Gefühle bei Pferden

Gefühle bei Pferden: 3 überraschende Ergebnisse aus der Forschung

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Der ganze große Artikel für dich auf einen Blick

Gefühle bei Pferden sind ein riesengroßes Thema unter Pferdemenschen. Denn wir alle wollen doch, dass unser Pferd uns mag. Aber können wir wirklich etwas Besonderes für unser Pferd sein? Wie nehmen Pferde unsere Gefühle wahr und wie fühlen Pferde selbst? Sind sie eifersüchtig? Haben sie Freundschaften? Welche Gefühle sind typisch für Pferde? 

Im Artikel fassen wir dir die aktuellsten Studien aus der Forschung zusammen und liefern dir alle wichtigen Fakten zu diesem Thema. 

Pferde sind Gefühlswesen. Darüber sind wir uns einig, richtig? Sie sind als Herdentiere geeicht darauf Gefühle zu erkennen, zu deuten und dann entsprechend zu interagieren. Sie kommunizieren untereinander und mit uns Menschen über Emotionen, Körpersprache und Energie. Das beherrschen sie unglaublich gut. Das ist Fakt. Bist du einverstanden? Perfekt! Dann lass uns das Ganze weiterdenken. 

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Gefühle bei Pferden

Die wichtigsten Basics auf einen Blick

Wenn das Gefühl eine so große Rolle für die Kommunikation der Pferde und ihr Dasein spielt, ist eine Folge all dieser Fragen dann natürlich, wie wir lernen können die Pferde über ihre Gefühle besser zu verstehen und im Training zu erreichen?

Darauf gibt es vermutlich nicht die eine einzige Antwort, sondern vielmehr viele kleine und große Erkenntnisse, individuelle Wege und Herangehensweisen. Aber keine Angst, wir beenden den Artikel nicht an dieser Stelle. Denn es gibt einige Punkte, an denen du ansetzen kannst, um dein Pferd und seine Gefühle besser zu verstehen und so euer Training harmonischer, fluffiger und freudiger zu gestalten.

Verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation und du kannst sie lernen.

  • Wir reden jetzt über die Gefühle der Pferde.
  • Ich stelle dir ein paar Studien vor.
  • Du erfährst von einer genialen neuen Trainingstechnik.
  • Außerdem bekommst du noch ein Interview mit Deutschlands einziger Pferdeprofessorin – Konstanze Krüger – die seit vielen Jahren über die Gefühle, die Intelligenz und das Verhalten der Pferde an der Universität Nürtingen forscht. 
Gefühle bei Pferden
Das Gefühl auf diesem Bild? Kuscheln! Das schöne Zaumzeug ist unser Pferdeflüsterei Balancio. Ein Multifunktionszaum, der Kappzaum, Sidepull, Trense und Halfter in einem ist. Mehr dazu erfährst du mit einem KLICK

Wie dein Pferd seine Gefühle zeigt und was sie bedeuten

Dein Pferd legt seinen Kopf auf deine Schulter – ist das bequem oder ist es Vertrauen? Dein Pferd kickt mit dem Bein in deine Richtung bei der Freiarbeit – ist das ein Zeichen gegen dich? Dein Pferd galoppiert nicht ans Gatter, wenn du es rufst – mag es dich nicht? Dien Pferd legt die Ohren beim Training an – findet es das Training doof oder konzentriert es sich? Dein Pferd reibt seinen Kopf an dir – ist das respektlos oder ist es Liebe?

Dein Pferd stupst dich mit der Nase an oder knabbert an dir – ist das frech oder ist das Kommunikation?

Was bedeutet es, wenn das Pferd mich anstupst

Im Falle von Knabbern und Stupsen kann es zum Beispiel bedeuten, dass dein Pferd dich spiegelt, weil du selbst immer an ihm herumstreichelst und tätschelst und es gerne eine Pause davon hätte.

Oder ihm ist langweilig und es will Aufmerksamkeit.

Oder es hat Stress und versucht den Stress so abzubauen.

Meine Stute beispielsweise stupst mich gerne an, wenn ich mit ihr und anderen Spazierengehe und mich zuviel mit den anderen unterhalte. Wenn wir alleine Spazierengehen stupst sie exakt NIE.

