Leittiertheorie! Alles quatsch? Bernd Hackl erklärt dir, was er davon hält und wie er mit seinen Pferden trainiert. Er beschreibt, wie Du ein guter Pferdemensch werden kannst, welche Fehler Reiter immer wieder machen und warum klare Konsequenz so wichtig ist.

Hier findest Du eine Rezension dazu: „Reiten im Sinne des Pferdes“ von Bernd Hackl – Must Read!
Bernd Hack Interview

Interview & Bodensession mit Fips

Bernd Hackl ist gefragt. Sehr gefragt. Umso schöner, dass er sich für die Pferdeflüsterei Zeit genommen hat. Wir haben über all die Fehler gesprochen, über die Do’s und Dont’s und er hat uns mit Fips Tricks für die Bodenarbeit* gezeigt. Fips ist ein tolles Pferd, lieb und geduldig. Man merkt Bernd Hackls Pferden an, dass sie gut erzogen sind, aber ihren Charakter behalten dürfen. Das ist die ideale Mischung. So sollte es sein.

HIER gehts lang zu dem Interview über GEBISSLOS ODER NICHT: BERND HACKL ÜBER DIE GROSSEN FEHLER IN DER REITEREI

Wir sind an einem Samstag mitten im Winter ins verschneite Bayern gefahren. Zu Bernd Hackls Trainingsstall. Wir würden mit einem Winken und einem Kaffee begrüsst.

Bernd und Fips

Bernd Hackl ist mit Fips und uns in die Halle. Dort hat er uns erklärt, worauf er im Umgang mit seinen Pferden achtet:

  • Sie sollen den Hals brav ins Halfter senken, damit auch Kinder oder kleine Menschen gut an den Kopf kommen und man die Ohren entspannt durchs Halfter manövrieren kann, ohne sie mühsam durchfrickeln zu müssen.
  • Fips läuft in gutem Abstand hinter Bernd her und hat ihn aufmerksam im Blick
  • In der Halle reagiert er auf die Körpersprache, gönnt sich kleine Eigenheiten, darf sie aber auch haben. Bernd und Fips, das funktioniert!
  • WARUM? Weil sie sich gegenseitig respektieren, mögen und ihre Eigenheiten dulden.

Besonders auffällig ist die ruhige Gelassenheit, die Bernd immer an den Tag legt im Umgang mit seinen Pferden. Da wird nicht gebrüllt oder abgestraft. Da gibt es eine immer konsequente, aber freundliche Erziehung.

HIER zum Beispiel erklärt Bernd Hackl in einem anderen Interview genauer wie „PFERD“ geht: BERND HACKL ERKLÄRT WARUM DU NICHT WIE EIN „PFERD“ SEIN SOLLST

Aber jetzt mehr zum Thema Erziehung, Leittiertheorie und Fehler in der Pferdewelt im Interview mit Pferdeprofi Bernd Hackl:

Teil 1: Bernd Hackl über die Konsequenz-Frage und die Leittiertheorie in der Reiterei

Petra von der Pferdeflüsterei: Im Raum schwebt immer die Konsequenzfrage, wenn man reitet. Muss ich das Leittier sein? Muss ich mich permanent durchsetzen? Gleichzeitig will man den Tieren ja auch kein Unrecht tun. Wie gehst du damit um?

Bernd Hackl: Die Menschen wollen die Pferde immer wie kuschelige kleine Tiere behandeln. Aber gehen wir mal zu den Menschen als Vergleich, das leuchtet sofort ein. Eine Situation: Wenn ein Kind in Richtung einer Strasse läuft, auf der Autoverkehr ist, glaube ich nicht, dass die Mutter nur freundlich sagen würde: Florian, bleib doch stehen… Florian, du darfst da nicht hin… und dann fahren die Autos den kleinen Jungen zusammen – Bumms! Das würde doch keiner so machen, nein!

Die Mutter würde ihn doch am Arm zurückreissen, sich sofort durchsetzen und sagen: Ich glaube Du brennst mein Sohn! Bei den Pferden ist es auch nicht anders. Ich sage meinen Reitschülern immer: Stell dr vor, du bist im Strassenverkehr, wenn das Pferd nicht abbiegt, wo du abbiegen möchtest, stell dir vor – rechts von dir kommt ein LKW… Dann setzt man sich ganz anders durch. Weil die Pferde wissen müssen, dass wir uns durchsetzen, damit sie uns Vertrauen und auf uns hören.

Leittiertheorie und Bernd Hackl

Pferdeflüsterei: Greift dann für dich die bekannte Leittiertheorie? „Um ein Team zu werden, müsse man das Leittier sein in der Zusammenarbeit. Man müsse sich durchsetzen und der Chef sein“

Bernd Hackl: Also diese Leittiertheorie…Ich lebe nicht danach. Ich sage, der Mensch ist ein schlechtes Leittier. Er läuft langsamer als ein Pferd, er hört schlechter als ein Pferd, er kennt die Gräser nicht auseinander und er findet kein Wasser. Ich muss meinem Pferd kein Leittier sein, aber ein rettender Anker in der Not. Das heisst, wenn mein Pferd Angst bekommt, muss es wissen, ich kann unsere kleine Herde verteidigen. Ein ganz krasses Beispiel. Viele Leute füttern Pferden Leckerei aus der Hand zu Belohnungszwecken.

Wer in der Herde gibt sein Futter ab? Der letzte im Glied, der Rangniedrigste gibt sein Futter ab. So, die gleichen Pferde haben dann Angst, wenn der Traktor kommt. Ist ja logisch, ist ja keiner da, nachdem sie sich richten können. In der Herde, wenn es irgendwie Krach gibt, dann gehen sie zum Ranghöchsten und sagen: Beschütz mich! Der Ranghöchste ist aber nicht da, ich kann es nicht sein, weil ich gebe ja mein Futter ab. Dann hat das Pferd Angst, weil es sich alleine fühlt.

Pferdeflüsterei: Das sehe ich anders. Aber Leckerli sind sowieso ein ganz eigenes Thema. Wenn wir nicht das Leittier sein sollen, was wollen und brauchen die Pferde dann von uns?

Bernd Hackl: Mein Pferd will nicht dominiert werden. Pferde wollen Obhut. Der will, dass ich auf ihn aufpasse. Das kann ich dann, wenn ich eine höhere Position einnehme. Ich muss kein Leittier sein, ich muss ihm aber sagen, es gibt gewissen Grenzen und die bin ich bereit zu verteidigen.

