Artikel aktualisiert am 05.10.2017

Vor einiger Zeit habe ich ein Foto gepostet. Auf diesem Foto laufe ich zusammen mit meinem Pferd über die Wiese. Ich habe den Führstrick in der Hand. Wir laufen synchron. Wir sind im gleichen Takt, wir sind im Gleichklang. Sie blickt entspannt nach vorne, ein Ohr ist bei mir, sie hört mir zu und ich höre ihr zu. Das Seil liegt leicht in meiner Hand. Es ist ein wunderschöner Moment. Dieser Moment fühlt sich sicher an und ist sicher. Dachte ich…

Führtraining Petra und Carey

Ich werde dir erzählen, wie ich zusammen mit dem Pferd an dieser Sicherheit gearbeitet habe und ich habe eine Liste von Hilfsmitteln und Punkten zusammengetragen, die dir in deinem Alltag mit dem Pferd helfen können zu mehr Sicherheit. Aber erst einmal will ich dir erzählen, warum ich überhaupt darüber schreibe und mir diese Gedanken zum Thema Sicherheit mache.

Gedanken zur Sicherheit mit Pferden

Ich laufe langsamer, meine Stute läuft langsamer. Ich laufe schneller, renne sogar ein bisschen. Meine Stute trabt schneller und hält mit mir Schritt. Ich bin glücklich darüber. Ich bin glücklich, dass wir im Gleichklang sind. Ich freue mich, dass sie mich spiegelt oder ich sie. Es ist einfach schön so wie es ist. Weil wir aufeinander achten. Das Foto ist nicht gestellt und ich habe meine Schritte auch nicht den ihren angepasst. Es fügt sich einfach zusammen, weil wir in dem Moment sicher miteinander sind.

Mehr Sicherheit mit dem Pferd

Aber: Oh mein Gott! Ich trage Espadrilles, ganz normale Schuhe.

TOMS Schuhe

Und jetzt wird es noch dramatischer: Ich habe keine Handschuhe an…

Rope und Bodenarbeit

Warum? Weil die Espadrilles bequem sind und weil es so warm ist, dass ich keine Handschuhe brauche. Ich denke gar nicht darüber nach. Ich fühle nur diese Leichtigkeit, diesen Moment mit meiner Stute. Sie hört mir zu und ich höre ihr zu.

Mehr Sicherheit mit dem Pferd

Warum ich das alles schreibe? Weil meine Schuhe und die fehlenden Handschuhe unter dem geposteten Foto kritisiert wurden. Neben all den anderen Kommentaren, neben all den Gedanken zu Gleichklang zwischen Mensch und Pferd, neben all den Geschichten anderer Pferdemenschen zu diesem Bild – gab es auch die Kritik an meiner Schuhauswahl und den fehlenden Handschuhen. Verbunden mit dem Hinweis „Safety first“.
Das hat mich ehrlich gesagt überrascht und erstaunt.

Was ist eigentlich Sicherheit?

„Safety First“. Diese zwei Wörter haben sich festgesetzt in meinem Kopf, haben sich gedreht und gewendet. Und mich ehrlich gesagt auch nachdenklich gemacht. Ich frage mich, was dieser Hinweis aussagt über die oft übliche Einstellung zu Pferden und darüber wie wir mit diesen Tieren umgehen.

  • Wie können Schuhe zu einem Sicherheitsthema werden?
  • Wie können fehlende Handschuhe die Frage aufwerfen, ob es wirklich sicher ist so zu trainieren?
  • Wie kann es sein, dass ich erklären muss, warum ich ohne Handschuhe trainiere oder keine Stallschuhe mit dreifachem Kappenschutz trage?
  • Wie kann es sein, dass Sicherheit im Umgang mit Pferden immer noch aufrüsten bedeutet?

Viele Menschen glauben offenbar, dass Sicherheit das gleiche wie Kontrolle ist. Wenn ich also ein Pferd kontrollieren kann, dann ist es sicher..denken sie vielleicht. Ich denke, dass du mit Kontrolle nie ein Pferd bekommen wirst, das dir vertraut und damit zu einem sicheren und gelassenen Pferd in unbekannten Situationen wird. Kontrolle bedeutet für mich auch Unterdrückung und Dominanz. Das ist für mich das Gegenteil von Sicherheit.

Natürlich ist es wichtig seinen gesunden Menschenverstand einzuschalten. Ist es ein Pferd mit einer Vergangenheit, dann ist es natürlich erst einmal nicht so sicher, weil es viel erlebt hat. Es trägt ja ein Gepäck mit sich herum.Ist es ein junges Pferd wird es vielleicht auch noch nicht so sicher sein, weil es die Zusammenarbeit mit dem Menschen ja noch gar nicht kennt und deswegen nicht weiß, was auf es zukommt oder welche Regeln vielleicht gelten. Diese und viele andere Dinge muss man natürlich bedenken – deswegen spreche ich auch von dem gesunden Menschenverstand. Ich kann jetzt nicht jedesmal alle wenns und abers aufzählen während ich den Artikel schreibe.

Dieser Artikel wird also auch ein kleines Stück schwarz-weiß werden, einfach weil ich nicht alle Graustufen in einem Artikel abbilden kann. Ausnahmen unter den Pferden bestätigen natürlich auch immer die Regel und es mag immer wieder Situationen und Pferde geben, die nicht zu meinem im Text folgenden Gedanken passen. Aber ich traue euch zu, dass ihr immer auch euren gesunden Menschenverstand einschaltet und abwägt – je nach Situation und Pferd.

Ein Beispiel: Ich gehe auch nicht zu einem fremden Pferd und gehe mit diesem Pferd in meinen Espadrilles spazieren. Ich tue das, weil ich mein Pferd schon ein bisschen kennengelernt habe und sie mir mit ihrem Verhalten die Sicherheit gibt, diese Schuhe tragen zu können. Es wird auch nicht mit jedem Pferd gehen.

Manche Pferde brauchen mehr Zeit oder sind unsicherer, dann muss ich mit gesundem Menschenverstand darauf reagieren und mich natürlich auch ein Stückweit schützen. Zum Beispiel in dem ich das Pferd nicht so nah an mich heranlasse im training oder indem ich eben Stalschuhe trage. Weil ein junges Pferd zum Beispiel nicht weiß, dass es immer auf meine Füße achten soll. Solange bis wir uns mehr Sicherheit in unserem Miteinander erarbeitet haben.

Das bedeutet aber nicht, dass ich aufrüste. Ich persönlich finde dann eher logisch einen Weg der kleineren Schritte zu gehen, weniger zu wollen und so erst die Scherheit miteinander zu erarbeiten, bevor du dann im Training einen Schritt weitergehst mit dem betreffenden Pferd.

Mir geht es einfach nur um den Blickwinkel – mit all den Punkten, die es natürlich mit logischem Menschenverstand zu beachten gilt.

Was ich sagen will: Zu denken, dass ich nur Sicherheit mit dem Pferd mit den richtigen Hilfsmitteln bekomme, ist aus meiner Sicht der falsche Ansatz. Ein Pferd wird spüren, ob ich ihm vertraue, ob ich mir meiner sicher bin und es wird spüren, wenn ich Angst habe und unsicher bin – egal ob ich Handschuhe trage oder nicht. Und egal ob ich Stallschuhe trage oder nicht.

Es erinnert mich an so vieles in der Reiterwelt. Anstatt am unabhängigen Sitz und der Gymnastizierung zu arbeiten ziehen wir das Pferd mit Ausbindern in die gewünschte Position. Ist das wirklich gesund? Ist das echte Versammlung? Nein, es tut so als ob, damit wir uns schnell gut fühlen können. Ähnlich kommt es mir mit dem Thema Sicherheit vor.

Statt mehr über Pferdeverhalten und Instinkte zu lernen und an uns zu arbeiten, um unserem Pferd echte Sicherheit bieten zu können, kaufen wir uns feste Handschuhe, dicke Stallschuhe, eine Kandare, lassen die Gerte fetzen und wiegen uns in einem Gefühl der Sicherheit. Aber ist das wirklich echte und richtige Sicherheit? Ganz zu schweigen davon, dass das nicht wirklich Kommunikation ist. Ich denke, dass das Aufrpsten keine SIcherheit ist, sondern dass es uns lediglich das Gefühl der Kontrolle gibt und da viele Menschen Kontrolle mit SIcherheit gleichsetzen gibt es ihnen auch das Gefühl der Sicherheit. Es nimmt uns die Angst, die wir vielleicht vor dem großen starken Pferd haben. Aber tief drinnen, wissen wir, dass uns das keine echte Sicherheit bietet.

Statt am Boden, auf der Weide und in der Box unsere Kompetenz zu etablieren beim Pferd, kaufen wir uns Spezialhalfter mit Zug und bauen eine Trense nach der anderen ins Zaumzeug und brüllen. Weil wir so unseren Willen schnell durchsetzen können, ohne an uns arbeiten zu müssen und das Pferd zur Mitarbeit motivieren zu müssen. Alles andere ist doch anstrengend, es nervt und kostet doch Zeit, das Pferd soll doch funktionieren. Es ist doch unser Freizeitausgleich. Aber ist das wirklich erstrebenswert?

Was heißt es wirklich sicher zu sein mit dem Pferd?

Sicherheit mit den Pferden bedeutet für mich, dass beide Vertrauen ineinander haben und Respekt füreinander. Ganz bewusst schreibe ich “füreinander” und nicht “voreinander”. SIcherheit bedeutet, dass mein Pferd sich meiner Ruhe und Gelassenheit sicher sein kann. Es bedeutet, dass mein Pferd sich sicher fühlen kann, weil es weiß, dass ich alles dafür tun werde um es zu beschützen. Es bedeutet kurz zusammengefasst, dass ich ein sicherer Ort bin für mein Pferd. Das Vertrauen, den Respekt und die Sicherheit muss ich mir erarbeiten. Je nach Pferd und Situation kann das auch lange dauern.

Meine Stute beispielsweise ist eine komplexe Persönlichkeit und hat bis heute Momente in denen sie nicht als erstes auf mich schaut sondern selbst prüfen will, ob von irgendwo eine Gefahr droht. Es wird seltener, aber es gibt diese Momente. Das ist okay für mich, weil wir uns auf einem Weg zu mehr SIcherheit befinden. Und das kostet eben einfach Zeit. Aber ich finde, dass wir uns und unseren Pferden diese Zeit geben sollten. Training und das Zusammensein sollte doch Spaß machen und nicht in einen Kampf ausarten.

Pferd loben

Was bedeutet SIcherheit im Training: Für mich ist wichtig, dass ich mir dessen sicher bin, was ich will und was ich tue. Ich mache mir einen Plan und ich habe auch immer einen Plan B und einen Plan C im Kopf. Falls meine Stute an einem Tag andere Pläne hat als ich. Das mache ich, damit ich mir meiner selbst sicher bin und das auch ausstrahle.

Sicherheit im Training heißt auch, dass ich meinem Pferd am Boden gezeigt habe, was ich mir wünsche und was nicht. Ich habe ihr also anfangs und ehrlich gesagt immer mal wieder auch später, die Regeln erklärt, die ich mir so vorstelle in unserem Zusammensein. Wenn ich sicher bin in dem was ich möchte und dem Pferd genau das auch klar kommuniziere und wenn ich selbstbewusst Klarheit biete, wird mein Pferd vermutlich nicht anfangen unsicher zu werden.