Es gibt so viele verschiedene Verhaltensweisen und Gefühlsäußerungen der Pferde und nicht alles bedeutet bei jedem Pferd und in jeder Situation genau das Gleiche.

Eine pauschale Antwort auf all diese und andere Fragen zum Pferdeverhalten gibt es nicht. Kann es nie geben. Warum? Weil Pferde individuell sind und nicht nur mit einem Körperteil „sprechen“. Aber statt frustriert zu sein, können wir das Ganze auch als Chance sehen und unser Pferd lesen lernen. 

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3 Lesetipps

Geniale Artikel zum Thema "Gefühle beim Pferd"

Mehr zu den einzelnen Körperteilen und was sie „sprechen“ können - findest du übrigens in meiner Anatomie-Serie HIER

HIER kannst du 7 Gesten nachlesen, die Anzeichen sind, dass dein Pferd dich mag

Über die Gefühle als Kommunikationsmittel und gemeinsame Sprache zwischen Pferd und Mensch kannst du HIER mehr nachlesen

Wie du richtig „Hallo“ sagen kannst, kannst du zum Beispiel HIER nachlesen

Wie du die Gefühle deines Pferdes positiv beeinflussen kannst

In diesem Artikel soll es um das große Ganze und einen Überblick über das Thema „Gefühle beim Pferd“ gehen. Denn nur wenn wir die Gefühle unseres Pferdes verstehen, können wir auch Vertrauen und Bindung aufbauen und Missverständnisse vermeiden. 

Bevor wir über die Erkenntnisse aus der Forschung sprechen, machen wir uns kurz nochmal klar wie wichtig Gefühle für Pferde sind. Sie reden in der Herde mittels Gefühlen miteinander und reagieren extrem gut auf unsere menschlichen Gefühle. Wir können also ganz klar sagen, dass das richtige Gefühl in uns selbst und die Gefühle des Pferdes eine enorm große Rolle für erfolgreiches Pferdetraining spielen, richtig? 

Embodiment für Pferde

Dann habe ich noch eine spannende neue Technik für dich. Hero Merkel hat sie aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung mit Pferde nach und nach entwickelt. Embodiment ist eine spezielle Technik aus der menschlichen Psychologie und Hero hat sie als erste auf die Pferde übertragen. 

Mit Hilfe bestimmter Übungen und Trainingslektionen schafft sie es so spielend leicht die Gefühle der Pferde positiv im Training zu beeinflussen. Das klingt nicht nur genial, sondern ist es auch. 

Damit du einen ersten Einblick in diese besondere neue Technik bekommen kannst, haben wir zusammen mit Hero eine kostenlose Email-Challenge für dich entwickelt.

Du bekommst 2 Mails mit 2 Übungen für dich und dein Pferd. Mach sie einfach mit und merke selbst, wie krass die Wirkung im Training ist wenn wir mit unseren Pferden wirklich über die Ebene der Gefühle trainieren und sprechen. 

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3 überraschende Erkenntnisse aus der Forschung

Das sagt die Wissenschaft über Gefühle bei Pferden

Es gibt verschiedene Studien und Forschungsergebnisse zu Pferden. Speziell zu den Gefühlen gibt es auch einige Studien. Ich liste dir jetzt drei besonders spannende Studien aus den letzten Jahren auf. 

Außerdem bekommst du danach ein dickes fettes Interview mit Deutschlands erster Pferdeprofessorin – Konstanze Krüger – über die Erkenntnisse aus ihren diversen Studien über Pferdeverhalten. 

Nummer 1 Erkenntnis aus der Forschung: Es gibt eine besondere Bindung zwischen Pferd und Mensch

Ich LIEBE diese Studie, weil sie so klar und beweisbar zeigt, dass es ein Beziehungsband zwischen Pferd und Mensch gibt. Die italienischen Forscher haben in einer lang angelegten Studie festgestellt, dass es besondere Momente zwischen Pferden und ihrem Menschen gibt. Wie sie das herausgefunden haben? Sie haben die Herzfrequenzen der Pferde während des Kontaktes zu ihren Bezugspersonen gemessen. 

Das Ergebnis: Herzschlag von Pferd und Mensch haben sich synchronisiert nach wenigen Momenten der Annäherung. 

