Eigentlich ist es doch ganz einfach. Eigentlich brauchen wir auch nicht viel, um unser Pferd besser zu verstehen. Eigentlich arbeiten die Pferde gerne mit uns Menschen zusammen. Trotzdem läuft vieles schief in der Pferdewelt und unsere Pferde stellen uns immer wieder vor Herausforderungen. Die Pferdetrainerin und Erfinderin der TTouches, Linda Tellington-Jones, hat  ziemlich klare Antworten auf die Frage, wie viel Dominanz wir im Umgang mit unseren Pferden wirklich brauchen, wie wir ihr Vertrauen ganz einfach und mit wenigen Schritten gewinnen können und was gutes Pferdetraining wirklich ausmacht. 

Wie diese Antworten aussehen, will ich dir im Artikel beschreiben. Ich werde dir auch erklären, wie die berühmten TTouches funktionieren und wie du sie anwenden kannst und natürlich kommt Linda selbst in ausführlichen Interviews zu Wort. Ich durfte die berühmte und beeindruckende Pferdetrainerin nämlich treffen und lange mit ihr sprechen.

Es war unglaublich spannend und ich habe viel aus diesem Interview für mein Pferd und mich mitgenommen. Deswegen freue ich mich sehr, dass ich dieses Wissen und die inspirierenden Gedanken mit dir teilen darf. Aber starten wir ganz von vorne.

Linda Tellington-Jones – berühmte Pferdetrainerin und spannende Persönlichkeit

Was macht man, wenn man eine Legende treffen kann? Man schreit laut JAAAAAA und fährt los! Linda Tellington-Jones hat einen 2tägigen Kurs im Curly-Gestüt Wolf in der Nähe von Zwingenberg gegeben. Ich habe keine Sekunde gezögert und mich sehr über die Einladung von Petra Wolf aus dem Curly Gestüt gefreut.

INFO: Neben dem wunderschönen Hof und außergewöhnlichen Ambiente gibt es dort auch die spezielle Rasse der Hypoallergenen Curly-Horses zu sehen. Das sind Pferde für Allergiker, die aufgrund ihrer speziellen Genetik keine Allergien auslösen. Petra und ihr Mann Tom züchten die Curlys seit vielen Jahren und sind auch sehr eng mit Linda Tellington-Jones verbunden.

 

 

Du kannst dir das Gestüt und die Pferde HIER genauer anschauen 

Knapp 80 Jahre pures Pferdewissen

Linda Tellington-Jones hat ihr ganzes Leben den Pferden gewidmet. Sie hat knapp 80 Jahre Pferdeerfahrung und viele Wege in ihrem Leben ausprobiert, bis sie den richtigen für sich und die Arbeit mit Tieren gefunden hat. Sie hat eine außergewöhnliche Präsenz und strahlt Lebensfreude, Neugierde und Energie aus. Sie beeindruckt – nicht nur mit ihren Gedanken und Ideen, sondern auch mit ihrer Persönlichkeit. Das schimmert nicht nur durch, während sie mit den Tieren und ihren dazugehörigen Menschen arbeitet, es zeigt sich auch in ihren Vorstellungen und Ideen für Pferdefreundliches Training. Sie ist eine ewig Forschende und ihre Kreativität scheint nie Pause zu machen.

Linda – eine beeindruckende Persönlichkeit für Mensch und Tier

Es ist beeindruckend wie stark sie sich auf jedes einzelne Tier einlässt. Es ist als ob sie die ganze Welt ausblendet und nur noch in Verbindung zu dem Tier tritt, das gerade vor ihr steht. Für jedes einzelne Pferd sucht sie während der Kurstage nach dem richtigen Ansatz und überlegt kreative Lösungen, um den Tieren bei ihren individuellen Problemen zu helfen.

Ich will jetzt aber nicht weiter schwärmen, sondern dir ganz praktisch erklären, wie du eine bessere Beziehung zu deinem Pferd bekommen kannst – mit den Tipps von Linda Tellington-Jones und ich will dich mit meinem Kursbericht an ihren Gedanken und Ideen teilhaben lassen. Dann kannst du selbst schauen, was davon für dich und dein Pferd passen könnte und welche Gedanken du in dein Pferdeleben hineinlassen willst.

