetzen.

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Pferdeflüsterei.de: Mit jeder gemeisterten Aufgabe wird es dann selbstsicherer…

Hero Merkel: Ja, ich habe das Gefühl, dass es für das Selbstvertrauen des Pferdes ist, wenn es die Aufgabe selbst meistert. Ich schicke Pferde auch gerne alleine dorthin, wovor es Angst hat. Ganz langsam, ganz ruhig, ganz sanft – das Pferd macht kleine Schrittchen, bis es sich damit auseinandergesetzt hat.

Aber am Besten ist es, wenn das Pferd alleine durchgeht und vorgeht. Weil dann das Pferd sagen kann: Ja, ich habe es geschafft, ich kann stolz auf mich sein – und bin nicht gefressen worden.

Pferdeflüsterei.de: Tatsächlich streichle ich auch mal Angstgegenstände und lobe sie oder zaubere ein Leckerli daraus hervor – um dem Pferd klar zu machen, dass der Gegenstand gar nicht so schrecklich sein kann. Ein ähnlicher, aber doch ein bisschen anderer Ansatz.

Hero Merkel: Also, ich brauche Pferde, die ein gutes Stresssystem haben. Die auch mit neuen Situationen, hre Panik schnell wieder in den Griff bekommen. Beim Film ist es immer so, dass der Regisseur mit etwas ums Eck kommt. „Wie, hätte ich dir sagen sollen, dass da 20 Feuerkörbe in der Szene vorkommen? Och, das habe ich vergessen, das tut mir leid…“ Beim Film ist es einfach sehr oft so, dass man nicht darauf vorbereitet sein kann, weil es jemand vergessen hat, einem zu sagen. Dafür brauche ich Pferde, die sich in unterschiedlichsten Situationen sofort wieder beruhigen.

Hero Merkel - Pferdetrainerin Freiarbeit

Pferdeflüsterei.de: Wobei der Ansatz ja auch für Freizeitreiter spannend ist.

Hero Merkel: Generell versuche ich meinen Pferden nicht beizubringen, dass das nichts Schlimmes ist. Sondern ich versuche ihnen beizubringen, wie sie mit ihrer Angst umgehen zu können. Ich versuche ihnen ein Stressbearbeitungssystem einzubauen. Ich helfe ihnen schon bei der Bewältigung, aber ich gebe ihnen Sachen, die sie selber machen können.

Zum Beispiel, indem ich ihnen beibringe, langsam und geradlinig auf den Gegenstand zuzulaufen. Ich sage dem Pferd zum Beispiel: Bleib mal in der Linie und gehe gerade auf das Ding zu. Genau, wie es ein Raubtier machen würde. Außerdem wird es für Pferde viel leichter, wenn sie Gegenstände mit der Nase berührt haben. Deswegen sage ich ihnen immer, dass sie ihre Nase an den Gegenstand stubsen sollen. Meistens wird es dann auch viel besser, sobald sie den Gegenstand berührt haben.

Bei uns zum Beispiel, wenn mein Vater mit dem Golfschirm über die Weide läuft, dann kommen sie manchmal, und wollen den Schirm anstubsen. Meine Pferde haben das also wirklich schon verinnerlicht. Ich mache im Grunde auf dem Platz Anti-Schreck-Training, aber eben in einer geraden Linie und mit Nase Stubsen.

Pferdeflüsterei.de: Oder der Klassiker – einen Gegenstand wegbewegen, damit das Pferd ihn jagen kann. Das funktioniert auch super. Bleiben wir noch kurz bei dem Filmthema. Kann denn jedes Pferd ein „Filmpferd“ werden – oder braucht es da schon den richtigen Grundcharakter?

Hero Merkel: Filme kann schon jedes Pferd machen. Shows sind schon etwas anderes. So ein Filmteam hat vielleicht 30-40 Leute – das ist schon erschreckend. Aber 6000 Leute, das ist schon erschreckender. Filmpferd ist aber mit jedem Pferd zu schaffen. Weil es einfach „nur“ eine gute Beziehung braucht. Für ein Pferd ist die Situation im Film schon entspannter als bei einer Show.

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König Laurin im Kino

Pferdeflüsterei.de: Wie läuft es denn mit dir und deinen Pferden – zum Beispiel bei dem Märchenfilm „König Laurin“, der mit deinen Pferden ins Kino kommt. Bekommst du da eine Aufgabenliste?

