Stell dir vor dein Pferd arbeitet mit dir. Es ist motiviert, es freut sich mit dir gemeinsam Aufgaben zu erfüllen und spitzt die Ohren während ihr auf dem Platz trainiert.Wie schön, wenn das Pferd ohne alles mitgeht, wenn es im Seitengang über den Platz schwebt auf einen Fingerzeig und wenn es nur mit Halsring mit dir durch das Gelände streift. Das alles ist eine Frage des Trainings und der Kommunikation – eine Frage der Sicherheit und des Vertrauens, sagt der Pferdetrainer Honza Blaha.

Er ist bekannt für seine Freiheitsdressur. Seine Pferde trainieren mit ihm auf der Koppel, im Gelände – egal wo. Sie sind bei ihm und sie sind frei. Aber er sagt auch, dass wir genau den Moment abpassen müssen, ab dem es geht. Wie er das macht, was seine Gedanken zum Thema Freiheitsdressur sind und was Line Free ihm bedeutet, erzählt er jetzt im Interview.

Und HIER findest du einen Kursbericht zu Honza Blaha – mit den ersten Schritten in der „Line Free Collection“

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Interview mit Honza Blaha – Über Freiheitsdressur, Vertrauen, Sicherheit und Kommunikation

Pferdeflüsterei.de: Deine Trainingsphilosophie „Line Free Collection“ bedeutet im Grunde Pferdetraining und Reiten ohne Strick und Halfter oder Zügel. Du bezeichnest es aber nicht nur als Training, sondern als Lebensgefühl, richtig?

Honza Bláha: Wenn ich über „Line Free Collection“ rede, bedeutet das, dass mein Pferde kein Halfter mehr getragen hat, seit wir unser Training gestartet haben und eine sichere Basis haben. Das bedeutet „Line Free Collection“ für mich. Aber ich finde es vollkommen in Ordnung wenn Menschen ein Zaumzeug nutzen wollen. Weil nicht die Zäumung das Problem ist, sondern wie wir sie nutzen. Aber wenn ich sage, dass ein Pferd frei mit mir trainiert, dann bedeutet es, dass ich 100% der Zeit ohne alles trainiere. Deswegen nenne ich es ein Lebensgefühl.

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Sicherheit mit Pferden – wie wir sie erreichen können

Pferdeflüsterei.de: Einer der wichtigsten Punkte in den Trainingsschritten deiner „Line Free Collection“ ist Sicherheit. Du startest mit der Freiarbeit erst, wenn du weißt, dass das Pferd sicher ist. Aber wie genau weißt du, dass ein Pferd sicher ist? Ich meine 100% Sicherheit ist nicht möglich mit Pferden, aber sagen wir mal zu 99%?

Honza Bláha: Das Pferd ist sicher, wenn du dir das Schlimmste vorstellst, das passieren kann und du weißt, dass du nicht die Kontrolle verlieren würdest. Wenn man etwas einmal mit einem Pferd machen kann, bedeutet das nicht Sicherheit aus meiner Sicht. Sicher bedeutet, dass eine Atombombe neben dir und deinem Pferd explodieren kann und dein Pferd ist immer noch bei dir. Das ist der Moment auf den ich immer warte. Ich warte lieber, bis ich das richtige Equipment habe, bis wir besser und besser werden – solange bis das Pferd und ich gut zusammenarbeiten, bevor ich alles wegwerfe und frei trainiere.

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Pferdeflüsterei.de: Deswegen provizierst du Reaktionen, wenn du mit einem neuen Pferd das Training startest? Um zu testen, wo die Grenzen sind?

Honza Bláha: Ja, weil Sicherheit mit einem Pferd bedeutet, dass wir uns in den schlimmstöglichen Albtraum begeben und gemeinsam mit dem Pferd durchgehen können. Sicherheit bedeutet nicht, dass wir den Albtraum umgehen. Das ist im Grunde eine Investition in dein eigenes Leben und in das deines Pferdes. Aber gleichzeitig schaue ich auch, wie weit das Pferd schon ist und ob ich das überhaupt schon fordern kann. Zum Beispiel galoppiere ich nicht mit einem jungen Pferd, bis ich das Gefühl habe, dass es wirklich bereit dazu ist.

