Vertrauen statt Kontrolle und Einladung statt Befehl. Klingt das nicht schön? Auf diese Gedanken baut Linda Tellington-Jones unter anderem ihr Trainingskonzept auf. Letztlich geht es immer wieder darum, wie wir unser Pferd motivieren und zum Mitdenken anregen können. Mit ganz einfachen Schritten kannst du mehr Vertrauen, Motivation und Einklang erreichen. 

HIER im ersten Teil der Serie gibt es auch Gedanke über die richtige Einstellung, die TTouches und was feines Pferdetraining ausmacht

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

In diesem Artikel werden wir uns jetzt mit der ganz praktischen Bodenarbeit und Reittraining nach Linda Tellington-Jones beschäftigen. Kennengelernt habe ich ihr Konzept bei einem Intensivkurs auf dem schicken Curly-Gestüt Wolf in Hessen.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Was ist so besonders am Training nach Linda Tellington-Jones

In einem Satz: Pferdeverständnis trifft auf wohlbedachtes und geordnetes “Chaos” trifft auf ganz viel Anregung für die Zellen und Hirnzellen.

Was genau das bedeutet, beschreibe ich dir gleich Schritt für Schritt. Es ist eigentlich ganz einfach.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

 

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Zum Schluss gibt es auch noch eine Anleitung für dich, wie du das Training mit deinem Pferd ganz einfach und von Anfang an angehen kannst.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Ein erstes AHA-Erlebnis hatte Linda Tellington-Jones in den 1980ern durch ihr Studium bei dem Entspannungsexperten und Pädagogen Moshe Feldenkrais.

  • In einer seiner Vorlesungen machte er Linda und seinen Studenten klar, dass wir Menschen nicht gut lernen können, wenn wir müde sind.
  • Und: dass es lediglich einer ungewöhnlicheren Bewegung bedarf, um das Gehirn mehr anzuregen. So dass wir Dinge sehr schnell und innerhalb weniger Wiederholungen lernen können.

Diese zwei Gedanken haben sie so beeindruckt, dass sie sie immer wieder in ihrem Kopf gewälzt und auf die Pferde übertragen hat. Ab diesem Zeitpunkt hat sie ihre Pferde nie mehr müde longiert oder im Roundpen getrieben vor dem Training, sondern angefangen ihr Training langsam aufzubauen, ungewöhnliche Trainingsgegenstände und praktische Ideen einzubauen und alles in sehr kleine Schritte zu zerlegen.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Außerdem hat sie spezielle Übungen für die Bodenarbeit entwickelt, um die Gehirntätigkeit anzuregen.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Alles dreht sich bei der Bodenarbeit von Linda Tellington-Jones also um das Anregen der Pferde zum Selberdenken. Sie sollen nicht einfach durch Wiederholungen und Druck Erlerntes abspulen, sondern mitdenken und lernen.

Die praktischen DOs beim Training nach Tellington

Hier kommen mal die wichtigsten Punkte zusammengefasst für dich:

  • Stangen liegen beispielsweise bei Linda Tellington-Jones nicht einfach gerade und parallel hintereinander am Boden, sondern werden quer und schief gelegt – damit das Pferd nicht abschaltet und stupide über die Stangen läuft, sondern denken und seine Hufe bewusst setzen muss
  • Verschiedene Ausrüstungsgegenstände werden in das Training eingebaut – wie Poolnudeln, ein Brett am Boden, Planen und ein Labyrinth zur Anregung des Denkens und der Sinne

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

 

