Sandra Schneider Pferd

Problempferd? Problem Mensch! Interview mit Pferdeprofi Sandra Schneider

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Der ganze Artikel für dich auf einen Blick

Vox Pferdeprofi Sandra Schneider ist bekannt für ihre sanften Trainingsmethoden. Sie löst alle Probleme mit einem Lächeln. Und sie zeigt, dass das Problem eigentlich nie das Pferd ist. Es sind immer die Menschen. “Bei allem, was du tust, frag dich immer: Wie geht es dem Pferd jetzt dabei? Wenn du zum BEispiel ein Join Up machst, bei dem du das Pferd im Kreis herumscheuchst … meinst du, das gefällt dem Pferd? Trägt es zur Vertrauensbildung bei?

“Sehr häufig kaufen sich Menschen, die sich mit Pferden gar nicht auskennen, ein junges, unausgebildetes Pferd (es war ja so billig zu haben) und wurschteln damit dann irgendwie selbst herum, bringen dem Pferd Blödsinn bei und beschweren sich dann, dass das Tier nicht mehr händelbar ist. Ein Anfänger sollte sich ein erfahrenes, gut ausgebildetes älteres Pferd kaufen – junge, unausgebildete Pferde hingegen gehören in Könnerhände.”

Interview mit Pferdeprofi und Trainerin Sandra Schneider:

Honey und Sandra schneider im Interview
Honey hüpft (Foto: Zauberwald-Foto / Martina Tiedemann)

Pferdeflüsterei: Du bist Pferdetrainerin, bei dir landen immer wieder auch Pferde und Menschen mit Problemen. Welche Fragen und Probleme begegnen dir bei Pferd und Mensch immer wieder, die eigentlich vermeidbar wären?

Sandra Schneider: Sehr häufig kaufen sich Menschen, die sich mit Pferden gar nicht auskennen, ein junges, unausgebildetes Pferd (es war ja so billig zu haben) und wurschteln damit dann irgendwie selbst herum, bringen dem Pferd Blödsinn bei und beschweren sich dann, dass das Tier nicht mehr händelbar ist. Ein Anfänger sollte sich ein erfahrenes, gut ausgebildetes älteres Pferd kaufen – junge, unausgebildete Pferde hingegen gehören in Könnerhände.

Ein sehr großes Problem ist außerdem das Füttern aus der Hand. Damit erzieht man sich die Pferde zum Drängeln, Schubsen und Schnappen. Eine Respektlosigkeit, die man dann wieder mühevoll korrigieren muss. Ein absolut selbstgemachtes Problem und dem Pferd gegenüber letzten Endes absolut unfair!

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Pferdeflüsterei: Woran erkenne ich, dass ein Pferd leidet – immerhin geben sie leider keine Laute von sich, wenn sie leiden.

Sandra Schneider: Pferde haben leider keinen Schmerzlaut – das ist ihr Fluch in unserer Welt. Wenn man sich mit den Tieren beschäftigt, kann man aber feststellen, dass sie durchaus eine sehr ausdrucksstarke Mimik haben und z.B. die Zähne aufeinanderbeißen, die Nüstern kraus ziehen oder der Augenausdruck sich verändert.

Die Pferde sprechen IMMER mit uns, manchmal sogar sehr laut. Die meisten Menschen sind nur sehr gut darin, sich dieser Stimme zu verschließen. Sobald das Pferd sich gegen etwas wehrt (klassisches Beispiel: Gesattelt werden!), muss ich mich fragen: Warum tut das Pferd das (passt der Sattel nicht?!). Leider wird Abwehrverhalten eines Pferdes meistens im besten Fall ignoriert, im schlimmsten Fall wird das Pferd dafür verprügelt – sehe ich z.B. in dem Stall, wo meine Pferde im Moment stehen, tagtäglich. Einfach nur traurig.

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Pferdeflüsterei: Ich habe in deinem Buch gelesen, dass du sogar teilweise von Reitplätzen gebeten wurdest, weil du deinen Mund aufgemacht und gesagt hast, dass du nicht gut findest, wie die Menschen mit den Pferden umgegangen sind. Das fand ich extrem erschreckend. Ich wäre dankbar, wenn man mich auf Fehler aufmerksam machst. Was glaubst du, warum so viele Menschen in der Pferdewelt offenbar beratungsresistent sind?