Pferdeflüsterei.de: Viele Menschen denken ganz grundsätzlich, dass wir mit den Pferden nicht mit Halsring oder Reitring oder ohne alles ins Gelände gehen sollten. Weil sogar das sicherste und netteste Pferd durchgehen kann, wenn es Angst bekommt. Aber du gehst frei und ohne alles mit deinen Pferden ins Gelände?

Honza Bláha: Oh, ich denke, dass sie Recht haben. Aber für mich ist ein Unterschied, was ich anderen rate und was ich selbst mache. Ich persönlich denke, wenn man ins Gelände geht und ein Zaumzeug am Pferd hat oder Halfter und man es nicht nutzt, nicht mal berührt – was ja unser aller Ziel ist – dann ist es doch nur eine Frage unseres Egos, wenn wir es dem Pferd überziehen.

Pferdeflüsterei.de: Weil sich Menschen sicherer fühlen mit dem Zaumzeug?

Honza Bláha: Sich sicher fühlen und sicher sein – das sind zwei verschiedenen Dinge. Das Gefühl ist nicht genug, weshalb ich das reine Gefühl nicht als Marker für Sicherheit empfehle. Sondern Training und echte Sicherheit. Das was ich vorhin beschrieben habe.

Pferdeflüsterei.de: Aber wenn nicht durch das Gefühl, wie können wir dann Sicherheit wirklich erkennen?

Honza Bláha: Sicherheit zu erkennen ist eigentlich ganz einfach. Man sollte immer dazu in der Lage sein das eigene Pferd zu stoppen. Egal, welche Ausrüstung du hast, egal ob frei oder nicht, egal wie weit es entfernt ist von dir – du musst immer dazu in der Lage sein es zu stoppen. Dann ist das Pferd sicher.

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Pferdeflüsterei.de: Deswegen ist das Stop so ein wichtiger Punkt in deinen Kursen?

Honza Bláha: Ja, genau. Wenn ein Pferd einfach durch die Zügel rennt oder den Strick ignoriert – wie kannst du dann ernsthaft glauben, dass es sicher ist, auch mit dem Zaumzeug? Und wie kann ich in einer Fantasiewelt leben und glauben, dass ich Freiarbeit machen kann, wenn das Pferd mir den Strick aus der Hand reißt? Deswegen trainiere ich mit meinen Schülern immer erst die Basics.

Ein Pferd muss jederzeit gestoppt werden können. Wenn ich ein Pferd habe und mich mit einer Übung nicht sicher fühle, dann würde ich sie einfach noch nicht machen. Zum Beispiel: Ich habe 11 Pferde zu Hause und wenn ich mit Kindern ausreiten gehe, nehme ich nicht mein Super-Freiarbeits-Pferd. Er ist die pure Energie und temperamentvoll. Ich würde ihn also nie für einen Ausritt mit den Kindern mitnehmen. Weil das nicht sicher wäre und meine Kinder sind mir wichtig.

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Pferdeflüsterei.de: Würdest du sagen, dass viele ein falsches Bild von Sicherheit haben mit Pferden? Weil sie glauben, dass ein Pferd durch Halfter und Zaumzeug, Gebiss und Ausrüstung sicherer werden würde? Dabei können wir ein Pferd ja gar nicht stoppen, wenn es wirklich durchgehen will. Wir können nur an Vertrauen und Basis arbeiten. Also erschafft das Gebiss vielleicht ein falsches Gefühl von Sicherheit?

