Sperrriemen, ja oder nein? Wie muss der Kappzaum richtig sitzen und wie schaffe ich es mein Pferd motiviert und gesund auszubilden? Das sind Fragen, die immer wieder in der Reiterwelt kursieren. Die akademische Reitkunst hat Antworten darauf. Deswegen habe ich mit Bent Branderup – dem Erfinder der akademischen Reitkunst – über genau diese Fragen gesprochen. Wie du es schaffst ein guter Ausbilder zu werden und ein motiviertes Pferd an deiner Seite zu haben? Das erzählt dir Bent Branderup jetzt im Interview.

Wäre es nicht schön, wenn unser Pferd immer motiviert und begeistert mit uns arbeiten würde? Wenn es sich freut uns zu sehen und wenn Ausbildung und Training auf Partnerschaft, Kommunikation und Vertrauen beruhen, statt auf Druck und Stress und Zwang? Genau das will die akademische Reitkunst, die vielmehr Philosophie als Trainingsmethode ist. Bent Branderup hat nicht nur inspirierende Antworten auf die Frage, wie wir es schaffen können ein guter Pädagoge für unser Pferd zu werden, er hat auch eine klare Meinung zu Ausrüstungsgegenständen wie Ausbinder oder Sperrriemen und er kann die Pferdeanatomie ziemlich gut erklären. Mehr zu all diesen Punkten und Themen erfährst du jetzt im Interview.

Bent Branderup Kurs akademische Reitkunst

Interview mit Bent Branderup über die richtige Ausrüstung, den Sitz des Kappzaumes und warum Sperrriemen und Ausbinder nicht in die Pferdeausbildung gehören

Pferdeflüsterei.de: Sie sagen, dass sie beruflich Pferde eingeritten haben, Turniere geritten sind und da sicher auch auf den Punkt trainiert haben, nicht unbedingt immer liebevoll und geduldig umgesetzt. Was war der Wandlungspunkt oder der Weg zu den alten Meister und dem, was sie heute machen?

Bent Branderup: Ich habe ursprünglich Geschichte studiert. Meine Reise durch die Reiterwelt begann also aus historischem Interesse. Ich wollte die europäische Völkerkunde mit Blick auf die Pferdekultur erforschen. Die Gesellschaft war ja über Jahrtausende undenkbar ohne Pferde. Deswegen haben mich meine Reisen immer wieder zu verschiedenen Pferdekulturen geführt. Als ich dann irgendwann in der Schule von Jerez stand, bin ich nie zu meinem Studium zurückgekehrt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich meine Leidenschaft zu meinem Beruf gemacht.

Pferdeflüsterei.de: Und so kam der Weg zu den alten Meistern?

Bent Branderup: Ich habe damals schon meine Lehrmeister aufgesucht. Zum Beispiel Nuno Oliveira oder Egon von Neindorff. Ich hatte Glück, dass ich die letzten großen klassischen Reitmeister noch selbst erleben durfte. Sie hatten leider das Pech genau dann zu leben, als es gerade kein großes Interesse an einer feinen klassischen Reiterei gab. Ich habe das Glück jetzt zu leben, in einer Zeit in der das Interesse daran wieder steigt.

Pferdeflüsterei.de: Kommen wir mal von der Theorie zur Praxis: Die Ausrüstung. Neben dem Baumlosen Sattel und der Kandare gibt es ja vor allem den Kappzaum in der akademischen Reitkunst. Ich sehe immer wieder, dass der Kappzaum etwas bis deutlich tiefer verschnallt ist als ich das sonst kenne. Warum?

Bent Branderup: Es ist sehr schwer den Kappzaum richtig anzulegen. Liegt er zu hoch, drückt man von außen gegen die scharfe Kante der Backenzähne im Oberkiefer. Liegt der Kappzaum zu tief, drückt er auf die Nüstern und kommt auf den empfindlichen Weichteilen des Nasenbeines zu liegen. Da haben wir bei manchen Pferden zwar einen großen Spielraum, bei sehr vielen Pferden aber leider nur einen kleinen Spielraum. Es ist gar nicht so leicht den Kappzaum so anzulegen, dass er wirklich bequem für das Pferd liegt. Wenn aber die Hände sanft sind und das Pferd die Hilfen schön versteht, ist das nicht ganz so dramatisch.

