Isländer

  • Nadja 

Der Isländer wird gern auch Isi oder Islandpferd genannt. Er ist ein robustes und vielseitiges Kleinpferd, das seit rund 1000 Jahren rein ohne die Einkreuzung anderer Rassen gezüchtet wird. Ein echter Isländer ist entsprechend nur, dessen Abstammung lückenlos bis nach Island nachvollziehbar ist. Isis haben oft zwei Spezialgänge, Tölt und Pass. Gerade in Deutschland ist die Rasse sehr beliebt.

Größe

Isländer haben ein Stockmaß zwischen 125 und 148 Zentimetern.

Farbe

Isländer gibt es in vielen verschiedenen Farben. Lediglich spezielle Scheckungen wie Leopard oder Sabino Overo kommen nicht vor. Neben den Grundfarben Fuchs, Rappe, Brauner und Schimmel gibt es Falben und Isabellen, Perlinos und Cremellos, aber auch Windfarbene und Farbwechsler.

 

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Foto: Alisa Konrad

Körperbau: Der Isi ist ein kompaktes Pferd

Es gibt unterschiedliche Typen von Islandpferden: ursprünglichere und modernere Sportpferde.

  • Die ursprünglichen Isis stehen im Ponytyp. Sie haben einen kräftigen, kompakten Körper mit einem geraden, manchmal derben Kopf und kleinen Ohren.
  • Der Rücken ist kräftig, der Schweif setzt tief an.
  • Die Gliedmaßen sind klar und trocken.
  • Isis haben eine sehr dichte Mähne und einen dichten Schweif. Im Winter bekommen sie ein ebenfalls dichtes und langes Winterfell.
  • Die modernen Isländer sind eleganter und schlanker, insgesamt gut bemuskelte Reitpferde. Der Kopf ist ausdrucksvoll und wird schön getragen.
  • Isländer sind Spätentwickler und erst mit sieben Jahren komplett ausgewachsen. Sie werden deswegen in der Regel im Alter von vier oder fünf angeritten. Isis können sehr alt werden – bis zu 35 Jahre.Isländer 2

Islandpferde: Inselbewohner mit zwei Spezialgängen

Isländer können neben den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp noch zwei weitere Spezialgänge mitbringen: Tölt und Pass. Man spricht dann von Vier- bzw. Fünfgängern.

  • Tölt ist wie der Schritt ein Viertakt, allerdings hat das Pferd dabei immer nur ein oder zwei Hufe am Boden – im Schritt sind es zwei bzw. drei Beine. Da der Tölt keinen Schwung hat, ist er für den Reiter sehr bequem zu sitzen. Der Isländer geht dabei aufgerichtet mit großer Vorderhandaktion. Tölt kann in unterschiedlichen Tempi geritten werden: von der Schrittgeschwindigkeit bis hin zum Galopptempo.
  • Die zweite Spezialgangart der Isis ist der Pass bzw. der Rennpass. Er ist ein Zweitakt, wobei immer Vorderbein und Hinterbein der gleichen Seite parallel auffußen. Wichtig ist dabei eine klare Schwebephase – sonst spricht man vom Schweinepass. Im Pass können Isis bis zu 45 Stundenkilometer schnell werden. Auch diese Gangart ist bequem zu sitzen.

Charakter: Der Isi ist freundlich und eigenständig

Harte Lebensbedingungen, die 1000-jährige Reinzucht sowie das halbwilde Aufwachsen in großen Herden haben den Charakter des Islandpferdes geprägt: Isis sind selbstbewusst und eigenständig, sehr sozial, mutig und robust sowie zäh und genügsam.

Die Pferde sind zuverlässig und haben einen sehr guten, ausgeglichenen Charakter. Sie sind intelligent, schnell von Begriff und dem Menschen gute Partner, auch in schwierigem Gelände und in haarigen Situationen.

Isländer sind nervenstark und umgänglich, können aber durchaus auch Temperament besitzen. Sie haben Gehwillen.

Weil sie unkompliziert und darüber hinaus sehr bequem sind, lieben Freizeitreiter die Isländer. Sie sind vielseitig, können in der Dressur genauso geritten werden wie auf Ausritten. Isländer werden aber auch als Sportpferde in Gangpferdeprüfungen oder -rennen geritten.

Zuchtziel ist eine hohe Rittigkeit in allen Gängen bei ausdrucksvollen Bewegungen.

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Krankheiten bei Islandpferden

Von Natur aus sind Isis robust und gesund mit starkem Körper und klarem Geist. Die Lebensbedingungen bei uns haben allerdings dazu geführt, dass sich manche Krankheiten entwickeln konnten – gerade importierten Isis macht die Umstellung zu schaffen. Durch die isolierte Zucht kennen Isländer die bei uns gängigen Viren und Bakterien nicht. Und auch das Futterangebot ist hier deutlich üppiger und energiereicher als in Island.

