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Kotwasser

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Der ganze Artikel für dich auf einen Blick

K wie Kotwasser
Kotwasser beim Pferd – was ist das genau?

Kein Pferdemensch sieht das gern: Das Pferd hebt den Schweif und ein schlammbraunes Rinnsal läuft an seinen Beinen herab. Dieses Kotwasser ist kein Durchfall – die Äppel bleiben rund und fest. Es ist einfach zusätzliche Flüssigkeit im Pferdedarm, die dort nicht hingehört. Die Darmbewegung drückt die Flüssigkeit nach außen – wenn das Pferd Gas ablässt, äppelt, manchmal aber auch einfach so. Im Worst Case spritzt das Pferd sogar einen dicken Strahl.

Nun ist Flüssigkeit im Darm des Pferdes an sich normal. Sie gehört zum Wasserhaushalt – der Darm nimmt sie auf oder gibt sie wieder ab. Im Dickdarm werden zum Beispiel Strukturkohlenhydrate von Mikroorganismen für die Verdauung aufgeschlüsselt, Nährstoffe und eben das Wasser aus dem Nahrungsbrei entzogen. Ist die Verdauung gestört, gelingt das nicht mehr und der Darm kann überschüssige Wasser nicht mehr aufnehmen. Es tritt dann als Kotwasser aus.

Kotwasser ist an sich keine Krankheit, auch wenn es eine moderne Zivilisationskrankheit zu sein scheint. Aber es weist auf unterschwellige Probleme im Pferdekörper hin. Außerdem unangenehm: Die ständige Feuchtigkeit reizt die Haut an den Innenseiten der Hinterbeine.

Pferdekot
(c) Vershinin von Getty Images via Canva Pro

Kotwasser: Welche Pferde sind betroffen?

Pferde allen Alters und jeder Rasse können unter Kotwasser leiden. Manchmal wird berichtet, dass Robustrassen öfter betroffen sind.

Die Ursachen für Kotwasser beim Pferd

Kotwasser beim Pferd hat oft nicht nur eine Ursache – und die Gründe, die dahinter stecken, können vielschichtig sein. Deswegen musst du auf Spurensuche gehen – schaue dir die Ernährung deines Pferdes an, seine Haltung und seine Gesundheit allgemein. Die Liste ist lang!

Im Prinzip kann alles, was das Verdauungssystem des Pferdes stört, ein Auslöser für Kotwasser sein. Manchmal verschwindet es nach einer kurzen Phase von allein, manche Pferde haben es permanent.

Die Haltung

Stress. Ein Hauptauslöser für Kotwasser kann Stress sein. Hier kannst du beobachten, wie sich dein Pferd im Alltag verhält und dafür sorgen, dass es sich so wohl wie möglich fühlt. Das bedeutet eine gute Haltung mit genug Platz, einer harmonischen Herde und der Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Aber auch ein passendes Trainingsprogramm – ohne Überforderung oder Langeweile – sowie gutes Futter gehören dazu. Stress wirkt sich auf die Verdauung aus und kann damit Kotwasser verursachen.

Bewegungsmangel. Ein weiterer Faktor, den du bei der Ursachenforschung berücksichtigen sollest, ist die Haltung deines Pferdes. Zentral ist dabei die Frage: Hat es genug Bewegung? Trainierst du es oder hat es die Gelegenheit mit Kumpels zu spielen oder frei über die Koppel zu ziehen? In der Darmwand wird nämlich Flüssigkeit gespeichert – bewegt sich dein Pferd nicht genug, kann es in den Darm abgegeben werden und als Kotwasser nach außen treten. 

 

Carey galoppiert über eine Schneewiese

Die Ernährung

Futterumstellung. Der Verdauungstrakt der Pferde ist durchaus empfindlich und verkraftet plötzliche Umstellungen nur schwer. Gerade die Umstellung von Nassfutter (Gras) auf Heu im Herbst, wenn die Koppelsaison zu Ende geht und die Pferde aufgestallt werden, geht oft mit Kotwasser einher. Denn die Darmflora muss sich anpassen, was mehrere Wochen dauern kann. Der Darm kann dann noch nicht das gesamte Wasser im Verdauungsprozess wieder aufnehmen und es kommt zu Kotwasser. Weitere Futterwechsel, die den Darm ins Ungleichgewicht bringen können, sind Umstellungen von abgefressenen Weiden auf fette Weiden oder solche mit hohem Gras sowie das phasenweise Rein- und Rausstellen wegen schlechten Wetters, auf das sich der Organismus des Pferdes wegen seiner Unregelmäßigkeit nicht einstellen kann. Ständig wechselndes Kraftfutter – sowohl in der Menge als auch der Zusammensetzung – stellt ebenfalls einen Stressor dar.

