Alles tut heute weh. Du hast schlecht geschlafen und irgendwie fühlst du dich steif. Du hast dich vielleicht auch ein bisschen verlegen. Es ist saukalt draussen, die Muskeln sind ganz fest und kalt. Aber weil es so früh dunkel wird und du so lange im Büro sitzen musst, kommst du auch nicht so richtig dazu dich zu bewegen. In der Kantine drängeln alle an der Essensausgabe. Und die Kollegen haben sich gegenseitig nur angepampt. Ein richtig blöder Tag! Dann kommt auch noch deine beste Freundin vorbei, klingelt an der Türe.

Du begrüßt sie und freust dich, dass sie vorbeischaut. Aber sie will unbedingt, dass du mit ihr auf einen Drink in die Bar gehst. Bitte nicht, denkst du noch. Da ist es voll und verraucht und der Hintern schmerzt ohnehin schon vom vielen Sitzen. Du willst einfach eine Runde spazieren gehen, dich locker machen und dann deine Ruhe haben. Du sagst Nein und als sie nicht locker lässt, sagst du etwas deutlicher Nein. Heute geht es einfach nicht. Kennst du? Okay und jetzt stell dir vor, du bist dein Pferd…

Knotenhalfter

Die gleiche Situation aus dem Blickwinkel deines Pferdes

Alles tut heute weh. Du hast schlecht geschlafen und irgendwie fühlst du dich steif. Vielleicht hast du dich auch ein bisschen verlegen. Es ist kalt draussen, die Muskeln sind ganz fest und kalt. Aber weil die Koppeln geschlossen sind und es nur eine kleine Winterkoppel gibt, kommst du auch nicht so richtig dazu dich zu bewegen. Sobald es Heu gibt, drängeln alle an der Futterraufe und die Herde war heute ohnehin ganz unruhig.

Ein Gerangel nach dem anderen. Ein richtig blöder Tag! Dann kommt auch noch dein Mensch. Du begrüßt ihn und freust dich, dass er da ist. Aber er will unbedingt mit dir in die Halle. Seitengänge, Kruppe herein und Schulter herein üben. Bitte nicht, denkst du noch. Ich bin wirklich nicht in der Stimmung, meine Muskeln sind so steif und fest und ich hab viel zu viel Energie für diese Feinarbeit. Du willst einfach mal so richtig quieken, im Kreis rennen, dich wälzen und dann einen Haufen Heu nur für dich bekommen…und du sagst „Nein“ und als dein Mensch nicht locker lässt, sagst du etwas deutlicher „Nein. Heute geht es einfach nicht.

Und jetzt stellt sich die Frage, was der Mensch dann macht. Bestehst du darauf oder gehst du in deiner Idee und deinen Vorstellungen einen Schritt rückwärts?

Was tun, wenn das Pferd „nein“ sagt?

Pferd widersetzt sich: Wie sollen wir damit umgehen, dass das Pferd so deutlich zu einer Übung „Nein“ sagt und auf den ersten Blick widersetzlich ist? Zu oft hören wir dann Sätze wie „setz dich durch!“, „der Gaul muss funktionieren“, „lass dir das nicht bieten“, „die verarscht dich doch“. Und wir schwanken zwischen dem Bauchgefühl, dass wir nach Verständnis und Sanftmut schreit und dem Kopf der sich leise zweifelnd fragt, ob wir dem Pferd etwas Falsches anerziehen, wenn wir jetzt nachgeben. Aber es gibt noch andere Wege, sanfte Wege.

Rope

Was tun, wenn das Pferd widersetzlich ist?

Ich habe tatsächlich auch eine Antwort auf diese Frage für dich. Vermutlich die einzige Antwort, die dir und deinem Pferd bei der Frage garantiert weiterhelfen kann.

Aber ich erzähle dir erst einmal eine kleine Geschichte von meiner Stute und mir, um klar zu machen, was ich meine:

Wie jeden Tag laufe ich zur Herde auf die Koppel, sobald ich angekommen bin. Oft schaut Carey schon, wenn sie das Auto sieht oder meine Stimme hört. Ich rufe sie dann, machmal brummelt sie und kommt fast immer zum Gatter.

Pferde verstehen lernen

An diesem Tag ist mir schon auf dem Weg zur Herde mir aufgefallen, dass Unruhe herrschte. Die Pferde haben sich gegenseitig gejagt. Angelegte Ohren, Hektik lag in der Luft. Es war eine ungute Energie in der Herde zu spüren bei allen Pferden. Ich weiß nicht warum. Vielleicht weil es einen Wetterwechsel gab, vielleicht weil ein Windstoß durch die Koppel ging. Es kann viele Gründe geben. Egal wie, die Stimmung war da.

Sobald wir außerhalb der Weide sind, bekommt Carey meist ein Stückchen Karotte oder ein anderes Leckerli – als Dankeschön dafür, dass sie zu mir gekommen ist. Normalerweise muss sie dafür nochmal einen Schritt rückwärts oder seitwärts oder auf Kommando anhalten gehen. Einfach eine Kleinigkeit für die Karotte. Zum einen weil sie mich anfangs bedrängelt hat und ich ihr so beigebracht habe, Abstand zu wahren und zum anderen um nochmal etwas kleines zu tun für das Leckerli. Das ist nun einmal eine Regel zwischen uns, dass es nie ein Leckerli einfach so gibt.

