Stell dir vor, du hebst den Hörer auf, wählst eine Nummer und hast dein Pferd oder deinen Hund oder deine Katze am anderen End der Strippe. Du stellst Fragen und bekommst Antworten. Wie oft denke ich, wie toll es wäre, wenn ich meine Stute fragen könnte, was sie bewegt und warum sie sich manchmal verhält wie sie sich gerade verhält. Es wäre so einfach, wenn wir mit unseren Tieren reden könnten. Genau darum geht es jetzt in diesem Artikel. Wie du lernen kannst mit deinem Tier zu sprechen. Schritt für Schritt. 

Die Tierkommunikation sagt, dass wir mit unseren Tieren in unserer Sprache reden können. Wir können ihnen Fragen stellen und bekommen ganz konkrete Antworten. Bis zu Tipps in Sachen Futter, ihre Wünsche an uns und Verletzungen oder Schmerzen und andere gesundheitliche Probleme. Kein Rätselraten mehr. Tierkommunikatoren sagen auch, dass diese Fähigkeit in uns allen liegt und wir sie lernen können. Wie das genau gehen soll, frage ich gleich die Buchautorin und Tierkommunikatorin Karin Müller. Sie macht das schon seit vielen Jahren und ist auch eine der bekanntesten Ausbilderinnen zur Tierkommunikation in Deutschland. Du kannst mehr über sie auf ihrer Webseite karin-mueller.com erfahren – dort veröffentlicht sie auch Infos zu ihren Büchern und Kursen.

Karin Müller Tierkommunikation

Bevor ich wir aber zum Interview übergehen noch ein paar Gedanken von mir zum Thema. Ich glaube sehr daran, dass Tiere Gefühls- und Energiewesen sind. Ich glaube auch an eine feine und nonverbale Kommunikation, die fast schon Gedankenübertragung sein kann. An das Konzept von unserer inneren Haltung und dem Fokus, den unsere Tiere uns spiegeln glaube ich auch.

Von Angesicht zu Angesicht. Ich sehe das ganz pragmatisch: Unsere Gedanken werden in aller Regel zu Taten – nämlich zu kleinsten Muskulären Bewegungen, Gerüchen die wir ausströmen und Mikromimik in unseren Gesichtern. Diese Botschaften können unsere Tiere lesen, weil sie von der Natur mit viel feineren Instinkten und Sinnen ausgestattet wurden als wir Menschen.

Mit Pferden reden

Natürlich kommunizieren wir also mit unseren Tieren:

  • über unsere Körpersprache
  • über Worte und eine gemeinsam erarbeitete erlernte Sprache
  • über Energie und Gefühle

Ich persönlich bin sehr skeptisch was die Kommunikation via Telepathie und den berühmten sechsten Sinn betrifft. Das ist genau das, worauf die klassische Tierkommunikation aufbaut.

Dazu gibt es HIER noch einen ersten Teil – mit meinen Gedanken zum Thema, einem persönlichen Erfahrungsbericht und einem Interview mit einer von Karin Müllers Schülerinnen über die ganz praktische Durchführung einer Kommunikation

Jetzt kommen wir aber zu dem Interview. Da ich sehr skeptisch bin, musste sich Karin einige kritische Fragen gefallen lassen. Sie hat sich ihnen offen gestellt.

Karin Müller Tierkommunikation

Interview mit der Expertin und Ausbilderin in Sachen Tierkommunikation – Karin Müller – über ihren Weg von der Skeptikerin zur Tierkommunikatorin, über Tierkommunikation an sich und vor allem über die Frage, wie man Tierkommunikation lernen kann:

Pferdeflüsterei.de: Fangen wir mal ganz vorne an, damit unsere Leser dich auch ein bisschen kennenlernen. Wie bist du denn zur Tierkommunikation gekommen?

Schon als kleines Kind hat mir meine Familie einen besonderen Draht zu Tieren nachgesagt. Ich habe verletzte Mauersegler und Tauben gesund gepflegt und bitterlich geweint, wenn jemand aus Achtlosigkeit Insekten zertreten hat. Vielleicht liegt bei uns in der Familie auch eine gewisse Begabung für Feinstoffliches. Allerdings kannte ich kein Wort dafür. Ich war immer schon sehr sensibel dafür, wie es einem Tier geht und wann es zum Tierarzt muss, oft lange bevor die Erwachsenen Symptome bemerkt haben.