Wenn man aber zu hart mit dem Kappzaum umgeht, gibt es ohnehin keine richtige Verschnallung. Auch wenn er Gebisslos ist. Die Vorstellung, dass man über die Nase sanfter reiten kann als über das Maul, ist ohnehin ein Irrtum. Die Zunge ist als Muskel deutlich stärker und robuster als die dünne Nasenhaut. Nur sehen wir leider so oft eine dramatisch schlechte Handhabung von Gebissen und glauben deswegen, dass das Gebisslose besser wäre. Man muss es eher umgekehrt sehen und sagen, dass derjenige, der mit dem Kappzaum arbeitet zumindest die Absicht hat sanft zu reiten. Hoffe ich zumindest.

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Pferdeflüsterei.de: Es gibt aber auch Studien, die davon ausgehen, dass im Pferdemaul kein Platz für Gebisse ist oder das Gebiss Kau- und Atemreflexe des Pferdes durcheinander bringen kann und denn Pferden so Stress verursacht. Beim Gebisslosen Reiten geht es nicht nur um Zunge oder Nasenbein, würde ich sagen. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Bleiben wir beim Kappzaum und seiner Wirkung sowie seinem korrekten Sitz. Wo liegen da die größten Probleme?

Bent Branderup: Geht man mit dem Kappzaum auf dem Nasenrücken hoch und gibt dort über die Hilfe eine Einwirkung ist es der Schädelknochen, der direkt angesprochen wird. Geht man ein bisschen runter Richtung Nasenbein federt der Kappzaum. Geht man noch weiter runter, federt der Kappzaum wieder zuviel. Deswegen ist die goldene Regel, dass man mit dem Finger die hohle Stelle zwischen Nasenbein und Schädel oben am Nasenbein finden muss und dann das Nasenteil des Kappzaums genau unter den Finger zu liegen kommen sollte.

Pferdeflüsterei.de: Er sitzt also bei jedem Pferd anders – nicht die klassischen 2-Fingerbreit unter dem Jochbein?

Bent Branderup: Das Jochbein liegt bei jedem Pferd ein bisschen anders. Noch schlimmer ist der entsprechende Part über den Nüstern – auch der kann sehr variabel liegen je nach Pferd. Dann muss man auf die Seite des Kappzaums schauen und sehen wo der vordere Backenzahn liegt. Darauf darf der Kappzaum auch nicht drücken, damit er die Schleimhäute nicht gegen die scharfe Kante des Backenzahns drückt. Deswegen müssen wir abwägen zischen der Frage: Liegt der Kappzaum mehr auf dem Backenzahn oder mehr auf dem Nasenbein. Dazwischen müssen wir einen Kompromiss finden.

Pferdeflüsterei.de: Bleiben wir noch kurz bei der Ausrüstung – ich nenne mal zwei Stichworte und frage nach Ihrer Meinung. Erstes Stichwort: Ausbinder..

Bent Branderup: Meine Lehrmeister haben sie auch benützt. Ich habe mich selber dagegen entschieden. Die Wirbelsäule muss aus der Hinterhand in eine dreidimensionale Tätigkeit versetzt werden und das sollte den Kopf platzieren. Nichts anderes soll den Kopf platzieren. Ich hatte auch Lehrmeister, die die Ausbinder sehr lang geschnallt haben und das Pferd musste sich selbst an die Anlehnung des äußeren Zügels hinstrecken. Das war Luis Valenca. Bei ihm musste der innere Zügel auch immer durchhängen. Das finde ich noch vertretbar. Aber wenn man es genau nimmt, braucht derjenige, der sein Pferd auf diese Weise korrekt ausbilden kann, die Ausbinder ja eigentlich gar nicht.

Pferdeflüsterei.de: Es geht dann natürlich einfach irgendwie „schneller“ – aber sicher auch nicht so natürlich und fein…und vermutlich auch nicht so korrekt in der körperlichen Bewegung.

Bent Branderup: Genau, es geht dann schneller. Man darf nicht vergessen, dass es bei all diesen Trainern auch darum ging effektiv und schnell auszubilden. Das war ihr Beruf und sie hatten zum Teil den Druck Pferde innerhalb weniger Monate ausbilden zu müssen. Aber die Reiter heute haben diesen Zeitfaktor ja nicht mehr. Deswegen denke ich: Wenn man es nicht ohne Ausbinder kann, kann man es auch nicht mit Ausbindern. Wenn man ein Pferd aber auch ohne Ausbinder ausbilden kann, warum sollte man sie dann nutzen? Natürlich kann man so manches abkürzen. Aber dann geht meiner Meinung nach durch diese Art der Ausbildung einiges verloren. Der Schwung beispielsweise.