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Pferdeflüsterei: Aber wie kann das Pferd dann unterscheiden? Um bei diesem Beispiel zu bleiben, der Futterfrage. Ich gebe ihm die Karotten ab, also bin ich Rangniedrig. Aber ich gebe dem Pferd doch auch Hafer und Heu – dann müsste ich Deiner Theorie zufolge auch der Rangniedrigste sein?

Bernd Hackl: Das lege ich ihm aber in den Futtertrog oder auf den Boden. Ganz viele Pferde, die zu mir kommen, sind Problempferde. Wenn ich solche Pferde habe, die ein Dominanzverhalten zeigen, dann bringe ich sie erst einmal in die Box. Ein Heuhaufen ist in der Ecke, ich schmeisse Karotten in den Futtertrog und dann spiele ich, das ich sie essen würde. Also ich mache keine Kaugeräusche oder so.

Ich blockiere einfach diese Ecke. Dann werden die Pferde teilweise sehr stinkig, weil sie an das Futter wollen. Und ich sage dem: Geh weg von mir! Das ist mein Futter, du stehst in der Ecke und ich esse hier fertig und erst wenn das Pferd ruhig und brav in der Ecke steht, dann gehe ich. Dann lernt es erstens, umso schneller er in der Ecke steht, desto schneller kann ich „fressen“ und gehe danach weg.

Zweitens ich kann mein Futter verteidigen, ich bin also in Sachen Rang scheinbar doch eine Autoritätsperson und drittens, er muss nicht verhungern, weil ich schließlich irgendwann die Futterstelle räume und dann kann er das Futter haben, ich fresse ihm nicht alles weg.

Pferdeflüsterei: Werde ich bei Gelegenheit ausprobieren… Aber ganz grundsätzlich, was ist dir persönlich wichtig im konsequenten Umgang mit Pferden, mal von solchen Spezialfällen abgesehen?

Bernd Hackl: Ich brauche im Training zwei Sachen. Respekt und Vertrauen! Das erste was ich durchsetzen muss, ist Respekt. Respekt bekomme ich aber nicht durch Gewalt, sondern durch Fairness. D.h. wenn mich einer angreift, verteidige ich mich – wenn er von mir ablässt, schaue ich ihm zu, wie er wegläuft. Ich verfolge ihn nicht und mache ihn nicht rund. Sondern es gibt bei mir diesen Jähzorn nicht.

Meine Pferde machen auch viele Fehler, bei denen man denkt: Mein Gott, dass muss er doch langsam können. Trotzdem kommt immer wieder ein Lächeln durch und ich sage: Komm Dicker, ich weiß Du machst es nicht mit Absicht, Du bist eben nicht der Schlaueste. Dann machen wir es einfach nochmal. Diese Fairness im Pferdetraining fehlt mir oft.

Neckisches Pferd

Pferdeflüsterei: Man hört so oft in deutschen Reitställen: „Der verarscht dich doch!“

Bernd Hackl: Er zieht eine Karte und wenn sie funktioniert, zieht er sie wieder. Gutes Beispiel: Wie bringt man ein Pferd richtig toll zum Durchgehen? In dem man den Schenkel anlegt, und wenn er schneller wird, macht man den Schenkel wieder auf. Ganz viele Menschen denken, oh jetzt ist er losgelaufen, da war zu viel Druck, dann muss ich den Druck wegnehmen.

Nur dann belohne ich ihn fürs loslaufen. Ich würde meinen Druck beibehalten, würde ihn ein bisschen stellen, links und rechts, bisschen lateral biegen, damit er wieder eine Form bekommt. Und würde dann sagen: Pass auf! Der Druck ist ganz normal! Denn wenn ich ihn auf ein bisschen Druck loslasse, wenn er losläuft, muss ich das nächste mal noch weniger machen und schon läuft er los. Weil er die Belohnung sucht. Irgendwann züchte ich mir eine Sprengladung, wenn ich mit dem Bein nur ein bisschen irgendwo hinkomme, haut er ab. Man kann wirklich nicht sagen, der verarscht Dich. Es ist etwas das funktioniert. Es kommt Druck, er läuft los und der Druck hört auf. Perfekt, denkt er, ich habe es richtig gemacht.

Pferdeflüsterei: Also geht es dir nicht darum, der Chef zu sein, sondern das richtige Timing zu haben. Aber trotzdem ist es doch wichtig in diesem Zweier-Team der Chef im Ring zu sein, oder?

Bernd Hackl: Natürlich, weil ich einen gewissen Rang habe, ich bin nicht das Leittier, aber ich habe einen gewissen Rang und verdiene Beachtung. Straft mich ein Pferd mit Missachtung, bringe ich ihn dazu aufmerksam zu sein, wende mich dann ab und lade ihn wieder ein zu mir zu kommen.

Pferdeflüsterei: Im Grunde integrierst du dich als ein Teil der Herde in die Herde und übernimmst Leittierverhalten für Euer Duo?

Bernd Hackl: Eigentlich ja, aber mit der Ausgrenzung, dass ich kein Leittier in der Herde bin. Wenn die Pferde untereinander in der Herde sind, können  sie machen was sie wollen. Nur wenn ein Pferd mit mir zusammen arbeitet, dann bilden wir eine andere Art von Herde, die meinen Regeln unterworfen ist.

Pferdeflüsterei: Gibt es ein kleines Einmaleins des Leittierverhaltens?

Bernd Hackl: Kleines Einmaleins des Leittierverhaltens? Gibt niemals dein Futter ab, das ist ein ganz wichtiger Punkt bei mir! Futter abgeben und Fair verhalten. Aufpassen, dass nichts passiert. Ich galoppiere nicht über eine Wiese mit Löchern, weil er stolpern könnte, ich bin ja verantwortlich für uns, ich muss den Überblick behalten.

Fips mit Knotenhalfter

Pferdeflüsterei: Im direkten Umgang – also körpersprachlich: Hast du die Basics an Körpersprache, die ich beachten muss…

Bernd Hackl: Da gibt es ein tolles Beispiel! Ich habe auch so viele Bücher gelesen, in denen steht – Du musst präsent sein, Du musst aufmerksam sein und und und. Ein alter Mann namens Tom Dorrance*, er hat im Alter einen Buckel gehabt. Wo war er denn noch präsent? Aber die Pferde haben trotzdem gemacht, was er wollte.

