Sattelzwang ade! So wirst du tiefsitzende Probleme deines Pferdes “wieder los”

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Der ganze große Artikel für dich auf einen Blick

Mag dein Pferd vielleicht seinen Sattel nicht? Oder hat es einen Gurtzwang und jedesmal Stress, wenn du mit dem Gurt kommst? Hat es sich vielleicht einmal vor einer Plane erschreckt und seitdem jedesmal Panik, wenn es eine Plane sieht? Oder mag es nicht gerne eingesprüht werden? Vielleicht gibt es auch ganz andere Ausrüstungsgegenstände, Situationen, die bei deinem Pferd jedesmal in Stress oder Angst ausarten? Die schlechte Nachricht ist, dass negative Erfahrungen und Ängste tief sitzen. Aber die gute Nachricht ist, dass du diese Probleme wieder loswerden kannst – ganz ohne Druck. Dafür brauchst du nur drei grundlegende Punkte zu beachten.

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Schluss mit Sattelzwang und Co

Ich erkläre dir im Artikel erst die grundlegenden Punkte und die Idee, die dahinter steckt. Anschließend gebe ich dir ein praktisches Schritt-für-Schritt-Beispiel, dass du auf die meisten anderen Probleme von Pferden übertragen kannst.

  • Egal ob es die Sprühflasche, die Gerte oder ein spezieller Zaum ist.
  • Der Trainingsweg zu mehr Entspannung mit dem Stressgegenstand kostet dich nur ein bisschen Zeit, Geduld und Leckerli. 
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Mein persönliches Beispiel ist der Sattelzwang meiner Stute. Ich bin ihn mit den Trainingsschritten wieder losgeworden und kann mittlerweile ziemlich gut Satteln. Bevor ich dir aber meinen Weg vom Sattelzwang zum entspannten Satteln beschreibe, gibt es vorher noch einen ganz wichtigen Punkt, den ich dir ans Herz legen möchte: 

Wenn dein Pferd NEIN zu etwas sagt, dann hat es einen triftigen Grund! Bitte trainiere also nie über den Stress und die Ängste deines Pferdes hinweg, sondern geh auf Ursachensuche. 

Denn im schlimmsten Fall hat dein Pferd körperliche Probleme oder der Ausrüstungsgegenstand sitzt nicht und verursacht ihm Schmerzen oder Druck. 

Gib dir und deinem Pferd immer Zeit und versuche gemeinsam Lösungen zu finden.

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Kopf oder Körper

Die eine Frage, die ich mir immer stelle, wenn ein Pferd Nein zu etwas sagt ist: Ist es im Kopf oder im Körper?

Was ich damit sagen will: Manchmal haben Pferde körperliche Probleme oder Schmerzen und sagen deswegen zu einem Ausrüstungsgegenstand, einer Übung oder einer Sache Nein. Dann solltest du ganz sicher nicht „darüber hinwegtrainieren“, sondern viel eher erst die körperliche Ursache lösen. Stell dir vor, dein Pferd hat Schmerzen und du “setzt dich durch” und trainierst darüber hinweg…Wie schlimm wäre das!

Deswegen prüfe IMMER VORHER, ob dein Pferd körperliche Probleme hat, Schmerzen oder ob der Ausrüstungsgegenstand vielleicht nicht richtig sitzt. Gerade im Fall von Sätteln ist das sehr oft so. 

Wie du das prüfen kannst?

  • Nimm dir einen kompetenten Sattler im Fall des Sattels
  • Frage deinen Tierarzt des Vertrauens
  • Frage deine Osteopathin oder Pferdephysio ob das Pferd irgendwelche Blockaden, körperliche Beschwerden oder andere Probleme hat. 

Wenn du da alles ausschließen kannst, kannst du immer noch davon ausgehen, dass dein Pferd einen Grund hat. Dann ist er vermutlich aber viel eher im Kopf. Das ist für dein Pferd aber genauso relevant, wie der Körper.

