Honza Blaha pfeift und seine Pferde heben den Kopf, vergessen das Gras und kommen über mehrere Meter quer über die Wiese zu ihm galoppiert. Er läuft mit mehreren Pferden gleichzeitig, frei – ohne alles – auf der Wiese. Schritt, Trab, Galopp – die Pferde sind mit ihren Ohren und Augen immer bei ihm. Dass die Pferde ihm so bereitwillig folgen hat vor allem einen Grund, sagt er.

Ich wollte den Mann hinter diesem Video kennenlernen, sehen wie er Pferde trainiert und wie er es schafft, dass die Pferde ihm so kompromisslos folgen. Nicht immer ist der Weg zu dem schön, was am Ende schön aussieht. Auch das ist eine Wahrheit in der Pferdewelt. Deswegen war ich sehr gespannt auf den Kurs mit Honza Blaha.

Es ist morgens, die Luft formt kleine Wölkchen aus unserem Atem, die Reithalle ist voll. Viele Menschen wollen wissen, wer Honza Blaha ist und wie er mit Pferden arbeitet. Er betritt die Halle und ist sofort zu 100% da. Die Zuschauer werden innerhalb von Sekunden still und warten darauf, dass er anfängt von seiner „Line Free Collection“ zu erzählen. So nennt er sein Training selbst. Nicht Freiarbeit, nicht Freiheitsdressur, nicht Liberty.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Line Free Collection – heißt kurz und knapp: Versammeltes Pferd ohne Seil. Honza Blaha nennt seine Freiheitsdressur bewusst genauso, weil er sein Pferd nicht einfach nur „frei“ haben will, sondern versammelt.

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Safety first

Sicherheit ist Honza Blahas erste Priorität. „Wenn du drei Zaumzeuge und sieben Hackamores auf dem Pferd brauchst, um dich sicher zu fühlen – mach es. Aber du brauchst nichts davon für die Sicherheit. Für echte Sicherheit mit Pferden brauchst du etwas anderes. Innere Stärke und einen Plan. Das macht Pferde sicher.“ (Honza Blaha)

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Was bedeutet Sicherheit: Das Pferd folgt dir, du kannst es reiten, es geht für dich in den Hänger,du kannst es in der Halle und im Gelände Galoppieren, wenn es sich erschreckt bleibt es bei dir, du kannst es stoppen und bewegen. Und dann kannst du an der Freiheit arbeiten.

Seine Idee: Solange eine Verbindung zwischen Pferd und Mensch da ist, können wir Instruktionen geben – egal ob diese Verbindung dinglich ist in Form eines Halfters oder auf Distanz in der Freiarbeit. Sobald Halfter und Strick fallen, ist es ein Gefühl, dem das Pferd folgt. Keine Telepathie, kein Befehl, keine Psychologie, keine Dominanz – es ist einfach das Gefühl von Harmonie durch die gemeinsame Bewegung im Einklang. Wie ein Feld zwischen zwei Individuen – präzise, langsam und nachvollziehbar. Honza Blaha nennt dieses Gefühl „BLASE“:

Die Sicherheit und der Stopp, sind die ersten Schritte in Honza Blahas Trainingskonzept. Wenn das gegeben ist, kannst du dich um die Versammlung kümmern.

Das ist die zweite Priorität: Die Versammlung des Pferdes und damit auch die laterale Flexibilität. Das hilft, dass die Pferde entspannen, damit sie ihren Kopf fallen lassen. Das ist die Körperhaltung, die Honza Blaha in seinem Training sucht. Daran liest er unter anderem ab, ob das Pferd unter Stress ist oder nicht.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Kopf Tief – Warum es Honzas liebste Körperhaltung ist

Seine These: Alle Pferde werden geboren, sie gehen auf die Weide oder über die Steppe und fressen ihr Leben lang, wenn der Mensch nicht kommt. Das Pferd verbringt also ursprünglich etwa 80% seines Lebens mit der Nase am Boden – fressend.

Dann kommen wir und packen die Pferde in den Stall, der Trog hängt oben in der Luft, die Tränke ist oben, das Heu hängt oben in der Heuraufe. Dann kommen wir und wollen, dass das Pferd den Kopf fallen lässt. Das kann das Pferd aber nicht mehr so gut, weil wir es durch unsere Einrichtung und den Lebensstil dazu bringen den Kopf ständig oben zu tragen. Dabei ist der tiefe Kopf aus Honzas Sicht eine Voraussetzung für die Versammlung. Nicht die einzige, aber eine wesentliche.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

HIER habe ich dir in einem Artikel eine Übung beschrieben, wie du dir das Kopf tief Schritt für Schritt auch im Stehen erarbeiten kannst als Entspannungsübung

Vertikale Flexion

Das bringt uns schon zu der dritten Priorität auf Honza Blahas Liste: Die vertikale Flexion. Die Kombination macht es aus seiner Sicht. Nur wenn das Pferd den Kopf fallen lässt, aber gleichzeitig die Schultern nach oben nimmt, dann ist Platz für die Hinterhand und es wird automatisch untertreten.

Line Free Collection – die einzelnen Trainingsschritte in der Bodenarbeit:

  1. Sicherheit
  2. Freiheit
  3. Laterale Flexion (rechts und links Biegung a.k.a. Lateralflexion = aktive oder passive Beugebewegung zur Seite.)
  4. Entspannung – Kopf tief
  5. Vertikale Flexion (Kopf geht runter und nach innen oben und macht die Schultern frei)
  6. Versammlung
  7. Manöver (man sollte sie einzeln abrufen und reiten können)
  8. Übergänge (Schritt, Trab und Galopp – jedes Manöver einzeln. Denn: Wenn die Piaffe echt ist, kann das Pferd in Trab, Galopp, Schritt, Piaffe – es kann wechseln)
  9. Jetzt kann man verschiedene Übungen reiten (Full Pattern)

Diese ganze Reihenfolge baut Honza Blaha im Kurs mit den Kursteilnehmern nach und nach langsam auf – einen Schritt nach dem anderen.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Natürlich läuft es nicht immer so glatt und unsere Pferde haben zu den verschiedenen Trainingsschritten auch etwas zu sagen.