Sandra Schneider: Die Pferdewelt ist eine Welt für sich. Ich habe noch nirgendwo so viel Neid und Missgunst erlebt und frage mich auch immer wieder, woran das liegen mag. Es stimmt, eigentlich müsste man dankbar sein, wenn man auf einen Missstand aufmerksam gemacht wird. Aber wer gibt schon gern zu, dass er Fehler macht? Ich bin z.B. von einem Hof geflogen, weil ich es nicht mit ansehen konnte, wie ein junges Mädchen sein Norwegerpony in einer grauenvollen, übertriebenen Beizäumung geritten hat.

Diese Ponys haben so gut wie keine Ganaschenfreiheit und das Pferd bekam kaum Luft beim Laufen, knirschte mit den Zähnen wie wild, bekam für jedes Zähneknirschen noch eins mit der Gerte übergebraten und wurde angebrüllt. Natürlich kann ich da meinen Mund nicht halten. Das Kind auf dem Pferd war aber leider die Tochter der Ausbildungsleiterin auf dem Hof. Und ich als „Western-Uschi“ habe natürlich keine Ahnung von Dressurreiterei …

Pferdeflüsterei: Und am Ende kommt das Mädchen an und sagt, dass sie ihr Pony liebt… Das sogar Kinder schon zu so einer Missachtung anderen Lebewesen gegenüber erzogen werden, ist schrecklich. Was hältst du Turnierreiterei? Ich kenne einige Menschen, die den Turniersport grundsätzlich als Tierquälerei sehen.

Sandra Schneider: Nein, ich sehe den Turniersport nicht grundsätzlich als Tierquälerei an. Allerdings frage ich mich: Was hat das Pferd davon? Ich kann mir Turniere nur sehr schlecht anschauen und halte mich meistens fern, weil die Pferde in den allermeisten Fällen unter Druck geritten und gegängelt werden. Wenn ich mir so manches Hochglanz-Western-Magazin ansehe, wo ein Pferd im Sliding Stop mit völlig gequältem Gesichtsausdruck zu sehen ist, frage ich mich: Wie kann man das schön finden? Wie kann man so blind sein?

Turniere sind nur zur Ehrgeizbefriedigung des Menschen da. Ich glaube nicht, dass es viele Pferde gibt, denen Turniere Freude machen. Ich möchte, dass es meinen Pferden gut geht. Ich möchte sie nicht unter Stress setzen. Mir liegt nichts an Turniererfolgen – mir kommt es auf andere Dinge an: Dass das Pferd mir vertraut und ich für es in jeder Situation einschätzbar bin.

Auf Turnieren vergessen die Menschen sich oft und sind ungerecht zum Pferd, damit sie vor den Richtern besser aussehen. Meist kann man nur mit dem Kopf schütteln, wenn man sieht, was von den Richtern mit Höchstnoten bewertet wird.

Pferdeflüsterei: Bei den Turnieren bin ich ganz bei dir. Ich frage mich, was das Pferd davon hat und will etwas ganz anderes. Die Partnerschaft, das Team mit dem Pferd sein im Alltag. Aber auch da gibt es so viele widersprüchliche Aussagen. Wenn ich gerne pferdefreundlich mit den Tieren leben und arbeiten will, gibt es Basics, die ich beachten kann. Do’s und Dont’s, die du allen Pferdeneulingen und vielleicht auch den Erfahrenen gerne mitgeben möchtest?

Sandra Schneider: Bei allem, was du tust, frag Dich immer: Wie geht es dem Pferd jetzt dabei? Wenn du zum Beispiel ein Join Up machst, bei dem du das Pferd im Kreis herumscheuchst … meinst du, das gefällt dem Pferd? Trägt es zur Vertrauensbildung bei?

Ein weiteres Prinzip ist ganz einfach: Tut dein Pferd im Zusammensein mit dir etwas, bei dem du dir unsicher bist, ob du es korrigieren oder durchgehen lassen sollst, frag dich immer: Wenn mein Pferd und ich zwei Mitglieder einer Herde wären, würde sich das ranghohe Tier das gefallen lassen? Und wenn nicht, was würde es dagegen tun? Das vertreibt viele Unsicherheiten und Zweifel.

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Pferdeflüsterei: Das war sehr spannend und tat mir gut zu lesen, weil es ein Beispiel dafür ist, dass es auch mit Liebe und Geduld geht. Vielen Dank für das Interview!!

Sandra Schneider: Sehr gerne – ich freue mich, wenn die „Message“, die ich mit meinen Buch* unter die Menschen bringen möchte, so ankommt wie bei dir. Danke!