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Das können schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit sein, natürliche Fluchtreflexe, seelische Unausgeglichenheit, Unsicherheiten oder Unausgeglichenheiten in den körperlichen Sinnen – wenn dein Pferd also noch nicht richtig in seiner Balance ist. 

Nur kannst du da eher mit Training ansetzen und deinem Pferd mit viel Liebe und Geduld dabei helfen, schlechte Erfahrungen durch positive zu ersetzen oder mehr Selbstvertrauen zu gewinnen.

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Da können dir vermutlich meine drei Trainingstipps aus diesem Artikel helfen.

Vielleicht musst du zusätzlich kreativ werden und verschiedene Lösungsansätze versuchen. Außerdem kannst du das mit Fütterung unterstützen und dein Pferd parallel dazu trainieren, in dem du mit Sinnestools wie Balance Pads oder mit Trainingsansätzen wie PFERGO arbeitest:

  1. Mehr zu den Balance Pads kannst du HIER nachlesen
  2. PFERGO kannst du lernen – das sind tolle Übungen für die Basissinne der Pferde und damit für mehr körperlicher und seelischer Balance – mehr dazu kannst du dir HIER anschauen
  3. Fütterung: Ausgleichende Kräuter gibt es viele – je nachdem, was das Dilemma deines Pferdes ist, kann: 
    1. CBD helfen – das findest du HIER in HANFPUR 
    2. Seelenkräutermischungen – du findest sie HIER
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Kommen wir jetzt zu den drei Trainingsideen und meinem Schritt für Schritt Trainingsweg, um deinem Pferd ungeliebte Gegenstände und Situationen stressfrei zu gestalten. 

3 simple Schritte gegen Stress beim Pferd 

Ich beschreibe dir jetzt erst einmal die Theorie hinter den drei Punkten und gebe dir anschließend ein persönliches Schritt-für-Schritt Praxisbeispiel aus meinem Trainingsalltag. Sieh es als schnelle Inspiration für dich und nicht als Trainingstipp, den du sklavisch befolgst. Denn letztlich könnte ich zu jedem Punkt ein ganzes Buch schreiben. Das hier ist also der kurze Einstieg für dich.

TIPP: Du findest grundsätzlich unglaublich viele Infos zu all diesen Themen und der Pferdeseele auf der Pferdeflüsterei und kannst ganz viel drumherum lesen. Ich verlinke dir auch den einen oder anderen ausführlichen Artikel zu den Einzelthemen. Denn grundsätzlich ist alles im Pferdetraining sehr komplex und nicht in 3 Zeilen zu erklären. 

Das hier ist sozusagen eine kurze, knappe und schnelle Einführung in das Thema, damit wir dann zur praktischen Übung kommen können. Wenn du mehr dazu wissen willst, dann schmökere dich einfach durch alle Artikel zum Thema „Bodenarbeit“ und „Pferdeflüstern“. 

Besonders will ich dir aber den Artikel: „Der eine Buchstabe für das Pferdetraining“ ans Herz legen, da steckt sehr viel Basiswissen drin – du kannst ihn dir HIER anschauen 

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Kommen wir jetzt aber zur Theorie hinter dem Pferdeflüsterei-Anti-Stress-Training: 

Schritt 1: Mach dein Pferd vertraut mit dem Gegenstand / der Situation und nimm dir Zeit

Wir wollen so unglaublich viel von den Pferden und machen uns viel zu selten bewusst, dass das meiste davon nicht ihrer Natur entspricht. Deswegen gilt dieser Punkt – genau wie die anderen beiden – auch für neue Gegenstände. 

Ich gebe dir nur ein Beispiel: Kein Pferd dieser Welt würde von sich aus etwas freiwillig etwas auf seinem Rücken tragen. Denn das ist der Ort, wo sie am empfindlichsten und verletzbarsten sind und genau das ist ziemlich sicher auch der Ort, wo der Puma in der Wildnis hinspringen würde, um das Wildpferd töten und fressen zu können. Das muss man sich nur einmal bewusst machen, um zu verstehen, was es für Pferde bedeutet uns oder einen Sattel auf ihrem Rücken zu tragen. Deswegen sattle NIE ein Pferd mit Selbstverständlichkeit – es ist unfassbar groß und toll, dass das Pferd das mit sich machen lässt. 

