Paso Peruano

Stell dir vor der Trab auf deinem Pferd fühlt sich an wie ein gemütlicher Sonntag auf dem Sofa. Ihr gleitet ohne großartige Hoppel- und Schwungbewegungen einfach so dahin. Kein mühsames Aussitzen, kein hoppeliges Leichttraben – einfach nur entspannt, locker und leicht. Das geht mit Gangpferden! Sie haben einen speziellen Trab – die vierte Gangart. Bei den Isländern ist es der Tölt. Bei den Paso Peruanos nennt sich das Paso Llano.

Pferderasse-Portrait! Der Paso Peruano

Ich beschreibe dir diese Pferderasse jetzt ganz kurz und dann kommt Pablo von Ampascachi zu Wort. Er züchtet die Pasos in Argentinien mit ganz viel Liebe und Herzblut und hat sich die Zeit genommen mit dir und mir sein ganzes Wissen über diese speziellen Pferde zu teilen.

Paso Peruano Pferde Rasse

Die Gangarten der Pasos auf einen Blick

  1. Schritt / Paso
  2. Paso Llano
  3. Galopp / Galope

Sie sind ein bisschen wie Isländer, nur viel größer und eleganter im Körperbau. Ich finde sie zauberhaft und würde einen Paso sehr gerne mal reiten, um zu sehen, wie sich die Paso-Gänge anfühlen.

Erst einmal beschreibe ich dir mit Pablos Hilfe die anatomischen Besonderheiten dieser Rasse, dann erzählt er dir im Interview mehr über ihre Persönlichkeit und ihr Seelenleben. Starten wir einfach mal mit den Äußerlichkeiten. Was genau macht den Paso Peruano aus – also was sind die Besonderheiten in seiner Anatomie – jetzt bekommst du alle wichtigen Fakten.

INFO: Ampascachi züchtet Paso Peruanos in Argentinien und bietet Reiterferien mit diesen hübschen Pferden an. Sie haben ein Hotel in den Bergen der Provinz Cordoba und im Norden, in den Bergen der Provinzen Salta und Jujuy. Reitanfänger können zum Beispiel auch in Cordoba Unterricht nehmen und schöne Sternritte in die schicke Argentinische Landschaft machen. Es gibt auch die Möglichkeit zu mehrtätgigen Wanderritten durch die unglaubliche Landschaft Argentiniens. Davon träume ich schon seit Jahren und es seht auf meiner Reiseliste weit oben. HIER kannst du dir das Hotel ansehen und mehr über diese spezielle Rasse erfahren

Paso Peruano Pferde Rasse

Der Körperbau der Paso Peruanos von Kopf bis Huf

Der Paso Peruano hat in aller Regel ein Stockmaβ zwischen 1.44 und 1.54 und der Widerrist ist etwas höher gelegen als die leicht abfallende Kruppe. Der Schweif ist eher tief angesetzt. Die besondere Winkelung der Sprunggelenke und die Anatomie der Fesselbeine und -gelenke wirken als natürliche Stoβdämpfer. Der Abstand vom Widerrist zum Brustbein sollte genauso groβ sein wie vom Brustbein zum Boden. Ist der Abstand zum Boden gröβer, verlagert das den Schwerpunkt nach oben und kann sich auf den Fortbewegungsmechanismus der Pferde auswirken. Wir beschreiben dir jetzt das Ideal-Paso-Pferdchen.

Paso Peruano Pferde Rasse

Der Paso Peruano Kopf

Pasos haben einen sogenannten subkonvexen und trockenen Kopf, eine elegante und ausdrucksstarke Front- und Nasenpartie.

  • Er ist zwischen 59 cm und 61 cm lang, gemessen von der Oberlippe bis hinter den Ohren (Genickstück-Linie), zwischen den Ohren misst er etwa 11cm-13cm und zwischen den Augenhöhlen auβen 16cm-18 cm.
  • Der Kopf ist in aller Regel kräftig mit ausgeprägten Backen und Kaumuskeln und wird nach unten hin feiner, wo der Nüsterabstand etwa 8 cm bis 9 cm und der Abstand zwischen den Enden des Zahnbogens etwa 6 cm bis 9 cm beträgt.
  • Die Stirn ist breit und flach. Die Ohren sind eher länglich, beweglich und fein.
  • Die Augen sind ovalförmig, etwas schräg angebracht, von dunkler Farbe und ausdrucksstark.
  • Die Nüstern sind etwas länglich geschwungen, groβ und beweglich.
  • Die Gröβe des Mauls ist proportional zum Kopf, die Lippen sind kräftig, die Linie von einem Mundwinkel zum anderen misst 16-20 cm.

Der Paso Peruano Hals

Die genauen Merkmale hängen vom Geschlecht des Pferdes ab.