LESETIPP! “BRUTALE PFERDE-SCHICKSALE SIND REALITÄT”

Im Kleinen wie im Großen passiert viel Falsches in der Pferdewelt. Manchmal auch ungewollt, deswegen ist es toll, dass es Experten wie Sandra gibt, die einen liebevollen und geduldigen Umgang fordern. Die Pferdetrainerin und VOX Pferdeprofi Sandra Schneider beschreibt in ihrem ersten Buch “Denn Ihr fühlt nicht wie wir: Tagebuch eines PferdesLesetipp! "Brutale Pferde-Schicksale sind Realität" 1 “eindrücklich das bittere Schicksal eines Reitpferdes. Leider beschreibt sie damit das Schicksal vieler Pferde, die schmerzvoll lernen mussten, dass sie dem Menschen nicht entkommen können.

„Denn Ihr fühlt nicht so wie wir – Tagebuch eines Pferdes“ ist die Geschichte von Honey, die in ihren ersten Pferdejahren nichts Gutes erlebt hat und von Menschen immer wieder enttäuscht wurde. Die Kapitel gliedern sich nach den Lebensabschnitten des Stutfohlens. Von der Geburt, über die ersten Begegnungen mit Hufschmied und Tierarzt, bis zu Verkauf und Beritt.

Aus dem Blickwinkel der Stute geschrieben und mit Fachwissen von Sandra ergänzt. Leider ist ihr Schicksal kein Einzelfall, sondern Alltag an vielen Reitställen. Es lohnt sich das Buch zu lesen, um dazu lernen und umzudenken.

Deswegen freue ich mich sehr, dass Sandra Schneider und auch Honey mir Fragen zum Pferdealltag, zu den großen Fehlern und Problemen in der Pferdeerziehung und den unnötigen Grausamkeiten den Pferden gegenüber beantwortet haben.

Wir Reiter müssten die Welt viel öfter mit den Augen der Pferde betrachten. Vielleicht lernen wir dann sie besser zu verstehen.

Sandra Schneider beschreibt in ihrem Buch dein Schicksal. Wie du zu früh von deiner Mutter getrennt wurdest, wie man dich alleine gelassen und in den Transporter gequält hat, wie du zu früh und zu brutal zugeritten und in unnatürlich schmerzhafte Körperpositionen gezurrt und gebunden wurdest, bis du dich schließlich gewehrt hast und deswegen zum Schlachter gegeben werden solltest.

Gott sei Dank (jetzt verraten wir den Ausgang des Buches) wurdest du am Ende noch gerettet.

Viele deiner Artgenossen erleben ein ähnliches oder noch schlimmeres Schicksal und werden am Ende leider nicht gerettet. Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Du hättest sehr viel Besseres von uns Menschen verdient und ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich beim Lesen freute, dass es für dich am Ende doch noch gut ausgegangen ist.

Pferdeflüsterei: Wie geht es dir jetzt? Hast du alles einigermaßen überwunden oder wirst du ein Leben lang darunter leiden?

Honey: Es geht mir jetzt relativ gut. In Sicherheit fühle ich mich aber bei den wenigsten Mensch-Dingern. Wir Pferde vergessen niemals, aber wir VERGEBEN sehr schnell. Das, was eure Gattung als „nachtragend“ bezeichnet, kennen wir nicht. Wir leben im Augenblick. Und im Augenblick geht es mir gut. Man versteht mich endlich.

Pferdeflüsterei: Das ist schön und hätte von Anfang an so sein müssen. Aber meinst du, dass du uns Menschen irgendwann verzeihen kannst, dass ein paar von uns dich zu hart, zu früh und zu brutal in die Menschenwelt geworfen haben?

Honey: Wir Pferde sind gezwungen, in eurer Welt zu leben. Was bleibt uns anderes übrig, als uns damit abzufinden? Wenn wir Glück haben, geraten wir an einen verständnisvollen Besitzer … aber wie viele von uns gibt es, die jeden Tag Unheil und Schmerz erleben und in einem ewigen Albtraum gefangen sind? Ist euch das klar? Habt ihr eine Vorstellung davon? Nun, wenn ihr mein Tagebuch gelesen habt, fangt ihr unter Umständen vielleicht an, euch damit auseinanderzusetzen.