Meine Eltern haben mich darin glücklicherweise immer ernst genommen und mir Bodenhaftung beigebracht. Für mich war es einfach normal zu wissen, was ein anderes Lebewesen fühlt, wie es ihm geht, oder wo es Schmerzen hat. Dass man diese Fähigkeit tatsächlich trainieren und verfeinern kann und dann „Tierkommunikation“ nennt, habe ich erst um die Jahrtausendwende erfahren – und auch, was schief gehen kann, wenn jemand die Bodenhaftung verliert.

Karin Müller Tierkommunikation

Pferdeflüsterei.de: Warst du sofort offen für das Thema oder auch eine Skeptikerin wie ich?

Ich war superskeptisch, aber auch neugierig, als ich auf die ersten sogenannten Tierdolmetscher traf, die Kurse anboten und behaupteten, mit (Haus)tieren kommunizieren zu können. Zu der Zeit war ich hauptberuflich Journalistin und ich hatte ein wissenschaftliches Studium abgeschlossen. Natürlich wollte ich tiefer eintauchen, recherchieren, einen Artikel schreiben. Ich habe den Haken an der Sache nie gefunden. Aus dem Artikel sind über die Jahre sieben Bücher zum Thema geworden und ich begleite seit 18 Jahren Menschen darin, ihren eigenen sechsten Sinn wiederzubeleben.

Pferdeflüsterei.de: Was hat dich letztlich davon überzeugt, dass es funktioniert?

Die Erinnerung an meine Kindheitserlebnisse, die Trefferquote von völlig fremden Menschen bei Kommunikationen mit meinen Haustieren – und umgekehrt natürlich eigene Erlebnisse: Als mir erste konkrete Informationen zugeflossen sind, für die ich keine andere rationale Erklärung herleiten konnte. Zu meinem Selbstverständnis gehört aber auch, meine Arbeit immer wieder in Frage zu stellen und mich selbst zu überprüfen. Man trägt viel Verantwortung und sollte sich dessen stets bewusst sein.

Was ist Tierkommunikation und wie soll sie funktionieren

Pferdeflüsterei.de: Kommen wir mal zu den Fakten – Was ist Tierkommunikation und wie soll sie funktionieren?

Es handelt sich um eine mentale Kommunikation, um Gedankenübertragung. Man kann über Hirnstrommessungen nachweisen, welche Bereiche im Gehirn dabei aktiv werden. In gewisser Weise ist es vielleicht eine Verfeinerung der Empathie, der Fähigkeit, uns in ein Gegenüber einzufühlen. Tierkommunikation wird oft mit Intuition verwechselt, aber das ist es nicht. Es ist eine Kommunikationsform zwischen den Seelensystemen zweier Individuen ohne Zuhilfenahme der übrigen fünf Sinne. Das ist meine Lieblingsdefinition.

Telepathie klingt nach Hollywood, nach Pauken und Trompeten. Nein, damit hat es nichts zu tun. Im Gegenteil: man muss leise sein können und ganz genau zuhören. Jeder gute Reiter kommuniziert mit seinem Pferd z.B. über Bilder: Er stellt sich vor, wie eine Figur, eine Bewegung aussehen soll. Wenn er das nicht hat, wird ihn sein Pferd nicht verstehen. Körperliche Hilfen sind nicht alles. Alles steht und fällt mit der Vorstellung, mit meinem Bild im Kopf. Das übermittle ich beim Reiten.

Es findet also eine Gedankenübertragung statt, nichts weiter. Und die funktioniert in beide Richtungen. Die meisten von uns stellen nur zu selten auf „Empfang“. Und wenn, dann tun wir es unbewusst und halten es für Zufall oder Glück, dass wir „einfach den Drang“ hatten, nochmal in den Stall zu fahren – und da einen Koliker vorfinden, oder ein neugeborenes Fohlen.

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Pferdeflüsterei.de: Viele Tierkommunikatoren sagen ja, dass jeder die Schwingungen anders interpretieren kann, die da vom Tier kommen, weshalb Tierkommunikation mit dem gleichen Tier bei unterschiedlichen Tierkommunikatoren unterschiedlich ausfallen können – ich würde ja böse sagen, dass das die perfekte Ausrede dafür ist, dass Tierkommunikation vor allem nette Interpretation des Tierkommunikators und des Fotos ist..