Etwas ähnliches hat wohl auch der Forscher und Chronobiologie-Experte Dr. Hans-Ullrich Balzer von der Humboldt-Universität Berlin entdeckt. Er hat mit der speziellen Technik der „Chronobiologischen Regulationsdiagnostik“ die Gefühle von Menschen und ihren Pferden untersucht. Dabei werden Daten wie Hautwiderstand oder Muskelspannung gecheckt. Da konnte er bei Pferden und ihren Bezugspersonen eine Synchronisierung beobachten. 

Ist das nicht krass?

Nummer 2 Erkenntnis aus der Forschung: Pferde analysieren uns die ganze Zeit

Pferde lesen unsere Körpersignale besser als wir selbst. Sie durchschauen uns Menschen problemlos. Japanische Forscher von der Uni Hokkaido haben in einer Studie herausgefunden, dass Pferde verschiedene Informationsquellen in Sachen Gefühlsanalyse gleichzeitig nutzen. So erkennen sie die „wahren Gefühle“ ihres Gegenübers kinderleicht. Sie werten also den Klang der Stimme aus und analysieren gleichzeitig den Gesichtsausdruck und die Körperspannung des Menschen. 

Die Forscher haben den Pferden Bilder von Gesichtsausdrücken gezeigt, die nicht zum Klang der Stimme passte, die gleichzeitig vom Tonband abgespielt wurde. Beispielsweise haben sie ein freundliches Gesicht mit einer tadelnden Stimme kombiniert - und so weiter. 

Die Pferde haben gestutzt in diesen Momenten. Besonders stark waren sie verwirrt, wenn Stimme und Gesicht von einer Bezugsperson stammten - also die vertraute Person nicht klar und authentisch in den Signalen war. 

Wenn wir also nicht authentisch sind, weil wir beispielsweise unsere Gefühle unterdrücken oder nicht wahrhaben wollen, sehen die Pferde das und reagieren darauf. Sei es mit Zweifel, Motivationslosigkeit, mangelnder Bereitschaft zur Mitarbeit oder anderen typischen Verhaltensweisen. 

Das ist der perfekte Beweis dafür, dass alle Verhaltensweisen der Pferde einen Grund haben - und sei es der, dass wir nicht authentisch sind und deswegen nicht besonders anziehend für das Pferd.

Nummer 3 Erkenntnis aus der Forschung: Pferde kennen „Eifersucht“

Die Pferdeforscherin Konstanze Krüger hat in einer Studie herausgefunden, dass Pferde in die sozialen Interaktionen von anderen einschreiten. Wenn wir einen menschlichen Begriff dafür finden wollen ist das „Eifersucht“. Sie hat herausgefunden, dass Pferde durchaus ihre sozialen Bindungen zu anderen Pferden schützen. Sie jagen beispielsweise ein drittes Pferd weg, wenn sie mit ihrem Pferdefreund zusammenstehen und das dritte Pferd dazukommen will. In der Biologie sieht man das wohl als eine Art „Ressourcenschutz“. Die Bindung zu einem anderen Pferd ist eine Ressource, die das Pferd erhalten möchte. Stuten zum Beispiel ziehen zusammen ihre Fohlen auf, aber nur mit den Stuten, mit denen sie befreundet sind.

Noch mehr Fakten aus der Forschung bekommst du jetzt. Wir haben uns die Forscherin Konstanze Krüger für die Pferdeflüsterei geschnappt und zu Pferdeverhalten, Missverständnissen in der Kommunikation und Ergebnissen ihrer Forschung befragt. 

Petra sitzt in Hocke auf der Weide, Carey schnuppert an ihrer HandGefuehle-bei-pferden3

Interview über Pferdeverhalten und Gefühle bei Pferden

Mit Deutschlands erster Pferdeprofessorin Konstanze Krüger

Pferdeflüsterei: Ist die Kommunikation zwischen Pferd und Mensch vergleichbar mit dem erlernen von einer Sprache – genauer: zwei verschiedene Sprachen, die Pferd und Mensch jeweils gegenseitig lernen müssen?

Konstanze Krüger: Ja es wird natürlich immer wieder gerne aus dem Bereich der Pferdeflüsterer propagiert, dass es die Pferdesprache gibt und dass es gilt die Pferdesprache zu lernen. Als Naturwissenschaftler habe ich einen anderen Ansatz dazu.