Honza Bláha: Nein, glaube ich nicht. Ein Gebiss ist einfach rein mechanisch effektiver als ein Halfter. Wenn du also weißt, wie man es korrekt nutzt, ist es sicherer. Wenn du das Zaumzeug wie ein Idiot nutzt, bist du nicht sicherer. Etwas, das ich wirklich bescheuert finde, sind die Menschen, die eine Gebisslose Zäumung mit mechanischen Elementen wie Hackamore nutzen, die die Nase pressen – das ist wirklich krank finde ich und so viel unfairer als ein sanftes Gebiss. Das Gebiss ist fair, wenn du es korrekt nutzt. Wie bei allem! Du kannst alles gut nutzen oder grausam dabei sein. Die Frage ist nicht wirklich, welche Ausrüstung du benutzt – die Frage ist, wie du deine Ausrüstung nutzt.

Druck oder nicht – wie arbeitet Honza Blaha

Pferdeflüsterei.de: Das Gleiche gilt auch für den Einsatz von Druck oder Leckerli, richtig?

Honza Bláha: Richtig. Aber ich persönlich nutze keine Leckerlis. Ich brauche sie nicht. Ich habe mich als junger Kerl dazu entschlossen, sie dann zu nutzen, wenn ich ohne nicht mehr weiterkomme. Und ich habe sie seitdem noch kein einziges Mal gebraucht. Also, warum soll ich sie nutzen?

Pferdeflüsterei.de: Naja, sie sind einfach eine schöne Motivation und ein Lob. Also warum soll man sie nicht nutzen? Aber das ist meine persönliche Meinung. Also arbeitest du mehr mit Druck und dem Nachlassen von Druck in deinem Training?

Honza Bláha: Nein, das mache ich auch nicht. Ich gebe dir mal ein anderes Bild. Wie viele Menschen sind Christen auf der Welt? 20 Millionen? Mehr? Egal, es sind sehr viele. Aber wie viele dieser Menschen haben Gott wirklich selbst gesehen? Keiner! Aber wie viele davon glauben trotzdem an Gott? Wie viele sind bereit für diesen Gott zu sterben? Ist es, weil Gott sie unter Druck setzt? 😉 Nein! Wenn Menschen an etwas glauben, sind sie bereit dazu alles dafür aufzugeben. Und ich bringe mein Pferd dazu, an mich zu glauben. Also macht das Pferd Dinge, von denen es nicht einmal ahnte, dass sie möglich wären.

Pferdeflüsterei.de: Aber wie machst du das?

Honza Bláha: Genau wie Gott (lacht). Nein, ich mache Witze! Ich glaube nicht, dass ich wie Gott bin. Aber ich habe kein Problem mit Konfrontation und Konflikten. Nimm zwei Pferde. Wenn sie auf der Weide aufeinandertreffen, rennen sie aufeinander zu. Sie sagen nicht zu sich selbst: Bleib ruhig, verletz dich ja nicht, halte Distanz und schau erstmal wie der andere ist. Das ist nicht ihre Natur.

Sie rennen fast schon ineinander und checken sich so aus. Und in diesen Momenten erkennt dann eines von beiden, dass das andere stärker und besser ist. Und dann sagt es sich selbst: Oh, dieses Pferd ist ein wirklich guter Typ, mit dem möchte ich gerne zusammen sein. Und die Pferde erkennen sofort, ob der Mensch der vor ihnen steht, auch so ein guter Typ ist. Sie erkennen es an deiner Art und Weise. Und dann wollen sie dir folgen. Pferde lieben starke und sichere Persönlichkeiten. Sie mögen keine Dominanz, sie mögen innere Stärke.

Pferdeflüsterei.de: Ich möchte ja auf diesem „Druck und Nachlassen von Druck“-Ding insistieren – aber ich habe dich beim Kurs auch mit Druck arbeiten sehen. Um das vom Pferd zu bekommen, was du willst.

Honza Bláha: Ja, natürlich. Klar musst du Druck aufbauen und dann wieder nachlassen. Aber dann bekommst mal bessere und mal schlechtere Ergebnisse. Aber das ist nur die Technik. Ja, ich gebe mit meinen Armen und Beine Signale – aber dann kann eine ganz andere Person auf dem gleichen Pferd sitzen und auch die Beine anlegen und sie wird eine andere Antwort bekommen.