Diese Präsenz, dieses ganze Künstliche, das ist Blödsinn! Was macht denn zum Beispiel jemand der behindert ist? Wie komme ich zum Beispiel mit nur einem Bein oder im Rollstuhl so präsent und aufrecht zum Pferd, oder ein Blinder? Der pfeift und dann kommt das Pferd angelaufen.

Verstehst du was ich meine? Ich glaube, dass ganz viele Leute in der falschen Richtung suchen. Ich glaube, dass Präsenz von Innen kommt. Es bedeutet für mich, eine gewisse Sympathie zu vermitteln. Ich möchte, dass mein Pferd mich mag. Gleichzeitig brauche ich ein Pferd, das mich nicht umschubst, zwickt, Futter sucht oder irgendwohin rennt. Es muss sich an Regeln halten.

Die Regeln kann ich aber einfach durchsetzen, in dem ich sage: Pass auf! Ich gebe Dir nichts aus der Hand, also sucht er meine Taschen nicht durch. Wenn wir irgendwo hin gehen, bleibt er hinter mir. Drängelt er, reguliere ich ihn nach hinten und sage: Nein, du bleibst hinter mir. Ich sage ihm, dass er sich an die Regeln halten muss. Ob ich 10 Zentimeter groß bin, ob ich 5 Jahre alt bin oder 80, spielt überhaupt keine Rolle. Ich muss nur meine Regeln dem Pferd verständlich durchsetzen. Ich sage: Pass auf! Du gehst ab jetzt da, alles andere wird von mir korrigiert.

„Dann rücken sie an mit Kandaren und unmöglichen Zäumungen, dann werden die Pferde longiert, heruntergebunden und ausgebunden, aber sie trainieren ja alle Horsemanship. Das ist mir absolut unverständlich.“ – Hier könnt Ihr lesen, was für Bernd Hackl wahres Horsemanship ist.

Autor: Petra Haubner

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

27 Kommentare zu “„Echte Präsenz kommt von innen“! Pferdeprofi Bernd Hackl im Interview

  1. Susanne Kreuer sagt:

    liebe petra, ein tolles interview, das ich mit 5(!!!) sternen bewerten wollte – habe aber zu früh aus versehen die maus losgelassen! jetzt kann ich es nicht rückgängig machen! *ärger*!!!!!

  2. Petra sagt:

    Hallo Susanne, das freut mich! Das Gespräch hat viel Spaß gemacht und ich habe wieder neue Erkenntnisse gesammelt. Oh No! Der Stern… dann müssen alle anderen wohl fleißig mehrfach auf die 5 Sterne drücken 🙂

  3. Susanne Kreuer sagt:

    na ich hoffe sehr, dass ALLE anderen brav 5 sternchen vergeben – ich drücke sonst mit meiner verpeiltheit den schnitt runter 🙁 entschuldige! ich habe den link aber geteilt und er wird fleißig kommentiert, geliked und weiter geteilt 🙂 lieben gruß susanne & pepper

    • Beatrix Rechl sagt:

      Hallo Petra finde deine Interviews super
      Ich habe schon zwei Kurse bei Bernd gemacht und fand es jedesmal ganz toll. Ich such grad wo ich Sternchen vergeben kann und finde nichts 🙁

    • Petra sagt:

      Hallo Beatrix, das freut mich sehr – ich habe mich aber auch sehr gerne mit Bernd unterhalten. er hat eine so klare und logische Sicht auf die Pferde. Danke Dir für das nette Kompliment 🙂 Also die Sternchen sind direkt unter dem Artikel. Du musst nur ein bisschen nach oben scrollen und dann schauen. Alles Liebe, Petra P.s.: Einen Kurs will ich auch mal bei ihm machen, das glaube ich Dir gerne, dass er toll war!

  4. Andreas Gruber sagt:

    Hallo Leute. Ich habe den Bernd letztes Jahr persönlich kennen gelernt und feststellen dürfen, dass wir genau dasselbe in der Pferdebeziehung machen. Da ich ja selbst Westerntrainer bin habe ich über die Jahre mein eigenes System entwickelt und immer wieder hinterfragt ob ich den am richtigen Weg bin. Als ich nun den Bernd kennengelernt habe (Kurs in Wilhelbsburg, Niederösterreich)konnte ich feststellen, dass wir wirklich das gleiche Gleis in der Pferdekommunikation befahren. Ich kann nur sagen, das mich das beruhigend bestätigt hat in meiner Lehre über das Pferd. Hoffentlich habe ich wieder mal die Zeit und Gelegenheit, mit Bernd Zeit zu verbringen. Was er hier geschrieben hat, kann ich nur voll und ganz unterstreichen. Also Haltet euch an diese einfachen Dinge und ihr werdet großes mit euren Pferden vollbringen.
    Euer Andreas Gruber

    • Petra sagt:

      Hallo Andreas, danke für Deinen Kommentar. Ich bin auch sehr froh, dass es Menschen gibt, die diese Sicht auf die Pferde haben und weitervermitteln. Als Neuling ist es erst einmal gar nicht so einfach, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden, aus "Experten" und "Gurus", in der jedem einem seine Wahrheit als DIE Wahrheit verkauft. Aber, wenn man wirklich wissen will, wie die Tiere ticken und was sie brauchen, damit sie an unserer Seite ein zufriedenes Leben führen können… dann muss man sehr suchen. Bernd hat eine tolle Haltung, die sehr logisch klingt in meinen Anfängerohren und ich folge seinen Gedanken sehr gerne. Wo trainierst Du denn? Liebe Grüße, Petra

  5. Franzi sagt:

    Interessanter Beitrag.
    Prinzipiell füttere ich keine Leckerchen. Ausnahmen sind bei meinem Stütchen z.B. bei Übungen die ihr echt schwer vielen und ich daher eine sehr starke positive Stärkung brauche. Sie nimmt jedoch nicht das Leckerchen selbet sprich, ich biete es nicht an sondern gebe es. Ich lasse also ein betteln gar nicht zu da ich es vorweg nehme.
    Und trotzdem folgt und hört sie mir aufs Wort drängelt nie und bei "Gefahren" wartet sie immer wie ich reagiere und da ich locker bleibe, bleibt sie es auch. Früher hab ich viele Fehler gemacht. Seit ich aber fedte Regeln für mich und meine Stute habe und ich mich ihr angepasst habe und darauf höre was sie mir sagt, sind wir ein tolles Team geworden.
    Wir sind vielleicht nicht die tollsten in der Dressur oder im Springen aber wir sind ein perfektes Team was durch dick und dünn geht egal was kommt und das ist mir das Wichtigste 🙂