Ich habe ein bisschen Zweifel, dass man als Mensch die Pferdesprache überhaupt vollständig verstehen kann. Weil Pferde eine ganz andere Sinneswahrnehmung haben als wir. Beziehungsweise die Sinneswahrnehmung der Menschen ist im Vergleich zu der des Pferdes unglaublich beschränkt. So dass man meines Erachtens nur versuchen kann, sich so gut wie möglich aneinander anzupassen.

Und in vielen Dingen ist es nicht wirklich so, dass man Sprache identisch sprechen kann, sondern dass man einfach Signale versteht. Dass das Pferd versteht, welches Signal der Mensch gibt und was das bedeutet. Aber wir Menschen auf der anderen Seite auch die Reaktionen des Pferdes einschätzen können.

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Universalsprache – Körpersprache?

Pferdeflüsterei: Es ist eine Universalsprache die zu funktionieren scheint – die richtige Körpersprache…

Konstanze Krüger: Es ist viel Körpersprache dabei. Was faszinierend ist und meines Erachtens in der Forschung bis jetzt noch nie richtig angegangen wurde, ist, dass die Körpersprache interessanterweise über mehrere Spezies, also Mensch-Tier, aber auch zwischen verschiedenen Tierarten ganz ähnlich funktioniert.

Das, was Sie gerade angesprochen haben: Dieses Abwenden und die Schulter zuwenden. Das funktioniert mit dem Pferd. Das Pferd versteht sofort, okay, man übt keinen Druck mehr aus, es darf gerne kommen und mitgehen. Das funktioniert aber mit Hunden auch. Ich fände es sehr spannend, wenn man so etwas Speziesübergreifend angehen könnte.

Deshalb funktioniert die Mensch-Pferd-Kommunikation ganz gut. Menschen gehen untereinander ähnlich mit Körpersprache um, wie auch Pferde das tun. Nur in der Feinabstimmung, gibt es dann doch kleine Unterschiede.

Pferdeflüsterei: Wenn man ein kleines Einmaleins der Pferdesprachen aufsetzen will, welche Signale gibt es, die relativ Signifikant sind? Wie der schlagende Schweif zum Beispiel als Zeichen von Stress?

Konstanze Krüger: Auf jeden Fall! Wie Sie sagen, Schweif schlagen ist absolut ein Zeichen für Aggressivität und für Stress. Man möchte einen ruhig getragenen locker pendelnden Schweif sehen und nicht einen Schweif der Propeller dreht und damit anzeigt, dass sich das Pferd gerade nicht wohl fühlt.

Ganz wichtig auch, was die Pferde mit ihren Ohren machen. Auf wen sie die Ohren richten. Dann aber auch die Mimik. Das Pferd sollte einen ruhigen gelassenen Gesichtsausdruck haben und nicht die Lippen hochziehen und kräuseln oder Zähne knirschen.

Da denke ich fängt man als Laie mit diesen groben Dingen an, dass man die erste grobe Körpersprache versteht. Zum Beispiel auch ein Pferd, das den Hinterhuf anhebt, das ist eine Schlagdrohung. Da sollte man möglichst schauen, dass man dem ausweicht. Als Laie kann man mit diesen groben Aspekten anfangen und sich dann immer feiner vorarbeiten, bis man dann eben ganz leichte Änderungen, manchmal auch nur Körperhaltungsänderungen deuten kann.

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Eifersucht bei Pferden – gibt es sie?

Pferdeflüsterei: Ich habe gelesen, dass Sie herausgefunden haben, dass Pferde untereinander auch zu Eifersucht neigen?

Konstanze Krüger: Wir hatten eine Studie gemacht, da ging es eigentlich darum, ob Pferde in die sozialen Interaktionen von anderen einschreiten und das mit der Eifersucht wurde dann natürlich gerne von der Presse aufgegriffen und gedeutet. Wobei man sagen muss, wenn man das Verhalten als reine Beschreibung fast schon Lexikonartig sieht, kann man das daraus deuten.