Pferdeflüsterei: Ich hoffe sehr, dass endlich mehr Menschen darüber nachdenken, wie sie mit euch Pferden umgehen. Vielleicht möchtest du uns erzählen,  was für dich das Schlimmste an allem war – wenn du das überhaupt abstufen kannst?

Honey: Das Allerschlimmste ist wirklich, ein Wesen, vor dem du Angst hast und vor dem du eigentlich einfach weglaufen möchtest, vor dessen Berührung du dich ekelst, auf deinem Rücken sitzen zu haben.

Du kannst es nicht richtig sehen, du weißt nicht, was es da tut – das löst Todesangst aus. Und du kannst nicht entkommen. Mensch-Dinger wie der Gestiefelte (Anmerkung der Redaktion: Der Gestiefelte ist der Bereiter im Buch, der Honey mit Gerte und Gewalt den Sattel aufgezwungen hat) sind die Hölle. Die meisten von uns haben nur so viel Angst, dass sie sich einfach nicht wehren. Sie ziehen sich völlig in sich selbst zurück und versuchen auf diese Weise, zu überleben.

Pferdeflüsterei: Wenn du hättest mitentscheiden können, wie hätte dein Leben verlaufen sollen – also in kurzen Worten: Vom Fohlen bis zum ersten Ritt – wie hättest du dir die Begegnungen mit den Menschen gewünscht?

Honey: Ganz ehrlich? Ich wünschte, die Menschen wären niemals in mein Leben getreten. So sieht meine Idealvorstellung aus.

Pferdeflüsterei: Aber gehen wir mal davon aus, dass du mit Liebe und Geduld an die Menschen geführt worden wärest. Wie würdest du dir das ideale Pferdeleben vorstellen?

Honey: Ich weiß nicht, wie es ist, ein glückliches „Reitpferd“ zu sein. Ich will einfach PFERD sein. Nicht REITPFERD. Ich habe schon Pferde getroffen, die tatsächlich gerne geritten wurden – weil sie dem Reiter vertrauen und er ihnen Sicherheit gibt. Ich kenne so etwas nicht – darum ist das ideale Pferdeleben für mich einfach ein Leben OHNE Menschen.

Bevor ihr kamt, war mein Leben perfekt. Ich habe zwar einen guten Platz gefunden, aber reiten lasse ich noch immer niemanden auf meinem Rücken. Das kommt für mich nicht in Frage – egal wer es ist … es ruft in mir Angst und Schrecken hervor. Ich glaube nicht, dass sich das jemals ändert.

Pferdeflüsterei: Meinst du nicht, dass die Zusammenarbeit mit Menschen auch Spaß machen kann, wenn sie respektvoll und freundlich verläuft?

Honey: Ja. Das Zusammensein kann Freude sein – auch das habe ich kennenlernen dürfen. Allerdings erst mit sehr wenigen Menschen. Wir fühlen, was ihr fühlt – das ist der Unterschied – aber ihr fühlt oft nicht, was wir fühlen. Wenn ihr Freude dabei empfindet, mit uns zusammenzusein und euch das Herz aufgeht, wenn ihr uns seht, dann spüren wir das. Wir spüren aber genauso eure Erwartungen, die nicht erfüllt werden, euren Druck, eure Ungeduld …. zentriert euch, bevor ihr uns entgegentretet und fragt euch mal: „Wie geht es mir heute eigentlich?“

Wir wissen es sonst, bevor es euch selbst bewusst wird.

Pferdeflüsterei: Es gibt Menschen, die behaupten, dass Pferde zu Liebe oder freundschaftlichen Gefühlen ihrem Menschen gegenüber gar nicht fähig sind. Ich glaube das nicht – sind wir dir oder Euch Pferden wirklich egal, oder weißt du Nettigkeit, Fürsorge und Liebe schon so zu schätzen, dass du dein Herz auch an einen von uns hängen kannst?

Honey: Wir Pferde spüren, was von Herzen kommt und reagieren freudig darauf. Die Freude, die wir im Zusammensein mit euch empfinden, ist nur ein Spiegel dessen, was ihr in euch tragt. Wir können euch in gewissem Maße vertrauen – aber nie so sehr, wie ich einem Pferdefreund vertraue.

Petra von der Pferdeflüsterei: Was würdest du uns Menschen gerne sagen oder mitgeben?

Honey: Ganz einfach: Alles, was ihr mit uns tut – tut es aus Liebe. Dann könnt ihr gar keine Fehler machen.