Futterzusammensetzung. Die Verdauung des Pferdes ist auf die Verstoffwechselung von Zellulose ausgelegt. Im Dickdarm wird das Raufutter verdaut und dem Futterbrei das Wasser entzogen. Er hat ein neutrales Milieu: einen pH-Wert zwischen 6,8 und 7,2. Auf große Mengen von Kohlenhydraten bzw. Zucker ist das Pferd nicht ausgerichtet – nehmen Stärke und Zucker oder Eiweiß einen zu großen Anteil der Nahrung des Pferdes ein, kann das die Verdauung in Schwierigkeiten bringen und Kotwasser auslösen. Das Problem dabei: Der pH-Wert im Dickdarm sinkt und ein saures Milieu entsteht, Milchsäurebakterien siedeln sich an und die Darmsymbionten sterben ab. Die Darmschleimhaut wird gereizt und Krankheiten können entstehen. Zu viel Müsli, zu viel Kraftfutter, schwer verdauliches Futter wie Gerste oder nicht aufgeschlossener Mais, sowie Pektine aus Apfeltrester, Rübenschnitzeln und Möhren können die Darmflora verschieben.

 Futterqualität. Pilze, Schimmel und Bakterien im Grundfutter bringen den Darm ebenfalls aus dem Gleichgewicht. Heu kann betroffen sein, noch häufiger Heulage. Heulage wird aus jungem Gras hergestellt, mit einem Restfeuchtegehalt zwischen 40 und 50 Prozent (bei Silage: 55 bis 65 Prozent) geerntet, gepresst und luftdicht verpackt. Es setzt ein Gärungsprozess ein, der es haltbar macht – damit ist Heulage aber ein saures Futter. Durch Fehlgärung können fäulniserregende Keime, Säuren, Hefen und Schimmelpilze entstehen – und sogenannte biogene Amine. Diese können Kotwasser auslösen. Aber auch unbelastete saure Futtermittel tragen die Milchsäurebakterien in das Verdauungssystem des Pferdes, wo sie nicht hingehören, und machen den Darm sauer – mit den bekannten Konsequenzen.

Rationiertes Futter. Damit Pferde wie es ihrer Natur entspricht mit wenig Fresspausen gehalten werden und nicht zu viel Futter auf einmal fressen können, setzen viele Ställe Heunetze oder Futterautomaten ein. Das kann allerdings zu Stress bei der Nahrungsaufnahme führen, da Pferde genau wissen, wie viel Zeit sie zum Fressen haben und entsprechend in kurzer Zeit mehr fressen. Zu enge Heunetze beeinträchtigen den Kauprozess und entsprechen oft nicht der natürlichen Haltung – Kopf am Boden. Daraus und aus zu langen Fresspausen können Verdauungsprobleme – und Kotwasser – resultieren. 

Trinkwasser. Eigentlich selbstverständlich – aber auch an der Trinkwasserqualität kann es hängen. Nitrate, Schwermetalle und Fäulnisbakterien im Wasser können der Verdauung des Pferdes zusetzen. 

Raufutter und Kraftfutter. Pferde brauchen genug Raufutter – ihr Verdauungstrakt ist vor allem auf dessen Zersetzung und Verstoffwechselung ausgerichtet. Da Pferde dauerhaft Magensäure produzieren, muss immer etwas Futter da sein, damit die Säure die Magenschleimhaut nicht angreift. Einer Studie zufolge ist es optimal, wenn Raufutter durch Kraftfutter ergänzt wird, weil überschüssiges Wasser im Darm so besser aufgenommen werden soll. 