  6. Petra sagt:

    Liebe Franzi, das klingt so, als ob Du den größten Gewinn gemacht hast, den man bei einem Pferd machen kann. Finde ich zumindest. Ihr seid ein gutes Team, hast Du geschrieben und ich finde auch, dass das so viel größer und bedeutender ist, als alle Turniersiege zusammen 🙂 Ich habe mich so über Deinen Kommentar gefreut und weiß genau, was Du meinst mit den Regeln und der Konsequenz. Da will ich auch irgendwann einmal hin. Welche Regeln hast Du Dir denn genau überlegt? Das würde mich’s ehr interessieren. Bzw. was Du früher anders gemacht hast – im Vergleich. Ich bin ganz gespannt und würde mich freuen, wenn Du Lust hast uns Deine Regeländerungen zu schreiben. Alles Liebe an Dich und Dein Stübchen, Petra

    • Fran sagt:

      Ohje mir ging die Antwortmail ja mal total unter. Aber ich möchte niemanden hängen lassen. Auch wenn es jetzt schon bald ein Jahr her ist bin ich eine Antwot schuldig

      Zu Beginn als ich mein Stütchen bekam (vor 12 Jahren) hab ich mir immer ganz streng an die typschen Dinge gehalten die man so als Reitermädel vor 20 Jahren noch gelernt hat.

      Aber ich bekam Zweifel. Corinna war reiterlich gesehen top, mit Ausnahme Geländereiten, sonst war sie komplett verschlossen und meidete mich.
      Ich begann zu überlegen wie ich das ändern konnte.
      Ich hatte ein paar Kurse gemacht in der uns Joinup beigebracht wurde und wagte den Versuch mit meiner Stute. Schnell war mir aber klar dass das nict das war was ich wollte. Corinna tat was sie sollte aber Vertrauen gab das nicht. Ich fing an lockerer mit ihr zu agieren, lachte wenn was missglückte und lobte sie trotzdem.

      Das war quasi meine erste Regel: Nichts muss, alles kann. Lachen und Lob sind ein Muss.

      Corinna ist ein Welsh Cob und ein Cob hat auch einen wahnsinnigen Dickkopf. Ein Welsh tut nichts wenn man ihm nicht erklärt warum.
      Also musste ich noch mehr umdenken. Ich musste konzequent und trotzdem locker an Dinge heran gehen. "Gestraft" wurde nur über ein ein langezogenes, hartes "Cooorinnaaa" 😀

      Also kam die näcshte Regel zu stand. Ponydickschädel darf misstrauisch sein aber sie muss es isch wenigstens mal angucken.
      Es kamen also Kompromisse zustande über die genug Trainer den Kopf geschüttelt hatten. Ein Pferd MUSS so hieß es. Nein sie lebt, sie ist ein eigenständiges Lebewesen was selbst denken kann.
      Das wir die Dinge anders angegangen sind hat so manchen gestört. Gerade noch mehr wenn man dann auch noch bemerkte das mein Pony wirklich alles mit sich hat machen lassen. Dann ist sie eben einfach mal rumgerannt und hat auf Wildpferd gemacht. 10min später konnte ich sie mit grinsen wieder einfangen und da weiter machen wo Pony meinte eine Pause zu brauchen (später hat sie mir das dann zum Glück sanfter deutlich gemacht :D)

      Im Prinzip waren das so unsere Anfänge mit der Bodenarbeit. Gelände war dann im Gegensatz dazu manchmal ein reiner Gewaltakt. Ich muss es so sagen denn ich hing in den Zügeln um irgendwie mein stetig durchgehendes Pony halten zu können.
      Aber da hatte ich dann auch einen Dickkopf. Klar schön war anders aber ich quälte uns immer wieder ins Gelände und versuchte Corinna zu zeigen das man vor nichts Angst haben braucht wenn ich oben bin, von unten gabs nämlich nie Probleme.
      Ich blieb dran und wurde belohnt. Mit der Zeit wurde Corinna ruhig und irgendwann war sie entspannter denje im Gelände.
      Ich bin sogar einmal auf ihr eingeschlafen 😀
      Und heute kann ich mit stolz sagen eines der ruhigsten Pferde fürs Gelände zu haben. Oft genug werden wir "gebucht" für Ausritte mit unruhigen Pferden. Corinna strahle so viel Ruhe aus.

      Das war auch viel arbeit, glaubt mir nur nie jemand das sie mal ganz anders war.

      Meine Regeln bis heute sind Konzequenz, Mitdenken vom Reiter, Umdenken, viel Lob, lachen (denn auch Pferde verstehen es was es bedeutet wenn wir lachen) und Geduld.

      Ob ich alles noch einmal so machen würde, weiß ich nicht. Aber ich bin stolz auf das was ich mit meiner Stute erreicht habe. Sie kam als wirklich unzugängliches Pferd, was im Gelände immer noch durchging, in meine Hände. Und heute läuft sie mir frei überall nach und im Gelände ist sie meine Lebensversicherung und ein top Lehrpferd für andere Pferde.
      Sie ist ausgeglichen und hat ihren Charakter frei entfalten können.