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Pferdeflüsterei.de: Es ist eben immer noch eine Zwangshaltung..egal wie nett oder locker man die Ausbinder verschnallt.

Bent Branderup: Ja, es ist eine Zwangshaltung der Halswirbelsäule und das entspricht nicht der natürlichen Wirbeltätigkeit. Stellen wir uns das selbst einmal vor. Wenn wir Menschen einen Halskragen tragen müssten, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir an dem Tag nicht frei und beweglich Salsa tanzen. Wenn wir den Hals steif halten müssten – egal in welcher Position – dann versteifen sich natürlich auch andere Bereiche der Wirbelsäule. Beim Pferd ist das nicht anders.

Pferdeflüsterei.de: Zweites Stichwort: Der Sperrriemen

Bent Branderup: Wenn die Hände sehr schlecht sind und das Pferd sperrt, dann ist etwas von Seiten des Reiters schief gelaufen. Dazu, dass das Pferd sperrt sollte es aber gar nicht kommen. Wenn es notwendig ist, dass der Unterkiefer im Sperrriemen gehalten wird und verhindert werden soll, dass das Pferd das Maul aufsperrt, dann sind ja die Hände des Reiters schuld. Ich würde mir wünschen, dass dann an der Reiterhand gearbeitet wird, damit das Pferd das Maul nicht sperren muss. Alleine der Titel „Sperrriemen“ erzählt ja schon, dass da etwas schief gelaufen ist.

Pferdeflüsterei.de: Kommen wir von den äußeren Ausbildungsgegenständen zu den inneren Werten. Da wird ja aktuell viel zwischen den Extremen der Dominanz und der positiven Verstärkung gestritten und diskutiert. Wie steht die akademische Reitkunst dazu beziehungsweise, welchen Gedanken verfolgt die Akademische Reitkunst?

Bent Branderup: Ich denke, dass viele der pädagogischen Mittel einfach den Anwender wiederspiegeln. Wir haben oft eine Diskussion ob das eine effektiver ist als das andere. Es kommt aber aus meiner Sicht darauf an, wer die Trainingsmethode ausübt. Der Eine kommt besser mit der positiven Verstärkung klar, weil das den Charakter dieses Menschen als Pädagoge besser spiegelt – der andere kommt mit Horsemanship besser klar. Deswegen geht es nicht darum, dass die eine Art besser ist als die andere. Es geht darum, dass jeder Mensch mit seiner Trainingsmethode am besten umgehen können muss. Dort wo der Einzelne sich als Pädagoge am wohlsten fühlt, ist er richtig.

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Pferdeflüsterei.de: Was macht denn dann einen guten Pädagogen in der akademischen Reitkunst aus?  

Bent Branderup: Er muss selbstständig denken können und nicht einfach mein Kopist sein. Er muss sich pädagogisch vermitteln können – also flexibel sein, je nach Schüler. Mit Schüler kann natürlich auch das Pferd gemeint sein. Ob wir ein guter Lehrer sind, werden wir dann an unserem Pferd sehen können. Keine zwei Beziehungen sind gleich. Ich habe ja zum Beispiel auch mehrere Kinder und zu jedem ist die Beziehung anders. Genauso ist es auch mit Lehrern und Schülern.

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Pferdeflüsterei.de: Ja klar – jeder bringt ja seine eigene Energie mit und diese Energien treffen aufeinander und spielen dann miteinander. Aber es gibt ja grundsätzliche Ideen, was einen pferdegerechten Umgang ausmacht.

Bent Branderup: Genau. Und ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass wir die Debatte haben. Aber es gibt ja auch kein menschengerechtes Leben mehr. Wollen wir wieder zurück in die Natur und dort leben? Was ist denn ein natürliches Menschenleben? So hat der Mensch ein bisschen auch das Anrecht auf diese Aussage verloren.

Pferdeflüsterei.de: Wobei der Mensch ja eine Wahl hat…

Bent Branderup: Ja, der Mensch hat eine Wahl. Aber letztlich geht es darum, dass wir für jedes Individuum das Beste machen. Habe ich also mehrere Pferde und bin Protektionist tragen sie alle Decken. Bin ich Naturalist haben sie alle keine Decken. Der echte Pferdemensch schaut, welches Pferd eine Decke braucht und welche nicht. Pferdegerecht ist, dass man das Individuum und die Bedürfnisse dieses Individuums sieht. Ob es mehr oder weniger Heu braucht, Eisen oder nicht, eine Decke oder nicht. Egal um was es geht – die Frage muss immer sein, was das einzelne Pferd braucht.