Ich werde dir erst einmal beschreiben, welche Informationen und Fakten wir in den Kurstagen mit Linda Tellington-Jones gelernt haben. Ich tippe dir einfach Schritt für Schritt den Aufbau und die Ideen ihrer Trainingsmethoden in den Artikel, so wie ich sie wahrgenommen habe während des Kurses. Zum Schluss schreibe ich dir dann in einem Fazit, was mir persönlich gefallen hat und was vielleicht nicht, was ich für mich mitnehme und wie ich den Kurs wahrgenommen habe.

Mit 3 Schritten zu einer besseren Beziehung mit deinem Pferd

Letztlich habe ich drei große Punkte für mich mitgenommen, die dir dabei helfen eine bessere Beziehung zu deinem Pferd zu bekommen. Sie alle fördern die Verbindung und das Vertrauen und sie helfen dir dabei ein spannenderer und feinerer Partner für dein Pferd zu werden.

Schritt 1: Pferdetraining muss logisch sein – Wie du dein Training gut aufbauen kannst

Alles, was Linda Tellington-Jones von dem Tier möchte, sollte logisch für das Tier sein. So einfach ist das. Deswegen zerlegt sie neue Übungen immer in kleine Schritte und baut sie dann so nacheinander logisch auf, dass das Pferd die Aufgabe verstehen und erfüllen kann. Es ist wichtig, dass wir die Pferde nicht überfordern und passen zu ihrer Lernkurve und Persönlichkeit trainieren.

Linda achtet bei allem was sie macht deswegen immer auf die Mimik, die Körpersprache und die kleinen Details der Kommunikation des Pferdes.

Wichtig ist eine klare Kommunikation, die aber freundlich und sanft daherkommen soll:

  • Es gibt einen Rahmen, den der Mensch bestimmt. Aber: Der Mensch achtet darauf, dass das Pferd die Aufgaben auch entspannt und stressfrei leisten kann
  • Klare Signale sind für Pferde unglaublich wichtig – Verwirrung bedeutet Unsicherheit und die verursacht Stress. Wer Stress hat, kann nicht richtig lernen.
  • Bei aller Nettigkeit und Sanftmut gilt aber auch, dass wir klar und konsequent sein sollten. Wenn du beispielsweise dein Pferd bittest zu halten, solltest du auch solange dran bleiben, bis es anhält.
  • Wenn das Pferd Stress hat, erhöht sie nicht den Druck bis das Pferd macht was sie möchte, sondern sorgt für Entspannung und arbeitet in noch kleineren Schritten.
  • Statt Druck aufzubauen, nutzt Linda lieber TTouches für den Stressabbau oder streichelt und macht die Angstzone oder das Nein so zu einem weichen Ja und einer komfortablen Zone.

Sie will das Pferd zum Denken und Mitdenken anregen. Das erreicht sie durch die kleinen Schritte und einen logischen Übungsaufbau, durch Ruhepausen und TTouches während des Trainings, aber auch durch bestimmte Elemente in der Bodenarbeit und beim Reiten. Dazu schreibe ich dir nächste Woche noch mehr. Dann geht es an die Ideen zu Bodenarbeit und Reiten. Heute soll es nur um die drei großen Punkte zu einer besseren Beziehung mit deinem Pferd gehen.

Schritt 2: Das richtige „Mind-Set“ – Wie wir Menschen das Training mit dem Pferd positiv beeinflussen können

Gleichzeitig spielt auch dein Blickwinkel auf dich, dein Pferd und deinen Umgang mit dem Pferd eine große Rolle für den Aufbau von Bindung und Vertrauen.

Wie wir die Dinge benennen, so wirken sie. Worte haben Macht auf uns und unser Verhalten und damit haben sie auch einen Einfluss auf unsere Kommunikation mit dem Pferd.