Kein Longieren, keine Round-Pen-Arbeit

Was tun, wenn dein Pferd auf dem Platz steht und nicht zu dir kommen möchte? Es hat im Grunde die Wahl zu stoppen oder wegzurennen.

Deswegen ist Honza Blaha wichtig, dass das Pferd lernt zu stoppen. Das scheint mir logisch. Neben der Tatsache, dass ich mit dem „hetzen“ im Roundpen a la Monty Roberts ohnehin nichts anfangen kann und mich frage, wie das Bindung und Vertrauen bringen soll, bringt Honza Blaha einen weiteren Punkt auf die Liste gegen die typische Roundpen Arbeit.

„Wenn wir das Pferd im Roundpen rennen und rennen lassen, wird es natürlich irgendwann lernen aufzugeben, zu stoppen und zu uns kommen. Es wird aufgeben. Aber es wird so auch lernen, dass es rennen soll. Das macht es später schwierig höhere Level zu trainieren. Denn das Pferd hat ja als ersten Schritt gelernt zu rennen.“ (Honza Blaha)

Deswegen longiert Honza nicht, lässt seine Pferde nicht rennen, treibt sie nicht im Roundpen – sondern bringt ihnen das „STOPP“ bei. Das ist bei ihm nicht Freundschaft oder Partnerschaft – es ist ein Befehl. Wenn er sagt „Stopp“, soll das Pferd stoppen.

INFO: Wenn das Pferd dich verlässt, bewegst du es durch Hinterhandwendung, Rückwärts und Stopp, so dass das Pferd lernt, dass es schön und bequem ist bei dir zu sein (wie im Natural Horsemanship, aber das „wer bewegt wen“ wird nicht durch „rennen“ , sondern durch „Hinterhandwending und Stopp“ umgesetzt.

Der Trainingseinstieg nach Honza Blaha für das „Stopp“:

  • Schritt 1: Stopp
  • Schritt 2: Hinterhandwendung
  • Schritt 3: Folgen
  • Schritt 4: Folgen unter Druck (bedeutet für Honza Blaha: Wenn er will, dass das Pferd zu ihm kommt, geht er nicht und sagt schüchtern: „Bitte komm“ – sondern er sagt: Du, komm!).

Er setzt es körpersprachlich um, in dem er nicht wegsieht, nicht schüchtern ist und im Zweifelsfall auch mit dem Seilchen am Stick nachhilft.

Sein TEST: Die Nase des Pferdes bewegt sich Richtung Mensch. Das muss aus Honzas Sicht immer und in allen drei Gangarten funktionieren.

Ganz klare Aussage von Honza Blaha: „Ihr müsst den Druck akzeptieren als Arbeitswerkzeug.“

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Diese Aussage ist ehrlich. Honza Blaha redet nicht um den heißen Brei herum, er spricht nicht von Magie und Achtsamkeit, während er gleichzeitig Druck ausübt. Er sagt, was er denkt. Das ist mir sympathisch, auch wenn ich nicht alles zu 100% teilen muss – es ist direkt, ehrlich und klar.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Pferde folgen uns aus seiner Sicht, weil wir Persönlichkeiten sind und wissen was wir tun. Er spricht von der inneren Stärke, dem Plan, dem Willen und der Persönlichkeit die wir haben müssen um mit Pferden arbeiten zu können. Das unterschreibe ich zu 100% – ich sehe es auch so. Bei der Frage nach dem Druck schwanke ich noch und suche nach einem Weg, der möglichst ohne funktioniert. Ich glaube aber an Energie, Klarheit und Kommunikation. Da kann ich Honza Blaha sehr gut folgen.

HIER beschreibe ich in einem Artikel die Energie zwischen Pferd und Mensch – Von der Kraft der leisen Töne

Wenn das Pferd nicht folgen will: Was Tun?

Was also macht Honza Blaha, wenn das Pferd nicht folgen will? Dann müssen wir nachhelfen, in dem wir den Weg zeigen und das Pferd daran erinnern, dass wir den Weg vorgeben, sagt Honza bevor er sich einem Haflinger zuwendet, der im Verlauf der Kurseinheit schon mehrfach beschlossen hat seine Besitzerin links liegen zu lassen, ihr den Strick aus der Hand zu reissen und quer durch die Halle zu galoppieren.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Sein Rezept: Er gibt ein leises Signal – wenn das Pferd nicht folgt, hakt er kurz und zackig nach – er sagt sozusagen: „Warum hörst du nicht?“

Sein Motto:

  • Wenn das Pferd nicht versteht – helfen!
  • Wenn das Pferd nicht will – befehlen!

Natürlich ist das logisch, es ist klar für das Pferd. Sobald es um die Sicherheit von Mensch und Pferd geht, bin ich ganz auf seiner Seite. Pferde wollen sich bei uns aufgehoben fühlen, das glaube ich auch.

Gleichzeitig sind mir manche Herangehensweisen ein klein bisschen zu hart – für meinen Weg. Nicht grundsätzlich, denn er bleibt immer fair, er hat ein sehr gutes Timing und weiß so genau was er will, dass er kaum Druck braucht. Die Pferde spüren seine Stärke und gehen gerne und freiwillig mit.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Egal mit welchem Pferd der Kursteilnehmer er kurz arbeitet. Sie wollen immer mit ihm gehen, wenn er sie dem Besitzer wieder zurückgeben will. Er macht also aus Pferdesicht auf jeden Fall sehr viel richtig.

Aber ich nutze gerne Leckerli als Motivator – etwas das Honza Blaha ablehnt.

HIER findest du einen Artikel zur Frage: Leckerli, ja oder nein?

und HIER gibt es gesunde Leckerli, falls du wie ich schon entschieden bist und zur Leckerlifraktion gehörts

Ich erlaube meinem Pferd auch „Nein“ zu sagen, sicher öfter als Honza das tut. Ich erlaube mehr Mitsprache als Honza das vermutlich tut. Gleichzeitig ist meine Stute noch lange nicht so „auf dem Punkt“, wie Honzas Pferde das sind.