  • Die Mähne hat generell feines aber volles, langes und glänzendes Haar.
  • Die Durchschnittslänge des Halses liegt bei 60 cm.
  • Männliche Tiere haben eine markantere konvexe Halslinie als die Stuten.
  • Die Bauchlinie ist kürzer und gerader bei beiden Geschlechtern.
  • Die Unterseite des Halses sollte breit und robust und der Hals gut verbunden sein mit den Schulterblättern und der Brust bis hin zum Oberarmgelenk, was das Pferd flexibel und groβräumig beweglich macht.

Der Paso Peruano Körper

  • Der Brustumfang liegt bei 1.77 m-1.80 m. Stuten haben einen gröβeren Umfang als die männlichen Tiere.
  • Bei Hengsten entspricht die Widerristhöhe etwa auch ihrer Körperlänge.
  • Der Abstand vom Rücken zu der Linie, die der Widerrist mit der Kruppe bildet, darf nicht mehr als 8 cm betragen.
  • Die Brust sollte zwischen den Schultern 34 cm-36 cm breit, robust, gut sichtbar aber nicht zu weit herausstehend sein.
Der Rücken

Der Rücken ist eher kurz, relativ gerade und gut verbunden mit der Vorhand und der Lendengegend. Der Brustkorb ist groβzügig gebaut und tief, die Rippen sind angemessen gebogen.

Die Lendengegend

Die Lendengegend sollte eine gute Muskulatur vorweisen, kurz und gut verbunden mit dem Rücken und der Kruppe sein.

Die Kruppe

Die runde, groβzügige und gut proportionierte Kruppe ist leicht abfallend, der Schweifansatz liegt unterhalb der horizontalen Linie durch den oberen Punkt der Hanken.

Der Schweifansatz

Der Schweifansatz ist tief gelegen, der Schweif besteht aus feinen, vollen und langen Haaren. Wenn das Pferd in Bewegung ist, hält es den Schweif ruhig und dicht an den Pobacken, was charakteristisch für die Paso Peruanos ist.

Die Paso Peruano Beine

Die Vorderbeine
  • Der Oberarm ist kurz und muskulös. Der Unterarm ist zwischen 39 cm-42 cm lang und muskulös im oberen Teil, nach unten hin ist er feingliedriger gebaut.
  • Das Knie ist markant, breit und gut gebaut, seine Vorderseite leicht konvex.
  • Das Röhrbein sollte zwischen 26 cm und 29 cm lang sein, einen Umfang von 17 cm-19 cm und markante Sehnen und Bänder haben.
  • Der Fesselkopf ist trocken und sauber geformt, der Fesselbehang ist karg.
  • Das Fesselbein sollte 9 cm-11 cm lang und die Fesselung insgesamt stabil sein, der Umfang des Fesselbeins sollte einen Zentimeter weniger betragen als der Umfang des Röhrbeins.
Die Hinterbeine 
  • Die Hinterbeine sind der Antrieb des Pferdes, sie müssen kräftig gebaut sein und lange Schritte machen.
  • Der Pferdepo ist rund und flieβt harmonisch in den gut bemuskelten Oberschenkel. Die Beine sind von ausgeprägter Muskulatur.
  • Das Sprunggelenk ist gut geformt, markant, breit und von kräftigem Knochenbau und ist insgesamt harmonisch proportioniert.
  • Der innere Winkel beträgt zwischen 137º und 142º, dies ist ein typisches Merkmal dieser Rasse.
  • Das Röhrbein ist klar geformt, die Sehnen kräftig, der Umfang liegt zwischen 18cm-20cm. Das Fesselbein sollte 9 cm-11 cm lang sein, sein Umfang zwischen 17 cm-20 cm liegen und die Fesselung stabil sein.
Die Hufe
  • Die Hufe sollten gut entwickelt sein und ihre Gröβe im harmonischen Verhältnis zu ihrem Körper sein.
  • Der Kronrand ist ausgeprägt und mit kurzen Haaren umgeben.
  • Die Innenseite des Hufes ist gewölbt, hat regelmäβige Konturen, ausgeprägte Strahlfurchen, die Hornsubstanz ist hart, dunkel und glänzend.
  • Die Hufwand ist 8 cm-10 cm lang und hat einen Neigungswinkel von 48º bis 51º Grad.
  • Die Hufe der Hinterbeine unterscheiden sich etwas in Gröβe und Neigungswinkel.

Die Stellung der Gliedmaßen bei den Paso Peruanos

In der Frontansicht

Es verläuft eine senkrechte Gerade vom Unterarm durch das Knie, das Röhrbein, das Fesselbein und den Huf. Der Abstand zwischen den Hufen der Vorderbeine ist geringer als der Abstand der Hinterbeine und die Verbindungslinien formen ein Trapez.

