Two Toned - Barhuf

Ein Gastbeitrag von Klaudia von Two-Toned:

Dieses Zitat stammt von Pete Ramey. Er war eigentlich ein Hufschmied, der dann zur Barhufbearbeitung übergewechselt ist. Durch Beobachtung von Mustanghufen hat er seine Erkenntnisse für einen gesunden und funktionsfähigen Barhuf gewonnen.

Hufschuhe

Hufschuhe

Hufschuhe

Ich bin ein großer Fan von Hufschuhen und glaube auch, dass es eine sinnvolle und bessere Alternative zum Beschlag sein kann. Pete hat Recht, wenn er sagt, dass wir in irgendeiner Form einen Hufschutz brauchen – aber muss es zwangsweise immer ein Beschlag sein?

Warum Hufschuhe hilfreich und wichtig sind

Hufschuhe helfen immens bei der Umstellung auf barhuf – man kann damit auch in der ersten schwierigen Phase normal reiten gehen. Es gibt leider immer noch viele, die behaupten Hufschuhe wären kompliziert und das an- und ausziehen koste sehr viel Zeit. Das stimmt einfach nicht mehr. Die neuen Modelle sind so einfach zu handhaben. Es dauert bei vier Hufen höchstens 10 Minuten (wenn überhaupt).

Hufschuhe

Hufschuhe

Hufschuhe

Ich habe auch gehört, das manche sich zu sehr schämen Hufschuhe zu verwenden – warum ist das so? Man ermöglicht dem Pferd 23 Stunden am Tag barhuf zu laufen und ein gesundes Horn nachzubilden (mit einem Beschlag wird der Hufmechanismus immer eingeschränkt sein und der Huf wird langsamer wachsen). Ich verstehe diese Bedenken leider gar nicht.

Wir müssen endlich von den Extremen weg. Ich finde nichts Schlimmes daran, Hufschuhe beim Ausreiten zu benutzen (es gibt ja Barhufrichtungen, die sind überzeugt, dass es auch ohne Hufschutz gehen muss). Wenn es angenehmer für das Pferd ist und der Reiter gut zurecht kommt, spricht doch nichts dagegen?

Klaudia mit Pferd

Barhuf statt Eisen

In den letzten zehn Jahren hat sich im meinem Umfeld sehr viel geändert  Viel mehr Pferde laufen barhuf, es gibt unterschiedlichste Hufschuhmodelle und mehr Barhufpfleger (auch wenn der Zugang zu diesem Beruf in Österreich immer noch sehr schwierig ist). Mittlerweile gibt es unzählige Modelle und Varianten. Es ist für jede Hufform ein Schuh dabei.

HIER findest du einen Artikel zu den verschiedenen Modellen.

Das einzige Problem, dass ich derzeit noch sehe: Es fehlen immer noch die Fachleute, die die Pferdebesitzer beraten (gerade in einer Barhuf-Umstellungsphase).

  • Nur wenige Barhufpfleger haben gleich mehrere Hufschuhmodelle dabei.
  • Manchmal wird es auch nicht möglich sein, jemals ohne Hufschuhe auszukommen.

Aber wäre es aus des Sicht der Pferdes und des Hufes nicht besser, man hat 1 Stunde am Tag einen Hufschuh in Verwendung als 24 Stunden einen dauerhaften Hufbeschlag? Und ist es nicht unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass wir unseren Pferden ein möglichst artgerechtes Leben bieten zu können – mit genügend Auslauf und guter Fütterung, damit auch die Hufe eine Chance haben gutes Horn zu produzieren?

Ich würde mir auch hier viel mehr Offenheit auch von den Schmieden wünschen. Wenn sie selbst keine Hufschuhe anpassen und mitführen wollen, würde ich mir mehr Kommunikation und Zusammenarbeit wünschen. Ich denke, dass ein Großteil der beschlagenen Pferde barhuf im „Alltag“ laufen könnten und für Ausritte oder häufiges Reiten auf Sandböden Hufschuhe ausreichen würden.

Klaudia mit Pferd

Wie kam ich zu Hufschuhen?

2002 nach meinem ersten Hufkurs wusste ich, dass mein erstes eigenes Pferd unbedingt barhuf laufen muss. 2 Jahre später konnte ich mir endlich meinen Traum von einem Pferd erfüllen und kaufte mein Pferd Blume.

