Ich bin Vegetarierin. Und ich liebe Tiere. Warum ich dir das jetzt erzähle? Weil ich regelmäßig in einem Dilemma bin. Ein Dilemma, das du vermutlich auch kennst. Weil du auch ein tierlieber Mensch bist, möglichst wenig Leder nutzen möchtest, aber gleichzeitig nur das Beste für dein Pferd möchtest. Aber es gibt eine Lösung für das Problem, und ich bin wirklich begeistert.

Du möchtest, dass es deinem Pferd gut geht, dass es die beste Ausrüstung hat, dass alles gut sitzt, aber du möchtest gleichzeitig, dass kein anderes Tier dafür leiden oder sterben muss? Genauso geht es mir immer wieder. Deswegen tue ich mich schwer mit Pferdebürsten aus Mähnenhaar, ich habe immer auch ein schlechtes Gewissen, wenn ich einen Lederzaum kaufe und würde mir wünschen, dass ich meinem vegetarischen Pferd auch vegetarische Ausrüstung gönnen kann. Das geht nicht immer, weil es mir ehrlich gesagt das Wichtigste ist, dass der Zaum passt und nicht, dass es ein veganer Zaum ist. Aber manchmal geht es eben doch. Wenn „vegan“ und „gut“ zusammenkommen.

Die Lösung verrate ich dir gleich. Sie ist sozusagen multifunktional. Und löst gleich zwei Probleme gleichzeitig.

Problem Nummer 1 war das Lederthema. Kommen wir zu “Problem” Nummer 2. Ich gehe sehr gerne in den Wald mit meinem Pferd. Das gemeinsame Spazieren gehen mit dem Pferd fördert das Vertrauen, es fördert die Bindung und festigt die Beziehung zwischen dir und deinem Pferd.

Warum? Weil ihr zusammen Abenteuer besteht. Weil ihr rausgeht zu den Löwen und gesund und sicher wieder nach Hause zurückkehrt. Zumindest aus Sicht deines Pferdes ist das definitiv immer wieder ein Gedanke, der seinen Kopf streift, wenn ihr euch von der Herde weg in die unberechenbare Welt rausbewegt. Seite an Seite streift ihr durch den Wald und besteht viele kleine und große Abenteuer.

HIER gibt es noch einen Artikel zum Thema „Warum Spaziergänge dir und deinem Pferd so gut tun“ mit Tipps für entspannte Geländegänge mit deinem Pferd

Wenn das gut funktioniert, gibt es noch Spazierengehen für Fortgeschrittene. Übungen im Wald. Dafür wiederum bräuchte ich eigentlich im Idealfall einen Kappzaum. Um zum Beispiel das Schulterherein oder Kruppeherein auch im Wald korrekt zu üben oder die Biegung und Stellung beim Laufen. Und da haben wir Problem Nummer 2 – im Wald habe ich natürlich nur ein Halfter dabei. Eigentlich.

Die vegane Zauberwaffe des Pferdezubehör

So – und jetzt kommt die Lösung. Sozusagen die Superzauberwaffe für alle tierlieben Spaziergänger mit Übungswille:

Sie heißt Equizaum. Das ist ein veganer Kappzaum, der seit Dezember 2015 auf dem Markt ist.

Du kannst dir HIER auf equi-team.de die verschiedenen Modelle ansehen

Zwei Reittrainerinnen, das Equiteam, haben ihn entwickelt. Das Praktische daran ist aber nicht nur, dass er vegan ist. Du kannst ihn umschnallen zu verschiedenen Zäumungen. Er hat neben der Funktion des Kappzaumes auch einen Ring, damit er als Halfter genutzt werden kann und kann außerdem als Sidepull oder Bitless Bridle eingesetzt werden. Wer mit Gebiss reitet, kann den Equizaum auch als Trense nutzen oder als Kombi aus Sidepull und Trense (mit Weiche).