In der Hinteransicht

Die Gerade verläuft vom Sprunggelenk durch das Röhrbein, das Fesselbein und den Huf.

In der Seitenansicht

Alle vier Hufe stehen unter der Körpermasse, die Vorderbeine sind leicht nach hinten gestellt. Die Hinterbeine sind gewinkelt, der äuβerste Punkt des Sprunggelenks und der des Hinterns bilden eine vertikale Linie. Wenn man eine zum Boden parallele Linie durch die Länge des Pferdekörpers zieht und die Enden nach unten mit den Hufen verbindet und eine Parallele von Huf zu Huf zieht, entsteht ein Trapez.

Paso Peruano Pferde Rasse

Paso Peruano! Was die besonderen Gangpferde alles können

So, jetzt weißt du wie der ideale Paso Peruano aussehen sollte. Die Pferde haben aber noch mehr zu bieten als ienen hübschen Körper. Da ich selbst kein Paso-Experte bin und die Rasse selbst noch nicht Live erleben durft, lasse ich jetzt Pablo von Ampascachi zu Wort kommen.

Paso Peruano Pferde Rasse

Interview mit Pablo, Paso-Züchter und Besitzer von Ampascachi, über die Pasos Peruoanos und ihre Besonderheiten

Pferdeflüsterei.de: Wie ein Paso Peruano aussehen sollte, wissen wir jetzt. Aber wie steht es um die Persönlichkeit dieser Pferde? Das Seelenleben und die typischen Charaktereigenschaften..

Pablo (Ampascachi): Der Paso Peruano ist ein Pferd mit “Brío”, mit Temperament und Arbeitseifer, das dem Reiter gefallen möchte. Das bedeutet aber nicht, dass das Pferd schwer kontrollierbar wäre, es ist einfach energievoll und bewegungsfreudig. Es reagiert aber tyischerweise trotzdem sensibel auf die Hilfen des Reiters. Es ist ein sehr widerstandsfähiges, kraftgeladenes Pferd, das stundenlang geritten werden kann. Für viele Experten sind die Paso Peruanos die besten Reitpferde der Welt. Sie sind wahre Schätze unter den Pferderassen.

Pferdeflüsterei.de: Kommen wir zur Geschichte der Paso Peruoanos. Wie ist diese Rasse denn entstanden?

Pablo (Ampascachi): Sie sind im Grunde ein Erbe des Vizekönigreichs von Peru und nach der spanischen Eroberung, Anfang des 16. Jahrhunderts nach Argentinien gekommen. Dann gab es eine natürliche und züchterische Selektion über die Jahrhunderte, so dass sich nach und nach die Pasos entwickelt haben, so wie wir sie heute kennen. Sie wurden als robuste Transportpferde für lange Strecken gezüchtet und durch gezielte Auswahl verfestigte sich dann eben ihre rassetypische Gangart “Paso Llano” in ihren Genen. In den Blutlinien finden wir auch den Berber, der dieser Rasse ihre Widerstandsfähigkeit verleiht und die Tendenz, sich wie ein Andalusier stolz zu bewegen.

Pferdeflüsterei.de: Gibt es verschiedene „Unterrassen“ und wenn ja, was unterscheidet sie voneinander? Zum Beispiel bin ich bei meiner Suche nach Paso Peruanos auch auf Paso Finos gestossen – ist da ein Unterschied? 

Pablo (Ampascachi): Es gibt andere Gangpferde, auch mit gebrochenem Pass wie der kolumbianische Paso Fino. Der Paso Fino macht aber keine langen Schritte. Er hat zwar einen gebrochen Pass aber kein gutes Vorankommen, er setzt den Fuss nicht weit unter seinen Körper und muss viele Schritte tun, um eine Distanz zu überwinden. Um zum Beispiel 30 Meter bei 12 km/h zu gehen, macht der Paso Fino etwa 200 Schrittfolgen, der Paso Peruano nur 50.

Pferdeflüsterei.de: Gibt es bei den Pasos typische Fellfarben oder findet sich alles bei dieser Rasse?

Pablo (Ampascachi): Im Grunde findet sich alles in den Fellfarben, aber die am meisten zu findenden Fellfarben sind Fuchs, Rotbrauner, Dunkelbrauner, Rappe, Palomino, Mausgrau, Falbe oder Cremello.

Paso Peruano Pferde Rasse

Gangpferd “Paso Peruano”

Pferdeflüsterei.de: Paso Peruanos sind Gangpferde. Muss ich mir das vorstellen wie bei den Islandpferden? Also: Sind das die exakt gleichen Gangarten, die die Pasos beherrschen?