Und während ich noch rätsele, welcher Weg der bessere sein mag und wie viel von meinem RosaFlauschball-Wattebausch-Leben ich vielleicht doch aufgeben muss, um meinem Pferd gerecht zu werden, erklärt Honza Blaha einen Teil seines Trainingskonzeptes, den ich sofort liebe – zu 100%. Es geht um Energie und Gefühl.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Die Blase und was sie alles kann

Die Blase ist im Grunde die Verbindung zwischen dir und deinem Pferd – wie ein unsichtbares Band. Das brauchst du um frei zu trainieren und diese Blase kannst du dir mit deinem Pferd erarbeiten. In dem du einen Plan hast, weißt, was du willst und deinem Pferd einen Zustand der Balance ermöglichst. Die Balance zwischen dir und dem Pferd, aber auch ganz praktisch die Balance in den Bewegungen und Übungen.

Bei Pferden dreht sich alles um die Balance – egal ob vorwärts und rückwärts, vorne und hinten, kalt und warm. Deswegen trainiert Honza Blaha die Balance aus Vorwärts und Rückwärts.

Für die Freiarbeit ist die richtige Balance wichtig. Deswegen ist es wichtig die Balance aus vorwärts und Rückwärts – aus Stop und Go – im Training immer zu halten. Dann wird das Pferd uns gerne folgen, sagt Honza Blaha.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Zum Beispiel:

  • Erst Stopp sagen – dann die Hinterhand wenden
  • So lange zwischen Stopp und Hinterhandwendung wechseln, bis es gut funktioniert
  • Wir müssen immer die richtige Balance für jedes Pferd finden.

Honza erklärt im Kurs: Wenn du im falschen Moment zuviel machst, bringst du das Pferd aus der Balance. Wenn das passiert ist, kannst du einfach eine kleine Runde Spazieren gehen. Das gibt dem Pferd ein kleines Reset und dann ist die Balance wieder da. Dann kannst du die Übung nochmal versuchen.

Sobald wir das Pferd in seiner Balance trainieren, wird es gerne folgen.

TIPP: Honza Blaha schaut sich immer die Schulter an und wo das Pferd das Gewicht hin verlagert, um vorher zu sehen, wohin sich das Pferd bewegen wird – dementsprechend reagiert er vorher.

Gleichzeitig ist auch unsere innere Balance sehr wichtig. Wenn wir nicht in Balance sind, wird das Pferd es fühlen und darauf reagieren. Vermutlich unerwünscht. Er zeigt es am Beispiel einer Kursteilnehmerin.

Ein Beispiel: Ihr Pferd soll gaoppieren. Da es mehr ein gemütlicher Tralopp ist, bittet er sie schneller zu galoppieren. Aber sie schafft es einfach nicht. Sie treibt und treibt und feuert ihr Pferd an, aber es wird nicht schneller. Dann bittet Honza sie zu stoppen und zu ihm zu kommen. Er fragt sie, ob das Pferd nicht kann oder ob sie nicht kann, weil sie den schnellen Galopp fürchtet. Er hat das Gefühl, dass sie ihr Pferd innerlich stoppt. Sie bestätigt sein Gefühl.

Was er jetzt macht ist genial. Er gibt ihr eine Aufgabe. Sie soll ihn jagen und mit dem Stick erwischen. Sie auf dem Pferd, er auf dem Boden. Sie treibt ihr Pferd an, erst zögerlich, dann immer mehr. Honza schlägt Haken, lacht, neckt sie mit Sprüchen. Und im Verlauf dieser kleinen Jagd passiert plötzlich etwas in ihr. Sie vergisst ihre Angst vor dem schnellen Galopp, sie will Honza endlich erwischen und plötzlich merkt man die Entschlossenheit in ihrem Gesicht, das Lächeln in ihrer Mimik, der Wunsch nach vorne zu gehen und schneller zu werden in ihrer Körpersprache. Innerhalb von Sekunden verändert das Pferd die Geschwindigkeit und rast plötzlich los in einem schnellen und wunderschönen Galopp.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Ein schönes Beispiel dafür, dass wir selbst es oft sind, die unsere Pferde blockieren, weil wir Blockaden haben.

Überhaupt stellt Honza Blaha sich für das gute Ergebnis immer wieder gerne als Anschauungsobjekt zur Verfügung. Eine Kursteilnehmerin schwingt den Stick nicht richtig und ist damit nicht präzise genug und gleichzeitig wird durch die Art wie sie schwingt (sie stoppt direkt, sobbald der Stick das Pferd berührt und hat dadurch mehr Druck auf der Schnur am Stick) zu viel Druck ausgelöst. Also bittet er sie, erst an ihm zu üben, bevor sie das Pferd trainiert. Und das macht sie dann auch.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Warum das Rückwärts so wichtig ist

Das Rückwärts ist das langsame STOPP! Es ist aus Honzas Sicht wichtig, dass wir solange Rückwärts gehen, bis das Pferd den Menschen anschaut – dann sollten wir stoppen! So lernt das Pferd, das wir nicht nur den Stopp wollen, sondern auch, dass es uns dabei ansieht.

Wir sollten immer entspannt bleiben und keinen Stress ausstrahlen. Wenn das Pferd nicht hört, ist das kein Problem. Wir müssen diejenige Person sein, die ruhig bleibt.

Wichtigste Übung für dich: Immer entspannt bleiben und dir dessen bewusst sein, wenn das Pferd stress hat. Dann lieber eine Stufe runterfahren und die Aufgabe langsamer angehen.

Nach dem Rückwärts und dem Stopp kommt die Schulterkontrolle

So erarbeitet Honza Blaha eine Übungsreihenfolge – Schritt für Schritt:

  1. Das Pferd soll dem Menschen folgen
  2. JING
  3. Circle (Pferd zirkelt mit der Schulter nach innen um den Menschen herum)
  4. U-Turn (die Hinterhand bleibt stehen, die Vorderbeine kreuzen) – der Mensch geht an der Seite am Pferd vorbei und das Pferd dreht sich mit
  5. Die Schulter soll nach innen gehen
  6. Dabei immer auf die Harmonie, innere Entspannung und Ruhe achten

TEST: Wenn das Pferd trabt und wir den String über den Rücken werfen, können wir schauen, wie das Pferd dann reagiert.

  • Bleibt es entspannt?
  • Hat es den Kopf tief oder zuckt es weg und reisst den Kopf hoch?
  • Schliesst vielleicht sogar die Augen und verspannt sich?

Das sind Zeichen für Stress. Dann müssen wir an der Entspannung arbeiten.