Pferd begrüßen

Natürlich bedeutet es auch, dass ich mir nicht alles gefallen lassen darf vom Pferd. Pferde lieben Standfeste Persönlichkeit. Individuen mit Fokus und Selbstsicherheit können sich schnell in die Herzen der Pferde schleichen. Weil genau das dem Pferd sagt, dass es in einer Gefahrensituation jemand Patentes an seiner Seite hätte.

Was darf mein Pferd also nicht:

  • Es darf mich nicht wegschubsen
  • Es darf mich nicht ignoreiren
  • Es darf nicht beissen und treten

Dann muss ich dem Pferd entsprechend sicher sagen, dass ich einen persönlichen Bereich habe und bereit bin diesen Bereich zu verteidigen. Ich stelle mir das immer vor wie eine Blase, die mich umgibt. Je nach Situation und Pferd ist sie größer oder kleiner.

Wie verteidige ich diese Blase? Ich muss mich groß machen, vielleicht ein bisschen lauter werden, Energie Richtung Pferd schicken und klar zeigen, dass ich dem Pferd nicht erlaube mich wegzubewegen. Ich muss also im Grunde standfest sein. Das bedeutet Sicherheit für die Pferde. Viele reagieren unglaublich zufrieden, wenn der Mensch seine Blase zu verteidigen weiß.

Hier habe ich jetzt meine persönliche TOP 10 guter Hilfsmittel für mehr Sicherheit mit deinem Pferd:

Hilfsmittel Nummer 1 = Gelassenheit: Ruhe und Gelassenheit sind zwei Schlüsselhilfsmittel für den Umgang mit Pferden. Es liegt in unserer Verantwortung die Ruhe und den Überblick in allen Situationen zu bewahren. Das wirst du auch feststellen können, wenn du mit deinem Pferd etwas Neues machst oder draussen unterwegs bist. Je ruhiger du bist, desto gelassener ist bestimmt auch dein Pferd. Pferde sind Herdentiere. Bedeutet auch, dass sie immer auf ihre Herde schauen – als Gradmesser. Wenn du mit deinem Pferd unterwegs bist, bist du seine Herde. Wir sind also der Indikator für das Pferd, dass alles in Ordnung ist.

Hilfsmittel Nummer 2 = Klarheit: Was du heute tust, mache uach morgen, mache übermorgen und mache in der Zukunft. Das ist ein Grundsatz für Pferde. Du musst einsehbar sein und wie ein klares Glas Wasser vor deinem Pferd stehen. Es kann dich lesen und weiß immer, was es erwartet.

Hilfsmittel Nummer 3 = Fairness: Du musst fair bleiben. Das ist ganz wichtig. Ein guter Chef ist nun einmal einfach ein fairer Chef. Kein Pferd der Welt macht etwas, um dich zu ärgern. Das ist gar nicht in seinem Kopf. Fordere also nicht Dinge, die das Pferd gar nicht leisten kann. Überfordere dein Pferd nicht und bleibe Fair. Wut und andere negative Emotionen haben am Pferd nichts verloren.

Hilfsmittel Nummer 4 = Individuelles Training: Jedes Pferd ist anders. Sie sind Persönlichkeiten. So wie wir auch Persönlichkeiten sind. Deswegen ist es wichtig das Pferd genau so zu nehmen wie es ist und die Erwartungen an das Pferd anzupassen. Das Training an die Pferdepersönlichkeit und die Stimmung des Tages anzupassen und nicht nach Schema X zu trainieren.

Hilfsmittel Nummer 5 = Rahmenlinien: Pferde brauchen von uns die Balance aus “Ja” und “Nein”. Also einen rahmen innerhalb dessen sie sich bewegen können. Dann wissen sie, was sie dürfen und was nicht und das gibt ihnen wiederum Klarheit. Dann wenn der rahmen fair und individuell angepasst ist an das Pferd – also mit Fairness und angemessen.

Hilfsmittel Nummer 6 = Die richtige Energie: Viele sagen Druck, ich sage Energie. Weil Energie schon in deinem Kopf anfängt. Deine Gedanken sind Energie, die sich in deiner Körpersprache zeigen wird. Du musst also deine Energie im Kopf und im Körper haben und immer versuchen mit so wenig Energie wie möglich und so viel Energie wie nötig auf die Fragen und Wünsche deines Pferdes zu reagieren. Auch wenn es nicht immer leicht ist, sollte negative Energie gar nicht mit in den Stall kommen. Wut, Aggression, Angst oder Stress sollten in deinem Training möglichst keine Rolle spielen.

Hilfsmittel Nummer 7 = Zeit: Alles im Leben hat seine Zeit – heißt dieser Spruch doch so schön. Das gilt auch fürs Pferdetraining. Du solltest deinem Pferd und auch dir selbst eifach immer ein bisschen Zeit geben. Sei nicht zu ungeduldig mit euch beiden und geh den Weg der kleinen Schritte. Dann wirst du am Ende viel schneller sein und du gibst deinem Pferd das Vertrauen, dass du es nicht überfordern wirst.

Hilfsmittel Nummer 8 = Gemeinsame Abenteuer: Jedes kleine Abenteuer macht euch stärker. Als Team könnt ihr so zusammenwachsen. Deswegen ist Gelassenheitstraining immer eine gute Sache. Schritt für Schritt, Moment für Moment wächst SIcherheit, wenn Vertrauen da ist und gemeinsame Abenteuer gut überlebt werden. Das funktioniert dann, wenn du deinem Pferd ein sicherer Anker in diesen Abenteuer-Momenten bist. Mit Geduld und Konsequenz.

Hilfsmittel Nummer 9 = Lob: Das ist ein wahnsinnig wichtiges Hilfsmittel. Denn neben der Rahmenlinie und dem “Nein” ist das “Ja” eine unglaublic schöne Sache um das Pferd selbstbewusster und selbstsicherer zu machen. Es hat ja etwas richtig gemacht und das macht auch Pferd stolz. Also, scheue dich nicht immer wieder zu loben.

Hilfsmittel Nummer 10 = Liebe: Ja wirklich. Liebe dein Pferd so wie es ist und nicht die Vorstellung die du von ihm hast. Wenn du deinen Ehrgeiz beiseite schiebst und dein Pferd nimmst wie es ist, strahlst du eine andere innere Haltung aus, die einem Pferd wiedeurm Sicherheit geben wird.

Pferd loben

Energie passt zu Energie

So – jetzt haben wir einige Hilfsmittel, aber natürlich muss das Training auch in der Praxis stimmen. Deine Energe ist meine Energie. Das ist ein wichtiger Satz. Denn die Energie in deiner Anwort sollte immer auch zur Frage des Pferdes passen. Brüllen und mit der Gerte prügeln, nur weil meine Stute einmal einen Schritt in meine Richtung macht oder weghüpft ist falsch. Das ist zu viel Energie.

Das macht mich zu einem ziemlich unfairen Menschen in den Augen meines Pferdes. Es ist aber auch genauso unfair, das Pferd nicht ernst zu nehmen und sich schubsen und drängeln zu lassen. Denn damit lässt du das Pferd im Grunde alleine in der freien Wildbahn zurück. Denn es hat ja niemanden auf den es sich verlassen kann. Der Mensch lässt sich schubsen, der weiß also schon mal nicht sich zu verteidigen. Wie will er dann in der Gefahrensituation die richtige Entscheidung für das eben des Pferdes treffen. So ähnlich tickt dein Pferd.

Es geht also nicht darum zu dominieren, aber eben auch nicht darum dein Pferd zu verniedlichen. Es geht nur darum den Respekt, den wir dem Pferd entgegenbringen auch von dem Pferd einzufordern.

Alles muss in einem Gleichgewicht bleiben. Verniedlichen ist genauso falsch, wie aus dem Pferd etwas Größeres und Gefährlicheres zu machen, als es ist.

Wissen ist Macht

SIcherheit hat auch ganz viel mit Wissen zu tun. Ich meine damit, dass du dir Gedanken um die Psyche der Pferde machen solltest. Wie denken sie? Wie fühlen sie? Wie handeln sie? Welche Instinkte leiten sie? Dann kannst du deine Kommunikation an die der Pferde anpassen.

Pferde sind Herdentiere. Sie haben Fluchtreflexe und beides gehört für sie zusammen. Wenn sie Vertrauen in die Führungsqualität ihrer Herdenmitglieder haben, werden sie sich gerne immer an der Herde orientieren wenn vermeintliche Gefahr in der Luft liegt.

Wenn wir die Pferde zu uns in die Menschenwelt mitnehmen, dann sind wir ihre Herde und müssen ihnen deswegen die SIcherheit geben, die sie brauchen, um sich wohlfühlen zu können. Das schaffen wir mit unserem Selbstbewusstsein, Klarheit, innere Gelassenheit und Freude am raining. Dann strahlen wir nämlich Ruhe aus. Und Ruhe sagt dem Pferd, dass alles in Ordnung ist und kein Löwe aus dem Gebüsch springen wird.

Pferde sind toll

Innere Ruhe ist das beste Hilfsmittel für mehr Sicherheit mit deinem Pferd

Sicherheit mit den Pferden bedeutet also vor allem Arbeit an uns selbst. Immer wieder. Damit wir genau die Person werden, die das Pferd braucht um sich sicher zu fühlen. Und dann schenken uns die Pferde irgendwann ihr Vertrauen und damit auch die Sicherheit, die wir so gerne hätten.

Sicherheit im Training – praktisch gedacht: Wenn dein Pferd unrihig wird, weil es zum Beispiel ein Geräusch gehört hat, kannst du kurz hinschauen und dann einfach weitermachen wie bisher. Damit signalisierst du deinem Pferd, dass da nichts Dann wird dein Pferd verstehen, dass es keinen Grund gibt Angst zu haben.

Deswegen brauche ich keine Stallschuhe und auch keine Handschuhe. Mein Pferd und ich lernen einander Sicherheit zu geben. Schritt für Schritt. Das Vertrauen wächst. Die Beziehung wächst, dann wächst auch die Sicherheit. Weil wir aber auch einen Weg der kleinen Schritte gehen. Ich bin sicher nicht am ersten Tag mit ihr in den Wald Spazieren gegangen. Sie durfte ankommen, dann durfte sie ihr Klassenzimmer kennenlernen, wir waren immer wieder auf dem Platz und haben Bodenarbeit gemacht.

Es gab Führtrainings und ich habe ihr in jeder Sekunde des Zusammenseins immer wieder auch gesagt, dass ich mich nicht schubsen und drängeln lasse, habe sie dann aber auch gelobt und massiert und gestreichelt, wenn sie ruhig war und aufmerksam. Wir haben in Trainings herausgefunden, wie sie reagiert, wenn sie sich erschrickt und ihr Stück für Stück gezeigt, dass sie uns vertrauen kann. Erst nach 4 oder 5 Wochen sind wir das erste Mal spazieren gegangen. Und jeder Spaziergang ist leichter und entspannter gewesen als der davor. Schritt für Schritt.