Pferdeflüsterei.de: Viele Menschen suchen ja nach einer feinen und sanften Partnerschaft und suchen nach dem Weg dorthin. Da wird es nicht einfacher, wenn Sie sagen, dass jeder anders ist 😉

Bent Branderup: Das wird dadurch tatsächlich nicht einfacher. Es wäre so viel leichter eine Religion anzustreben, in der alle Regeln feststehen. Aber ich will das selbstständige Denken anregen. Ich behaupte auch nicht, dass die akademische Reitkunst und meine Interpretation davon die absolute Wahrheit sind. Jedes Pferd ist anders und deswegen ist es eine Unverfrorenheit, wenn eine Reitweise sich und ihre festen Regeln als das einzig Wahre ansieht.

Pferdeflüsterei.de: Was aber doch oft so ist in der Reiterwelt…

Bent Branderup: Ja, weil wir als Lehrer ja gerne gut zahlende Schüler haben und man versucht so eine Kundenbindung zu erreichen. Und weil viele Trainer auch Angst haben sich selbst in Frage zu stellen. Wenn man eine Religion mit festem Regelwerk aus dem Pferdetraining macht, bekommt man mehr Kundenbindung, als wenn man zum selbstständigen Denken anregen will. Dann werden die Schüler nicht selbstständig und der Reitlehrer behält zahlende Kundschaft. Aber das ist sehr gefährlich, weil man sich selbst nicht weiterentwickelt und auch die Schüler sich nicht weiterentwickeln.

Weil….oh jetzt wird es böse…wir können nicht alle gleich klug werden, aber wir können alle gleich dumm machen. Menschen, die etwas hinterfragen sind gefährlich für Religionsausüber. In Religionen ist nicht gefragt, dass man denkt – da muss man parieren. Und von diesem Gedanken müssen wir weg. Wir brauchen keine Religionen in der Reiterei.

[social_quote duplicate=”no” align=”default”]”In Religionen ist nicht gefragt, dass man denkt – da muss man parieren. Und von diesem Gedanken müssen wir weg. Wir brauchen keine Religionen in der Reiterei.”[/social_quote]

Pferdeflüsterei.de: Pferdeflüsterei.de: Das klingt vielmehr danach als ob wir Philosophien brauchen. In der Philosophie wurde ja immer diskutiert, durchdacht und hinterfragt. Bei der akademischen Reitkunst ist also der Zweifel auch der Antrieb?

Bent Branderup: Der Künstler, der nicht jeden Tag an sich zweifelt und sich hinterfragt ist kein Künstler mehr, sondern ein Kopist. Er kopiert sich einfach jeden Tag selbst.

Pferdeflüsterei.de: Sie stellen sich selbst also immer wieder in Frage?

Bent Branderup: Ja – jeden Tag. So wie all meine Trainer auch. Und dann diskutieren wir über verschiedene Dinge, überprüfen sie und überarbeiten sie. Allein wie sich die akademische Reitkunst in den letzten 20 Jahren entwickelt hat ist immens. Wenn ich alte Videos von früher sehe, sehe ich wieviel sich getan hat. Ich schäme mich aber nicht für das was ich damals gemacht habe, sondern freue mich daran, dass wir soviel weiter gekommen sind.

Wir konnten die Latte über die Jahre immer weiter hochlegen. Das geht nur, weil wir uns immer wieder hinterfragen und miteinander diskutieren. Unsere große Chance ist der Austausch. Meiner Meinung nach müssten die Besten aus jeder Reitweise regelmäßig zusammenkommen und immer wieder hinterfragen, was man mit den Pferden macht und Training sowie Turniere so immer weiter optimieren. Das ist auch das Problem bei Turniersport – da hat man alles festgefroren.

Pferdeflüsterei.de: Vielen Dank für das Interview und die Gedanken über Pferdetraining und akademische Reitkunst.