Ein Biologe ist dann natürlich sehr sehr vorsichtig, weil Eifersucht für den Menschen etwas ganz anderes bedeutet als in der Biologie. Auf diesen komplexen Level des Menschen kommt das Pferd natürlich nie. Aber was wir gefunden haben, ist dass Pferde durchaus ihre sozialen Bindungen zu anderen Pferden schützen.

Wenn sie eine soziale Bindung aufgebaut haben zu einem anderen Pferd und es kommt ein drittes dazu und möchte sich beknabbern und freundlich Kontakt aufnehmen, dass diese dann häufig weggejagt werden. In der Biologie sieht man das als Ressourcenschutz, also auch die soziale Bindung ist eine Ressource, die ich erhalten möchte. Stuten zum Beispiel ziehen zusammen ihre Fohlen auf, aber nur mit den Stuten, mit denen sie befreundet sind.

Pferdeflüsterei: Der Gedanke dahinter ist: Ich schütze was mir gehört?

Konstanze Krüger: Klar, natürlich. Das Thema Arterhaltung ist eigentlich ein bisschen vom Tisch. Die meisten Biologen gehen davon aus, dass man seine eigenen Pfründe schützen möchte und damit seine eigenen Gene besser weitergeben kann und so weiter….So dass man wirklich sagen, es ist eine Portion Egoismus, warum die Pferde diese Bindung zu anderen Pferden schützen.

Warum Pferde mit uns Menschen zusammenarbeiten

Pferdeflüsterei: Ist es dann auch der Erhaltungstrieb, wenn Pferde mit uns Menschen zusammenarbeiten?

Konstanze Krüger: Ich denke mal Pferde sehen das ganz unverkopft (lacht). Natürlich, klar! Sie machen das auch um einen Nutzen davon zu haben. Und wenn der Mensch sich in die soziale Gruppe einfügt und ihnen gegenüber dann auch die Führung übernehmen kann, dann bietet er ja einfach Sicherheit und warum sollte man dann nicht auch gerne mit dem mitgehen und mit ihm dann arbeiten?

Das versuchen wir immer wieder zu vermitteln. Man tut seinem Pferd nichts Gutes, wenn man ihm die Führung überlässt, weil das Unsicherheit schürt und das Pferd sich selbst nicht positionieren kann. Viele Pferde machen einen richtig zufriedenen und glücklichen Eindruck, wenn der Mensch sich als Boss etabliert und ansagt, was zu tun ist.

Futtergabe von Mensch zu Pferd – das sagt die Forscherin

Pferdeflüsterei: Eine Erkenntnis, die ich auch schon gemacht habe. Immer wieder höre ich das von Pferdemenschen, die Leckerei komplett ablehnen. Aus Pferdesicht gäbe ich mein Futter ab, heißt es als Begründung. Ein Chef in der Herde würde das nicht tun, das machen nur rangniedrige Pferde. Wie sehen Sie das?

Konstanze Krüger: Das haben wir uns auch schon oft gefragt, ob Futter teilen etwas Natürliches ist. Es ist schon so, dass das Fohlen auch von der Mutter Milch bekommt. Also ist das eine Grundbindung und trotzdem steht die Mutter höher über dem Fohlen. Das ist der erste Punkt wo man sagen könnte: Ja, ich weiß nicht ob man das so eng sehen kann und man sieht immer wieder bei Pferden, die eine sehr enge Bindung haben, dass sie ihr Futter teilen. Durchaus dicht nebeneinander Heu fressen oder sogar ihr Kraftfutter teilen.

In den meisten Fällen ist es schon so, dass das ranghöhere Pferd sein Futter beanspruchen würde. 

Pferdeflüsterei: Andererseits, wir geben ihnen doch auch Hafer, da geben wir ja auch Futter ab…

Konstanze Krüger: Das ist eben dieser andere Aspekt. Futter ist mit positiven Emotionen verbunden, wie auch Milch saufen bei der Mutter und es wird seit vielen vielen Jahren mit Futter belohnt. Ich habe selbst auch schon, besonders bei nervösen und hysterischen Pferden, die Erfahrung gemacht, dass Futter eine positive Grundsituation aufbaut. Die Pferde entspannen sich, weil es nicht mehr so schlimm ist.

Zum Beispiel bei einer Stute mit einem extremen Gurtzwang, wenn man ihr ein oder zwei Leckerlies gegeben hat, war das Aufsatteln nicht mehr so schrecklich.

