Ich höre schon die Proteststimmen laut rufen, während ich die ersten Zeilen zu diesem Artikel schreibe. „WAAAS? Methoden mischen – das soll gehen?“ Ja, das geht. Das ist sogar gut, weil es deinem Pferd und dir Abwechslung bringt und weil es euch voranbringen kann, wenn du in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich agieren kannst. 

Methoden Mischen? So gehts!

Egal ob du clickerst und horsemanshippst, oder ob du Anlehnung magst und zusätzlich das Neckreining einbauen willst oder ob du Geitnern oder akademisch trainieren möchtest – es ist wichtig sich fortzubilden und Wissen zu sammeln. 

Im Idealfall bist du irgendwann wie ein wandelndes Lexikon, was Pferdeanatomie, Pferdegesundheit, Pferdefütterung und Trainingsmethoden betrifft. Denn nur wenn du möglichst viel kennst und weißt kannst du auch herausfinden:

  • was davon zu dir und deinem Pferd wirklich gut passt
  • wie du dein Pferd gesund trainieren kannst
  • was vielleicht auch nicht das Richtige für euch ist.

Außerdem wirst du in unterschiedlichen Situationen viel besser reagieren können, wenn du einen kleinen aber feinen Werkzeugkoffer mit Pferdewissen mit dir herumträgst. 

Fortbildung Rules! Was den wirklich guten Pferdemenschen ausmacht

Ich glaube, dass es wichtig ist oft über den Tellerrand zu schauen und sich zu informieren, um dann in jedem Moment ein passendes Werkzeug in der Hand zu haben. 

Der wirklich gute Pferdemensch weiß viel, um dann zu wissen, was von all dem er nicht braucht und was er davon nutzen kann. 

Nehmen wir ein Beispiel: Es gibt klassisches Horsemanship und es gibt das Clickern. Letzteres ist etwas neuer auf dem Markt der Pferdemethoden, aber es hat beides seine Berechtigung. Ich persönlich mische beides sogar und schnappe mir aus beidem das eine oder andere. Wobei ich tendenziell eher der bekennende Wattebauschwerfer bin. 

Clickern oder Horsemanshippen

„Positive und negative Verstärkung mischen??!?“ werden einige jetzt empört rufen. „Das geht gar nicht“, werden sie laut sagen. Aber ich mache eine ganz andere Erfahrung und die will ich jetzt mit dir teilen. 

Ich bin für das gute Gleichgewicht. Das gilt für alles im Leben. Zuviel „Ja“ ist genauso falsch wie zuviel „Nein“. Zuviel Süßigkeiten sind genauso schlecht, wie ein zuckerfreies Leben langweilig ist. Zuviel Druck funktioniert aus meiner Sicht genauso wenig, wie gar kein Druck. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile und wieso sollten wir uns dann nicht einfach das Beste für uns herausholen und die Methoden mischen? 

Klare Signale – egal ob mit Click oder Stick

Wer behauptet, dass wir die Pferde verwirren wenn wir die Methoden mischen, liegt aus meiner Sicht falsch und macht die Pferde dümmer als sie sind. Pferde sind aber nicht dumm. Im Gegenteil – sie sind unglaublich clever. Sie verstehen sehr gut, dass es manchmal Leckerli gibt und sie manchmal dem Druck weichen sollen.  Leckerli sind einfach ein grandioser Motivator und Druck ist ihre ureigene Sprache in der Herde. Beides lässt sich ganz wunderbar kombinieren. Wichtig ist nur, dass wir bei allem was wir tun eindeutig sind in unseren Signalen und unserer Körpersprache. Verwirrend finden Pferde nur, wenn unsere Signale nicht zur Körpersprache passen oder die Signale und Regeln sich jeden Tag ändern. 

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Wenn du aber beispielsweise die Leckerli immer mit einem bestimmten Laut oder Wort verbindest und nur dann gibst, dann wird dein Pferd sehr schnell merken, dass es die restliche Zeit keine Leckerli gibt. Wenn du beispielsweise bei der positiven Verstärkung immer mit dem gleichen Target übst, dann wird dein Pferd so ganz einfach lernen, wann positive Verstärkung euer Training bestimmt und wann die negative Verstärkung. 

Biostickies Leckerli Kräuter Frühling

Pferde verstehen das „Weichen“ vor Druck genausogut, wie sie das Leckerli verstehen, und sie sind schlau genug zu erkennen, wann du welche Methode einsetzt – wenn du klare Signale nutzt. 

