Artikel aktualisiert am 25.10.2019

Wollen wir nicht alle ein gesundes Pferd? Ein Pferd, das nicht zu dick ist und nicht zu dünn, einen guten Mineralstoffhaushalt und Stoffwechsel hat? Ein Pferd das zufrieden ist und ohne Probleme oder Magengeschwüre und andere Krankheiten mit uns durchs Leben läuft? Glaubst du auch, dass dein Pferd einfach nur 24 Stunden Heu braucht und einen schönen Offenstall und schon hast du so ein gesundes Pferd? Wenn du das alles machst ist alles korrekt in Sachen „guter Fütterung“ und „gesunder Haltung“?

Das sind nur zwei der ganz großen Irrtümer in der Pferdefütterung. Wir klären im Artikel diese 5 Irrtümer für dich auf und sagen dir wie du dein Pferd wirklich artgerecht und gesund ernähren kannst. 

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Richtige Pferdefütterung

Weil wir Experten lieben und nicht Experte für alles sein können, freuen wir uns sehr, dass die Pferdefutterfachfrau Janet Metz einen Gastartikel zu genau diesem Thema für dich geschrieben hat. Janet hat ein Blog zur artgerechten Pferdefütterung und macht selbst ausführliche Futterberatung für Pferdebesitzer, die wissen wollen, welchen Bedarf ihr Pferd wirklich hat. HIER kannst du mehr dazu erfahren

Sie hat das Motto: „Pferdegesundheit ist kein Zufall“ und beschäftigt sich ganzheitlich mit dem gesunden Pferd – von der artgerechten Fütterung über die richtige Bewegung bis zur feinen Haltung. Das alles gehört zusammen, wenn du ein gesundes Pferd haben möchtest. Außerdem macht sie Futterberatungen für Pferdemenschen und ihre Pferde. 

Mehr zu Janet kannst du HIER auf ihrem Blog für ganzheitliche Pferdegesundheit janet-metz.de nachlesen

Jetzt übergebe ich das Wort an Janet – und ihren Gastartikel zum Thema „Die 5 größten Irrtümer der Pferdefütterung“.

Für alle Eiligen haben wir die größten Irrtümer in unserem Downloadbaren PDF als Factsheet zusammengefasst. Du kannst es dir gerne herunterladen und weiterteilen.

Einfach auf mit der rechten Maustaste auf das Bild klicken und herunterladen:

Die 5 größten Irrtümer in der Pferdefütterung

Die Pferdefütterung ist ein Thema, dass uns Pferdebesitzer sehr belasten kann und auch jede Menge Sorgen hervorruft. Auf der anderen Seite wird die Fütterung aber auch von vielen unterschätzt. Dabei ist die Fütterung ein fundamentaler Faktor für die Gesundheit deines Pferdes.  

Bestimmt hast du dich schon mal intensiv mit dem Thema Pferdefütterung auseinandergesetzt.

  • Wie ging es dir damit? 
  • Warst du hinterher schlauer als davor?

Vermutlich warst du hochgradig verwirrt und wusstest danach auch nicht mehr als vorher. Denn in der Pferdefütterung gilt: Fragst du 10 Leute erhältst du 15 Meinungen. 

Viele Menschen, die sich mit dem Thema Fütterung beschäftigen sind hinterher verwirrter als davor. Ich selbst kann ein Lied davon singen, denn mir ging es früher nicht anders. Die geradezu explodierende Futtermittelindustrie mit tausenden Versprechungen macht es uns nicht einfacher. 

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Was ist richtig? Was Falsch?

Der eine sagt so, der andere sagt so:

  • Aber was ist eigentlich richtig oder falsch? 
  • Gibt es überhaupt ein richtig oder falsch? 
  • Was benötigt dein Pferd wirklich, um gesund zu bleiben und womit schaden wir ihm eher?

Als unabhängige Pferdeernährungsberaterin mit 25 Jahren Pferdeerfahrung, davon 14 Jahre Tätigkeit in der Pferdehaltung, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht für dich Klarheit in das Pferdefütterungschaos zu bringen. Dabei zählen für mich Fakten – keine Behauptungen. 