Überraschende Forschungserkenntnis zum Sozialverhalten

Pferdeflüsterei: Gibt es denn noch weitere Ergebnisse in Sachen Intelligenz und Sozialverhalten, die Sie gemacht haben?

Konstanze Krüger: Eine sehr interessante Studie hat ergeben, dass Pferde immer wieder als Streitschlichter zwischen aggressive Auseinandersetzungen anderer Pferde gehen. Das hat uns am Anfang extrem erstaunt, weil das in der Biologie ein Rätsel ist. Jeder der als Streitschlichter dazwischen geht, riskiert, dass er selbst eine Abreibung bekommt.

Bis heute ist nicht klar, warum Tiere das immer wieder machen. Dazu haben wir schon zwei Studien laufen lassen und so wie es aussieht hat auch das wieder etwas mit sozialen Bindungen zu tun. Es ist der wichtigste Faktor daran, soziale Bindungen zu schützen, so dass man also dazwischen geht wenn ein Sozialpartner im Streit mit dabei ist oder man macht es eben um zu einem neuen Partner soziale Bindungen aufzubauen.

Das ist der eine Aspekt der im Vordergrund steht und der andere Aspekt scheint zu sein, den Aggressionslevel in der Gruppe niedrig zu halten. Das ist nicht immer nur der Boss der da eingreift, durchaus auch mittelrangige Pferde, die gar nichts davon haben. Also gar keine Bindung zu diesen Tieren haben und da geht die Argumentation momentan dahin, dass sie ja dann befürchten müssten, wenn die Aggression eskaliert, sie auch Opfer dieser Aggression werden würden und etwas davon haben, zu schlichten. Das Witzigste ist, dass es nur wenige Tiere machen und die sich tatsächlich abwechseln.

Man hat wirklich in Gruppen so eine Art Streitschlichterrolle und das können wir uns heute noch nicht so richtig erklären, warum das nur wenige machen. Es ist vielleicht einfach eine Form der Persönlichkeit, dass wir mehr oder weniger soziale Pferde haben, wie es beim Menschen der Fall ist.

Pferdeflüsterei: Ein Ergebnis ihrer Studien ist, dass Pferde sensibler, charakterstärker und klüger sind, als man ihnen seit vielen Jahren zutraut?

Konstanze Krüger: Dass haben wir ganz gut bewiesen in den letzten Jahren, dass die soziale Intelligenz von Pferden höher ist, als man ihnen in den letzten Jahren zugetraut hat. In den letzten 5 bis 6 Jahren hat das Themengebiet so richtig geboomt.

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Pferdeintelligenz 

Pferdeflüsterei: Was glauben Sie, wie weit geht die soziale Intelligenz der Pferde? Gibt es Tiere mit denen man die Pferde vergleichen kann?

Konstanze Krüger: Wenn man es wirklich ganz realistisch vergleicht, denke ich, dass die soziale Struktur und auch die soziale Intelligenz der Pferde ähnlich ist, wie bei vielen Primaten. Das können wir wirklich 1:1 vergleichen. Nur darf man nicht vergessen, dass andere kognitive Fähigkeiten weniger ausgeprägt sind bei Pferden. Zum Beispiel ist das Kurzzeitgedächtnis des Pferdes ganz miserabel und auch in den ganz abstrakten Kognitionstests.

Wie irgendwelche Sachen numerisch benennen, also sagen, wie viele Objekte sind das? Bei solchen Tests schneiden Pferde eher schlecht ab in Vergleich zu anderen Tieren.

Pferdeflüsterei: Bei welchen Intelligenztests schneiden sie gut ab?

Konstanze Krüger: Meines Erachtens in allem, was ihnen in ihrem sozialen Umfeld nützt. Das was ihrem natürlichen Umfeld entsprechen würde. Interessant zum Beispiel auch, dass Pferde extrem gut generalisieren können. Also sie können ein Prinzip, das sie in einem Zusammenhang verstanden haben, auf andere Situationen ausdehnen. Man kann ihnen sehr gut beibringen: Wähle immer das kleinere Objekt und dann kann das Pferd eben generalisieren. Das ist eine relativ große kognitive Leistung. Das ist meines Erachtens, dass was wir beim Reiten der Pferde schon immer benutzt haben.