Ich gehe also gerne erst kurz auf den Platz, übe ein bisschen Handarbeit und schnappe mir dann Carey, um mit ihr in den Wald Spazieren zu gehen. Bislang habe ich dann umgeschnallt. Also Halfter ran auf der Weide, dann Kappzaum ran nach dem Putzen, dann wieder Halfter ran zum Spaziergang. Jetzt schnappe ich mir meinen Equizaum und mache alles der Reihe nach.

Veganes Pferdezubehör

Der Kappzaum ist aus Biothane, handgefertigt und kann auch nach Maß angefertigt werden. Carey zum Beispiel ist immer irgendwie zwischen „Araber“, „Cob“ und manchmal sogar „Pony“ in den Größenmaßen. Das ist okay, wenn es um ein Halfter geht, aber es ist schwierig wenn es um einen Kappzaum geht, der ja zu 100% passen sollte, damit das Pferd gerne mitarbeitet und dieses relativ enge Gefühl am Kopf gut tolerieren kann. Schließlich soll ein Kappzaum ja gut sitzen, damit er nicht verrutscht, aber auch nicht drückt. Das Nasenteil wird mit einer Freiarm-Maschine genäht – ein komplizierter Name für eine eigentlich einfache Sache. Dadurch liegen die Nähte so gut, dass es gar nicht erst durch Training angepasst werden muss, sondern sich gleich um die Nase des Pferdes schmiegt. Kurz: das vegane Pferdezubehör sitzt gleich an deinem Pferd wie eine weiche Stretch-Jeans an deinem Bein.

Biothane = Vegan

Falls du dich jetzt fragst, was zur Hölle eigentlich Biothane ist? Das ist ein Polyestergewebe mit einem Lederlook. Es fasst sich ein bisschen weniger rutschig und etwas fester an als Leder, ist aber trotzdem nachgiebig und angenehm. Ja, es ist Plastik. Aber egal ob Leder oder Plastik, alles hat seine Vor- und Nachteile. In der Lederproduktion steckt viel Wasser – in einem paar Lederschuhe etwa 8000 Liter. Du kannst dir also denken, dass ähnlich viel für einen Kappzaum nötig ist. Ganz abgesehen von der Umweltverschmutzung, die oft bei der chemischen Gerbung des Leders verursacht wird. In Entwicklungsländern wird aufgrund fehlenden Bewusstseins und natürlich auch der schrecklichen Armut und der Produktionsbedingungen 90% des Abwassers aus der Industrieproduktion einfach in die Flüsse geleitet. Es ist einfach eine Wahl und die Möglichkeit eine gute vegane Alternative zu nutzen – je nach Geschmack.

Zurück zum Biothane.

Biothane ist:

  • reißfest
  • Verursacht keine Scheuerstellen
  • Antibakteriell (weil die kleinen Biester einfach abrutschen)
  • einfach zu reinigen
  • UV-Licht resistent
  • Wasser- und zugfest
  • vegan
  • Flexibel – egal ob warm oder kalt
  • schimmelfrei

Wir haben also den Kopf von Carey nach der Anleitung des Equiteams abgemessen, was Madame sehr geduldig über sich hat ergehen lassen.

Kappzaum nach Maß

Du musst dafür verschiedene Punkte am Kopf abmessen und ich gestehe dir ehrlich, dass ich ein bisschen gebibbert habe, bis der Equizaum da war, weil ich mir nicht sicher war, ob ich alles richtig gemessen habe. Da er aber perfekt passt, weiß ich jetzt, dass die Anleitung vom Equiteam auf Youtube dich durchführt durch die einzelnen Maße und Schritte:

Praktisch ist auch, dass der Kappzaum noch anpassbar ist. Dabei habe ich mich erst einmal ziemlich bescheuert angestellt, den Mädels aber ein Foto geschickt und dann feinjustiert. Du kannst dich also auch danach beraten lassen. Die Antwort kam sehr schnell und einfach erklärt.

Die Backenriemen des Equizaum kannst du nämlich um etwa 4 cm nach oben oder unten verschieben und durch das Klett unter dem Nasenpolster wieder fixieren. Der Ganaschenriemen ist auch beweglich und kann so auf die passende Höhe verschoben werden.