Benennen wir Dinge einfach mal um – a la Tellington: 

  • Vertrauen statt Kontrolle
  • Einladung statt Kommando
  • Nett fragen statt fordern
  • Zauberstab statt Gerte

Bei Linda heißt die Gerte zum Beispiel nicht Gerte, sondern Zauberstab. Klingt erst einmal lustig, ist aber ein guter Gedanke. Du gehst anders an diesen Ausrüstungsgegenstand heran, wenn du ihn so betrachtest und das wiederum wird dein Pferd spüren.

Wie fühlt sich das für dich an die Begriffe in deinem Kopf umzuwälzen? In mir fühlt es sich besser an. Es macht für mich auch einen Unterschied ob ich mein Pferd „Zicke“ nenne oder „Maus“ – ob ich sie als „aggro“ bezeichne oder als „bruddelig“. Letztlich sorgt positives Denken immer für einen liebevolleren Blick auf uns, unser Tier und das was wir mit ihm machen. Das wiederum sorgt für mehr Bindung und Liebe zwischen uns und unserem Tier. Das ist Lindas Überzeugung und ich selbst glaube auch fest daran.

Die Bedeutung von Herzkohärenz und Parasympathikus

Die Idee: Das positive Denken und der kreative, neugierige und fragende Blickwinkel auf uns und das Leben mit unserem Pferd ändern unsere Einstellung und unseren Herzschlag. Das spürt das Pferd und ändert seine Einstellung.

Pferde spüren sehr genau, was in uns vorgeht und richten sich und ihre Emotionen ein stückweit darauf aus. Deswegen ist es wichtig sowohl bei uns als auch bei unseren Pferden den Stresslevel zu senken. Nur dann können wir gelassen bleiben und gut lernen. Das gilt für Menschen und Tiere.

Ganz grundsätzlich beschäftigt sich die Trainerin auch sehr viel mit der Forschung. Sie möchte ihre Ideen auch immer wissenschaftlich anreichern oder untermauern oder Gegenchecken.

Zwei Stichworte, die eine große Rolle in ihrer Art zu denken spielen, sind die Herzkohärenz und der Parasympathikus. Da sie immer mal wieder genannt werden, erkläre ich sie dir kurz:

  • Der Parasympathikus ist Teil unseres vegetativen Nervensystems. iEr ist ein Teil des Steuersystems unserer inneren Organe und des Blutkreislaufes. Er ist für Gelassenheit, Ruhe und Entspannung zuständig und wird deswegen auch gerne “Ruhenerv” genannt. Im Stoffwechsel ist er der Zuständige für Erholung, Entspannung und dem Aufbau unserer Körperreserven. Er ist also ein Guter! Sein Gegenspieler ist der Sympathikus – er tritt auf bei Stress, hohen Belastungen und Leistungssteigerungen. So können die Organe zwischen diesen zwei Gegenspielern gesteuert werden. Unser Ziel ist es den Parasympathikus zu aktivieren – sowohl bei uns als auch bei unserem Pferd. Wir wollen ja Ruhe, Entspannung und Gelassenheit für mehr Sicherheit, Vertrauen und eine gute Lernatmosphäre.
  • Die Herzkohärenz ist im Grunde der gleichmäßige Rhythmus unseres Herzen – wenn wir positive Gefühle in uns haben, entspannen und Stressfrei sind, dann sind wir in einem Zustand der Herzkohärenz. Dazu gibt es die eine oder andere Studie. HIER findest du eine Definition des HeartMath-Institutes in Kalifornien, das maßgeblich an der Idee der Herzkohärenz beteiligt ist

Ein sehr wichtiger Gedanke, der unglaublich einfach klingt aber in der Realität natürlich oft schwer umzusetzen ist. Es lohnt sich aber, immer wieder darüber nachzudenken, welche Gedanken und Bilder wir im Kopf haben.

  • Die Stimmungen und die Energie, die wir mitbringen ins Training, beeinflussen unser Pferd enorm.
  • Was wir fokussieren ist das, was dem Pferd letztlich wichtig ist und worauf es hört.
  • Das Ganze ist im Grunde ein Weg – zu mehr Zufriedenheit, Gelassenheit, Fokus und damit zu mehr Vertrauen mit deinem Pferd.