Pablo (Ampascachi): Zu anderen Gangpferderassen gibt es mitunter groβe Unterschiede. Die Paso Peruanos werden bei Ampascachi in drei Gangarten trainiert, Schritt, Paso Llano und Galopp. Das Islandpferd zum BEispiel läuft nur bei hohen Geschwindigkeiten im gebrochenen Pass, bei geringeren Geschwindigkeiten trabt es. Es bewegt die Beine also diagonal und nicht lateral wie beim gebrochenen Viertaktgang. Dann braucht es die Hilfen des Reiters um in den schnellen, gebrochenen Pass zu wechseln, der Paso Peruano läuft das von alleine. Er hat von Natur aus den gebrochenen Pass, da er ihm angeboren ist. Der Paso Peruano läuft auch bei geringen Geschwindigkeiten im Paso Llano und behält ihn bis in hohe Geschwindigkeiten bei, bevor er in den Galopp übergeht.

Pferdeflüsterei.de: Wie natürlich liegt das in diesen Pferden?

Pablo (Ampascachi): Der Paso Llano ist genetisch veranlagt, das Pferd läuft von Natur aus und ohne Hilfen eines Reiters in dieser ihm typischen Gangart. Jeder Paso Peruano kann die Gangarten von Natur aus.

Pferdeflüsterei.de: Wenn man im Netz nach Videos schaut, sieht man oft auch Pasos, die mit ziemlich strampelnden Beinen durch die Gegend rasen. Ist das so erwünscht oder ist es wie so oft leider das, was schlechte Reiter aus dieser Gangarten durch die wiederum schlechte Ausbildung machen?

Pablo (Ampascachi): Tatsächlich sind diese “strampelnden Beine” typisch für den Paso Peruano, weil die Vorderbeine beim Heben von der Schulter ausgehend flieβend seitlich nach auβen gehen. Das mag im ersten Moment ungewöhnlich aussehen, aber diese “kraulende” Bewegung hat einen guten Raumgriff nach vorn und ist angeboren. Die Hinterbeine verlaufen gerade, also “strampeln” nicht.

Pferdeflüsterei.de: Wie sieht ein schöner Gang bei den Pferden im Idealfall aus?

Pablo (Ampascachi): Der Paso Llano ist ein weicher, lateraler, isochronischer 4-Takt-Passgang. Man nennt ihn auch gebrochener Pass. Das Pferd bewegt die Extremitäten derselben Seite, zuerst das Hinterbein und dann das Vorderbein.

Zuerst setzt wieder das Hinterbein auf, dann folgt die andere Seite. Das Hinterbein tritt so weit wie möglich unter dem Pferdekörper auf und noch vor dem Hufabdruck des Vorderbeins. Daran ist auch erkennbar, wie gut sein Vorankommen mit jeder Schrittfolge ist. Der Antrieb kommt aus den Hinterbeinen, die Vorderbeine dienen lediglich als Stützen. Dieser Gang ist harmonisch und gibt dem Paso mit seiner vollen Mähne und dem langen Schweif ein edles, anmutiges Aussehen.

Bei dieser horizontalen Fortbewegungsweise bleibt der Schwerpunkt des Pferdes fast erschütterungsfrei. Das macht das Reiten so unglaublich bequem – auch auf langen Strecken.

HIER findest du eine Grafik, die dir das noch einmal genauer zeigt

Paso Peruano Pferde Rasse

Pferdeflüsterei.de: Gehen diese Gangarten nicht auf die Beine?

Pablo (Ampascachi): Diese Rasse wird seit über 500 Jahren gezüchtet und durch die natürliche Auswahl wurde erreicht, dass das Pferd den Paso Llano in seinen Genen hat, von Geburt an läuft es in diesem Gang. Der Paso Llano verursacht keinerlei körperliche Beschwerden in den Tieren.

Die Paso Peruano Zucht

Pferdeflüsterei.de: Gibt es andere typische „Krankheiten“, die sich bei dieser Rasse immer wieder finden?

Pablo (Ampascachi): Wir wissen, dass besonders in Europa und auch zum Beispiel in den USA oft von DSLD als typische Krankheit der Paso Peruanos die Rede ist. Allerdings ist das keine Krankheit, die nur diese Rasse betrifft und es gibt eine Reihe an Vorsichtsmaβnahmen, die getroffen und beachtet werden können, um das zu vermeiden. Bei Ampascachi machen wir das sehr.

Pferdeflüsterei.de: Wie erreicht ihr das?

Pablo (Ampascachi): Zum Einen ist es wichtig, die körperlichen Kriterien für die Selektion der Zuchtpferde zu beachten. Dazu gehört, jegliche Blutverwandtschaft unter den Elterntieren zu vermeiden. Es sollte nur mit den Tieren gezüchtet werden, die eine stabile Fesselung haben, keine langen Fesselbeine vorweisen und insgesamt einen kräftigen Muskel- und Knochenaufbau und korrekte Proportionen haben.