Die 5 größten Irrtümer

Deswegen nenne ich dir jetzt die 5 größten Irrtümer in der Pferdefütterung, die mir immer wieder begegnen, und beschreibe dir was wirklich dahintersteckt und warum es sich bei diesen Punkten um Irrtümer handelt. Denn nur, wenn du das WARUM kennst, kannst du besser verstehen, wie du dein Pferd wirklich artgerecht füttern kannst. 

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Irrtum Nummer 1: Pferde sind Steppentiere und benötigen deshalb viel Weidegang! 

So einfach ist es nicht! 

  1. Unsere deutschen Kuhgrasweiden haben mit der Steppe wenig gemeinsam 
  2. Dass Pferde Steppentiere sind stimmt nur zum Teil.

Pferde kommen aus ganz unterschiedlichen Regionen dieser Welt und keineswegs nur aus der Steppe. Das ursprüngliche Urpferdchen war einst ein Waldbewohner und Laubfresser. Im Laufe der Evolution entwickelte es sich zum Wildpony und lebte in Tundren oder Steppen. Ihre gute Futterverwertung und ihre Eigenschaft Fett zu speichern sorgten bis vor etwa 1000 Jahren für ihr Überleben in kargen Gegenden. Dieses robuste Wildpony von damals war ein Pferd mit einem Stockmaß von 120 bis 130 cm. 

Diese fettspeichernden Eigenschaften finden wir in einigen Robustpferderassen heute immer noch. 

Aber unsere modernen Zuchtpferde haben damit nicht mehr viel zu tun und einen ganz anderen Bedarf. 

Du siehst also, dass verschiedene Pferdetypen aus den damaligen Wildponys mit unterschiedlichen Bedürfnissen entstanden sind, die einen unterschiedlichen Speiseplan brauchen.  

Wenn du eine artgerechte Haltung und bedarfsgerecht angepasste Fütterung möchtest, ist es wichtig über die verschiedene Pferdetypen Bescheid zu wissen. 

  • Ein Pony beispielsweise muss anders versorgt und ernährt werden als ein Warmblut
  • Das stellt heutzutage auch die größte Problematik von der oft kunterbunt gemischten Gruppenhaltung dar
  • Die Unterscheidung in die einzelnen Pferdetypen ist für die Gesunderhaltung des Pferdes aber ein sehr wichtiger Faktor

Wenn du ganz grob unterscheiden willst, kannst du in Nord- und Südpferde unterschieden: 

  1. Nordpferde sind leichtfuttrige fettspeichernde Rassen, die vor allem in kargen Gegenden zu Hause sind und deswegen auch mit kargem Futter gut überleben konnten. 
  2. Südpferde sind schwerfuttrige Pferde, wozu vor allem unsere gezüchteten Warmblüter und Vollblüter, aber auch besonders mächtige Kaltblüter, wie zum Beispiel ein Shire oder Pecheron gehören. 

Das Problem: Auch der Araber oder ein Spanier sind sehr leichtfuttrige Pferde und sind somit rein von der Futtrigkeit der Typ „Nordpferd“ – auch wenn sie nicht aus dem Norden kommen. 

Diese einfache Trennung ist sehr uneindeutig und mit unserer Zucht haben wir in den letzten Jahrzehnten nahezu jede Pferderasse durch Veredelungen vermischt. Haltung und Fütterung wird bei Kreuzungen aus unterschiedlichen Pferdetypen deswegen umso komplizierter. 

Bei Dr. Christina Fritz habe ich zum ersten Mal von vier Grundtypen gehört.

Sie unterscheidet die Typen: 

  1. Das Urpony
  2. Das Ur-Tundrenpony
  3. Das Ursteppenpferd 
  4. Der Ur-Araber

Tatsächlich ergibt sich daraus ein klareres Verständnis für die individuelle und gesunderhaltende Fütterung eines Pferdes. Denn auch wenn wir es im Grunde durch die Zucht fast nur noch mit Mischtypen zu tun haben funktioniert für die meisten Pferderassen immer noch das evolutionäre Programm seines Grundtyps. 