Mittlerweile geht sie manchmal schon von alleine einen Schritt zurück, sobald ich mich mit dem Leckerli nach dem Schließen des Tores zu ihr umdrehe. Sie schnuppert manchmal noch an meiner Tasche und schaut ob meine Hand nicht etwas hergibt. Das möchte ich eigentlich nicht. Deswegen arbeiten wir daran. Gestern hat sie fast nach meiner Tasche geschnappt. Das möchte ich erst Recht nicht. Also gab es das Leckerli erst als sie den Schritt wieder rückwärts ist und ruhig gewartet hat.

Auf dem Weg zum Putzplatz ist mir aufgefallen, dass ich meine Stute ein oder zweimal bitten musste nicht zu schnell zu werden. Auch das muss ich sonst eigentlich nicht tun. Wir sind dann in die Halle zur Bodenarbeit.

Pferd rufen

Auf meinem inneren Plan standen:

  • Rückwärts auf ein “Back” üben
  • „Schulter herein“ und „Kruppe Herein“ üben
  • Seitengänge

Normal ist, dass ich meine Stute bitte die Kruppe oder die Vorhand zu bewegen und sie macht es. Meist reicht ein leichtes Wackeln mit der Gerte, manchmal muss ich kurz tippen. An diesem Tag bekam ich als Antwort nur ein unwilliges Kopf schütteln und fast schon einen kleinen Bocksprung. Mein Pferd widersetzt sich. Und zwar mit einer deutlichen Körpersprache.

Sie richtet sich nicht gegen mich, aber sie sagt nein. Da meine Stute zwar schon eine eigene Meinung hat und sie auch sagt, aber eigentlich immer sehr aufmerksam mitarbeitet, habe ich aufgehört, sie angesehen und gefragt was sie möchte. Wir standen einfach zusammen da und Madame Pferd schielte auf den Sand am Platz. Also habe ich den Kappzaum abgemacht und gewartet was passiert.

Pferd Wälzen

Pferd Wälzen

Das Pferd ist losgelaufen, hat sich auf den Boden geworfen und erst einmal genüßlich gewälzt, danach kam sie mit gespitzten Ohren auf mich zugelaufen. Fast als wollte sie sagen: Okay, fertig! Jetzt bin ich bereit.

Pferd rufen

Wenn du jetzt denkst, das war die Geschichte, muss ich dich enttäuschen. Es geht noch weiter. Ich dachte, dass wir jetzt also wirklich anfangen könnten mit der Arbeit. Weit gefehlt. Madame Pferd hat sich jedem Führtraining widersetzt, Kopf Schütteln und kleine Sprünge am Kappzaum. Sie hat laut und deutlich „Nein“ gesagt. Zu diesem Tag, zu unserem Training, zu meinen Ideen und Vorstellungen der gemeinsamen Zeit. Sie hat im Grunde „Nein“ gebrüllt.

Ich hatte also die Wahl. Ich hätte mich durchsetzen können, ich hätte sagen können „du verarschst mich nicht“, ich hätte die Gerte schwingen können… Aber ich habe mich dafür entschieden, ihr den Kappzaum nochmal abzunehmen und sie machen zu lassen, was sie will und braucht. Keine fünf Minuten später stand ich in der Mitte der Halle und um mich herum ein quiekendes, bockendes, galoppierendes Pferd. Ich stand da, habe ihr dabei zugesehen und wusste, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Carey will nicht

Spätestens als sie nach ein oder zwei Runden aufgehört, in meine Richtung geschaut und auf eine kleine Schulterdrehung von mir fast schon vorsichtig in die Mitte gekommen ist. Fast als wollte sie sagen: Sorry, dass ich vorhin so unleidlich war. Aber ich kann heute einfach nicht und ich wollte ein bisschen spielen und springen und einfach Quatsch machen.

Ich habe ihr über die Stirn gestrichen, ausgeatmet, mich umgedreht und sie ist mir bis zum Ausgang gefolgt. Das nur als Abschluss dieser Geschichte für alle Zweifler, dass das Pferd den Respekt verlieren würde, wenn man sich nicht immer durchsetzt.

Wann wir “Nein” sagen müssen

Ich glaube auch, dass es Momente gibt, in denen wir „Nein“ sagen müssen. Zum Beispiel, wenn das Pferd schnappt, tritt oder sonst irgendwie gegen den Menschen geht. Ich sage auch „Nein“, wenn meine Stute mich bewegen will, sei es mit ihrer Energie oder mit ihrer Körpersprache. Ich sage freundlich „Nein“, wenn sie mit dem Kopf ruckt, weil es ihr mit dem Aufhalftern nicht schnell genug geht und bitte sie in all diesen Situationen wieder zurück an die Position, an der wir angefangen haben.

Ich möchte auch nicht, dass sie einfach alleine Entscheidungen trifft, denn da geht für mich ihre und meine und die Sicherheit der uns umgebenden Menschen vor. Natürlich ist mir wichtig, dass sie auch mitarbeitet, spätestens wenn ich im Sattel sitzen werde oder wir Spazieren gehen, möchte ich kein Pferd haben, dass Bocksprünge macht, weil ihm heute danach ist.

Aber ich freue mich, wenn sie mit mir spricht und mich fragt, ob wir Dinge nicht auch anders angehen können. Ich schaue mir an, wie sie sich fühlt, jeden Tag neu. Und versuche dann die Übungen und die gemeinsame Zeit danach auszurichten. Ich frage nach warum sie widersetzlich ist und versuche zu verstehen, ob sie einfach keine Lust hat oder ob sie vielleicht nicht besser kann oder erst einmal etwas anderes braucht, bevor sie bereit ist zu arbeiten.