Hero Merkel: Naja, ich lese das Drehbuch (lacht). Dann habe ich Ideen, was das Pferd machen könnte. Dann bespreche ich das mit dem Regisseur und dann erkläre ich dem Regisseur was möglich ist und was nicht. Dann übe ich es bei mir zuhause und versuche dann die selbe Übung an verschiedenen Orten zu üben.

Als Choco zum Beispiel im Tatort länger liegen sollte, bin ich ins Dorf oder in den Park und an andere Orte und habe ihn dort gebeten sich hinzulegen. Wir haben da wirklich 3-4 Wochen Liegen geübt. Damit er sich einfach an mich schließt und nicht an die Orte oder die anderen Pferde.

Aber es war trotzdem eine Herausforderung, weil er mich nicht gesehen und gehört hat. Da ich ja aus dem Bild musste. Das ist schon heftig für das Pferd, das es mir so sehr vertraut, dass es liegen bleibt, obwohl ich nicht daneben stehe.

Pferdeflüsterei.de: Das ist für ein Pferd ja schon eine größere Aufgabe. Aber gab es denn auch mal Aufgaben, bei denen du einfach nur den Kopf schütteln konntest?

Hero Merkel: Also bei dem Märchenfilm „König Laurin“, stand im Drehbuch, dass der Reiter runterfällt und im Zügel hängt und hinterhergeschleift wird. Da habe ich widersprochen, weil ich fand, dass das dem Pferd sicher Schmerzen bereiten würde. Also haben, wir uns auf den Steigbügel geeinigt.

Einmal war ich kurz davor zu sagen, dass es nicht geht. Da war schon alles aufgebaut und Bluescreen stand oben auch schon bereit. Um dorthin zu kommen, sollten die Pferde eine enge Treppe hoch und wieder runter.  Und die Pferde mussten dafür durch eine tiefhängende Plane durch, die wiederum an einem Balken hing.

Das eine Pferd hatte wirklich nur noch 3 cm Abstand vom Widerrist zu diesem Ding. Da war ich kurz davor zu sagen, dass es nicht klappt und wir es lieber lassen. Aber ich habe dann einfach mit einer kleineren Treppe probiert, ob wir das hinbekommen und ob sie Treppe laufen können. Das hat dann geklappt. Also sind wir zu der eigentlichen Treppe. Das war eine steilere Treppe mit Geländer. Das haben wir dann abgebaut und so konnten die Pferde auf den Grünstreifen daneben die Kurve gehen.

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Was Pferde brauchen

Pferdeflüsterei.de: Ist schon verrückt, dass Filmleute eine Location für Pferde aussuchen, die eine Treppe hat. Deine Pferde vertrauen dir sehr und folgen dir überallhin. Das ist toll. Und es ist etwas, was wir alle wollen. Da muss also die Beziehung stimmen. Wie baust du dir die Beziehung mit einem neuen Pferd auf?

Hero Merkel: Ich schaue, was das Pferd braucht. Es gibt Pferde, die genug Vertrauen in die Welt haben. Die brauchen wahrscheinlich eher Abwechslung. Das Pferd arbeitet ja nur, wenn ich etwas habe, was es gerne hätte. Sei es Sicherheit, dann muss ich am Vertrauen arbeiten. Oder auch Abwechslung bei einem coolen Pferd. Das ist der erste Schritt um eine gute Beziehung zu bekommen.

Es gibt Pferde, die brauchen viel Bewegung. Die freuen sich, wenn sie Bewegung bekommen. Es gibt Pferde, die brauchen jemanden, der ihnen ruhig erklärt, was sie machen müssen – dann machen sie es einmal ganz perfekt und dann muss man auch sofort aufhören. Es gibt Pferde, die haben ganz viel Sicherheit aber auch ganz viele Ideen. Die muss man dann aber wieder in die richtigen Bahnen lenken.

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Die verschiedenen Pferdecharaktere, bieten einem einfach verschiedene Möglichkeiten. Wir müssen uns einfach selber bilden, sehen, was das Pferd zu uns sagt, sie lesen lernen – und dann erkennen wir auch die Zeichen, wenn das Pferd gerade dabei ist eine Reaktion zu zeigen.

Wie oft habe ich zum Beispiel Jungpferde im Beritt – von denen es hieß, dass sie aus dem Nichts losgebockt hätten. In 80 % der Fälle ist es ein Gleichgewichtsproblem bei einem jungen Pferd. Die haben im Schritt nicht wahrgenommen, dass das Pferd schwankt. Dann sind sie getrabt und haben nicht gemerkt, dass das Pferd schwankt. Dann sind sie angaloppiert und haben nicht gemerkt, dass das Pferd schwankt. Und dann konnte das Pferd das nicht mehr halten und hat den Reiter abgeworfen.

