Stell dir vor dein Pferd steht einfach nur herum und verbessert dabei seine Trittsicherheit, seine Gelassenheit und Balance. Es steht einfach nur herum, lässt entspannt die Lippen hängen und die Unterlippe zittert vielleicht sogar ein bisschen und dann kaut es irgendwann ab und schläft dabei fast ein. Wellness pur! Plus: Mehr Sicherheit, Balance und Losgelassenheit. Das alles können die Balance Pads für dein Pferd erreichen. Wie genau erfährst du hier im Artikel.

Pferdetraining mit Balance Pads

Es ist unglaublich wie sehr die Pferde in sich und in ihren Körpern spüren können. Das zeigt sich für mich auch an den Balance Pads, mit denen du dein Pferd immer mal wieder zwischendurch trainieren lassen kannst.

Ich schreibe bewusst “trainieren lassen”, weil die Pferde bei den Balance Pads selbst entscheiden sollen, wie lange sie sie nutzen und wie sie ihre Hufe stellen wollen. Das sind keine reinen Trainingstools für die Muskulatur oder Tools die man nach Schema F mit dem Pferd durchexerziert, sondern Wellness und “Verbindungshelfer” für den Körper deines Pferdes.

Anke Recktenwald Balance Pads Körperbänder Tellington

Was meint “Verbindungshelfer”? Verbindungshelfer meint, dass sich einerseits manche Blockaden lösen können durch die Arbeit mit den Körperbändern, weil verschiedene Teile in Kommunikation miteinander kommen, die gerade eigentlich nicht so gut reden miteinander durch Blockaden und aber vor allem dass sich Synapsen, Nervenverbindungen und Körperteile in Kommunikation miteinander schwingen durch die Nutzung der Balance Pads.

Kurz gesagt: Dadurch wie dein Pferd sich auf die Pads stellt, leichte Bewegungen macht und in sich hineinhört fangen offenbar Nerven und Körperteile miteinander an zu reden und dadurch entsteht ein besseres Körpergefühl in deinem Pferd. Das wiederum steigert die Balance, das Bewusstsein deines Pferdes für seine Körperteile und seine Verbinden zueinander und damit wiederum die Sicherheit, Gelassenheit und Losgelassenheit deines Pferdes.

Balance Pads – ein Erfahrungsbericht

Ich schildere dir erst meine persönliche Erfahrung mit meiner Stute und dann erklärt dir die Trainerin und Macherin der bekanntesten Lehr-DVD zu den Balance Pads – Anke Recktenwald – im Interview, wie du sie einsetzen kannst, was sie alles bewirken und wie du sie deinem Pferd ganz einfach erklären kannst.

How to Balance Pad – ein Video

Wir haben auch ein YouTube-Video für dich, in dem dir Anke Schritt für Schritt zeigt, wie du die Balance Pads mit deinem Pferd trainieren kannst:

Und jetzt kurz mein Erfahrungsbericht, damit du sozusagen einen persönlichen Beweis dafür hast, warum du unbedingt auch mit Balance Pads trainieren musst. Ich bin total begeistert von den Teilen!

Anke Recktenwald Balance Pads Körperbänder Tellington

Der Erfahrungsbericht zu den Balance Pads

Nach der Anleitung von Anke Recktenwald habe ich meine Stute also mit den Balance Pads trainieren lassen. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt seit 2 Wochen eine Verletzung am Hufballen, die so stark war, dass sie insgesamt knapp 3 Wochen Boxenruhe und 2 Wochen Paddockruhe halten musste, weil der tiefe Schnitt sonst nicht verheilt wäre.

Die Verletzung war also “nur” angeheilt. Trotzdem habe ich sie auf die Balance Pads gestellt – auch nach kurzer Absprache mit dem Tierarzt – weil ihr ziemlich langweilig war und weil bei den Pads nicht so viel direkte Bewegung auf den Huf kommt, dass die Wunde wieder aufgerissen wäre.