Die Methoden an sich sind natürlich viel feingliedriger und haben deutlich mehr Facetten als „Druck“ und „Leckerli“. Beides ganz genau zu erklären, würde in dem Artikel hier zu weit führen. Er soll keine Trainingsmethoden erklären, sondern dir nur Mut machen dir für dich und dein Pferd die Rosinen rauszupicken, die zu euch am Besten passen. 

HIER findest du einen Artikel zum Thema „Horsemanship“

HIER einen zum Thema „Clickern“

…wenn du dich dazu weiter informieren möchtest. 

Methoden Mischen – mit dem Werkzeugkoffer

Was ich damit sagen will? Egal ob es um das Westernreiten und die englische Reitweise geht oder Clickern und Horsemanshippen oder Leckerli und Druck oder Legerete und Akademisches Training: Informiere dich, schaue, womit du dich gut fühlst und was zu dir und deinem Pferd passt und such dir dann das Beste für dich und dein Pferd aus den Methoden raus. 

Ich nenne das meinen persönlichen „Werkzeugkoffer“. In diesem Koffer stecken verschiedenste Methoden, Trainingsideen und Übungsansätze und sie werden ziemlich wild hervorgeholt und kombiniert – je nachdem worum es geht oder was mein Pferd und mich gerade im Training beschäftigt. 

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Wie du deinen Werkzeugkoffer füllen kannst

Du sammelst wie ein Hamster in deinen dicken Hamsterbacken Wissen an und nimmst dir dann die Übungen, Ideen, Methoden und Ansätze in deinen Werkzeugkoffer, die dir weiterhelfen und die dir logisch und gut und richtig erscheinen. Wichtig ist nur, dass die Methoden gewaltfrei sind und auch dein Pferd damit Freude am Training entwickeln kann. 

  • Du kannst Fachbücher lesen und dir daraus Informationen schnappen
  • Du kannst dir Youtube Videos von guten Trainern oder Youtube-Kanälen anschauen
  • Du kannst dir Online-Kurse schnappen und daraus lernen
  • Du kannst auf dem Weg zum Stall Podcasts hören – zum Beispiel unseren
  • Du kannst Kurse besuchen und dir Infos daraus mitnehmen 
  • Du kannst dir verschiedene Trainer einladen und mit deinem Pferd zusammen lernen

Es gibt so viele Möglichkeiten zu lernen und Wissen zu sammeln. Das alles sammelst und sammelst und sammelst du in deinem inneren Werkzeugkoffer. Das Sammeln endet auch nie. Du wirst manchmal auch Sachen wieder rausnehmen und dafür neue in den Koffer packen. Deswegen ist es auch wichtig, dass du immer offen, tolerant und neugierig bleibst. 

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Es gibt nur ein MUST HAVE

Ich persönlich denke, dass es nichts gibt, das wirklich falsch ist. Sofern es eben „Pro Pferd“ und gewaltfrei ist. Es gibt manches, das nicht richtig für mein Pferd oder mich ist, aber deswegen ist es nicht falsch. Du verstehst hoffentlich, was ich meine? 

Es ist wichtig sich alles im Leben neugierig und offen anzusehen und dann den Bauch zu befragen, was davon zu dir selbst und zu deinem Leben passt. Das Gleiche gilt im Pferdetraining. 

Nur weil bestimmte Gedanken, Lebensweisen oder eben auch Trainingsmethoden dir und deinem Bauch nicht gefallen, heißt das nicht, dass sie grundlegend falsch sind. Sie sind dann einfach nur nicht richtig für dich. 

Kurze Schrittrunde nach der Bodenarbeit

Dann suchst du einfach weiter, bis dir neue Lebensweisen, Inspirationsquellen oder Trainingsideen begegnen, die dann wieder zu dir passen. Findest du etwas, das dir ein gutes Gefühl verschafft, dann forschst du einfach in diese Richtung weiter und nimmst dir das heraus, was sich gut anfühlt für dich. 

So wirst du deinen Werkzeugkoffer mit der Zeit immer weiter auffüllen und kannst dann in den verschiedensten Situationen darauf zurückgreifen und findest die passende Lösung für dich und dein Pferd und diese spezielle Situation. 