Ich habe diese Jungpferde „Korrektur geritten“ indem ich einfach ein paar Monate Schritt geritten bin, bis sie das Gleichgewicht halten konnten. Das ist keine Vermeidungstaktik. Das Lebewesen hat einfach Zeit gebraucht, die Balance zu finden.

LESETIPP – In dem Buch über die „Tagebuch eines Pferdes“ von Sandra Schneider bekommst du genau diese Sichtweise und noch mehr Gedanken eines Pferdes. Sandra beschreibt darin das Leben eines Pferdes von der Geburt bis zu seinem Dasein als Reitpferd. Du kannst HIER reinlesen mit einer Leseprobe

Pferdeflüsterei.de: Du siehst dir also das Pferd an und schaust, wer vor dir steht und gibst dem Pferd dann das, was es braucht im Training. Das macht dann auch Sicherheit aus?

Hero Merkel: Es ist meiner Meinung nach eine Illusion, dass wir denken, das Pferd mit Halfter und Seil oder Trense halten zu können. Seile und Zügel, können reissen – eine gute Beziehung reisst nicht. Eine Beziehung ist etwas viel stabileres als ein mechanisches Hilfsmittel.

Hero Merkel - Pferdetrainerin Freiarbeit

Wenn man im Alltag ständig darüber nachdenken muss, was man brauchen könnte um das Pferd zu halten – sorgt das schon für unbewussten Stress. Und genau das kostet dann wieder Sicherheit. Wenn man sich ständig vor dem Pferd schützt, wie kann man erwarten, dass das Pferd sich nicht auch vor uns schützen will?

Es ist einfach wichtig, dass wir uns wohl fühlen. Es geht nicht darum leichtsinnig zu sein, es ist auch in Ordnung, wenn jemand den Schutz braucht und für sich haben will. Aber ich persönlich glaube, dass die größte Sicherheit die ist, die wir selbst ausstrahlen. Kein Hilfsmittel.

Hero Merkel - Pferdetrainerin Freiarbeit

Freiarbeit – was es wirklich braucht

Pferdeflüsterei.de: Wir wollen ja gerne, dass das Pferd uns freiwillig folgt. Dass wir frei arbeiten können – aber wie kann ich das erreichen und das Pferd motivieren. Es gibt ja auch Pferde, die nur „folgen“, weil sie die Konsequenzen befürchten, weil die Freiheitsdressur über starken Druck erarbeitet wird. Wie erarbeitest du dir die ersten Schritte, damit du ein Pferd hast, dem du sagst: komm folge mir, es macht Spaß mit mir?

Hero Merkel: Ich frage mal anders herum: Warum sollte es nicht mitkommen wollen? Was für Gründe gibt es? Entweder ich bin nicht interessant genug oder ich bin nicht nett genug. Wenn ich spannend bin und abwechslungsreich und dabei ein netter freundlicher Mensch für das Pferd bin – warum sollte es dann nicht mitkommen?

Pferde sind einfach „natürliche Folger“. Das ist auch der Schlüssel der Freiarbeit für mich. Ich muss den Mittelweg finden zwischen – ich mach zu viel verschiedene Sachen und überfordere das Pferd – ich mache zu wenig und langweile das Pferd – finden. Wenn ich alle Bedürfnisse des Pferdes befriedige durch meine Arbeit – dann macht es auch gerne mit.

LESETIPP – In dem Buch über die „Weisheit der Pferde“ von Susanne Kreuer kannst du mehr über die einzigartige Kommunikation der Pferde lesen. Ich LIEBE dieses Buch. Du kannst HIER reinlesen mit einer Leseprobe

Pferdeflüsterei.de: Ein Klassiker in der Freiarbeit: Angelegte Ohren. Das sieht man oft – gerade bei der Freiarbeit. Ist das ein Zeichen – nimmst du das einfach hin – ist das Konzentration aus deiner Sicht. Kurz: Wie denkst du darüber?

Hero Merkel: Ja, Pferde legen einerseits die Ohren an, um Aggression auszudrücken, um zum Beispiel ein anderes Pferd oder den Menschen wegzuschicken. Sie haben aber durchaus angelegte Ohren, wenn sie spielen oder wenn sie konzentriert sind. Das ist eine Gradwanderung. Wann ist es konzentriert und wann spielt es?