Mangelerscheinungen und Nährstoffüberversorgung. Kotwasser kann entstehen, wenn der Nährstoffbedarf des Pferdes entweder auf Dauer nicht gedeckt wird oder wenn es zu viel davon bekommt. Denn auch eine Überdosierung ist angesichts der oft konzentrierten Präparate an Mineralfuttern und Zusatzfuttern schnell möglich. Mängel kommen mit einer Vielzahl von weiteren Symptomen: stumpfes Fell, schlechtes Hornwachstum, aber auch Probleme mit der Haut, dem Fell oder in der Bewegung. 

Sand. Frisst dein Pferd Sand (mit)? Wenn ja, kann auch das eine Ursache von Kotwasser sein. Das passiert zum Beispiel aus Langeweile, weil es am Heu fehlt oder weil das Heu direkt vom sandigen Boden gefressen wird. Du kannst hier den Dingen schnell auf den Grund gehen, indem du Pferdeäppel in Wasser auflöst und schaust, wie viel Sand sich auf dem Boden absetzt. Sand kann auch gefährliche Koliken auslösen.

Giftpflanzen. Auch Giftpflanzen können am Kotwasser schuld sein. Schau deswegen die Weide und das Heu genau an.

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Von feinen Kräutern über getreide- und zuckerfreie Leckerli bis zu hochwertigen Samen und Ölen

Mögliche Krankheiten

Zahnprobleme. Das Symptom zeigt sich hinten, die Ursache vorn: Oft stellen sich Zahnprobleme als das Grundübel bei Kotwasser heraus. Kaut dein Pferd nicht richtig, hat es Haken oder Entzündungen im Maul, wird das Futter nicht genug zerkleinert und eingespeichelt. Damit kann der pH-Wert im Magen sinken, die Magenschleimhaut angegriffen werden – und Kotwasser entstehen. Wichtig ist, dass bei der Zahnbehandlung sowohl die Backenzähne, als auch die Vorderzähne bearbeitet und vor allem aufeinander eingestellt werden.

Parasiten. Manche Parasiten greifen den Darm des Wirts – also des Pferdes – an. Von den kleinen Strongyliden sind zum Beispiel Pferde unter sechs Jahren oft betroffen. Ein heftiger Wurmbefall kann Entzündungen auslösen und Magen und Darm schwer schädigen, die Folge davon kann auch Kotwasser sein. Manche Importpferde oder Pferde aus schlechter Haltung haben oft ihr Leben lang mit Kotwasser zu kämpfen, vielleicht liegt die Ursache in einem vorgeschädigten Verdauungstrakt.

Magen- und Darmprobleme. Magengeschwür, Gastritis, Kolik oder Blähungen: Pferde mit bekannten Problemen im Magen-Darm-Trakt sind leider ebenfalls Kandidaten für Kotwasser – schon bei einer leichten Reizung kann es auftreten, aber auch bei einer hochgradigen Entzündung. Weiter oben haben wir bereits erklärt, dass der Dickdarm ein neutrales Milieu benötigt, um richtig funktionieren zu können. In einem sauren Darm entstehen Entzündungen in der Darmschleimhaut und es kann sich das „Leaky Gut Syndrom“, entwickeln. Das saure Kotwasser dringt durch die entstehenden Löcher in die Schleimhaut ein und verstärkt das Problem.

Hormone. Auch hormonelle Störungen bei Stuten oder Hengsten bzw. Erkrankungen der Fortpflanzungsorgane können für Kotwasser verantwortlich sein. 

Medikamente. Bekommt oder bekam dein Pferd Medikamente und hat sich das auf sein Wohlbefinden und Verhalten ausgewirkt? Manche Präparate können den empfindlichen Verdauungstrakt stressen oder Kotwasser direkt auslösen.

Krankheiten der inneren Organe. Hat dein Pferd eine diagnostizierte Herzschwäche oder leidet es an Nieren- oder Leberproblemen? Auch hier können die Auslöser für Kotwasser zu finden sein. Eine Herzschwäche kann die Dickdarmwand beeinflussen, so dass freies Wasser im Darm nicht mehr im gewohnten Umfang absorbiert werden kann. Ist die Leber überlastet – zum Beispiel durch Medikamente – muss der Darm die Entgiftungsfunktion übernehmen, was ihn reizt. Auch eine schwache Niere sorgt für eine vermehrte Giftstoffbelastung des Darms. 