  • Zwischen den einzelnen Übungen und TTouches werden die Pferde immer wieder in Schritt und Trab bewegt um sich lösen zu können und Zeit zum Nachdenken zu haben
  • Sie geht auch mal ungewöhnliche Wege und hat immer die Entspannung des Pferdes im Sinn. Denn – wir erinnern uns – wenn wir Stress haben, können wir nicht richtig lernen. Wenn ein Pferd also zum Beispiel sehr viel Angst hat: Gibt sie auch mal Heu zu fressen an der Angststelle, damit das Pferd erst einmal entspannen kann, bevor dann weitertrainiert wird
  • Sie nutzt die Gerte nicht zum Abstrafen oder für die Erhöhung von Druck, sondern als Verlängerung des Armes und um dem Pferd Sicherheit und einen Rahmen zu geben.
    Linda Tellington Jones Bodenarbeit
  • Gertensignal heißt bei Linda Tellington-Jones ein leises Tippen – kein Schlag, keine Druck. Denn wichtiger als das Signal mit der Gerte ist der Fokus, den wir haben und die Energie, die wir mitschicken
  • Das Abstreichen des Körpers, aber auch speziell von der Nase sollte für das Pferd okay sein – in der Nase sitzen laut Linda die Emotionen. Das sollte dein Pferd also entspannt akzeptieren können
  • Wenn dein Pferd beispielsweise mit der Schulter drängelt, kannst du mit der Gerte Signale setzen – an der Kruppe und an der Schulter abwechselnd. So treibst du es einerseits, andererseits signalisierst du ihm, dass du an der Schulter Abstand möchtest
  • Linda Tellington-Jones achtet auf eine klare Umsetzung beim Training. Wenn sie „Halt“ sagt, dann soll das Pferd auch halten
    • Es soll dabei gerade stehen bleiben
    • Das erreicht sie indem sie das „Halt“ beispielsweise mit einem Stimmsignal vorbereitet
    • Dann das Gertensignal durch ein Tippen an der Brust folgen lässt und gleichzeitig Energie über den Führstrick sendet. Nicht in Form von „ziehen“, sondern durch impulsgebende kleine halbe Paraden
  • Wenn das Pferd etwas gut gemacht hat, wird es immer sofort gelobt.

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Weiterer Schlüsselpunkt für Linda Tellington-Jones ist ein lockerer Unterhals!

Ist der Kopf zu hoch, hat das Pferd Stress und kann nicht lernen. Es ist aber auch körperlich nicht dazu in der Lage alles mitzumachen, weil die Bänder und Sehnen dadurch unter Spannung sein können – deswegen arbeitet Linda Tellington-Jones immer wieder an der Entspannungshaltung und einer losgelassenen Kopfhaltung zur Entspannung und Lösung des Unterhalses. Zum Beispiel mit entspannenden TTouches oder mit der Einladung an das Pferd den Kopf abzusenken.

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Letztlich hat alles bei Linda Tellington-Jones sprechende und schöne Namen. So bekommt das Training eine schöne Leichtigkeit und es lässt sich besser merken.

Beim Führen hat Linda unter anderem drei verschiedene Gertenpositionen beim Pferd. So war es zumindest im Kurs. Wie alles in der Tellingtonmethode haben auch die Gertenpositionen lustige Namen.

  • Dingo = Gerte an der Kruppe
  • Delfin = Gerte an der Schulter
  • Elefant = Gerte an der Nase

Typische Methode: Zwei Menschen führen bei Tellington ein Pferd – warum?

Wenn ein Pferd beispielsweise unsicher ist, greift Linda Tellington-Jones oft auch zu einem zweiten Trainingspartner und schnallt jeweils rechts und links einen Strick ein – dann wird das Pferd von beiden Seiten durch die Bodenarbeitsübung geführt.

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Eine Person ist der Ansprechpartner und Signalgeber für das Pferd, die zweite Person läuft einfach nur mit. Diese Form des Führens soll dem Pferd einen Rahmen und damit Sicherheit geben.

Linda glaubt aber auch, dass es beide Gehirnhälften aktiviert, wenn wir von beiden Seiten führen. Das wiederum soll die Lernfähigkeit steigern.

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Was sollen die Bänder bei Tellington?

Bei Tellington wird auch mit Körperbändern gearbeitet. Das sind keine festen Bandagen-Bänder, sondern einfach nur leicht anliegende und nicht festgebundene Bänder.

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Sie dienen nur dazu, dem Tier Grenzen und Sicherheit zu geben oder sollen ihm dabei helfen seine Körperwahrnehmung zu verbessern und beispielsweise die Hinterhand mehr zu spüren beim Laufen oder die Nase und das Genick – je nachdem, wo das Pferd gerade Defizite in seiner Wahrnehmung hat.

Sie sollen gut anliegen, aber nicht fest sitzen wie eine Bandage oder gar einschnüren.