Ganz wichtiger Punkt (den ich mir übrigens auch selbst immer wieder zu Herzen nehmen muss): Es ist so unglaublich wichtig, dass du selbst nicht frustriert bist oder persönlich nimmst, wenn dein Pferd nicht macht, was du gerne hättest oder wenn es gar etwas Unerwünschtes macht.

Viel wichtiger und hilfreicher ist es, dass wir uns über all das freuen, was funktioniert und uns mit Offenheit und Neugierde der Frage widmen, warum etwas gerade nicht funktioniert hat.

Du solltest dich also eher fragen: „Ah, interessant! Was kann ich daraus lernen? Warum macht es das?“

Wenn etwas Ungewolltes passiert ist das nicht „schlecht“ sondern „interessant“. Wenn du also eine Reaktion deines Pferdes bekommst, die du so nicht haben wolltest, dann solltest du sie nicht persönlich nehmen oder als „schlecht“ bewerten, sondern erst einmal wahrnehmen. Der Gedanke ist dann: „Interessant, was mein Pferd da macht“.

Wie Linda Tellington-Jones mit vermeintlichem Fehlverhalten der Pferde umgeht

Wenn du also etwas machst oder forderst und dein Pferd das nicht gut findet oder versteht, dann erhöhst du nicht den Druck, sondern überlegst wie du die Übung oder das Signal so variieren kannst, damit du das Muster durchbrichst und dein Pferd sich auf dich und das Training einlassen kann

Warum? Weil wir mehr erreichen, wenn wir mit einem positiven Blick auf die Pferde blicken und das vermeintliche Fehlverhalten einfach nur als Indikator für etwas sehen, das das Pferd offenbar gerade bewegt:

  • Sei es Schmerzen
  • Sei es, dass dein Pferd nicht versteht was du möchtest
  • Sei es Angst
  • Sei es, dass du die Übung zu großschnittig aufgebaut hast
  • Sei es, dass es einen schlechten Tag in der Herde hatte
  • Sei es, dass deine Gedanken und dein Fokus oder deine Signale und Körpersprache nicht richtig waren
  • Sei es etwas ganz anderes

Ganz grundsätzlich reagiert Linda Tellington-Jones auf Widersetzlichkeiten des Pferdes nicht mit Druck oder Dominanz. Sie ist zutiefst davon überzeugt, dass Aggression in aller Regel das Ergebnis von Angst ist. Pferde reagieren auf beängstigende Situation mit Einfrieren, Kampf oder Flucht.

Natürlich musst du dir immer die Mimik deines Pferdes ansehen und es ist nicht unwichtig seine Vorgeschichte zu kennen – es gibt auch immer Ausnahmen von der Regel und deine Sicherheit steht über allem. Aber trotzdem ist es ein sehr wichtiger Gedanke, dass die meisten Probleme unserer Pferde mit uns oder unserem Training durch Unsicherheit der Ängste entstehen und nicht weil sie „keinen Bock“ haben oder uns „verarschen“ wollen.

Es ist also unsere Verantwortung, die Situation so zu gestalten, dass das Pferd nicht ängstlich und aggressiv werden muss und es liegt an uns die Frage zu stellen, warum das Pferd so ein Verhalten zeigt.

Strafen macht keinen Sinn! Lasst uns lieber die Gründe für das Verhalten suchen. (Linda Tellington-Jones)

Weitere Grundregel der Pferdetrainerin: Nicht Ziehen oder schlagen! Du arbeitest nach der Tellington-Methode immer mit leichten Impulsgebenden Hilfen und die Gerte ist einfach nur ein verlängerter Arm. Das ist eigentlich nichts Neues und im Idealfall sieht das nahezu jede Reitweise so vor, aber es wird im Alltag leider immer mal wieder vergessen oder an vielen Reitschulen falsch gelehrt.