Um die korrekte Entwicklung der Sehnen, Bänder, Muskulatur und des Skeletts zu gewährleisten, sollten die Tiere die meiste Zeit oder wenn möglich komplett im Freien leben und sehr viel Bewegungsfreiheit haben. Jungtiere dürfen frühestens ab einem Alter von 3 Jahren trainiert und langsam zugeritten werden. Das Training muss progressiv stattfinden, so dass sich die Muskeln nach und nach aufbauen. Das richtige Training und die regelmäβige Bewegung – auch im Galopp – sind extrem wichtig für den korrekten Muskelaufbau, die gesunde Körperhaltung und eine stabile Fesselung.

Pferdeflüsterei.de: Wie wichtig sind denn die Blutlinien und worauf wird da bei der Zucht geachtet? Bei Quartern kennt man ja zum Beispiel bestimmte Hengste, die gefühlt in fast jedem Pferd stecken, was auch zu Problemen führen kann – Stichwort: Genetik?

Pablo (Ampascachi): Die Blutlinien sind wichtig und man muss darauf achten, dass zwischen Stute und Hengst keine Blutsverwandtschaft besteht oder so weit entfernt wie möglich ist.

Dann sollten Hengst und Stute Eigenschaften besitzen, die die nächste Generation in ihrer Genetik verbesser. Das heißt, dass jedes Fohlen “besser” sein sollte als seine Eltern. Die Elterntiere sollten kräftige Sehnen und Bänder, Muskeln und Knochen haben und ihr Gang sollte weich und die Schritte lang sein, so dass ein bequemes, schnelles Vorankommen gesichert ist.

Paso Peruano kaufen? Für welche Reiter die Paso Peruanos geeignet sind

Pferdeflüsterei.de: Für wen oder was ist diese Rasse besonders geeignet? Araber sind ja zum Beispiel in der Regel tolle Distanzpferde oder Warmblüter gute Dressurpferde. Wie ist das bei den Pasos?

Pablo (Ampascachi): Die Paso Peruanos sind ideal, um lange Strecken zurück zu legen, dafür wurde diese Rasse gezüchtet. Pasos legen groβe Distanzen mit wenigen Schritten zurück, strecken die Beine und machen lange Schritte, was energieschonend ist. Die Paso Peruanos sind aufgrund ihrer artspezifischen Gangart auch sehr bequem zu reiten, da sich ihr Körper horizontal und nicht vertikal bewegt und den Reiter nicht erschüttert. Dann ist diese Pferderasse sehr ausdauernd, sie haben ein groβes Herz, was ihnen ermöglicht, tägliche viele Kilometer zu laufen, ohne zu ermüden.

Die Paso Peruanos sind sehr robuste Tiere, die keine großen Ansprüche an Futter oder Futtermenge haben. Deswegen sind sie perfekt für mehrtägige Reittouren.
Aufgrund ihres Muskel- und Skelettaufbaus sind sie in jedem Gelände und auf jeglichem Untergrund einsetzbar und ideal für Touren.

In Argentinien werden Pferde besonders auf dem Land und groβen Estancias zur Fortbewegung benutzt und für die Herdenarbeit. Für Endurance-Strecken ab 160 km sind sie auch geeignet, denn die Durchschnittsgeschwindigkeit für diese Strecken liegt bei etwa 20 km/h und ein gut trainierter Paso Peruano kann im Paso Llano viele Kilometer bei dieser Geschwindigkeit durchhalten.

Verglichen mit einem Araber wäre der Paso Perunao ein Marathonläufer und der Araber eher ein 100 m-Läufer, weshalb der Paso Peruano besser für lange Strecken einsetzbar ist. Ein Paso Peruano kann auch über Hindernisse springen, allerdings würde er sicher keinen Spring-Wettbewerb gewinnen. Ein Paso Peruano kann auch sehr schnell sein, aber er würde auch sicher kein Wettrennen auf einer Pferderennbahn gewinnen.

Kurz gesagt: Ein Paso Peruano kann, was viele andere Pferde auch können, doch kein anderes Pferd kann, was der Paso Peruano kann, nämlich einen Reiter mit viel Ausdauer über weite Distanzen im Paso Llano schnell und sehr bequem tragen. 

Pferdeflüsterei.de: Wenn ich jetzt einen Paso Peruano kaufen möchte, was sollte ich da beachten?

Pablo (Ampascachi): Einige der wichtigsten Kriterien sind: Der Abstand vom Widerrist zur Gurtlinie sollte genauso lang sein wie von der Gurtlinie zum Boden. Das Pferd sollte einen tiefen Schweifansatz haben und die Winkelung der Hinterbeine muss passen.Der Neigungswinkel des Rückens und der Neigungswinkel der Kruppe sollten gleich sein.