Was noch anders ist bei der Bodenarbeit von Tellington?

Linda Tellington-Jones verwendet eine spezielle Verschnallung am Halfter bei der Bodenarbeit. Du wirst immer wieder Fotos sehen auf denen der Führstrick durch die Ringe am Nasenteil durchgezogen oder an der Seite entlanggezogen ist. Ähnlich wie bei einer Führkette, die man von Hengsten kennt.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Verschnallungsvarianten a la Linda:

  1. Führstrick an der Seite verschallt: Für mehr Sicherheit und Gewicht am Kopf. Aus der Sicht von Linda Tellington-Jones wird dem Pferd das nachgeben im Genick und des Kopfes dadurch erleichtertLinda Tellington Jones Bodenarbeit
  2. Über die Nase: Wie ein Hengststrick für mehr Rahmen und damit Klarheit und Sicherheit beim Pferd
    Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Mich hat es anfangs irritiert, weil ich diese Form der Verschnallung mit Hengstketten und vor allem mit Druck verbinde. Natürlich kann eine Zugwirkung entstehen, wenn man nicht fein damit umgeht. Ich habe sie deswegen gefragt, warum sie diese Verschnallung einsetzt.

Linda nutzt sie aber nicht um Druck zu machen. Sie sieht es als Möglichkeit dem Pferd einen Rahmen und mehr Körpergefühl zu geben und gleichzeitig feinere und klarere Signale senden zu können. Das wiederum fördert nach ihrer Erfahrung die Entspannung des Pferdes, weil Pferde Klarheit lieben.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Diese Form der Verschnallung ist für mich trotzdem nichts. Ich sehe da eine Zugwirkung, die ich persönlich nicht für mich möchte und denke, dass sie auch in sichere und feine Hände gehört. Aber ich konnte auch sehen, dass die anwesenden Pferde tatsächlich sehr entspannt haben – sicher auch weil Linda Tellington-Jones den Führstrick und ihre Signale sehr fein umsetzt.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Was wir noch von Linda Tellington-Jones lernen können:

  • Die Pferdetrainerin macht viel intuitiv und sucht immer nach neuen Lösungen und Ideen für die Pferd mit denen sie arbeitet.
  • Wenn etwas nicht funktioniert, probiert sie so lange verschiedene Varianten aus – bis etwas Wirkung zeigt. Dann baut sie es unter Umständen in ihr Training ein. Genauso war es auch mit dieser Form des Verschnallens. Sie selbst hat einfach immer wieder gute Erfahrungen damit gemacht.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Vieles davon ist schon Teil meines Trainingsalltags oder wird noch darin landen: Zum Beispiel die TTouches, die ich dir gleich noch erklären werde. Oder der Fokus auf unsere innere Einstellung, der eine große Rolle bei Linda Tellington-Jones spielt. Mit diesem Punkt trifft sie zu 100% auf meine innere Überzeugung.

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

Alles im Training von Linda Tellington-Jones ist von ihr dafür konzipiert worden, den Pferden und Menschen das gemeinsame Leben klarer, schöner, sanfter und feiner zu gestalten.

Die einzelnen Schritte! Wie du mit deinem Pferd in das Training a la Linda Tellington-Jones starten kannst

  1. Vertrauenscheck: Du streichst als erstes mit der Gerte dein Pferd sanft ab und prüfst so, ob dein Pferd sich überall anfassen lässt und dabei ruhig und entspannt stehen bleibt. Die Gerte ist einfach sicherer für den Menschen und du kommst mit der Gerte als verlängertem Arm überall hin. Außerdem lernt dein Pferd dadurch die Gerte als etwas freundliches kennen und kann sie anders wahrnehmen.
    1. Du startest bei der Schulter, gehst dann über den Bauch zur Hinterhand
    2. Anschließend streichst du die Beine ab
    3. Dann prüfst du ob das Pferd im Hals und am Kopf nachgiebig ist 