Petra von der Pferdeflüsterei: Danke Honey, dass du mit uns über deine Gefühle besprochen hast. Ich freue mich sehr, dass du einen guten Platz gefunden hast und wünschte mir, dass du und deine Artgenossen nie mehr unter ungeduldigen, herzlosen oder brutalen Menschen leiden müsst. Ich hoffe, dass deine Geschichte und das Buch helfen, damit eure Lage endlich besser wird.

BUCHTIPP! BITTERE WAHRHEITEN UND EIN GUTES ENDE: DAS „TAGEBUCH EINES PFERDES“

Sandra Schneider von den Vox-Pferdeprofis hat ihr erstes Buch geschrieben. Ich habe die ersten Seiten aufgeschlagen und wollte es nicht mehr weglegen, bis ich es fertig gelesen hatte. Sie erzählt aus der Sicht eines Pferdes, was der Mensch bei Aufzucht und Beritt alles gnadenlos falsch machen kann. Dazu Fachwissen, warum und wie es anders laufen müsste. Die Geschichte wird dich sicher auch beim Lesen sofort berühren.

Das Erschreckende daran ist, dass sie vermutlich kein Einzelschicksal beschreibt, sondern den Werdegang vieler Pferde weltweit. Das Buch ist eingeteilt in verschiedene Kapitel von der Geburt, bis zu den großen erzwungenen Turniererfolgen. Wie zum Beispiel Honey die Menschen wahrnimmt, die sie zu früh und ohne jede Vorwarnung mit einem Tierarzt konfrontieren.

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„DENN IHR FÜHLT NICHT WIE WIR – TAGEBUCH EINES PFERDES“

…heißt das Buch und ich kann es nach der Lektüre empfehlen. Sandra hat nicht nur ihr Expertenwissen in ein Sachbuch verpackt. Sie hat das Buch aus dem Blickwinkel einer Pferdestute geschrieben. Das macht umso begreiflicher, wie schlimm einiges ist, das wir den Pferden im Alltag antun.

  • Sie schreibt, wie das Fohlen die Welt direkt nach der Geburt sieht
  • wie es aufwächst und wie es von den Menschen immer wieder enttäuscht wird.

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ANGST VOR DEN MENSCHEN

Inhalt Sandra Schneider - Denn Ihr fühlt nicht wie wir: Tagebuch eines Pferdes Honey hat ab dem ersten Moment Angst vor den Menschen, weil sie zu schnell und brachial überfallen wird. Sie wird zu früh von der Mutter getrennt, sie wird kaum ein Jahr alt in eine Box gesperrt und muss dann zackig zu einem Bereiter. Der reitet sie zu schnell und zu früh zu, damit er sie bei Turnieren vorstellen und als Erfolgspferd trainieren kann.

Sandra beschreibt ihre Ängste so nah und echt, das dir beim Lesen die Tränen kommen werden. Sie schreibt aus der Sicht des Pferdes, wie das Verhalten der Menschen auf sie wirken muss und warum ihr scheinbar „bockiges“ Verhalten eigentlich immer schuld der Menschen ist, die sie falsch behandeln.

ES BLEIBT NICHT ALLEIN BEI DER GESCHICHTE DER STUTE…

Sandra Schneider verlässt nach jedem Kapitel und Lebensabschnitt der Stute in einer kurzen Zusammenfassung den Blickwinkel von Honey. Dann erklärt die Expertin, was falsch gelaufen ist in den einzelnen Lebenskapiteln der kleinen Stute und wie man es hätte besser machen können.

Das macht das Buch gleichzeitig zu einem Fachbuch, verdeutlicht aber auch durch den Blickwinkel des Pferdes, wie Pferde sich in den unterschiedlichsten Situationen fühlen. Das Buch rüttelt auf, es macht betroffen und gleichzeitig lehrt es einen besseren Weg.

Ich hoffe, dass viele Pferdemenschen und solche, die es von sich behaupten, das Buch lesen und über ihren Umgang mit den Pferden nachdenken. Ich zum Beispiel war dankbar nochmal zu sehen, dass es genau die richtige Entscheidung war, meine Stute bei ihren Geschwistern in der Pferdeherde aufwachsen zu lassen, bis sie alt genug ist um zugeritten zu werden.

Nachdem ich das Buch durchgelesen hatte, war ich betroffen und habe im Internet recherchiert und musste mit Entsetzen feststellen, dass Sandra sicher nur die Spitze des Eisbergs beschrieben hat. Das Schicksal von Honey ist ein Synonym für den Alltag vieler Pferde, die aus der Zucht in die Turnierreife „geprügelt“ werden. Ein Alltag, den viele vermutlich als normal empfinden. Denn Ausbildungsmethoden, die auf Brutalität statt auf Geduld setzen, gibt es viele.