FAKT: Die gesunde und bedarfsgerechte Ernährung hängt also von dem Grundtyp des Pferdes ab und sollte immer der grundlegendste Ausgangspunkt für die optimale Haltung und Fütterung des individuellen Pferdes sein. 

Während das Steppenpferd eher im Winter grüne Vegetationsperioden und somit nahrhafteres Grün vorfindet, müssen Ponys aus kargen, kalten Gegenden im Winter mit den verholzten übrig gebliebenen Gräsern auskommen können. 

Der Araber dagegen hat in der Wüste noch schwierigere Bedingungen und findet nur phasenweise in Flusstälern oder Oasen eine saftig grüne Vegetation vor. 

So kommt es, dass unterschiedliche Pferdetypen einen unterschiedlichen Nährstoffbedarf und Rhythmen haben. Die zur Verfügung stehende Nahrung läuft egal in welcher Gegend für die Pferdetypen immer in Phasen ab. Wir dagegen füttern unsere Pferde oft das ganze Jahr gleich. 

Alle gemeinsam haben sie aber, dass Pflanzen ihre wichtigste Energiequelle sind. 

Ein Pferd hat einen hohen Bedarf an Raufaser der auf saftig grünen Weiden oft nicht ausreichend gedeckt wird. Daraus entstehen Überversorgung auf der einen und Mangelernährung auf der anderen Seite mit all ihren gesundheitlichen Folgen. Das ist leider Alltag in deutschen Pferdeställen. Unsere deutsche Vegetationsperiode mit fetten Kuhgräsern ist für keinen Pferdetyp wirklich artgerecht. Ein auf den Pferdetyp angepasstes Fütterungsmanagement ist also unerlässlich. 

Unterschiede im Speiseplan der 4 Pferdetypen

  • Das Urpony und Ur-Tundrenpony sind beides gute Futterverwerter und Energiesparer, die sich von allein wenig bewegen. Beide Typen sollten kräuterreiches und somit mineralstoffreiches, dabei aber energiearmes und überständiges Heu zu fressen bekommen. Außerdem bieten Zweige und Blätter eine kalorienarme Ergänzung und Beschäftigung. Mineralstoff- und Spurenelemente müssen über zum Grundfutter passende Mineralfutter ergänzt werden da der Bedarf sehr hoch ist. Stroh bzw. ein erhöhter Ligningehalt wird von diesen Rassen nicht gut vertragen. Vor allem für den Urponytyp ist es normal über die Sommermonate Fettreserven anzufressen, die es im Winter dann aber auch verbrauchen muss.
  • Das Ur-Steppenpferd und der Ur-Araber sind dagegen schwerfuttrige Pferde mit hohem Laufbedürfnis, benötigen aber karges Raufutter und Körner. Beide benötigen dadurch längere Fress- und Kauzeiten.

Der Speiseplan unterscheidet sich aber trotzdem noch einmal:

  • Beim Ur-Steppenpferd sollte das Grundfutter aus magerem Heu und viel Stroh bestehen. Dazu leistungsangepasste Krippenfutter mit eiweiß- und ölhaltigen Samen. Ur-Steppenpferde haben einen erhöhten Bedarf an Lignin der mit Stroh gedeckt werden sollte. Das Ur-Steppenpferd hat aber einen geringeren Mineralstoffbedarf, der über gutes Heu bereits ausreichend gedeckt sein kann. Spurenelemente müssen gegebenfalls ergänzt werden. Zweige zum Knabbern bieten eine willkommene Abwechslung. Vor allem Spanier sind dadurch am besten in einem Paddock Trail aufgehoben aber nicht auf der grünen Wiese. Unsere Warm- und Vollblutrassen betrifft das ebenso; sie kompensieren Fütterungsfehler einfach nur viel länger weshalb bei ihnen seltener Probleme auftreten, wenn sie auf einer grünen Wiese stehen.  
  • Der optimale Speiseplan des Ur-Arabers besteht aus einem wechselnden Futterangebot: Wir erinnern uns, dass er nur in Oasen und Flusstälern üppiges Grün vorfand. Er sollte also nur phasenweise üppiges Weidegras zur Verfügung gestellt bekommen und ansonsten mageres Heu und Stroh. Zwischendurch Karotten, Äpfel und Getreide. Auch nährstoffreiches, feineres Heu wird phasenweise gut vertragen muss aber mit Stroh und Ästen als Holzquelle ergänzt werden. Auch er ist in Paddock Trail Haltung am besten aufgehoben.