Gleichzeitig ist es aus meiner Sicht auch wichtig, an bestimmten Punkten konsistent zu bleiben.

  • Lass dich nie schubsen
  • Du entscheidest wann ihr stehen bleibt und wann nicht
  • Du kannst dein Pferd jederzeit bewegen
  • Du entscheidest wo ihr hingeht und wo nicht
  • Wenn ihr etwas zusammen macht läuft es in Ruhe und ohne Hektik ab

Das sind nur ein paar Beispiele, aber du ahnst wahrscheinlich schon worauf es hinausläuft.

Lass dich nicht von deinem Pferd dominieren – aber: Dominiere du auch nicht dein Pferd. Seid fair respektvoll und höflich miteinander. Beide Seiten. Weil du als Mensch in der Menschenwelt den größeren Überblick hast, achtest du für euch beide darauf, dass ihr diese Regeln einhaltet.

Lass dich nicht von deinem Pferd dominieren – aber dominiere du auch nicht dein Pferd.

Wie du das tust, hängt im Grunde von dir und deinem Pferd ab:

  • Hast du ein ranghohes Pferd, dann musst du vielleicht öfter und klarer Regeln einfordern und auch Regeln einhalten.
  • Hast du ein unsicheres oder rangniedriges Pferd, reicht es wenn deine innere Haltung Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt und du kleine, klare Signale setzt. Dann wird vermutlich mehr Ruhe zwischen euch sein, als bei einem ranghohen Pferd oder einem Pferd das von sich aus mehr Energie mitbringt.

Da wirst du vermutlich weniger, aber dafür deutlichere Signale setzen müssen. Das sind nur zwei Beispiele – dazwischen gibt es viele verschiedene Stufen.

Wenn dein Pferd also auch mal „Nein“ sagt, ist das in Ordnung denke ich, solange es das auf eine Art und Weise tut, die sich nicht gegen dich richtet. Und natürlich wenn es keine negative Spirale ergibt. Das hat aber sehr viel mit uns und unserer Haltung zu tun. Es braucht viel Verständnis und Geduld und auch die Bereitschaft, das Pferdeverhalten zu verzeihen und nicht frustriert zu sein, wenn etwas nicht klappt.

Pferd rufen

Pferd widersetzt sich – schlimm?

Wenn dein Pferd weiß, dass du weißt was du tust, wird es nicht ausnutzen, dass du ihm Entscheidungsmöglichkeiten gibst. Denn es vertraut und folgt dir und wird dich wahrscheinlich sogar noch mehr dafür schätzen und respektieren, dass du seine Bedürfnisse erkennst und respektierst. Das darf aber keine Ausrede für dich werden, deinem Pferd alles durchgehen zu lassen, weil du zum Beispiel eigentlich tief in dir Angst hast die Führung zu übernehmen. Oder dich nicht wohl fühlst damit.

Denn das wird dein Pferd verunsichern, weil es spürt, dass du eigentlich keinen Plan hast. Wenn es aber weiß, dass du einen Plan hast, aber ihm zuliebe davon abweichst, darin auch freundlich und klar bist, wird es das respektieren. Da bin ich mir sicher.

Meine Aufgabe an mich: Die tägliche Arbeit an mir selbst. Ich arbeite an dem Bewusstsein, dass ich diejenige bin die führt. Freundlich, offen, neugierig und mit Blick auf die Bedürfnisse und Wünsche meines Pferdes. Aber ich will diejenige sein, die führt. Das ist vielmehr eine innere Einstellung als eine Frage der Gerte oder de Halfters oder der Körpersprache. Wenn wir in uns ruhen, wissen was wir wollen und unserem Körper erlauben intuitiv zu handeln, kommt die Körpersprache nach und nach von alleine.

Ein Beispiel: Manchmal rufe ich meine Stute und sie steht gerade an der Heuraufe. Wenn das Frühstück erst vor wenigen Minuten serviert wurde, schaut sie kurz hoch und frisst weiter.

Eigentlich möchte ich, dass sie zu mir kommt. Jetzt könnte ich sauer werden und sie einfach holen. Oder aber ich weiß grundsätzlich, dass ich jetzt etwas mit ihr machen möchte, aber respektiere gleichzeitig ihr Bedürfnis nach Futter und warte einfach ein bisschen.

Dann rufe ich sie nochmal und spätestens dann kommt sie. Sie nutzt also nicht aus, dass ich sie nicht gezwungen habe jetzt sofort mitzukommen, sondern schätzt mich dafür, dass ich in diesem Moment ihr Bedürfnis nach essen anerkennt habe. Ich persönlich möchte ja auch nicht von meinem Brötchen weggezerrt werden, wenn ich Hunger habe.

Gleichzeitig erlaube ich aber nicht, dass sie sich einfach Grashalme auf dem Spaziergang schnappt und stehen bleibt, wann sie will. Ich sorge immer dafür, dass sie genug zu essen hat, bevor wir losgehen. Es ist also nicht nötig. Während wir etwas miteinander machen, darf sie also nicht einfach stehen bleiben. Ich möchte einfach, dass sie dann mir und meinen Vorstellungen folgt, bin aber vorher ja auch ihren Vorstellungen gefolgt.