Pferde sind toll

Wir Menschen wissen einfach mehr von der Menschenwelt und müssen deswegen auch über die Regeln in der Menschenwelt bestimmen. Dann müssen wir es schaffen keine Angst vor unserem Pferd zu haben, auchw enn es so groß ist und so harte Hufe hat. Nur wenn wir Vertrauen in das Wesen des Pferdes haben und seine Persönlichkeit kenne, kann das Pferd uns auch vertrauen. Wir müssen also den ersten Schritt machen.

Das ist ein langer Weg und kommt nicht von heute auf Morgen. Ich arbeite auch noch jeden Tag daran sicherer und gelassener zu werden. Wenn ich zum Beispiel zum Stall komme, atme ich einmal tief durch, bevor ich zu meinem Pferd gehe. Ich achte auf unsere Rituale, denn die machen mich und damit mein Pferd sicherer.

Ich selbst trage nicht gerne Handschuhe, es ist aber auch in Ordnung Handschuhe zu tragen, wenn du dich wohler fühlst oder Stallschuhe, wenn du dann ruhiger bist. Oder einen Helm, wenn du reitest. Schalte auch immer deinen gesunden Menschenverstand ein. Aber ich denke, dass du deinem Pferd die allergrößte Sicherheit gibst, wenn du lernst ein Ruhepol zu sein.

Auch das liebste Pferd kann sich erschrecken

Egal wie sicher ihr seid und egal wie lieb dein Pferd ist, du arfst trotz all dem nicht vergessen, dass sich auch das liebste Pferd mit dem größten Vertrauen mal erschrecken kann. Deswegen macht es auf jeden Fall Sinn im Gelände einen Reithelm zu tragen. Ich will mit diesem Artikel nicht behaupten, dass wir nicht auch in unsichere Situationen mit dem Pferd geraten können.

Aber es gibt aus meiner Sicht eine wichtige Gleichung: je mehr die Beziehung stimmt + je mehr im Alltag auf die Kleinigkeiten geachtet wird + je mehr dein Pferd gelernt hat sich auf dich zu verlassen + je mehr innere Sicherheit du in dir trägst = desto eher bekommst du mehr Sicherheit mit deinem Pferd.

Ich erinnere mich immer wieder daran zu lächeln, entspannt zu sein und den Moment zu genießen. Das wiederum dankt meine Stute mir mit einem aufmerksamen Ohr. Sie ist mir dann zugewandt. Wenn ich aber hektisch bin, mit meinem Gedanken nicht ganz bei ihr oder unklar, bekomme ich einen muffeligen Gesichtsausdruck und andere deutliche Reaktionen, sie wird unruhiger und ist weniger entspannt.

Ich muss dann wieder lächeln, atme tief durch und denke: Ja, du hast Recht. Ich bin jetzt wieder bei dir. Und schon ist sie auch wieder bei mir. So einfach ist das.

Mehr Sicherheit mit dem Pferd

25 Tipps, die dir im Training mit deinem Pferd mehr Sicherheit geben können

  1. Zeige deinem Pferd in der Box, auf der Weide, in der Halle, beim Führen, beim Putzen und Hufe geben immer wieder, dass du weißt was du tust und die Regen der Höflichkeit und des Respekts für beide Seiten gelten
  2. Lass dich nicht herumschubsen, treten und bedrängeln
  3. Bestehe freundlich aber klar auf dem, was dir wichtig ist
  4. Wenn dein Pferd drei Schritte wegläuft oder dich umrennen will, dann schick es zurück. Nicht weiter und nicht weniger
  5. Lobe es immer dann, wenn es das Richtige getan hat
  6. Freue dich mit deinem Pferd, wenn es etwas geschafft hat
  7. Lass ihm in schwierigen Situationen die Zeit Dinge zu verstehen
  8. Sei konsequent und klar, aber fair und freundlich – egal was ihr zusammen macht
  9. Sei Konsistent und beachte immer das Grundprinzip des „wer bewegt wen“
  10. Bleib ruhig – egal was passiert
  11. Dein Pferd wird unruhig und weigert sich , die Hufe zu geben – bleib ruhig und zerlege die Aufgabe in so kleine Schritte, dass ihr sie nach und nach zusammen lösen könnt
  12. Dein Pferd erschreckt sich vor etwas – bleib ruhig und geh einfach weiter als ob nichts wäre
  13. Dein Pferd hat Angst vor bestimmten Stellen – stell dich zwischen dein Pferd und den Schreckensgegenstand – so beweist du ihm, dass du keine Angst hast und du vermittelst ihm, dass du es beschützen wirst vor dem „Löwen“
  14. Dein Pferd erschreckt sich? Bleib ruhig und lache vielleicht, geh einfach weiter
  15. Dein Pferd hat Angst und will nicht vorbei an einer Stelle – steig ab, wenn du im Sattel bist und meistere den Ort zusammen mit deinem Pferd – indem du ihm Zeit lässt, am langen Zügel oder Strick. Warte bis dein Pferd neugierig wird oder streichle sogar den Gegenstand – wenn er beweglich ist, suche dir jemand, der den Gegenstand bewegt und du „jagst“ ihn zusammen mit deinem Pferd – es gibt viele Möglichkeiten, aber vor allem: Bleib ruhig!
  16. Sei geduldig und gib euch Zeit – dir und deinem Pferd
  17. Dein Pferd ist heute anders als gestern? Ja, es ist eben auch eine Persönlichkeit mit Befindlichkeiten
  18. Dein Pferd kann etwas noch nicht und fängt an sich aufzuregen, weil du forderst und forderst und forderst? Tritt einen Schritt zurück und überlege dir, wie du diese Aufgabe auch in kleine Schritte zerlegen kannst
  19. Dein Pferd kommt dir nicht auf der Weide entgegen oder läuft sogar weg, wenn du mit dem Halfter kommst? Überleg mal, wie lange ihr euch schon kennt oder was du vielleicht auch dafür tun kannst, dass dein Pferd merkt: Arbeit mit dir macht Spaß
  20. Gib deinem Pferd immer wieder ein gutes Gefühl
  21. Wir wollen immer so viel – aber stell dir mal vor, dein Chef kritsiert immer nur an dir herum. Kaum kannst du etwas, will er schon wieder mehr. Kein Lob, kein Urlaub, keine Gehaltserhöhung, keine Pausen.
  22. Freu dich mit deinem Pferd, wenn es etwas schafft
  23. Verbringe schöne Zeit mit deinem Pferd
  24. Bleib ruhig und sei genauso höflich und respektvoll, wie du auch Höflichkeit und Respekt von deinem Pferd einforderst
  25. Mach dir immer wieder klar, wie viel dein Pferd eigentlich für dich tut, wenn es dir folgt weg von der Herde, wenn es die Hufe gibt oder dich auf seinem Rücken duldet.

Diese kleine Liste ist noch lange nicht vollständig, sie umfasst nur eine Nuance des Zusammenseins mit Pferden. Es ist eine kleine Auswahl, dessen, was für mich die Basis für mehr Sicherheit mit dem Pferd ausmacht. Aber wenn du an dir arbeitest und lernst deinem Pferd zuzuhören, wirst du mehr Sicherheit und ein gelasseneres Pferd bekommen.

Pferd kuschelt

Pferd legt Nase in Hand

HIER habe ich schon einmal die Basis zusammengefasst – vom ersten “Hallo” und wie Pferde denken und handeln, damit du dein Pferd besser verstehen kannst

HIER hat Christina von Herzenspferd beschrieben welche Fehler wir im Umgang mit Pferden leider viel zu oft machen und wie wir sie vermeiden können

Ein Buch, das mir übrigens sehr geholfen hat dabei zu verstehen wie Pferde ticken ist “Pferde Verstehen” von Susanne Kreuer

 

Ich überspitze das ganze Thema natürlich gerade und es gibt sicher auch Fälle, in denen Mensch und Pferd nicht anders können. Problemfälle, Pferde mit dramatischen Erfahrungen und seelischen Wunden zum Beispiel. Pferde die aggressiv und respektlos sind. Pferde sind immer noch 400 Kilogramm oder mehr pure Kraft. Es ist unser Glück, dass sie das nicht wissen. Kein Pferd ist so auf die Welt gekommen, es ist immer der Mensch, der ein Pferd in diese Lage bringt.

Egal ob es sich um die kleinen oder großen Probleme handelt, die Pferde und Menschen miteinander entwickeln können. Und ich verstehe auch, dass Trainer, die mit so einem Exemplar zu tun haben, auch mal durchgreifen müssen. Um ihrer Sicherheit und ihres Lebens willen. Aber ein Pferd wird das verstehen und es als das werten was es ist: Die Verteidigung des eigenen Bereiches. Es wird genau deswegen anfangen den Menschen zu respektieren. Dann wenn der Trainer sofort aufhört und jeden positiven Schritt lobt, dann wenn der Trainer fair bleibt.

Aber wir alle haben im Alltag doch nicht wirklich mit solchen Pferden zu tun. Wir holen sie in unsere Welt, die potentiel voller Gefahren für das Pferd steckt. Es ist also auch unsere Verantwortung den Charakter des Pferdes zu erkennen und ihm dann passend zu seiner Persönlichkeit zu zeigen, dass wir uns in dieser Welt bewegen und das Pferd beschützen können.

Ich glaube, dass wir erst einmal geben müssen, bevor wir bekommen.

 

Im Gelände mit dem Pferd

Spazieren gehen mit dem Pferd

Echte Sicherheit kommt nicht von Trensen, Hilfszügeln oder scharfen Gebissen, sie kommt nicht von Gerten und Sporen und von reißenden Händen, sie kommt nicht von Gebrüll und Stallschuhen oder Handschuhen.

Echte Sicherheit kommt von innen.

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37 Kommentare zu “Safety First? 10 Hilfsmittel für mehr Sicherheit mit dem Pferd

  1. MecTeo sagt:

    Guten Morgen!
    Keine Frage, Du hast weitgehend recht mit Deinen Ausführungen. Sowei: gut gebrüllt, Löwe ?
    Da ich aber recht viel mit mir fremden Pferden umgehen muss, und das in aller Regel Pferde sind, die gesundheitliche Probleme und/oder Probleme mit ihrem Besitzer/Reiter haben, ist für mich die Arbeit mit Schuhen mit Stahlkapprn und Handschuhen völlig selbstverständlich.
    Auch für Menschen, die bei mir lernen, gilt: festes, solides Schuhwerk und Handschuhe. Denn auch wenn ich meine Pferde gut kenne und so mit ihnen umgehe, wie Du es oben so schön als Idealfall beschreibst, so gilt das für einen absoluten Neuling noch lange nicht. Und ich möchte, dass jemand, der bei und mit mir und meinen Ponys lernen will, sich immer sicher fühlen kann und auch sicher ist. Aufs Pferd selbstverständlich nur mit Kappe. Und wenn ich kleine Kinder dabei habe. Gilt für die sogar: Kappe auf, sobald wir nur an die Pferde rangehen.
    Ich lasse mich sehr gern belächeln. Dafür müsste ich noch nie auch nur die kleinste Verletzung bei meinen Schülern versorgen.
    Und noch etwas: Safety First gilt selbstverständlich auch für meine Pferde. Gegenstände, an denen sie sich verletzen könnten, werden immer beiseite geräumt, die Ausrüstung regelmäßig kontrolliert, Halfter kommen auf der Weide oder in der Box runter etcpp.
    Und jetzt: Feuer frei. Alle dürfen mich belächeln ?

    • Petra sagt:

      Guten Morgen und Roaaar ;-) Nein im Ernst, wir widersprechen uns da glaube ich gar nicht. Ich schreibe im Artikel durchaus, dass es Situationen und Pferde gibt, da machen Handschuhe sicher sinn und auch Schuhe mit Stahlkappen. Genau diese Fälle, die du beschreibst. Junge Pferde, Problempferde, Pferde, die man nicht kennt – da bin ich auch vorsichtiger. Menschen, die bei dir lernen, kennen deine Pferde ja noch nicht und deine Pferde kennen diese Menschen nicht. IN den ersten Tagen bin ich auch nicht mit Espadrilles zu meiner Stute. Handschuhe hatte ich zwar nie, aber deswegen weil wir so kleine Schritte miteinander gemacht haben, dass ich sie dann schon ein Stückweit einschätzen konnte, als wir das erste Mal spazieren gegangen sind. Mir ging es ganz grundsätzlich um den Bickwinkel. Ausnahmesituationen gibt es immer, für alles :-) Super, finde ich deinen Hinweis mit den Pferden. Natürlich gilt das bei uns am Stall auch :-) Ganz liebe Grüße mit einem Lächeln – ohne das "be" davor :-)

  2. Saskia von PferdeSpiegel sagt:

    Hallo liebe Petra,

    zunächst einmal bin ich ganz neidisch, dass es bei Euch keine Matschwege gibt ;) Schon deswegen trage ich immer meine Schuhe für den Stall bei meinem Pferd. Und wer sagt denn, dass nicht ein anderes Pferd in der Stallgasse oder woanders Dir mal auf die Füße hüpft?

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Dich die Kommentare unter Deinem Foto irritiert haben. Anstatt die Harmonie und die beiden vertrauten Wesen in diesem Bild zu sehen, scheint es tatsächlich Menschen zu geben, deren Fokus sich auf Deine Ausrüstung legt. Seltsam und traurig zugleich.

    Dass die Ausrüstung, ob Helm, Trense, Handschuhe o.a. dem Pferd selbst keine Sicherheit vermitteln, ist auch für mich ganz klar, aber dem Menschen vermitteln diese Gegenstände (vermeintliche) Sicherheit und der begegnet dann auch dem Pferd anders, eben mit mehr Ruhe und Gelassenheit, weil er sich sicher fühlt. Und warum auch nicht? Ich fühle mich ohne Helm beim Fahrrad fahren auch unwohl und radel unsicherer. Stallschuhe hingegen geben mir keine Sicherheit und ich trage im Sommer auch mal kein festes Schuhwerk.

    Selbstverständlich sollte man seinem Pferd durch die von Dir genannten Punkte wahre Sicherheit vermitteln. Ich denke dabei geht es zunächst auch viel um Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten. Wie Du sagst „Echte Sicherheit kommt von innen“. Viele Pferdemenschen sind verunsichert, werden verunsichert durch ihre Umwelt und dann greifen sie leider auch zu Hilfsmitteln, mit denen sie vermeintlich ihr Pferd kontrollieren können, anstatt zunächst an sich zu arbeiten.

    Warum ist ein Reithelm im Gelände sinnvoll…und nicht auch auf dem Platz oder in der Halle? Ich finde solche Aussagen – von Dir als Bloggerin mit sehr vielen Lesern und damit auch einer Verantwortung – kritisch. Ich trage immer einen Helm, eigentlich schon aus Gewohnheit. Eben aus den gleichen Gründen wie beim Fahrradfahren.

    Ich rechne auch nicht damit, dass mein Pferd plötzlich wegspringt, weil ich ihm sehr ähnlich gegenüber trete und mit ihm kommuniziere, wie Du es mit Deiner Stute machst, aber ich trage trotzdem auch mal Handschuhe. Meistens entscheide ich auf der Koppel, ob ich sie anziehe. Abhängig davon, wie mein Pferd drauf ist oder beispielsweise wie das Wetter ist. Weil er eben doch schon zwei Mal eine 180-Grad Kehrwende gemacht hat und ich hatte sogar durch die Handschuhe hindurch Abschürfungen. Das letzte Mal haben wir zu zweit die Pferde von der Weide geholt. Das andere Pferd hat sich erschrocken und die Besitzerin konnte ihn (ohne Handschuhe) nicht halten. Der Wallach ist dann zurück zur Herde galoppiert und zum Glück dabei nicht auf den Strick getreten. Mein Pferd ist zwar auch weggesprungen, aber bei mir geblieben. Haben wir jetzt ein Beziehungsproblem? Nein, ich denke nicht. Er hat genau darauf geachtet, wie ich reagiere. Es sind Fluchttiere und wir sind keine Herdenmitglieder und er erschrickt sich ja auch mal, wenn seine Herde um ihn herum ist. Deswegen bemühe ich mich natürlich ihm der sichere Partner zu sein, aber verbrennen möchte ich mich trotzdem nicht.

    So, das ist länger geworden als gedacht. Wie Du siehst, beschäftigt mich das Thema auch :) auch wenn ich (ausnahmsweise) Mal nicht an allen Stellen Deiner Meinung bin. Viele Grüße, Saskia

    • Petra sagt:

      Liebe Saskia, hmmm – da gibts aber sehr hübsche Barfuss-Fotos von dir und deinem Pferd ohne Helm, ohne Handschuhe – auch bei einem Fotoshooting ;-) Nein im Ernst – ich verstehe, was du meinst und es gibt sicher Menschen, denen die Schuhe und Handschuhe ein Gefühl der Sicherheit geben. Das ist doch auch gut. Wenn sie es brauchen für ihre Sicherheit, ihr Gefühl oder weil ihr Pferd sie noch nicht so gut kennt und umgekehrt. Oder auch weil Herbst ist und die Wege matschig sind. Ich trage die Espadrilles ja auch nicht im Winter oder wenn es regnet. Deswegen verstehe ich deinen Hinweis mit den matschigen Wegen auch nicht so ganz ;-) Natürlich macht es Sinn festere Schuhe zu tragen, wenn das Wetter schlecht oder die Wege matschig sind. Darum ging es mir auch nicht, es ging mir darum zu sagen, dass ich keine Angst um meine Füße haben muss, was mein Pferd betrifft, weil sie gelernt hat den Höflichkeitsabstand zu bewahren. Es ist auch jedes Pferd anders. Aber ich schreibe ja nicht, dass man keine Handschuhe oder Stallschuhe benutzen soll. Ich schreibe, dass sie nicht die Sicherheit bringen, die sich viele Menschen dadurch erhoffen. Es geht mir um den Blickwinkel. Ich habe Kommentare unter einem Foto bekommen, auf dem ich mit meiner Stute (die ich kenne, bei dir ich weiß wie sie reagiert, wenn sie sich erschrickt und die gelassen neben mir läuft) entspannt laufe. Also bei einem Nicht-Problempferd in einer Nicht-Problem-Situation, an einem trockenen Sommertag – warum soll ich da Stahlkappenschuhe mit Profilsohle und Handschuhe tragen? Ich schreibe auch nicht, dass Pferde sich nie erschrecken oder die Beziehung nicht stimmt, wenn Pferde sich mal erschrecken. Deswegen verstehe ich deinen Kommentar auch nicht komplett. Nehmen wir die Situation, die du beschreibst auf der Weide: Dein Wallach ist weggesprungen – typisch für ein Fluchttier – hat dann aber zu dir geschaut – weil er typisch für ein Herdentier dich offenbar als vertrauensvollen Herdenersatz wahrnimmt – ist also ruhig geblieben. Das ist genau die Sicherheit von der ich im Artikel die ganze Zeit schreibe. Deswegen verstehe ich nicht, warum du unter dem Artikel zu dieser Situation quasi die Frage stellst, ob ihr nun ein Beziehungsproblem habt. Nein, eben nicht! Er fühlt sich offenbar so sicher mit dir, sonst wäre er dem anderen Pferd hinterher oder kopflos weg. Das ist doch schön. Und so wie ich dich verstehe trägst du ja auch nicht immer Handschuhe, sondern "auch mal". Also verstehe ich dein Plädoyer für die Handschuhe auch nicht ganz. Du trägst sie offenbar immer dann, wenn sie nötig sind. Wunderbar, ich mache es auch nicht anders. Ich sorge nur dafür, dass ich möglichst nicht in Situationen gerate in denen sie nötig werden könnten. Ich trage sie zum Beispiel im Winter, weil ich keine kalten Hände haben möchte… Was den Helm betrifft, das muss jeder für sich entscheiden. Ich trage ihn im Gelände und das schreibe ich genau so. Auf dem Platz nicht. Aber ich finde nicht, dass ich als Bloggerin anders schreiben, als handeln sollte. Ich finde Helme gut und wichtig. Für mich im Gelände oder wenn ich auf einem Pferd sitze, das ich nicht kenne. So handhabe ich das und schreibe das dann ehrlich so wie es ist. Ohne zu schreiben, dass nur das richtig sei. Ich gebe keine Tipps und Anweisungen zum Helm tragen. Ich traue den Lesern durchaus zu, dass sie so erwachsen sind und ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Ich freue mich aber über deine Meinung und deinen langen Kommentar. Man kann ja nicht immer einer Meinung sein – gerade in der Pferdewelt ist das ohnehin fast ein Ding der Unmöglichkeit ;-)

    • Saskia sagt:

      Hallo Petra,

      ja diese Fotos gibt es und das ist das Titelbild zu einem Artikel, in dem ich u.a. darüber schreibe, was es bei einem Foto-Shooting zu beachten gibt (http://www.pferdespiegel.com/wissenswertes/fotoshooting/), u.a. schreibe ich über das Thema Helm und andere Aspekte, die zur Sicherheit beitragen können und weise auf einem anderen geposteten Foto, in dem ich auch ohne Helm und im Kleid auf meinem Pferd sitze, genau deswegen auf den Artikel hin. Ich finde schon, dass wir auch als Blogger, was das Thema angeht (sowie auch bei andere Themen) eine Verantwortung tragen. Deine Leser sind nicht alle erwachsen und auch wenn sie ihre eigenen Entscheidungen treffen, werden sie durchs Internet beeinflusst. Auch wenn Du keine direkten Tipps und Ratschläge gibst, bist Du sicherlich durch deine Aussagen und Fotos Vorbild für teilweise auch junge Reiterinnen. Aber gerade zu dem Helm Thema gab es ja Ende letzten Jahres (unter Bloggern) genügend Diskussionsstoff im Internet.

      Der Einleitungssatz mit dem Matsch war natürlich nicht ernst gemeint. Mir ist schon klar, dass wohl niemand bei Winterwetter in Sandalen durch den Stall stiefelt.
      Und ich verstehe schon, was Du mit dem Artikel sagen möchtest und finde solche Kommentare auch unangebracht, aber ich finde, dass Du hier stellenweise zwei Sachen vermischt: Hilfsmittel wie scharfe Gebisse, Ausbinder, Führketten, geben natürlich keine Sicherheit, sondern dienen nur der Kontrolle. Etwas was beim Miteinander mit dem Pferd nichts zu suchen hat. Mit Helm, Handschuhen und Stallschuhen schütze ich schlichtweg meinen Körper (sie bringen also Sicherheit für meine Gesundheit) und das unabhängig davon, ob ich davon ausgehen, ob mein Pferd mir vertraut oder nicht. Ich trage Handschuhe situationsabhängig, ja, und zwar genau dann, wenn ich meine Hände schützen möchte, weil es sein könnte, dass sich mein Pferd erschrickt und dass kann bei einem Fluchttier halt der Fall sein. Natürlich hat das viel mit der Beziehung zu meinem Tier zu tun, aber eben nicht nur. Der Charakter, Alter, Erfahrungen etc. tragen dazu auch bei. Ich trage die Handschuhe also ziemlich oft und sie geben mir Sicherheit, ein besseres Gefühl und Ruhe, was sich positiv auf mein Pferd auswirkt. Auch wenn mein Pferd nicht kopflos davongedüst ist, hätte ich in der geschilderten Situation Verbrennungen gehabt. Letztendlich schreibst Du das ja genauso auch für den Helm „Gerade im Gelände macht das (in dem Fall Tragen eines Helms) den Ausritt auf einem Fluchttier sicherer“ Ich verstehe trotzdem nicht, warum ein Helm nicht auch auf dem Reitplatz sicherer machen soll?! Letztendlich schützt er den Kopf.

      Viele Grüße, Saskia

    • Petra sagt:

      Liebe Saskia, manchmal bin ich einfach etwas zugespitzt, nicht böse gemeint. In mir steckt ein Ironieteufelchen, das ich mit dem Smiley dann auch andeute. Deswegen auch mein Smiley nach dem Satz zu deinem Shooting. Will sagen, die Fotos verbreitest du ja auch im Netz und bist damit Vorbild für Mädchen, die sich mit Wallehaar barfuss ohne Helm auf ihre Pferd setzen. Das ist für mich aber vollkommen in Ordnung, weil ich einfach denke, dass jeder auch für sich entscheiden muss, was er tut. Deswegen sehe ich die Bilder und denke mir nichts. Höchstens, dass dein Pferd zufriede aussieht und du sehr hübsch. Aber wenn du mir mit der Vorbildfunktion kommst, muss ich wenigstens einmal kurz darauf aufmerksam machen dürfen – denn dann dürfte es solche Bilder eigentlich auch nicht von dir geben – egal ob für ein Shooting oder nicht. Weil du als Vorbild immer fungierst, auch mit deinen Fotos – unabhängig davon was du in den Texten schreibst. Genau das schreibst du mir ja gerade. …Wenn man es auf die Spitze treiben wollte. Was ich nicht möchte :-) Deswegen auch hier wieder mein Smiley. Ich finde es übrigens auch sehr sicher mit Helm auf dem Platz. Das darf jeder für sich entscheiden. Ich reite bei einem Pferd, das ich nicht kenne oder auf einem Platz, den das Pferd nicht kennt auch mal mit Helm. Es ist einfach eine persönliche Risikoabschätzung für mich. Du siehst mich das aber hier in diesem Kommentar zum ersten Mal schreiben, weil ich einfach versuche neutral bei diesem Thema zu bleiben. Ich habe es im Artikel nur dazu geschrieben, um eben klar zu machen, dass man immer mit gesundem Menschenverstand je nach Situation entscheiden sollte. Und ich schreibe es hier auch nur, weil du so insistierst. Ich mache niemandem Vorschriften und möchte sie auch nicht gemacht bekommen. Ich finde es doch auch nicht verwerflich Handschuhe zu tragen oder Stallschuhe. Sage ich nie. Ich sage nur, dass sie nicht das sind, was Sicherheit mit dem Pferd bringt. SIe können ein Schutz sein: Ja! Aber das bestreitet keiner. Ich erwähne übrigens nicht nur die Hilfsmittel und die scharfen Zäumungen als Beispiel, sondern auch das Thema Versammlung. Ich komme quasi vom Hölzchen zum Stöckchen und werfe diese Dinge eben nicht in einen Pott. Sondern zähle verschiedene dieser Dinge auf, die im Grunde oft die gleche Basis haben. Die Handschuhe und die Kommentare darum waren also für mich ein Symptom für einen Blickwinkel in der Reiterwelt, der mir immer wieder auffällt und den ich traurig finde. Nämlich an der Aufrüstung oder an der Optik des Pferdes zu arbeiten, anstatt zu lernen, zu wissen und an sich selbst zu arbeiten. Hauptsache es sieht so aus als ob oder fühlt sich so an als ob – aber ob es wirklich IST wird zu oft nicht nachgefragt. Nur darum geht es mir. Nichts anderes :-) Liebe Grüße, Petra

  3. Meike Berger sagt:

    Natürlich kommt echte Sicherheit von innen – das sollte das Ziel unserer Arbeit mit den Pferden sein. Meine innere Sicherheit hilft mir aber wenig wenn das Fluchttier neben mir doch mal seinem Urinstinkt folgt und plötzlich vor etwas zur Seite springt, das junge Pferd beim Hufegeben durch einen Wachstumsschub unausbalanciert ist und das Bein nicht länger aufhalten kann etc. dann stehen Dir nämlich mal gepflegt 600kg .auf den Zehen. Stoffschuhe kann man da dann ja wenigsten aufschneiden… Ähnliches gilt für Handschuhe – man kann eine noch so große Harmonie mit einem Pferd leben, diese wird es vergessen wenn das Gespenst zu böse ist.
    Der Artikel ist gut geschrieben und beinhaltet viel Wahres, aber v.a. das Fazit ist m.E. zu kategorisch und kann falsch verstanden wereeb

    • Svenja sagt:

      Liebe Meike, ich muss deinem Satz "man kann eine noch so große Harmonie mit einem Pferd leben, diese wird es vergessen wenn das Gespenst zu böse ist" widersprechen. Natürlich wird man auch bei perfekter Harmonie nicht verhindern können, dass das Pferd sich mal erschreckt, aber man kann die Reaktion auf den Reiz beeinflussen. Zwischen losreißen und nur eschreckt den Kopf hochreißen liegen nämlich viele Zwischenschritte. Ein Pferd, das seinem Menschen vertraut, wird nicht mehr so schnell kopflos bzw. wird deutlich schneller wieder zuhören. Ich muss noch nicht mals an dem Punkt größter Harmonie angelangt sein, um gelernt zu haben feine Veränderungen meines Pferdes wahrzunehmen. Das hilft mir schon sehr frühzeitig reagieren zu können, bevor mein Pferd beschließt abzuhauen. Und DAS bringt mir tatsächlich mehr Sicherheit. Und für das eine Mal, wo so plötzlich etwas richtig Schreckliches passiert, dass ich mein Pferd nicht daran hindern kann mir den Strick durch die Hand zu ziehen, nützen mir die Handschuhe hinsichtlich der Kontrolle über das Pferd auch nichts.

    • Petra sagt:

      Liebe Meike, der Artikel scheint seine polarisierenden Momente zu haben ;-) Du beschreibst Eventualitäten, die ich im Artikel auch aufgreife – mit dem Hinweis, dass zum Beispiel bei jungen Pferden oder problematischen Pferden auch Handschuhe oder Stallschuhe Sinn machen können. Ich bin übrigens nicht gegen Stallschuhe – vielleich sollte ich das mal in Großbuchstaben in den Artikel schreiben. Weil das einige wohl falsch verstehen – ich muss es also nicht klar genug geschrieben haben. Ich bin nur dagegen zu glauben, dass die Stallschuhe mir Sicherheit bringen. Ein Pferd das gelernt hat auf den Menschen zu achten bringt meinen Füßen deutlich mehr Sicherheit. Ich habe ja so ein junges Pferdchen, das auch manchmal wackelig und zappelig beim Hufe geben ist. Ich stelle mich aber einfach so hin, dass sie die Chance hat den Huf abzuwackeln / abzustellen – ohne mich zu treffen. Bislang klappt das sehr gut. Ich glaube ja fast (wenn das Gespenst nicht zu riesig ist oder das Pferd zu nervös vom Grundcharakter und das wäre dann ja wieder ein Fall von "Problematisch" und deswegen machen Handschuh Sinn), dass kein Pferd seine Herde (und das bist du ja in dem Moment, wo du mit dem Pferd alleine draussen bist) freiwillig verlassen wird, wenn es der Herde und deren Einschätzung bei Gespenstern vertraut. Dann wird es sich vielleicht erschrecken, einen kurzen Hüpfer machen und dann aber die Reaktion der Herde abchecken. Wenn die ruhig bleibt, wird auch das Pferd in aller Regel ruhig bleiben. Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel. Aber lange Rede, kurzer Sinn: Es geht mir zu keinem Moment darum Handschuhe oder Stallschuhe oder Halfter zu verdammen – tue ich nicht. Es geht mir nur darum klar zu machen, dass das alles alleine keine Sicherheit bietet. Weil Pferde nicht auf Stallschuhe und Handschuhe vertrauen, sondern auf innere Ruhe und klare Kommunikation. Wenn die stimmt, sind die Chancen viel geringer, dass das Pferd dem Gespenst nachgibt. Liebe Grüße und ich freue mich sehr über die Diskussion :-) Danke für deinen Kommentar, Petra

  4. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    erst Mal finde ich euer Bild sehr schön. Genau wie du liebe ich die Bilder bei denen ich mich im Gleichklang mit meinem Pony bewege. Das sind so schöne Momente. Überhaupt wirkt ihr auf den Bildern so als hättet ihr schon zusammen gefunden. Das freut mich für dich :).

    Zum Thema Sicherheit: Ich teile hier deine Meinung. Sicherheit im Umgang mit Pferden entsteht für mich von innen raus. Wenn ich meinem Pferd vertraue, nicht versuche es zu kontrollieren (was ich ehrlich gesagt doch gar nicht kann) in mir Ruhe, dann ist es in der Regel so, dass die Pferde das gut annehmen und keine gefährlichen Situationen entstehen wo ich mich schützen muss. Ich kann mich auf die Weide setzen und die Ponys rennen um mich rum auf’s Gras und keiner kommt mir zu Nahe oder bringt mich in eine blöde Situation.
    Natürlich heißt das aber nicht, dass ich leichtsinnig bin. Ich versuche immer meinen Verstand einzuschalten und die Situation abzuschätzen. Natürlich bringe ich mich nicht in Gefahr nach dem Motto ich vertrau jetzt mal drauf, dass es gut geht. Wenn ich z.B. merke, dass mein Pony einen sehr energievollen Tag hat und dazu neigt zu springen und zu hüpfen, schau ich, dass ich meine Füße von ihm fern halte. An solchen Tagen werde ich ihn nicht mit Sandalen rausholen, was ich sonst durchaus mal tue (ich weiß ganz böse, komischerweise ist noch nie was passiert, weil mein Pony weiß, dass er Abstand halten soll). Bei mir fremden Pferden würde ich immer nur festes Schuhwerk tragen, da ich nicht weiß, wie sie reagieren und wir noch keine Beziehung zueinander haben. Aber bei meinem eigenen Pony weiß ich wie er reagiert, worauf ich vertrauen kann und worauf nicht.
    Ich glaube viele Menschen haben Angst vor Pferden, weil sie groß und stark sind. Statt sich diese Angst einzugestehen und daran zu arbeiten, wird versucht mit Hilfsmitteln das Pferd und die Risiken unter Kontrolle zu halten. Ich glaube ich persönlich gehe sehr bewusst mit Gefahren um und versuche durch Training und vorausschauendes Handeln, der Arbeit an mir selber und einem großen Vertrauensvorschuss gegenüber meinem Pony die Gefahren zu minimieren. Für mich bin ich damit auf einem sicheren und guten Weg.
    Was für mich immer ein Muss ist, ist der Reithelm beim Reiten. Ich habe einmal die Erfahrung gemacht mit dem Pferd zu stürzen und da hat mir der Helm das Leben gerettet. Das Pferd konnte nichts dafür und es hatte nichts mit mangelndem Training zu tun.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, danke für deinen Kommentar. Genau darum ging es mir – du hast es noch so schön ergänzt und zusammengefasst, dass ich ihn am liebsten direkt unter den Artikel packen würde. Es geht nicht darum naiv und leichtsinnig durch die Gegend zu hüpfen und dann zu glauben, dass das schon reicht – damit diese Sicherheit entsteht. Es geht darum das pferd zu kennen, mit ihm zu arbeiten und so nach und nach eine Bindung zu schaffen, die mich einerseits erkennen lässt, wann eine Situation nicht ganz so sicher werden könnte, um zu reagieren und andererseits dem Pferd das Gefühl gibt, sich in meine Obhut begeben zu können. In der ersten Woche wäre ich auch nicht mit Espadrilles Spazieren gegangen. Wir sind gar nicht spazieren gegangen. Weil mein Pferd mich noch nicht kannte und ich sie auch nicht – das wäre mir zu gefährlich gewesen. Egal ob Handschuhe oder nicht. Der bewusste Umgang mit Gefahren, das Training zu mehr Vertrauen und dann der offene Blick für die tägliche Stimmung des Pferdes – machen diese Sicherheit aus. Was den Helm betrifft, kann ich verstehen, dass du ihn immer trägst und auch andere. Das ist in Ordnung und sehr nachvollziehbar. Ich trage ihn im Gelände oder wenn ich ein Pferd nicht kenne. Finde aber gut, wenn Menschen ihn immer tragen, würde es aber denen die ihn nicht tragen selbst überlassen. Auf jeden Fall freue ich mich immer zu lesen, wenn du schreibst. Es sind immer Gedanken und Anregungen dabei, die ich mir mitnehme :-) Ganz liebe Grüße an dein Pony und dich, Petra

  5. Svenja sagt:

    Ich pflichte Mecteo bei. Ich kann so viel nachvollziehen was du schreibst und bin absolut bei dir.
    Ich besitze ein sehr unsicheres, ängstliches, nervöses Pferd mit wenig Selbstvertrauen. Auch mit wenig Vertrauen in alle im ihn herum. Wenn er Angst bekommt, dann springt er ins ranghöchste Pferd seiner Gruppe hinein, um sich zu retten.
    Er ist mein Herzenspferd. Wir haben extrem viel erreicht, er ist sehr auf mich fixiert, er vertraut mir für seine Verhältnisse unglaublich. Das wird immer wieder deutlich, wenn andere Menschen in ungewohnten Situationen (außerhalb des Stallgeländes) mit ihm umgehen. Wir haben viel vom Boden miteinander gemacht und kennen uns in- und auswendig. Ich trage keine Handschuhe, auch beim Spazieren gehen nicht. Weil ich genug Erfahrung mit Handschuhen habe, dass ich weiß, dass die Chance sehr gering ist, das er mir wirklich den Strick durch die Hand zieht.
    Niemals würde ich die Schuhe anziehen, die du hier so schön zeigst. Deshalb würde ich aber nicht auf die Idee kommen, sie dir abzusprechen :-) Mein Freund führte am Wochenende mein Pferd und hat viele schmerzhafte Erfahrungen gemacht, die ich vor Jahren auch gemacht habe, und die wirklich selten sind. Mein aufgeregtes Pferd glotzte beim Spazieren in die eine Richtung, paddelte mit den Füßen in die andere Richtung und stand ihm, obwohl sie seitlich versetzt hintereinander gingen, plötzlich auf dem Fuß.

    Ich trage immer feste Schuhe beim Pferd. Um mich zu schützen: Safety first!

    Mein 2,5 jähriger Jungspund ist übrigens ganz anders. Da könnte ich sicher auch barfuß neben her laufen. Aber er ist eine ganz eigene Persönlichkeit.
    Ich finde es falsch, dir, ohne Kenntnis deines Pferdes, Sicherheitsvorschriften in Bezug auf die Kleidung zu machen. Aber dein Artikel liest sich für jemanden wie mich ein bisschen so, als hätte ich die letzten 7 Jahre einfach nicht genug mit meinem Pferd geübt. Und ich glaube das ist falsch, denn man muss immer auch die Rahmenbedingungen betrachten. Und Handschuhe und feste Schuhe können vor Verletzungen schützen – und damit brenzlige Situationen sicherer machen, indem wir weiter handeln können (statt vor Schmerz den Kreislauf zusammen sacken zu spüren).

    • Petra sagt:

      Liebe Svenja, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich finde toll, was du mit deinem Pferd erreicht hast. Ich würde aber sagen, dass wir uns gar nicht widersprechen. Ich sage nirgends, dass es immer so ist – als Gleichung funktioniert ohnehin nichts bei Pferden. Natürlich gilt nicht "Innere Sicherheit = 100% sicheres Pferd". Jedes Pferd ist anders. Auch das schreibe ich. Wenn du ein ängstliches und schreckhaftes Pferd hast, wirst du seinen Charakter natürlich nicht grundlegend ändern können. Dann bedeutet Sicherheit etwas anderes als bei einem gechillten Pferd. Aber er wird ja auch in der Herde ängstlicher sein – sprich: das ist sein Charater – damit muss man dann als Mensch umgehen. Zum Beispiel, in dem man eben immer Stallschuhe trägt um die Füße zu schützen. Oder auch bei einem problematischeren Pferd. Aber – das schreibe ich auch – da können Handschuhe und Stallschuhe sicherlich Sinn machen. Ich bin ja nicht dagegen, ich denke nur nicht, dass sie die Sicherheit bieten können, die sich Menschen wünschen. Sondern, dass wir unseren Blickwinkel ändern müssen, wenn wir glauben, dass das Sicherheit mit dem Pferd bietet. Ziel ist aus meiner Sicht, es zu schaffen, dass das Pferd genauso mit mir agiert, wie es in der Herde agiert. Seinem Charakter entsprechend. Du schreibst ja auch, dass du ohne Handschuhe mit deinem Pferd rausgehst, weil ihr euch so viel Sicherheit erarbeitet habt, dass du ihm vertraust und er dir. Er bei deinem Freund aber auf die Füße gehüpft ist. Warum? Weil "Das wird immer wieder deutlich, wenn andere Menschen in ungewohnten Situationen (außerhalb des Stallgeländes) mit ihm umgehen." – wie du schreibst – Damit gibst du die Antwort ja im Grunde selbst – dein Freund hat diese Bindung noch nicht. Warum also sollte er ihm so vertrauen, wie er das mit dir tut? Da machen dann auch Stallschuhe sicher Sinn. Wobei ich dann ehrlich eher sagen würde – wenn er ihm auf die Füße hüpft und deutlich ängstlicher ist als bei dir, muss dein Freund vielleicht noch mehr mit ihm am Boden arbeiten doer du mitgehen, bis er alleine mit ihm spazieren gehen kann, damit er dann genauso entspannt sein kann, wie mit dir. Aber das ist jetzt wirklich sehr pauschal geschrieben, ohne alles zu kennen und zu wissen :-) Es gibt ja immer tausend Graustufen mehr, als man in ein paar Worten schreiben kann. Ich kann auch in meinen Artikeln nicht alle Graustufen und Möglichkeiten unterbringen. Ich versuche es schon immer, aber am Ende ist alles so individuell mit Pferden, dass es schwer ist – alle Eventualitäten abzudecken. Auf jeden Fall freue ich mich über deinen Kommentar und hoffe sehr, dass du nicht weiterhin denkst, dass ich dir und deinem Pferd mangelndes Vertrauen oder mangelnde Arbeit unterstellen möchte. Ganz liebe Grüße, Petra

    • Petra sagt:

      Liebe Anika, vielen Dank – das freut mich sehr. Ganz liebe Grüße an Dein Pferd und dich, Petra

  6. Claudia sagt:

    Liebe Petra,

    ich muss ehrlich gestehen, mir wäre es nicht einmal aufgefallen… :O)

    Das Thema an sich ist wohl ein sehr polarisierendes. Ich muss selbst gestehen, dass mir meine Stallschuhe sehr wichtig sind. Einerseits sind mir damit sämtliche Pfützen egal, ich muss zugeben ab und zu trete ich sogar absichtlich rein. Macht eben Spaß! :OP

    Andererseits trage ich sonst sehr oft Tennis-Schuhe. So auch im letzten Jahr, als ich nur kurz im Stall war. Kurz hat allerdings dafür gereicht, dass mir in einem unaufmerksamen Moment mein Pflegepferd auf den Fuss getreten ist.

    Die Auswirkungen waren wesentlich größer, als sie mit festem Schuhwerk gewesen wären. Aus diesem Grund, trage ich jetzt immer meine Stallschuhe.

    Für mich hat das aber weniger mit Angst oder dem Schutz vor meinem Pflegepferd zu tun. Viel mehr damit, es für uns beide sicherer zu machen.

    Immer wieder merke ich, dass ich mein festes Schuhwerk einfach brauche, um auch meinem Pferd Sicherheit zu geben. Ich habe damit einfach besseren Halt beim gehen und bewege mich dadurch sicherer. Gerade im Stall oder im Gelände gibt es auch unwegsames Wege.

    Aber eines, kann es nicht sein, dass wir uns fürchten und uns vor lauter Angst schützen müssen.

    Ob Stallschuhe oder nicht ist jedem selbst überlassen. Vor allem auch der eigenen Einschätzung.

    lg Claudia

    • Petra sagt:

      Liebe Claudia, du wirst es nicht glauben, aber ich habe auch feste Schuhe für den Stall ;-) Die kommen bei Regenwetter, im Herbst oder bei matschigen Wegen zum Einsatz. Aber wir haben auch Wege ohne Matschpfützen, vor allem wenn das Wetter schön ist im Sommer. Dann kommen meine Espadrilles. Vielleicht hatte ich auch Glück – ich weiß es nicht. Aber mir ist erst einmal ein Pferd auf den Füßen gestanden. Bei meiner allerersten Bodenarbeit vor ein paar Jahren – da bat ich das Pferd einen Seitengang auf mich zu zu machen. Weil ich es nicht einschätzen konnte, stand der fleißige und liebe Wallach auf meinem Fuß. Damals hatte ich feste Schuhe an. Weil ich das Pferd nicht kannte und auch nicht wusste wie die Bodenarbeit funktioniert. Bei neuen Pferden habe ich die ersten Male feste Schuhe an – wenn ich sie kenne trage ich im Sommer auch mal Sneakers. Aber je nach Geschmack. Mir geht es auch nicht darum, dass Stallschuhe böse sind oder man keine zu haben hat ;-) Sondern nur um den Blickwinkel. Sie sind nicht unbedingt nötig – je nach Pferd – wenn der Rest stimmt. Am besten finde ich deinen Schlussatz – "vor allem auch der eigenen Einschätzung" – genau!!! :-) Liebe Grüße, Petra

  7. Nadja sagt:

    Eine Reitlehrerin ritt und arbeitete ihre Pferde im Sommer barfuß – was auch immer wieder für Kritik sorgte. Ich finde: Das muss sie selbst wissen.
    Ich bin auch ganz bei dir, wenn du schreibst, dass nicht die Ausrüstung das Pferd kontrolliert: Es muss sich selbst unter Kontrolle haben, und es ist unser Job, ihm das beizubringen. Natürlich kann immer etwas passieren. Aber das ist überall so. VG! Nadja

    • Petra sagt:

      Danke! :-) Ich denke sowieso, dass das jeder selbst wissen muss. Wer sich wohler fühlt mit, soll gerne. Alles ist erlaubt, solange es nicht dem Pferd schadet. So denke ich. Du hast meinen ellenlangen Artikel schön in einem Satz zusammengefasst – da frage ich mich gerade, warum ich so viele Wörter gebraucht habe ;-) Liebe Grüße, Petra

  8. Karo von Pferdefreunde sagt:

    Ein schöner Beitrag, den ich voll unterschreiben kann!
    Und soll ich dir mal was verraten? Ich habe NIE Handschuhe an, ich besitze nämlich nicht mal Handschuhe. Und ehrlich gesagt bin ich mit meinem Pferd auch nie in die Situation gekommen, dass ich Handschuh gebraucht hätte. Stattdessen nutze ich andere Dinge wie Ruhe, Gelassenheit, Vertrauen oder Zeit. Und wenn wir beim Spazierengehen etwas komisches entdecken, dann beweise ich jedes Mal Mut und gehe zwischen der "Gefahr" und dem Pony. :)
    Eine Sache sehe ich in puncto Ausrüstung aber gar nicht locker: die Sache mit dem Helm. Ich habe bei einem dämlichen Sturz nämlich bereits einen galoppierenden Huf an den Kopf bekommen und wurde vom Helm geschützt. Wäre der Helm nicht gewesen, stünde auch dieser Kommentar nicht hier…

    Liebe Grüße
    Karo

    • Petra sagt:

      What??!? Keine Handschuhe? ;-) Nein im Ernst – ich habe das Gefühl, dass einige sich jetzt auf die Stallschuhe eingeschossen haben. Die ich ja gar nicht verteufeln will. Stallschuhe sind toll, wenn sie bequem sind und man sie gerne trägt oder das Wetter fies ist. Genau wie Handschuhe – meinen schönen Winterhandschuhe liegen schon bereit. Ich brauche sie halt nur, damit meine Hände nicht frieren. Ich mag das Gefühl der "Nähe" ohne alles an meiner Hand. Ich gehe auch gerne zwischen Gefahr und Pony. Wenn meine Madame etwas unruhiger wird im Gelände, schaue ich sofort, was es sein könnte und stelle mich dann "todesmutig" dazwischen. Funktioniert sehr gut. Ich kann deinen Hinweis mit dem Helm verstehen, ich habe einen und nutze ihn gerne. Ich nur im Gelände, aber das ist jedem selbst überlassen nd natürlich ist es vollkommen gut, wenn man ihn immer nutzen will. Hast du absolut Recht :-) Liebe Grüße, Petra

  9. Svenja sagt:

    Liebe Petra,
    ich finde den Artikel sehr gut. Allerdings habe ich den Eindruck dass ihn einige nicht ganz richtig verstanden haben. Es geht doch nicht darum, dass man generell keine Handschuhe oder festes Schuhwerk benötigt, sondern dass es in Situationen, die man gut einschätzen kann, durchaus ok ist, darauf zu verzichten, weil eben diese Hilfsmittel alleine nicht die entscheidenen Faktoren sind, um eine Situation sicher zu machen. Den größten Teil macht das Vertrauen, die Erfahrung und bestimmte Trainingselemente (wie z.B. Abstand halten) aus. Diese sorgen nämlich dafür, dass Situationen, in denen diese Hilfsmittel gebraucht werden, immer seltener werden. Handschuhe bringen im übrigen ja auch nicht mehr Kontrolle über ein Pferd, sie dienen genauso wie Schuhe nur der eigenen Sicherheit. Und wie viel sich jemand schützen möchte, das ist nun wirklich jedem selbst überlassen. Deswegen sind die Kommentare unter dem Bild auch so sinnlos.

    • Petra sagt:

      Liebe Svenja, darf ich einmal groß "DANKE" sagen? Ich habe auch das Gefühl – beim lesen der Kommentare – dass sich viele auf "Handschuhe" und "Stallschuhe" als Wörter eingeschossen haben und meinen rauszulesen, dass ich beides nicht gut finde. Darum ging es wirklich nicht. Ich schreibe auch immer wieder, dass sie Sinn machen können und es jedem selbst überlassen ist. Kurz: Stallschuhe sind nicht böse ;-) Ich hab selbst auch welche. Wenn es regnet, wenn ich ein Pferd noch nicht kenne, wenn es matschig draussen ist und so weiter. Keine Ahnung, wie ich das noch hätte deutlicher machen können. Worum es mir geht, ist dieser Blickwinkel. Sie alleine machen keine Sicherheit aus. Es gibt ganz andere Dinge, die für mehr Sicherheit sorgen können. Genau das, was du beschreibst. Das Vertrauen, die Erfahrung mit dem Pferd, die Trainingselemente, die Kommunikation, die Aufmerksamkeit auf beiden Seiten… Ganz liebe Grüße und danke Dir, Petra

  10. Christina von Herzenspferd sagt:

    Du schreibst mir mal wieder aus der Seele Petra!

    Klar sollte man nicht leichtsinnig sein, das zweifelt ja niemand an! Ich trage auch (fast) immer einen Helm. Aber am Sichersten ist immer noch ein gut erzogenes, zufriedenes Pferd, das einem vertraut und dem man vertraut.

    Ich glaube es war Warwick Schiller, der einmal von einem Erlebnis in einem Kinderreitstall erzählt hat: es wurde unheimlich viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder alle einen Helm trugen (ist ja auch richtig), aber die Ponys waren ungezogen und gefährlich. Die Reitlehrer hatten ein Problem damit ein Kind ohne Helm auf ein braves Pferd zu setzen, aber kein Problem damit ein Kind mit Helm auf ein lebensgefährliches Pferd zu setzen. Warwick fand das – zu recht – völlig absurd und sagte, dass ein Helm (oder Schuhe mit Stahlkappen) das Pferd nicht sicherer machen.

    Liebe Grüße,
    Christina

    • Petra sagt:

      Du mir auch gerade :-) Ich will auch nie zu Leichtsinnigkeit antreiben. Eigentlich rufe ich im Artikel genau zu dem Gegenteil auf. Es ist ja das gegenteil davon, wenn man an sich und der Beziehung mit dem Pferd arbeitet. Jedes Pferd hat auch einen charakter, baut auf Erfahrungen auf und natürlich kann es nur zu dem sicherstmöglichen Pferd seines Selbst werden – wenn du weißt, was ich meine (sehr kryptisch formuliert ;-) ) aber daran muss man arbeiten, mehr als an den Handschuhen und den Stahlkappen. Danke dir und liebe Grüße, Petra

  11. Tina sagt:

    Liebe Petra,
    ich kann Dich verstehen, aber ich sehe das auch ein bißchen anders!
    Meine Pferde achten und respektieren mich alle, sind laut Hufpfleger die best erzogendsten im Kundenkreis. Stehen mit Strick über dem Hals auf einer grünen Wiese ohne zu fressen und lassen sich die Hufe bearbeiten.
    Sie haben gelernt alleine dem Gewicht des führenden Seiles zu folgen, so das selbst eine 3-Jährige sie führen kann (selbstverständlich unter Aufsicht).
    Auch bei Gefahrensituationen vertrauen sie mir spätestens wenn ich absteige. Mein Pferd würde mit mir zu Fuß überall hingehen, von oben sieht es leider etwas anders aus. Da arbeiten wir seit 14 Jahren dran ;-)
    ABER, ein NoGo sind für mich FlipFlop & Co. Ich trage immer feste Schuhe, seltenst Handschuhe und seit 5 Jahren konsequent Helm (über 35 Jahre Reiterfahrung).
    Auch ein ranghohes Tier in der Herde wird mal aus Versehen angerempelt, wenn das rangniedere erschrickt. Es sind immer noch Tiere.
    Mir ist mein Pferd auch schon aus Versehen auf den Fuß gesprungen, weil sie erschrocken ist. Sie wird dabei nicht kopflos und hat das bestimmt nicht mit Absicht gemacht, aber der Ausfallschritt hat gereicht ;-)

    • Petra sagt:

      Liebe Tina, danke für deinen Kommentar :-) Ich kann dich auch verstehen, vor allem was die Flip Flops betrifft. Ich trage sie auch nicht, weil ich mich nicht wohlfühle damit am Stall. Das ist mir zu wackelig und zu wenig sichere Standhaftigkeit. Da geht es mir wie dir. Aber das ist Gefühlssache – wir haben Frauen am Stall die auch mit Flip Flops zu ihrem Pferd gehen. Ich würde es nicht, aber wenn sie wollen und sich gut damit fühlen – warum nicht? Denke ich mir dann :-) Liebe Grüße, Petra

  12. Nala sagt:

    Ich glaub meinem Pferd ist es egal ob ich mit Helm, Handschuhen, Vernünftigen Schuhen oder in Kleid und Flipflops bei ihm bin. Ich bin bis vor nem halben Jahr ohne Helm geritten. Und dann kippte ich tot um. Neben meinem Pferd. Einfach so, ohne Vorzeichen. Eigentlich wollte ich reiten, aber da ich abends doch Unterricht reiten wollte, entschied ich mich spontan für Bodenarbeit. Und peng, plötzlicher Herztod. Mein Pferd übernahm und weckte mich mit beherztem Geschubse und einem Tritt mit dem Vorderhuf gegen meinen Fuss wieder auf. Dadurch konnte ich um Hilfe rufen, denn es war nur eine Person da die zufällig an der Halle vorbeiging. Ich trage nun einen implantierten Defibrillator. Seitdem reite ich mit Helm. Handschuhe trage ich auch gern, er ist auf dem Boden gern mal hengstiger. Bei den Schuhen bin ich immer auf festes Schuhwerk aus. Ich denke ein Pferd spürt Sicherheit wenn man auf sich selbst auch aufpasst, egal wie das aussieht. Jeder trägt die Verantwortung und trifft dazu eine Entscheidung. Ich denke, Pferde spüren das. Und kann man mal nicht auf sich aufpassen, dann übernehmen sie wohl auch, wenn die Bindung stimmt.