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15 Kommentare zu “MIX IT! Warum wir nicht nur einer Methode folgen müssen

  1. Chris sagt:

    Hallo Petra,
    sehr schön geschrieben – und es bestätigt meine Gedanken zu diesem Thema. Ich bin nun erst seit etwa 1,5 Jahren Pferdehalter, hatte vorher aber fast 15 Jahre lang einen Hund und mich in dieser Zeit sehr intensiv mit genau diesen Dingen befasst, was für mich als Neuling in der Pferdewelt äußerst hilfreich war und ist. Die Grundlage, nämlich sich weiterzubilden und sich alle Seiten anzuschauen, daraus einen Weg zu entwickeln, der für mich selbst und für mein Tier der beste ist, konnte ich quasi 1:1 vom Hund aufs Pferd übertragen. Daher bin ich nun auch besonders begeistert, dass ich kürzlich eine Trainerin kennengelernt habe, die nach genau diesen Prinzipien arbeitet und je nach Pferde-Mensch-Konstellation ihre Arbeitsweise entsprechend anpasst.

    Vorher kannte ich nämlich nur Trainer, die ein festes Schema verfolgten und kaum davon abwichen. Da gab es immer Dinge, mit denen mein Pferd und ich gut zurechtkamen, aber eben auch welche, die einfach nicht gepasst hatten – weshalb ich einige Zeit lang im Wechsel mit unterschiedlichen Trainern gearbeitet hatte, um jeweils die Teile zu vertiefen, mit denen wir "einverstanden" waren. Also bspw. mit Trainerin A die Kappzaum-/Longenarbeit, mit Trainer B Freiarbeit und mit Trainerin C intensiveres Gymnastizieren. Und zusätzlich kommen natürlich noch Ideen aus diversen Fachbüchern und Artikeln aus Blogs oder Zeitschriften hinzu. Teilweise hatte und habe ich natürlich immer wieder kleinere Bedenken, ob es nicht doch Verwirrung stiften kann, aber dann überzeugt mich mein Pferd mit seiner Cleverness davon, dass es so schon passt. Denn er weiß ja z.B. auch ganz genau, was ansteht, wenn Kappzaum und Longiergurt im Spiel sind, oder was wir vorhaben, wenn nur das Knotenhalfter zum Einsatz kommt oder ich ihn im Round-Pen frei laufen lasse.

    Außerdem ist er immer sehr neugierig, wenn wir neue Sachen ausprobieren oder etwas bekanntes ein wenig verändern. Ich glaube, dass gerade auch dies durch eine pferdefreundliche Arbeit gefördert wird, weil wir dann ja eben wollen, dass unser Pferd mitdenkt und Lösungsvorschläge anbietet, anstatt in diesen Vorschlägen Fehler zu sehen und es dafür zu bestrafen. Da ist es logisch, dass Pferde, die viel Strafe zu spüren kommen, vom Mischen und Ausprobieren tatsächlich eher verwirrt bzw. verängstigt werden.

    Deinem Fazit kann ich nur zustimmen. Was für mein Pferd und mich nicht passt, muss deswegen noch lange nicht falsch sein. Daher finde ich es auch immer wieder schade, dass sich um bestimmte Methoden und Ansätze herum gerne sektenähnliche Strukturen bilden, die diese eine Variante als die einzig richtige verkaufen wollen und andere prinzipiell ablehnen.
    Wolfgang Marlie drückt es perfekt aus, wenn es um die Einschätzung unterschiedlicher Methoden geht: "Es kommt darauf an". Alles, was im Sinne des Pferdes ist, sollte mit Respekt betrachtet werden. Und was dann letztlich davon passt, kommt eben ganz auf mich, mein Pferd, unsere Möglichkeiten, Ansprüche und Ziele an.

    Viele Grüße
    Chris

    • Petra sagt:

      Hallo lieber Chris, danke für deine Meinung und deinen wunderschönen Kommentar, den ich als Ergänzung zum Artikel betrachte :-) Ich kann dir nur zustimmen und finde toll, dass du deinen eigenen Weg gehst. Es freut mich, dass auch so viele andere ähnliche Erfahrungen mit dem Mischen von Methoden machen. Ganz liebe Grüße und bis bald, Petra