      Lange Geschichte die ich noch mehr ausführen könnte aber dann würde ich wohl nicht mehr fertig werden 😀
      Ich denke ich konnte aber genau den Einblick gewähren um den es mir ging. Es ist alles recht einfach aber manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht

    • Petra sagt:

      Hach, ich liebe Deine Geschichte 🙂 Danke, dass Du sie noch nachgereicht hast. Sie macht mir Mut, weil mein Pferd auch ein stures Exemplar ist und ich auch nicht denke, dass Pferde immer MÜSSEN. Sie haben Gefühle und Charakter. Aber da immer den richtigen Punkt zu treffen, das korrekte Timing, die passenden Regeln, damit ein Verlasspferd daraus wird und kein steigendes Etwas – das ist die wahre Kunst, denke ich. Denn wenn sie keine Regeln bekommen, keinen Rahmen, innerhalb dessen sie sich wohlfühlen und vertrauen und die Entscheidungen vertrauensvoll dem Menschen überlassen können, dann ist das bei den meisten Pferden auch nicht gut. Diese Waage immer richtig auszutarieren, immer fair zu bleiben und keine Fehler zu machen, finde ich sehr schwer. Aber es ist am Ende auch ein Abenteuer, denke ich, auf das wir uns zusammen mit unseren Pferden einlassen. Wir müssen dann eben gemeinsam einen Weg finden, der sich für beide Parteien gut anfühlt – so wie Du mit Deiner Stute. Also danke Dir für die Geschichte, ich habe sie gespannt gelesen und freue mich, dass sie ihren Weg auf unsere Webseite gefunden hat 🙂 Liebe Grüße, Petra

  7. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    ich persönlich habe eine etwas andere Sicht auf die Dinge wie Bernd Hackl.
    Ich bin seiner Meinung, dass ich klar und konsequent im Umgang mit meinem Pony sein muss d.h. für mich, dass bei uns jeden Tag die selben Regeln gelten und wir haben natürlich auch regeln. Das finde ich wichtig und unerlässlich für den Umgang. Gerade bei einem jungen Pferd wird es sonst sehr schwierig.
    Anders sehe ich das Thema Futter. Meiner Meinung nach ordnen uns Pferde gar nicht in eine Rangordnung ein. Sie wisse ja, dass wir keine Pferde sind. Viel interessantes dazu habe ich bei Marlitt Wendt in dem Buch "Vertrauen statt Dominanz" gelesen.
    Auch das Thema Futter sehe ich ganz anders. Die Theorie, dass ich kein Futter abgeben darf, weil mich das rangniedriger macht, teile ich nicht. Meiner persönlichen Ansicht nach kommt es wie Herr Hackl selber sagt auf die innere Stärke und Einstellung an. Ich persönlich denke, dass Pferdetraining etwas mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun hat. Ich selber muss mich frei machen von Selbstzweifeln, Ängsten und Kontrollsüchten. Wenn ich hier klar und frei bin, dann vertraut mir mein Pferd und kommt zu mir. Dann ist es auch egal wer Futter abgibt oder nicht. Das sind meiner Meinung nach Äußerlichkeiten, die für eine Beziehung zum Partner Pferd nicht entscheidend sind.
    Ich selber habe übrigens auch etwas ganz anderes erlebt. In unserer kleinen Mini-Herde war ein Tag vergessen worden die Wassertonne zu füllen. Es war recht warm und alle Pferde hatten Durst. Sie sind als ich gekommen bin alle um die fast leere Tonne gestanden. Die Herdenchefin stand um die Tonne und hat alle Pferde weggebissen bis auf die zwei jüngsten Herdenmitglieder. Sie hat die beiden trinken lassen und selber nicht getrunken und für sie die Tonne beschützt. Sie hat die schwächsten in der Herde in Schutz genommen und ihnen den Vortritt gelassen. Das widerspricht für mich ganz klar der Theorie, die Herr Hackl hier aufstellt.
    Ich selber setze Futterlob gerne ein. Denn ich finde es einfach die praktischte Art des Lobs. Das ist immer toll. Streicheln mag mein Pony manchmal nicht und empfindet es deshalb nicht immer als Lob. Ballspielen empfindet er zwar als Lob, ich finde es aber unpraktisch immer einen großen Gymnastikball rumschleppen zu müssen. Aus diesem Grund lobe ich mit Futter. Trotzdem weiß er sich zu benehmen. Wenn ich ihm Futter hinhalte und sage er soll sich abwenden, dann tut er das. Einfach weil wir auch hier konsequente Regeln haben und das bedeutet er darf nicht betteln. Meiner Erfahrung nach ist auch der Umgang mit Futterlob einfach eine Erziehungssache und nicht mehr.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Hi Miriam, ich denke auch, dass Bernd die innere Einstellung am Wichtigsten ist, so zu minntest habe ich ihn beim Interview verstanden. Wenn die stimmt, dann zählt das eine oder andere vielleicht auch nicht mehr so. Er hat diese Regel für sich wohl aufgestellt und ich kenne viele Pferdetrainer, die das genauso sehend. Ich kenne aber auch Pferdetrainer, die Futter als kräftige Verstärkung ab und an geben als Belohnung. Ich denke, da gilt, wie so oft, dass man viel falsch machen kann und am Ende jedes Pferd und jeder Mensch so anders ist, dass es bei dem einen funktioniert und bei dem anderen nicht. Aber ich kenne auch Pferde die immer drängeln und betteln und an jedem Menschen sofort herumknabbern und das hat bei den Pferden relativ eindeutig mit unbedachter Futterbelohnung zu tun. Ich selber weiß noch nicht, wie ich das mit meinem Stübchen dann mal handhaben werde. Je nachdem wie sie ist und wie ich bin und wie wir harmonieren.. Hach, so viele Fragen 🙂 Auf jeden Fall hat mich die Geschichte von Deiner Leitstute sehr berührt, die Pferde sind doch so viel gerechter wie wir Menschen!

  8. Sylvia Czarnecki sagt:

    Als Trainerin für positive Verstärkung sehe ich das Thema Futter natürlich "ein wenig" anders als Bernd. Abgesehen davon, dass er erst der Leittier-Theorie widerspricht und dann beim Thema Futter doch wieder darauf zurückgreift, hat die Evolution niemals eine artübergreifende Dominanz oder Rangordnung vorgesehen.
    Aus lerntheoretischer Sicht lernen Pferde aus zwei Gründen: weil sie etwas positives erwarten oder etwas unangenehmes vermeiden wollen und zwar entweder oder, nicht beides zusammen 😉 Die vielzitierte Konsequenz ist letztlich auch nur die Anwendung von Druck, den das Pferd zu vermeiden sucht. Die Klarheit funktioniert, weil die Körpersprache ganz klar darauf aufbaut. Wie er sein Pferd ausbildet, muss letztlich jeder selbst entscheiden. Das gute an negativer Verstärkung ist eben, man muss nicht mal wirklich gut sein, damit sie funktioniert, deshalb wird sie auch am häufigsten angewandt.
    Das Arbeiten mit Futterlob und positiver Verstärkung hingegen erfordert wirklich genaues Vorgehen und Auseinandersetzung mit dem Thema. Wer hier streikt, bekommt Probleme. Denn während das Pferd bei der Arbeit mit negativer Verstärkung kein Verhalten anbietet, ohne dass danach gefragt (Druck aufgebaut/angedroht) wird, ist der Anreiz nach "Tun" bei der Arbeit mit Futter immer präsent. Wer einfach nur wahllos Futter ins Pferd steckt, muss sich nicht wundern, wenn es bettelt 😉
    Und wenn du, liebe Petra, für deinen Blog mal einen kompetenten Ansprechpartner zu diesem Thema brauchst, dann darfst du mich gerne anschreiben.
    LG Sady