Und dann sollte es kurze Fesselbeine haben, die sich beim Stehen nicht tief nach unten neigen. Dann ist schon einmal viel Gutes dabei.

Pferdeflüsterei.de: Wie sollte ein Paso Peruano gehalten werden? Gibt es da besondere Haltungsbedingungen, die er braucht? Spezielles Futter?

Pablo (Ampascachi): Die Lebensbedingungen eines Paso Peruano sollten, wie für jedes andere Pferd auch, so natürlich wie möglich sein. Große Weideflächen sind für den Paso genauso wichtig, wie der Herdenverband und ein natürliches Leben im Freien.

Was die Nahrung angeht, ist es ein anspruchsloses Pferd. Es sollte in seinem Lebensraum ausreichend natürliches Futter finden können, um sich davon zu ernähren. Nur wenn die Futterbedingungen sehr schlecht sind und nicht ausreichend Nahrung in der Natur und in dem für das Pferd bereitgestellten Platz vorhanden ist, sollte zusätzliches Futter gegeben werden. Der Instinkt der Nahrungssuche sollte respektiert und gefördert werden. Bei Ampascachi leben die Pferde auf einem etwa 200 Hektar groβen Gelände, dass es ihnen ermöglicht, genügend Futter zu finden, weshalb die Pferde generell wenig Zusatzfutter benötigen. Wenn allerdings ihre Ausbildung beginnt oder die Pferde im Einsatz sind, erhalten sie tägliche Futterrationen. 

Pferdeflüsterei.de: Sind die Pasos denn Allrounder und für jeden Reiter geeignet?

Pablo (Ampascachi): Prinzipiell ist es weniger eine Frage der richtigen Rasse denn der richtigen Ausbildung. Die Paso Peruanos haben viel Brio und dieses Brio muss kanalisiert werden in gezieltem Arbeitseifer. Das geht durch die korrekte Dressur und Ausbildung. Es darf seinem Bewegungsdrang nur nachgeben, wenn der Reiter das wünscht. Paso Peruanos lernen schnell, sie reagieren sensibel auf die Hilfen des Reiters. Aber sie wollen auch mit etwas Taktgefühl gertitten werden – dann sind sie sicher und einfach zu reiten.

Pferdeflüsterei.de: Kommen wir noch zu euch – warum habt ihr euch gerade für diese Rasse entschieden?

Pablo (Ampascachi): Anfangs war es eher Zufall. Diese Rasse ist sehr bekannt im Norden Argentiniens, besonders in Salta, woher mein Vater ist. In unseren Anfängen 1993 kauften wir zwei Paso Peruanos. Sie wurden uns als bequeme Reittiere empfohlen und ab da lieβ uns die Begeisterung nicht mehr los. Wir fingen an, sie selbst zu züchten, aus einem Hobby wurde eine Leidenschaft und aufgrund all der hervorragenden Eigenschaften dieser Rasse war uns klar, dass sie das ideale Pferde für Reiturlaube sein können.

Pferdeflüsterei.de: Ihr züchtet auch selbst – worauf achtet ihr da? 

Pablo (Ampascachi): Ja, wir haben unsere eigene Zucht. Wir züchten unsere Pferde und trainieren sie dahingehend, dass sie ihre eigentliche Aufgabe erfüllen können. Sie werden ja seit über 500 jahren dafür gezüchtet, einen Reiter über lange Strecken hinweg bequem zu transportieren. Wir achten sehr auf einen weichen Gang mit schnellem Vorankommen, kurze Fesselbeine und kräftige Sehnen. Wir wollen kraftvolle Tiere mit einer guten Muskulatur und Knochenbau. Sie sollen robust sein und Ausdauer und Widerstandsfähigkeit besitzen.

Reiturlaub in Argentinien – Paso Peruanos bei Ampascachi

Pferdeflüsterei.de: Bei euch in Argentinien kann man Reiturlaub mit dieser Rasse machen – muss ich dafür als Reiter bestimmte Fähigkeiten mitbringen?  

Pablo (Ampascachi): Nein, bei uns kann man Reiten lernen. Wir haben aber auch Programme für unterschiedliche Erfahrungsniveaus. Es ist für jeden etwas dabei. Wir haben in der Provinz Córdoba auch das Programm Estancia, hier werden täglich Sternritte gemacht. Wir bieten dann noch mehrtägige Reittouren in den Provinzen Córdoba, Salta und Jujuy von unterschiedlicher Dauer an. Aber auch da sind Touren dabei, die nicht sehr erfahrene Reiter mitmachen können. Wenn eine geschlossene Gruppe kommt, passen wir die Programme ihren individuellen Bedürfnissen und Wünschen an.