  2. Tanja sagt:

    Danke! GENAU diesen Artikel hab ich gerade jetzt gebraucht! Ich bin seit 18 Jahren überzeugter Clickerer – allerdings beim Hund. Da bin ich auch Trainer und hab über die Jahre die Erfahrung gemacht, dass es nicht die EINE Methode gibt, um seine Ziele zu erreichen. Jedes Mensch-Tier-Team ist einzigartig und letztlich muss jedes Team die Dinge/Methoden suchen und versuchen, die passen und es weiter bringen.
    Beim Pferd bin ich als Besitzer und somit Trainer noch ziemlich feucht hinter den Ohren und oft sehr verunsichert. "Du musst dies und darfst jenes nicht….. Um Gottes Willen keine Leckerli!… Be strikt!… Seilchenschwingen soll jetzt was bringen?" Und so weiter.
    Ich rede von Teams, denn das ist mein Hauptziel! Positives Miteinander mit respektvollem Geben und Nehmen, motiviert und mit Spaß an der Sache, auch wenn es mal anstrengend wird.
    Mein Pferd hat mir deutlich gezeigt, dass es für Kekse fast alles tut, sein Benehmen hat mir aber auch gezeigt, dass ich NUR mit Tüdelü den Respekt verliere. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und hab gemixt: Horsemanship, Clicker, Geitner, klassisch, Longenkurse, Zikuslektionen, Keks ohne Clicker…… also alles, was ich bis dato kennengelernt habe. Und der Erfolg gibt mir Recht! :)
    Danke für diesen Artikel, er hat den letzten Rest Unsicherheit von meinem Weg gefegt!

    • Petra sagt:

      Das freut mich sehr :) Letztlich gilt: Wenn es funktioniert und gleichzeitig tierfreundlich ist – dann scheint es doch der richtige Weg zu sein. Egal, was die anderen an der Bande sagen. Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Lena sagt:

    DANKE!
    Genau so denke ich auch. Dieser "Werkzeugkoffer" ist das wichtigste Utensil, das man für das erfolgreiche Pferdetraining braucht, und nicht Seilchen xy oder Sattel yz.
    Ganz besonders toll finde ich diesen Satz: "Es gibt manches, das nicht richtig für mein Pferd oder mich ist, aber deswegen ist es nicht falsch"
    Früher wurde ich für diese Denkweise ausgelacht und schief angeschaut, heute wandelt sich das Denken zum Glück etwas. Noch zu wenig, aber die Tendenz ist gegeben. Gut für die Pferde!

    Wo ich früher die "Leckerlistopferei" (alias Clickern) für meinen Ponymann weit weggeschoben habe, ist genau das in Teilen heute unser Weg, und wir haben endlich einen gemeinsamen Nenner in der Kommunikation gefunden. Trotzdem reiten wir "klassisch", also ohne Kekse und mit Schenkeldruck. Aber: die Meinung des Ponymanns spielt immer eine Rolle! Wenn er eigene Vorschläge ins Training einbringt, beharre ich nicht immer auf meinen Plänen. Wenn er beim Spaziergang einen anderen Weg gehen möchte, und keine zeitlichen oder sicherheitsrelevanten Gründe dagegen sprechen, tun wir das. Und trotzdem (oder gerade weil) basiert unsere Beziehung (mittlerweile) auf gegenseitigem Respekt und dem Achten auf die Belange des anderen <3
    Es ist sehr schade, dass es Mut braucht, diesen Schritt zu gehen; es sollte einfach selbstverständlich sein, im Sinne des Pferdes zu handeln.

    Herzliche Grüße
    Lena

    • Petra sagt:

      Das klingt ziemlich perfekt, liebe Lena. Ich denke, dass wir das ähnlich sehen. Ich selbst mische beides und das Pferd kommt sehr gut damit klar. Und ich habe mich auch vom Leckerli-verweigerer zum Leckerli-Nutzer gewandelt. Wichtig ist, dass wir offen bleiben – der restliche Weg wird dann von Pferd und Mensch bestimmt. Viele liebe Grüße, Petra

  4. Claudia sagt:

    Wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen, wie schon so oft liebe Petra. Auch wir haben alles mögliche ausprobiert und sind bei unserem eigenen Stil/Weg gelandet. Unser Ziel – ein möglichst lange, gute und gemeinsame Zeit. Bei jeder Methode habe ich oder mein Pferdchen etwas gefunden, was uns nicht behagt hat. Also haben wir uns das für uns passende rausgezogen und unseren eigenen Weg entwickelt. Was nicht heißt, dass die einzelnen Übungen nicht ordentlich und korrekt ausgeführt werden, denn sonst bringt`s auch nicht viel.
    Was nütztz.Bsp. Equikinetic, wenn das Pferd in einem zu kleinen Zirkel und ohne Haltung vor sich hinläuft.
    Also in dem Sinne mixt euch mit euren Pferden was passt und gefällt.
    Liebe Grüße Claudia