Wenn du also einen Gegenstand hast, den dein Pferd nicht mag oder bei dem es Stress hat, dann ärgere dich nicht, sondern hilf deinem Pferd und mache es vertraut mit dem Gegenstand.

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Lass ihm Zeit, damit immer wieder im Alltag umzugehen. Du solltest nicht immer gleich alles auf einmal wollen, sondern kleinschrittig vorgehen und immer erst den nächsten Schritt machen, wenn dein Pferd mit dem vorhergehenden entspannt und stressfrei umgehen kann. Wie du das genau angehen kannst, erkläre ich dir gleich noch in dem Part mit der praktischen Umsetzung. 

Damit kommen wir zu Schritt 2. 

Schritt 2: Routinen schaffen Erwartbarkeit und Sicherheit

Was Pferde am meisten lieben – neben Futter, Balance und Harmonie – ist Sicherheit. Denn sie sind ihrem Ursprung nach nun einmal Fluchttiere. Deswegen mögen sie unsichere und unbekannte Dinge oder Situationen meist nicht so gerne. Das ist nicht einschätzbar für sie und damit eine potentielle Gefahrenquelle. 

Pferde sind Gewohnheitstiere, denn Gewohnheiten und Routinen geben Sicherheit.

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Deswegen ist es unglaublich hilfreich, wenn du aus Stressgegenständen oder Stresssituationen nach und nach Routinen machen oder sie mit Routinen verbinden kannst.

Ein Beispiel für Routinen habe ich HIER im Artikel für dich – das Bürsten ZEN! 

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Kurz gesagt: Ich habe meiner Stute das an einigen Stellen ungeliebte Bürsten mit der zimmergleichen Putzroutine schmackhaft gemacht. So weiß sie genau, wann was kommt und kann entspannen. Wenn du das ausführlich wissen willst, dann klick einfach oben auf den Link und schnapp dir den ganzen Artikel dazu. 

Du schaffst also Routinen und über die Routinen Sicherheit. Gleichzeitig musst du deinem Pferd ja auch während dem Training vermitteln, welche Routine du mit ihm aufbauen willst. 

Irgendwie musst du deinem Pferd aber auch vermitteln, dass es gerade das Richtige macht und was du genau von ihm haben möchtest. Das kannst du natürlich über Lob und Pausen lösen. Aber dafür musst du vorher Energie aufbauen. Denn ohne vorherige Energie, gibt es keine Pause.

Viel besser funktioniert es aus meiner Erfahrung aber, das Ganze mit Leckerli zu lösen. 

Damit kommen wir zu Schritt 3.

Schritt 3: Leckerli sind DEIN Topverstärker

Denn was mit ziemlich großer Sicherheit viel mehr Zufriedenheit und Glück beim Pferd auslöst als das Ende von Druck – ist etwas durch und durch Schönes. Was gibt es für die meisten Pferde Schöneres als Futter?

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Pferde lieben nun einmal Futter und du löst damit sofort ein Gefühl der Zufriedenheit aus, das dein Pferd dann auf den Stressgegenstand übertragen kann. 

Wenn du ein Leckerliverweigerer bist, dann musst du dir einfach die praktischen Schritte etwas anpassen und überlegen, wie du das Konzept mit „Druck und Pause“ umsetzen kannst. Aber ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass das bei weitem nicht so gut funktioniert, wie sinnvoller Einsatz von Leckerli. 

Wenn du jetzt doch neugierig geworden bist, dann kannst du HIER Schritt für Schritt nachlesen, wie du die Leckerli-Höflichkeit mit deinem Pferd trainieren kannst

Oder du schnappst dir gleich unseren ganzen großen Online-Videokurs zum Thema „Clickern“ – wenn du ganz und gar in die Methode einsteigen willst. 