Du kannst dir auch deine Wunschfarben aussuchen. Das fühlte sich kurz mal an wie das Ausfüllen eines Steuerformulars, weil so viele verschiedene Farben auszuwählen waren, aber das Endergebnis ist dann wirklich individuell und wie ich finde sehr schick. Da ich eine Red Roan Stute habe, habe ich mich für verschiedene Braun- und Grautöne entschieden, mit goldenen Applikationen.

Dazu gab es die Equilonge und den Equizügel, den ich momentan als Halsring zum Führen nutze 😉 Genau wie die beiden Schlaufen für das Bitless Bridle. Da Carey noch nicht geritten wird, nehme ich sie einfach für die Handarbeit am Kappzaum.

Wie hier im Wald. Da frage ich Carey danach den Kopf zu senken und meiner Hand zu folgen. Wir üben das noch, aber es funktioniert immer besser. Mittlerweile sogar im Wald.

Das ist wirklich eine große Herausforderung gerade für so ein junges Pferd wie Carey. Mitten im Wald stehen bleiben, dann auch noch den Kopf senken, während um das Pferd herum die Blätter rauschen. Sie macht es ganz fein und aufmerksam und sie macht es für mich. Auch wenn es sie eine kleine Sekunde Überwindung und Nachdenken kostet. Deswegen möchte ich gerne nur mit einem Kappzaum üben, damit ich nicht feinjustieren muss, sondern wir einfach und direkt kurz üben, dann loben und dann weitergehen können.

Frage: Hast du auch veganes PFerdezubehör? Wenn ja welches? Oder was hältst du davon? Schreib mir gerne einen Kommentar. Ich freue mich auf deine Meinung!

Du bekommst deinen Equizaum HIER – auf der Webseite des Equiteam. Da kannst du dir alles zusammenstellen und die Farben perfekt passend zu deinem Pferd auswählen. Danke an das Team für die „vegane Wunderwaffe/Multitalent*“

6 Kommentare zu “Veganes Pferdezubehör: Wenn tiergerecht und pferdegerecht zusammenkommen

    • Petra sagt:

      Auch sehr schick 🙂 Danke für das schöne Foto von euch beiden und liebe Grüße, Petra

  1. Christiane Peklar sagt:

    Super Tipp, Danke. Ich bin schon seit 30 Jahren Vegetarier und immer auf der Suche nach veganen Alternativen,gerne mehr davon. Ich gehe auch sehr oft mit meinen Pferden spazieren,da wäre so ein Teil super,werde mich gleich mal schlau machen.

    • Petra sagt:

      Liebe Christiane, das freut mich. Ich bin zumindest schon seit 20 Jahren Vegetarierin, aber du "schlägst" mich bei weitem 😉 Ich finde die Kombi aus genau den gleichen Gründen so praktisch. Spazieren gehen, bisschen was üben, wieder weiter spazieren und so weiter. Bin gespannt, ob du was passendes für dich findest und schicke liebe Grüße, Petra

  2. Lotti sagt:

    Wir haben auch einen Equizaum und mein Pony und ich sind sehr zufrieden damit! Sie ist am Kopf manchmal sehr empfindlich, aber den findet sie super bequem. Wir haben das Modul Cavesal und sie reagiert so fein auf die Zügelhilfen. Ich habe total mich gefreut, als ich diese Alternative zum Original Cavesal in Biothane gefunden habe, sodass kein Tier dafür sterben musste. Aber auch sonst liebe ich das Material, weil es nicht so schnell dreckig wird und unter Nässe nicht leidet. Und außerdem finde ich den optisch auch einfach schön, weil man sich die Farben ja selber aussuchen kann. Bin mega happy, dass es sowas gibt 🙂

    • Petra sagt:

      Hallo Lotti, wie lustig – mir ging es ähnlich 🙂 klar gibt es auch immer die Plastik-Diskussion – aber so hat eben alles Vor- und Nachteile. Ich habe den veganen Kappzaum sehr gerne und Carey reagiert super darauf. Wie schön, dass ihr die gleiche Erfahrung gemacht habt. Ganz liebe Grüße, Petra

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