Pferde haben verschiedene Kopfhaltungen für verschiedene Emotionen. Ganz kurz gesagt. Ein hochgerissener Kopf? Bedeutet Stress, Adrenalin, Fluchtbereitschaft, Aufmerksamkeit. Ein niedriger und tiefer Kopf bedeutet Ruhe, Entspannung, Fresshaltung. Denn mal ehrlich – wer frisst schon Gras, wenn vielleicht gerade ein Löwe anschleicht?

Da wirft Pferd lieber den Kopf hoch und macht sich bereit zur Flucht. Deswegen ist das „Kopf tief“ eine gute Übung für Instantentspannung. Ich erkläre dir in einer Bilderanleitung, wie du dir diese Entspannungshaltung mit deinem Pferd in wenigen Schritten erarbeiten kannst – ganz ohne Druck.

Leckerli Training mit Pferd

Leckerli Training mit Pferd

Viele bringen ihrem Pferd das „Kopf Tief“ bei, in dem sie auf das Genick drücken oder unten am Halfter ziehen. Beides hat mir nie so gut gefallen, weil ich finde, dass Druck an der Stelle nicht nötig ist. Leckerli sind so ein toller Motivator.

Leckerli Training mit Pferd

Kopf Tief Pferd – Ohne Druck

Gerade bei Spaziergängen oder in anderen Stressmomenten kann es aber unglaublich praktisch sein, wenn das Pferd das „Kopf tief“ auf ein bestimmtes Signal hin beherrscht. Heute zeige ich dir eine Übung, ganz ohne Druck. Umso öfter du das übst, um so mehr wird es im Kopf des Pferdes installiert sein, umso eher kannst du es in den verschiedensten Situationen abrufen. Deswegen baue ich das immer in das Training mit ein.

Zwischendurch, wird die Übung eingestreut. Mal funktioniert es besser, mal schlechter. Das dauert einfach. Aber die Übung macht dem Pferd Spaß, du kannst es spielerisch einbauen und so nach und nach im Kopf deines Pferdes verankern.

Du brauchst dafür:

  1. Dein Pferd
  2. Dich
  3. Gute Leckerli (am besten ohne Zucker und Aromen, damit sie auch gesund sind für dein Pferd):

Kräuterwiese Karotinchen Leckerli Packung KW-LKKT-1

Die Übung in wenigen Schritten

Schritt 1: Angefangen hat alles beim Grasen. Da ich eine sehr verfressene Stute habe, ist jeder Grashalm spannend. Deswegen habe ich die Regel aufgestellt, dass nur gegrast wird, wenn ich es mit einem Zeichen erlaube. Ich habe also angefangen stehen zu bleiben und meiner Stute mit einer Handbewegung zum Boden hin zu zeigen, dass sie hier und jetzt grasen darf. Dabei bin ich mit meinem Oberkörper Richtung Boden. Das Pferd geht natürlich begeistert mit seinem Kopf zum Boden.

Schritt 2: Wenn kein Gras in der Nähe ist. Auf dem Platz, in der Halle, auf dem Weg zum Putzplatz, im Stall. Dafür brauchst du ein Leckerli. Mehr nicht.

  • Du stellst dich mit deinem Pferd hin – Schulter an Schulter. Und nimmst das Leckerli in deine Hand
  • Dann führst du das Leckerli langsam und gerade mit der Hand nach unten und senkst gleichzeitig deinen Oberkörpe
  • Das Pferd wird dir mit dem Kopf vermutlich folgen
  • Du lobst es, wenn es dich spiegelt
  • Falls es den Kopf nicht gleich runter nimmt, wartest du mit dem Leckerli immer auf der Höhe, auf der der Pferdekopf ist und führst deinen Oberkörper gleichzeitig mit der Hand Richtung Boden – damit es lernt, dass es dich spiegeln soll
  • Sobald es ein Stück mitgeht, gibst du ihm das Leckerli.

Je nach Pferd reicht es schon, wenn es den Kopf ein Stückweit nach unten nimmt oder mit dir tiefer geht. Anfangs reicht schon die Idee in die richtige Richtung. Nach und nach gibt es das Leckerli erst, wenn das Pferd den Kopf immer tiefer nimmt. Aber ich würde wetten, dass dein Pferd das schnell versteht. Leckerli sind einfach eine tolle Motivation für Pferde.

Irgendwann kannst du dann noch ein Stimmsignal dazunehmen, damit du den tiefen Kopf auch aus der Ferne anfragen kannst. Ich sage zum Beispiel ein langgezogenes “tiiiieeeeef” mit tiefer Stimme.

Hier nochmal in Bildern – Schritt für Schritt: 

Leckerli Training mit Pferd

Leckerli Training mit Pferd

Leckerli Training mit Pferd

Leckerli Training mit Pferd

Leckerli Training mit Pferd

TIPP:

Es ist nur wichtig, dass das Timing stimmt und du auf die Leckerli-Höflichkeit achtest, falls du noch nicht viel mit Leckerli gearbeitet hast.

HIER findest du einen grundsätzlichen Artikel zum Thema: Umstrittene Leckerli – ja oder nein? Wie du mit Leckerli richtig umgehen kannst

Schritt 3: Nach und nach gibst du erst bei jedem zweiten Mal oder dritten Mal oder vierten Mal das Leckerli. Du kannst das immer zwischendurch einbauen. Zwischen zwei Übungen. Am Putzplatz, auf dem Weg zur Koppel, bevor du dein Pferd wieder auf die Weide lässt. Im Wald, wenn du gerade Spazieren bist.