  • Es ist unglaublich wichtig, dass wir nicht fordern, sondern einladen.
  • Dass wir Nett fragen und nicht befehlen.
  • Dass wir dem Pferd Zeit geben unseren Wunsch umzusetzen.

Deswegen gibt Linda beispielsweise immer eine Vorwarnung mit einem Stimmsignal und erst dann das Gertensignal, wenn das Pferd nicht reagiert. Erst nach einer kleinen Denkpause. Denn bis das Stimmsignal ins Gehirn gelangt und verarbeitet wird, braucht dein Pferd ein kleines Sekündchen Pause.

Das Gerten-Signal selbst wird mit einem kleinen einladenden Schwung nach vorne gegeben – wie ein sanfter Wischer. Auch das sendet eine andere Energie als der Titscher oder kleine „Schlag“ mit der Gerte.

Gleichzeitig legt die Expertin unglaublich viel Wert auf klare und feine Signale. Sie geht immer gleich vor, wenn sie dem Pferd ein Signal geben will. Denn je präzise wir sind, desto mehr Erfolg werden wir beim Pferd haben. Das ist auch ihre innere Überzeugung.

Zum Beispiel gibt Linda Tellington-Jones immer die gleichen Signale, wenn sie möchte, dass ein Pferd antritt und losläuft. Die Stimme ist immer gleich, das Wortsignal ist immer gleich und die Reihenfolge der Signale von der Energie über die Stimme zur Vorbereitung bis zum Gertensignal ist auch immer gleich.

Punkt 3: Anregung der Zellen und des Körpers für ein stressfreies Training! Die TTouches – was sie sind und wie sie gehen

Die TTouches sind ein weiterer Punkt, der das Vertrauen und die Bindung enorm beeinflussen können.

Ich stand mit Linda Tellington-Jones für ein Gespräch auf der Weide zwischen den Curlys, sie hat keine 60 Sekunden TTouches an einem der Pferde durchgeführt und schon hat es gegähnt und tiefenentspannt geschlafen – eng an Linda gelehnt. Das ist für mich der beste Beweis, dass die TTouches funktionieren.

Was sind die TTouches

Die TTouches sind im Grunde ein kleiner Check-Up und ein Hallo an die Körperzellen deines Pferdes. Du sprichst mal eben kurz die Zellen im Körper deines Pferdes an und fragst, ob alles gut ist. Es ist keine Massagemethode, sondern eher eine Art schneller und einfacher Trigger, um zu prüfen ob bei deinem Pferd alles gut ist oder um in Stressituationen oder bei körperlichen Beschwerden die seelischen und körperlichen „Problempunkte“ anzusprechen und anzuregen. Die TTouches sollen ein sicheres Gefühl im ganzen Körper des Menschen und des Pferdes erzeugen.

Sie geht davon aus, dass unser Körper vor allem aufgrund der fleißigen Arbeit unserer Zellen funktioniert und dass jede einzelne Zelle weiß, was sie zu tun hat. Wenn wir zum Beispiel eine Verletzung haben, wissen die umliegenden Zellen, was sie tun müssen, um sie zu heilen.

Zellen erledigen aber nicht nur ihre Aufgaben und sollten in einer permanenten Kommunikation miteinander stehen, sie speichern auch unsere Emotionen. Linda schlußfolgert also, dass gesundheitliche Probleme, schlecht heilende Wunden oder Stress und andere seelische Probleme auch etwas damit zu tun haben, dass die Zellen gerade nicht so arbeiten, wie sie eigentlich arbeiten sollten.

Kurz gesagt: TTOUCHES = Zellcheck!

Über die TTouches will sie die Kommunikation unter den Zellen anregen. Es ist wie ein kleines „Hallo“ an die Zellen – sozusagen von ihren Fingerspitzen an die Zellen, die sie toucht.

Die Forschung sagt, dass jede Zelle im Körper genau weiß, was sie zu tun hat und ihre Arbeit im Körper versteht. So funktioniert Heilung und so arbeitet unser ganzer Körper. Wir sind nicht nur Kreislauf, Herzschlag und Lungentätigkeit – wir sind vor allem 100% Zelle und die macht die ganze Arbeit hinter den Kulissen. Die Zellen sind also unglaublich wichtig – da sind sich Medizin und Forschung mittlerweile total einig.