Gutes Pferderaining ist Nehmen und Geben

Es ist immer ein Geben und Nehmen. Je nach Pferd und Mensch müssen die Grenzen unterschiedlich gesteckt werden, da jeder Mensch und jedes Pferd anders ist.

Manchmal wirst du auch nicht gleich den richtigen Ton treffen und zu viel Freiheit oder zu wenig zulassen. Es ist nicht immer leicht zu erkennen, welche Motivation das Pferd antreibt, warum Dinge an einem Tag klappen und an einem anderen nicht, warum ein Pferd widersetzlich ist und ob wir konsequent sein müssen oder lässig bleiben dürfen.

Die Arbeit mit Pferden ist eben keine Gleichung, die wir ansetzen können und nach ein bisschen Rechnerei eine fertige Lösung bekommen. Auch wenn es schön wäre. Wir werden immer wieder Entscheidungen treffen müssen. Aber eines ist relativ sicher: Wenn Pferde „Nein“ zu etwas sagen, dann haben sie eigentlich immer einen Grund.

5 Gründe warum Pferde NEIN sagen

  1. Sei es, dass sie schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht haben
  2. Sei es, dass sie es nicht verstehen
  3. Sei es, dass sie Schmerzen oder körperliche Probleme haben
  4. Sei es, dass das Equipment nicht passt
  5. Sei es, dass sie einen verdammt schlechten Tag in der Herde hatten

Es gibt viele Gründe, die ein „Nein“ auslösen könnten. Und sicher gibt es Pferde, denen man sagen muss, dass ihre Form des „Nein“ nicht akzeptabel ist. Aber in den meisten Fällen gibt es auch einen anderen Weg, einen Kompromiss, eine neue Idee, die man aus der Situation heraus gemeinsam entwickeln kann.

Hilfreich ist es das Pferd gut zu kennen, damit du seine Reaktionen besser einschätzen kannst. Wie ist der Charakter? Wie ist die Position in der Herde? Wie verhält es sich in der Herde? Wie sind seine Muskeln und das Blutbild? Was sagen Pferdephysio und Tierarzt über die Körperlichen „Baustellen“ des Pferdes? Wie reagiert es bei Stress? Bei Angst? Bei Hitze? Bei Kälte? Bei Wetterwechseln?

  • Du musst immer wieder hinhören und dein Pferd kennenlernen
  • Du musst auf die Stimmung achten und lernen wie Pferde kommunizieren
  • Du musst deinem Pferd immer wieder in die Augen sehen und fragen wie es sich fühlt

Ich glaube mittlerweile, dass wir mit dem Training den Körper der Pferde erreichen, sicher. Auch mit Druck bekommen wir den Körper der Pferde, sicher auch mit Dominanz. Aber dann haben wir nur eine Hülle.

Aber das Herz und die Seele erreichen wir durch die Art wie wir trainieren, durch Achtsamkeit dem Tier gegenüber, durch Achtung vor den Bedürfnissen des Pferdes, durch das Wissen um seine Persönlichkeit, durch Zeit und Geduld. Erst, wenn wir den richtigen Ton für das Pferd treffen, das vor uns steht, erst wenn wir das Herz und die Seele erreicht haben, haben wir wirklich ein Verlasspferd und die Bindung, die wir uns so sehr wünschen.

Mit dem Training erreichen wir den Körper der Pferde, aber durch die Art wie wir trainieren erreichen wir Seele und Herz.

Das ist manchmal ein schmaler Grad und ganz sicher ein langer Weg. Ich kenne meine Stute zum Beispiel seit etwa 8 Monaten und ich glaube, dass wir schon ein paar Schritte auf dem gemeinsamen Weg in die gleiche Richtung gegangen sind. Aber ich denke auch, dass wir erst ein paar Prozent unserer gemeinsamen Möglichkeiten erreicht haben. Das ist ganz natürlich. Denn Bindungen und Freundschaften, genau wie gegenseitiges Verständnis und Kenntnis für die Probleme und Emotionen eines anderen Lebewesens brauchen einfach Zeit.

Diese Zeit nehme ich mir. Auch wenn ich manchmal ein „Nein“ bekomme. Das ist in Ordnung, wenn sie mir nach und nach ein lautes und deutliches „Ja“ schenkt.

Kappzaum Bodenarbeit

Ich frage mich: Wir haben ein ganzes Leben mit unseren Pferden, warum erwarten wir dann eigentlich so oft, dass sie schon nach wenigen Tagen, Wochen oder Monaten immer „Ja“ zu uns und unseren Ideen sagen? Und warum sollen wir ihnen nicht glauben, wenn sie uns sagen, dass sie einen Grund für ihr Nein haben?

Pferd widersetzt sich – und nun?

Hier kommt die ultimative Antwort, die einzig richtige Antwort, DIE Antwort aller Antworten: Zuhören, nachfragen, respektieren, achten und reagieren.

Wie reagieren? Passend zur Situation und passend zum Pferd.

So einfach und so schwer ist das. Es gibt keine pauschale Anleitung und wer das behauptet, erzählt Blödsinn. Weder ist die Gerte, noch der Druck, noch die Pause, noch der Wattebausch immer die richtige Antwort. Pferde sind so individuell, wie wir Menschen und wie die Situationen in die wir mit ihnen geraten. Es ist also Blödsinn zu glauben, dass Druck und Durchsetzen immer die Antwort auf Widersetzlichkeiten des Pferdes sein müssen. Genauso wenig, wie der Wattebausch immer helfen kann.