HIER ist übrigens ein Artikel zum Thema „Spazieren gehen – warum es so toll ist für die Bindung zwischen Pferd und Mensch“

Schritt 4: Wenn das alles klappt, kannst du anfangen deinem Pferd die Übung im Schritt und Trab beizubringen. Fang im Schritt an und senke deinen Kopf und deine Schultern. Lass sie anfangs etwas deutlicher Richtung Boden fallen, später reicht weniger.

Viel Spaß beim Üben

Das wird sicher etwas dauern, bis dein Pferd das versteht. Du kannst es einfach spielerisch immer wieder zwischendurch üben. Aber wenn es dann irgendwann den Kopf senkt, im laufen – ist das natürlich toll. Oder wenn es sich gerade etwas aufregt, weil es am Traktor vorbeisoll und die Übung so im Kopf verankert hat, dass es in diese Entspannungshaltung geht, nur weil du den Kopf senkst – auch auf Entfernung, kann das sehr hilfreich sein.

Leckerli Training mit Pferd

8 Kommentare zu “„Kopf tief“ ohne Druck! In wenigen Schritten zu einer entspannten Kopfhaltung

  1. Juwe sagt:

    Hallo Petra,

    Ich finde das ist eine interessante Methode -zu Kopf runter-. Mit der ‘Druckmethode’ war ich auch nie zufrieden.
    Ich habe dann deine Methode auch gleich probiert und es wird gut angenommen! Hast du auch eine Idee wie das dann beim Reiten eingebaut werden kann?
    Lieben Gruss

    • Petra sagt:

      Hallo Juwe, wie schön, dass es bei euch beiden schon so gut klappt 🙂 Du kannst zum Beispiel anfangen es zusätzlich mit einem Stimmsignal zu verknüpfen, sobald es gut klappt mit dem Spiegeln. Und wenn das dann etabliert ist, reicht das Stimmsignal und du kannst es auch vom Sattel aus geben. Ganz liebe Grüße und viel Erfolg, Petra

  2. Luna&Sternchen sagt:

    Liebe Petra,
    Danke für diesen schönen Artikel. Meine Stute ist im Moment unreitbar, da ich keinen passenden Gurt habe. Dirch diesem Artikel habe ich jetzt wieder jede Menge Ideen um für Abwechslung zu sorgen. Heute habe ich mal versucht meiner Stute Kopf tief beizubringen. Es hat wirklich gut geklappt und mein Pony hat es schnell verstanden.
    liebe Grüße,
    Luna&Sternchen

    • Petra sagt:

      Hallo ihr zwei, sehr gerne – danke für deinen lieben Kommentar. Du wirst bestimmt noch den richtigen Gurt für Sternchen finden. Kennst du die Mondgurte von Matthes? Die finde ich grandios. wie schön, dass es so gut bei euch beiden geklappt hat. Ich freue mich! Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Katja:) sagt:

    Hallo Petra, danke für diesen tollen Artikel! 🙂 Ich habe das Kopf tief mit meiner Stute angefangen zu üben und sie hat das mit dem Leckerli gleich kapiert. Sie geht sofort mit runter wenn ich meinen Oberkörper mit dem Kommando "tief" beuge 😉
    Ich bekomme es leider nur nicht hin, dass sie ihren Kopf unten lässt sobald ich mich ein bisschen aufrichte. Hast du vllt eine Idee wie ich ihr beibringen kann den Kopf tief zu lassen auch wenn ich mich wieder aufrichte? Ist sonst echt schwierig ihr das im Schritt bzw. Trab beizubringen, wenn meine Nase auch auf dem Boden hängt 😀

    • Petra sagt:

      Hallo Katja, sehr gerne – ich freue mich, dass dir der Artikel gefällt.

      Zu deiner Frage: Du kannst das einfach sehr oft mit ihr üben und nach und nach das Leckerli immer mal wieder weglassen und nur Loben. Dann irgendwann ein Wort oder Signal mit dem Herunterbeugen verbinden. Und das dann immer wieder üben. Irgendwann wird sie verstehen, dass du mit dem Wort oder der Bewegung nach unten das Kopf tief meinst und sie nicht einfach nur dem Leckerli folgt. Und wenn das klappt – kannst du es nach und nach auch auf Entfernung üben – bis du irgendwann in den Trab übergehen kannst 🙂

      Ganz liebe Grüße und viel Erfolg euch beiden,

      Petra

  4. Karin-Kelly sagt:

    Hallo Petra,
    ein sehr schöner Artikel. Wichtig finde ich allerdings, dass das Pferd den Kopf auch dann entspannt unten lässt, wenn der Mensch sich wieder aufrichtet. Es ist leichter, dies gleich von Anfang an zu üben, da das Pferd dann später nicht wieder umlernen muss. Sehr schön eignet sich dazu der Ohren-TTouch von Linda Tellington-Jones. Viele Pferde, die diesen Touch genießen gelernt haben, senken automatisch den Kopf, wenn der Mensch in Richtung Ohren fasst :-). Dies kann man dann prima mit einem Wort verbinden, das man dann auch auf Entfernung oder vom Pferderücken aus anwenden kann :-).
    Liebe Grüße. Kelly

    • Petra sagt:

      Hallo Kelly, ein super Tipp und Hinweis – dane für die schöne Ergänzung. Linda Tellington-Jones ist klasse – insofern kann ich mir gut vorstellen, dass das Funktioniert. Ich werde es ausprobieren. Ganz liebe Grüße, Petra

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