      Linda Tellington Jones Bodenarbeit

  2. Wenn das mit der Gerte klappt, kannst du es auch mit der flachen Hand wiederholen. Dabei prüfst du immer den Gesichtsausdruck deines Pferdes um zu sehen, wie es ihm dabei geht.
  3. TTouches und der Zellcheck mit den Fingerkuppen: Du nutzt die TTouches um die Zellen deines Pferdes anzuregen. So könntest du starten:
    1. Du toucht den Hals
    2. Dann das Genick
    3. Dann die Schulter und den Rücken
    4. Dann die Hinterhand und die Beine
    5. Dabei prüfst du immer die Reaktionen des Pferdes: Du schaust, wo es Stress hat, wo es entspannt ist und welche Triggerpunkte es hatLinda Tellington Jones Bodenarbeit
  4. Dann startest du mit dem Führen. Folgt dein Pferd dir? Läuft es mit? Oder stoppt es oder läuft voraus?
    1. Wichtig ist Linda, dass das Pferd erst losläuft wenn du es dazu aufforderst und du nach deinem Pferd losläufst
    2. Dein Pferd sollte stoppen, wenn du „Halt“ sagst – gerade gerichtet
    3. Dein Pferd sollte Antraben und wieder in den Schritt gehen, auf Signal
  5. Wenn das alles gut klappt, kannst du mit der Bodenarbeit starten
    1. Das Labyrinth
    2. Unter Poolnudeln durch
    3. Über die Planen
    4. In Schlangenlinien an Pylonen vorbei
    5. Über verschiedene Bodenbeläge, wie Holz oder Decken und andere
  6. Das Ganze kannst du auch Reitend machen

Linda Tellington Jones Bodenarbeit

 

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2 Kommentare zu “Vertrauen statt Kontrolle! Sanftes Pferdetraining a la Tellington-Jones

  1. Sophia sagt:

    "Wenn dein Pferd beispielsweise mit der Schulter drängelt, kannst du mit der Gerte Signale setzen – an der Kruppe und an der Schulter abwechselnd. So treibst du es einerseits, andererseits signalisierst du ihm, dass du an der Schulter Abstand möchtest"

    -> Vertrauen statt Kontrolle?!?!

    "Linda Tellington-Jones achtet auf eine klare Umsetzung beim Training. Wenn sie „Halt“ sagt, dann soll das Pferd auch halten"

    -> Vertrauen statt Kontrolle?!?!

    Also ja, ich sehe es auch so, dass Linda Tellington Jones sehr sanft mit den Pferden arbeitet, aber auch sie wendet Druck an, nennt ihn nur anders und nutzt ihn vll sanfter als z.B. ein Clint Anderson oder Bernd Hackl.
    Aber doch ist es Druck (Druck und Nachlassen genauergesagt, ergo Negative Verstärkung).
    Ich gehe also mit dir konform, dass sie sehr sanft ist und die Pferde versteht und ihnen deutlich mehr Zeit lässt als manch anderer Trainer, aber "Vertrauen statt Kontrolle"…hm…das ist es leider in meinen Augen nicht.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Sophia, da hast du natürlich schon ein Stückweit Recht – aber ich würde nicht sagen, dass Linda die Pferde kontrolliert. Sie arbeitet mit negativer Verstärkung, ja. Aber anders als Bernd und andere Horsemanshippler nicht mit Druckstufen und deren Erhöhung, sondern setzt dann neu und anders an oder wiederholt und bleibt aber sanft und klar. Da ist für mich schon ein Unterschied. Die Frage ist ja auch, wie man sein "Halt" umsetzt. Und ich persönlich finde das "Halt" ein sehr gutes Beispiel – da bin ich dann auch sehr kontrollierend, weil ich finde, dass das immer gelten sollte, denn es ist eine Frage der Sicherheit. Da wünsche ich mir von meinem Pferd, dass es mir das Halt IMMER glaubt. Wie ich meinem Pferd das beibringe ist dann die Frage und nicht ob ich es beibringe. Ansonsten tippt sie zum Beispiel fein mit der Gerte und titscht nicht oder erhöht die Druckstufen im Parelli-Style. Aber natürlich kann ich dir nicht widersprechen: Sie arbeitet mit negativer Verstärkung – unter anderem. Wobei das aus meiner Sicht nichts mit Kontrolle zu tun haben muss, wenn man es sanft und klar und mit der Möglichkeit eines "Neins" des Pferdes anwendet 🙂 Auf jeden Fall vielen lieben Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße, Petra

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