*lach* – das ist ein bisschen wie „Ärzte sagen immer“ oder „alle Reiter“ sind… – Auch und gerade bei Tierkommunikatoren gibt es große Unterschiede, was Ausbildung, Erfahrung und auch ethischen Anspruch betrifft. Ich kann nur für mich und meine Erfahrungen aus 18 Jahren Seminartätigkeit sprechen und ich lerne täglich dazu. Interpretation hat in unserer Arbeit eigentlich nichts verloren. Das ist nämlich der Job des Tierbesitzers.

Ich kann nur weitergeben, was und wie ich es empfange. Sicherlich nehmen wir alle Dinge unterschiedlich wahr und wir laufen immer Gefahr – da sind wir beim „eigentlich“ – eben doch etwas zu interpretieren, also womöglich sogar Übersetzungsfehler zu machen. Viel häufiger ist aber, dass verschiedene Dolmetscher einfach verschiedene Blickwinkel haben oder anders fragen, ihre Antennen quasi unterschiedlich ausrichten. Das könnte man mit einem Patienten vergleichen, der bei der Visite verschiedenen Ärzten vorgestellt wird.

Der Chirurg wird ihn anders betrachten als der Dermatologe, der Zahnarzt oder der Anästhesist. So hat eine Tierdolmetscherin ihren Fokus vielleicht eher auf der Vergangenheit eines Tieres, eine zweite erfasst die momentane psychische Verfassung, eine dritte körperliche Beschwerden. Oder, anderes Beispiel: Wie kann es sein, dass vier Dolmetscher vier unterschiedliche Aussagen bekommen, wenn sie ein Pferd fragen, ob es gern geritten wird? Ganz einfach: Eine hat bei ihrer Frage z.B. Dressuraufgaben im Hinterkopf, die zweite denkt an Strandritte ohne Sattel im Sonnenuntergang, eine dritte an Wanderritte und die vierte an ihren eigenen schmerzhaften Sturz über einem Sprung. Das Tier reagiert auf die jeweiligen Bilder und Emotionen der „Sender“ (also Fragesteller) und entsprechend unterschiedlich fallen die Antworten aus.

Pferdeflüsterei.de: Ich hatte ja eine Tierkommunikation mit Tierwish.de, weil ich immer denke, dass man etwas ausprobieren sollte, bevor man es bejaht oder verneint. Da stimmte etwa die Hälfte und einige Infos waren auch komplett falsch. Spielt nicht auch selektive Wahrnehmung des Tierhalters eine Rolle? Weil – ich habe mich auch dabei ertappt, dass ich so positiv überrascht war, dass einiges stimmte, dass ich die falschen Fakten am  liebsten überlesen hätte…

*lach* oft ist es genau umgekehrt. Da hängt sich der Tierhalter an einer Antwort auf, die er – vielleicht noch – nicht versteht, und dann stimmt für ihn plötzlich auch der ganze Rest nicht mehr. Selektive Wahrnehmung spielt immer eine Rolle, klar, bei allen Beteiligten. Und es ist tatsächlich der Job des Tierhalters die Aussagen zu interpretieren, womöglich zwischen den Zeilen zu lesen, nicht meiner. Damit meine ich nicht schönreden, was nicht stimmt, sondern „um die Ecke denken“. ich als Mensch habe den Job, mich in die Perspektive und unter Umständen verschwurbelte Ausdrucksweise des Tieres hineinzuversetzen.

Manchmal ist es schwierig, ein Bild oder ein Gefühl in Worte zu fassen. Dabei können Missverständnisse entstehen. Mein Lieblingsbeispiel ist eine Katze, die sehr vehement übermittelt hat, dass sie ins Licht möchte und dass ihre Menschen ihr das verstellt haben. Es ging aber gar nicht um Sterben und Loslassen, sondern darum, dass buchstäblich der Lieblingssonnenplatz auf der Fensterbank mit einer neuen Zimmerpflanze besetzt worden war.

Oder: Eine Seminarteilnehmerin stritt mal heftig ab, dass es nicht sein könne, dass ihr Pferd sich rechteckige Leckerlies aus ihrer lila Jacke wünscht. So eine hätte sie nämlich gar nicht und solche Leckerlies schon gar nicht – und vier Wochen später bekam ich eine reumütige Mail: Es handelte sich um ihre alte Winterjacke, die sie weggehängt und total vergessen hatte – ebenso wie die Leckerlies darin. Manchmal wird ein Hund oder eine Ziege als „sehr kleines komisches Pony“ beschrieben oder ein Flugzeug als stinkender, lauter Vogel. Ein Tier berichtet immer aus seiner Lebenswelt, aus seiner Perspektive. Und das, was ihm wichtig ist, muss nicht deckungsgleich sein mit dem, was für uns wichtig ist oder wie wir etwas sehen.

Karin Müller Tierkommunikation

Pferdeflüsterei.de: Zumal ich doch auch mit meinen Fragen, die ich stelle, eine Richtung vorgebe und dem Tierkommunikator so unter Hand Infos liefere, die er dann einfließen lassen kann in die Worte des Tieres?

Deswegen sehe ich mir Fragen des Besitzers immer erst in meinem zweiten Arbeitsschritt an. Zuerst will ich völlig unvoreingenommen an eine Kommunikation herangehen. Oft ist dann die Hälfte der Fragen bereits beantwortet.

Umgekehrt: Wenn es ein konkretes Problem gibt, ist es durchaus sinnvoll, das zu benennen. Sonst stochere ich im Nebel und frage womöglich Dinge, die gar nicht zielführend für die Not des Besitzers sind. Es geht ja beim Auftrag eines Klientenbesitzers nicht darum, meine Fähigkeiten beweisen zu wollen oder zu sollen (dann wäre etwas grundlegend falsch), sondern, im Sinne und für das Wohl des Tieres gute Arbeit zu leisten. Beim Arzt schildere ich ja auch meine Symptome, damit er eine Ursache findet. Ich arbeite mit und gehe nicht in die Sprechstunde nach dem Motto: Such doch, du hast ja Medizin studiert.

Wie reden Tierkommunikatoren mit dem Tier?

Pferdeflüsterei.de: Kommen wir mal zur Kommunikation – Wie soll das gehen, dass du mit einem Tier „sprechen“ kannst, das du nie gesehen hast und nur von einem Foto kennst?

*Lach*, und da habe ich bereits einen dicken Vorsprung, wenn ich an all die Telefonate denke, die wir ganz selbstverständlich mit  wildfremden Menschen führen. Von denen habe ich nur eine Zahlenkombination und dazu ein drahtloses, flaches Blechkästchen mit Mikrochips. Das  fängt plötzlich an zu vibrieren oder zu tönen und wenn ich einmal über die Glasscheibe wische, erklingt die Stimme von jemandem, der Hunderte Kilometer weit weg ist und wir führen ein Gespräch – kein Draht, keine sichtbare Verbindung. Magie, oder? Das stellen wir nie in Frage. Wir sind da genauso reingewachsen, wie andere Kulturen in telepathische Kommunikation. Die kennen wir von Aboriginals auf der ganzen Welt. Aber die haben ja auch weniger Handys als wir 😉

Spaß beiseite. Ich vergleiche Tierkommunikation wirklich gern mit dem telefonieren. Ich muss wissen, wen ich anrufen will, ich brauche ein Telefon, eine Leitung, eine Vorwahl und eine Rufnummer.  Das Foto hilft mir einfach mich zu fokussieren. Es ist meine Telefonnummer, nichts weiter. Ich rede ja nicht mit einem beschichteten Stück Papier oder ein paar Pixeln.

Wenn du mir sagst, sprich mit meiner Schimmelstute Lady, dann ist die Adresse zu ungenau. Es gibt sicher jede Menge weißer Ladys da draußen. Durch das Foto kann ich mir im Wortsinn ein Bild machen, um welche konkrete Stute es sich handelt. Ich fahre meine Antenne dann ganz gezielt nur in ihre Richtung aus.

Pferdeflüsterei.de: Und was kommt da bei dir an, wenn du mit einem Tier „sprichst“?

Das ist ganz unterschiedlich. Was sind Gedanken? Letztlich elektrische Funken, Momentaufnahmen. Die fange ich auf, mein Gehirn übersetzt sie zurück in Verwertbares. Gedanken können unterschiedliche Formen haben: Gefühle, Emotionen, Körperwahrnehmungen, Bilder, innere Filme, Geruch, Geschmack, Wortfetzen bis hin zu Sätzen …

Ich schreibe alles mit, was mir ab dem Moment, in dem ich mich auf das Tier eingestimmt und fokussiert habe, in den Sinn kommt. Ich lasse nichts weg, ich füge nichts hinzu, ich formuliere nichts um.

Karin Müller Tierkommunikation

Pferdeflüsterei.de: Warum kannst du mit jedem Tier „sprechen“, von dem dir ein Foto geschickt wird? Mit dem der Mensch aber oft nicht sprechen kann obwohl er ihm gegenübersteht. Gibt es dein NIENIE ein Tier, das die Kommunikation verweigert?  Mich macht ja allein dieser Fakt schon ein bisschen skeptisch…

Zunächst mal: Es macht keinen großen Unterschied, ob ich einem Tier gegenüber stehe oder über ein Foto arbeite. Die Arbeit mit dem Foto hat ganz pragmatische Gründe: Entfernungen zum Beispiel.  Außerdem kann ich dann freier die Zeit wählen, in der das Tier ansprechbereit ist, es öfter versuchen, Pausen machen etc.

Ich spreche ja auch nicht mit einem Tier, ich höre ihm zu und ich schreibe mit, wie eine Sekretärin im Diktat. Das ist ein sehr stiller Prozess. Es gelingt nicht, wenn ich oder das Tier aufgeregt oder nervös sind. Und entspannt sind wir beide am ehesten ungestört in unserer jeweiligen vertrauten Umgebung. Dazu kommt: Bei meinem eigenen Tier bin ich womöglich emotional befangen und viel aufgeregter, vor allem, wenn es sich nicht um Small talk handelt, sondern um ein wirkliches Problem. Dann stehe ich zu dicht an der Leinwand, um das ganze Bild erfassen zu können. Mir kommen Ängste, Hoffnungen oder Befürchtungen in die Quere.

Natürlich gibt es auch Tiere, die sich nicht mitteilen möchten. Das kommt immer wieder vor. Auch inhaltlich, dass ein Tier z.B. nicht über seine Vergangenheit kommunizieren möchte. Das respektiere ich. Auch Tiere haben einen freien Willen, sich mitzuteilen oder nicht. Oft hat das direkt oder indirekt mit ihrem Menschen zu tun. Manche haben einfach schlechte Erfahrungen gemacht, sind resigniert oder zu oft enttäuscht worden. Warum sollten sie mir vertrauen, wenn sie fürchten, dass ihr Mensch doch nichts umsetzen wird von ihren Wünschen, ihre Ängste nicht wirklich ernst nimmt, oder wenn eine Entscheidung in Wirklichkeit schon längst getroffen worden ist…

Darum möchte ich vom Klientenbesitzer als erstes wissen, wie es um seine Änderungsbereitschaft steht, auch für den Fall, dass eine Antwort über seine Komfortzone hinausgeht. Ich lehne durchaus auch Kommunikationsanfragen ab oder breche ab, wenn ich das Gefühl habe, dass nicht mit offenen Karten gespielt wird oder es nicht wirklich um das Wohl des Tieres geht.  Mein Klient ist das Tier selbst. Sein Wohl steht für mich im Vordergrund und da möchte ich mit seinem Halter an einem Strang ziehen.

Geht Tierkommunikation wirklich?

Pferdeflüsterei.de: Viele – wie ja auch ich im Grunde – sagen, dass es nicht funktionieren kann und sprechen sogar von esoterischem Kram – was sagst du den Skeptikern?

Das kommt immer auf den Zusammenhang an. Zum Glück leben wir in einem Land, wo jeder eine freie Meinung haben darf. Ich möchte nicht überreden, nicht mal überzeugen und schon gar nicht missionieren. Ich mag ja auch nicht von irgendetwas überfrachtet werden, was mich nicht interessiert. Und so wie ich unterschiedliche Meinungen respektiere, wünsche ich mir das andersherum auch. Ich habe nicht das Bedürfnis, jemandem etwas beweisen zu wollen. Das dient dem Tier nicht.

Hinter abwertenden Bewertungen steckt oft einfach Angst vor dem Unbekannten. Davor, dass es funktionieren könnte. Was dann? Rupert Sheldrake hat einmal sinngemäß gesagt: Wenn wir es als wahr hinnehmen würden, dass unsere Tiere die gleichen Gefühle, Ängste, Nöte und Wünsche haben wie wir, und sich darüber auf diesem Weg mitteilen könnten, dann müssten wir uns damit auseinandersetzen, was wir ihnen antun, wie oft wir uns darüber hinwegsetzen, und dass wir letztlich in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft der Tierhaltung leben. Und dann wiederum müssten wir in letzter Konsequenz alle zu militanten Tierschutzaktivisten werden. Spannender Gedanke, oder?

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Pferdeflüsterei.de: Es gibt ja auch viele Scharlatane – wie kann ich – wenn ich denn nun eine Kommunikation möchte – gute von schlechten Tierkommunikatoren unterscheiden?

Genauso, wie ich mir auch einen guten Arzt, Schmied oder Steuerberater suchen würde: Mundpropaganda, Recherche und Bauchgefühl. Ich möchte wissen, welche Erfahrungen und Qualifikationen dieser Mensch hat – ob er mir sympathisch ist, was mein Bauchgefühl mir sagt: Bin ich da gut aufgehoben oder stimmt die Chemie nicht. Manchmal ist auch die Preisgestaltung aufschlussreich. Was bekomme ich für mein Geld? Ist da jemand mit „Schnäppchen“ auf Kundenfang oder soll ich für jede einzelne Frage, Zeile oder Minute am Telefon extra zahlen.

Pferdeflüsterei.de: Es gibt ja sogar Tierkommunikatoren, die behaupten mit verstorbenen Tieren reden zu können – wie siehst du das?

Diffizil. Aber vor allem aus ethischen Gründen. Es schlägt seltsame Früchte. Wie die Engländer sagen: Not my cup of tea. Ich respektiere die Totenruhe. Bei solchen Anfragen geht es ganz pragmatisch in 99,9% der Fälle nicht mehr um das Wohl des Tieres, sondern um die Not des Menschen. Darum bin ich seit elf Jahren staatlich geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie: Wenn der Halter ein Problem hat oder Unterstützung bei der Trauerarbeit wünscht, arbeite ich mit ihm. Dafür muss ich niemanden aufwecken, der schlafen möchte. Das mag ich ja auch nicht.

Pferdeflüsterei.de: Die Tierkommunikation ist schon eine ganz andere Welt, als die wissenschaftliche Forschung. Hast du wissenschaftliche Fakten, die deine Ideen untermauern könnten? Oder gibt es da auch Forschungszweige oder Studien, die unterstützen, was du sagst und woran Tierkommunikation glaubt?

Es gibt jede Menge Literatur, viel empirische Forschung, Studien etc. und natürlich den ganzen Bereich der Quantenphysik. Bei mir stehen bestimmt drei Regalreihen voller Sekundärliteratur. Zum Einlesen würde ich Rupert Sheldrake empfehlen. Der englische Biologe und Verhaltensforscher hat über den Sechsten Sinn in vielen Büchern ganz wunderbar publiziert. Darüber hinaus fasziniert mich immer wieder, wie sich altes Wissen und moderne Wissenschaft quasi gegenseitig belegen.

Tierkommunikation lernen – so gehts!

Pferdeflüsterei.de: Gehen wir mal davon aus, dass es geht (ich stelle jetzt meine ganze Skepsis für diesen Part des Interviews hinten an 😉 ) – wenn sich jetzt jemand dafür interessiert und es lernen will, wie kann man es lernen?

Ich würde immer einen fundierten Kurs bei einem erfahrenen Dozenten empfehlen, weil er oder sie mir auch beibringt, wie ich mich abgrenze, die Bodenhaftung bewahre und verantwortlich mit dieser Fähigkeit umgehe.

Pferdeflüsterei.de: Ist es einfach zu lernen?

So einfach und so schwer wie reiten. Die einen benötigen mehr Longenstunden, die anderen weniger. Training und Übung gehören unbedingt dazu und: man lernt nie aus 🙂

Pferdeflüsterei.de: Was muss man mitbringen als Mensch um die Kompetenzen zu haben? Kann es jeder lernen oder muss man zum Beispiel besonders sensibel sein?

Wenn wir den landläufigen Begriff von Gesundheit zugrundelegen, sind wir alle mit den entsprechenden Hirnarealen auf die Welt gekommen. Wir brauchen sie nur wieder freizuschaufeln und unsere Synapsen entsprechend verknüpfen. Ich bringe den Menschen in meinen Seminaren nichts Neues bei, ich helfe ihnen dabei, sich an Angeborenes zu erinnern, sich die scheinbaren „Zufälle“ wieder bewusst zu machen, zu filtern und steuern zu lernen.