Genau da setzt Linda mit ihren TTouches an. Wir sagen der Zelle sozusagen mit den Kreisen und unseren Fingern „Ah, liebe Zelle – wach auf und mach deine Arbeit“. Das ist auch keine Zauberkunst, jeder kann es lernen.

Wir haben dafür verschiedene Teile an der Hand und jeder Teil unserer Hand wirkt anders. Deswegen ist es auch wichtig immer zu prüfen, welcher Part der Hand dem Pferd und uns selbst beim arbeiten mit den TTouches angenehm ist.

  • Wichtig ist nur, dass wir einen balancierten Stand und eine ruhige Atmung haben. Das wiederum wirkt sich auf unsere Herzkohärenz aus und das bestimmt unseren Stresslevel mit. Die Herzkohärenz kann unser Pferd spüren und die Ruhe annehmen, die wir ausstrahlen.
  • Das wiederum aktiviert den Parasympathikus. Das ist der Part in deinem Nervensystem, der für Zufriedenheit, Gelassenheit und damit langfristig auch Stressfreiheit und mehr Gesundheit sorgt.

Was kannst du mit den TTouches erreichen

Wenn du also dein Pferd pro Forma toucht, kannst du deinem Pferd erst einmal einfach etwas Gutes tun, aber dann auch checken, ob es in den Zellen irgendwo Störungen gibt oder Probleme – das checkst du über die Berührungen und TTouches.

Wenn das Pferd an irgendwelchen Stellen nicht berührt werden möchte oder sogar mit negativem Verhalten darauf reagiert, geht Linda Tellington-Jones davon aus, dass dort Störungen in den Zellen sein können. Sie hört dann nicht unbedingt auf mit den Touches, sondern versucht herauszufinden, was die Ursache für das unwillige Verhalten sein könnte:

  • Ist das Pferd einfach nur ungeduldig? Dann macht sie weiter, bis es entspannen kann – aber arbeitet unter Umständen etwas schneller
  • Ist es Schmerz? Dann hört sie natürlich auf und prüft erst einmal
  • Ist es mangelndes Vertrauen oder Unsicherheit? Dann geht sie zurück an Stellen, an denen das Pferd entspannt geblieben ist und fördert so das Vertrauen. Anschließend nähert sie sich immer mal wieder der Stelle an, für die das Tier sein Okay nicht gegeben hatte.
  • Wenn du das Pferd motivieren und aufwecken willst, machst du eher eher schnellere Bewegungen  und Touches wie die sogenannte „Kuhzunge“ oder die „Tigerkralle“ – wenn du das Pferd entstressen und beruhigen willst, machst du eher langsame Bewegungen und sanftere Touches

Genug Theorie – kommen wir zur Praxis. Die TTouches sind eigentlich ganz einfach. Ich war selbst überrascht wie simpel die Methode ist und bin gleich am Tag nach dem Kurs zu meinem Pferd um es zu TTouch-en. Es ist wirklich easy und die Wirkung ist enorm. Schaden kannst deinem Pferd nach Angaben von Linda mit den Touches nicht.

How to TTouch – so gehen die Touches

Der TTouch hat immer die gleiche Basis: Die Haut wird in 1-1/4 Kreisen bewegt. Du kannst dir das am Besten als Zifferblatt einer Uhr vorstellen.

Du startest bei 6 Uhr und gehst einmal im Uhrzeigersinn wieder bis 6 Uhr und führst die Bewegung dann noch bis 9 Uhr weiter. Ganz einfach.

Du kannst aber auch variieren: 

  • Mit der sogenannten Muschel, indem du deine Hand zu einer Art „Muschelhälfte“ formst – dann bist du sanfter in der Wirkung
  • Mit der ganzen Hand oder dem ganzen Handrücken – auch dann bist du sanfter in der Wirkung
  • Mit den Fingerkuppen wenn du etwas mehr Energie bei den Touches geben möchtest

Es gibt noch viele weitere Varianten und Touches und Kreisformen. Du findest sie alle in Linda Tellington-Jones Buch zu den TTouches. Das war nur eine klitzekleine Auswahl aus all den Möglichkeiten, die es gibt.