Es geht zu oft um viel Geld oder menschliche Eitelkeit und leider viel zu selten um das Wohl der Tiere selbst.

DER MENSCH KANN SO GRAUSAM SEIN

Dass es noch brutaler und schlimmer geht, wenn wir Menschen im Spiel sind, ist die schreckliche Wahrheit. Es gibt Pferde die festgebunden und geprügelt werden, um sie zu brechen. Das ist offenbar an der Tagesordnung. Methoden, die so schrecklich sind, dass man nur fassungslos, wütend und entsetzt da stehen und nicht begreifen kann, wie man den Tieren so etwas antun kann.

Es tut mir leid, wenn ich da kurz ausraste, aber ich kann und werde nie verstehen, warum wir Menschen die Tiere immer wieder wie seelenlose Gegenstände behandeln. Wie Instrumente, um unsere Macht zu demonstrieren, oft gedankenlos, manchmal auch bewusst und frei von jedem Mitgefühl.

Ich weiß auch gar nicht, was ich schlimmer finden soll. Diese unfassbare Brutalität, die immer wieder in der Realität bei der Ausbildung bewusst eingesetzt wird oder diese alltäglichen kleinen und großen Quälereien, die aus Unwissen oder Ignoranz passieren. Oder weil die gelernten Methoden nicht hinterfragt werden.

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ES IST UNSERE PFLICHT DEN TIEREN EIN ARTGERECHTES LEBEN ZU ERMÖGLICHEN

Ich finde, dass es an jedem Tierbesitzer ist, sich zu erkundigen und zu recherchieren, was das Tier braucht. Es ist unsere Verantwortung, uns um eine artgerechte Haltung und einen artgerechten Umgang zu kümmern, wenn wir uns ein Tier in die Familie holen.

Vielleicht täuschen wir uns auch und es mag sicher auch Pferde geben, die die Herausforderung mögen.  Ich für meinen Teil freue mich auf die Teamarbeit, gemeinsames Spazieren gehen, vielleicht sogar Freiheitsdressur? Wer weiß, das sehen wir dann – je nachdem, was das Pferd und ich mögen und gerne gemeinsam machen. Klar, auch Reiten und Gymnastizieren, aber eben in einer bunten Mischung.

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DAS FAZIT

Meine Stute soll die Zeit bekommen zu lernen, die sie braucht. Sie soll auf der Weide mit Artgenossen  auch mal Pferd sein dürfen und sie soll wissen, dass das Zusammensein mit mir fair, gerecht und mit Geduld und Spaß verbunden ist. Das ist kein einfaches Ziel, aber ich betrachte es als meine Aufgabe.

Das Buch von Sandra hat mich beim Lesen an vielen Punkten berührt und bestärkt. Es hat mich in den Parts, in denen es um Fachwissen und Erklärungen ging, mit Informationen versorgt und hat mir durch den Blickwinkel von Honey gezeigt, was an so vielen Punkten schief läuft und wie ich die Erziehung meines Pferdes nicht handhaben möchte. Ich freue mich deswegen sehr, dass Sandra Schneider sich dazu bereit erklärt hat, mit mir über ihr Buch, den Reitbetrieb und Pferdeausbildung zu sprechen.

Unter anderem habe ich sie danach gefragt, wie man einen guten Ausbilder erkennen kann, damit man sein Pferd nicht unwissend an einen dieser brachialen schlechten Ausbilder gibt, die es leider gibt wie Sand am Meer. Und ich habe auch ein kleines Interview mit Honey geführt, der Stute, deren deren Schicksal Sandra Schneider in ihrem neuen Buch „Denn Ihr fühlt nicht wie wir: Tagebuch eines Pferdes“ beschreibt.

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Kommentare (9)

Meine Rede… Das Problem sitzt meistens AUF dem Pferd, nicht in ihm. Leider wollen das viele vermeintliche Pferdeliebhaber nicht wahr haben und sind nicht bereit, an sich selbst zu arbeiten zum Wohl des Partners Pferd, es ist immer der"blöde Gaul" Schuld… und das nicht nur unterm Sattel sondern auch im Umgang und bei der Bodenarbeit
traurig…

Das ist wohl so eine Mischung aus Zeitgeist – wer will denn schon noch Mühe, Zeit und Geduld investieren oder an sich arbeiten – und dem, was vielen immer noch beigebracht wird in Reitschulen :-( Viele liebe Grüße, Petra

Hallo Petra,

ein sehr schönes Interview! Sandras Art mit Pferden zu arbeiten bewundere ich sehr, soweit ich es beurteilen kann, da ich nur die Fälle aus den "Pferdeprofis" kenne. Das Interview suggeriert aber, dass die Sendung authentisch ist – das freut mich sehr!

Was mich interessieren würde: Sandra sagt im Interview, die Pferde werden oft zu viel gemaßregelt und zu wenig gelobt. Da stimme ich zu, es wird immer nur erwartet, dass alles glatt läuft. Aber – kann man auch zu viel loben? Da grüble ich seit einiger Zeit drüber nach. Meine Philosophie ist, dass viel Lob auch viel Motivation bringt – zumindest in der Theorie. Jetzt gab mir eine Freundin zu bedenken, dass zu viel Lob auch bewirken kann, dass der Ponymann denkt, er wäre der Größte… Aber das möchte ich doch?! Sein Selbstbewusstsein stärken, damit er sich auf die Arbeit freut. Allerdings habe ich festgestellt, wenn ich weniger überschwänglich lobe, strengt der Kerl sich mehr an. Gibt es eine Art "Höhenflug" bei Pferden? Was sagst Du dazu? :-)

Liebe Grüße!

Liebe Lena,
ich bin zwar nicht Petra, aber ich schreibe hier einfach auch mal meine Gedanken und Erfahrungen dazu.
Einen „Höhenflug“ bei Pferden habe ich noch nie erlebt. Das Selbstbewusstsein von Pferden über Lob zu stärken ist meiner Ansicht nach aber auch nur begrenzt möglich. Wichtig für die Pferde ist, dass sie an Aufgaben erfolgreich gemeistert haben. Dass sie an Körpergefühl und Geschicklichkeit gewinnen.
Ein zu viel an Rückmeldung kann es meiner Ansicht nach geben, nämlich dann, wenn ich dem Pferd bei jeder Handlung eine Rückmeldung gebe und das Pferd nie selber einfach mal ausprobieren lasse. Nie einfach mal beobachte was passiert, sondern ständig Rückmeldung gebe. Dann nehme ich meinem Pferd Selbstbewusstsein, denn das Pferd handelt irgendwann nicht mehr selbständig, sondern nur noch nach meiner Rückmeldung. Wobei ich das bei Hunden mehr beobachte als bei Pferden.
Was allerdings passiert ist, dass die Motivation sinkt, wenn ich sozusagen immer auf dem gleichen Level lobe. Wenn ich das Pferd z.B. nach Jahren noch für das kleine Aufheben des Hufes lobe, wird es sich irgendwann nicht mehr anstrengen, weil das Lob ja sowieso kommt. Ich kann aber, wenn die Übung sitzt auf variable Verstärkung setzen d.h. ich lobe z.B. beim Hufe geben mal das kleine Aufheben, mal das Aufheben von einem Bein, mal das Aufheben von allen vier Beinen. Das Pferd strengt sich an, weil es nie weiß, wann die Belohnung kommt. Das erhält die Motivation. So mache ich es bei meinen Ponys und habe motivierte, begeisterte Ponys, die drängeln, wer mitmachen darf.
Liebe Grüße
Miriam

Liebe Lena, Miriam hat dir ja auch schon spannende Gedanken dazu geschrieben. Ich denke auch, dass man Pferde auch zu Tode quatschen kann. Das ist ja auch eine Form von Erwartungshaltung und Energie – und die will immer gut dosiert sein. Und dann würde ich noch ergänzen, dass ich es vom Pferd abhängig machen würde. Das eine bräucht vielleicht mehr positive Rückmeldung um sich etwas zuzutrauen, das andere weniger. Viele liebe Grüße, Petra