Letztlich kann ich dir keine eindeutige Antwort darauf geben, weil es auch auf das Pferd, die Situation und den Moment ankommt. Du kannst nur versuchen dem Pferd zuzuhören, es zu fragen wo das Problem liegt, gemeinsam einen Weg zu finden, mit dem ihr beide in der Situation leben könnt.

Mir persönlich hilft immer das Bild eines Rahmens in dem wir uns bewegen. Das Pferd und ich. Ein Rahmen zwischen „Ja“ und „Nein“ – im Grunde die Grenzen und Möglichkeiten die uns als Team einrahmen. Beides kann sich ständig verändern. Anfangs ist der Rahmen in beide Richtungen enger, später kann er immer weiter werden – solange Pferd und Mensch immer auch auf die Sicherheit des anderen achten, kann dieser Rahmen bei jedem Duo ganz anders aussehen. Den Rahmen bestimme ich tatsächlich mehr als mein Pferd. Ich sage zu ihr manchmal „Nein“ und sehr oft „Ja“. Beides meine ich auch, wenn ich es sage. Ein klares emotionsloses „Nein“ und ein klares freudiges emotionsgeladenes „Ja“.

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21 Kommentare zu “Pferd widersetzt sich: Was tun wenn das Pferd so deutlich „Nein“ sagt

  1. Christina sagt:

    Hallo Petra!
    Ein sehr toller Artikel!! Ich finde es so wichtig auch auf sein Pferd zu achten und gemeinsam zu bestimmen, was heute gemacht wird. Schließlich bringt es ja auch nichts, etwas zu üben, wenn des Pferd innerlich regelrecht kocht, weil es einfach nur hüpfen und laufen will, wie deine Carey. Mir ist eine ähnliche Geschichte passiert, da wollte ich mein Pferd reiten und er war einfach nicht in der Stimmung dazu. Runde um Runde spannte er sich mehr und mehr an. Also sattelte ich ihn ab und machte etwas Freiarbeit – und da hat er sich für mich richtig ins Zeug gelegt! Jedes mal, wenn ich seine Meinung akzeptiert habe (im Bereich des Trainings), und ihm etwas anderes vorgeschlagen habe, bekam ich so viel mehr Bemühung von ihm aus! Es ist wirklich schade, dass viele noch der Meinung sind, sich durchsetzen zu müssen… Dabei gewinnt man so viel mehr, wenn die Pferde merken, dass auf sie geachtet wird! Wie du schon so schön schreibst: man erreicht damit nicht nur die Hülle sondern auch die Seele – und was ist schöner als ein ausgeglichenes und fröhliches Pferd, weil es auch von uns respektiert wird als individuelle Persönlichkeit.
    LG!

    • Petra sagt:

      Hallo Christina, was für eine schöne Bestätigung meiner Gedanken – danke für deinen Kommentar. Ich denke, dass die vielen Beispiele zeigen, dass es der Bindung mehr nützt als schadet, wenn wir auch mal nachgeben und zuhören – solange die innere Haltung stimmt und es bewusst passiert. Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Anne sagt:

    Hallo liebe Petra, sehr schön geschrieben dein Artikel – vorallem das Bild mit dem Rahmen gefällt mir gut! Ich wünsche dir und Carey viele schöne "Ja-Momente" und auch stimmige "Nein-Momente", denn in denen lernt man sich besonders gut kennen ;-). Hierbei können Mensch und Pferd ihren "persönlichen Rahmen (Grenze)" zeigen. Liebe Grüße Anne

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Anne, der Rahmen kommt bei mir innerlich öfter zum Einsatz, weil er mir immer wieder geraderückt, wenn ich zu verkopft bin. Und du hast so Recht, dass man sich in den "Nein"-Momenten fast schon besser kennenlernt 😉 Danke für deinen lieben Kommentar und bis hoffentlich ganz bald, Petra

  3. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    ein sehr schöner Artikel und ich finde die Bilder von einer tobenden Carey geben dir doch recht. 🙂 Sie ist aber auch wirklich eine hübsche Pferdedame.
    Habe ich das Recht zu verlangen, dass mein Pony mir immer zur Verfügung steht? Meine Antwort darauf ist nein, denn er ist ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen und Launen.
    Will ich einen Freund oder eine Maschine an meiner Seite? Freunde dürfen auch mal nicht funktionieren. So jedenfalls meine Einstellung.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, danke dir 🙂 Ich finde ja, dass du zu 100% Recht hast, dass Carey eine hübsche Pferdedame ist 😉 Ich bin immer wieder ganz verliebt in ihr hübsches eigenwilliges Köpfchen. Ich denke wie du, ein Pferd ist ein Lebewesen mit Gefühlen – die muss es auch haben dürfen. Solange man immer achtsam und sicher miteinander bleibt. Ganz liebe Grüße,
      Petra

  4. Silke sagt:

    Jawoll! Sehr anschaulich und nachvollziehbar ist auch der Tagesvergleich bei Mensch und Pferd geschildert. Ich bin noch in einer Reitschule mit Ständerhaltung (!) und Pferden als gefälligst gehorsame Sportgeräte "aufgewachsen" und musste einen weiten Weg gehen, um Pferde als Gefährten überhaupt erst einmal wahrzunehmen. Dass es Pferd und Mensch Spaß machen könnte z. B. einfach mal zusammen spazieren zu gehen war mir genau so fremd wie alles andere, was nicht unmittelbar mit reiten zu tun hatte. So schön, dass es neben den bekannten Negativextremen jetzt sich überall mehr verbreitet, einen ganz anderen Blickwinkel zu entwickeln.