Karin Müller Tierkommunikation

Pferdeflüsterei.de: Wie lange dauert es, die Tierkommunikation zu lernen?

Keine Ahnung, ich bin noch lange nicht fertig 🙂

Pferdeflüsterei.de: Wie gehe ich konkret vor? Buche ich einfach ein paar Wochenendkurse und dann klappts?

Das ist sicher ein guter Anfang. Hast du so reiten gelernt? 😉 Theorie und erste Praxis sind immer nur ein Anfang. Das kann ein Seminar mir eröffnen. Dann bin ich dran: Üben, üben, üben. Das hört nie auf. Dadurch entscheidet jeder sein Tempo selbst.

Pferdeflüsterei.de: Wie läuft so ein Kurs ab? 

Anfängerkurse dauern bei mir in der Regel anderthalb Tage. Am wichtigsten ist die Nacht dazwischen, um das Gehörte und Erlebte überschlafen und sacken lassen zu können. Ich vermittle viel Theorie, Verantwortung und Ethik, weil mir das wichtig ist, ebenso wie Übungen und Hintergrund zu Schutz und Erdung. Und dann machen wir natürlich auch viele praktische Übungen. Niemand soll etwas „glauben“, sondern selbst ausprobieren und erfahren. Das ist, was zählt, oder?

Pferdeflüsterei.de: Habt ihr so etwas wie Qualitätskriterien oder ethische Richtlinien oder eine Art Regelwerk der Do’s und Dont’s unter Tierkommunikatoren?

Auch hier kann ich nur für mich sprechen. Meine Seminarteilnehmer (AnimalBalance Communication) bekommen von mir keine Teilnahmebestätigung, einfach dafür dass sie im Kurs gewesen sind. Das hat keine Aussagekraft. Sie können sich aber ein Zertifikat erwerben, indem sie über den Zeitraum von mindestens einem halben Jahr umfangreiche Referenzen sammeln und mir inklusive der Protokolle und Feedback der Tierbesitzer vorlegen. Da steckt viel Arbeit drin und das Ergebnis ist authentisch, das ist mein Qualitätsanspruch. Genauso wie ethische Richtlinien als Standard zu vermitteln. Leider gibt es keine übergeordnete Tierdolmetschervereinigung. Es ist kein geschützter Begriff.

Wir haben hohe ethische Ansprüche an uns und unsere Arbeit. Aber mein Anliegen setzt schon früher an. Jedem Tierhalter sollte klar sein, dass keine Tierkommunikation der Welt vernünftige Haltungsbedingungen, artgerechten Umgang, Fachwissen oder den Gang zum Schmied, Zahnarzt, Sattler, Tierarzt oder Reitunterricht  – und gesunden Menschenverstand ersetzen. Der sechste Sinn ist für mich eine Ergänzung der übrigen fünf Sinne. Er ersetzt sie aber niemals und er wird aus einem 600 kg Fluchttier keinen Plüschteddy machen.

Pferdeflüsterei.de: Wie viele Jahre, Wochen oder Monate hast du geübt bis es funktioniert hat?

Ich übe noch – und an dem Tag, an dem ich mir sicher wäre, dass ich es kann, würde ich ganz dringend und sofort aufhören. Dann hätte ich die Bodenhaftung verloren und die ist mir wichtig.

Pferdeflüsterei.de: Hast du dir einfach alle Tiere aus dem Bekanntenkreis geschnappt und der Reihe nach mit ihnen gesprochen?

Die Menschen sind auf mich zugekommen, weil sie gesehen haben, dass bei uns irgendwas anders ist. So habe ich angefangen, Fragen zu beantworten.

Pferdeflüsterei.de: Vielen Dank für deine Offenheit und das spannende und sympathische Interview

Wer mehr über Karin Müller erfahren oder einen Kurs bei ihr buchen will, kann das über ihre Webseite tun: www.karin-mueller.com

Ein Kommentar zu “Tierkommunikation lernen! Wie du lernst mit deinem Pferd konkret zu reden

  1. Pia sagt:

    Ein gut geschriebener Beitrag, der zeigt, dass Tierkommunikation seriös und nachhaltig vermittelt und erlernt werden sollte. Es ist ein "Handwerk" oder eine "Beratungsdienstleistung" wie viele anderen auch, nur dass es bei der Tierkommunikation auch um Einfühlungsvermögen und ein tiefes Verständnis für die Seele der Tiere geht.

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