Pferde wissen einfach, was wir denken. Und das ist der Punkt. Es geht nur um das, was wir fühlen, um die persönliche Stärke. Es geht nur darum, wie wir uns selbst im Inneren fühlen. Ist das Druck und das Nachlassen von Druck? Ja, ich denke, dass wir den Druck fair und richtig einsetzen müssen. Aber das ist wie Wasser zu trinken. Ich muss Wasser trinken um zu leben. Aber ich denke nicht darüber nach, dass ich Wasser trinken muss – ich tue es einfach. Ich nutze meine Zeit also lieber darüber nachzudenken, was ich tun möchte, statt darüber nachzudenken wie ich es tue. Und die Pferde lieben das.

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Pferdeflüsterei.de: Aber trotzdem dreht sich viel um den Druck. Speziell um die Frage: Wie viel muss sein und wann ist es zuviel? Gerade in Deutschland spaltet sich die Pferdewelt fast schon in zwei Lager.

Honza Bláha: Naja, damit kommen wir wieder zurück zur Frage der Technik und des technischen Trainings. Was ich wirklich nicht leiden kann. Wie soll ich dieses oder jenes machen? Schritt nach Schritt – 1, 2, 3, 4. Fertig. Wenn es nicht funktioniert, wird wiederholt und wiederholt. Aber das ist so falsch. Es geht nicht um Wiederholung, es geht um Gefühl und Glauben.

Das bringt mich wieder zurück zur Religion. Gott liebt die Menschen, er beschützt die Menschen und er wird immer auf die Menschen achten. Aber wir müssen gleichzeitig zuhören, was er uns sagt. Auch wenn er wirklich blöde Sachen sagt, wie zu Noah „bau ein Boot auf einem Hügel in das alle Tierarten passen und nenne es Arche“. Du machst es, weil du an Gott glaubst. Und dann passiert etwas, das dir zeigt, dass Gott Recht hatte. Du bekommst den Beweis und beginnst wirklich an Gott zu glauben.

Dasselbe mache ich mit meinen Pferden. Ich sage zum Beispiel: wenn ich dir den Stick zeige und dich bitte rückwärts zu gehen, wirst du merken, dass der Stick nicht essbar ist, du kannst ihn nicht umrennen – du kannst nichts mit dem Stick machen – außer Rückwärts zu gehen. Dann probiert das Pferd aus ob ich Recht habe und wird dann irgendwann das Prinzip verstehen, weil es merkt, dass der Stick wirklich weder essbar nicht verrückbar ist. Und dann erkennt es, dass Honza Blaha einen Plan und gute Ideen hat und es wird mir gerne folgen. Wenn du deinem Pferd dann noch ein gutes Gefühl gibst und es lobst, wenn es etwas richtig gemacht hat, wird es dich noch mehr lieben. Das ist Führung.

Pferdeflüsterei.de: Das klingt alles sehr strikt – dürfen deine Pferde auch mal nein sagen?

Honza Bláha: Ja, in manchen Situationen. Wenn ein Pferd zum Beispiel nicht kann, weil es nicht versteht oder Schmerzen hat oder die Übung noch nicht schaffen kann, dann darf es auch nein sagen. Aber wenn ich Basis-Übungen will, wie einen Schritt Rückwärts, dann gilt: tot oder lebendig – das Pferd muss rückwärts gehen. Ich habe aber auch die Verantwortung mich um meine Pferde zu kümmern.

Wenn ein Pferd noch nicht dazu bereit ist, etwas zu tun, bitte ich es nicht darum. Vielleicht versuche ich es und wenn ich merke, dass es nicht kann, frage ich vielleicht ein oder zwei Basics ab und beende dann das Training. So verliere ich nicht den Respekt des Pferdes, aber respektiere die Möglichkeiten des Pferdes.

Vertrauen und das feine Band zwischen Pferd und Mensch

Pferdeflüsterei.de: Und dann gibt es noch die „Blase“ die du in deinen Kursen erwähnst? Also ein anderes Wort für die Verbindung zum Pferd?

Honza Bláha: Ich gebe dir ein Beispiel. Mein Super-Andalusier. Seine erste Show. Ich habe den Zuschauern erzählt, dass ich ihnen zeigen werde, wie man ein Pferd entspannt. Weil er ja erst ein junges Pferd im Training war. Ich habe also ein paar Tricks gezeigt, ein bisschen Galopp. Alles ganz klein und einfach und entspannt. Sagte dann „Danke“ zu meinem Pferd und ging weg. Da sprang er auf mich zu und rempelte mich an. Also habe ich wieder einen Zirkel mit ihm gemacht, eine kleine Übung und „Danke“ gesagt.

Ich wendete mich dem Publikum zu – und mein Pferd sprang mich wieder an und rannte mich um. Das hat er gemacht, weil ich keine Konfrontation wollte oder Konflikte. Wegen der Show und weil mein Pferd ja noch jung war. Ich wollte nett sein und habe meine Erwartungen auf ein Minimum reduziert. Und er war aber auf Konfrontation: Als ob er fragen würde: Wer bist du, ich kenne dich nicht, weil du so wenig von mir willst und so zurückhaltend bist.

4 Tage lang wurde es schlimmer und schlimmer. Am 5. Tag ging ich in die Halle und sagte zum Publikum: Heute zeige ich euch, wie Honza Blaha ein aggressives Pferd trainiert. Ich habe zwei dicke Sticks mitgebracht, falls es einen kaputt machen wird. Die Zuschauer beugten sich nach vorne, die Kameras wurden gezückt. Und mein Pferd? War einfach perfekt und überhaupt nicht mehr aggressiv. Sag mir, woher wusste er das?

Pferdeflüsterei.de: Weil du wusstest, was du willst..

Honza Bláha: Das ist Führung, das ist die Belohnung. Das ist, was wir finden müssen. Der Rest ist Technik. Die ist auch wichtig, klar müssen wir wissen wie wir mit unserem Pferd kommunizieren im Training. Aber die Technik ist nichts ohne das Herz und die Seele. Wenn Menschen nur die Technik trainieren, werden sie nie diese tiefe Verbindung bekommen.

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Pferdeflüsterei.de: Okay – zum Schluss, Honza, verrate uns dein Geheimnis. Wie gewinnst du wirklich die Herzen der Pferde?

Honza Bláha: Weil die Pferde an mich glauben. Ich habe einen Plan. Und Pferde glauben an dich, wenn sie erkennen, dass du stark bist, stärker als das Pferd. Trotz dieser Stärke – und das ist wirklich erst einmal unlogisch für das Pferd – frisst du es nicht, sondern liebst es. Und machst Dinge für das Pferd, kümmerst dich zum Beispiel um seine Beine, wenn es verletzt wurde, schützt es vor diesem gemeinen Pferd, das es nicht fressen lassen will, legst ihm Heu bereit.. und das Pferd denkt: Wow, dieser Mensch ist wirklich etwas Besonderes. Er könnte mich jederzeit fressen, aber stattdessen kümmert er sich um mich. Wow! Die müssen unsere Liebe fühlen, das ist viel wichtiger als das mechanische Training.

Pferdefreundlich ShoppenLass mich dir eine Geschichte erzählen. Mein Pferd Gason mochte die Shows am Anfang nicht besonders. Er war verängstigt und unsicher und unter Stress. Aber sobald er bemerkte, dass die Menschen klatschen, wenn er etwas besonderes macht, fing er an die Shows zu mögen. Weil er sich besonders fühlte dadurch. Er wurde immer kreativer und zeigte jede Show etwas Neues. Und dann schickte ich ihn in Rente, als er zu alt wurde.

Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich mit ein Paar Pferden zu einer neuen Show aufgebrochen bin. Gaston stand am Gatter und starrte uns hinterher. Er hat drei Tagelang nichts gegessen und stand immer am Gatter. Also habe ich ihn das nächste Mal mitgenommen. Nicht, damit er auftritt, einfach nur damit er dabei sein und glücklich sein konnte.

Die Show fing an, er stand am Rand und ich zeigte mit meinem anderen Pferd, Maxim, ein paar Tricks. Er bekam Applaus. Ich brachte ihn zu Gaston und das erste mal in seinem Leben, schnappte Gaston nach Maxim. Beim nächsten Pferd war es genau das Gleiche. Und da wurde mir klar, dass Gaston sagen wollte: Das ist meine Show, ich habe diese Tricks immer gezeigt.

Pferdeflüsterei.de: Wie ein alter Hollywood Star..

Honza Bláha: Ja! Und ich sagte: Okay Gaston, komm! Lass uns die Show zusammen machen. Er zeigte die Piaffe wie ein alter Mann – mehr schlecht als Recht. Auch die Passage. Aber die Leute applaudierten und er war glücklich.

Pferdeflüsterei.de: Das ist dieser wunderschöne und besondere Stolz, den Pferde durch positive Energie in sich fühlen, richtig?

Honza Bláha: Genau! Sobald Pferde einmal diese positive Energie gespürt haben, wollen sie mehr davon. Das ist wie eine Droge. Pferde brauchen auch das Gefühl, wichtig zu sein. Das lieben sie.

Pferdeflüsterei.de: Lob und Liebe! Zwei wunderschöne Drogen in der Zusammenarbeit mit Pferden. Danke, Honza für das Interview!

Honza Blaha LIberty Freiheitsdressur

Autor: Petra Haubner

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

6 Kommentare zu “Freiheitsdressur mit Honza Blaha! Interview über Sicherheit, Druck und freies Training

  1. Lena sagt:

    Hallo Petra,

    ein tolles Interview!
    Im anderen Beitrag erwähnte ich ja schonmal, dass Honzas Weg nicht meiner ist. Aber in diesem Interview gefällt mir ein Punkt sehr: das Beispiel mit dem Applaus. Mir ist spontan ein Vergleich zu meiner Fellnase eingefallen:

    Lucca ist eher "spröde" und so gar nicht das typische nette Pferdchen, mit dem man kuscheln kann. Er legt viel die Ohren an (was einfach aufgrund seiner Rasse ein natürliches Verhalten und nicht pauschal mit böse zu bewerten ist, auch wenn er hin und wieder doch auch schnappt), weicht meistens aus, wenn man ihn z. B. am Kopf streicheln möchte und beim Arbeiten muss man sich seine Aufmerksamkeit und seinen Arbeitswillen erst erarbeiten, und das jedes Mal aufs Neue. Daher war für mich immer klar: Niemals ein Kind an ihn lassen! Bis dann eines Tages meine kleine Nichte reiten wollte. Klar, kein Thema, ich bin ja dabei. Habe sie Lucca putzen lassen, aber stand immer mit Argusaugen daneben, damit ja nichts passiert und das Stinktierpony nicht zufällig die Finger perforiert. Dann ab auf den Reitplatz, Kind aufs Pony gelupft und gehofft, dass diesmal kein Grashalm schief gewachsen ist, an dem sich Herr Pony stören (und Haken schlagen) könnte. Dann klingelte mein Handy, und ich habe kurz den Reitplatz verlassen (Mutter des Kindes saß an der Bande). Bei meiner Rückkehr traute ich meinen Augen nicht: Pony trabte gemütlich mit aufgestellten Öhrchen und sichtlich zufrieden mit der Kleinen durch die Bahn! Auf meine Frage, ob das gewollt war, oder ob Lucca sein Ding mache, strahlte meine Nichte übers ganze Gesicht und erzählte, dass sie angetrabt sei, und es wäre soooo toll! Dabei streichelte sie Luccas Hals, und schon wurde das gesamte Pony gefühlte 20 cm größer. Seit diesem Tag beobachte ich mein Ponytierchen im Umgang mit Kindern sehr genau, aber ohne diese Vorbehalte, er könnte sie verletzen. Denn es ist ganz klar: er liebt Kinder. Und er ist mit den Kurzen einfach total lieb. Klar testet er auch da, wie weit er gehen kann. Aber niemals so, dass ein Kind verletzt werden könnte oder frustriert aufgibt, sondern auf eine irgendwie drollige Art. Gutmütig trifft es vielleicht am besten.

    Um den Bogen zu der Geschichte mit dem Applaus zu schlagen: Ich glaube, dass Kinder eben diesen "Plan" haben, von dem Honza spricht. Sie wissen, sie wollen das Pferd kuscheln, putzen, reiten, was auch immer. Und sie denken nicht daran, was passieren könnte. Sondern sie tun einfach das, was sie wollen. Und gleichzeitig freuen sie sich so, dass das Pony die positive Energie empfängt – und sich mitfreut! Wir Erwachsenen denken viel zu viel, und blockieren damit automatisch sowohl uns selbst, als auch die positiven Energien, die zum Pferd wandern. Das ist zumindest meine Theorie, und auf der Grundlage werde ich weiter daran arbeiten, dass mehr "Applaus" beim Pony ankommt! 🙂

    • Petra sagt:

      Hallo Lena, da geht es mir ein bisschen wie dir. Ich mag manche ansichten und kann vieles nachvollziehen. Vieles aber auch nicht. Mein Weg ist es auch nicht – aber ich finde es wichtig verschiedene Ansichten und Ideen zu kennen und zu zeigen, damit man dann den eigenen Weg finden kann. Supersüß ist auch deine Geschichte mit Lucca und deiner Nicht. Kinder sind aber auch wirklich oft toll mit Pferden, weil sie nicht so zweifeln und nachdenken, sondern einfach DA sind und machen. Das lieben die Pferde einfach 🙂 Wie ja auch Lucca gezeigt hat. Ganz liebe Grüße an euch, Petra

    • Petra sagt:

      Naja "viele" ist immer relativ 😉 Aber danke für den Hinweis! Wir werden nochmal genau hinschauen. UNd danke für das Kompliment – freut uns, dass dir der Artikel gefällt. Viele liebe Grüße,
      Petra

