Er ist kompakt gebaut, nicht zu groß, bringt ein stabiles Fundament mit und liebt Menschen und Abwechslung: Berber und Araber-Berber sind ideale Reitpferde. Weil sie Allrounder sind und Lust an gemeinsamen Unternehmungen haben, sind sie perfekte Partner für Freizeitreiter mit vielen Ideen. Abhängig davon, wie viel arabisches Vollblut in die Urspungsrasse Berber eingekreuzt wurde, unterscheidet man verschiedene Rassetypen.

Der Berber: das optimale Freizeitpferd

Der Berber oder Araber-Berber kommt aus Nordafrika und ist eine Rasse, die sich perfekt an die Lebensbedingungen der Steppe angepasst hat: Sie sind ausdauernd, robust und hart, wendig und trittsicher.

Größe

Das Stockmaß eines (Araber-)Berbers liegt zwischen 145 und 160 cm.

Farben

Überwiegend sind Araber-Berber Schimmel, aber auch Rappen, seltener Braune und Füchse.

Exterieur – So sieht der Berber aus

Der Berber und der Araber-Berber ist ein mittelgroßes Pferd im Quadrattyp mit einem kurzen Rücken und einer gefälligen Oberlinie. Es ähnelt dem iberischen Pferd, dem Andalusier.

Der Berber hat einen mittelgroßen Kopf mit einem oft konvexen Profil. Sein eher kurzer, kräftiger aber dennoch geschwungener Hals mündet in einer steilen, langen Schulter mit ebenfalls langem, ausgeprägten Widerrist. Der tragfähige, kurze Rücken endet in einer runden, abfallenden Kruppe mit starker Lendenpartie. Der Rumpf ist insgesamt nicht breit und hat eine gute Gurttiefe. Die Beine sind hart und trocken, die Hornqualität der Hufe außergewöhnlich gut. Fehlstellungen wie Kuhhessigkeit oder Säbelbeinigkeit können vorkommen. Der Schweif ist tief angesetzt.
Der Berber hat insgesamt ein stabiles Fundament. Die Hinterhand ist korrekt gewinkelt, verfügt über eine gute Hankenbeugung und der Hals ist leicht zu stellen: Der Berber bringt damit eine hohe Versammlungsfähigkeit und eine große Durchlässigkeit mit. Diese Anatomie erlaubt ihm zudem die oft gewünschten Bergauf-Bewegungen.

Knieaktion und Tölt: Die Gangarten des Araber-Berbers

Berber besitzen angenehme Gänge. Sie gehen fleißig, flüssig und federnd und zeigen Knieaktion – manche haben sogar eine Töltveranlagung. Man sagt ihnen durch ihre schön unterfußende Hinterhand eine hohe Tragkraft und einen ausgezeichneten Sitzkomfort nach. Besonders im Trab können Berber ihre Stärken voll ausspielen.

Soooo menschenbezogen: Charakter und Wesen der Pferde aus Nordafrika

 „Der einzige Hund, den man reiten kann“. So lautet zumindest ein Sprichwort, das den Charakter des Berbers beschreibt. Da der Berber in seinen Ursprungsländern in Nordafrika eng mit dem Menschen zusammenlebte, zeichnet ihn eine außerordentliche Bindung zu seiner Bezugsperson und eine große Menschenfreundlichkeit aus. Die Treue des Berbers gilt als einzigartig. Sein Temperament ist ausgeglichen, sein Wesen angenehm.

Über Jahrtausende wurde die Rasse nach ihrem Verhalten selektiert: Berber sind heute sehr leistungsbereit und arbeitswillig, genügsam, sanft und freundlich.

Reaktionsschnelligkeit und Zuverlässigkeit zeichnen sie aus, gepaart mit Mut, Unerschrockenheit und Nervenstärke. Vom Berber wird erzählt, dass er nicht einfach kopflos flüchtet, sondern sich eine Situation anschaut und sie dann souverän bewältigt. Seine Ruhe, Toleranz und Liebenswürdigkeit sind weitere Rassemerkmale.