Je nach Pferd oder dessen Tagesform oder der jeweiligen Stelle an der du dich befindest, kann es auch sein, dass die eine oder andere Variante besser funktioniert. Wie hier bei dem Ohrtouch:

Kurz zusammengefasst:  Die TTouches bringen die Zellen in Aktion und bessere Kommunikation untereinander und sie bringen deinem Pferd ein entspannteres oder sichereres Körpergefühl und sie können das Vertrauen und die Verbindung fördern. Für Linda Tellington-Jones sind die Touches auch eine Möglichkeit zum ersten Check-Up.

  • Wenn dein Pferd sich beispielsweise am ganzen Körper touchen und berühren lässt, ist das ein Zeichen dafür, dass es gut geerdet und entspannt ist. Es vertraut dir und ist auch im Reinen mit sich.
  • Wenn es an bestimmten Stellen nicht gerne berührt wird, kann es sein, dass das Vertrauen noch nicht groß genug ist dafür, dich dort ranzulassen – es kann aber such sein, dass es dort irgendwelche Zellblockaden hat. Sei es in diesem Moment oder an diesem Tag, sei es ganz grundsätzlich.

Dann kannst du genau das zum Anlass nehmen und an dieser Stelle sanft und freundlich und geduldig arbeiten. Du lässt diese Stelle dann nicht aus oder meidest sie, sondern arbeitest sanft damit und näherst dich immer wieder an. Es ist einfach nur wichtig, dass du ruhig bleibst, tief atmest und dich selbst in Bodenhaftung und Gelassenheit bringst.

TIPP: Wenn dein Pferd sich nicht anfassen lassen möchte – was machst du dann?

Du gehst mit deinen Touches oder dem abstreichen einfach wieder an eine Stelle zurück, an der das Anfassen für dein Pferd noch okay war. Machst dort erst einmal kurz weiter, bis dein Pferd wieder entspannt und näherst dich dann wieder der Stelle, an der dein Pferd nicht angefasst werden wollte.

Das wiederholst du immer wieder – es ist im Grunde eine Form von Annäherung und Rückzug. Du selbst achtest darauf, dass du dabei immer ganz entspannt und gelassen bist. So kann dein Pferd nach und und Vertrauen fassen und merkt, dass alles gut ist – egal wo du dich gerade mit deinen Händen befindest. Zwischendurch kannst du auch immer wieder eine kleine Runde Schritt laufen, damit dein Pferd sein Körperbewusstsein entwickeln und in der geraden Bewegung Stress abbauen kann. 

Berührungspunkte – wie du dein Pferd ganz einfach entstressen kannst

Es gibt aber nicht nur verschiedene Touches, es gibt auch verschiedene Berührungspunkte mit unterschiedlicher Wirkung.

  • Die OHREN: An den Ohren beispielsweise laufen Körpermeridiane die auf Atmung und Verdauung wirken. Deswegen wendet Linda die Ohrtouches sehr gerne zur Beruhigung an. Dazu setzt du mit dem Daumen auf der Oberseite des Ohres an und mit der Hand an der Unterseite und kreist das Ohr sanft am Ansatz – anschließend streichst du es bis in die Spitzen aus.
  • Die AUGEN: Beruhigend einwirken kannst du auch unter und zwischen den Augen. Dort sind verschiedene Beruhigungspunkte.
  • Das MAUL: Wenn du dich mehr mit der Gefühlswelt deines Pferdes auseinandersetzen musst, ist das Maul ein guter Ort. Dort sitzen die Emotionen.