  2. Miriam sagt:

    Liebe Petra,
    vielen Dank für das Interview.
    Was mir gefällt an seinen Ansichten, ist, dass Sicherheit durch innere Stärke entsteht und die Technik nicht entscheidend ist. Es gibt kein Kochrezept für den Umgang mit Pferden.
    Den Rest mag ich ehrlich gesagt nicht. Das ist sonst nicht meine Art, so etwas zu schreiben und ich hab mir das jetzt schon ein paar Tage überlegt, aber ich frage mich wirklich, wie man einerseits von Liebe zu den Pferden reden kann und sie andererseits zu willenlosen Sklaven machen kann. Wenn er so trainiert, wie er das hier beschreibt, tut er genau das meiner Meinung nach.
    Meine kleine Stute, die wir nun zu uns geholt haben, damit mein Ponymann nicht alleine ist, wenn er zu uns ans Haus zieht, ist dafür ein gutes Beispiel. Jeder der die kleine Maus kennen lernt, sieht in ihr ein braves und liebes Pferd. Wann immer man was von ihr will, sie tut es. Man kommt auf die Weide, sie frisst eigentlich Gras, man bittet sie um etwas, sie hört sofort auf und tut was man will. Mein Ponymann würde das nicht unbedingt tun. Es gibt kein Drängeln am Strick, sie ist immer geduldig und wartet auf das was man möchte. Sie fordert nichts, sie ist höflich und wirklich angenehm im Umgang. Sie macht sämtliche Übungen ohne Strick genauso gut wie mit und es reicht bei ihr in der Mitte zu stehen und Anweisungen zu geben. Toll, oder?
    Für die meisten Menschen ist sie so perfekt. Sie funktioniert auf Knopfdruck und das sogar ganz ohne Leckerchen.
    Mir tut sie leid und ich sehe etwas ganz anderes in ihr. Eine verängstigte und verunsicherte Stute, die glaubt ständig tun zu müssen, was man von ihr will, weil sonst etwas schlimmes passiert. Sie hat keine eigene Meinung. Sie hat keine eigenen Ideen. Wenn ich mit den beiden in der Reithalle bin und mit ihnen zusammen laufe, läuft mein Ponymann mit mir mit. Er macht Späße und freut sich. Wir üben spielerisch nebenher Seitengänge, laufen um die Wette und er fordert seine Streicheleinheiten ein. Er hat ein waches, keckes Gesicht, tobt und tut nicht immer, was ich von ihm will. Ich lache darüber und weiß, dass ich mich im Ernstfall auf ihn verlassen kann. So wie er weiß, dass er sich auf mich verlassen kann. Er begegnet den „schrecklichsten Monstern“ mit Spaß und Neugierde. Versichert sich, dass ich da bin und im Ernstfall retten kann und geht dann alleine das Monster besiegen. Die kleine Maus steht verunsichert in der Mitte und weiß nicht, was sie tun soll, wenn es ihr keiner sagt. Sie traut sich nicht selber zu entscheiden, ob sie wo hingehen will oder nicht. Sie traut sich nicht ohne Ansage anzutraben oder gar zu galoppieren. Sie steht da und wartet wie ein Roboter auf Kommandos. Wenn sie etwas gruslig findet, traut sie sich nicht zu flüchten. Sie steht da und erträgt es tapfer, weil sie mehr Angst vor der Reaktion des Menschen wie vor den „Monstern“ hat.
    Sie wurde nie geschlagen. Sie hat keine Vergangenheit, bei der jeder aufschreit. Im Gegenteil, die Menschen bei der sie vorher war, haben sich gut um sie gekümmert. Sie ist kein Notfallpony aus schrecklicher Haltung, sondern war ein Familienmitglied. Sie wurde aber ungefähr so trainiert wie im Interview beschrieben. Sie hatte nie eine Wahl. Und nun weiß sie nicht mehr, wie man selber Entscheidungen trifft. Das war nie erwünscht.
    Ich freue mich auf den Tag , an dem sie sich mal traut „Nein“ zu sagen, denn ehrlich gesagt ist ihr „Ja“ erst dann auch etwas wert.
    Ganz liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, du sprichst mir aus der Seele. Danke für deinen Kommentar, ich finde gut und richtig, dass du ihn geschrieben hast. Mir ging es ähnlich wie dir. Versteh mich nicht falsch, die innere Stärke und Ruhe, die Honza ausgestrahlt hat, hat die Pfrde regelrecht angezogen. Das war faszinierend und schön zu beobachten. Aber gleichzeitig war er mir auch zu hart und ausschließlich für mich selbst. Wobei seine Pferde durchaus einen wachen und frechen Eindruck gemacht haben. Es ist ja ein stückweit auch eine Frage des Charakters. Meine Stute beispielsweise entspannt manchmal regelrecht, wenn ich eine Ansage mache und darauf bestehe, dass wir das jetzt durchziehen. Sie braucht Grenzen und Regeln, um sich dann wohl zu fühlen und mir zu vertrauen. Aber sie ist auch einfach ein sehr dominantes Wesen mit dem Drang zur Herdenchefin 🙂 Wäre sie so, wie deine kleine Stute, würde ich die Grenzen und Regeln ganz anders behandeln. Und darin liegt vielleicht auch eine Krux – dass Menschen nicht so sehr auf die Persönlichkeit achten, sondern mechanisch trainieren. Das ist traurig und schade, denn ich wünsche mir für alle Pferde, dass sie mitreden dürfen, Spaß haben, einen frechen Blick und sich trauen auch mal Entscheidungen zu treffen oder Vorschläge zu machen. Genau wie dein Ponymann und auch meine Kleine. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall und vielen Dank für deinen wunderbaren Kommentar, Petra

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