So kannst du das “in Balance” üben:

  • Lass dein Pferd stoppen und schicke es dann rückwärts
  • Lass es wieder stoppen und entspannen
  • Bitte es um eine Hinterhandwendung
  • Dann bitte es darum dir zu folgen
  • Dann bitte es dir im Trab zu folgen
  • Wenn das klappt, wedle mit dem String am Stick über seinen Rücken

Wenn das Pferd gestresst ist durch den Stick – solltest du den Stick solange freundlich, ruhig und nett nutzen – zum Beispiel das Pferd damit streicheln und entspannen – damit das Pferd keinen Stress mit dem Stick hat.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Zum Schluss gibt es noch Tipps von Honza zur richtigen Körpersprache

Punkt 1: Die Signalposition muss immer die gleiche sein – egal ob deine oder die deiner Ausrüstung. Ansonsten verwirrst du das Pferd. Das bedeutet zum Beispiel, dass du immer den Stick absenkst, wenn die Lektion fertig ist. Damit sagst du Danke und machst eine klare Pause. Wenn wir zu sehr mit de Stick wedeln und ständig die Position wechseln, kann die Blase nicht funktionieren.

Punkt 2: Wenn das Pferd zu viel macht und zu sensibel wird im Training – dann nimm den Stick nicht weg, sondern gehe hin und streichle das Pferd mit dem Stick. Damit das Pferd zwar weicher und leichter wird in seinen Reaktionen, aber nicht unberührbar.

Damit desensibilisieren wir das Pferd ein stückweit wieder und wir machen die Blase auch kaputt. Das bedeutet, dass wir die Blase nach dem desensibilisieren aufbauen müssen. Wir müssen also immer die Balance halten zwischen der Blase und dem Signal „Hallo, hör auf den Stick, aber ich mag dich trotzdem und streichle dich auch mit dem Stick.“

Punkt 3: Wenn der Mensch die Hände immer oben hat, ist das ein Stress-Signal an das Pferd. Wir neigen dazu die hände eher oben oder ein bisschen angespannt zu halten. Deswegen: Nimm immer die Hände runter. Das entresst das Pferd. Es ist eine typische menschliche Reaktion bei Stress die Hände hoch zu nehmen. Es ist wichtig daran zu arbeiten, dass wir uns immer wieder entstressen und entschleunigt sind. In der Ruhe liegt die Kraft. Unser Fokus muss in der Energie liegen, die wir dem Pferd schicken.

Punkt 4: Wenn du das Pferd berührst und es schaut weg, kann das ein Zeichen dafür sein, dass das Pferd gestresst ist. Das sind kleine Mikrosignale, die zeigen, dass das Thema „Sicherheit“ noch nicht komplett geklärt sind. Honza möchte, dass seine Pferde ihn anschauen, wenn er sie mit dem Stick berührt.

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20 Kommentare zu “Freiheitsdressur mit Honza Blaha! Das Geheimnis der „Line Free Collection“

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,
    vielen Dank für deine Eindrücke von diesem Kurs.
    Was mir gefällt ist die Aussage, dass Sicherheit durch innere Klarheit und Gelassenheit entsteht. Das sehe ich genauso und habe ich auch schon oft erlebt. Wenn ich weiß was ich will und keine Ängste habe oder versuche das Pferd zu kontrollieren, dann bin ich sicher. Natürlich nur dann, wenn ich auch meinen Verstand einschalte. Letztens musste ich mit dem Auto eine Vollbremsung machen, weil mir ein Pferd vor’s Auto gelaufen ist. Dieses Pferd hat sich von seiner Besitzerin losgerissen. Ich habe geholfen es einzufangen und es zurück gebracht. Dabei habe ich mich kurz mit der Besitzerin unterhalten. Die mir dann erzählt hat, dass ihr Pferd schon beim normalen Führtraining Probleme macht, sie aber trotzdem spazieren gegangen ist um mal für Abwechslung zu sorgen. Dazu hat sie dann auch direkt den Weg neben einer Bundesstraße genommen. Da kann ich innerliche Sicherheit haben so viel ich will, das muss ja schief gehen. Zum Glück ist uns und dem Pferd nichts passiert. In so einem Fall sollte ich erst Mal auf einem sicheren Gelände üben, bevor ich Abwechslung im Gelände suche…
    Auch mag ich seine Ehrlichkeit. Er gibt offen zu mit Druck und Befehlen zu arbeiten. Oft wird behauptet man stelle ja nur Fragen, aber in Wirklichkeit sind es einfach Befehle.
    Sein Weg ist aber nicht meiner. Ich bin nicht der Meinung, dass ich Befehle brauche. Ich setze lieber auf freiwillige Mitarbeit. Ich möchte keinen funktionieren Roboter, der weiß, dass alles was ich sage erfüllt werden muss. Ich möchte ein eigenständig denkendes und handelndes Wesen neben mir.
    Unsere Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Ich möchte gar nicht in der Mitte stehen und mein Pferd führt aus, was ich sage. Ich möchte, dass wir gemeinsam Ideen entwickeln, dass wir beide Freude und Spaß haben und es eine „Unterhaltung“ ist.
    Wie sieht das bei uns genau aus?
    Ungefähr so war die gestrige Trainingseinheit:
    Miriam: „Schau dir doch bitte mal diesen Klappersack an.“
    Pony: „Wow, spannend was ist das denn? Kann man da drauftreten?“
    Miriam: „Du machst das super. Bist du mutig. Kannst du den Sack auch durch die Halle jagen?“
    Pony: „Juchhu das macht Spaß! Schau mal wie schnell ich rennen kann“
    Miriam: „Ich versuch schneller zu sein. Aber ich schaff es nicht. Kannst du bitte wieder mehr Abstand halten? Das ist mir zu nahe“
    Pony: „Okay. Schau mal wie schnell ich traben kann“
    Miriam: „Toll, kannst du das auch ganz langsam?“
    Pony: „Oh das ist anstrengend.“
    Miriam: „Du machst das toll. Streng dich noch etwas an“
    Pony: „Okay“
    Miriam: „Kannst du mich dabei anschauen?“
    Pony: „Das ist mir heute zu schwer. Ich muss jetzt mal schneller werden. Mir geht die Kraft aus“
    Miriam: „Okay, dann machen wir ein paar schnelle Schritte und wechseln dann in den Schritt“.
    Pony: „Ist gut.“
    Pony: „Kraulst du mir jetzt den Hintern?“
    Miriam: „Ja sehr gerne. Du bist einfach toll mein kleiner Schatz“
    War mein Pony auf den Punkt wie du es beschreibst? Nein, bestimmt nicht. Aber er war mit Freude, Energie und Aufmerksamkeit dabei. Er hat sich Mühe gegeben und war hochmotiviert. Er hatte eigene Ideen und hat sich am Ende unserer Einheit groß und stark gefühlt. Er hat schließlich den Klappersack bezwungen und außerdem hat er es geschafft mit untergesetzter Hinterhand zu traben. Und das alles frei und ohne Druck. Ich möchte gar nicht, dass er punktgenau reagiert, sondern ich möchte, dass wir weiter so miteinander „reden“. Und dafür muss ich auch nicht aufhören Wattebällchen zu werfen.
    Ich persönlich finde es wichtig zu hinterfragen, ob man ein punktgenau reagierendes Pferd überhaupt will bzw. wozu.
    Das mal meine Gedanken dazu.
    Liebe Grüße
    Miriam (der mal wieder auffällt, dass sie viel zu viel geschrieben hat…)