    • Lea sagt:

      Liebe Sady,

      danke für diesen Kommentar!
      Ich war nachdem ich dieses Interview gelesen habe, wirklich sehr verärgert und du triffst genau das, was ich auch denke.
      Ich habe Erfahrungen mit beiden Trainingsweisen und kann mich auch heute nicht in allen Situationen von negativer Verstärkung freisprechen, aber ich versuche es so gut es geht zu vermeiden, aber ich weiß sehr gut, dass ich niemals nur noch mit Druck arbeiten wollen würde. Das hat mir vielleicht ein in sich gekehrtes Pferd gebracht, aber sicher keines, welches mir vertraut!
      Ich wünsche mir sehr, dass sich all die Horsemanshipler einmal mehr mit der oben angesprochenen Lerntheorie beschäftigen würden.

      Liebe Grüße

      Lea

    • Petra sagt:

      Liebe Lea, schade, dass das Interview dich sogar verärgert hat. Bernd ist streng und hat seine Regeln und ich bin nicht immer seiner Meinung. Aber er ist doch auch ein sehr sanfter Horseman, der sehr viel über die Pferde weiß und sie mit Respekt behandelt. Er arbeitet auch nicht ausschließlich mit Druck. Er lobt und streichelt. Er arbeitet nur nicht mit Futterbelohnung. Ich persönlich sehe das anders als er. Aber ich würde ihn nicht als Trainer deswegen in die "Druck-Schublade" schieben. Auf jeden Fall finde ich die Diskussion über Lerntheorien und Futterbelohnung sehr spannend und freue mich, dass ihr eure Meinung zum Thema hier schreibt 🙂 Liebe Grüße und danke, Petra

    • Petra sagt:

      Liebe Sady, da kann ich dir gar nicht widersprechen. Ich sehe das Thema Futterbelohnung auch anders als Bernd. Zumindest in Teilen 🙂 Damals war ich noch im Findungdprozess,was das Thema Betrifft – sonst hätte ich vielleicht auch noch mehr meine Haltung dazu ins Interview eingebracht. Aber am Ende ist ein Interview ja immer die Meinung des Interviewten. Er sieht das sehr strikt. Ich persönlich denke, dass Futterbelohnung ein hoher und toller Motivator sein kann, aber das Timing muss sitzen. Und es muss das Thema "Höflichkeit" ganz klar installiert sein. Wenn beides nicht da ist und es sich vielleicht noch um ein sehr futterneidisches Pferd handelt – finde ich Futterbelohnung auch schwierig. Ich finde – jetzt wieder anders als du 😉 – dass man Vermeidung und Positive Verstärkung schon verbinden kann. Ich mache es so. Einerseits bitte ich meine Stute Dinge zu tun, indem ich sie zum Beispiel mit der Gerte antippe damit die Hinterhand weicht und zwar so lange und mit steigerndem Druck, bis sie versteht und ausführt. Aber wenn sie es dann macht höre ich sofort auf (das ist ja das berühmte Ende des Drucks) und lobe sie aber (nutze also positive Verstärkung) sobald sie auch nur die Idee dessen zeigt, was ich sie gebeten habe. Wenn es eine ganz große Aufgabe war, loben wir im Training dann auch mit Futter. Für mich schließt das eine das andere also nicht aus. Es ist wie ein Rahmen, innerhalb dessen ich mich mit dem Pferd bewege. Die Aufgaben sind in sehr kleine Schritte unterteilt und werden dann wie ein Puzzle zusammengesetzt. Du siehst also – ich nutze die Mischung 🙂 Auf jeden Fall freue ich mich über deine Ergänzung und deinen Kommentar und finde die Idee über positive Verstärkung zu sprechen super. Lass uns da mal was ausbaldowern 🙂 Liebe Grüße, Petra

  9. Sylvia Czarnecki sagt:

    Ich schon wieder 😉 Da ich nicht weiß, ob die Antwort in der Reihenfolge richtig angezeigt wird, hier mal das Zitat, auf das ich mich berufe:

    "Aber wenn sie es dann macht höre ich sofort auf (das ist ja das berühmte Ende des Drucks) und lobe sie aber (nutze also positive Verstärkung) sobald sie auch nur die Idee dessen zeigt, was ich sie gebeten habe. "

    Das ist dann immer noch negative Verstärkung, nur mit Keks 😉 Die Meinung "beides geht nicht" ist übrigens nicht von mir, sondern das ist die wissenschaftliche "Meinung". Positive Verstärkung bedeutet immer!, dass kein Druck angewandt wird oder wurde, um das Verhalten zu erzielen oder initiieren, sonst ist es keine positive Verstärkung. Auch hat eine positive Verstärkung niemals! eine für das Pferd unangenehme Folge, wenn auf das Signal keine oder eine falsche Reaktion erfolgt. Das grenzt die positive und die negative Verstärkung klar voneinander ab. Das Mischen beider Methoden (was wie gesagt, eigentlich kein Mischen ist) sorgt langfristig dafür, dass das Pferd den angewandten Druck nicht mehr als "so schlimm" empfindet, die Belohnung aber auch nicht als "so hochwertig". Auch die Androhung oder das "in Aussicht stellen" von Druck ist bereits negative Verstärkung – es ist also vor allen Dingen auch abhängig von der Konsequenz die erfolgt, wenn das Pferd nicht wie gewünscht reagiert und auf welche Art und Weise das Verhalten erarbeitet wurde.

    Es ist die Wahl, die das Pferd hat! Welche Wahl hat dein Pferd, wenn du sagst "Verhälst du dich richtig, bekommst du eine Belohnung, aber wenn nicht erhöhe ich den _Druck_ oder er bleibt bestehen"? Dein Pferd hat keine Wahl, denn die Konsequenz würde so lange unangenehm sein, bis es reagiert – sonst funktioniert das Prinzip nicht. Verstehst du?