 

Berber oder Araber-Berber? Die Rassetypen

Berber oder Araber-Berber gibt es in verschiedensten Ausprägungen. Über die Jahrhunderte der Selektion wurden sie je nach Nutzung und Ort mit Vollblutarabern gekreuzt – es gibt also sehr unterschiedliche Typen. In Nordafrika spielte der Stammbaum der Tiere keine Rolle, wichtig war stattdessen, wie sein Charakter war und ob es seine Aufgaben erfüllen konnte. Deswegen lässt sich heute nicht mehr wirklich nachvollziehen, welcher Anteil welchen Blutes in welchen Typen steckt.

Den reinen Berber kann man sich als rundes, barockes Pferd mit viel Behang vorstellen, das stark dem iberischen Typ ähnelt. Es hat eine starke Knieaktion und hohe Gänge.

Der Araber-Berber ist leichter und schneller, soll aber dennoch den freundlichen Charakter des Berber haben. Die Merkmale beider Rassen sind in ihm vereint  – anders als der Berber ist er schlanker und drahtiger, ausdauernder mit raumgreifenderen, elastischeren, aber auch flacheren Gängen. Auch die Galoppbegabung ist beim Araber-Berber stärker vorhanden. Es gibt auch Typen, die dem Westerntyp ähneln und springbegabte Linien.

Die Eignung: Das kann der Berber 

Mit seinem kompakten, harmonischen Gebäude ist der Berber ein ideales Reitpferd, aber kein Spezialist für bestimmte Disziplinen. Stattdessen ist er ein Allrounder, der schnell lernt und gerne mitmacht. Gerade unter Freizeitreitern ist der vielseitige und robuste Berber sehr beliebt: als gelassenes Familienpferd, als Distanzpferd und Wanderreitpferd.

Berber sind gut geeignet für die Dressur, behalten aber auch in herausforderndem Gelände souverän das Gleichgewicht.

Berber können aber auch gefahren werden. Sie freuen sich über eine abwechslungsreiche Beschäftigung und engen Kontakt mit ihrem Menschen: Dann sind sie motivierte Reitpferde, treu in allen Lebenslagen. Drill dagegen stumpft den Berber ab und tötet seinen Arbeitseifer.

Aufgrund seines stabilen Fundaments kann der Berger auch größere Reiter gut abdecken.

Haltung und Krankheiten

Berber und Araber-Berber sind sehr soziale Herdentiere, weswegen sie unbedingt im Verband gehalten werden sollten. Eine Haltung am Haus ist das Optimum, da sie der Natur des Berbers sehr nah kommt und er eng mit seiner Bezugsperson verbunden sein kann.

In der Haltung sollte man bedenken, dass ihr Ursprung in Nordafrika liegt. Extreme Lebensbedingungen, krasse Temperaturschwankungen in kurzer Zeit, haben den Berber robust und anpassungsfähig gemacht. Er kann sowohl mit Kälte, als auch mit großer Hitze umgehen und ist nicht anfällig.

Wichtig ist aber, dass man sich darüber im Klaren ist, dass der Berber nicht viel braucht. Die Rasse kann Nahrung und Wasser im Mähnenkamm einlagern – bei Überfütterung kann der Berber schnell fett und krank werden.

Die Trittsicherheit und natürliche Balance machen den Berber wenig anfällig für Verletzungen des Bewegungsapparates.

Ursprünge und Zucht des Berbers

Auch wenn es in Deutschland erst seit etwa 25 Jahren gezüchtet wird, ist das Berberpferd tatsächlich eine uralte Rasse – ihre Ursprünge reichen bis ins zweite Jahrtausend vor Christus zurück. Die Pferde aus Nordafrika, die im Maghreb – Algerien, Marokko, Tunesien und Lybien – gezüchtet werden  waren schon bei Griechen und Römern der Antike und später im Mittelalter geschätzt und begehrt. Zwar galten sie nicht unbedingt als schön, aber als zäh, schnell, extrem ausdauernd und leicht zu händeln.

Ihr Blut fließt in vielen anderen Pferderassen. Berber und Iberer, wie die Andalusier, sind zum Beispiel stark verwandt: Die Mauren eroberten die spanische Halbinsel im 8. Jahrhundert, brachten ihre Pferde mit und beeinflussten fortan die Pferdezucht auf dem Kontinent. Berber galten als kämpferisch, unerschrocken und mutig.