    • Gideon Schröder sagt:

      Sehr interessant, Miriam. Das Bild, das du verdeutlichen wolltest, ist etwas, was von Honza auf jeden Fall ebenfalls gewünscht ist. Das Pferd soll sich selber als "den größten" empfinden.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Miriam, aaach waaas – du schreibst nie zu viel ;-)) Nein im ernst, ich finde, dass du imemr genau richtig viel schreibst und freue mich immer über deine Kommentare, weil sie schöne Hinweise, Gedanken und Ergänzungen zu den Artikeln sind. Also immer her damit! 🙂 Der Dialog ist auch toll, so ähnliche führen wir auch. Ich denke auch, dass ich punktgenaue Reaktionen nicht zu 100% möchte – deswegen gehe ich auch einen etwas anderen Weg als Honza Blaha. Aber viele seiner Gedanken und Ideen konnte ich sehr gut nachvollziehen – genau wie du auch schreibst. Und ich mochte seine Ehrlichkeit. Ein toller Pferdemann. Man kann sich ja das Beste heraussuchen aus seiner Trainingsmethode. Auf jeden Fall ganz liebe Grüße an euch und bis bald, Petra

  2. Sandra sagt:

    Ich habe schon mehrere Honza-Kurse besucht und muss sagen, dass mir die Methode bei Honza sehr gut gefällt. Allerdings ist es häufig schwer für die Teilnehmer, dies nachzuvollziehen. Honzas Timing ist perfekt, seine Handlungen immer gleich und emotionslos. Viele der Teilnehmer, die ich dort gesehen habe, waren reiterlich jedoch nicht sehr weit und oft auch ängstlich beim Umgang mit ihren Pferden, was für die Pferde oft schwierig ist (nicht nur bei dieser Methode). Bei guten Reitern, finde ich das Reiten mit dem Pad super, bei vielen Teilnehmern würde ich mir jedoch wünschen, dass er auch empfiehlt, mal einen Sattel zu verwenden. Eine der Teilnehmerinnen hatte ihr Pferd nach seiner Methode ausgebildet, trotzdem war es im Gelände immer noch schwierig und auch das Galoppieren unter dem Sattel war auch nach mehreren Jahren Reiten noch nicht wirklich rund. Obwohl sie viel vom Boden arbeiteten, war offensichtlich, dass sie von oben unsicher war und ihrem Pferd nicht wirklich vertraute, genau so umgekehrt. Ich bin wirklich der Meinung, das in diesem Falle etwas longieren dem Pferd geholfen hätte, seine Balance zu finden und der Reiterin Sicherheit gegeben hätte. Wie auch bei manch anderen Methoden kommt mir die Versammlung bei dieser Methode etwas zu früh. Trotzdem finde ich viele Dinge gut und wende auch einige Elemente selber an. Wie immer muss jeder selbst herausfinden, was bei sich funktioniert.

    • Petra sagt:

      Liebe Sandra, danke für deine Gedanken zu Honza. Du beschreibst etwas, was vermutlich bei allen Trainingsmethoden ein Thema ist. Die Trainer selbst erfüllen ihre Ideen eben meist zu 100% – das ist oft nicht für alle so umzusetzen. und es passt auch nicht immer alles zu jedem. Wie du schreibst – manchmal ist die Longenarbeit eben doch passender oder das Leckerli oder oder oder. Man muss sich einfach das herausnehmen, was zu einem passt un dann eine eigene Methode entwickeln. Ganz liebe Grüße und bis bald, Petra

  3. Lena sagt:

    Hallo Petra,

    auch dieser Beitrag ist – mal wieder – sehr interessant!
    Aber ich schließe mich Miriam an: Honzas Weg ist nicht meiner. Vor einigen Jahren hatte ich mal eine Reitbeteiligung an einem ganz tollen Wallach, der wahnsinnig gern Bodenarbeit gemacht hat. Die Besitzerin ist eine Verfechterin von Honza, und so wurde dementsprechend auch ihr Pferd gearbeitet. Anfangs dachte ich, klar, das muss ich lernen, wenn ich das Pferd ebenso gut arbeiten will wie seine Besitzerin. Also habe ich mich mit ihr zusammen in die Halle gestellt und sie hat mir gezeigt, was sie so mit ihm macht. Dann habe ich es probiert – Pustekuchen! Indigo hat mich partout nicht verstanden und geguckt wie eine Kuh wenns blitzt. Toll, ich war also frustriert und habe es sein lassen. Nach einem sehr interessanten Gespräch mit der Besitzerin war mir dann klar, dass ich nicht zwangsweise die gleichen Arbeitsweisen haben muss – das Pferd kann auch "zweisprachig" gut leben! Also habe ich angefangen, mit Indigo auf meine Art zu arbeiten. Am Anfang war es schwieriger, aber immer hat er versucht, mich zu verstehen und Dinge angeboten, wo er meinte, dass ich das evtl. von ihm will. So kamen wir immer mehr auf eine gemeinsame Basis. Im Endeffekt habe ich mit meiner Methode das geschafft, was die Besitzerin die ganze Zeit nicht geschafft hat: das Hinlegen auf Kommando. Ich war sooooo stolz auf den Schatz! Und er macht es bis heute, auch bei der Besitzerin, allerdings mit meinem Stimmkommando *grins*