Aber auf jeden Fall gilt auch da: Wenn das Pferd wirklich die Ohren anlegt, um den Menschen anzugreifen, wird es grundsätzlich nicht mehr so gut mitmachen. Das heißt, solange ich ein Pferd habe, das immer gerne zu mir herkommt oder immer motiviert mitarbeitet – muss ich mir eher, keine Gedanken um die angelegten Ohren zu machen. Die Pferde äußern ihre Stimmung insgesamt in ihrem Verhalten.

Ich denke, wenn mein Pferd immer die Ohren anlegt und von mir wegrennt – dann muss ich mir Gedanken machen, dass es wahrscheinlich ein Ausdruck von Missmut ist. Wenn es aber zu mir kommt oder sich entspannt von der Weide abholen lässt und freudig mitarbeitet – dann muss ich mir auch keine Gedanken um die Ohren machen.

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Pferdeflüsterei.de: Dann werde ich mal die Ohren etwas weniger anstarren 😉 Vielen Dank für das Gespräch und deine Gedanken zum Thema Pferde und Verlasspferde.

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14 Kommentare zu “Freiarbeit mit dem Pferd: Tipps für eine feine Kommunikation! PLUS: Übungsvideo

  1. Angela sagt:

    Super toller und hilfreicher Bericht . Er hat mich abgeholt da ich mit meinen jungpferd gerade dran bin öfter ins Gelände zu gehen und wir auch angefangen haben auf dem reitplatz den Führstrick zu lösen um zu schauen ob er bei mir bleibt .
    Ja er bleibt 😙
    Mein Problem ist es da wir keine Reithalle oder raondpen haben läßt er sich vom ganzen Bauernhof ablenken. Und so kommen wir nur sehr langsam vorwärts.

    • Petra sagt:

      Aber: wow! Dafür, dass ihr soviel Ablenkung habt und du einen Jungspund ist das doch ziemlich toll 🙂 Ich freue mich auf jeden Fall, dass der Beitrag weitergeholfen hat. Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    wieder mal ein sehr interessanter Artikel.
    Vieles was gesagt wurde, würde ich so unterschreiben.
    Zum Thema Treppenlaufen habe ich auch noch zwei Anekdoten:
    – Mit meiner ehemaligen Reitbeteiligung war ich auf einem Wanderritt unterwegs. Plötzlich standen wir vor einer Treppe mit bestimmt 50 Stufen und keinem Weg dran vorbei. Wir mussten aber irgendwie da hoch. Während ich ihn angehalten habe und noch überlegt habe, ob wir wohl wenn ich einen Umweg reite um die Treppe rumkommen, macht er plötzlich einen Sprung nach vorne auf die Treppe und marschiert sie dann einfach hoch. Und das mit mir und vollem Gepäck. Mein Gesicht war bestimmt filmreif.
    – Mein Pony und ich waren spazieren und am Wegrand war eine Hütte. Zu der Hütte geht es drei Stufen hoch. In dem Moment kommt ein Traktor und ich habe den Hund hergerufen. Dadurch war ich kurz abgelenkt und als ich mich wieder zum Pony gedreht habe, stand er ganz stolz vor der Hütte. Ist er doch die Stufen hoch. Ich habe dann kurz überlegt, wie ich ihn jetzt da wohl wieder runter bekomme, aber noch bevor ich fertig überlegt habe, ist er einfach runter marschiert als würde er das jeden Tag machen und hat mich ganz stolz und zufrieden angeschaut.
    Manchmal können sie mehr als man ihnen zutraut, ist meine Lektion daraus.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, zwei wunderschöne Geschichten – dein Gesicht war jeweils bestimmt Gold wert 🙂 Und du hast mit deinem Fazit sicher absolut Recht – sie überraschen uns doch immer wieder. Ganz liebe Grüße an euch, Petra

    • Petra sagt:

      Sehr gerne 🙂 Das wird auch Hero sehr freuen – unsere wunderbare Trainerin in den Videos – liebe Grüße, Petra

  3. Corinna sagt:

    Liebe Petra,

    ich finde es immer wieder wunderbar, welche tollen Beiträge und Videos du zauberst.

    Viele gute Tipps und eine sehr sympatische Trainerin.