Sie hat sich ziemlich schnell auf die Pads eingelassen und stand auch länger auf allen Hufen entspannt am Platz auf den Pads, was durchaus ungewöhnlich für mein ungeduldiges Pferde ist. Dann hat sie nach kürzester Zeit den Kopf fallen lassen, die Augen fast geschlossen und entspannt. Jeden Huf hat sie tatsächlich etwas anders gesetzt und unterschiedlich lange auf den Pads gelassen.

Anke Recktenwald Balance Pads Körperbänder Tellington

Was ich aber besonders spannend fand:

  • Den verletzten Huf hat sie am längsten auf den Pads stehen lassen
  • Ihre schlechtere Seite (die rechte Seite) hat sie grundsätzlich etwas länger auf den Pads stehen lassen als die bessere Seite

Das lief also genau andersherum als ich getippt hätte und zeigt mir, dass sich wirklich etwas wohltuendes und verbindendes zwischen den Körperteilen tun muss im Pferd, während es auf den Pads steht. Denn eigentlich ist ja das Stehen auf den Pads anstrengender als das Stehen auf dem festen Boden, denn das Pferd muss die weichere und nicht so stabile Oberfläche ja ausgleichen. Trotzdem blieb meine Stute genau mit den Beinen und der Körperseite freiwillig länger stehen, die gerade belasteter waren durch die Verletzung beziehungsweise die schlechter balanciert sind.

Anke live treffen – so gehts!

Wie genau das funktioniert und was es bewirkt, erzählt Anke Recktenwald dir jetzt ausführlich im Interview.

INFO: Anke Recktenwald ist auch Speaker bei #pfernetzt2019 und erklärt dir dort in ihrem Vortrag über Balance Pads mit vielen Praxiselementen, wie du richtig damit trainierst, was die Pads alles für dein Pferd tun können und wieso sie ein so grandioses Tool für Pferdemenschen sind.

PFERNETZT ist DER Event für Pferdemenschen. Er findet auch 2019 wieder auf der Fohlenweide in Fulda statt – vom 25.-26. Mai. Dort dreht sich 2 Tage lang alles um pferdefreundliches Training, Vertrauen, Bindung, Motivation und gesunde natürliche Pferdehaltung. Von der artgerechten Fütterung, über Facts zu Pferdeanatomie und Stoffwechsel bis zu gesunderhaltendem und feinem Training für dein Pferd. Knapp 20 Trainer teilen dort ihr Wissen in vielen vielen Fachvorträgen mit dir.

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Hier kannst du dir ein Video vom letzten Event anschauen:

Wie du mit Balance Pads richtig trainieren kannst

Interview über Balance Pads und was sie für Balance und Losgelassenheit des Pferdes tun können

Anke Recktenwald Balance Pads Körperbänder Tellington

Pferdeflüsterei.de: Die Balance Pads sind jetzt unser Thema. Die begegnen einem ja mittlerweile überall. Jeder spricht über Balance Pads! Aber was genau sind die eigentlich und was können die für das Pferd tun?

Anke Recktenwald: Also ursprünglich sind es ja sogenannte Stabilisierungs-Pads und kommen aus der Physiotherapie. Und normalerweise werden da Menschen daraufgestellt und machen Übungen, um halt Haltestrukturen zu trainieren. Das ist die eigentliche Idee. Wendy Murdoch, das ist eine Feldenkrais-Trainerin und Kollegin von mir aus Amerika, kam irgendwann auf die Idee ein Pferd daraufzustellen.

Die Balance-Pads haben so einen Auftrieb. Dieser Auftrieb gibt in das Nervensystem Informationen und der Körper fängt ganz selbstständig an sich neu auszubalancieren. Irgendwie fördert das die Wahrnehmung des Körpers, wo er im Raum ist und dann, manchmal balanciert er sich zurecht, also schaukelt so ein bisschen und manchmal steht das Pferd auch einfach nur da und die Muskeln, die angespannt sind, lösen sich. Und dadurch, dass die angespannten Muskeln sich lösen, können die Muskeln, die bis dahin zu schlaff waren, sich wieder ein bisschen kontrahieren.