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Claudia, ähnlich geht es mir mit den Methoden :-) Deinen Kommentar kann ich also 1:1 unterschreiben. Ganz lieben Dank dafür und viele liebe Grüße, Petra

  5. Miriam sagt:

    Liebe Petra,
    ich glaube das ist das erste Mal wo ich bei einem Artikel nicht deiner Meinung bin. Ich bin jemand, ich informiere mich gerne und viel. Mein Bücherregal daheim sieht aus wie eine Bibliothek für Pferde- und Hundetraining und Ernährung. Als meine Frau und ich in unser Haus gezogen sind, hat sie eine ganze DVD-Sammlung mitgebracht, ich hatte nur DVDs zum Thema Pferdetraining. Ich schau dabei durchaus auch gerne über den Tellerrand und es befinden sich unterschiedliche Trainer in meinem Bücherregal. Außerdem habe ich mich schon früher mit vielem auseinander gesetzt und auch Kurse bei verschiedenen Trainern aus unterschiedlichen Richtungen gemacht. Ich finde das gut und wichtig, auch um mein eigenes Verhalten immer wieder zu reflektieren, Ideen und Anregungen mitzunehmen und meinen Ponys gerecht zu werden. Außerdem schaue ich sehr genau darauf, was meine drei Ponys brauchen und wollen und versuche sie zu sehen.
    Trotzdem glaube ich für mich nicht, dass es eine gute Idee ist negative und positive Bestärkung zu mischen. Das sind so gegensätzliche Ansätze, dass ich für mich hier Schwierigkeiten habe. Positive Bestärkung bedeutet ja nicht, dass ich ein Leckerchen ins Pferd schiebe. Es geht dabei um sehr viel mehr. Es geht auch darum in welche Situation bringe ich mein Pferd. Bei der positiven Bestärkung möchte ich, dass mein Pferd proaktiv ein Verhalten zeigt. Ich arbeite darauf hin, dass das Pferd von sich aus auf die Idee kommt, was es tun soll. Dazu wähle ich möglichst klitzekleine Trainingsschritte, die aufeinander aufbauen und das Pferd dahin leiten, was ich haben möchte. Bietet das Pferd dieses Verhalten nicht an, ändere ich mein Training.
    Bei der negativen Verstärkung arbeite ich damit, dass ich einen Impuls so lange gebe bis das Pferd in gewünschter Weise reagiert hat und lasse dann mit dem Impuls nach. Für mich passen die beiden Dinge von der Einstellung und Handhabung nicht zusammen. Gebe ich ein Leckerchen nachdem ich den Druck aufgebaut und mein Pferd gewichen ist, habe ich keine positive Bestärkung. Ich sorge mit diesem Verhalten in der Regel nur dafür, dass das Pferd entweder den Druck nicht als so blöd empfindet (was dann meiner Ansicht nach aber dazu führen kann, dass das Pferd nicht lernt auf weniger Druck zu reagieren) oder es kann lernen, dass die Leckerchen doch nicht so toll sind.
    Bei der positiven Bestärkung versuche ich mein Pferd also mit etwas (meistens Futter) so zu motivieren, dass es ein bestimmtes Verhalten von sich aus zeigt. Bei der negativen Bestärkung gebe ich einen Reiz der das Pferd auffordert ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Ich persönlich finde, dass ich das nicht vermischen kann und ich glaube nicht, dass mein Ponys zu dumm sind das zu kapieren, sondern, dass ich für sie nicht berechenbar bin, wenn ich das mische. Ich glaube fest daran, dass das wichtigste im Umgang mit meinen Ponys Authentizität ist. Ich kann aber nicht authentisch daran glauben, dass es gut ist mein Pferd selber seinen Weg finden zu lassen und darauf vertrauen, dass es mitarbeiten will und wir als Partner auf Augenhöhe miteinander spielen und dann gleichzeitig authentisch daran glauben, dass es gut ist Druck zu machen und mein Pony in eine bestimmte Richtung zu „drängen“.