Pferdeflüsterei.de: Uns ist pferdefreundlicher Umgang sehr wichtig – das gilt auch für den Reiturlaub – deswegen finde ich immer sehr wichtig, wie die Pferde vor Ort geritten, gehalten und trainiert werden J Wie sieht so ein Reiterurlaub bei euch aus?

Pablo (Ampascachi): Das Anliegen von Ampascachi ist es, unseren Gästen auf unseren Pferden unser geliebtes Land zu zeigen, die wunderschönen Landschaften, die Kulturen und Traditionen Argentiniens. Unser grösster Wunsch ist, dass sich unsere Gäste wohlfühlen, sich entspannen, schöne Erfahrungen machen und schlieβlich als Freunde gehen mit dem Wunsch, wieder zu kommen.

Wir gehen auf die Bedürfnisse unserer Besucher ein und versuchen immer den Reiturlaub auf ihre Wünsche und Umstände anzupassen, zum Beispiel je nach Erfahrung oder wie viel Abenteuer sie wünschen.

https://www.youtube.com/watch?v=iRJZs5c9wEY

Pferde sind für uns wunderbare Wesen, sie sind unsere Leidenschaft und der Umgang mit ihnen ist liebevoll und basiert auf Respekt und Geduld. Wir versuchen, unsere Pferde zu verstehen, wir gehen auf sie ein und wollen ihnen das bestmöglichste Leben gewähren. Dafür bieten wir ihnen einen Lebensraum, der so nah wie möglich an ihrem ursprünglichen, natürlichen Lebensraum ist. Sie leben das ganze Jahr über im Freien auf etwa 200 Hektar Land, wo sie sich in Herden organisieren und frei bewegen können. Das garantiert uns robuste und ausgeglichene Tiere.

Pferdeflüsterei.de: Wie bildet ihr eure Pferde aus?

Pablo (Ampascachi): Bei Ampascachi haben wir ein detailliertes Protokoll für die Ausbildung der Pferde.

Bevor die Ausbildung der Jungpferde beginnt, werden sie an den Menschen gewöhnt, an Lärm und Objekte, die sie erschrecken oder ängstigen könnten, so dass sie sich dann während ihrer Trainingsstunden voll auf den Ausbilder und die Reize konzentrieren können.

Die Tiere werden dann mit viel Geduld, Feingefühl und Konsequenz ausgebildet, um zu erreichen, dass das Pferd sofort die richtige Reaktion auf einen Reiz ausführt und von jedem Reiter geritten werden kann.

Dabei orientieren wir uns an den Kenntnissen der Verhaltungsforschung über Pferde. Während seiner Ausbildung lernt das Pferd, welche Reaktion auf welchen Reiz folgen soll. Bei Ampascachi arbeiten wir deswegen mit einem Reiz-Reaktions-Schema, bei dem ein für das Pferd negativer Reiz ausgeübt wird, zum Beispiel ein bisschen Druck. Sobald die richtige Reaktion erfolgt, hört dieser negative Reiz sofort auf, der Druck wird aufgehoben und es werden neuronale Verbindungen im Gedächtnis des Pferdes geschaffen. Die Reiz-Reaktions-Abfolge wird zuerst im Kurzzeitgedächtnis und dann im Langzeitgedächtnis abgespeichert. Man kann sagen, dass der negative Reiz stimuliert und das Aufheben des Reizes trainiert.

Für jede gewünschte Reaktion sollte es eine einzige Hilfe geben, die entweder mit den Beinen oder den Zügeln gegeben wird. Mit den Beinen gibt man Hilfen um zum Beispiel die Geschwindigkeit zu erhöhen, mit den Zügeln verringert man sie.

Die Pferde werden an mehreren Tagen hintereinander trainiert, um ihre körperliche Ausdauer zu trainieren, so dass sie in Form sind, um während ihres Einsatzes bei Reiturlauben täglich lange Strecken durch unterschiedliche Gelände gehen können. Bei diesem Training werden die Anforderungen nach und nach gesteigert. Den Fortschritt der Pferde messen wir anhand ihrer Herzfrequenz. Vor Trainingsbeginn messen wir den Puls im Ruhezustand, nach Trainingsende nochmal. Und zum Schluss nochmal die Zeit, die das Pferd braucht, um wieder dieselbe Anzahl Herzschläge wie im Ruhezustand zu haben.

Ziel des Trainings ist es, dass sich der Pulsschlag so wenig wie möglich während der Trainingseinheit erhöht und nach Trainingsende sich wieder so schnell wie möglich normalisiert.

Pferdeflüsterei.de: Welche Ausrüstung nutzt ihr vor Ort?