Sommerekzem. Isis leiden oft unter dem Sommerekzem – eine allergische Reaktion auf den Speichel von Gnitzen, Mücken, die es in Island nicht gibt. Die Pferde entwickeln starken Juckreiz und scheuern sich Mähne, Schweif und die Bauchnaht. Falsche Fütterung, Übergewicht und mangelnde Bewegung können das Sommerekzem verstärken. Es ist erblich.

Spat. Spat ist eine Form der Arthrose, die die Sprunggelenke betrifft. Der Knorpel bildet sich zurück und das Gelenk verknöchert, was die Hinterhand recht steif werden lässt. Auch diese Neigung ist erblich – Isis haben oft eine Fehlstellung der Hinterbeine, die Spat begünstigt.

EMS und Hufrehe. Das Equine Metabolisches Syndrom betrifft die Hormondrüse und führt zu einer Entgleisung des Stoffwechsels: Die Pferde sind meist zu dick und haben Fettdepots. Das kann eine Hufrehe bedingen, eine Entzündung der Huflederhaut, die die Strukturen in den Hufen schädigt. Im Worst Case kann das Hufbein rotieren und sich absenken.

COPD/Husten. Isis sind auch anfällig für die chronisch-obstruktive Bronchitis (Chronic-Obstructive Pulmonary Disease), die durch einen verschleppten Infekt ausgelöst werden kann. Mit einer guten Robusthaltung und viel frischer Luft kann hier vorgebeugt werden.

EOTRH. Auch die Zahnkrankheit EOTRH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis) kommt bei Isis vor. Dabei bilden sich Fisteln im Zahnfleisch und der Zahn baut Zahnstein auf, wo er es nicht sollte. Vor allem die Schneidezähne sind betroffen. EOTRH ist eine noch unerforschte Krankheit – hier wird ebenfalls vermutet, dass sie erblich ist.

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Die Geschichte des Isländers: Reinzucht seit über 1000 Jahren

Das Islandpferd geht wohl auf nordische und mitteleuropäische Pferde- und Ponyrassen zurück, wobei auch einzelne Vollblüter in den Ahnen gewesen sein sollen. Wikinger brachten ab dem Jahr 800 Pferde auf die Insel – als Transportmittel und als Arbeitspferde. Die Rasse entwickelte sich komplett losgelöst von den Pferden auf den Kontingent – seit über 1000 Jahren wurden keine anderen Tiere eingekreuzt. Manche sehen im Isländer eine der reinsten Pferderassen überhaupt.

Auf der Insel sind wegen der Isolation kaum Pferdekrankheiten bekannt – deswegen ist der Import von Pferden strengstens untersagt. Offiziell gilt das Importverbot seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Isländer wurden schon immer auch zur Fleischgewinnung gezüchtet – vor allem im Süden der Insel. Nur 40 Prozent der Pferdepopulation wird Zuchttier oder Reitpferd. Im Norden der Insel liegt der Fokus stärker auf der Reitpferdezucht. Die Pferde wachsen halbwild in großen Herden ohne menschlichen Kontakt auf.

Bis 1926 dienten die Islandpferde als Last- und Reittiere, da das Straßennetz auf der Insel nicht ausgebaut war – Ende der 1940er Jahre erfolgte dann die Wende mit dem Ziel ein Reitpferd zu züchten. Mitte des vergangenen Jahrhunderts stellten sich große Export-Erfolge ein. Vor allem in Deutschland war der Isi als kompaktes Geländepferd für die Familie beliebt – heute hat sich der Fokus in Richtung sportliches Gangpferd verschoben. Deutschland ist aber immer noch der größte Markt für Isländer. Rund 50000 Isis leben heute hier.

Die Zucht will die typischen Eigenschaften in Körperbau, Wesen und Gangveranlagung erhalten – und zudem ein gutes Temperament.

Die FEIF (International Federation of Icelandic Horse Associations) ist die Dachorganisation der Zuchtverbände. In Deutschland gibt es den Züchterverband IPZV. Isländer gibt es in Europa und Amerika – die Hauptzuchtgebiete neben Island sind Deutschland, Österreich, Schweden und Dänemark.

Fun Facts

  • Isländer bekommen isländische Namen, egal, wo sie geboren wurden. Oft findet sich darin das Wort „frà“ – es bedeutet „von“ und wird vom Namen des Gestüts gefolgt.
  • Pferde, die in Island geboren sind, haben oft ein Brandzeichen auf dem linken Rücken: eine fünfstellige Zahlenfolge, die sich aus Geburtsjahr, Region, Züchternummer und Pferdennummer zusammensetzt und die Identifikation des Pferdes erlaubt.
  • Das Gerücht, dass Isländer Fisch fressen, stimmt – die wildlebenden Herden suchen gerade in den harten Wintermonaten, wenn kaum Futter zu finden ist, an der Küste und den Flußufern nach Nahrung – wie Hering oder Dorsch. Manche Züchter füttern tatsächlich selbst Fisch zu: als Abfall der Fischindustrie. Isländer fressen auch angeschwemmten Seetang.