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Praxisbeispiel: So kannst du deinem Pferd den Stress wegtrainieren

Als Beispiel bekommst du mein Training gegen den Sattelzwang, den meine Stute leider hatte. Heute kann ich sie schon ziemlich entspannt satteln und es wird von Mal zu Mal immer besser.

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Meine Stute hatte von Anfang an diverse Stressanzeichen, wenn sie ein Reitpad, Sattel oder Gurt gesehen hat. Nichts sollte auf ihren Rücken und das hat sie durch trippeln, weggehen und einen hochgerissenen Kopf ziemlich deutlich gesagt. 

Das erste Mal gemerkt habe ich es als ich das Thema “Satteln” angehen wollte: Als sie frisch bei mir angekommen ist und ich nach ein paar Monaten Bodenarbeit auch einfach mal das Satteln und Gurten üben wollte und das erste Mal mit meinem Reitpad auf meine Stute zukam, ist sie weggehüpft und hat leicht drohend ihr Hinterbein gehoben. Du kannst also zusammen mit mir erahnen, dass da beim ersten Handling irgendetwas gewaltig schief gelaufen ist. 

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Neustart – das kann helfen

Also habe ich das Pad erst einmal beiseite gelegt und unsere Beziehung mit viel Bodenarbeit gefestigt. Wir hatten ja Zeit und sie war ohnehin anfangs zu jung zum Anreiten. Ich wollte damals das Satteln ja einfach nur üben ohne zu Reiten.

Ich bin das Ganze dann nach einer längeren Pause nochmal angegangen. Diesen Weg beschreibe ich dir jetzt kurz und knapp. 

Was hier in ein paar Zeilen passt, hat allerdings Wochen und Monate gedauert. Denn ich habe immer wieder Pausen gemacht und ihr sehr viel Zeit gelassen. Du siehst also, dass Zeit und Geduld zwei wesentliche Faktoren sind, wenn du ein Problem grundsätzlich auflösen willst. 

Je nach Schwere der schlechten Erfahrungen und Persönlichkeit des Pferdes kann so etwas Minuten, Tage, Wochen oder sogar Monate dauern. 

Eine Frage der Zeit

Ich präsentiere dir jetzt gleich meine „Leckerlitrainings“-Version, die Ansätze aus dem Clickern mit einbezieht.

Die ungeliebte Sprühflasche habe ich meinem Pferd so innerhalb weniger Minuten erklären können, weil sie vermutlich noch keine schlechten Erfahrungen damit gemacht hatte und die Flasche und das Geräusch einfach nur seltsam fand. 

Der ungeliebte Sattel und Gurt hat mich dagegen Monate Zeit gekostet, weil die damit verbundenen ersten Erfahrungen ziemlich sicher eher schlecht und sehr unangenehm für mein Pferd waren. 

So habe ich es geschafft, den Sattelzwang meines Pferdes aufzulösen

Kommen wir also zu meinem praktischen Beispiel für dich, wie ich es geschafft habe meinem Pferd den Sattelzwang zu nehmen und wie ich grundsätzlich gerne mit Stressgegenständen bei Pferden umgehe. 

Für Pferde zählt jeder Gegenstand neu – deswegen habe ich das ganze erst mit dem Reitpad, dann mit dem Longiergurt und dann mit meinem Sattel jeweils neu durchgearbeitet. Aber weil Pferde natürlich auch nicht dumm sind und Routinen helfen, ging es jedesmal schneller. 

Was mich mit dem Pad Monate gekostet hat, ging mit dem Longiergurt in wenigen Wochen und beim Sattel schon innerhalb weniger Tage. 