Pablo (Ampascachi): Wir nutzen eine Ausrüstung, die wir selbst entworfen haben, um zu garantieren, dass sich sowohl Pferd wie auch Reiter wohl fühlen. Der Sattel hat einen bequemen Sitz für den Reiter und ist anatomisch den Pferden angepasst, so dass das Gewicht gut verteilt wird und ihr Rücken nicht verletzt oder falsch belastet wird und sie problem- und schmerzlos geritten werden können. Was die Ästhetik angeht, sind die Sättel den Criollo-Sätteln ähnlich, da ein Schaffell auf den Sattel gelegt wird.

Pferdeflüsterei.de: Wie oft und wie lange muss ein Reitpferd bei euch am Tag unter dem Touristen laufen?

Pablo (Ampascachi): Die tägliche Reitdauer bei unseren Wanderritten beträgt ungefähr sechs Stunden, teilweise auch weniger. Etwa jede 90 Minuten wird eine 15-minütige Pause gemacht, bei Halbzeit wird eine einstündige Pause gemacht. Wir haben viele Pferde in Bereitschaft, weshalb die Tiere gewechselt und nicht überbelastet werden.

Pferdeflüsterei.de: Macht ihr nur Reitunterricht oder kann man bei euch auch Bodenarbeit und Kommunikation trainieren?

Pablo (Ampascachi): Wir bieten auf unserer Webseite ein Programm zum Reiten lernen an, doch man kann uns gerne anschreiben, um unsere Techniken des Zureitens, Ausbildens und des Trainings kennen zu lernen. Wer an unserer Zucht interessiert ist und sich von der Qualität unserer Pferde überzeugen möchte, kann uns auch gerne kontaktieren. Es liegt uns am Herzen das Image dieser wundervollen Pferderasse zu verbessern und zu zeigen, dass sie robuste, widerstandsfähige und gesunde Tiere sind.

Pferdeflüsterei.de: Vielen Dank für das Interview und all das Wissen über diese spannende Pferderasse!

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7 Kommentare zu “Paso Peruano

  1. Lena sagt:

    Liebe Petra, danke für dieses schöne Rasseportrait! Ich habe einen jungen Paso Peruano, und ja es sind ganz besondere, aussergewöhnliche Pferde! Ich habe noch nie ein Pferd geritten, das so fein, arbeitswillig und bequem ist. Noch mehr beeindruckt mich aber immer wieder, wie er mitdenkt und mit mir kommuniziert. Mit einem Exoten ist es aber auch nicht immer ganz einfach im Alltag, man muss oft sein Umfeld über die Besonderheiten aufklären und erstmal einen Trainer finden, der Ahnung hat…. Und dann ist da noch diese Sucht, die einen nicht mehr von diesen Pferden loslässt….. Liebe Grüße Lena

    • Petra sagt:

      Liebe Lena, das klingt so spannend. Ich muss sagen, dass ich seit dem Interview sehr neugierig auf die Rasse geworden bin. Ich muss mir die Pasos irgendwann einmal live ansehen. Auf jeden Fall ganz liebe Grüße an deinen Paso und an dich, Petra

    • Lena sagt:

      Du bist herzlich bei uns willkommen, wenn du mal in der Lüneburger Heide bist! Ich würde mich freuen, dir Pacifico vorzustellen!

  2. Petra sagt:

    Liebe Lena, sollte ich jemals in deine Ecke kommen, melde ich mich gerne :-) Ganz lieben Dank für das nette Angebot, Petra

  3. Carolina Hoffmann sagt:

    Ein super-schön ge-/beschriebenes Rasse-Portrait!
    Wir züchten diese wundervolle Rasse hier in (Nord-)Deutschland, sind auch eher "zufällig" dazu gekommen, aber jetzt mit Haut und Haaren diesen Traum-Pferden verfallen!
    Ich habe schon viele (Gang-)Pferde in meinem Leben geritten, aber an die Weichheit der Peruanos kommt keine Rasse heran! Gepaart mit ihrer unglaublichen Präsenz, Sensibilität und Menschenbezogenheit sind diese Pferde wirklich ein absoluter Traum für Reiter, die gerne bequem und schön unterwegs sein möchten.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Carolina, dein Kommentar macht noch mehr Lust auf diese Rasse :-) Ganz liebe Grüße, Petra

    • Anja sagt:

      Ich bin auch zufällig zu so einem Pferd gekommen und wollte mich hier informieren über diese interessante Rasse. Nun lese ich gleich von zwei Leuten, die auch in Norddeutschland wohnen.
      Mein Paso ist im Mai fünf geworden und ich suche eine Möglichkeit ihn anreiten zu lassen. Könnt ihr mir helfen?
      Ich möchte nicht irgendjemanden beauftragen, sondern suche Menschen, die sich mit den Besonderheiten ( Gänge/ Charakter) dieser sympathischen Pferde auskennen.

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