    Druck ist, so denke ich, eine Frage der Dosis. Es ist ein Unterschied, ob ich peitscheknallend und schreiend mein Pferd im Kreis jage, oder ob ich es bitte, um mich herum zu laufen und die Peitsche einsetze, um z. B. das Halten an der Longe zu erklären, indem ich sie über den Kopf vor das Pferd halte, bzw. den Weg wieder freigebe, indem ich die Peitsche wieder wegnehme. Die treibende Hilfe mit dem Schenkel ist ja auch eine Art Druck, nur dass hier der Druck ein Signal ist, das fein aufgebaut wird. Also im besten Fall.

    Aber: es ist doch prima, dass es so viele verschiedene "Horsemen" gibt, die auf so verschiedene Art und Weise den sanften Umgang mit dem Pferd schulen! So wird vielleicht doch mehr erreicht, als nur über den "einzig wahren" Weg, nämlich die FN-Richtlinien…

    • Petra sagt:

      Liebe Lena, das sehe ich wie du. Man muss seine eigene Sprache entwickeln, weil nur diese Sprache Authentisch ist. Und dafür kann man sich Inspiration bei verschiedenen Trainern holen. Und dann ist ja auch noch jedes Pferd anders und will individuell behandelt werden. Druck muss nichts böses sein, es ist bekanntlich immer der "Ton der die Musik macht" und Signale können sehr hilfreich sein. Danke für deinen Gedanken zum Thema und alles liebe, Petra

  4. Denise sagt:

    Liebe Petra!
    Ich habe mit meinem Pferd schon bei Honza Kurse besucht und hatte die Möglichkeit seine Methode kennenzulernen und ihn alles mögliche darüber zu fragen.
    Genauso wie du bin ich auh nicht immer 100% dabei, aber bei mir sind es 99% und das hat noch kein Trainer vor ihm bei mir geschafft, da ich sehr skeptisch und misstrauisch bin ;). Aber alleine wir mein Sturschädel auf dieses Training reagiert und wie wir uns verändert haben in den letzten 2 Monaten, seit wir mit ihm trainieren, ist für mich ein klares Zeichen, dass wir unseren Weg gefunden haben! Wie du richtig schreibst: nicht alles ist immer schön, was am Ende dann schön aussieht ;).
    Sehr schöner Beitrag :).

    • Petra sagt:

      Liebe Denise, wie schön, dass es für euch so gut funktioniert – ich kann mir gut vorstellen, dass du Honza zu 99% folgen kannst. Er ist ein toller Pferdemann und mir hat auch sehr viel gefallen. Der Rest sind Nuancen und vieles ist auch persönlich. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall und dich und deinen Sturschädel und bis bald, Petra

  5. Sarah sagt:

    Hey Petra,
    ich war selbst schon bei einem Kurs von Honza und hab mir mehr erhofft, als ich letztendlich zu sehen bekommen hab.
    Was mir nicht gefällt ist sein "eigentlich sind die Pferde frei". EIGENTLICH. Wenn das Pferd sich nämlich weigert zu folgen oder weg geht, bekommt es ordentlich Druck und da wird nicht hinterfragt, warum es sích weg dreht. Außerdem finde ich dieses ganze "Gertengefummel" genauso wenig "frei" . Die meiste Zeit vom Kurs waren die Teilnehmer dann damit beschäftigt, ein Stopp rein zu bauen und das Pferd rückwärts zu schicken.
    Mein Fazit- es waren richtige Ansätze dabei und der Kurs war auch nicht völlig für den Eimer aber das was er sagt und das was er tut, sind zweierlei Schuhe, wie leider so oft bei irgendwelchen horseman…
    Ich gehe lieber meinen eigenen Weg mit meinem Pferd und höre, was er mir sagt, damit ist uns am meisten geholfen.
    Und lese natürlich fleißig Pferdeflüsterei- Beiträge =)=)
    Liebe Grüße, Sarah

    • Petra sagt:

      Liebe Sarah, das ist sowieso das Beste – einen eigenen Weg zu gehen. Ich fand die Diskrepanz zwischen dem was er sagt und was er macht nicht ganz so groß wie du. Wir haben auch danach über eine Stunde in einem Interview gesprochen, das ich demnächst veröffentlichen will und da war er sehr klar und hat das "freie" ganz klar mit dem Arbeiten ohne Seil oder Halfter definiert und nicht mit der "seelischen Freiheit" mitentscheiden zu dürfen. Das passte 1:1 zu seiner klaren Haltung zum Thema "Befehle" und seiner Kommunikation mit den Pferden. Das ist eben der Punkt wo ich anders bin als er – aber er war sehr ehrlich und das fand ich sympathisch. Ob ich nun alles teile, sei dahingestellt 🙂 muss ich ja auch nicht. Aber an vielen Punkten fand ich seine Ideen nicht schlecht und sehr nachvollziehbar und würde ihn als guten Pferdemann bezeichnen. Aber noch viel mehr freue ich mich natürlich dass du fleißig auf der Pferdeflüsterei liest – das ist total schön, danke dafür! Ganz liebe Grüße, Petra

