Artikel aktualisiert am 27.02.2017

Innere Stärke

Vertrauen ist ein wunderschönes Wort. In diesem Wort steckt so viel:

  1. Trau dich!
  2. Traue einem anderen Lebewesen!
  3. Vertraue deiner inneren Stärke!
  4. Zeige deinem Pferd, dass es deiner Führungskompetenz vertrauen kann!
  5. Trau dich auch mal „nein“ zu sagen!
  6. Traue dir etwas zu!
  7. Traue deinem Pferd etwas zu!

und noch viel mehr.

Vertrauen schenken, um gelassen und sicher zu sein

Vertrauen aus Pferdesicht ist etwas anderes als Vertrauen aus Menschensicht. Der Mensch muss dem Pferd Vertrauen, in dem er die Ängste los wird. Indem er darauf vertraut, dass das Tier nichts Falsches oder Gefährliches macht. Er muss in Vorkasse gehen und erst einmal Vertrauen schenken, um gelassen und sicher zu sein.

Schau dir die Katze an auf dem Foto. Sie schreitet mit erhobenen Schultern selbstbewusst voran. Sie hat ein Ziel. Sie weiß, was sie will. Sie hat keine Angst vor dem Pferd. Sie vertraut darauf, dass das Pferd ihr nichts tut. Und das Fohlen folgt ihr neugierig. Ist das nicht schön?

Pferd folgt Katze

Wenn du weißt, was du willst und das klar zeigst, kann das Pferd wiederum Vertrauen deine Führungskompetenz fassen. Jeder muss seine Pflichten und Aufgaben in diesem Duo kennen und dann wächst Vertrauen auf beiden Seiten. Du musst deinem Pferd seine Aufgaben erklären und dann dafür sorgen, dass ihr beide eure Aufgaben auch einhaltet. Dein Pferd, aber du auch!

“Du musst nicht stärker sein als dein Pferd, damit es dir folgt. Du muss nur sein Vertrauen gewinnen.” Pferdeflüsterei

Das kleine Wörtchen „nur“ lässt das Zitat so einfach klingen. Das ist es aber nicht. Es ist ein langer Weg. Aber schon auf dem Weg warten viele schöne Momente auf dich. Es lohnt sich!

In dem Wort „Vertrauen“ steckt also auch viel Arbeit. Denn Vertrauen hat bei Pferden sehr viel mit Sicherheit zu tun. Du musst deinem Pferd die Sicherheit bieten. Vertrauen heißt also Arbeit an dir selbst, damit du zu einer vertrauenswürdigen Führungsperson werden kannst. Dabei wird dir dein Pferd helfen. Denn es wird dir letztendlich nur vertrauen, wenn du eine gelassene und konsequente Führungpersönlichkeit wirst. Das steckt in seiner Biologie. Das ist seine Natur. Pferde sind Fluchttiere und Pferde sind Herdentiere. Damit ist eigentlich das Wichtigste schon gesagt.

Pferde achten auf ihre Umgebung und sie haben Instinkte in sich. Nur so haben sie es über Jahrhunderte geschafft zu überleben. Nur wenn sie ihre Herde, deren Reaktionen und ihre Umgebung im Blick hatten, konnten sie es schaffen rechtzeitig vor dem nahenden Leopard zu fliehen. Deswegen reagieren Pferde innerhalb von Millisekunden auf die Stimmung ihres Gegenübers.

Deswegen reagieren Pferde auch auf die Stimmung in ihrer Herde. Wenn ein Pferd aus der Herde nervös wird, werden es die anderen auch. So lange bis die Leitstute oder ein anderes Pferd signalisiert, dass es keinen Grund gibt, nervös zu sein.

Jetzt stell dir also vor, dass du die Herde deines Pferdes bist, wenn du es von der Koppel holst. Es hat nur dich, um seine eigene Sicherheit zu gewährleisten. Du bist der Parameter an dem es seine Sicherheit mißt. Bist du ruhig, gelassen und entspannt, steigen die Chancen wahnsinnig schnell, dass dein Pferd auch ruhig und gelassen ist.

Die Gleichung ist ziemlich einfach: 1+1 = 2

1 Pferd + 1 Mensch = 2er Herde

  • Bist du nervös? Dein Pferd wird dir nur vertrauen, wenn du lernst gelassen zu bleiben.
  • Bist du ängstlich? Dein Pferd wird dir nur vertrauen, wenn du lernst ruhig zu bleiben.
  • Bist du unklar? Dein Pferd wird dir nur vertrauen, wenn du lernst sicher und klar zu werden.
  • Bist du zu laut? Oder zu schnell? Oder zu dominant? Dein Pferd wird dir nur vertrauen, wenn du lernst leiser, feiner und ruhiger zu werden.
  • Bist du unsicher? Dein Pferd wird dir nur vertrauen, wenn du lernst ihm gegenüber selbstbewusst aufzutreten.

Um nur eine kleine Liste aufzuzählen. Dazu kommt noch, dass dein Pferd auch eine Persönlichkeit ist.

  • Es hat Charaktereigenschaften
  • Es hat eine Vergangenheit
  • Es hat abgespeicherte Erlebnisse
  • Es hat innerhalb seiner Pferdeherde einen Rang.

Das ist wie bei dir und deinem Job. Bist du zum Beispiel im Büro der Chef, wird es dir vielleicht etwas schwerer fallen zu Hause nicht auch Entscheidungen treffen zu wollen. So ist das mit deinem Pferd auch.

Führen braucht Vertrauen

Ist es in der Herde der Chef, wird es auch mehr versuchen in eurer 2er-Herde Entscheidungen treffen zu wollen. Ist es in der Pferdeherde rangniedriger, wird es sich vielleicht leichter unterordnen, aber gleichzeitig auch mehr bei dir nach der Ruhe suchen, die es auch von seiner Leitstute bekommt. Je nachdem, was es in der Vergangenheit erlebt hat, ist es vielleicht auch schon abgestumpft. Du musst ihm also vielleicht erst einmal deutlicher sagen, wo deine Grenzen liegen. Gleichzeitig aber auch schnell loben, wenn es sie respektiert.

Dein Pferd wird dir nicht vertrauen, weil du der stärkere bist oder weil deine Gerte schneller ist als seine Hufe. Es wird dir nicht vertrauen und folgen, wenn du es ihm einprügelst und es wird dir aber auch nicht vertrauen und folgen, wenn du mal Hü und mal Hott sagst oder alle seine Respektlosigkeiten fröhlich lächelnd übersiehst. Denn auch dann bist du keine gut Führungskraft. Mal ehrlich – respektierst du einen Chef, der immer alles mit sich machen lässt? Oder einen Chef, der unfair ist? Einen Chef der immer gleich losbrüllt und nicht erst freundlich bittet?

Innere Stärke

Sei ein guter Chef!

Wenn du dich fragst, wie dein Pferd dich haben will, dann frage dich immer auch mal, wie du dir den perfekten Chef vorstellst.

Ich persönlich würde sagen, dass ein guter Chef:

  • …klar ist in seinen Wünschen
  • …freundlich und höflich ist
  • …sich bedankt, wenn ich eine Aufgabe gut gelöst habe
  • …mich lobt, wenn ich ein Projekt gut organisiert habe
  • …fair ist in seinen Wünschen und Vorstellungen
  • …hat auch Spaß bei der Arbeit und vermittelt mir den Spaß
  • …motiviert und leitet mich
  • …mich auch mal ermahnt, wenn ich unhöflich oder unfreundlich bin
  • …dann aber nicht gleich losbrüllt, sondern mich erst einmal freundlich und dann immer deutlicher und deutlicher darauf hinweist, so lange bis ich mich wieder korrekt verhalte
Ich könnte diese Liste jetzt noch endlos weiterführen. Vielleicht hast du auch Ideen? Dann schreib sie mir! Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Du beginnst aber zu ahnen, was ich mit diesem Zitat sagen will, oder? Es kommt nicht darauf an, wie stark du bist oder wie viele Muskeln du hast oder wie gut du mit der Gerte oder dem Ausbinder oder straffen Zügeln zeigen kannst, dass du der Herr bist. Es kommt auch nicht darauf an immer alles rosarot zu sehen und aus den Pferden Kuscheltiere zu machen. Es kommt darauf an, dass du die richtige ruhige und klare innere Haltung hast und deinem Pferd so klare Rahmenlinien und Sicherheit vermittelst.

Was heißt das Praktisch?

  • Arbeite an dir und deinem Selbstwertgefühl
  • Arbeite an deiner inneren Gelassenheit
  • Lerne die Gesichtsmimik der Pferde zu deuten
  • Höre den Pferden zu, wenn sie mit dir reden
  • Arbeite an deiner inneren Einstellung und stell dir genau vor, was du willst, bevor du mit deinem Pferd trainierst
  • Sei klar und eindeutig in deiner Kommunikation und wenn du das mal nicht schaffst, dann gib dem Pferd nicht die Schuld, sondern überlege dir wie du so fragen kannst, dass dein Pferd dich versteht
  • Fordere von deinem Pferd aber auch Höflichkeit und Respekt ein
  • Kurz: Sei ein guter Chef!

Ich glaube, dass Pferde die Mischung aus Vertrauen und Führungskraft brauchen, damit sie sich wohlfühlen. Wenn du weißt, was du tust und genau das ausstrahlst, dann vertraut das Pferd deiner Führungskompetenz und wird dir gerne folgen. So wie es der Leitstute in der Herde auch vertraut, aber erst, wenn sie bewiesen hat, dass sie es auch kann.

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2 Kommentare zu “Pferdeflüsterei: Innere Stärke statt körperlicher Druck

  1. Johanna sagt:

    Ich finde deinen Artikel wirklich super. Ich muss noch ziemlich an meiner Bestimmtheiz und Klarheit arbeiten. Ich hatte (bzw. habe) lange Angst, meinem Pferd weh zu tun oder Druck zu benutzen. Prinzipiell finde ich das gar nicht schlimm, besser als würde ich ungehemmt auf ihn draufhauen. Aber so hat es sich halt aus gelegentlichem Schnappen und kleinen Respektlosigkeiten, dass mein Pferd mich auch mal umgerannt hat. Und da hatte ich dann irgendwann einfach nur noch Angst. Deswegen habe ich mir eine Trainerin gesucht, mit der ich erstmal diesen Monat dreimal die Woche Bodenarbeit mache. Sie arbeitet nach den Prinzipien von Honza Blaha und wir sind in zwei Wochen schon wirklich weitergekommen. Die Schnapperei wird viel weniger und mein Pfeed ist generell viel entspannter, einfach dadurch, dass konsequent und sicher mit ihm umgegangen wird. Ich wünschte mir nur, wirhätten so etwas schon viel feüher gemacht, weil er jetzt schon gelernt hat, dasser z.B. durch Steigen aus einer Lektion herauskommt. Deswegen muss man ihn dann doch manchmal ordentlich mit dem Stick treffen, damit er nicht in einen hereinspringt. Das macht mir keinen Spaß, aber es ist wirklich nur die Notfalllösung. Ich versuche, sehr klar und sanft mir ihm umzugehen, aber Respektlosigkeit ist dann einfach nicht ok. Findest du, dass in so einer Situation hoher Druck angebracht ist? Es funktioniert ja eigentlich bei uns und es gibt dadurch, das wir das klären, immer mehr Momente, in denen wir uns gemeinsam entspanne können. Ich hätte nur gerne einen Weg mit weniger Druck gefunden, aber den habe ich nicht entdeckt…
    LG Johanna

    • Petra sagt:

      Liebe Johanna, erst einmal freue ich mich, dass ihr zusammen mit einer Trainerin einen Weg für euch gefunden habt. Ich finde, dass Druck gar nicht immer das richtige Wort ist – vielmehr nutze ich für meinen Kopf "Klarheit" und "Grenzen" – die wollen Pferde von uns. Nur dann sind wir berechenbar und nur dann sind wir sicher für sie. Das brauchen sie als Fluchttiere – das ist meine innere Überzeugung. Wenn dein Pferd dich "angreift", dann ist es auch dein gutes Recht deine Sicherheit zu verteidigen – das denke ich. Ich würde mich immer fragen warum er mich angreift und versuchen so emotionslos und sanft wie möglich zu bleiben. Aber wenn mich ein Pferd angreifen oder in mich reinspringen würde, würde ich auch den Stick nutzen und es an die Stelle zurückschicken, die mir recht ist. Wenn du das nicht tust – ud da sind wir wieder beim Thema Sicherheit – wird dein Pferd dir nicht zutrauen dich und deinen Bereich zu verteidigen und dann wird es dir auch nicht zutrauen Gefahren gut einschätzen zu können und dann wird es dir auch nicht vertrauen. Das denke ich zumindest. Wichtig ist nur, dass man dem Pferd nicht weh tut, dass man ruhig bleibt und danach sofort wieder lobt und sich zu einem lächeln zwingt, wenn das Pferd wieder ruhig steht. Ich hoffe, dass ich dir damit ein bisschen geholfen habe und schicke viele liebe Grüße, Petra

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