Irrtum Nummer 2: Ad Libitum Fütterung ist das Beste fürs Pferd!

Ich stelle mal eine Frage in den Raum, die du dir durch den Kopf gehen lassen kannst:

Sind unsere Pferde denn gesünder geworden, seit der Trend immer mehr zur Ad Libitum Fütterung geht? 

In den 90ern hatten die Pferde jedenfalls noch nicht so viel mit Wohlstandskrankheiten zu tun wie heute. Das alles steigerte sich seit Anfang der 2000er mehr und mehr. 

  • Zum einen sind unsere deutschen Wiesen durch die Milchindustrie über die Jahre immer gehaltvoller geworden. 
  • Auf der anderen Seite wird mehr und mehr gefüttert. Ein Problem, dass man neben der Angst vor zu langen Fresspausen nicht völlig ignorieren kann. 

Ein gutes Fütterungsmanagement auf den Pferdetypen angepasst ist ein entscheidender Faktor. 

Keine Variante ist also an sich besser oder schlechter!

Gute Fütterung ist bedarfsgerecht

Die beste Fütterung ist die Fütterung, die für das Pferd alle Nährstoffe, die es benötigt in ausreichender Menge bereitstellt. 

Wir haben sehr gehaltvolle Wiesen und somit auch eher gehaltvolles Heu von diesen Wiesen. Es ist nachgewiesen, dass ein Pferd sogar locker das doppelte seines Bedarfs fressen kann, wenn wir es zur freien Verfügung lassen. In freier Wildbahn irgendwo in einer kargen Gegend war das auch durchaus nötig und musste viel mehr gefressen werden, um überhaupt auf den Tagesbedarf zu kommen. In unseren Breitengraden funktioniert das nicht immer so einfach. 

Für einige Pferdetypen ist es keineswegs natürlich immer ein volles und satt grünes Futterangebot zur Verfügung zu haben. Egal aus welcher Region das Pferd ursprünglich kommt. Es gab immer auch schlechte Vegetationsperioden, in denen das Pferd von seinen Reserven zehren musste. Das ist natürlich für den Stoffwechsel und deswegen vollkommen in Ordnung. 

Bei uns dagegen gehen die Pferde genauso dick aus dem Winter wie sie reingegangen sind. Eine unnatürliche Belastung für den Stoffwechsel. Bei Pferden, die über den Winter sogar zunehmen erhöht sich die Hufrehegefahr im nächsten Frühjahr dramatisch. Zur Fütterung gehört also mehr als 24 Stunden Heu zur Verfügung zu stellen. Es gehört auch eine Menge gutes und durchdachtes Management dazu. 

Ein weiteres Problem der Ad Libitum Fütterung ist die Futterqualität. Klar sollte vor allem das Heu als Grundfutter Nummer 1 immer von bester Qualität sein. Die Realität zeigt aber, dass dies ein sehr schwieriges Thema in der Pferdewelt ist und auch nicht immer umsetzbar. Heu bringt grundsätzlich gewisse Schadkeime mit. Die Qualität ist außerdem von Umwelteinflüssen abhängig, die wir nicht immer beeinflussen können. 

Durch die heutzutage erhöhte Heufütterung (in vielen Ställen hat sie sich fast verdoppelt) steigt auch die Menge der Schimmelpilze, Hefen und Bakterien, die von den Pferden aufgenommen werden. 

Heu ist oft kontaminiert durch schlechte Lagerung oder Verarbeitung. Viele Verpilzungen und Verkeimungen sehen wir mit dem bloßen Auge überhaupt nicht. So kommt es häufig vor, dass durch eine gut gemeinte, großzügige Heufütterung Leberprobleme, Kotwasser und Atemwegserkrankungen ausgelöst werden. 

Je mehr wir den täglichen Bedarf an Trockensubstanz durch hohe Heumengen übersteigen desto mehr steigt auch der Spurenelementbedarf.