    Ich habe dazu einen Artikel auf meiner Seite, wenn du nach "Anwesenheit" suchst, findest du ihn. Der Artikel heißt "Die Anwesenheit von Belohnung macht keine positive Verstärkung" 😉

    LG Sady

    • Petra sagt:

      Hallo Sady, danke für deinen Kommentar. Ich nutze das Wort "positive Verstärkung" dann einfach anders in meinem Kopf. Rein wissenschaftlich hast du bestimmt eine gute Definition, weil du dich ja ausschließlich damit beschäftigst. Da lasse ich mich gerne auf deine Definition ein. Ich weiß, was du meinst, mit deinen Worten und bin grundsätzlich auch sehr offen und interessiert an dieser Idee des Pferdetrainings. Mir persönlich stellt sich nur immer die Frage, wie wichtig Regeln sind für das miteinander und wie sehr Pferde sich auch deswegen wohl fühlen, weil der Mensch die Verantwortung übernimmt. Das "wer bewegt wen" in der Herde ist ja auch ein Teil des Trainingskonzeptes, das ich nutze. Das sind alles natürliche Gewohnheiten und Körpersprache der Pferde. Es erscheint mir schlicht logisch das zu nutzen für das Training. Es erinnert mich ein bisschen an antiautoritäre Erziehung und autoritäre Erziehung bei Kindern. Zwei Extreme – die oft und viel diskutiert werden. Beide Extreme sind nichts für mich. Ich mag den Mittelweg. Ich baue die Übungen zusammen mit meiner Trainerin in so kleine Schritte auf, dass das Pferd viele und ständige Erfolgserlebnisse hat. Wir zeigen und loben sehr viel. Aber ich möchte auch ein Pferd haben, das anhält, wenn ich stop sage. Das entspannt neben mir läuft, weil es weiß, dass ich die Führung übernehme und weiß was ich tue. Und ich möchte kein Pferd, das in seinem Kopf immer dem Stress der Futterbelohnung ausgesetzt ist. Das wäre nämlich ein Gedanke, der mich immer überkommt, wenn ich an die positive Verstärkung im Clickersinne denke. Versteh mich nicht falsch – ich bin gar nicht dagegen. Ich habe da noch keine abschließende Meinung, sondern nur viele Fragen in meinem Kopf. Ich denke auch, dass man nicht sagen kann, dass die eine Trainingsmethode gut und die andere schlecht ist, sondern man sich immer die Frage stellen muss, welche Trainingsmethode passt zu welchem Pferd. Das sind jetzt meine Gedanken grob in die Internetwelt geworfen 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

    • Miriam sagt:

      Liebe Petra,

      ich hoffe es ist okay, wenn ich mich hier "einmische".
      Deine Gedanken kann ich sehr gut verstehen und ich sehe leider genau das in der Praxis auch immer wieder. Weniger beim Pferd, weil ich hier nicht soviel Kontakt zu anderen Menschen habe, die clickern, sondern mehr beim Hund, aber letztlich spielt das keine Rollle.
      Meiner Meinung nach läuft da dann aber etwas schief.
      Das Training mit positiver Bestärkung ist für mich keine antiautoritäre Erziehung. Es gibt Regeln und diese müssen bei uns auch eingehalten werden. Bei aller Freiheit die meine Tiere genießen, gibt es trotzdem Regeln auf die ich bestehe. So ist z.B. eine Regel für mein Pony, dass ich es nicht mag, wenn er beim Misten die Schubkarre umschmeißt. Das macht er mit Vorliebe, ist jetzt aber für mich nicht so toll, denn so gern mach ich nicht die selbe Arbeit doppelt und dreifach. Also habe ich ihm beigebracht, dass er von der Schubkarre weg bleiben soll und das gilt auch. Auch wenn er grade keine Lust dazu hat und alles so spannend und interessant ist.
      Ich habe ein Pony, was durchaus entspannt neben mir gehen kann, weil er weiß, dass er mir vertrauen kann. Das hat für mich aber viel mehr mit mir selber zu tun. Meiner Erfahrung nach schließen sich Pferde freiwillig an Menschen an, die eine Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlen. Die nicht krampfhaft versuchen die Dinge unter Kontrolle zu haben, sondern ruhig, gelassen und vertrauensvoll mit dem Pferd umgehen. Das ist eine Menge Arbeit an mir selber und ich muss mit meinen Ängsten und Kontrollsüchten klar kommen. Aber es lohnt sich. Selbst meine ehemalige Reitbeteiligung, der mit seiner Besitzerin nicht ins Gelände wollte und dort sehr hektisch und panisch war, ist mit mir ruhig gewesen. Obwohl ich ihn genauso behandelt habe wie ich mein eigenes Pony behandle. Ich bin mit ihm ausschließlich mit Halfter und Strick ausgeritten und hatte keine Angst, dass was passiert.
      Natürlich gehört auch eine gewisse Konsequenz dazu. Was ich heute sage, das gilt auch morgen noch. Es ist nur ein anderer Weg wie ich meinen Tieren die Dinge sage.
      Ich bin nicht der Chef. Wir sind gleichberechtigt in dem Sinne, dass wir beide Entscheidungen treffen dürfen. Dass wir beide unsere Regeln haben und wir beide höflich und respektvoll miteinander umgehen. Trotzdem vertraut mir mein Pony in für ihn schwierigen Situationen. Wenn er in Situationen ist, wo er nicht recht weiter weiß, oder ihm etwas Angst macht, kommt er zu mir und fragt mich um Hilfe und Beistand. Und diese bekommt er dann auch.
      Ich habe kein Pony was immer funktioniert. Das würde ich nie behaupten und es läuft auch nicht alles immer perfekt, ganz im Gegenteil. Es gibt auch mal Tage da denke ich, dass er sich als Wandteppich auch gut machen würde ;).
      Was der Streß mit der Futterbelohnung angeht. Es gibt Pferde, die gerade beim Clickertraining ein sehr hohes Energielevel haben. Die sind im Streß, weil sie ständig was wollen und ständig weitermachen wollen. Meiner Ansicht nach ist hier aber dann ein Trainingsfehler passiert und nicht genau auf Pausen geachtet worden. Auf wirkliche Ruhepausen wo mal nichts passiert. Genauso wie natürlich das Thema Futtererziehung ganz wichtig ist.
      Liebe Grüße
      Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, du darfst dich immer einmischen. Danke für deinen Kommentar, den ich sehr spannend finde. Da steckt einiges drin, über das ich nachdenken werde 🙂 Ich durfte dich und dein Pony ja schon einmal zusammen sehen und muss sagen, dass er wirklich keinerlei Futtergestressten Eindruck gemacht hat. er war wirklich sehr entspannt. Insofern ist er eine Bestätigung dafür, dass es sicher auch eine Frage des Trainings und des "wie" ist. Ich mag übrigens den Satz mit dem Wandteppich 😉 Ich musste sehr lachen, als ich das gelesen habe. Ganz liebe Grüße, Petra

  10. Sylvia Czarnecki sagt:

    Über das "Bitten" und "Fragen" habe ich neulich erst gesprochen … Eine Bitte/Frage, die nur eine Antwort – dein gewünschtes Verhalten – zulässt, ist für mich ein Befehl – wenn auch zunächst nett gefragt. 😉

    • Petra sagt:

      Hmmm – ich würde sagen, eine Bitte ist auch etwas, dem man folgt. Bei der Frage, muss ich dir Recht geben. Wenn ich sie stelle, muss ich auch ein Nein erwarten 🙂 Darüber hatte ich es gerade neulich mit einer Leserin.

  11. Juliane sagt:

    Hallo ihr Lieben,

    ich habe hier jetzt den kompletten Verlauf beobachtet. Ich finde es super das hier wirklich sämtliche Ansichten eingebracht wurden, vor allem auch das keine Ansicht "schlecht" gemacht wird. Jeder erzählt, wie es bei ihm und seinem "Pony" am besten klappt und das ist doch eigentlich das wirklich tolle an der Sache: Wie jeder seinen für sich und seinem Liebling findet und sich weiterentwickelt. Wir Menschen sind alle so unterschiedlich und das sind unsere Lieblinge auch. Dem entsprechend führen viele Wege nach Rom…

    Ich habe meinen Bub nun erst seit einem halben Jahr. Wir entdecken zusammen täglich neues, wir überaschen uns gegenseitig immer wieder aufs neue und finden unseren Weg. Es ist ein komplett neuer Weg den ich mit ihm beschreite.
    Was ich bei sämtlichen RB`s usw. für mich gefunden habe ist: Vertrauen und einfach mal loslassen.

    Viele Liebe Grüße
    Jule

    • Petra sagt:

      Liebe Jule, das ist so schön und wichtig: Vertrauen. Damit fängt alles an, denke ich. Erst wenn wir dem Pferd Vertrauen, haben wir die innere Ruhe und Sicherheit, damit es auch anfangen kann uns zu vertrauen. Dabei spielt das "Loslassen" eine große Rolle. Danke für deinen wunderbaren Kommentar und liebe Grüße, Petra

  12. Jojo sagt:

    Hey 😀 Das ist echt ein wunderschöner Artikel ^^ ich wünschte nur ich könnte das alles umsetzen, doch ich reite nur auf Schulpferden, also kann ich keine großen "Übungsstunden" machen 🙁 mit den Schulpferden muss ich zum Teil schon ziemlich kämpfen :/. Ich bin ziemlich klein und es ist dementsprechend für mich fast unmöglich ein etwas größeres Pferd aufzuhalftern geschweige denn zu trensen, wenn es den Kopf dauernd hoch reißt. Außerdem kleben die Pferde extrem an einander und abwenden ist für mich ebenfalls extrem schwer. Und ich verfalle immer wieder in dieses "am inneren Zügel ziehen und mit dem äußeren Bein klopfen"
    Das demotiviert mich extrem und ich wollte fragen, ob ihr vielleicht ein paar Tipps habt, die man auch auf Schulpferden anwenden kann 🙂
    LG Jojo

    • Petra sagt:

      Liebe Jojo, das kann ich verstehen – es ist viel schwerer mit Schulpferden etwas zu erarbeiten, was außerhalb dem klassischen Reiten liegt. Es ist für Reitschulen auch nicht immer leicht, die Zeit zu finden mit ihren Pferden so umzugehen, wie es eigentlich sein müsste. Dann wollen aber wieder viele Menschen nicht viel bezahlen für den Reitunterreicht…und und und – es ist ein Teufelskreis. Aber Schulpferde, die den Kopf dauernd hochreissen, klingen (und es ist schwer nach den wenigen Sätzen von dir etwas zu schreiben) nicht besonders nach glücklichen und motivierten Pferden, die fein und gut Korrektur geritten werden. Oder euch wird nicht ausgiebig genug gezeigt, wie ihr es machen müsst. Ich würde einfach auch mal mit dem Reitlehrer sprechen, ob es nicht auch Möglichkeiten gibt Bodenarbeits-Unterricht zu nehmen. Warum die Pferde den Kopf hochreissen – wie du es anders handhalben kannst mit dem Abwenden. Wenn dann keine sanften und guten Antworten kommen, der Reilehrer dich abbügelt oder sich keine Zeit nimmt – nicht auf dein offenes Interesse daran pferdefreundlich zu sein, reagiert und nicht erklärt – dann würde ich mich umschauen, ob es nicht eine Reitschule in der Nähe gibt, die zum Beispiel nach Centered Riding arbeitet oder Tellingon Jones oder Horsemanship unterrichtet usw. Einfach auch alternative Reitmethoden, die viel Wert auf Balance und Kommunikation legen. Aber zu deiner Anfangsfrage: Alles, was Bernd schreibt, kannst du auch bei Schulpferden versuchen. Einfach etwas früher da sein und die Hand erstmal zur Begrüßung hinstrecken, bevor du dich annäherst – das pFerd mit freundlichen und ruhigen Körperbewegung immer erstmal "fragen" ob du dich annähern darfst – ob es mit dem einverstanden ist, was du tun willst. Klar, aber bestimmt sein. Freundlich dabei und immer auch dem Pferd Höflichkeit und Respekt entgegenbringen. Die Schulpferde wissen so einen höflichen und liebevollen Umgang garantiert auch zu schätzen. Ganz liebe Grüße auf jeden Fall und ich hoffe, ich habe dich nicht zu sehr verwirrt, Petra

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