    Das mal meine Gedanken zu dem Thema.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Miriam, in Teilen sind wir immerhin einer Meinung :-) was die verschiedenen Trainer und Methoden betrifft zum Beispiel und den Blick über den Tellerand. Das sehen wir absolut gleich :-) Ich denke aber wirklich – anders als du und da scheiden unsere Meinungen sich tatsächlich an diesem einen Punkt – dass du positive und negative Verstärkung mischen kannst. Du kombinierst nur "über Kreuz" also die positive Verstärkung (= Leckerli oder Lob) mit der negativen Verstärkung (= Anzeigen von Wünschen durch Energie). Ich weiß, was du meinst mit den den verschiedenen Ansätzen und genau das ist ja auch das Argument vieler Trainer, dass sich beide Methoden nicht mischen lassen. Aber ich denke, dass das Äpfel mit Birnen vergleichen ist. Das eine ist die ureigene Sprache der Pferde, die sie in- und auswendig kennen aus ihrem Alltag und die sie – fair und klar angewandt – nicht als "blöd" empfinden. Ich denke, dass genau dort der Unterschied unserer Haltung liegt. Ich denke nicht, dass PFerde das Tippen einer Gerte oder die Energie Richtung Hinterhand oder anderes als "Blöd" empfinden. Das kennen sie ja aus ihrer Herdenkommunikation. Nur haben sie dort eben immer die Möglichkeit wegzugehen, die sie ja leider im Training oft nicht bekommen. Wenn mein Pferd aber auch im Training Nein sagen darf, ich zuhöre und eben nicht den Druck solange erhöhe (bis zur Eskalation), bis mein Pferd macht, was ich will – der Druck also ausweglos für das Pferd ist, dann lassen sich die Methoden für mich schon mischen ohne unauthentisch zu sein. Denn für mich ist die Frage, wie ich beides einsetze. Ich trainiere mein Pferd auch sehr kleinschrittig, ich lobe viel und lasse sie Ideen einbringen, ich erhöhe den Druck nicht immens, sondern überlege mir lieber andere Wege, als den Druck zu erhöhen – wenn ich merke, das etwas nicht geht oder verstanden wird oder vielleicht auch ein "Nein" bekommt. Gleichzeitig erscheint es mir die größere Strafe, wenn ich etwas "angenehmes" Wegnehme indem ich zum Beispiel ignoriere oder gar schlimmer mich selbst "Wegnehme" und das Tier alleine lasse in der Situation. Dazu kommt, dass Futter ein großer Motivator ist, der auch zu einem großen Stressfaktor werden und im Kopf des Pferdes Druck erzeugen kann. Je nach Pferd und Situation kann also die positive Verstärkung auch Druck sein. Nämlich der Druck des möglicherweise ausbleibenden Leckerli. Bzw. die Frage, wann das Leckerli nun kommt, während das Pferd vielleicht gestresst herausfinden muss, was nun eigentlich die Aufgabe ist. Ich übertreibe gerade. Aber was ich damit sagen will: Ich denke, dass beide Methoden gute und schlechte Seiten haben und finde es für mich logisch sie deswegen zu mischen, um mir auch da das Gute und für mich passende herauszuholen. Ich weiß, dass das eine Philosophiefrage sein kann – aber für mich ist es das nicht. Manchmal erinnert mich das an Kindererziehung. Letztlich kann ein Rahmen auch Sicherheit geben, genau wie eine verständliche und an das gegenüber angepasste Sprache. Genau wie Lob oder einem Kind die intrinsische Motivation zu geben Dinge zu tun oder eben nicht zu tun. Das sind meine – recht kurz und dynamisch zusammengefassten – Gedanken dazu :-) Auf jeden Fall freue ich mich wie immer über deinen Kommentar und schicke dir viele liebe Grüße, Petra P.s.: Ich habe ein Paket für dich ;-)