Ein Übermaß an Trockensubstanz hemmt die Verwertbarkeit von Spurenelementen. Hohe Heumengen führen häufig zu Kalziumüberversorgung, was die Aufnahme anderer wichtiger Mineralstoffe hemmt. 

Sehr viele Pferde sind mit Mineralien- und Spurenelementen oft sowieso schon mangelernährt. Die Mangelsituation eines eh schon unterversorgten Pferdes wird durch erhöhte Raufuttergabe über seinen Bedarf hinaus also noch weiter verschärft. 

Es ist also wichtig den Bedarf deines Pferdes zu kennen um diesen angepasst decken zu können. Dabei zählt nicht nur der Futterzustand des Pferdes, sondern auch, dass es alle Nährstoffe bekommt, die es benötigt. Überversorgung sollte auf Dauer genauso vermieden werden wie Unterversorgung. Unabhängige Futterberater sind an dieser Stelle ziemlich sicher die richtigen Ansprechpartner für dich.

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Irrtum Nummer 3: Bloß keine Fresspausen!

Das Pferd ist ein Dauerfresser, daran besteht kein Zweifel. Nichtsdestotrotz wird dieses Thema oft missverstanden. In Bezug auf die Fresspausen beobachte ich eine immer größer werdende Hysterie. Dabei stelle ich fest, dass die eigentlichen Probleme häufig ganz wo anders sitzen. 

Die Angst vor eventuellen Magengeschwüren wegen zu langer Fresspausen ist groß. Das führt dazu, dass Leute ihre Pferde am besten 24 Stunden mit Heu vollstopfen. Dazu Weidegang und Stroh. Ein bisschen was als Ergänzung in den Futtertrog kommt natürlich auch noch dazu. 

Tatsächlich leiden viele Pferde aber viel häufiger eher unter einer Magenüberladung und daraus resultierenden Problemen, als an den Fresspausen. Pferde werden überfüttert und dick. Dicke Pferde bekommen Stoffwechselprobleme und Wohlstandskrankheiten. Die Folgen dieser Wohlstandskrankheiten sind häufig um ein Vielfaches fataler als ein Magengeschwür. 

Versteh mich nicht falsch: Ein Magengeschwür ist eine schmerzhafte Sache und dazu wollen wir es natürlich auch nicht kommen lassen. Trotzdem ist ein Magengeschwür im schlimmsten Fall leichter zu behandeln als eine Hufrehe oder eine andere langwierige Stoffwechselerkrankung, die das Pferd den Rest seines Lebens nicht mehr loswerden wird. 

Die Angst vor diesen Folgen und Krankheiten sollte eigentlich eine viel Größere sein! 

Die Wahrheit ist: Übergewicht birgt viel mehr Risiken fürs Pferd als Untergewicht. 

Für Magengeschwüre gibt es zudem auch noch andere Ursachen wie zum Beispiel falsches Fütterungsmanagement oder Stress. 

Vor allem der Stress wird viel zu häufig übersehen. Es gibt zu viele schlecht zusammengestellte Gruppenhaltungen. 

Die Lösung für eine unharmonische Herde, kann nicht sein, dass wir die Pferde einfach mit 24 Stunden Heu im Überfluss vollstopfen und sie mit Fressen ablenken. 

Viele unserer Pferde sind schlicht und ergreifend durch unser sehr gehaltvolles eiweiß- und zuckerreiches Futterangebot zur Fresssucht erzogen: 

  • Der Stoffwechsel hat mit der ständigen Zuckerflut zu kämpfen
  • die natürliche Fressbremse und das Sättigungsgefühl des Pferdes verschwinden immer mehr
  • Eine katastrophale Situation, die sich nicht durch noch mehr Heu lösen lässt und sich nur immer mehr aufschaukeln wird

Oft sind die überfütterten Pferde gleichzeitig in der Regel mit Mineralstoffen- und Spurenelementen unterversorgt. Der Überfluss treibt sie nur noch weiter in den Mangel und das Problem wird immer größer. Denn überschüssige Mineralstoffe auf der einen Seite rauben Spurenelemente und Mineralien auf der anderen Seite. Ein ausgewogenes Verhältnis ist wichtig! 