 

Die Behandlung von Kotwasser

Du siehst, Kotwasser ist ein ganz schöne weites Feld und kann diverse Auslöser haben. Die Behandlung richtet sich deswegen nach der Ursache – lass dich nicht entmutigen und gehe auf Spurensuche. Blind Zusatzmittel zu füttern, hilft in der Regel nicht weiter. 

Im Prinzip geht es jetzt darum, Haltung und Fütterung auf die Bedürfnisse deines Pferdes zuzuschneiden.

Da Pferde Individuen sind, musst du selbst herausfinden, was für euch am besten passt.

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15 hilfreiche Punkte, um Kotwasser zu vermeiden 

  1. Dein Pferd braucht hochwertiges Raufutter – ein Richtwert sagt 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Pferd. Ein Pferd mit 600 Kilo benötigt demnach mindestens 9 Kilogramm Heu. Es kann hilfreich sein, wenn dein Pferd einen Teil davon frei zur Verfügung hat – also ohne Netz. Außerdem sollte es das Heu in mehreren Portionen über den Tag erhalten. Vermeide Fresspausen – sie sollten nicht länger als drei bis vier Stunden am Stück sein. Stelle sicher, dass dein Pferd wirklich genug abbekommt – gerade rangniedrige Pferde ziehen hier oft den Kürzeren. 
  2. Das Raufutter braucht unbedingt eine gute Qualität – Schimmel, Staub und Sporen sind ein NoGo.
  3. Du kannst eine Heuanalyse durchführen lassen, wenn du Sicherheit über seine Qualität und die enthaltenen Nährstoffe gewinnen willst. Abhängig davon kannst du dann Zusatzfutter wie Kräuter, Heucobs oder Rübenschnitzel auswählen. 
  4. Eine solche Analyse bietet sich auch an, um das optimale Mineralfutter auszuwählen. So kannst du sicherstellen, dass dein Pferd weder über- noch unterversorgt wird. 
  5. Auch die Kraftfuttergabe muss bedarfsgerecht sein – idealerweise in kleinen Portionen.
  6. Vermeide saures Futter wie Heulage und zuckerhaltiges Futter wie Äpfel oder melassierte Müslis. Auch Strukturmüslis können sich negativ auf die Darmmotorik auswirken und unerwünschte Gärprozesse auslösen.
  7. Stroh als Pferdefutter ist nicht optimal.
  8. Dein Pferd braucht ausreichend frisches Trinkwasser zur dauerhaften Verfügung.
  9. Dein Pferd braucht Bewegung – also ein durchdachtes Training, aber auch Freilauf auf dem Paddock oder der Koppel.
  10. Steht dein Pferd auf der Weide, achte auf Giftpflanzen. 
  11. Halte die Futterplätze sauber und überprüfe dein Futtermanagement – kommt es zu langen Fresspausen? Kommt dein Pferd mit dem Futterautomaten oder dem Heunetz klar?
  12. Prüfe regelmäßig den Wurmstatus, zum Beispiel mit selektiver Entwurmung.
  13. Lasse die Zähne kontrollieren, inklusive der Schneidezähne.
  14. Reduziere den Stress – das bedeutet ein passendes Training, aber auch eine für dein Pferd passende Haltung. 
  15. Vermeide zu schnelle Umstellungen, sei es beim Futter oder bei anderen Routinen. Veränderungen brauchen Zeit, gehe sie Schritt für Schritt an.
NAdja MÜller - Isabell Tomcyk

Nadja Müller ist Pferdefrau und Journalistin – sie liebt es Pferdewissen mit klaren Worten zu erfassen und zu vermitteln. Sie hat selbst ein Pferd – liebevoll „die PN“ genannt-, und versorgt mit ihrem Horsemanship-Blog „Verstehe Pferde“ ihre Leser regelmäßig mit Ideen zu gutem Horsemanship, also dem Training und der Beziehung zum Pferd. 

Für die Pferdeflüsterei schreibt Nadja schon seit Jahren sach- und fachkundige Artikel zu Themen wie Pferderassen, Pferdewissen und Pferdekrankheiten.

Nadja Müller

Die Autorin des Artikels

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