    • Miriam sagt:

      Liebe Petra,
      ich finde unseren Austausch gerade sehr spannend und es regt mich zum Nachdenken an.
      Ich beobachte gerade bei meinen Ponys, dass Pferde die Kommunikation in der Herde sehr wohl als "blöd" empfinden. Unser kleines Wildpferdchen zieht eine sehr griesgrämige Schnute, wenn sie von den anderen vom Heu weggeschickt wird. Es passt ihr nicht, aber sie fügt sich. Sie mag es auch überhaupt nicht, wenn der Ponymann ihr sein Hinterteil hindreht. Natürlich akzeptiert sie es, aber toll findet sie es nicht. Es bleibt ihr nur nichts anderes übrig als den Anweisungen der anderen Beiden zu folgen. Den Beiden ist egal ob das kleine Wildpferde mit grimmiger Miene da steht, sie haben bekommen was sie wollten. Fellkraulen und Spielen findet sie dagegen natürlich schön und hier macht sie auch ein sehr viel fröhlicheres Gesicht. Ich glaube also durchaus, dass Pferde Druck als "blöd" empfinden, würden sie das nicht, würde es ja auch nicht richtig funktionieren. Sie geht weg, weil sie weiß, dass der Ponymann sonst ungemütlich wird. Jetzt ist die Frage, ob ich will, dass sie bei mir aus den selben Gründen tut was ich möchte. Dem Ponymann ist total egal wie sie sich dabei fühlt, er will seine Ressourcen schützen. Mir ist es nicht egal, denn ich möchte, dass sie gerne mit mir zusammen arbeitet und sich auf das Training freut.
      Allerdings hast du Recht, dass das Weggehen vom Pferd eine sehr harte Strafe ist. Ich muss gestehen, dass ich das beim Ponymann schon gemacht habe. Würde es aber nicht wieder tun. Ich hoffe, dass ich in Zukunft von Anfang an umsichtiger bin und mich und die Ponys nicht wieder in eine Situation bringe, wo ich keine andere Möglichkeit mehr sehe um die Situation zu retten.
      Hier habe ich auch umgedacht und deine Einschätzung gibt mir auch nochmal zu Denken. Aber ganz so krass mache ich das auch im normalen Alltag nicht. Vielleicht ein Beispiel wo ich das Wegnehmen von etwas Angenehmen einsetze. Unser kleines Wildpferd hat noch nicht gelernt, dass man Menschen nicht mit Zähnen krault und auch nicht auf ihnen rumkaut. Hier gehe ich so vor, wie schon beim Ponymann, wenn ich sie kraule und sie kommt mit den Zähnen, höre ich einfach sofort auf zu kraulen, warte kurz bis sie mich wieder in Ruhe lässt und ruhig neben mir steht, dann mach ich weiter. Ich gehe nicht von ihr weg, ich schiebe sie nicht weg, oder sonst irgendwas. Meine Hand hört nur auf sie zu kraulen. Ich denke nicht, dass ich sie damit alleine lasse zumal ich das Kraulen auch bei der Methode nach der negativen Verstärkung aufhören würde, denn das Pferd z.B. dann rückwärts schicken und gleichzeitig kraulen wird ja komplett irrsinnig und macht ja auch keiner.
      Den Druck mit den Leckerlies kann ich verstehen, ich denke aber, dass ich das vermeiden kann, wenn ich einige Regeln beachte. Ich trainiere nie mit meinen Ponys, wenn sie hungrig sind. Die Belohnung ist ein Dankeschön von mir an sie und sie sollen nicht davon abhängig sein. Ich will, dass sie in der Lage sind ehrlich "Nein" zu sagen und nicht aus Hunger Dinge tun, die sie eigentlich nicht wollen oder eben unter Stress geraten, wenn die Belohnung vielleicht nicht kommt. Außerdem baue ich das Training so auf, dass die Belohnungsrate sehr hoch ist, d.h. ich versuche das Training so aufzubauen, dass meine Ponys eigentlich sehr schnell Erfolg haben. Damit müssen sie gar keinen Frust aufbauen und unter Druck geraten. Zusätzlich ist die erste Lektion immer die Futterhöflichkeit, aber auch mein Versprechen, wenn ich geclickt habe, gibt es Futter auch dann, wenn ich versehentlich Verhalten geclickt habe, was ich eigentlich nicht bestätigen wollte. (Ja, das passiert mir manchmal immernoch, dass ich zu langsam war oder nicht genau hingeschaut habe) Ich bin hier also sehr berechnbar und das nimmt meinen Ponys denke ich auch viel Druck, weil sie sich drauf verlassen können.
      Einen Rahmen gebe ich meinen Ponys durchaus indem es bestimmte Höflichkeits- und Respektregeln gibt, aber die Frage ist für mich wie ich diesen Rahmen "einfordere". Auch hier versuche ich es mit positiver Bestärkung.
      Allerdings hast du Recht, alles im Leben hat zwei Seiten. Was mir z.B. beim Clickern oft zu kurz kommt und wo ich auch selber immer wieder aufpassen muss und was ich aus meiner Horsemanship-Zeit noch mitgenommen habe, ist das Thema Körpersprache. Ich helfe meinen Ponys damit einfach sehr, wenn ich darauf achte, was ich mit meinem Körper ausdrücke, sei es durch Position oder Haltung. Hier wird meiner Ansicht nach oft zu wenig Fokus drauf gelegt.
      Aber auch die Arbeit an mir selber, ich für mich bin der Meinung, dass ich meinen Ponys auch Sicherheit geben sollte. Diese Sicherheit will ich ihnen aber nicht durch Methoden der negativen Bestärkung geben, sondern damit, dass ich versuche selbstbewusst und selbstreflektiert zu sein. Ich versuche meine Ängste, Zweifel und Kontrollsüchte abzulegen und stattdessen Vertrauen in mich und die Ponys zu haben. Diese Art der Sicherheit hilft meinen Ponys denke ich sehr. Dieser Aspekt der Sicherheit wird finde ich bei der positiven Bestärkung oft nicht so genau gesehen. Manchmal hat man schon fast den Eindruck das Pferd wird auf ein Automat begrenzt wo ich Verhalten abfragen und dann belohnen kann, also ein Wesen was nur konditionierbar ist, aber das stimmt so meiner Erfahrung nach nicht. Pferde bleiben selbständig denkende Fluchttiere, die ein gewisses Maß an Sicherheit benötigen um sich entspannen und lernen zu können. Nur glaube ich nicht, dass diese Sicherheit durch "Herdenhierachie" oder "klare Ansagen" erzeugt werden kann, sondern meine innere Einstellung hier maßgeblich ist.
      Sorry für den Roman und er soll dich oder deine Ansichten gar nicht angreifen. Ich finde es toll wie du mit Carey umgehst und habe hier nur versucht meine Gedanken zu dem Thema zu sortieren, denn du hast mich mal wieder zum Nachdenke gebracht.
      Vielen lieben Dank dafür
      Liebe Grüße
      Miriam