  6. Gideon Schröder sagt:

    Ich finde den Artikel sehr gelungen. Ich gehe aber gerne auf ein paar Punkte ein, die (wie ich finde) fehlen.
    Honza’s Unterrichtsstil ist vergleichsweise sehr lebhaft, es gibt viel zu lachen, wo es bei den meisten anderen Trainern eben sehr "monoton" scheint. Für einige ist es einfach ihre Freizeit, für einen vergleichsweise großen Anteil (wie ich denke) ist es das nicht, weil sie selber ihr Geld mit Pferdetraining verdienen. Beide Partien aber freuen sich definitiv, wenn sie viel Spaß dabei haben können. Das erzeugt eine sehr lockere Stimmung, in der sich jeder gut aufgehoben fühlt. Damit wird der Fokus verlagert von "Ich muss möglichst schnell möglichst weit kommen, weil ich diese Ziele habe" (jeder kennt es sicherlich, dass die Erwartungen einfach zu hoch sind) zu "Es macht einfach Spaß". Darum geht es eben auch. Pferd und Mensch sollen positive Zeit miteinander verbringen. Der "Aufbau" der Freiarbeit wurde ja bereits ausführlich beschrieben. Wie aber kommt man dahin, dass das Pferd dann tatsächlich gerne bei uns ist?
    Manchmal gibt Honza gerne dieses Bild: Möchten wir frei mit dem Pferd arbeiten, so müssen wir immer darauf achten, dass unser "Konto" aufgefüllt ist. Erfährt das Pferd positive Zeit mit/bei uns (bsw. durch bloßes Zusammensein, Spazieren/Ausreiten gehen, "follow" oder was das Pferd sonst einfach gerne mag) erhöht sich unser Budget. Durch alles andere kann sich das Guthaben aufbrauchen (bspw. rückwärts, Hinterhand, Vorhand, Schulterherein, Zirkel, vorrangig alles, wofür wir "Druck" erzeugen müssen). Das Ziel sollte also sein, dass das Pferd selber Spaß an der Arbeit hat. Dann leert sich unser Konto nie und wir können immer frei mit dem Pferd arbeiten ohne es zu verlieren.
    Das ist wohl für die meisten Leute das Problem. Sie bleiben eine Weile dabei, irgendwann aber ist ihr Konto so weit ins Minus gerutscht, dass sie ihr Pferd nur noch verlieren. Auch wenn dann das Problem erstmal behoben werden kann, sind ihre Erwartungen an ihr Pferd gleich wieder so hoch, dass ihre Beziehung zum Pferd binnen weniger Tage oder Stunden wieder zerstört ist. Anstatt sich dann selber zu ändern, ändern sie dann wohl lieber das Trainingskonzept. Es ist eben ein seeeehr großer Unterschied, ob man eine Freiarbeit mal gelegentlich macht oder wie in der LFC vorgesehen, als Ultimatum betrachtet. Das unterscheidet Honza eben auch von so vielen anderen Trainern.

    Ich würde gerne noch ein wenig von der Lehrer-Schüler-Interaktion berichten. Dafür erzähle ich am besten erstmal ein wenig von meinem Pferd und mir. Am Anfang war mein Pferd sehr schwierig. Er ließ sich nicht anfassen, einfangen, reiten, also eigentlich ging gar nichts mit ihm. Ich hatte bereits genug Erfahrung mit schwierigen, sodass ich das gar nicht als Problem betrachtete. Ich hatte aber noch nie die Erfahrung mit einem Pferd gemacht, dass sich über mehrere Monate oder Jahre gar nicht anfassen lassen will und darauf nur mit Rückzug oder Beißen reagierte. Außerdem steigerte er sich immer in alles rein, was er sich einmal in den Kopf gesetzt hat. Ich ließ ihm mehr Freiraum und er wurde immer dominanter. Gleichzeitig aber vertrauten wir einander auch immer mehr und das Anfassen war bald schon kein Problem mehr. Trotzdem sagte er immer sehr deutlich seine Meinung. Ich fing an, daran zu arbeiten, dass er seine Meinung sagen darf, aber eben trotzdem höflich mir gegenüber bleibt. Das bekam ich auch in den Griff. Ich war mittlerweile mit meinem Pferd bereits ein paar Male bei Honza gewesen (arbeitete aber bereits von Anfang nach LFC mit ihm). Ich bekam dann auf verschiedenen Kurse immer wieder die Aufgabe, auch an den höheren Gangarten zu arbeiten. Bisher mussten wir die Übungen nur im Schritt vorzeigen. Das war auch alles kein Problem, auch wenn mein Pferd bereits im Schritt Verhalten aus vergangener Zeit zeigte. Auf Kursen ist er immer sehr gestresset (fremde Umgebung, andere Pferde, wobei er ja sonst meistens seine Ruhe mit seiner Herde und mir hat, lange Fahrt bis zum Kurs, etc.). Für Honza ist das ein Respektproblem. Das empfinde ich auch so. Ich aber habe mich dafür entschieden, den Weg der LFC zu gehen und das bedeutet für mich vor allem auch, dass die Freiarbeit der Weg ist und nicht das Ziel. Dementsprechend möchte ich nicht wieder (wie Honza das wollte) das Respektproblem am Seil lösen (was ich eh als langweilig betrachten würde). Ich musste also so viel Respekt von meinem Pferd einfordern ohne gleichzeitig mein "feeling" (wie Honza es nennt) zu verlieren. Als Übung habe ich dafür immer wieder die Aufgabe bekommen, im Trab zwischen follow und dominanteren Manövern wie Zirkel zu wechseln und erst dann Pause zu machen, wenn das Pferd kein dominantes Verhalten zeigt. Da freue ich mich eben, dass Honza diesen Weg mit mir geht, auch wenn seine Lösung eben eigentlich die konsequente Unterbindung der dominanten Verhaltensweisen gewesen wären.
    Honza muss wohl schon ziemlich am Verzweifeln gewesen sein, weil ich eben strikt an meinem Weg festhalten wollte.. 🙂

    Wen noch weitere Kursberichte über Honza nachlesen möchte:
    lilalinda.doom-online.de
    nhs-littlecookie.jimdo.com
    toeltrausch.de

    • Chrisa sagt:

      Hallo Gideon – das gefällt mir gut, was du schreibst. Genau das zeichnet doch auch einen guten Trainer aus, dass er nicht "verbohrt" und dogmatisch nur seinen Weg für den richtigen hält, sondern auch den Teilnehmern entgegenkommt mit ihrer eigenen Arbeitsweise.

    • Petra sagt:

      Hallo Gideon, danke für deine Gedanken und deine vielen Beschreibungen zu Honza Blaha. Ich mag das Bild mit dem Konto sehr gerne – das hatte er bei uns im Kurs gar nicht erzählt – das ist toll. Und ich mag, was du beschreibst, wie er sich auf dich und deine Ideen eingelassen hat – das kann nicht jeder Trainer. Ich habe ihn auch als sehr sympathischen und auch lustigen Kursleiter wahrgenommen und finde viele seiner Ideen und Ansätze wirklich toll. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall an dich und danke für deinen wunderbaren Kommentar, Petra

  7. Peter von Kruse sagt:

    Hallo Petra,
    ich bin ein regelmäßiger "Follower" Eures anregenden und instruktiven Blogs.
    Auch der Beitrag über die Arbeit von Honza Blaha hat mich dazu bewegt, mich bei einem seiner Kurse in der Nähe anzumelden. Natürlich sind die Kurse ausgebucht, so dass ich auf der Warteliste bin ….