    • Petra sagt:

      Liebe Silke, die Ständerhaltung ist ja wirklich Gott sei Dank ein vergangenes Relikt. Es ist schon verrückt, dass wir die Hunde schon seit Jahrhunderten als Gefährten wahrnehmen und Pferde für den Großteil der Menschen funktionieren mussten und oft immer noch müssen. Beides sind Tiere, die uns am Herzen liegen und doch stellen viele andere Ansprüche an ihr Pferd. Ich freue mich auch, dass immer mehr Menschen anders denken und danke dir für deinen lieben Kommentar, Petra

  5. Regine sagt:

    Liebe Petra,
    es hat mir viel Freude gemacht Deinen Artikel zu lesen. Ich habe meine junge Kaltblutstute in einem "konventionellen" Reitstall stehen. Ich meine das überhaupt nicht böse, es ist eine sehr schöne Gemeinschaft dort und mein Pony und ich fühlen uns sehr wohl.
    Aber wir sind oft auch die "Andersdenkenden" und die "Andershandelden" und ich freue mich immer wenn ich mich bei der Pferdeflüsterei so bestätigt fühle in meinem Tun!
    Du beschreibst z. B. wie du Dein Pferd von der Weide holst bzw es wieder zurück bringst, mit kleinen Belohnungen und dem, was es dafür zu tun gibt. Ich erfahre es zum ersten Mal, dass es jemand genauso macht wie ich( und es klappt jetzt schon bei meinem dritten Pferd). Das freut mich sehr, denn ich finde das so sinnvoll auf diese Weise. Höre aber auch " die kommt ja nur für die Möhre" und denke dann, hmmmm, aber sie kommt immer und freudig und spiegelt auch meine Freude sie zu sehen.
    Viele liebe Grüße
    Regine

    • Petra sagt:

      Liebe Regine, tatsächlich habe ich fast damit gerechnet, dass jemand genau da schreibt, was dir offenbar immer wieder gesagt wird – "die kommt ja nur wegen des Leckerli" – ich glaube, genau wie du, dass das nicht der Grund ist. Auch weil mein Pferd ja noch etwas für die Möhre leisten muss, bevor sie sie bekommt. Ich denke ohnehin, warum wir dem Pferd ein Leckerli vorenthalten sollen, wenn es ihm doch Freude macht. Solange das Pferd nicht unter Futterstress dadurch gerät oder der Mensch mehr Probleme bekommt als Nutzen dadurch, weil er nd das Pferd nicht mit dem Thema Leckerli auf einen gemeinsamen Nenner kommen – warum nicht. Also, nur für die Möhre würde Carey nicht so viel Bohei machen. Aber die Möhre sagt ihr eben auch, wie das Fellkraulen und das "Hallo" – mit mir wird es schön. Und deiner Stute sagt die Möhre auch: Hey, Regina kümmert sich um mich und mein Wohlergehen 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  6. Annette sagt:

    Liebe Petra,
    ich stimme dir voll und ganz zu! Und versuche auch, so mit meinem Pferd umzugehen – ich kenne ihn seit 1,5 Jahren und habe lange gebraucht, um herauszufinden, wie ich an ihn herankomme. Er ist ein Vollblut-Pony-Mix – kann von stur auf hypersensibel in Sekundenschnelle umschalten. Mittlerweile habe ich eine glaube ich ganz gute Mischung aus zuhören, ihm Mitspracherecht zugestehen, von meinen inneren Plänen bei Bedarf abweichen und wenn es nötig ist aber auch unaufgeregt-liebevoll konsequent sein gefunden. In einer konkreten Situation, die für ihn nicht geht und ich dann den Plan ändere, kommt meist ein Stoßseufzer – "puuuh sie hat mich verstanden". Das schönste ist, dass er, wenn er zu etwas Nein gesagt und ich einen anderen Weg für diesen Tag gefunden habe, sich regelrecht bedankt – wenn ich ihn wieder im Paddock habe und das Halfter abmache, bleibt er dann noch besonders lange bei mir stehen und drückt seine Nase an mich. Und begrüßt mich am nächsten Tag umso freudiger :-).

    • Petra sagt:

      Liebe Annette, das klingt toll und so harmonisch. Es ist doch wirklich viel Schöner ein Miteinander zu haben als ein Gegeneinander – und das bekommt man eben nur, wenn der andere auch mal etwas sagen darf. Das ist Kommunikation – keine Einbahnstrecke. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Carey mich nicht weniger freudig begrüßt oder dominieren will, nur weil ich mal nachgebe 🙂 Ganz liebe Grüße an euch zwei und danke für deinen Kommentar, Petra

  7. Matti sagt:

    Super geschrieben – und genau so sollte es sein, was hilft es, wenn man Lektionen abrufen will und das Pferd z.B. jetzt im Frühling "der Hafer sticht" und auf den Paddocks keine Möglichkeit hat, die überschüssige Energie loszuwerden. Ja dann soll es eben in der Halle oder im Viereck einige Runden laufen, sich austoben und dann funktioniert auch die Arbeit wieder gut, weil die aufgestaute Energie draußen ist. Sag einem Kind, das sich bewegen und spielen möchte, es soll eine Stunde still sitzen, wird auch nicht gehen.
    Manchen Pferden ist das egal, die sind vom Typ her eher ruhig und gelassen, die werden eher nervös, wenn man mit dem Seil anfeuern versucht – wie meiner z.B. Schön, dass Du in diesem Artikel die unterschiedlichen Charaktere der Pferde herausgeschrieben hast – wie auch wir Menschen unterschiedlich sind. Viele "sog." Experten können sich da eine Scheibe abschneiden davon, weil nicht immer das System "XY" ist jetzt das einzig richtige, es kommt auf den Partner Pferd an und seinen Charakter! Danke für diesen tollen Artikel 🙂

    • Petra sagt:

      Lieber Matti, vielen Dank für deinen netten Kommentar und das Lob. das freut mich sehr. Es ist ja wirklich, wie du schreibst – Pferde sind so unterschiedlich – wie soll da 1+1 = 2 funktionieren? Was aber immer funktinioniert ist, wenn wir lernen dem Pferd zuzuhören und es zu verstehen. Und das ist so ein spannender Weg. Ganz liebe Grüße und danke für deinen tollen Kommentar!! Petra

  8. Ute sagt:

    Liebe Petra,
    wirklich ein netter Artikel von dir, der mich zum Schmunzeln gebracht hat, denn gerade vor einigen Tagen ist mir genauso eine Geschichte mit meinem Wallach passiert. Nach dem Putzen (er war ziemlich nass) wollte ich gerne Kappzaumarbeit machen. Kaum dass wir in der Halle waren, versuchte er loszumarschieren und wollte sich wälzen, schüttelte den Kopf. Nach einem strengen "nein" war aber immer noch kein ordentliches Anfangen möglich, also habe ich den Kappzaum abgemacht, er schoss davon und warf sich genüsslich und prustend in den Sand. Aufstehen, kurz abzischen und wieder in den Sand. Das ging ein paar Mal so, dann schüttelte er sich ordentlich und kam brav auf mich zugetrottet, obwohl ich dort mit Kappzaum und Longe in der Hand stand. Er ließ sich wieder aufhalftern und ich konnte mit einem augeglichenen Pferd – zwar mega schmutzig!, aber egal – anfangen zu arbeiten. Wir haben dann auch nur 10 min gearbeitet, für den Tag sollte das dann reichen. Ich war auch erst mit mir am Hadern, ob ich meinen Willen durchsetzen soll, oder ob ich nachgebe(n darf/kann). Im Nachhinein war ich froh darüber, wie ich gehandelt habe und musste innerlich über ihn lachen, da er doch hier und da seine eigenen Ideen hat. Ansonsten arbeitet er ja meist gut und eifrig mit. Aber da hatte er auch ganz deutlich "nein" gesagt.
    Wie schön, dass ich hier Gleichgesinnte gefunden habe! Das bestätigt mir, dass wir auf einem ganz guten Weg zu einer vertrauensvollen Partnerschaft sind.

  9. Bianca sagt:

    Liebe Petra,

    danke für diesen Beitrag, ich fühle mich bestätigt. Bei jedem Besuch im Stall weiß ich schon vor dem Misten, wie Bobby drauf ist. Ob er schlechte Laune hat, verschmust ist oder einen Clown frühstückte. Bei schlechter Laune weiß ich, dass der Ausritt für uns beide nicht schön wird und wir beschäftigen uns anderweitig. Bisher hat das unserer Beziehung nie etwas ausgemacht – im Gegenteil.

    Es wird oft gesagt, dass das Pferd dein Freund ist, doch nicht immer wird es auch so als einer behandelt. Würde ich meinen Freund bei schlechter Laune zu etwas zwingen, was er nicht tun will? Nein. Ich würde ihn aufheitern, Alternativen aufzeigen, mit ihm die Zeit einfach so angenehm wie möglich verbringen. Genauso ist es auch beim Pferd. Und weil es eben die "Menschenwelt" nicht immer gut einschätzen kann, beschütze ich meinen Freund und zeige ihm das auch. Und manchmal gibt es aber auch eine Rüge, wenn er mir respektlos in die Jacke beißt oder mir zu nahe kommt. Aber eine Rüge kann eben auch respektvoll sein.

    • Petra sagt:

      Liebe Bianca, danke für deine schönen Zeilen. Eine ähnliche Einstellung habe ich auch. Klar muss mein Pferd höflich sein und auch zuhören und ich möchte schon ganz gerne die Grundsätzlichen Entscheidungen treffen. Aber ich kann auch zuhören und mitreden lassen und andere Alternativen suchen, wenn eine Entscheidung mal an einem Tag nicht die für mein Pferd passende war. Ich glaube, dass so echte Freundschaft entsteht. Alles andere ist nur Kontrolle. Ganz liebe Grüße und danke für deinen Kommentar, Petra

  10. Conny sagt:

    Ein wirklich guter Artikel!
    Ich sollte mir das öfter mal durchlesen, bevor ich zum Pferd meiner Mutter fahre. Paula ist ein Knabstrupper und ich bin immer wieder verzweifelt, warum sie die (in meinen Augen) einfachsten Dinge einfach nicht machen will. Heute wollte ich sie nur eben zum Absteigen, weil ich ohne Sattel und ohne Schuhe geritten bin, an einen Vorsprung an ihrem Stall stellen und sie wehrte sich gegen alles. Ich bin dann aber gefühlt genauso trotzig, wie sie und gebe nicht auf. Und danach ärgere ich mich immer wieder über mich selbst, warum ich nicht anders gehandelt habe.
    Also Danke für deinen Beitrag, den ich wirklich verinnerlichen möchte, damit ich achtsamer in solchen Situationen werde.