  6. Boris Woelffel sagt:

    Sehr gut. Pferde sind auch meines Erachtens deutlich schlauer und pfiffiger, als weithin angenommen wird. Ich persönlich glaube, dass es viele Pferde gibt, die sehr gerne auch mit ihren Menschen als Team das "Denken" entwickeln. Aber eine Bitte an Dich habe ich, liebe Petra. Du wirst hier in jeder Hinsicht als Vorbild akzeptiert. Warum sitzt Du dann ohne Helm auf dem Pferd? Sollten wir nicht alle dazu beitragen, dass das Tragen des Helms eine absolute Selbstverständlichkeit ist?
    Liebe Grüße von Boris

    • Petra sagt:

      Hallo lieber Boris, freut mich und ganz lieben Dank für deinen Kommentar. Ich weiß, was du meinst mit dem Helm :-) Ich nutze einen im Gelände. Auf dem Platz nehme ich mir die Freiheit ohne zu reiten. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Ganz liebe Grüße, Petra

  7. Sandra Gläske sagt:

    Hallo Petra,

    ich bin dankbar dafür, dass unser Thema beim Spaziergang mit unseren Ponies in diesen Artikel ein bisschen reingeflossen ist. Ich würde es lange nicht so gut erklären können! Ich habe auch die Erfahrung gemacht, das mein Pony ohne Anzeichen irgendwelcher Probleme beides voneinander sehr gut unterscheiden kann. Sie kommt meiner Meinung nach sehr gut damit zurecht, und wir sind beide beinahe sofort bei einem Knackpunkt weitergekommen. Horsemanship und Clickertraining im Roundpen in Einem passen für mich und meiner Stute gut zusammen. Und ganz ohne Zwang, nur wenn es erforderlich ist! Und sie mit Clickertraining im Gelände alleine geritten (war vor gar nicht langer Zeit undenkbar) zu belohnen, wenn sie beispielsweise immer ein Stück weiter kommt, als das Mal davor, funktioniert ebenso hervorragend. Dabei benutze ich auch das Werkzeug aus dem Horsemanship, gepaart mit Clickern. Für uns passt es! In diesem Sinne, DANKE!
    Bis bald,
    Sandra

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Sandra, das Thema beschäftigt mich schon lange und ist auch immer mal im Blog angerissen :-) Nach unserem Spaziergang habe ich mich dann endlich hingesetzt und losgelegt mit dem Tippen. Ich mache ähnliche Erfahrungen und glaube einfach fest daran, dass die Pferde beides verstehen :-) Ganz liebe Grüße, Petra

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