Klaudia mit Pferd

Blume war zuvor immer im Sommer beschlagen, im Winter ging sie barhuf. Die Umstellung lief sehr problemlos, nur im Gelände ging sie anfangs noch fühlig. Deswegen habe ich mir ein Paar Easyboots* zugelegt. Die Auswahl war damals auch noch nicht sehr groß. Ich muss ehrlich sagen, dass wir die Schuhe mehrmals im Gelände im Galopp verloren haben (allerdings auch wiedergefunden). Heute verwende ich Equine Fusions, Easyboot Trail oder Renegades, diese habe ich bisher auch noch nie verloren.

HIER* findest du eines der Modelle*

Worauf müsst ihr achten, wenn ihr euch Hufschuhe zulegen wollt:

  1. Die richtige Größe: Der Schuh muss passen und zwar richtig. Größe und Modell sind von der Form der Hufe abhängig, nicht jedes Modell passt für jeden Huf. Es gibt im Internet Anleitungen für das Abmessen der Hufe und auch Größentabellen. Eine Beratung vor Ort ist natürlich optimal.
  2. Wofür wollt ihr die Schuhe verwenden: Nur zum Ausreiten oder auch für Dressur? Wie sind die Böden beim Ausreiten?
  3. Wie kommt ihr mit dem Modell zurecht: Es muss auch zu euch passen. Es gibt nichts schlimmeres als wenn ihr jeden Tag unglücklich beim an- und ausziehen seid.

Text: Klaudia von Two Toned
Bilder: Klaudia von Two Toned

Two Toned - Barhuf

Wer ist der Zitategeber – Pete Ramey*

Pete Ramey war anfangs Hufschmied und hat sich dann ausschließlich auf Barhufbearbeitung und alternative Hufschutzmöglichkeiten spezialisiert. Unter anderem auch auf die Rehabilitation von Hufrehepferden. Dabei ist ihm nicht nur die richtige Hufbearbeitung wichtig, sondern auch die Haltung und Ernährung der Pferde.

Hier gibt es noch einen Lesetipp für dich*

Autor: Gastautor / Gastautorin

8 Kommentare zu “Pete Ramey: Das Hufeisen des 21. Jahrhunderts wird ein Hufschuh sein

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    ohje das Thema Hufe ist ein komplexes Thema.
    Mein erstes Pferd hatte eine Hufrollenentzündung in beiden Vorderbeinen. Damals habe ich mir muss ich ehrlich gesagt sagen überhaupt keine Gedanken gemacht, dass es auch ohne Eisen gehen könnte. Für mich gehörten Hufeisen und Pferd gedanklich zusammen. Es wäre jetzt zu lange unsere Odysee zu beschreiben, ich kann allerdings sagen, dass im Nachhinein der orthopädische Beschlag meinem Pferd mehr geschadet als genutzt hat.
    Durch ihn bin ich bei diesem Thema zum Umdenken gekommen. Ich habe mich intensiv mit seiner Krankheit und dem Thema Hufe auseinander gesetzt.
    Irgendwann bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass für mich nur noch barhuf in Frage kommt.
    Meine ehemalige Reitbeteiligung mit der ich auch Wanderritte gegangen bin, ist barhuf gegangen. Bei teilweise aber 30km am Tag Strecke und das viel auch auf Schotterwegen oder Straße, hatte ich auf den Wanderritten immer Hufschuhe dabei. Einmal um einen zu starken Abrieb zu verhindern und auch weil ich manchmal nicht vorher wusste was uns an Bodenverhältnissen erwartet.
    Ich habe die Hufschuhe anpassen lassen und wir waren sehr zufrieden. Auf keinem Wanderritt haben wir die Schuhe verloren auch nicht im Galopp. Sie haben nicht gescheuert und relativ lange gehalten. Irgendwann waren sie natürlich durch gelaufen, aber das war nach über 3 Jahren Benutzung. Allerdings erlebe ich hier oft, dass am falschen Ende gespart wird. Da werden die Schuhe nicht richtig angepasst, man verliert sie unterwegs oder sie scheuern und dann sind Hufschuhe allgemein nichts für’s Pferd und die Leute wechseln wieder auf Eisen. Das finde ich sehr schade. Natürlich kosten gute Hufschuhe Geld, aber es lohnt sich.
    Mein Pony ist ebelnfalls barhuf und da wir bisher nur spazieren gehen, hat er auch keine Hufschuhe. Noch benötigt er sie nicht. Wenn er etwas fühlig geht, lass ich ihn ausweichen, was bei uns immer möglich ist. Später wird er aber auch mit Hufschuhen ausgestattet. Wenn wir längere Touren machen wollen, finde ich es gut, wenn ich ihm bei Bedarf helfen kann.
    Liebe Grüße
    Miriam

  2. Claudia sagt:

    hi!

    Ein sehr spannendes Thema, ich bin auch der Ansicht, dass sich Hufschuhe immer mehr verbreiten werden. Ein unendlich schöner Zugang für die Pferde.

    Bis jetzt hatte ich noch nicht viel Berührungen damit. Deshalb habe ich jetzt eine, für mich wichtige Frage. Oft wird der Beschlag auch unterstützend an das Pferd und seine Bedürfnisse angepasst. Bei Arthrose oder Hufrehe gibt es da einige Varianten.

    Gibt es auch bei Hufschuhen die Möglichkeit auf solche Probleme einzugehen?

    Das Schmiede nicht so kooperativ sind hat wahrscheinlich viel damit zu tun, dass sie das Gefühl haben „überflüssig“ zu werden. Was natürlich auf finanzielle Einbußen bedeutet.

    Liebe Grüße Claudia

    • Petra sagt:

      Hi Claudia, ich bin auch noch sehr frisch bei dem Thema „Hufschuhe“ – weil ich mit meinem Jungpferd ja noch gar nicht ausreite 🙂 Aber deswegen habe ich mich umso mehr gefreut dass Klaudia von Two Toned den Gastbeitrag geschrieben hat. Ich leite die Frage an sie weiter – weil ich selbst sie dir nicht beantworten kann, aber ich finde sie superspannend 🙂 Danke dir und liebe Grüße, Petra

    • Klaudia sagt:

      Hallo Claudia, gerade bei Hufrehe und Arthrose empfehlen heutzutage Schmiede und Tierärzte keinen Beschlag mehr. Bei Hufrehe gibt es viele andere Methoden – einen Beschlag auf einen bereits entzundenen Huf zu nageln sehe ich echt als kritisch an, ich möchte nicht wissen, welche Schmerzen diese Pferde erleiden 🙁 . Ich kann dir dazu die Artikel und Bücher von Pete Ramey sehr empfehlen (zb http://www.barhufpflege-niedersachsen.de/natural-hoof-care/hufpflege-21-jahrhundert.html). Bei Arthrose ist es ja umso wichtiger den Hufmechanismus nicht einzuschränken, deswegen ist barhuf immer eine Alternative (muss man natürlich vor Ort mit einem fachkundigen Barhufpfleger abklären) – für Ausritte kann man Hufschuhe mit Einlagen sogenannten Dumping Pads verwenden, um noch mehr Schutz zu haben. Falls dein Schmied wegen der Verwendung von Hufschuhen Bedenken hat würde ich einen guten Barhufmenschen dazu ziehen.
      lg, Klaudia

    • Claudia sagt:

      Liebe Petra,

      danke für deine Antwort. Ein absolut spannendes Thema, ich habe Klaudias Antwort und den empfohlenen Artikel sofort verschlungen…

      Liebe Grüße
      Claudia

    • Claudia sagt:

      Liebe Klaudia,

      danke für deine Antwort und den tollen Artikel. Ich bin schon auf der Suche nach mehr Lektüre.

      Mein Pflegepferd hat Arthrose und wir sind immer auf der Suche nach neuen Hilfsmitteln. In dem Fall aber wohl eher nach dem Prinzip „weniger ist mehr“.

      Danke für den Artikel, ein absolut spannendes Thema.

      Ich werde mich mal schlau machen, was unser Hufschmied so von Barhuf bzw. Hufschuh haltet….

      Liebe Grüße
      Claudia

  3. Klaudia sagt:

    Liebe Claudia, ich kann dir auf Facebook die Gruppe „Österreich braucht Barhufprofis“ auch sehr empfehlen. Dort findet man Hilfe, wenn man sich unsicher ist bzw. auch Tipps für Barhufpfleger oder Schmiede. Wünsche dir & deinem Pferd alles Gute!
    lg, Klaudia

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