Das sind jetzt nur drei Beispiele. Dein Pferd hat noch viel mehr Punkte an seinem ganzen Körper, die für bestimmte Situationen, Organe, Muskeln und Emotionen stehen. So kannst du dein Pferd ganz individuell glücklich touchen. Das alles zu beschreiben würde jetzt zu weit führen – das kannst du in Linda Tellington-Jones Büchern genauer nachlesen.

Es gibt aber für den Einstieg in die Arbeit nach Tellington eine Art „Schritt für Schritt“-Anleitung, die uns Linda im Kurs erklärt hat. Letztlich geht sie erst einmal immer so vor, wenn sie mit Pferden neu arbeitet und variiert dann natürlich in der Umsetzung je nach Pferd und Reaktion des Pferdes.

Weiter geht es nächste Woche mit der praktischen Arbeit und dem Training nach Linda-Tellington-Jones

Frage: Hast du auch schon getoucht? Oder nach Linda Tellington-Jones gearbeitet? Wie sind deine Erfahrungen mit dem Training? Schreib mir gerne einen Kommentar! Ich freue mich auf deine Meinung und persönlichen Erfahrungen!

6 Kommentare zu “Mit 3 Schritten zu mehr Vertrauen! Was du von Linda Tellington-Jones lernen kannst

  1. Anke Recktenwald sagt:

    Wie toll!!
    Das ist ja wirklich ein schöner Artikel. Und das nach nur einem Wochenende mit Linda. Viele wichtig, unsere Methode von anderen unterscheidende Punkte, sind gut beschrieben. Danke!! Wird gern geteilt.

    • Petra sagt:

      Liebe Anke, das freut mich sehr – umso mehr als dass ich ein großer Fan deiner Arbeit bin. Ich habe deine DVD zu den Balance Pads bei mir zu Hause und werde sie demnächst ausprobieren. Ganz liebe Grüße und danke für deinen Kommentar, Petra

  2. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    Linda Tellington-Jones hat mir mit ihren Büchern mit meinem ersten Pferd sehr geholfen. Ich war so froh als ich diese damals entdeckt habe und wir haben uns an der Bodenarbeit und den TTouches versucht. Es hat damals nicht alles gut geklappt, aber es war mal ein anderer Weg als der den wir davor eingeschlagen haben. Noch heute lese ich ihr Buch zum Tellington-Training immer wieder.
    Meine Ponys haben durchaus auch schon Bekanntschaft mit den TTouches gemacht und sie genießen es sehr. Wobei der Ponymann manchmal noch zu ungeduldig ist. Von daher mach ich es bei ihm meistens nur kurz und dann wird was gemacht was er spannender findet. Irgendwann wird er auch ruhiger werden.
    Wie immer gehe ich nicht konform damit, dass ich Übungen durchsetzen muss. Egal wie ich es nenne, es ist gegen den Willen vom Pferd und kommt für mich nicht in Frage. Auch das Training mit der Führkette ist nicht meins. Ich benutze diese nicht und werde das auch nicht machen.
    Vielleicht habe ich ja irgendwann mal die Chance sie persönlich zu treffen.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, da sind wir uns – wie so oft – wieder einig 🙂 Carey findet die Ohr-Tuches zum Beispiel ziemlich super und die Muscheltouches am Hals und Genick entlang. Sie kann dabei richtig fallenlassen. Ich finde, dass es sich gelohnt hat und habe unglaublich viel für mich mitgenommen oder oft nicken müssen, weil ihre Haltung meiner in vielen Punkten gleicht. Es ist auch unglaublich zu beobachten wie schnell die Pferde in ihrer Gegenwart entspannen und Vertrauen fassen. Das macht sicher ihre Ausstrahlung. Auf jeden Fall ganz liebe Grüße an den Ponymann und dich, Petra P.s.: Linda sagt übrigens bei ungeduldigen Pferden genau das, was du auch machst: Schneller und kürzer 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr pferdefreundliche News
mit Bernd Hackl,
Sandra Schneider 
und vielen anderen tollen Pferdemenschen?
Hol dir den Pferdeflüsterei Newsletter
Ich bin dabei!
*Pflichtfeld
close-link
Schon gesehen? Diese Artikel hier passen prima zu dem Thema: