Artikel aktualisiert am 16.10.2017

Du willst das dein Pferd dir folgt? Du willst sein Vertrauen? Dann musst du der sichere Ort für dein Pferd sein. Du musst der Ort werden, an dem dein Pferd sich beschützt fühlt, sicher und gut aufgehoben. Der Ort in der Menschenwelt, der ihm Ruhe vermittelt. Immer dann wenn du es aus der Herde holst, musst du ihm die Herde in der Menschenwelt sein. Aber wie? Und wie sehr? Und was heißt das überhaupt?

Das Grundprinzip: Wer bewegt wen?

Wer den anderen bewegt und die Richtung vorgibt, ist der Herdenchef

So kommunizieren Pferde untereinander. Setz dich mal einen Tag auf die Pferdekoppel und beobachte die Pferde. Versuche herauszufinden, wer Herdenchef ist und wer in der Rangfolge an welcher Position steht. Du kannst das relativ schnell erkennen. Unter Pferden herrscht das “Wer bewegt wen”-Prinzip. Auch Rangkämpfe funktionieren danach.

Die Leitstute bewegt zum Beispiel nur ein Ohr, klappt es nach hinten und setzt ein dominantes Gesicht auf. Schon wissen die jüngeren und Rangniedrigeren Pferde, dass sie Platz machen sollen. Wenn das nicht hilft zeigt sie mit dem Kopf an, dass sie es ernst meint und steigert dann solange, bis ihre Ansage akzeptiert wird. Das hat nichts mit der vielzitierten Leittiertheorie zu tun oder damit, dass wir wie Pferde werden müssen oder noch schlimmer, dass wir die Pferde dominieren müssen.

Dominanz ist der falsche Weg, zumindest so wie wir in Deutschland Dominanz oft interpretieren. Nämlich Unterdrückung, Zwang, Druck. Du musst auch keine Leitstute werden. Du bist ein Mensch, kein Pferd. Aber Du kannst klar, eindeutig, ruhig und verantwortungsbewusst sein.

  • Ein gutes Leittier ist verantwortungsbewusst, verständnisvoll, eindeutig und klar.
  • Ein guter Chef ist höflich, unterfordert und überfordert nicht.
  • Ein guter Chef weiß um die Persönlichkeit des Einzelnen
  • Ein guter Chef kann Loben aber auch Grenzen zeigen. Höflich.
INFO: Fällt dir noch mehr ein, was einen guten Chef ausmacht? Schreib mir einfach! Ich freue mich auf deine Ideen und werde die Liste immer gerne weiterbauen. 

Gleichzeitig sorgt eine gute Leitstute auch immer dafür, dass alle Herdenmitglieder sicher sind. Es gibt Leitstuten, die die kränkeren Pferde schützen und fressen lassen. Am Ende zählt natürlich auch bei Pferden das Recht des Stärkeren, meist zumindest. Aber es gibt diese Fälle.

Eine gute Leitstute hat auch immer die Umgebung im Blick. Du wirst merken, dass die anderen Pferde immer auch die Leitstute im Blick haben. Die innere Verbundenheit unter Pferden kann sogar soweit gehen, dass der Herzrhythmus und die Atmung einer Herde im Gleichklang sind. Wenn ein Pferd den Kopf hochwirft und nervös wird, werden es die anderen meist auch tun. Wenn sich die Leitstute dann wieder dem Gras widmet, werden die anderen innerhalb kürzester Zeit wieder ruhig werden. Pferde sind rasant auf 180 und genauso rasant wieder entspannt. Das musst du wissen und berücksichtigen.

Was kannst Du daraus für Dich ableiten?

  • Du musst deinem Pferd ein verantwortungsbewusster und sicherer Ort sein, wenn du es aus der Herde holst. So ticken Pferde.
  • Du musst ihm in aller Ruhe und Gelassenheit sagen, was du dir wünschst.
  • Du solltest auf seine Bedürfnisse und seinen Charakter achten und in das Training miteinbeziehen.
  • Du solltest seine Ängste ernst nehmen und ihm geduldig an der Seite stehen und ihm durchhelfen statt es zu dominieren.
  • Du musst die Ruhe bewahren und ihm dadurch zeigen, dass es keinen Anlass zu Aufregung oder Angst gibt.
  • Du darfst nie wütend oder aggressiv werden. Denn das Pferd macht nichts, um dich zu ärgern. Sondern weil es es nicht besser weiß. Oder weil es schlechte Erfahrungen gemacht hat. Oder weil es unsicher ist. Oder weil es deine Kommunikation nicht versteht. Oder weil es nachfragt und wissen will, ob du wirklich weißt was du tust. Es gibt noch tausend andere Gründe. Aber dein Pferd will dich nicht ärgern. Das musst du verinnerlichen und alles was kommt möglichst mit einem Lächeln nehmen.

Dabei solltest du immer den Charakter und die Persönlichkeit deines Pferdes im Blick haben. Nehmen wir zwei Beispiele – einfach in einem Satz Schwarz-weiß gesagt: Einem schüchternen Pferd musst du Selbstvertrauen geben, einem dominanten Pferd musst du sanft aber klar Grenzen zeigen.