Berber und Iberer waren auch die Rassen, die Ende des 15. Jahrhunderts in die neue Welt, nach Amerika, gebracht wurden. Deswegen sind sie die Ahnen der amerikanischen Rassen wie Mustangs, Quarter Horses, Criollos oder Paso Peruanos. Im Mittelalter kamen Berber als Ritterpferde zum Einsatz, in der Renaissance als Schlachtross und im Barock als Freizeitpartner in der Reitkunst. Und im 17. Jahrhundert wurden sie in England eingesetzt, um schnellere Rennpferde zu züchten.

In ihrer Heimat lebten die Berber auf engstem Raum mit ihren Familien, Wüsten- und Steppenvölker, zusammen. Die Pferde waren Familienmitglieder und sicherten ihnen das Überleben. Aus Ägypten kamen arabische Pferde in den Maghreb und wurden eingesetzt, um die optisch etwas derberen Berber zu veredeln. Von Anfang an wurden Berber über das Verhalten selektiert: Aggressive Tiere wurden von der Zucht ausgeschlossen.

Die französische Kolonialisierung Nordafrikas veränderte den Typ des Berberpferdes, da das Militär einen stärkeren Araber-Einfluss für Kavallerie-Pferde bevorzugte. Reine Berber gibt es heute nicht mehr oft – geschätzt 2500 Pferde weltweit.

Als eigene Rasse werden Araber-Berber seit 1948 geführt. 1988 wurde der Verband Weltorganisation des Berberpferdes (Organisation mondiale du cheval Barbe (O.M.C.B.)) gegründet, um die Berber zu erhalten und zu stärken. Seit 1992 gibt es in Deutschland den Verein der Freunde und Züchter des Berberpferdes e.V. (VFZB). Heute wird der Araber-Berber vor allem in Nordafrika, Frankreich und Deutschland gezüchtet.

Berühmte Berberpferde

Die Neapolitaner sind eine der Rassen, auf den der Lipizzaner zurückgeht. Ihre Ursprünge liegen am Anfang des 13. Jahrhunderts und in einer Zucht von Friedrich II in Süditalien: Ihre Ahnen waren zwölf schwarze Berberhengste.

Der König Luis XIII. lernte die Reitkunst auf dem Berberhengst Le Bonite – unterrichtet von Reitmeister Antoine de Pluvinel, der heute noch als ein Urvater der Reitkunst gilt.

Godolphin Barb ist der bedeutendste von drei Rassebegründern des englischen Vollbluts – er ist ein Berber.

Einen Araber-Berber kaufen

Da es Araber-Berber in verschiedensten Typen gibt, solltest du vor dem Kauf wissen, was genau du suchst. Ein Züchter wird dir genau Informationen über seine Pferde geben können und wahrscheinlich kannst du dir die Familie und Verwandten ansehen.

Ansprechpartner in Deutschland ist der VFZB. Die ersten Berber und Araber-Berber wurden vor etwa 25 Jahren importiert. Rund 160 Stuten und Hengste sind heute in den Zuchtbüchern des Verbands eingetragen. Einmal im Jahr findet das VFZB-Berbertreffen statt, wo auch Verkaufspferde vorgestellt werden.

Da Abstammungsnachweise für den Berber in den Ursprungsländern nicht geführt werden und in Deutschland erst in den 90er Jahren eingeführt wurden, finden sich wenige Rassevertreter mit langen Stammbäumen.

In Deutschland selbst ist die Rasse noch recht selten. Wer einmal einen Berber hat, der verkauft ihn in der Regel nicht wieder – deswegen wechseln Berber in der Regel schon als Fohlen und Jungpferde den Besitzer.

Einen Berber zu importieren, geht mit einigen Risiken einher. Haltung, Ausbildung und Fütterung in den Ursprungsländern sind mit unseren Ansprüchen nicht vergleichbar – man weiß also nicht, wie sich das Pferd in der neuen Umgebung entwickeln wird. Nicht außer Acht lassen sollte man außerdem, wie sehr der Umzug in komplett andere geografische Gefilde den Stoffwechsel und das Immunsystem belastet.

Ein Kompromiss kann es sein, einen Araber-Berber aus Frankreich zu importieren. Dort ist die Zucht deutlich stärker ausgeprägt als in Deutschland und die Lebens- und Haltungsbedingungen der Pferde entsprechen eher unseren Standards.

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