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Ich beschreibe dir jetzt den Weg Schritt für Schritt. Diese ganzen Schritte habe ich natürlich nicht innerhalb einer Trainingsstunde am Stück gemacht, sondern über Tage und Wochen gezogen:

  1. Pferde lieben Routinen und sind von Natur aus neugierig. Wenn sie etwas kennen und damit besser einschätzen können, ist es schon gar nicht mehr so gruselig für sie. Deswegen habe ich mein Filzpad einfach immer direkt an den Putzbalken gehängt und mein Pferd daneben gefüttert. Sie hatte also das Filzpad immer wieder vor Augen, konnte daran schnuppern und den Gegenstand zu einer Gewohnheit werden lassen. Er war einfach immer da und wollte erst einmal nichts von ihr.
  2. Jede Annäherung an das Filzpad wurde von mir parallel mit einem Leckerli belohnt
  3. Sobald sie stressfrei neben dem Filzpad stehen und fressen konnte, habe ich es ihr hingehalten und belohnt, wenn sie es mit der Nase berührt hat
  4. Sobald das stressfrei ging, habe ich mich mit dem Filzpad angenähert – aber nur, wenn sie dabei keine größeren Stressanzeichen hatte
  5. Anschließend habe ich sie irgendwann so auch kurz mit dem Filzpad berühren können und belohnt, wenn sie sich ruhig vom Filzpad hat berühren lassen
  6. Sobald das Stressfrei ging, habe ich mich dem Rücken angenähert und immer dann mit einem Leckerli belohnt, wenn sie dabei ruhig stehenbleiben konnte – dabei hat sie das Pad erst einmal nicht berührt
  7. Hatte sie Stress, bin ich wieder ein bisschen weg – im Grunde das Prinzip von „Annäherung und Rückzug“ – verbunden mit Leckerli
  8. Sobald ich mich Stressfrei dem Rücken annähern konnte, habe ich das Pad in die Luft gehoben und auch da so lange genau das immer wieder gemacht, bis ich es um sie herum schwenken und heben konnte, ohne, dass sie Stress dabei hatte – jedes ruhige Stehen, habe ich mit einem Leckerli belohnt
  9. Sobald das Stressfrei ging, habe ich das Pad auf ihren Rücken gelegt und sie gelobt als ob es kein Morgen gäbe, als ich das durfte – on Top gab es eine Extraportion Leckerli
  10. Ich habe dann einfach das Pad immer wieder auf den Rücken gelegt und wieder runtergenommen – ohne zu gurten – um ihr zu zeigen, dass das Pad nicht gleich gegurtet wird. Das Ganze wurde jedesmal bei Ablegen auf den Rücken mit einem Leckerli belohnt. So hat sie im Grunde gelernt, dass der ungeliebte Gegenstand auf dem Rücken mit etwas schönem verbunden ist: Leckerli gab es immer dann, wenn das Pad sie berührt hat
  11. Das Gleiche habe ich von beiden Seiten wiederholt

Sobald in diese Situation des „Auflegens“ eine Routine gekommen ist, kannst du den nächsten Schritt gehen. 

Aber, damit dein Pferd weiterhin Routinen als Sicherheit hat, kannst du einzelne Schritte einfach grundsätzlich in dein alltägliches Satteln einbauen. 

Bei uns sind das folgende Schritte: 

  1. Meine Stute darf sich den Sattel immer erst kurz anschauen und ihn mit der Nase berühren – dafür gibt es ein Leckerli
  2. Dann frage ich, ob ich ihn auf den Rücken legen darf, indem ich ihn hinhalte
  3. Bleibt sie entspannt kommt er auf den Rücken und sie bekommt ein Leckerli
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Jetzt geht es weiter mit dem Gurten. Ich beschreibe dir wieder, wie ich es Schritt für Schritt angegangen bin. 

  1. Ich habe mich mit dem Gurt neben sie gestellt und damit geklackert und gewackelt, damit sie Routine mit dem Geräusch der Gurtschnallen bekommt
  2. Sobald sie das stressfrei angenommen hat habe ich ihr den Sattel nach dem gewohnten Prinzip aufgelegt und mit dem Gurt nochmal am Sattel geklackert – ist sie ruhig geblieben, gab es ein Leckerli
  3. Sobald sie das stressfrei angenommen hat, habe ich angefangen den Gurt sanft seitlich herunterfallen zu lassen – immer wieder, immer wieder…in einem gleichmäßigen ruhigen Rythmus. Jedesmal wenn sie ruhig stehen geblieben ist, gab es ein Leckerli
  4. Dann bin ich auf die andere Seite gegangen und habe den Gurt erst leicht, dann etwas fester gegen die Gurtlage gedrückt – blieb sie ruhig stehen, gab es ein Leckerli
  5. Das Ganze habe ich ein paar mal wiederholt
  6. Sobald sie das stressfrei angenommen hat, bin ich wieder zurück auf die andere Seite und habe den Gurt unterm Bauch zu mir rübergeholt – dafür gab es sofort ein Leckerli
  7. Anschließend habe ich ihn von dort gegen die Gurtlage gedrückt – sobald der Gurt sie berührt hat und sie ruhig dabei blieb, gab es immer sofort ein Leckerli
  8. Sobald das stressfrei mehrfach hintereinander ging, habe ich die ersten Gurtschnallen durch die Löcher – der Gurt lag dabei noch komplett lose und mit viel Luft zum Bauch
  9. Danach ging es ans Gurten – ich habe dabei immer erst zweimal leicht am Gurt gezogen und erst dann das nächste Loch gegurtet – Loch für Loch. Für jedes neue Loch ohne Stress gab es ein Leckerli. Hatte sie Stress mit einem Loch – habe ich gewartet, bis sie sich entspannt hat oder gestoppt und am nächsten Tag nach dem gleichen Prinzip weitergemacht
  10. So haben wir uns Loch für Loch hochgearbeitet bis zum fertigen Gurten und einem gut sitzenden Reitpad

Das Gleiche habe ich mit dem Longiergurt wiederholt und letztlich jetzt noch einmal mit dem Sattel. Das war allerdings eine sehr knappe und kurze Zusammenfassung von einem Training, das letztlich über Monate ging.

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Je nach Tagesform und Stressfaktor habe ich auch nach einzelnen Schritten aufgehört, wenn sie gut liefen und ein paar Tage gar nicht gesattelt.

Warum ich das gemacht habe?

  1. Um das Pferd nicht zu überfordern
  2. Um das Pferd für seinen Mut zu belohnen
  3. Um dem Pferd zu zeigen, dass es in stressigen Situationen Verständnis von mir bekommt
  4. Um dem Pferd zu zeigen, dass nicht auf jedes gute Verhalten noch “einer obendraufgesetzt wird”, sondern es sich lohnt mitzuarbeiten
  5. Um dem Pferd Raum und Zeit zu geben über die neue Erfahrung nachzudenken

Du musst wissen: Je tiefer die Erfahrung sitzt oder je größer das Misstrauen deines Pferdes einem Gegenstand gegenüber ist, desto länger wirst du brauchen. 

Ganz wichtig ist, dass du dir immer Zeit lässt, konsequent jeden positiven kleinen Schritt mit einem Leckerli belohnst, Pausen einbaust und bei berühren mit dem Gegenstand auch immer ein Leckerli gibst oder wenn dein Pferd die Situation, um die es euch geht entspannt mitmacht. 

Außerdem solltest du nach einem guten Schritt auch immer eine Pause machen oder sogar die Übung beenden und erst am nächsten Tag weitermachen. 

Trotzdem musst du auch mal dran bleiben, so dass aus der Gesamtsituation auch eine Routine wird. Du siehst also, dass es keinen ganz pauschalen Weg gibt, sondern du immer auch auf dein Pferd achten musst, um zu erkennen, ob du gerade eine Pause machen solltest, besser dran bleibst oder ganz anders agierst.

Wenn du es schaffst die richtige Balance aus Routine, Lob, Forderung ohne Überforderung zu finden, kannst du den negativ belegten Gegenstand oder die Situation nach und nach wieder positiv besetzen. 

Hast du auch Gegenstände oder Situationen, bei deinen du immer wieder Probleme mit deinem Pferd hast? Schreib mir gerne in die Kommentare! Ich freue mich auf deine Geschichten, Ideen und Erzählungen. 

Hat dir dieser Artikel weitergeholfen? Oder findest du, dass ihn deine Pferdefreunde unbedingt lesen müssen?  

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