Der Stoffwechsel kompensiert bis er schließlich entgleist. Das Problem ist also nicht die zu lange Fresspause, sondern ein schlechter Fütterungs- Haltungs- Bewegungsrahmen der optimiert gehört. 

Ein bedarfsgerecht und ausgewogen mineralisiertes Pferd kommt mit Fresspausen bis zu 5 Stunden durchaus sehr gut zurecht. 

Pferd grast Weide

Irrtum Nummer 4: Mein Pferd steht im Offenstall – es kann sich von allein bewegen und hat alles was es braucht

Fütterung, Haltung und Bewegung sind für eine optimale Gesunderhaltung des Pferdes untrennbar. 

Gerade die leichtfuttrigen Robustpferderassen, müssen noch dringender bewegt werden. Nordpferde die ursprünglich aus kalten, kargen Gegenden kommen sind Energiesparer. Dieses Verhalten war überlebensnotwendig. Sie bewegen sich auch in Offenstallhaltung nicht mehr als notwendig. Und leider ist es für das domestizierte Pferd oft nicht wirklich notwendig sich zu bewegen. 

In Freiheit mussten sie sich mehr bewegen, um genug Futter zu finden. Bei uns müssen sich die Pferde auch dafür nicht mehr groß vom Fleck bewegen. Leider herrscht gerade bei Freizeitreitern, die häufig Robustpferderassen im Offenstall halten, der Irrglaube, sie müssten nicht dringend bewegt werden. Das Pferd kann sich schließlich im Offenstall frei bewegen.

Ein Irrtum, den langfristig leider viele Pferde mit ihrer Gesundheit bezahlen müssen:

  • Die Pferde müssen sich in unserer Obhut nicht nur für Futter nicht mehr bewegen, sondern sie müssen auch nicht mehr flüchten, weil es keine natürlichen Feinde gibt. 
  • Sie wurden zusätzlich durch die Zucht immer mehr auf Leistung gezüchtet. Wir Menschen haben zum Teil zähe, genügsame und robuste Arbeitstiere aus den Pferden gemacht. 
  • Pferde haben einen großen Teil zur menschlichen Entwicklungsgeschichte beigetragen. Heute halten wir Pferde nur noch zum Freizeitvergnügen. Wir können diese Arbeitstiere aber nun nicht einfach Beiseite stellen, sie nur ab und an rausholen für eine gemütliche Runde und davon ausgehen, dass sie sich im Offenstall schon freiwillig genug bewegen. 

Das ist ein Problem, unter dem heute vor allem die Nordpferderassen zu leiden haben und deshalb trage ich das Thema Bewegung auch mit etwas Nachdruck nach draußen. Denn es gibt einfach viel zu viele Pferde mit Wohlstandskrankheiten da draußen.

Bewegung hält den Stoffwechsel aktiv und das Pferd gesund: Nicht nur Kraft und Kondition müssen trainiert werden. Auch der Stoffwechsel! 

Er kommt durch Bewegung in Schwung, kann so Nährstoffe besser verwerten und Abfallstoffe schneller aus dem Körper schleusen. Ein träger Stoffwechsel kann das nicht so gut leisten.

Ein Pferd das regelmäßig bewegt wird und auch mal schwitzt leitet Schadstoffe viel leichter aus dem Körper aus. Tatsächlich kann regelmäßige Bewegung und Schwitzen sogar eine nicht optimale Futterqualität besser kompensieren. Es ist ein natürlicher Entgiftungsprozess.

Leider führt der immer größer werdende Wunsch nach Harmonie mit dem Pferd dazu, dass sie noch weniger bewegt geschweige denn gearbeitet werden. 

Die Folge: Pferde stehen sich regelrecht kaputt, die Stoffwechsel sind träge und die Wohlstandskrankheiten gut verbreitet. 

Tatsächlich lässt sich der Stoffwechsel durch Bewegung sogar viel mehr beeinflussen als durch die Fütterung. Sinnvolle und vor allem ausreichende Bewegung hat einen positiven Einfluss auf viele Stoffwechselvorgänge im Körper. 