Nur dadurch ist es möglich, das ein Trainer ein Pferd antrainiert und das Pferd irgendwann kapiert: Aha, das was der Trainer mir beigebracht hat, das wollen alle Menschen von mir. Das ist der übliche Trainingsschritt, den man schon seit Jahrhunderten gemacht hat.

Eine Person trainiert ein junges Pferd an und dann fängt man langsam an auszuwechseln. Man setzt immer mal wieder einen anderen Reiter darauf, so dass das Pferd dann erlebt: Aha, der Reiter will das auch so, scheinbar wollen alle Menschen das so. Das Pferd generalisiert die Signale, die der Reiter gibt auf alle Menschen.

Typisch Pferd – Von der Forschung ins Herz geschaut

Pferdeflüsterei: Wie ticken die Pferde, wenn man ihnen in den Kopf schauen wollte, haben Sie da ein oder zwei Eckpunkte, von denen Sie sagen, das ist typisch Pferd und daraus kann ich etwas lernen im Umgang?

Konstanze Krüger: Dann muss man sich überlegen, wie denken sie ohne Sprache? Sie denken wahrscheinlich mehr in Bildern, in Gerüchen, in Eindrücken, in Situationen. Was faszinierend am Pferd ist und was man gerne für therapeutisches Reiten nutzt, ist das Pferde in ihrer Reaktion immer ehrlich sind. Es ist für Pferde völlig untypisch, dass sie nachtragend sind oder im Vorhinein etwas vermuten, was jemand machen könnte.

Ein Pferd lässt die Situation immer auf sich zukommen, schaut, wie verhält sich das andere Pferd, der andere Mensch und reagiert spontan darauf. So dass man eins zu eins immer die Reaktion auf das bekommt, was man gerade gemacht hat. Das ist meines Erachtens die große Gefahr in der Interaktion mit vielen Tieren egal ob das Hund, Pferd, Katze oder Maus ist, dass man als Mensch gerne dazu neigt, das zu vermenschlichen und den Tieren irgendwelche Absichten zu unterstellen. "Das hat er mit Absicht gemacht, der will mich ärgern…". Davon muss man sich befreien, das machen Tiere nicht.

Pferdeflüsterei: Wenn Sie für einen Tag ein Pferd sein dürften, was würden sie dann gerne tun?

Konstanze Krüger: Wir haben uns ganz viel schon mit der Sinneswahrnehmung der Pferde beschäftigt. Da ist ja immer der Faktor, dass wir in der Messung der Sinneswahrnehmung so irre beschränkt sind, weil wir nur das messen können, was wir selbst wahrnehmen. Mich würde es irre interessieren, wie das Pferd die Welt wirklich wahrnimmt. Wie viele Farben sieht er jetzt wirklich? Man geht davon aus, dass sie nur zwei Farben sehen können, aber wie mischen sie das?

Man denkt, dass sie mehr Geräusche… Also das Spektrum viel größer ist als das des Menschen. Was hören die denn dann mehr als wir? Solche Dinge.. Oder was noch völlig ungeklärt ist, wie orientieren sich Pferde im Raum. Wir haben Beispiele von blinden Pferden, die Wege finden. Da denken wir, am Sehen kann es nicht gelegen haben, da müssen noch andere Dinge bei der Raumwahrnehmung geholfen haben. Einfach mal, wie sieht das Pferd die Welt, sieht fühlt riecht und so weiter.

Petra von der Pferdeflüsterei: Vielen Dank für das Interview. 

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2 Dinge, die du von Pferden über Gefühle lernen kannst

Zum Schluss reden wir noch über 2 Sachen, die du von Pferden über Gefühle lernen kannst:

Nummer 1: Pferde lassen Gefühle zu und wieder gehen

Pferde hängen sich nicht an Gefühlen fest, sondern lassen sie genauso schnell zu, leben sie für den Moment voll aus und lassen sie dann genauso schnell wieder gehen. Sie leben im Hier und Jetzt und nicht im Gestern oder Morgen. Wenn man es schafft sich, von dieser Art mit Gefühlen umzugehen, eine Scheibe abzuschneiden kann das unglaublich viel Zufriedenheit im Leben schenken.