    Da möchte man doch gleich zum Stall und ausprobieren 😉

    Ein sonniges Wochenende

    Corinna

    • Petra sagt:

      Liebe Corinna, wie lieb – danke 🙂 das freut mich sehr. Ganz liebe Grüße und viel Spaß am Stall, Petra

  4. Jasmin sagt:

    Hallo Petra
    Wir schaffst du es nur immer, solche Artikel zu verfassen. Mir wurde richtig aus der Seele gesprochen.
    Es wurde davon gesprochen, wie man Pferde motiviert, frei mitzumachen. Aber ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung, wie ich interessant für mein Pony sein kann. Sie ist sehr intelligent und weiß auch, dass Gras zu fressen besser ist als mitzumachen. Wie kann ich das ändern? Hast du eine Idee?
    Lg

    • Petra sagt:

      Hallo Jasmin, das freut mich sehr – vielen lieben Dank 🙂 Bei diesem Artikel hatte ja auch die wunderbare Hero, meine Trainerin, einen großen Anteil. Interessant kanns du durch Leckerli werden, durch spannende Aufgaben, durch Lob oder Spiele oder Aktion oder Ruhe – das hängt ein bisschen von deinem Pferd ab. Wenn sie sehr intelligent ist, lernt sie auch schnell – dann kannst du zum Beispiel durch abwechslungsreiches Training spannend werden. Viele kleine AUfgaben, die sie fordern – ihr aber auch Erfolge liefern. Dann ist es auch einfach ein herumprobieren. Worauf reagiert sie? Wann schaut sie hoch? Wieviel Lob mag sie und welche Art von Lob. Immer wenn sie positiv auf etwas reagiert, kannst du das ausbauen. Ganz liebe Grüße, Petra

  5. Nejla sagt:

    Wow ich habe deine Webseite gerade gefunden! In schon 1 Beitrag hab ich schon so viel neues gelernt, was ich noch nie bisher wusste. Es freut mich ich werde immer weiter stöbern 😀 Ich bekomme eben gerade auch ein Pflegepferd und ich werde von Anfang an so sein wie es In den Beiträgen steht 🙂 Ich bin sehr überzeugt das es gut klappen wird!

    • Petra Haubner sagt:

      Hallo liebe Nejla, Wie schön, dass du über die Pferdeflüsterei gestolpert bist. Das freut uns sehr, dass dir die Seite so gut gefällt. Dann wünsche ich dir viel Spaß beim stöbern und einen super Start mit deinem Pflegepferd. Viele liebe Grüße und bis bald, Petra

  6. Melina Schmitz sagt:

    Hallo, ich möchte meinem Pferd gerne die Seitengänge am Boden beibringen. Allerdings arbeitest du mit relativ kleinen Pferden wo du mit der Gerte leichter auf der andere Seite Impuls geben kannst. Mein Pferd ist sehr groß und da wird es schwierig mit der Gerte hinzukommen. Gibt es da vielleicht noch ein paar Tricks oder andere Hilfestellungen?

    • Petra sagt:

      Hallo Malina, wahrscheinlich meinst du Kenzie, gell? Sie ist ja auch sehr klein und arbeitet mit großen Pferden. Wenn das Pferd die Hilfe verstanden hat, reicht es wenn man die Gerte über dem Pferd schweben lässt. Du musst auch nicht zwingend auf der anderen Seite tippen – wichtig ist nur, dass dein Pferd versteht, was du willst. Ich persönlich tippe zum Beispiel oben auf die Hinterhand – knapp auf der gegenüberliegenden Seite, wenn ich will das mein Pferd mit der Kruppe hereinkommt. Das könnte ich auch bei einem Riesenpferd so machen. Du kannst dir zum Beispiel eine Hilfe suchen, um deinem Pferd zu zeigen, was du willst. Wenn du jemanden dazunimmst, der sich auf die andere Seite stellt und gleichzeitig mit dir die Hilfe gibt. Dann versteht dein Pferd erst einmal, dass es zum Beispiel die Kruppe hereinnehmen soll oder einen Seitenganz auf dich zu machen soll. Hat es das verstanden, kannst du die Person bitten wegzugehen. Und gibst nur noch deine Hilfe oben an der Kruppe. sobald dein Pferd auch nur in die richtige RIchtung denkt – also einen Schritt auf dich zu macht oder eine Gewichtsverlagerung – lobst du es als ob es kein Morgen gäbe. Nach und nach wird es vermutlich verstehen, dass es einen Seitengang auf dich zu machen soll, wenn du die Gerte oben an die Kruppe tippst. Das wäre mein Weg, wie ich es versuchen würde. Viele liebe Grüße auf jeden Fall und bis bald, Petra

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