Artikel aktualisiert am 27.02.2017

Es ist 4.30 Uhr morgens. Die Sonne geht langsam auf und die Bäume, Wiesen und Häuser ziehen an uns vorbei. Wir fahren zu Paul Dietz. Er hat bei Ray Hunt*Buck Brannaman* und Bill Dorrance* gelernt. Er ist ein Buckaroo der alten Schule und reist für wenige Termine durch Europa und ist beim Equicampus. Horsemanship im Stil der altcalifornischen Meister. Bevor ich dir mehr zu seinen Trainingsmethoden erzähle, mache ich einen kurzen Ausflug mit dir in die Welt des Horsemanship.

Es ist eine Form des Pferdetrainings und vor allem der Bodenarbeit, die nützliche Ideen und Elemente für das Training mit deinem Pferd liefern kann. Je nach Trainer gefällt es mir besser oder schlechter. Warum? Das erkläre ich dir gleich.

Außerdem hat Paul Dietz mir ein exklusives Interview gegeben – über die Ansichten eines Cowboys, warum du die Pferde mit dem Herzen sehen und verstehen musst und wie du als Mensch sein musst, damit die Pferde dir freiwillig ihr Bestes geben.

Paul Dietz und Petra Haubner

Was ist Horsemanship?

Meine Definition: Viel mehr als eine Trainingsmethode ist Horsemanship eine innere Einstellung. Oder sollte es zumindest sein. Horsemanship bedeutet die Pferde zu lesen, sie zu verstehen und so zu handeln, dass sie dich verstehen können.

Hier findest du noch mehr Infos zum Thema Horsemanship –Bernd Hackl hat die Basics in seinem Buch zusammengefasst*

Aus dem Beobachten der Pferde hat sich eine Trainingsmethode entwickelt, die die Sprache der Pferde auf das Training übertragen will.

Horsemanship Paul Dietz

Horsemanship ist im Grunde auch dein eigener Weg mit den Pferden. Es bedeutet zu lernen, das Pferd lesen zu können. Mit Klarheit, Körpersprache und Verständnis für das Pferd zu arbeiten. Es ist das, was du irgendwann einmal werden kannst, wenn du an dir arbeitest und wenn es dir gelingt die Pferde zu lesen. So kannst du dich dann den Pferden verständlich machen. Das ist die Theorie dahinter.

Bei “Pferde Verstehen” gibt HIER auch eine Zusammenfassung zum Thema “Horsemanship”

Ich persönlich schätze einiges an dieser Art zu denken. Denn es sorgt dafür, dass wir die Pferde nicht zu sehr vermenschlichen, dass wir ihnen zuhören und auf ihre Mimik achten und versuchen uns auf eine Ebene mit ihnen zu begeben, so dass sie die Chance haben uns zu verstehen und wir eine Form der Kommunikation versuchen, die auf ihrer natürlichen Kommunikation basiert.

Manche Horsemen verwechseln leider immer noch Verständnis und Konsequenz mit Dominanz. Das gefällt mir dann weniger. Pferde müssen weder funktionieren, noch muss ich sie dominieren. Sie sollen verstehen, dass sie sich mir anschließen und vertrauen können, weil ich weiß was ich tue. Weil ich ihre Gesetze verstehe und mit ihnen klar kommunziere. Nicht weil ich sie dominiere.

HIER findest du ein Buch, das dir helfen kann die Pferde besser zu verstehen. Ich liebe es und habe es sicher schon zwei- oder dreimal gelesen*

Um es praktisch zu sagen: Es gibt Horsemen, die am Rope zerren, die unbedingten Gehorsam verlangen und den auch durchsetzen mit Gezerre am Seil, mit fetzenden Gerten, mit Lautstärke ab der ersten Sekunde, mit Druck Druck Druck. Das gefällt mir nicht. Ich mag die Horsemen, die mit den Pferden geduldig und ruhig arbeiten. Die klare Linien haben, aber den Pferden auch zuhören und kleine Schritte gehen. Sanftes Horsemanship könnte man die Richtung nennen, die ich mag.

Frage: Wie stehst du zum Horsemanship Training? Trainiert ihr das auch? Und wie reagiert dein Pferd? Schreib mir einfach! Ich freue mich auf deine Erfahrungen.

Wie kommunizieren Pferde miteinander

Die alten Horseman, die Cowboys, die Altmeister der altcalifornischen Reitweise haben durch das Beobachten von Pferdeherden diese Form des Trainings entwickelt. Es ist im Grunde ein Pferdetraining, das mit Druck und dem Nachlassen von Druck arbeitet. Wichtig ist mir dabei, dass mit dem Druck nicht übertrieben wird. Dass die Energie des Menschen auch immer zur Energie des Pferdes passt.

Dass nicht gestraft und verboten wird, solange bis die Pferde aufhören da zu sein und dabei zu sein, ihre Seele abschalten und Programme abspulen. Das kann ein Ergebnis des Horsemanship sein. Wenn übertrieben wird, wenn Gewalt eine Rolle spielt. Aber auch da gilt – wie bei jedem Training: Es ist immer der Mensch, der über die Trainingsmethode entscheidet. Der Mensch macht erst etwas daraus. Etwas Gutes oder etwas Schlechtes. Du hast also die Wahl.

Warum Frieden das ist, was wir mit unseren Pferden suchen sollten

INFO: In der Pferdeherde gilt das „Wer bewegt Wen“. Aufgebaut wird diese Form der Kommunikation durch Druck unter den Pferden. Druck in Form von Mimik, Körpersprache, beissen, schnappen, treten. Stück für Stück nimmt der Druck zu. Sobald das andere Pferd weicht, hört auch der Druck auf. Pferde fangen immer sanft an, mit einer freundlichen Bitte und steigern sich dann bis die Botschaft angekommen ist.

Die Botschaft: Wer nachgibt, bekommt seine Ruhe. Pferde als natürliche Energiesparer stehen auf Ruhe. Ruhe bedeutet, dass sie Kraft sammeln können, dass sie Zeit zum Fressen haben und dass jemand aufpasst, damit ihnen nichts passiert. So diskutieren Pferde auf der Weide immer wieder miteinander aus wer in der Rangordnung an welcher Stelle steht. Dann kraulen sie sich, dann entspannen sie sich, dann folgen sie einander und fühlen sich wohl. Dann ist auch Nähe wieder in Ordnung.

Horsemanship Paul Dietz

Schubsen ist verboten!

Schubsen, drängeln, ungefragt schubbern oder annähern ist unter Pferden nicht erlaubt. Es gibt immer vorher Kommunikation, eine Frage und eine Antwort. Darum geht es im Grunde auch beim Horsemanship.

Die Idee: Der Mensch hat eine private Zone um sich herum, die das Pferd respektieren soll. Er erlaubt weder schubsen, noch drängeln, noch schubbern. Das Pferd darf sich annähern und in die Private Zone eindringen – dann wenn der Mensch es erlaubt. Sobald das Pferd das respektiert und zuhört, bekommt es im Gegenzug vom Menschen Frieden, Ruhe und Sicherheit.

Daran ist viel Schönes. Ich mag es nicht in seiner Ausschließlichkeit oder dann wenn die Trainingsmethode bis zum totalen Gehorsam übertrieben wird. Pferde werden dann manchmal zu funktionierenden Maschinen bei der Zusammenarbeit. Das darf nicht passieren.

Deswegen ist mir die Idee von sanftem Horsemanship oder connected Horsemanship viel näher, wie ich es HIER zum Beispiel mit den Pferdetrainer von Quantum Savvy bbeschrieben habe.

Was Horsemanship dir bieten kann:

  • Die gemeinsame Basis aus Respekt und Höflichkeit
  • Das Begreifen wie Pferde ticken
  • Die Ruhe und das Lob
  • Die Gelassenheit und die Konsequenz
  • Die Idee, dass du ein sicherer und ruhiger Ort für dein Pferd sein musst als klare und verantwortungsbewusste Führungspersönlichkeit

Stell dir vor du bist der Chef in der Abteilung. Weder solltest du deine Mitarbeiter wie Sklaven behandeln, noch darfst du ihnen alle Frechheiten durchgehen lassen. Sie sollten mitsprechen dürfen und sich äußern dürfen ob die gestellten Anforderungen machbar sind oder nicht. Sie sollten auch schlechte Tage haben dürfen oder eine Aufgabe nicht gleich perfekt meistern dürfen. Sie sollten aber auch motiviert werden durch Lob und Bestätigung, durch Freude und höfliches und freundliches Miteinander.

TIPP: Wie stellst du dir den idealen Chef vor? Er ist zugewandt, freundlich, respektvoll, aber bestimmt und sicher. Er hat das große Ganze im Blick, er fordert aber überfordert dich nicht und er kennt deine Stärken und Schwächen und geht darauf ein. Er lobt und schätzt dich, aber er sagt dir auch Nein, wenn du deine Grenzen überschreitest. Das ist Horsemanship aus meiner Sicht.

Pressure and Release

Die Trainingsmethode ist sehr stark auf dem „wer bewegt wen“ aufgebaut. Auf Druck und dem Nachlassen von Druck. Das darfst du aus meiner Sicht nicht übertreiben und die Antwort von dir muss immer auch zur Frage des Pferdes passen. Wenn also dein Pferd nur ein klein wenig sauer wird oder nicht gleich macht, was du willst, dann ist es nicht fair und gerecht, wenn du gleich mit der Gerte loslegst und wild mit den Armen wedelst.

„Die Pferde lernen viel mehr durch den Frieden und das Ende von Druck, als durch Druck selbst. Das ist es wonach wir suchen sollten: Frieden mit den Pferden.“ (Paul Dietz)

Horsemanship der alten Schule. Trainer wie Jean Claude Dysli*, Ray Hunt, Buck Brannaman und andere arbeiten im Grunde nach dieser Methode. Timing und Gefühl spielen dabei eine große Rolle. Denn der Druck muss in dem Moment enden, in dem das Pferd nachgibt.

Horsemanship Paul Dietz

Je nach Trainer wird dieses Training sanfter oder tougher aufgebaut. Schneller oder langsamer.

  • Druck kann Körpersprache sein
  • es kann das wackeln mit dem Rope in der Hand sein
  • es kann das verschieben von Luft oder Energie in Richtung Pferd sein
  • es kann bei vielen Trainern die im Horsemanship arbeiten auch das Schleudern des Seiles sein. Das gefällt mir nicht so gut, genau wie zu harsche Ansagen.

Es sei denn, es handelt sich um ein grob respektloses Pferd, das ein Sicherheitsrisiko darstellt. Und natürlich auch angepasst an die Situation. Erst einmal schätze ich die höfliche Frage und das Dankeschön, wenn sie positiv beantwortet wird.

In Deutschland wird oft mit dem Begriff Horsemanship das Schwingen der Seile, das Rope, das Knotenhalfter und die sieben Spiele von Pat Parelli verstanden. Aber Horsemanship ist soviel mehr als das und es gibt die unterschiedlichsten Spielarten. Ich persönlich mag nicht alle und denke auch, dass alleine diese Form des Trainings zu wenig ist. Gymnastizierung, klassische Dressurelemente, Ausreiten und gemeinsame Zeit, Massagen, Fellpflege, Bodenarbeit, Vertrauensarbeit und Lob, Spiel und Spaß sollten genauso eine Rolle im Training spielen.

Kursbericht – einem Buckaroo über die Schulter geschaut

Kommen wir zu dem Kurs mit Paul Dietz. Er hat bei Buck Brannaman und Ray Hunt gelernt, ist ein Horseman der alten Schule. Im Kurs gibt er zum Beispiel Tipps für die Basics beim Reiten. Paul Dietz war auf Einladung von Equicampus in Hamminkeln.

TIPP:  Equicampus hat den Anspruch Trainer und Menschen direkt zusammenzubringen. Ein Kurs, direkter Kontakt zum Trainer, Gespräche vor und nach dem Kurs, intensives Training. Die Macher von Equicampus wollen verschiedene Trainingsweisen und Methoden vorstellen, wollen keine großen Kurse sondern persönliche Begegnung zwischen dem Trainer und den Kursteilnehmern.

Der Fokus ist: Pferdegerecht. Trainer wie Jenny Wild, Bernd Hackl oder Horsemen wie Paul Dietz gehören zum Portfolio des Equicampus. Große Namen und tolle Trainer, die du dann im persönlichen Rahmen im Kurs kennenlernen kannst. Der Equicampus will Pferdemenschen mit Wissen versorgen. Mehr zu den Kursen und dem Konzept auf www.equicampus.de.

Wann Richtungswechsel sinnvoll sind

Wenn Paul Dietz ein Pferd trainiert, dann wechselt er öfter auch die Richtung. Gerade wenn das Pferd noch nicht bereit ist, ihm richtig zuzuhören. So kann das Pferd verstehen, dass die Zügel eine Barriere sind, ohne dass du am Zügel reissen, zerren oder ziehen musst.

„Wenn ich mein Pferd arbeite und ich merke wie es in die Falsche Richtung geht, dann wechsle ich die Richtung, damit mein Pferd merkt, wo die Barriere ist und fange wieder von vorne an.“ (Paul Dietz)

Seine These: Du machst das Gegenteil von dem, was das Pferd gerade möchte. Dafür musst du dem Pferd durch den Richtungswechsel zeigen, dass der Zügel ernst gemeint ist. Wenn du auf der gleichen Richtung weiter und weiter und weiter daran arbeitest das Pferd wieder geradezurichten, wird das Gewicht im Zügel immer schwerer und schwerer werden, weil wir immer mehr Druck aufwenden müssen.

Horsemanship Paul Dietz

Horsemanship Paul Dietz

Deswegen sind Richtungswechsel aus der Sicht des Horseman so wichtig. Das Pferd wird Gymnastiziert, weicher und es lernt dem Menschen zu folgen und aufzupassen durch die Richtungswechsel.

„Viele der Pferde sind sehr schwer auf der Vorhand. Ihr verbringt so viel Zeit damit immer vorwärts vorwärts zu reiten. Aber ihr müsst das mehr ausbalancieren über mehr Arbeit mit der Hinterhand.“ (Paul Dietz)

Deswegen trainiert Paul Dietz bei diesem Kurs vor allem die Wendungen und die Hinterhand, zeigt den Kursteilnehmern, wie sie am Boden und im Sattel dem Pferd den Weg zu einer aktiveren Hinterhand zeigen können.

One Mind, One Body im Sattel

Paul Dietz erklärt, dass er seine Steigbügel so ausrichtet, dass seine Knie in der gleichen Stellung parallel zum Winkel zwischen Pferdeschulter und Pferdebein liegen.

Horsemanship Paul Dietz

So spiegeln seine Beine die Schulter des Pferdes, er bekommt mehr Balance und ist im Einklang mit dem Pferd.

„One mind, one Body – mein Körper muss in Harmonie sein mit dem des Pferdes.“ (Paul Dietz)

Sonst besteht die Gefahr, dass die Knie bei zu langen Steigbügeln klemmen, dann hat der Mensch wieder zu viel Druck aus dem Hintern heraus und die Knie funktionieren wie ein Schläger. Dann verliert das Bein seine Hebelwirkung und wir können die Energie nicht mehr nutzen, die wir bei einem lockeren Knie am Reiten haben. Gleichzeitig verlieren wir die Balance. Dadurch stumpft das Pferd ab und wird nach und nach seine Leichtigkeit verlieren.

Die Feinheit versucht er sich auch durch seine Hilfengebung und das vorsichtige Steigern der Hilfengebung zu bewahren. Wenn er zum Beispiel ein Vorwärts von seinem Pferd erbitten will, bewegt er seine Beine erst einmal leicht in der Luft und lehnt sich leicht vorwärts. So sagt er seinem Pferd: Hey, gehe doch bitte vorwärts.

Horsemanship Paul Dietz

Wenn das nicht reicht, kickt er ein bisschen in der Luft und erst dann gibt er mehr und treibt das Pferd leicht am Körper. Der Pferdemann spricht sehr oft davon, dass wir dem Pferd erst die „Türe öffnen“ müssen, um ihm die Chance zu lassen durchzugehen. Erst wenn es nicht von alleine geht, müssen wir nachhelfen.

„Wenn ich nach der Hinterhand frage, gehe ich nicht gleich mit dem Bein ran. Ich öffne erst die Türe und wenn das Pferd nicht durchgeht, dann gebe ich mehr Energie. Ich öffne immer erst die Türe und gebe meinem Pferd die Chance.“ (Paul Dietz)

Um seine Idee zu demonstrieren nimmt er einen Stein und wirft ihn kraftlos in Richtung einer Pylone auf dem Platz. Viel zu kurz. Dann wirft er noch einmal deutlich kraftvoller und schießt den Stein über die Pylone hinaus. Er trifft sie nicht, weil er einmal zu viel und einmal zu wenig Energie aufgewendet hat.

Dann schaut er die Kursteilnehmer ruhig an und erinnert sie daran, dass der Mensch immer die richtige Energie finden muss.

Es ist wichtig, dass du neue Wege gehst und nur soviel Energie nutzt, wie du brauchst. Schritt für Schritt, so lange wie es eben dauert, bis die Energie passt und Pferd und Mensch im Einklang eine Aufgabe lösen. Oft sind die Menschen so auf ihr Problem fokussiert, dass sie die kleinen Schritte zur Lösung des Problems nicht mehr im Auge haben.

„Manchmal sehe ich Menschen, die ihre Pferde einfach nur longieren um ihre Energie freizusetzen. Um es besser handeln zu können. Aber das Pferd immer besser und konditionierter. Also muss man es immer länger longieren, um die Kraft handeln zu können. Aber ich will ein Pferd mit Energie, ich will nur in der Lage dazu sein, die Energie lenken zu können. Wenn ich also mein Pferd aufwärme, probiere ich ob ich die Kontrolle über die Füße habe, die Hinterhand und Vorhand. Ich lenke das Pferd und teste aus, ob ich genau das auch machen kann, was ich vom Sattel aus machen möchte.“ (Paul Dietz)

Das fordert das Pferd, es fordert seine Aufmerksamkeit und damit fördert es die Kommunikation, so Paul Dietz.

Er erzählt Geschichten, fast als ob wir mit ihm am Lagerfeuer sitzen würden. Er erzählt von Tom Dorrance, der ihm einmal den Ratschlag gegeben hat, der seinen Blick auf die Pferde und sein Training verändert hat. Einfach, aber bedeutsam.

Oft sind es die einfachen und kleinen Dinge, die unser Leben verändern. Er trainierte und trainierte mit seinem Pferd und fragte Tom Dorrance irgendwann frustriert, wann er jemals soweit sei. Tom sagte daraufhin: „nie!“ Und ist weggeritten. Ich war frustriert, habe weiterhin alles versucht und kam nicht voran. Tom kam zurück und fragte mich: „Glaubst du, dass es immer Spaß machen wird, das hier zu üben, selbst wenn du es perfekt könntest? Du könntest dich auch einfach zurücklehnen und die Reise genießen.“ Daran denke ich oft.

Horsemanship Paul Dietz

Reiten macht Spaß!

Reiten und der Umgang mit Pferden sollte Spaß machen. Ihr lebt, ihr seid gesund. Genießt das! Alles andere braucht einfach Zeit. Es sollte Spaß machen und nicht mit Ehrgeiz oder Druck betrieben werden. Du musst die kleinen Schritte geniessen und gehen. Wenn du zu schnell vorwärts gehst, wird es vielleicht klappen, aber dein Pferd wird auch 10 schlechte Dinge lernen. Das heißt du wirst vielleicht 3 Schritte vorwärts gehen und 10 Schritte zurück und am Ende wird das letzte was du lernst, das sein – was du besser als erstes gelernt hättest.

Er fordert die Kursteilnehmer dazu auf all die kleinen Schritte genießen, den sie werden sich irgendwann zusammenfügen zu einem Puzzle und am Ende ein schönes Bild ergeben.

Zwei wichtige Regeln:

  • Lobe immer die kleinste Veränderung, lobe sogar schon die erste Idee, die ein Pferd entwickelt. Das ist schon der Weg in die richtige Richtung.
  • Wenn das Pferd weich wird, aufhören und belohnen. Das ist ganz wichtig. Denn: Wenn es wieder fester wird, hast du etwas falsch gemacht. Sei es zuviel oder den Moment des Aufhörens verpasst.

Mir persönlich ist seine Energie bei den Pferden manchmal ein bisschen zuviel. So trainiert er mit einem Norweger-Pony das Rückwärts.

Horsemanship Paul Dietz

Horsemanship Paul Dietz

Horsemanship Paul Dietz

Das Pferd ist stur und schlecht erzogen. Insofern kann ich verstehen, dass er ihm etwas deutlicher erklären muss, dass er ernst meint, was er sagt. Das Pony ist einige Male kurz davor ihn zu überrennen. Ja! Aber dann verlangt er nicht nur einen Schritt rückwärts, sondern 5 – 10 Schritte. Zuviel in diesem Moment, für ein Pferd, das nicht mal einen Schritt bislang gemacht hat, finde ich.

Denn das Rückwärts ist Vertrauenssache und etwas sehr wertvolles im Pferdetraining. Das möchte ich persönlich nicht als Strafe sehen und danke meinem Pferd schon den ersten Schritt, wenn es das Rückwärts bislang noch nicht so gut kennt. Da wäre etwas weniger, mit mehr Zeit und Wiederholung über Tage aus meiner Sicht der schönere Weg. Aber das Timing des Cowboys sitzt. Sobald der kleine Norweger auch nur die Idee eines Begreifens zeigt, hört er sofort auf und lobt das Pferd mit einem sanften Streicheln. Er wird nie emotional sondern bleibt gelassen. Das gefällt mir.

Natural Horsemanship Paul Dietz

Ich habe ihn auch im Interview nach seinem Training mit dem kleinen Pferd gefragt, weil mich die Frage nach Druck und Gegendruck und vor allem nach dem „Wie viel“ nicht losgelassen hat. Wir haben über Tom Dorrance, Ray Hunt und Buck Brannaman gesprochen und darüber, wie wir sein müssen, dass sich die Pferde bei uns wohlfühlen.


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10 Kommentare zu “Klassisch Horsemanship: Was du von Größen wie Ray Hunt und Buck Brannaman lernen kannst

  1. Jessica sagt:

    Ich danke Dir vom ganzen Herzen für einen so positiven und trotzdem kritischen Bericht.
    Ich erlebe im Alltag oft Seilgeschwinge, ruppige und überfordern Arbeit und werde selbst als Kuschelkurs-Horsemanchipler bezeichnet.
    Dabei setzte ich sehrwohl klare Grenzen, nur ohne Schläge und Geschrei. Auch diskutiere ich mal mit einem Pferd. Doch leider wird Horsemanchip von den meisten tatsächlich mit Dominanz und dessieren (brechen) verwechselt. Ich selbst habe Stundenlang verschiedene Herden und deren Struktur beobachtet und mir meinen Weg quasi selbst gebaut. Ich folge keinem Muster sondern meinem Gefühl und meinem Herz und dem jeweiligen Pferd als Gegenüber. Denn auch Pferde dürfen Türen öffnen und schließen, schließlich sind sie genauso wie wir Lebewesen, die vielleicht manchmal sogar die bessere Idee haben.
    Kritisch sollte man sich fragen, bin ich des Pferdes Lehrer, oder lerne ich vielmehr von meinem Pferd mit diesem umzugehen und sich gegenseitig zu verstehen ;-)

    • Petra sagt:

      Liebe Jessica, danke dir für deinen schönen Kommentar. Mir geht es ähnlich wie dir. Weder bin ich "Seilchenschwinger" noch "Wattebauschwerfer" – um mal in den Klischees zu sprechen. Ich mag einige Horsemanshipvarianten nicht, weil sie einfach nur eine andere Form der Gewaltausübung sind. Auch ein Roundpen beinhaltet Druck in sich – allein schon aufgrund der Form. Darüber machen viele sich keine Gedanken und das ist sehr schade. Ich bin also auch so eine Art Wattebauschwerfende-Leckerlinutzende-Druckweichenende-Wasauchimmer-Person :-) Es muss eben einfach zum Pferd und zur Situation passen. Mein einziges Pflichtthema: Immer so sanft wie nur irgendmöglich und dem Pferd immer auch zuhören. Das ist mir wichtig. Weil – wie du schreibst – sie sind auch Lebewesen und keine Maschinen. Wenn das die Menschen endlich mal wirklich im innersten erkennen und anerkennen würden, wäre schon viel geholfen. Ganz liebe Grüße und bis bald, Petra

  2. Katrin sagt:

    Ich habe selten einen so tollen Artikel gelesen. Sehr gut, mitreißend und verständlich geschrieben. Eine Frage stellt sich mir allerdings zu den Wurzeln, rein interessehalber: Woher kommt die Horsemanship? Sind die Cowboys nicht in ihrem Arbeitsalltag darauf angewiesen, dass die Pferde "funktionieren"? Haben sie die Zeit so vorzugehen, wie beschrieben? Kommt die Horsemanship also aus der Arbeitsreiterei oder eher nicht? Ich hoffe, das klingt jetzt nicht allzu naiv… Kenne mich nicht so aus :)
    Ich finde genau die Art und Weise wie die Mensch-Pferd-Kommunikation im Artikel beschrieben wird, nämlich beispielsweise das Anfragen und den Druck bei der Idee in die richtige Richtung wegnehmen, prima und versuche danach vorzugehen. Es ist wirklich nicht einfach, weil man sehr aufmerksam bei der Sache sein muss und ich bin immer wieder fasziniert, wie sich mein jeweiliger Gemütszustand auf das Zusammensein mit meinem Pferd auswirkt, mein Pony mir also quasi knallhart einen Spiegel vorhält.

    • Petra sagt:

      Liebe Katrin, das freut mich wirklich sehr :-) Also soweit ich weiß kommt das Natural Horsemanship tatsächlich aus der Cowboykultur – wobei sicher auch Trainingsmethoden aus noch früheren Zeiten eingeflossen sind. Das ist ja eine Entwicklung. Ganz früher haben die Cowboys die Mustangs regelrecht gebrochen und leider tun das manche auch heute noch. Dann gab es aber Horsemen wie Ray Hunt oder Tom Dorrance, die viel Herdenbeobachtung betrieben haben und das Prinzip des "Wer bewegt wen" erkannt haben – dass also Pferde sich durch Druck und das Weichen von Druck gegenseitig bewegen und so miteinander kommunizieren und das ist dann in das geflossen, was man heute als Natural Horsemanship kennt. Trainer wie Pat Parelli (ist mir auch ein bisschen zu hart und mechanisch) oder auch der (ich mag seine Art persönlich gar nicht) Promi Monty Roberts haben dann auch wieder eigene Methoden entwickelt. Oder Alfonso Aguilar (den ich ganz ganz toll finde, wegen seiner Sanftmut und freundlichkeit den Pferden gegenüber) oder die australischen Trainer von Quantum Savvy (die machen sanftes connected Horsemanship – das wirklich toll ist). Ausprägungen gibt es also viele verschiedene, und man kann nicht sagen, dass jede Form von Horsemanship gleich ist. Es gibt Trainer, die mit mehr Druck arbeiten oder Trainer die Leckerli ganz für sich ausschließen oder Trainer die sanftes Horsemanship betreiben, das mehr auf Kommunikation basiert. Es gibt zum Beispiel auch Übungen des Horsemanship, die ich nicht mag – nämlich dieses krasse Rückwärtsschicken ohne Sinn und Verstand – gerne auch verbunden mit Seil schlackern. Das ist keine schöne Kommunikation aus meiner Sicht. Ich kann mit vielen Ausprägungen des Horsemanship nicht zu 100% konform gehen, weil es mir zu hart und Drucklastig ist. Aber ich nehme gerne einzelne Teile daraus. Letztlich bedeutet Horsemanship ja frei übersetzt eigentlich nur "Pferd-Menschen-Handling". Und das kann nahezu alles sein. Ich hoffe, ich habe deine Frage irgendwie beantwortet? :-) Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Luisa sagt:

    Liebe Petra,

    vielen Dank für deinen Artikel, ich mag es, immer wieder neue Richtungen des Horsemanship kennen zu lernen! :-)

    Ich glaube in den allermeisten Facetten stimme ich völlig mit deiner Einstellung zu dem Thema überein. Woran ich gerade beim Horsemanship in letzter Zeit aber immer öfter anstoße, ist genau das Prinzip des wer-bewegt-wen und den dahinter steckenden Gedanken der linearen Rangfolge von oben nach unten. Denn egal in welcher Ausprägung, ob nun sehr sanft oder mit viel Druck, daran halten meines Wissens alle nach wie vor fest. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass es diese lineare Rangfolge so gar nicht gibt und die Beziehungen in einer Herde wechselseitig und sehr viel komplexer sind. Es kann durchaus sein, dass ein sehr ranghohes Pferd sich von einem eher rangniedrigen Pferd verscheuchen lässt, einfach weil sie gut miteinander befreundet sind. Nichtsdestotrotz glaube ich auch, dass es ohne Druck, wenn man ihn als Information oder höfliche Bitte versteht, im Pferdetraining nur selten funktionert und man den Begriff nicht verteufeln sollte.

    Ich weiß auch gar nicht so recht, was ich mit meinem Kommentar eigentlich zum Ausdruck bringen möchte… Ich glaube ich wünsche mir, dass die Menschen sehen, wie komplex und spannend Pferdebeziehungen untereinander sind und dass es für uns gar nicht so wichtig ist, in der Rangfolge über dem Pferd zu stehen – ich glaube es ist wichtig, dass man sich gegensetig achtet die Grenzen des Anderen kennt und respektiert, aber das geht bestimmt auch ohne Rangfolge :-)

    Viele liebe Grüße,
    Luisa

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Luisa, danke für deine spannenden Gedanken. Im Grunde treffen sie genau das, was mir an vielem Formen des Horsemahship nicht 100%ig gefällt. Nämlich das mechanische Training und der Gedanke des "Funktionieren müssens", weil ein Chef sich ja immer durchzusetzen weiß. Aber das ist im Menschlichen Leben genauso unwahr wie im tierischen. Ein guter Chef kann auch zuhören, versteht die Bedürfnisse seiner Umgebung, kann auch mal nachgeben oder zugeben, dass er im Unrecht ist. Einem guten Chef darf man auch mal widersprechen und ihm sagen, dass man eine Aufgabe gerade nicht erfüllen kann. Genau wie in der Pferdeherde verschiedene Pferden verschiedene Aufgaben haben und manchmal auch ihrem Charakter entsprechen verschiedene Aufgaben. Genau wie du schreibst. Deswegen finde ich auch wichtig, mal einen Schritt zurückzutreten, dem Pferd zuzuhören und seinen Charakter, seine Bedürfnisse, seinen Stolz und und und in die Zusammenarbeit einfließen zu lassen. Gleichzeitig glaube ich aber auch, dass Pferde nach dem Grundprinzip der Sicherheit, der Ruhe und des wer-bewegt-wen funktionieren und das Gefühl brauchen in ihrem Menschen einen Fels in der Brandung neben sich zu haben. Ein Fels lässt sich aber nicht von seinem Pferd wegschubsen. Wie du schreibst – es sind viele Facetten und wir müssen lernen mehr mit dem Herzen, als mit dem Verstand zu trainieren. Viele liebe Grüße zurück, Petra

  4. Danie sagt:

    Hi,
    Ich bin mit meiner Reitbeteiligung auch in diesem Bereich aktiv und merke nur zu oft das die Menschen zu viel Druck ausüben und auch sonst viel zu grob sind. Häufig sind es sogar Trainer die so Schöne Texte daher reden und selbst sehr viel falsch machen und z.B nicht einmal auf den kleinsten Versuch achten den sie beloben könnten. Habe letztens noch eine Video von Uwe Weinzierl auf YouTube gesehen . Er redete von sich so als wenn er ein Meister in diesem wär und alles könnte aber in der Praxis so das sehr schlecht bei ihm aus. Nicht einmal die Kontrolle seiner Emotionen hat er im Griff. Vielen Dank für den Bericht.

    • Petra sagt:

      Hi Danie, tatsächlich liegen Worte und Taten manchmal weit auseinander – das ist vermutlich sehr menschlich und passiert überall. Ich kenne Uwe Weinzierl nicht live und habe ihn auch noch nie gesehen – deswegen kann ich gar nichts dazu sagen. Aber ich denke unabhängig vom Trainer ist es wichtig, immer auch auf das Bauchgefühl zu hören und sich bei allem was man tut überlegen, ob es nicht auch eine oder zwei oder drei Stufen sanfter und achtsamer gehen könnte. Ganz liebe Grüße, Petra

  5. Gerhard Harms sagt:

    Ich habe bei Paul einen cow working kurs gemacht, meine Frau eine so genannten Horsemanship Kurs. Zusammenfassend ging es nicht darum Pferd und Mensch dichter zusammen zu bringen, sondern eher uns Unwissenden seine Pferdeverachtende Methode aufzuzwingen. Da ich mich während und nach dem Kurs negativ geäußert habe wurde ich von seinen Jüngern schamlos beschimpft, Paul selber ist nicht im geringsten daran interessiert jemandem zu helfen, er will nur seine Methode durchsetzen, welche auch die physische Bestrafung von Tieren beinhaltet, sprich schlagen wenn das Pferd beim Satteln nicht steht, Schlagen von Jungpferden, welche gar nicht wissen können was sie sollen. Wenn Paul sich bei Dir anders gezeigt hat, dann sagt es einiges über seinen Charackter aus.

    • Petra sagt:

      Hallo Gerhard, das klingt schrecklich. Ich kann nur nach dem berichten, was ich gesehen habe an diesem Wochenende und seine Worte sprechen lassen. Es war für mich – als bekennende Wattebauschwerferin – zu tough, das schreibe ich auch, aber es war klassisches Horsemanship, wie man es von Pferdetrainern wie Brannaman und Co kennt. Viele liebe Grüße, Petra

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