Gefühle sind für die Pferde einfach Zustände, die sie annehmen und abgeben können. Sie bewerten sie nicht, sondern nutzen sie wie eine Information und leben mit ihnen ohne sie zu bewerten. Wir Menschen können uns selbst unglaublich gut zerfleischen und gerade an negativen Gefühlen aufhängen. Das tut selten gut und macht auch nicht glücklicher.

Pferde nehmen die Gefühle war und handeln danach. Sie diskutieren nicht das Für und Wider der Gefühle, sondern, sondern sehen sie als Botschaften die ihr Handeln beeinflussen. Wenn wir das übernehmen, können negative Gefühle Marker für uns werden, zum Beispiel etwas zu verändern in uns oder um uns herum. Positive Gefühle können wir einfach annehmen und genießen.

Nummer 2: Pferde bemerken ihre Gefühle und streben nach Ommmmh:

Das haben die Pferde vielen Menschen voraus. Wir sind oft in einem Hamsterrad und bemerken die Gefühle gar nicht, die uns beschäftigen oder können sie gar nicht mehr analysieren oder gar verändern. Pferde sind immer im Reinen mit sich und ihren Gefühlen, nehmen sie wahr und handeln dann.

Ihr Wunschzustand ist die innere Balance, Zufriedenheit, Ruhe und Sicherheit. Diesen Zustand des HIER UND JETZT und des inneren OMMMMh können wir sehr gut von den Pferden lernen.

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"Pferdeflüstern bedeutet, dass wir lernen das Flüstern der Pferde zu hören und zu verstehen."

Die Pferdeflüsterei ist ein Wissensblog und Herzensprojekt – denn wir wünschen uns, dass alle Pferde und ihre Menschen glücklich miteinander sind. Wenn wir lernen die Pferde zu verstehen, fein und fair zu trainieren und der beste Pferdemensch zu werden, der wir sein können – wird es auch deinem Pferd gut gehen und es wird immer sein Bestes für dich geben. Versprochen!

Wir unterstützen dich mit unseren Artikeln, Interviews und Kursen – Du bekommst Facts zu pferdegerechter Haltung und Fütterung, feinem Training und Pferdeverhalten. 

Petra und Carey

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Kommentare (1)

Liebe Petra,

wieder ein total spannender Artikel. Ich beschäftige mich sehr gerne mit so wissenschaftlichen Themen und freu mich immer, wenn ich noch was dazu lernen kann. Was man glaube ich ständig macht. Es ist einfach spannend mehr über die "Welt unserer Pferde" zu lernen.
Übrigens habe ich einen super Lehrmeister was das Thema authentisch sein angeht. Der Ponymann kann es überhaupt nicht leiden, wenn ich das nicht bin. Er reagiert sehr extrem darauf, wenn ich meine wirklichen Gefühle nicht zeige oder vielleicht noch nicht mal selber kenne. Er hält all meine Gefühle gelassen aus. Selbst wenn ich wütend bin, stresst ihn das nicht wirklich. Er steht meist einfach neben mir und wartet bis es mir besser geht. (Erst gestern war ich wegen meinem Arbeitgeber wütend, bin dann zu den Ponys gegangen und er kam und stand ruhig neben mir. Solange bis ich mich besser gefühlt habe, dann hat er sich mir zugewandt, mir aufmunternd ins Gesicht gepustet und ist jetzt mal ganz unromantisch wieder Heu essen gegangen).
Wenn ich aber komme und so tue, als ob ich gut drauf wäre und es im Inneren nicht wirklich bin, meidet er mich. Er redet nicht mit mir, wenn ich nicht ehrlich zu ihm und mir bin. Wenn ich mich dann versuche ihm zu nähern, geht er einfach weg und lässt mich stehen. Er macht das selbst dann, wenn ich selber noch gar nicht weiß, dass ich irgendwas verdränge oder überspiele. Ich bin da auch ganz gut darin, nicht gleich zu kapieren, was wirklich mit mir los ist. Hier ist er der beste Lehrer überhaupt. Erst wenn ich merke, wie es mir wirklich geht und das auch zulasse, kommt er wieder und wendet sich mir zu. Dann ist es ihm egal was das für Themen sind, ob ich traurig, fröhlich, wütend oder ängstlich bin.
Liebe Grüße
Miriam

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