    Eine Frage:
    In Deinem Beitrag schreibst Du Folgendes (= Zitat):
    (Zitat-Anfang)
    "Nach dem Rückwärts und dem Stopp kommt die Schulterkontrolle

    So erarbeitet Honza Blaha eine Übungsreihenfolge – Schritt für Schritt:

    1. Das Pferd soll dem Menschen folgen
    2. JING
    3. Circle (Pferd zirkelt mit der Schulter nach innen um den Menschen herum)
    4. U-Turn (die Hinterhand bleibt stehen, die Vorderbeine kreuzen) – der Mensch geht an der Seite am Pferd vorbei und das Pferd dreht sich mit
    5. Die Schulter soll nach innen gehen
    6. Dabei immer auf die Harmonie, innere Entspannung und Ruhe achten"
    (Zitat-Ende")

    Was bitte bedeutet "JING"? Das wurde mir leider nicht klar.
    Danke für Deine Erläuterung / Aufklärung!
    Peter

    • Petra sagt:

      Hallo Peter, das ist lustig, dass du das fragst. Ich habe es Honza auch gefragt, weil ich es nicht verstanden habe. Etwas weiter vorne im Text erkläre ich was er damit meint. Das ist eine Worterfindung, die er selbst gemacht hat. Im Grunde weil du das Pferd über Schulter und Krupe zweimal in zwei verschiedene Richtungen wenden lässt, was dann von oben ein Bild wie "Yin und Yang" ergeben würde. Das hat er dann einfach selbst "Jing" getauft 🙂 Viele liebe Grüße, Petra

    • Peter von Kruse sagt:

      Vielen Dank Petra für die Erläuterung!
      Jetzt habe ich doch noch einen Nachrückerplatz für ein Seminar bei Honza Anfang Mai 🙂
      Herzliche Grüße,
      Peter

    • Petra sagt:

      Lieber Peter, ich bin gespannt wie es dir gefallen wird. Berichte gerne hier! Ich würde mich freuen – liebe Grüße, Petra

  8. Johanna sagt:

    Hallo:)
    Ich fand deinen Artikel sehr spannend. Ich wollte mehr über Honza Blaha erfahren, da meine Trainerin mir ein bisschen was von seinem System erzählt hat und wir auch im Unterricht momentan die Anfänge machen. Ich habe mit meinem Pferd schon immer viel Bodenarbeit gemacht, z.B. die sieben Spiele und Freiarbeit. Wir haben immer alle ganz gut hingekriegt -Hoppi lernt sehr schnell- aber er hat nie aufgehört zu schnappen. Wir hatten immer Phasen, in denen es besser war und Zeiten, wo er mich mit der Beißerei zum Verzweifeln gebracht hat. Im Nachhinein denke ich, dass ich schon viel früher etwas dagegen hätte machen sollen, aber ich hatte ( und habe) so meine Hemmungen ihm ernsthaft deutlich zu sagen, dass es Dinge gibt, die einfach nicht ok sind. Ich wollte einfach nicht so viel Druck anwenden. Aus den gelegentlichen Respektlosigkeiten wurde dann aber immer mehr, bis er wirklich angefangen hat, in mich wie in einen Pferdekumpel hineinzuspringen. Das hat mich erstmal natürlich extrem verunsichert und ich hatte einfach nur noch Angst vor ihm. Dann habe ich meine Trainerin gefragt, ob sie vielleicht mal einen Monat lang dreimal in der Woche kommen kann, da mit ich an mir arbeiten kann. Denn natürlich liegt der Fehler prinzipiell nicht bei Hoppi- ich habe für ihn kein sicheres Leittier dargestellt und ihm einfach sehr viel durchgehen lassen. Jedenfalls hat meine Trainerin dann angefangen, nach Honzas Methoden zu arbeiten. Und wir machen wirklich Fortschritte. Hoppi entspannt sich eher und läuft viel losgelassener. Ich musste teilweise aber auch wirklich energisch auf meinen Raum bestehen- dazu gehörte, ihn, wenn er massiv gegen mich gedrängelt hat, auch einmal ordentlich an der Schulter zu treffen. Das macht mir keinen Spaß, und ich finde es hört sich auch nicht schön an, aber ich habe zwei Jahre lang versucht, im freundlich zu sagen, dass er z.B. nicht beißen soll.
    Das bedeutet jetzt aber nicht, dass ich ihn die ganze zeit mit dem stick haue! Das wichtigste ist die Klarheit, und dass ist in deinem Text echt gut herübergekommen. Ich soll nicht unnötig mit dem Stick wedeln, dass verwirrt Hoppi nur und das führt auch zum Beißen. Ich versuche, die kleinste Hilfe zuerst zu geben, und versteht er es nicht, bleibe ich dabei. Aber kann er es eigentlich und fängt an zu beißen, weil er gerade keine Lust hat, dann ist es auch in Ordnung, deutlicher mit mehr Deuck zu werden.
    Ich würde so gerne den Druck weglassen, aber ich habe keinen Weg in die Richtung gefunden, der unsere Situation verbessert hätte. Ich hoffe, ihr könnt das verstehen…
    LG Johanna

    • Petra sagt:

      Liebe Johanna, nur noch einmal kurz – achte mal auf jeden Milimeter. Pferde fangen in aller Regel (auch wenn schon manches im Argen ist) Milimeterweise zu schubsen an. Und wenn du merkst, dass er auch nur seine Energie, sein Ohr, seinen Blick in Richtung schubsen lenkt – schick ihn freundlich aber klar wieder zurück auf seinen Platz. Vielleicht kannst du dir so das eine oder andere "eskalieren" ersparen, ohne Druck anwenden zu müssen. Oft "verschieben" uns die Pferde und wir merken es gar nicht.. Viele liebe Grüße, Petra

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