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Das heißt, diese Losgelassenheit…. dieses Wort liebe ich ja sehr, weil Losgelassenheit heißt, dass alle Muskeln sich an und abspannen können und keiner hält. Keiner tut nichts und keiner hält fest. Alle Muskeln sind in der Lage sich zu bewegen…das entsteht dadurch.

Und dadurch, dass dieses Gleichgewicht in der Muskulatur entsteht, kommt das Pferd natürlich auch mittiger, Gelenke drehen sich oft noch mal in die richtige Richtung, was man bei den Beinen ganz oft sieht.

Wenn ein Pferd eine Fehlstellung hat, zum Beispiel mit den Zehen nach außen gedreht ist, dann liegt das oft daran, dass es eine Spannung in den Schultern hat, die die Ellbogen ranziehen und so die Füße verdrehen. Nur mal als ein Beispiel. Wenn es jetzt auf den Pads steht, dann löst sich dieser Bereich oft, auch manchmal durch die Bewegungen, aber auch ohne sichtbare Bewegungen. Und wenn das Pferd nachher wieder auf dem Boden steht, steht es gerader.

Balance Pads – Mehr Balance und Geraderichten

Pferdeflüsterei.de: Es ist also gar nicht das Muskeltraining, was man immer denkt, sondern es geht mehr ums Geraderichten und Balance? Körperbewusstsein? Wissen, was sind meine Hufe, was sind meine Beine, was ist mein Rücken, was ist mein Hals?

Anke Recktenwald: Das ist eigentlich sehr genial ausgedrückt. Also das Pferd erfährt sich selbst wieder. Gerade  die Hinterhand ist bei vielen Pferden nicht so im Bewusstsein.

Pferdeflüsterei.de: Leider!

Anke Recktenwald: Ja, leider. Und das kommt natürlich oft auch durch unsere Arbeit mit ihnen, dass die so wie getrennt sind. Und wenn die Pferde auf den Pads stehen, lernen sie ihre Beine wieder zu spüren und spüren wie sie auch Gewicht darauf bringen können. Die angespannte Lendenwirbelsäule lässt vielleicht los, der angespannte Rücken lässt los und dann arbeitet dieser ganze Körper wieder funktional zusammen. Also die Idee ist tatsächlich Gleichgewicht im ganzen Körper.

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Pferdeflüsterei.de: Heißt aber auch, ich kann damit noch mehr von dem viel gewünschten Schwung entwickeln, weil das Pferd eben besser mit der Hinterhand untertreten kann?

Anke Recktenwald: Genau und idealerweise ist Schwung ja so, dass die Hinterhand untertritt und der Rücken sich dabei aufwölbt. Ich kann nicht nur am Rücken arbeiten dafür und ich kann nicht nur am Bein arbeiten, sondern das geht ja wirklich idealerweise, wenn ich wirklich Schwung will, durch den ganzen Körper. Und zwischen dem Hinterhuf und dem Genick ist ziemlich viel. Es sind ziemlich viele Gelenke, ziemlich viele Knochen und ziemlich viele Muskeln. Es ist nicht immer so ganz klar zu sehen bei welchem dieser Bereiche jetzt die Spannung ist, die den Schwung verhindert.

Aber wenn das Pferd auf den Pads steht, dann kann man sehr oft sehen, wie es das Genick löst oder die Halsbasis. Und es fängt irgendwo im Körper an zu reagieren und das verändert den Teil auf dieser gesamten Strecke, der halt gerade nicht optimal funktioniert. Und dadurch spielt das Ganze halt nachher wieder zusammen und dann kann sich richtig Schwung entwickeln.

Beispiele – was die Balance Pads bewirken können

Pferdeflüsterei.de: Du arbeitest ja super viel mit den Balance-Pads. Hast du da auch so ein, zwei Beispiele, die dich vielleicht besonders beeindruckt haben oder wo du sagen kannst, daran habe ich echt gesehen, wie krass die Teile eigentlich wirken?

Anke Recktenwald: Ja, also was ich immer wieder sehr faszinierend finde ist, wenn ich tatsächlich mit Pferden arbeite, die auch gesundheitliche Störungen haben. Und eines der sichtbarsten und dem Fall auch hörbarsten Beispiel war mit zwei Warmblut-Pferden, die waren schon älter und hatten beide Arthrose in der Vorhand und die waren mit Eisen beschlagen. Die kamen über ein Verbundsteinpflaster und das klirrte wenn die mit der Vorhand liefen richtig auf dem Boden.

Dann haben wir mit denen mit den Balance-Pads gearbeitet und die konnten mit der Vorhand gar nicht auf den Pads stehen. Wenn die Arthrose stark ausgeprägt ist, dann ist diese kleine Wackelbewegung schon zu viel des Guten, aber die standen sehr lange hinten. Durch die Pads haben die offenbar wieder gespürt, dass sie ihre Hinterbeine zum Tragen nutzen können.

Und dann gingen sie wieder über das Pflaster und waren einfach nur noch normal laut. Die Schrittlänge war doppelt so groß. Das war für mich sehr interessant, weil die Pads eben nicht unter den Hufen gewirkt haben, sondern dort, wo das Pferd nicht mehr mit der Aufmerksamkeit war.

Pferdeflüsterei.de: Das ist schon wirklich Wahnsinn.

Anke Recktenwald: Ja, das sind so Sachen, wo ich mir sage: Wow, irgendwie ist da ein bisschen Magic drin! Also da ist ein Teil, den ich nicht verstehe. Oft kann ich das gar nicht nachvollziehen. Aber es zeigt einfach, dass es noch mal Nervenverbindungen aktiviert und wieder ein Bewusstsein in Bereiche bringt, die dann wieder funktionieren können. Also Taktveränderung und Taktverbesserungen sind ganz deutlich, wo man merkt die Spannung, wo auch immer im Körper, wird gelöst.

Pferdeflüsterei.de: Und wenn man das, ich sage mal gesunde Otto-Normal-Pferd nimmt, hast du so eine kleine Liste, wo du sagst, das können die Balance-Pads eigentlich im Grunde für die meisten Pferde tun?

Anke Recktenwald: Also grundsätzlich gibt es nahezu nichts, wofür ich es nicht wenigstens mal probieren würde. Was aber zum Beispiel ganz deutlich ist, ist der Hufschmied. Wenn die Pferde beim Hufschmied nicht gut stehen liegt das oft daran, dass sie nicht so gut sind in der Gewichtsverteilung, also dass sie ein Bein mehr belasten zum Tragen als das andere. Da hilft es ihnen, dass sie sehr viel komfortabler beim Schmied stehen. Manche Leute machen das jedes Mal bevor der Schmied kommt.

Es verbessert auch das Hängerfahren und das Balancieren im Hänger. Wir hatten ein Pferd im Kurs, haben das auch nur einen Nachmittag gemacht und dann stand das zum ersten Mal komplett still im Hänger. Das verändert auch den Takt und die Losgelassenheit.

Die Pferde lassen sehr schön los, also man sieht, die Pferde kommen so ins Spüren, dann entspannen die Muskeln und diese physische Losgelassenheit macht ja auch eine mentale Losgelassenheit.

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Pferdeflüsterei.de: Also mehr Sicherheit im Grunde auch, weil das Pferd besser balanciert ist und seinen Körper besser kennt und sich dann wohler fühlt?

Anke Recktenwald: Genau, dieses „ich kann mich hier wirklich entspannen“ für das Pferd, sorgt für mehr Sicherheit. Und auch in anderen Situationen, also auch zum Beispiel beim Turnier, wenn man abends noch mal relaxen möchte. Ich würde es jetzt nicht unbedingt vor dem Reiten machen, weil manchmal wenn die Pferde große Prozesse durchmachen brauchen sie einfach eine Pause, das könnte dann ein bisschen kontraproduktiv sein mit dem anschließenden Turnier.

Ganz toll sind sie auch bei Brust und Schultergeschichten. Oft ist der Brustkorb fest bei den Pferden. Vor allem bei Pferden, die viel auf der Vorhand laufen und da kommt man nicht so gut ran. Und wenn man die Pferde auf den Pads stehen hat, dann sieht man wie die sich verschieben. Und die schieben dann den Brustkorb in Relation zu den Schultern. Das ist so ein Feldenkrais-Ansatz. Im Feldenkrais haben wir ja ganz oft die Idee, dass wir die Bewegung von der anderen Seite aus machen.

Also das heißt, wenn ich jetzt zum Beispiel denke, dass ich mit der Bewegung des Ellenbogen Beugens ein Problem habe, dann fange ich halt mal an meinen Brustkorb zur Hand zu bringen. Es passiert in dem Gelenk das Gleiche, aber die klassische Bewegung ist vielleicht angstbesetzt oder irgendwie mit Schmerz belegt und die neue Richtung nicht. Dann erkennt das Nervensystem, dass das ja geht. Und dann geht das auch wieder andersherum. Und so ist es beim Pferd, wir bewegen die Pferde meistens über das Bein an die Schulterkontrolle und wenn das jetzt irgendwie nicht mehr positiv abgespeichert ist, dann lassen wir über die Pads das Bein stehen und bewegen das Pferd zwischen den Schultern. Und dadurch entwickelt sich auch noch mal eine andere Schulterfreiheit.

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Balance Pads – Wellness oder Training

Pferdeflüsterei.de: Sind dann Balance-Pads eher Training oder eher Wellness und Entspannung?

Anke Recktenwald: Es ist erst mal, glaube ich, nicht körperlich anstrengend, sondern mehr gehirntechnisch anstrengend. Wenn der Körper sich in neue Bewegungsmuster begibt, braucht das Zeit.

Wenn ich zehn Jahre meine Schultern hochziehe und weiß nichts davon und lerne jetzt sie loszulassen, dann ist das enorm neu. Und der Körper und dieses Neue, dieses Fremde, das braucht einfach ein bisschen Zeit um wieder Vertrauen reinzubekommen.

Wer bin ich denn, wenn meine Schultern da sind oder wie bewegt sich denn mein Körper, wenn meine Schultern jetzt auf einmal da unten sind. Wenn man dann zum Beispiel direkt reitet oder ich gehe dann direkt einen Marathon laufen, werde ich ganz schnell meine Schultern wieder hochziehen, weil das ist das, was ich kenne. Und es ist völlig egal, ob das Neue gesünder wäre und mich leistungsfähiger macht, es ist zu fremd.

Damit dieses Fremde genutzt wird, braucht man ein bisschen Zeit und ein bisschen Ruhe, das zu integrieren. Und deswegen lasse ich die Pferde auch erst mal tun was sie wollen. Manche Pferde laufen dann zehn, fünfzehn Runden, ganz bei sich und gucken erstmal, wie läuft es sich in diesem neuen Körper. Und die anderen stehen und ruhen sehr lange. Es ist wirklich ganz verschieden.

Aber das was wir machen, also dieses Balancetraining ist in dem Fall erst mal wirklich Gehirntraining. Das Pferd lernt neue Muster oder lernt begrenzende Muster zu lösen oder auch Schmerzen zu reduzieren. Aber dann ist es ja in der Lage alle Muskeln zu nutzen, also das Muskeltraining beginnt nicht auf den Pads. Das Muskeltraining beginnt danach, wenn es die Muskeln, die vielleicht für lange Zeit fest waren, wieder nutzt. Oder die Muskeln, die sich eben nicht zusammenziehen konnten, weil der Gegenspielermuskel fest war, wieder nutzen kann.

Balance Pad kaufen – welche sind die richtigen

Pferdeflüsterei.de: Es gibt ja irgendwie diverse Pads zu kaufen in den verschiedenen Fitnessläden und dann gibt es ja diese speziellen Pferde-Pads. Was würdest du denn raten, womit fängt man an?

Anke Recktenwald: Es kommt darauf an was man ausgeben möchte. Die besten Pads für die Pferde sind sicherlich die Sure Foot Pads von Wendy Murdoch, die eben auf diese Idee kam. Die hat vor ein paar Jahren ihre eigenen Pads entwickelt und die sind viereckig und haben drei verschiedene Stärken, also drei verschiedene Weichheitsgrade und einen als Keil. Weil viele Pferde, die zu flach stehen, dann wenn die mal auf einem Keil stehen, einfach ihre Gelenke ausgerichtet kriegen und dann wirklich nochmal Sachen loslassen können die anders nicht gehen. Und sie sind stabiler. Das sind die besten tatsächlich. Das zeigt sich allerdings auch im Preis, das Paar kostet 195 Euro.

Pferdeflüsterei.de: Ist schon krass für den Einstieg…

Anke Recktenwald: Das ist natürlich eine Summe, die gibt man nicht unbedingt aus. Die von Theraband sind günstiger und kommen aus der Physiotherapie. Ich finde sie sehr gut. Die reißen oft ein, wenn die Pferde darauf stehen und den Huf drehen. Sie sind dann zwar nicht mehr schön, funktionieren aber immer noch und sie kosten so um die 30 Euro.

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Kann man mit Balance Pads was falsch machen?

Pferdeflüsterei.de: Da gibts ha verschiedene Farben – Grün und blau – was ist da gut für den Einstieg?

Anke Recktenwald: Am Anfang nimmt man sich die Grünen, die sind ein bisschen fester. Die heißen im Internet „leicht“, weil es leicht ist zu balancieren, nicht weil sie leichter sind. Das ist immer so ein bisschen irritierend. Die Blauen sind die nächste Stufe. Sie sind weicher und das ist für das Pferd schwerer. Wenn irgendwelche gesundheitlichen Sachen sind, wie eine Arthrose, eine Entzündung, eine Verletzung, dann sind die Grünen auch immer noch leichter für die Pferde zu handlen, während die Blauen dann schon herausfordernd werden. Und für manche Pferde sind die Blauen einfach viel zu anstrengend am Anfang. Wenn ich dann mehr will nehme ich zwei blaue dazu und dann kann ich anfangen zu variieren. Aber Überforderung bringt eher mehr Nachteile.

Pferdeflüsterei.de: Und man braucht zwei, weil man das Pferd eh nie auf alle vier stellt?

Anke Recktenwald: Doch man stellt sie auch schon mal auf vier, aber wenn man nur mit zweien arbeitet, kann man auch schon super viel erreichen. Es ist nicht so, dass je mehr Pads unter den Füßen liegen desto besser.

Pferdeflüsterei.de: Nicht Pads stapeln unter dem Huf zum Beispiel?

Anke Recktenwald: Genau, das hatte tatsächlich einer auch schon gemacht. Das ist einer der Gründe warum ich überhaupt diese DVD gemacht habe, weil viele gedacht haben, das ist wie ein Trick und je mehr desto besser. Die besagte Person hatte dann unter beiden Vorderhufen je zwei Pads gestapelt. Das Pferd war sehr brav und hat das mitgemacht. Aber es stand da und war die ganze Zeit eigentlich nur am Kauen und Lecken und hat versucht sich irgendwie zu beruhigen, um das hinzukriegen und dann passiert natürlich keine Lösungsarbeit.

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Pferdeflüsterei.de: Gibt es denn noch mehr was ich falsch machen kann, wenn wir schon beim Thema sind?

Anke Recktenwald: Was ich keinem empfehle ist zum Beispiel zu clickern oder es mit Lob zu fördern. Pferde wollen uns gerecht werden und sie tun alles was in ihrer Macht steht, um unsere Wünsche zu erfüllen, solange sie es irgendwie leisten können. Wenn ich jetzt hingehe und ein Pferd wirklich lobe und sage: „Das ist ganz toll!“ und „Wie prima du das machst!“….

Pferdeflüsterei.de: …was ja der Reflex wäre :-)

Anke Recktenwald: Genau! Was wir intuitiv tun. Dann macht das Pferd das unter Umständen, weil ich es möchte. Aber dann achtet es nicht auf sich. Ich möchte, wenn die Pferde auf den Pads stehen, dass das  ihre Zeit ist. Ich will herausfinden, was das Pferd tun würde, wenn es mir sagen könnte: „Anke leg mal hierhin. Anke leg mal da hin. Ich hätte gerne das so oder so“ und ich bin einfach nur sein Helfer.

Ich will herausfinden was es braucht, dass es mit seiner ganzen Wahrnehmung nach innen gehen und erforschen kann, wo es loslässt, wo noch etwas anders sein kann, wo die Wirbel sich orientieren können, wo es nochmal den Kiefer locker lässt oder was auch immer nötig ist. Dazu muss ich mich raushalten und das Pferd sollte die Übung nur für sich machen. Deswegen lobe ich weniger, damit das Pferd nicht aufs Pad steigt, weil ich es will, sondern es so macht wie das Pferd es braucht. Da muss man sich als Mensch auch etwas zurückhalten – wir loben ja gerne.

Pferdeflüsterei.de: Ja, das geht gegen alle Reflexe.

Anke Recktenwald: Wir wollen ja immer streicheln und loben.

Pferdeflüsterei.de (lacht): Fein, brav, super!

Anke Recktenwald: Genau. Und da müssen wir bei den Pads einfach mal still sein. Denn die Pferde gehen für uns auch in den Schmerz.

Pferdeflüsterei.de: Also eigentlich brauche ich ein Pferd, das weiß, dass es auch nein sagen darf?

Anke Recktenwald: Das ist das Erste, was sie lernen dürfen.

Pferdeflüsterei.de: Deine Grundregeln sind also nicht clickern, nicht loben, sondern das Pferd fragen und dann beobachten.

Anke Recktenwald: Richtig, genau! Ganz viel beobachten und akzeptieren. Wenn das Pferd runtergeht, auch wenn man denkt, das war keine Absicht, das einfach akzeptieren und an den nächsten Huf gehen oder aufhören. Wir denken vielleicht ganz oft, dass es unbewusst geschehen ist, aber wenn das Pferd runtergeht will es in aller Regel auch runter. Lieber frage ich dann den anderen Huf, als dass ich das Pferd noch mal darauf stelle, obwohl es nicht mehr will.

Balance Pads trainieren – so gelingt der Start

Pferdeflüsterei.de: Und wie mache ich das mit einem Pferd, dem ich das komplett neu beibringe? Weil es ja durchaus Pferde gibt, die sagen: „Ich mag nicht auf die Plane, weil die Plane könnte spooky sein.“ Woran erkenne ich also quasi, dass das Pferd Angst hat vor dem Pad oder es einfach gar nicht mehr will?

Anke Recktenwald: In den meisten Fällen erkennst du das an der Geschwindigkeit. Ein Pferd, das aufgeregt ist oder das vor etwas Angst hat, bewegt sich im Allgemeinen ruckartiger und schneller. Dann stellen sie den Fuß darauf und ziehen ihn oft wieder schnell runter. Sie trauen dem Boden nicht und ziehen den Huf schnell wieder runter. Wohingegen ein Pferd, das nicht diese Angst hat, darauf steht und ihn langsamer runternimmt.

Ich sehe immer wieder, wenn die Pferde das Pad noch interessant finden, dann haben sie noch drei Beine, mit denen sie sich dann bewegen, wenn sie irgendetwas machen wollen und machen es nicht mit dem Huf auf dem Pad. Es ist manchmal sensationell zu sehen, wie die Pferde sich verrenken, um nicht den Fuß von diesem Pad nehmen zu müssen.

Wir hatten schon so viele Situationen, in denen wir dachten, dass das Pferd seine Aufmerksamkeit woanders hat, dabei hat es einfach auf seine Weise mit dem Pad trainiert.

Wir hatten zum Beispiel mal einen Haflinger: Der stand außen auf dem Paddock darauf und der drehte sich immer wieder mit dem Kopf um. Wir haben natürlich alle angefangen zu gucken was er da sieht oder hört. Manchmal hören und sehen sie ja andere Dinge als wir. Und dann stand er auf einmal eine Minute still und dann fing er an sich immer zur anderen Seite zu drehen.

Pferdeflüsterei.de: Wie spannend! Er hat einfach beide Seiten trainiert?

Anke Recktenwald: Ja, er hat einfach schnelle große Bewegungen gemacht um sich zu fühlen. Das habe ich in den letzten Jahren mit den Pads gelernt, dass die Pferde viel mehr körperliche Dinge bewusst entscheiden, als wir glauben.

Anke Recktenwald Balance Pads Körperbänder Tellington

Pferdeflüsterei.de: Da hast du Recht! Das heißt also zusammengefasst in Sachen Balance Pads: Wenn ich sage, ich will mit den Teilen starten und ich habe sie jetzt vor mir liegen, biete ich sie meinem Pferd an, achte darauf, dass mein Pferd keine Angst davor hat und lasse es ansonsten selbst entscheiden. Und wie gehe ich dann Schritt für Schritt vor?

Anke Recktenwald: Ich mache das natürlich langsam und lasse sie erstmal schnuppern. Ich beginne im Allgemeinen immer vorne links, da sind sie es in aller Regel gewöhnt. Viele führen von links,  steigen auf von Links, starten links mit dem Hufekratzen…das ist einfach das Vertrauteste.

Ich streiche dann über das Bein, so nach dem Motto: „Nimm dein Bein wahr, darum geht es jetzt.“, hebe es hoch, lege das Pad darunter und dann lasse ich das Bein langsam runter.

Die meisten Pferde stellen vielleicht erst mal nur die Spitze darauf und sagen: „Das ist aber ein weicher Untergrund, darauf kann man nicht stehen.“ und dann streichele ich das Bein und sage: „Versuch es, spür dich.“. Also ich sage nicht: „Stell ab!“. Ich sage einfach nur: „Nimm dein Bein, bringe dein Bewusstsein da hin, agiere intelligent und nicht instinktiv.“ Das ist alles.

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Ich bitte das Pferd einfach nur über diese Entscheidung nachzudenken. Und ganz viele Pferde stellen den Huf dann einfach darauf. Manche stellen ihn auch erstmal ab und denken: „Oh, was ist denn da?“. Dann mache ich es einfach nochmal, streichele das Bein ein bisschen und dieses Streicheln hilft ihnen. Es hilft einfach dem Pferd die Wahrnehmung in die Beine zu lenken, wenn sie noch nicht da ist.

Ich bleibe oft neben dem Pferd hocken und sage: „Es ist alles gut, ich bin da.“. Das hilft auch die Wahrnehmung dorthin zu bringen. Dann stehe ich sehr langsam auf, bewege mich langsam und warte bis das Pferd fertig ist.

Anke Recktenwald Balance Pads Körperbänder Tellington

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Pferdeflüsterei.de: Ich danke Dir ganz arg für das Interview!

Anke Recktenwald: Sehr gerne! Es lohnt sich einfach so sehr. Die meisten Pferde sind total dankbar. Manche Pferde stehen 25 Sekunden und manche Pferde stehen über eine Stunde, wenn sie nur mit einem Pad gearbeitet werden. Das ist die Zeit, die ich meinem Pferd schenken kann – egal wie lange es dauert. Die Pferde tun so viel für uns und geben sich so viel Mühe und ich habe ja auch etwas davon. Mein Pferd ist gesünder, es läuft besser, es macht seine Aufgaben besser. Aber vor allem geht es darum, dass wir unseren Pferden diese Zeit schenken, weil es den Pferden unglaublich gut tut.

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Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten “Ich”, das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

2 Kommentare zu “Balance Pads! So kannst du sie mit deinem Pferd trainieren

  1. Claudia sagt:

    Hallo liebe Petra,
    wieder ein toller Artikel und ein gutes Interview. Ich habe auch solche Pads mal von der heilpraktikerin empfoheln bekommen, aber eigentlich nie wirklich genutzt. Das werde ich gleich heute ändern und mein Pferdchen mal probieren lassen. Er hat immer mit Verspannungen und Blockaden zu kämpfen, die zwar regelmäßig "bearbeitet" werden, aber die Pads könnten auch noch ihren Teil dazu beitragen. Ich schreibe dir dann die Erfahrungen.
    Liebe Grüße Claudia

    • Petra sagt:

      Liebe Claudia, probiere sie unbedingt aus und dann schreibe auch unbedingt. Ich liebe die Teile mittlerweile sehr und bin gespannt auf deine Erfahrungen. Viele liebe Grüße, Petra

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