Wie du lernen kannst ein ruhiger Ort für dein Pferd zu sein

Klare Kommunikation und ruhige Gelassenheit sind der Schlüssel zu Akzeptanz und Respekt. Das sagen auch Pferdeprofi Bernd Hackl oder die Wissenschaftlerin und Pferdeexpertin Konstanze Krüger. Das schreibt Pferdeexperte Mark Rashid* und das sagt auch Pferdeflüsterer Buck Brannaman*. Oder Kenzie Dysli.

Ihnen allen geht es nicht um brutale Dominanz. Es geht um Vertrauen. Dann wird dein Pferd dir folgen. Dann wird es ein verlässlicher Partner werden, weil du ein verlässlicher Partner bist.

Das Pferd spiegelt dich

Es geht immer um deine innere Haltung. Ich war zum Beispiel auf der Hacienda Buena Suerte der Dyslis und hatte eine Stunde Bodenarbeit“ bei Kenzie Dysli*, einer zarten kleinen Person mit einer großen Persönlichkeit. Sie war weder dominant noch brutal oder hat Zwang ausgeübt. Trotzdem sind ihre Pferde aufmerksam bei Kenzie. Aus Pferdesicht ist sie vertrauenswürdig, weil sie genau weiß was sie will, wo ihre Grenzen liegen und diese mit Konsequenz, aber auch Ruhe und Geduld einfordert.

Es geht nicht darum, ein besseres Pferd zu sein oder der dominante Leithengst, sondern der Mensch, der in der Menschenwelt die Wege kennt und klare Signale der Ruhe und der Souveränität ausstrahlt.

Sie sagt im Grunde mit ihrer klaren Haltung: „Ich weiß, was ich tue, und ich sorge dafür, dass es dir gut geht.“ Das Pferd hat automatisch Vertrauen, weil es sich aufgehoben fühlt.

Kurz: Du musst derjenige werden, der den sicheren Weg kennt und entspannt vorausgeht, genau wie die kleine Katze, der das Pferd so neugierig und vertrauensvoll folgt.

Pferde-Vertrauen gewinnen

 

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3 Kommentare zu “Respekt statt Dominanz – Vertrauen statt Zwang

  1. Pony sagt:

    Hallo, 😊
    Ich finde den Artikel sehr toll…
    Ich habe ein 10 Jährigen Fjordi Bub und der macht gerade wieder so bissel Mist… 🙁
    Ich habe eine Trainerin die mit ihm arbeitet da ich das was er braucht nicht leisten kann so zu sagen teil Beritt…
    Nun wollte sie ihn gestern von der Weide holen da es kein Problem mehr war das zu machen und er ist gestiegen….
    Ich muss dazu sagen es ist eine neue Stute in der Herde er war seit langen wieder auf der Weide aber das ist für mich deprimierend da ich dachte das wir das gröbste weg haben…
    Ich liebe meinen Bub gebe ihn auch nie wieder her aber ich möchte ihm doch nicht weh tun sondern ihm zeigen das er mir vertrauen kann…
    Er scheint auch schon viel erlebt zu haben was ich immer mehr mit bekomme…
    Wäre toll wenn mir jemand Rat geben kann…
    Er ist gestern auch wieder durch den Zaun gerannt was er jetzt länger nicht mehr gemacht hat und ich auch froh darüber war….
    Ich habe schon überlegt ob es evtl am Stall liegt das er sich so verhält…
    Glg

  2. Bea Balow sagt:

    Hallo Pony😊..ich habe mir vor 2,5 Jahren meinen Traum erfüllt. .eine 5jährige Warmblutstute..roh..dominant..600kg geballte Kraft. Wir haben auch das alles durch…aber ich habe sie so sehr in mein Herz geschlossen und gebe sie auch nie wieder her. Du brauchst Ruhe und Geduld. Du musst an DIR arbeiten. Das habe ich auch erst lernen müssen. Übe tiefes in den Bauch atmen..Pferde merken sofort, wenn man selber nervös ist. Und ganz viel Bodenarbeit. Nach viel hin und her habe ich eingesehen, dass ein Knotenhalfter am besten hilft. Fee von der Koppel holen ohne steigen und Tellerwende?..Knotenhalfter auf…Pferd freundlich aber konsequent rückwärts richten und wen das Pferd steigt, sofort am Halfter läuten..ruhig und bestimmt…und wieder rückwärts richten. .nur ein/zwei Schritte, aber wiederholt. Und dann auffordern, zu folgen. Und das über mehrere Wochen. Es dauert so lange, wie es dauert. Und das mit dem durch den Zaun gehen…Fee hat fast 18 Monate gebraucht um in ihrem neuen zu Hause "anzukommen". Heute sind wir ein tolles Team…durch Ruhe..und konsequente Bodenarbeit..und immer ein Lächeln oder Lachen..auch wenn die Knie zittern😅

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Bea, das klingt doch alles nach einem geduldigen und liebevollen Weg. Ich finde vor allem wichtig, dass das Rückwärtsbitten nicht als Strafe fungiert (wie viele es gerne nutzen um Dominant sein zu können), sondern einfach nur die freundliche Bitte um Höflichkeit und Abstand an das Pferd ist, wenn es den eigenen Bereich zu unfreundlich oder grob betritt. Auf jeden Fall viele liebe Grüße, Petra

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