    • Petra sagt:

      Das klingt wirklich verrückt und gleichzeitig sehr berührend, liebe Nala. Ich bin sehr froh, dass du diesen Zwischenfall überlebt hast und es dir jetzt hoffentlich wieder einigermaßen gut geht. Ich sehe es genau wie du – jeder trägt die Verantwortung für sich selbst und muss die Entscheidungen treffen. Ich finde den Gedanken von dir auch eine sehr schöne Ergänzung, dass auch Pferde auf den Menschen aufpassen. Das liest man ja immer wieder. Oder wenn man sieht wie Pferde oft mit Kindern sind – so sanft und ruhig und lieb – dann weiß man, dass du absolut Recht hast damit, dass sie auch mal übernehmen, wenn man selbst nicht aufpassen kann. Ganz liebe Grüße, Petra

  13. Katrin Skaletz sagt:

    Hallo liebe Petra!

    So viele Kommentare, da wird mir ganz schwindelig und ich habe sie nicht alle gelesen. Also verzeih mir bitte, wenn ich etwas wiederholen sollte, was schon geschrieben wurde. :-)

    Ich bin ehrlich gesagt auch ein wenig verwundert, dass es anscheinend so vielen Leuten aufgefallen ist, dass du keine Handschuhe und nur Stoffschuhe an hast! Mir nämlich nicht, und du kennst mich :-) normalerweise bin ich der totale Sicherheitsfreak :-)

    Grundsätzlich gebe ich dir recht, die Basis für Sicherheit mit dem Pferd ist eine gute Kommunikation, Selbstbeherrschung und Vertrauen, ABER in vielen Situationen macht es durchaus Sinn Handschuhe, festes Schuhwerk und Reitkappe zu tragen (wobei Reitkappe meiner Meinung nach beim Reiten IMMER auf den Kopf gehört). Wenn ich mit meinen Pferden spazieren gehe, dann ziehe ich grundsätzlich feste Schuhe an, auch wenn das im Sommer Schweißfüße bedeutet :-) Dabei geht es nicht nur darum, dass mir ein Pferd auf den Fuß treten könnte, sondern darum dass ich wesentlich besseren Halt am Boden habe und in einer Gefahrensituation mein Pferd eher halten kann.
    Das allerwichtigste um Gefahrensituationen zu vermeiden ist meiner Meinung nach vorausschauendes Denken und Beobachten. Als Mensch muss ich nicht nur voll und ganz beim Pferd sein, sondern auch die Umgebung wahr nehmen, um möglichst vor meinem Pferd das Reh zu sehen, dass gleich davon rennt. :-) Denn dann bin ich auf die Situation vorbereitet und kann mein Pferd entweder darauf aufmerksam machen oder Ablenkungsmanöver einleiten. Das ist viel wichtiger als Handschuhe und Schuhe :-)

    Ganz liebe Grüße und danke für den schönen, nachdenklich stimmenden Artikel!

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Katrin, es waren auch nicht viele Kommentare, aber immerhin 2 oder 3. Trotzdem fand ich den Gedanken merkwürdig zu sagen, dass ich als Vorbild aus SIcherheitsgründen Handschuhe tragen müsse. Wenn ich mich damit sicher fühle oder ein unsicheres Pferd habe, macht das Sinn – aber grundsätzlich verbinde ich anderes mit dem Thema "Sicherheit" bei Pferden. Ich weiß auch, was du meinst – und finde es vollkommen in Ordnung, kann es nachvollziehen und verstehe, wenn jemand feste Schuhe tragen will. Ich persönlich mache es nicht immer bei meiner Kleinen, weil ich mich auch mit den anderen Schuhen sicher und gut fühle. Ich rechne erst einmal nicht mit einer Gefahrensituation, was mir wiederum die Sicherheit gibt, die ihr Sicherheit gibt. Du weißt, was ich meine ;-) Aber das gilt eben für mich. Jeder ist anders. Ich denke, dass der Gedanke – "festes Schuhwerk und Handschuhe in unsicheren Situation" absolut funktioniert. Nur der Umkehrschluss "Nur mit Handschuhen und festem Schuhwerk bist du sicher" nicht unbedingt funktioniert. Auf jeden Fall ganz liebe Grüße zurück und vielen Dank für deinen Kommentar, Petra

  14. Katrin sagt:

    Liebe Petra,
    ich kann dir nur absolut zustimmen! Jeder darf und muss für sich selbst entscheiden, wie er handelt.
    Wenn ich mit meiner Stute vom Boden aus arbeite, habe ich so gut wie nie Handschuhe an, da ich ohne viel besser mit Strick etc umgehen kann. Ich achte dann einfach darauf, dass ich das Seil so in den Händen habe, dass sich keine Schlinge um meine Hand oder einen Finger wickeln kann (wo dann selbst der beste Handschuh nicht helfen kann ;)).
    Und wenn mir ein Pferd auf die Füße tritt macht es meiner Meinung nach auch nicht allzu viel Unterschied ob ich die dünnen Lederstiefel oder "Stoffschuhe" anhabe.
    Mach dir nicht allzu viele Gedanken über solche Kommentare – du machst das toll, weiter so :)
    Liebe Grüße aus Oberösterreich,
    Katrin

    • Petra sagt:

      Liebe Katrin, danke dir – das tut auch mal gut zu lesen :-) Tatsächlich fühle ich mich auch ohne Handschuhe sicherer, weil ich dann mehr Gefühl am Seil habe und eher denke zu spüren, wenn meine KLeine angespannter wäre. Komisch, was Sicherheit manchmal ausmachen kann. Danke dir für deinen lieben Kommentar und bis bald, Petra

  15. Claudia sagt:

    Welch ein schöner Artikel! Alle Deine Punkte habe ich für mich und mein Pferd auch auf der wichtig und richtig – Skala nach ganz oben gesetzt. Der eine Punkt fällt mir leichter, ein anderer schwerer – aber das Ziel ist mir klar vor Augen: ein fairer Umgang auf Augenhöhe mit Spaß, Respekt und gegenseitiger Wertschätzung. In Situationrn, in denen mein Wallach gescheut hat, hat mir als erstes mein Vertrauen in ihn und mich geholfen, dass wir die Situation meistern werden und er nichts macht in der Idee mir persönlich weh tun zu wollen. Das hat mir geholfen ruhig zu bleiben und hat ihm wiederum gezeigt, dass er keine Angst haben muss, weil ich auf ihn aufpasse. Wir hatten mal eine Situation an einem See, die durchaus für mich hätte gefährlich werden können. Er hatte mir ein gutes Stück vor dem See schon gezeigt, dass er da nicht hin möchte. Am See selbst hatte ich mir die Schuhe ausgezogen, um mit ihm ein Stück ins Wasser zu gehen. Das hatten wir schon ein paar Mal gemacht – allerdings immer mit anderen Pferden. Er kam auch dieses mal mit den Hufen ins Wasser. Im Sand wälzte er sich noch, während ich mir den linken Schuh anzog. Dann ging es los, er buckelte, stieg und schlug aus – der Strick rutschte mir durch die Hände und ich dachte, ruhig bleiben und ihn wieder runter kriegen. Ich sprach ihm zu, er beruhigte sich kurz und ich erklärte ihm, dass wir nur noch kurz den zweiten Schuh holen müssen und dass ihm nicht passiert. Das taten wir, ich griff den Schuh und er stieg wieder. Mein Gedanke war: vorwärts und in Bewegung bleiben und pass auf deine Füße auf. Auf dem Waldweg angekommen, atmete ich bewusst aus, versuchte alle Spannung rauszuatmen. Und ich musste dafür sorgen, dass er in Bewegung blieb, damit er auch seine Spannung los wurde. Problem, mein rechter Fuß war barfuß. Das half mir aber nicht – ich vertraute ihm und sagte mir, es wird nichts passieren, wenn ich ruhig mit ihm durch den Wald zurück laufe, als wenn nichts gewesen ist. Das tat ich und es ging alles gut. An einer großen Wiese 10 Minuten später hab ich ihn dann grasen lassen und den Schuh angezogen. Das war alles sicher nicht so schlau, aber es ist nichts passiert. Gelernt habe ich, dass es noch zu früh war, alleine in den See zu gehen – ich hab ihn da überfordert. Ich habe aber auch gelernt, wie ich ihn einschätzen kann und dass wir solche Situationen zusammen meistern. Ich hatte dadurch keine Angst vor meinem Pferd und das ist das wichtigste, wenn ER das Gefühl haben soll, auch mit vertrauen zu dürfen. Ich glaube so unschön und vielleicht leichtsinnig das auch war, hat es unser gegenseitiges Vertrauen aber eher gestärkt.

    • Petra sagt:

      Wie lieb! Danke für deinen netten Kommentar – es freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Er hat ja durchaus für Kontroversen gesorgt ;-) Danke auch für deine Geschichte – manchmal überfordern wir uns oder unsere Pferde tatsächlich. Aber wir lernen ja daraus. Mir geht das auch immer wieder so – am Ende bin ich immer dankbar dafür, weil ich wieder etwas gelernt habe. Ganz liebe Grüße an dein mutiges Pferd und dich und bis bald, Petra

  16. Conni Vogel sagt:

    Sehr schön und anschaulich geschrieben und in den allermeisten Punkten stimme ich Dir zu. Nur halte ich den Verzicht von Handschuhen und festem Schuhwerk für sehr leichtsinnig. Wem schon einmal schmerzlich der Führstrick durch die Hände gezogen wurde oder ein Huf schwer auf den Zehen stand, der wird auf entsprechende Ausrüstung nicht verzichten.

    Und JEDES, wirklich JEDES Pferd kann zu jedem Zeitpunkt erschrecken und dann wegspringen, das ist nicht nur Problempferden oder Sensibelchen wie meinem Buben vorbehalten.

    Ansonsten stimmt natürlich – Vertrauen und Respekt sind in den allermeisten Fällen die zielführendsten Hilfsmittel. Manchmal muss man aber auch einmal – vorübergehend!!! – zu weiteren "Helfern" greifen, der eigenen Gesundheit und Sicherheit zuliebe.

    Mit etwas gesundem Menschenverstand oder einem erfahrenen Trainer sollte die Entscheidung stets eine leichte sein.

    • Petra sagt:

      Liebe Cornelia – da sind sie – meine Lieblingsworte – in deinem Kommentar :-) "gesunder Menschenverstand" – das sehe ich auch so. Natürlich hast du Recht, am Ende kann sich jedes Pferd erschrecken – keine Frage. Meist spielt aber vor allem eine Rolle, wie der Mensch sich dann verhält und wie die Dynamik zwischen beiden schon vorher war. Ich persönlich fühle mich wohl ohne Handschuhe und manchmal auch ohne Stallschuhe. Flip Flops trage ich zum Beispiel keine, weil mir das zu rutschig ist – da ist meine Grenze. Jeder hat eine Andere – die sicher auch von dem Pferd bestimmt wird, das man hat – und von den eigenen Gedanken und Gefühlen. Aber am Ende ist das wichtigste der gesunde Menschenverstand :-) Danke dir und liebe Grüße, Petra

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