Schon eine halbe Stunde Trab am Tag kann eine Insulinresistenz, die häufig für Stoffwechselprobleme verantwortlich ist, innerhalb einer Woche deutlich reduzieren. Kein Futter der Welt könnte das erreichen. Deshalb sind Fütterung, Haltung und Bewegung untrennbar für ein ganzheitlich gesundes Pferd und spielen beim Thema Pferdefütterung alle eine gleichgroße Rolle. 

Irrtum Nummer 5: Zusatzfutter füttern ist sinnlos – Wildpferde haben auch ohne Mineralfutter überlebt

In der freien Wildbahn konnte sich das Pferd auf viel größerem Raum alles zusammensuchen, was es benötigte. Heute leben unsere Pferde aber sehr begrenzt und werden mit Gras von einseitig bewachsenen Flächen gefüttert.

Das Füttern nur mit Heu ist sowieso eine sehr einseitige Pferdeernährung. Pferde benötigen auch der Jahreszeit entsprechend wachsende Wildkräuter, Hölzer, Rinde, Zweige und Blätter. Je nach Vegetationsphase oder Jahreszeit hatten sie in ihrem natürlichen Lebensraum eher nährstoffreiches, weicheres Grün zur Verfügung oder holzige, überständige Gräser, Büsche und Wurzeln. Erinnere dich an Irrtum 1 mit den unterschiedlichen Pferdetypen und ihren unterschiedlichen Bedürfnissen. 

  • Dazu kommt, dass die Böden immer mehr ausgelaugt sind. Das ist in Bezug auf Pferde nicht anders als beim Menschen und schon lange kein Geheimnis mehr. 
  • Unsere Wiesen sind durch die Milchindustrie ausgebeutet und durch Turbogräser lediglich gehaltvoller geworden.
  • Die Gräser haben jede Menge Energie, Protein und Zucker aber leider oft sehr wenige Mineralien und Spurenelemente. 
  • Schwefel, Selen, Jod, Zink, Kupfer und Mangan beispielsweise suchen wir häufig vergeblich oder sind nur noch in kleinsten Mengen vorhanden. 
  • Gerade diese Mineralien sind aber für eine ganze Reihe unserer Wohlstandskrankheiten mit verantwortlich mit denen wir heute zu kämpfen haben.

Eine zielgenaue Mineralstoffergänzung ist also unausweichlich, wenn das Pferd lange gesund bleiben soll! Auch die bereits erwähnte, oft schlechte Heuqualität hat Einfluss darauf. 

Das Blutbild alleine reicht nicht beim Pferd

Auch wenn das Blutbild noch in Ordnung ist, ist das kein Beweis dafür, dass alles richtig läuft. 

Die wenigsten Mängel können über ein Blutbild gleich erkannt werden.

Ein Blutbild ist eine Momentaufnahme des einen Moments, in dem das Blut genommen wird. Der Körper muss aber auch eine eventuelle Fehlernährung kompensieren, um die Prozesse am Laufen zu halten. Das kann er eine ganze Weile. Manchmal sogar erstaunlich lange. Das ist Überlebensstrategie eines jeden Körpers.

Solange der Körper gut kompensiert, wird das Blut normal aussehen. Denn er kompensiert ja. Erst wenn er das nicht mehr kann wird sich auch im Blut etwas zeigen. Soweit sollten wir es aber nicht kommen lassen. Ein Blutbild zeigt also an wie es in diesem Moment um unser Pferd steht. Es zeigt uns aber nicht an, wenn bereits eine Mangelernährung stattfindet, die böse Folgen haben kann.

Es ist also ein großer Trugschluss anhand eines Blutbildes, dass in Ordnung ist, automatisch zu schlussfolgern, dass die Fütterung es auch ist! Wir wollen doch dafür sorgen, dass unser Pferd gesund bleibt. Dies geht aber nur mit Kontrolle darüber ob die Bedarfswerte des individuellen Pferdes mit unserer Fütterung alle gedeckt sind.

Wettrennen zum Gras

Krank durch falsche Ernährung – Pferdefütterung

Es gibt heute so viele Pferde mit diffusen und unspezifischen Krankheitsbildern. Und wenn wir ein Blutbild machen, dann ja meistens, wenn das Pferd bereits Symptome hat: 

  • Hautpilze
  • Ekzeme 
  • Mauke
  • Allergien
  • Juckreiz
  • brüchige Hufe
  • Kotwasser
  • Husten und vieles mehr

Da kommt dann der Tierarzt und lässt mal hier eine Spritze und da eine Salbe oder ein Pülverchen da. Wir recherchieren uns die Finger wund nach Hausmittelchen und Erfahrungsberichten, um die Symptome des Pferdes irgendwie zu erklären und zu lindern.

Aber nichts anderes ist das alles oft: Es ist Symptombehandlung und keine Ursachenbekämpfung!

Fängt man bei solchen Pferden genauer an die Fütterung zu durchleuchten, sieht man oft sehr schnell wo hier die eigentlichen Ursachen sind. Das ist ein entscheidendes Puzzleteil, das oft vergessen wird. 

Der Körper ist in der Lage Fehlernährung lange zu kompensieren nur irgendwann kann er nicht mehr und Krankheitsbilder treten in Erscheinung. So kommt es auch, dass viele Pferde zum Beispiel erst mit 10 Jahren oder älter plötzlich zum Ekzemer werden oder Hufrehe bekommen. Weil der Körper vorher eben noch kompensieren konnte und das Fass nun aber überläuft.

Zufüttern ist also keineswegs sinnlos insofern man den individuellen Bedarf des Pferdes kennt und gezielt Nährstofflücken entlarvt und deckt. Sinnlos ist es, wenn wir nur auf Verdacht irgendwelche Mittelchen füttern, die im Besten Fall eben nichts helfen – im schlimmsten Fall aber sogar Schaden anrichten, weil wir unbewusst irgendwelche Mineralien überversorgen. Denn Überversorgung ist am Ende genauso schädlich wie Unterversorgung. 

Fazit zu gesunder Pferdefütterung

Fütterung ist ein komplexes Thema und die individuelle Fütterung eines Pferdes ist immer von den eigenen individuellen Rahmenbedingungen abhängig. Um die Fütterung wirklich individuell aufs Pferd anpassen zu können müssen auch immer alle individuellen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. 

Es gibt nicht DIE schlechte Haltung oder DIE schlechte Fütterung.

Es gibt nur ein schlechtes Management des individuellen Fütterungs-Haltungs-Bewegungsrahmens! Egal welche Haltungsform. Optimieren geht immer.  

Gesund füttern kann man lernen wie jeden anderen Pferdebereich auch. Dazu kannst du dich über Bücher, Fachartikel und andere Plattformen schlau machen, um den individuell besten Weg für dein Pferd zu finden. Und wenn du gar nicht weiterkommst oder individuelle Beratung brauchst, lohnt es sich auch in einen unabhängigen Futterberater zu investieren. Wir müssen schließlich nicht alles selbst können. Für andere Pferdebereiche ziehen wir ja auch spezialisierte Fachkräfte zu Rate. 

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3 Kommentare zu “Die 5 größten Irrtümer der Pferdefütterung

  1. TF sagt:

    Hallo, sehr interessanter Artikel und schön, dass noch etwas mehr erläutert wird als rein die 5 Irrtümer aufzuzählen. Leider fehlen mir trotzdem noch einige Informationen. Zum Beispiel wie ich einordnen kann, welcher Pferdtyp mein Pferd nun eigentlich ist oder wie ich einen Mangel in der Ernährung feststellen kann, wenn nicht durch ein Blutbild oder das abwarten bis das Fass übergelufen ist.
    Interessanter Artikel, jedoch meiner Meinung nach noch nicht vollständig, wenn solche Punkte angesprochen werden und breit darüber berichtet wird, dann bitte so vollständig, dass ich daraus tatsächlich etwas mitnehmen kann.
    LG

  2. AP sagt:

    Hallo, mir fehlt dasselbe, wie TF bereits schrieb: Wie kann ich nun mein Pferd (Noriker, 800 kg) in einen der 4 Typen eingliedern?
    Danke und vG

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