    • Petra sagt:

      Liebe Conny, danke für deinen lieben Kommentar. Ich kann verstehen, dass das manchmal schwer ist. Ich persönlich gebe übrigens auch nicht immer nach – aber ich versuche es ohne Trotz zu tun – ich stehe quasi in solchen Momenten unverrückbar mit einem Lächeln da und versuche dem Pferd ein gutes Gefühl zu geben. Ich glaube, es ist immer wichtig, herauszufinden, warum das Pferd sich weigert – oft haben sie gute Gründe. Und je nach Situation zu entscheiden. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall an deine Knapstrupperstute Paula und dich, Petra

  11. Tatjana sagt:

    Liebe Petra,

    mit großem Interesse habe ich deinen Artikel gelesen . Ich möchte dir gerne mal meine Situation beschreiben. Ich (heute 42 Jahre) bin von meinem 8 Lebensjahr bis zum 20. Lebensjahr intensiv dem Reitsport nachgegangen, inkl. Turnierreiten etc. Heute reitet unsere 9 jährige Tochter mit großer Leidenschaft. Zunächst auf Schulpferden, da mir diese Tiere aber unendlich leid tun, da sie täglich 4 Stunden unter 4 verschiedenen Reitern laufen müssen, haben wir uns entschlossen uns ein eigenes Pferd zu kaufen. Die Vorbesitzerin berichtete von Problemen, Zickigkeit (Stute!!), steigen und buckeln bereits beim Aufsteigen und absolute Arbeitsverweigerung. Dazu muss gesagt sein, dass sie sich nur noch selten um ihr Pferd gekümmert hat und manchmal nur 1x die Woche geritten ist. Nun haben wir Waikiki zu uns geholt, aus Boxenhaltung mit Weidegang in eine Offenstallhaltung mit 6 anderen Pferden (die Zusammenführung war erstaunlich unproblematisch). Die ersten 3 Tage hat es mit dem Reiten (unsere Tochter wiegt 23 Kilo) unter unserer Tochter super geklappt. Die Stute lief toll. Dann aber fing es an, sie ließ sich nicht mehr longieren, kam immer in die Mitte zu mir. Setzte sich meine Tochter drauf, blieb sie einfach nur stehen und beim geringsten Schenkeldruck keilte sie hinten aus. Wir haben dann Bodenarbeit gemacht, da lief sie uns wie ein Hund hinterher, Rückwertsrichten ohne Strick -kein Problem. Am nächsten Tag habe ich mich draufgesetzt, sie bleibt beim Aufsteigen total ruhig stehen und lässt mich ohne Probleme drauf. Auf dem Reitplatz, war sie aber nicht bereit zu arbeiten. Also ging ich auf eine Wiese, dort lief sie fantastisch. Am nächsten Tag, ritt unsere Tochter auf der Wiese und wieder verweigerte sie die Arbeit. Viele sagen, wir sollten ihr die Zeigen wo es langgeht. Heute wollte ich kurz mit ihr ausreiten, wir kamen nur ein kurzes Stück, dann blieb sie stehen und ging nicht weiter. Ich habe sie dann geführt, da ist sie ganz toll mitgelaufen. Von allen Seiten höre ich: " Die hat keinen Bock, der tut nichts weh. Setz dich durch!" ICh bin so ratlos und möchte gerne, dass wir sie reiten können. Hast du einen Tipp??

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Tatjana, das ist aus der Ferne ganz ganz schwer. Aber ich würde erst einmal den Rücken checken lassen. Das klingt definitiv so als ob sie Schmerzen haben könnte. Dann den Sattel überprüfen und vielleicht auch einfach mal auf einen Fellsattel oder ein Reitpad umsteigen – so könnt ihr testen, ob der Sattel vielleicht drückt. Denn auch Sattler täuschen sich manchmal mit ihren Aussagen und Infos, ob ein Sattel nun wirklich gut sitzt. Wenn sie mit Fellsattel (von Christ – haben wir im Shop und sind genial) oder Pad gut läuft – nach einem Tierärztlichen und Ostheopathischen Rückencheck – dann liegt es vielleicht am Sattel. Wenn es das alles nicht ist, hat sie vielleicht einfach schlechte Erfahrungen mit dem Reiten gemacht. Sie ist ja neu bei euch. Ich würde ihr dann einfach ganz viel Zeit lassen. Viel am Boden mit ihr arbeiten und im Grunde so neu mt ihr anfangen, als ob sie ein Jungpferd wäre, das noch nie geritten wurde. Vielleicht könnt ihr ihr so das Reittrauma, das sie dann ja vielleicht hat, wieder nehmen. Das sind jetzt aber ganz pauschale Gedanken aus der Ferne. Am besten sucht ihr euch einen feinen und sanften Trainer vor Ort, der mit euch darauf schaut. Aber keinen der findet, dass man "draufhauen" oder sich "durchsetzen" muss. Wenn ein Pferd so deutlich Nein sagt, hat es in aller Regel einen Grund. Ganz liebe Grüße und ich drücke euch die Daumen, Petra

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