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4 Kommentare zu “Über die richtige Ausrüstung und richtige Ausbildung! Interview mit Bent Branderup

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    wieder ein sehr spannendes Interview. Gerade das ständige über sich Nachdenken, anpassen an das jeweilige Pferd und kein starres Regelwerk haben, mag ich.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das ging mir ganz genauso. Ich muss sagen, dass Bent Branderup mich an ganz vielen Punkten sehr positiv überrascht hat. Ich hatte mit mehr Regelwerk und Grenzen gerechnet und eine Trainingsform gefunden, die ziemlich viel frei lässt – hauptsache pro Pferd. Das hat mich beeindruckt. Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Nicole sagt:

    Liebe Petra

    Vielen Dank für deine Artikel und Einblicke in die Akademische Reitkunst. Aktuell lese ich sehr viel über dieses Thema und die akademische Reitkunst lässt mich nicht los, da ich mich in ihrer Philosophie sehr gut sehe. Band 1 habe ich soeben durchgelesen und freue mich nun auf Band 2.

    In der Praxis anwenden tue ich sie allerdings nicht (ausser das ich viel bewusster auf die Kommunikation achte und selber versuche sehr feine Hilfen zu geben). Derzeit geniesse ich mit meiner 20-jährigen Reitbeteiligung die wöchentlichen «legeren» Ausritte im Gelände und meine letzte Reitstunde ist schon über 20 Jahre her.

    Im nächsten Jahr erfülle ich mir meinen Herzenswusch – das eigene Pferd. In meiner Wunschvorstellung wird es ein junges Pferd (Iberer ca 6 Jahre) werden, welches das Pferde ABC bereits kennt und auch schon angeritten ist. Was es dann aber tatsächlich wird, wird die Zeit zeigen – wichtig ist, dass die Chemie passt – da spielt das Alter keine Rolle.

    Gerne möchte ich das Pferd und natürlich auch mich in der Akademischen Reitkunst ausbilden. Schritt für Schritt zusammen mit einem Trainer. Ich freue mich schon sehr darauf. Dieses Schritt für Schritt – Leiter für Leiter, wirft für mich aber viele Fragen auf. Ich starte beim absoluten 0 Punkt, kenne weder das Pferd und es kennt mich noch nicht. Wenn ich mich also auf der allerersten Stufe befinde – Beziehungspflege / Bodenarbeit – wie beschäftige ich mein Pferd dann so, dass es auch genug ausgelastet ist? Solange wir uns noch in der Kennenlernphase befinden und gar anfange mit der Bodenarbeit, werde wir dies ja käumlich "stundenlang" pro Tag machen können (Stichwort Über- oder Unterfordern) – das Longieren z.B. kommt ja erst viel weiter hinten.

    Spazieren gehen ja/nein? Hier müssten doch die Grundlagen der Bodenarbeit zuerst einmal erarbeitet werden (das folgen in den unterschiedlichen Positionen). Mir fehlt im Band 1 der Anhaltspunkt wie ich mein Pferd alternativ auslasten kann ohne es zu über- oder unterfordern oder gar in der Ausbildung vorzugreifen. Wie deine Gedanken diesbezüglich aussehen, würde mich sehr interessierten und freue mich auf eine Antwort.

    Herzliche Grüsse
    Nicole

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Nicole, letztlich ist die akademische Leiter ja auch nur ein Weg von vielen, den man nicht sklavisch verfolgen muss. Trotzdem finde ich den Gedanken von Bent Branderup gut, dass man erst einmal im Alltäglichen eine Kommunikation aufbauen sollte. Das dauert ja nicht Monate, sondern eher Tage oder ein paar Wochen. Wenn dein Pferd parallel viel auf die Koppel darf – also eine artgerechte Haltung bekommt – dann bekommt es dort ja auch Bewegung und ein neuer Stall mit neuen Pferden ist eine Riesenherausforderung. Ich habe die ersten 3 oder 4 Wochen meine Stute nur in ihrer Box und dann in der Herde besucht, sie mal rausgeholt und geputzt und Hufe geben geübt. Dann kam langsames Führtraining und dann viele Spaziergänge. Dann erst Gymnastizierung und Parts die den ersten Stufen der akademischen Leiter ähneln. Sobald das okay war, sind wir die Gangarten angegangen. Man muss – glaube ich – bei der akademischen Reitkunst aufpassen, dass man sie nicht zu perfektionistisch und sklavisch verfolgt, sondern einfach auch Spaß hat miteinander, locker lassen kann und nicht gleich alles zu perfekt trainieren will 🙂 Ich hoffe, dass dir das ein bisschen weiterhilft und schicke liebe Grüße, Petra

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