Ich mag Sandras Arbeit unheimlich gerne. Ich verfolge wie gebannt sie und ihre "Problempferde" auf VOX und sauge alles in mich auf. Ich würde gerne auf einen Punkt in diesem letzten Teil eingehen und zwar den Punkt wo es um junge unausgebildete/angeritten Pferde geht. Ich habe mir mit 15 Jahren (mit Unterstützung meiner Eltern) meinen Deutschen Reitpony Wallach Gismo gekauft, der damals 5 Jahre und als angeritten verkauft wurde. Zu dem Zeitpunkt hatte ich 4-5 Jahre vorher mit dem Reiten angefangen. Er war damals ausgebildet in allen Grundgangarten und Verkehrssicher. Ich wollte nicht mehr als einen Kumpel, mit dem ich ausreiten und auf dem Platz meine Runden drehen und ab und zu ein paar kleine Sprünge machen konnte. Genau dafür war er genau richtig. Ich weiß noch wie alle, als wir auf Pferdesuche waren, zu mir gesagt habe, dass ich ein erfahrenes Pferd brauche, aber das ich auch merken würde wenn es das richtige wäre. Ich hatte einige Pferde/Ponys ausprobiert bis ich Gismo gefunden haben. Eins davon war ein gut ausgebildetes Deutsches Reitpony, was auch schon Turniere gegangen war und ca. 12-13 Jahre alt war. Er hätte mir bestimmt viel beibringen können, aber ich fühlte mich gar nicht wohl als ich ihn probegeritten habe. Irgendwann trafen wir dann auf Gismo oder der kleine Araber wie sie ihn bei der Pferdehändlerin genannt hatten, weil er keinen eingetragenen Namen hatte. Er war total aufgeregt, hat immer wieder gewiehert, die Nüstern aufgebläht und den Schweif aufgestellt. Er war erst gut 1 Monat auf dem Hof und stand die Zeit nur mit seinen Kumpels auf der Weide. Unterm Sattel des Pferdewirts war er brav, rief nur zwischendurch nach seinem Kumpel. Als ich dann aufsteigen sollte war ich etwas nervös, aber nach den ersten Tritten war ich hellauf begeistert, es hatte einfach zoom gemacht. Die umstehen Leute haben mir hinterher gesagt, dass ich ein mega Lächeln auf dem Gesicht hatte. Und ab da war es für mich entschieden. Dieser 5jährige Reitpony Wallach mit 50% Vollblut Anteil gehörte einfach zu mir. Und seit diesem Tag vor 12 Jahren ist er mein ein und alles. Wir hatten Höhen und Tiefen und er zwischendurch einige Jahre in denen er einfach Pferd sein konnte, da ich aus beruflichen Gründen umgezogen bin und meine Mama diese Jahre überbrückt hatte. Da musste er nicht viel tun und meine Mama ist auch eher die zögerliche Reiterin. Nun hab ich in seit 6 Monaten wieder bei mir und musste ihm erstmal wieder zeigen/beweisen, dass es nicht schlecht ist, mit dem Reiter zusammen zu arbeiten, was ich dank meiner wunderbaren Reitlehrerin sehr schnell hinbekommen habe. Sie unterrichtet auf einer bunten Grundlagenmischung aus verschiedensten Trainer der akademischen Reitweise und dem Centered Riding. Jetzt ist er zwar schon 17 Jahre und andere Pferde in unserem Stall kämpfen in diesem Alter mit Sachen wie Arthrose und Spat, aber er ist immer noch frisch und dynamisch. Ich überlege mir immer wieder woran es liegt? Vielleicht, dass er seit 12 Jahren (bis auf 1 Jahr Boxenhaltung) im Offenstall steht. Oder sein großer Vollblutanteil (sind ja sehr zähe Pferde). Oder sogar seine Auszeiten zwischendurch, in denen er kaum Belastung hatte. Aber egal was es war es hat ihm gut getan und wir sind noch nicht am Ende unserer Lehrzeit, denn man lernt nie aus. Es gibt immer wieder Sachen, die ich mit ihm ausprobieren will (Gymnastizieren an der Hand, Clickertraining, Zirkustricks), aber er zeigt mir auch schnell auf worauf er keine Lust hat und dann muss ich mir wieder was neues einfallen lassen um ihm Abwechslung zu bieten und ihn immer wieder neu zu motivieren.
Und nun werde ich deine Seite mal weiter durchstöbern was ich noch so schönes finde und wo ich meinen Senf dazu geben kann. ;P

Oh was für eine wunderschöne Geschichte, die der beste Beweis dafür ist, dass es sich lohnt auf das Bauchgefühl zu hören. Mir haben auch einige von einer Jungstute abgeraten. Ich bin aber die glücklichste Person der Welt, weil mein Pferd genau das richtige Pferd für mich ist und ich hoffentlich auch der passende Mensch für sie. Sie zeigt es mir schon, indem sie mir auf der Weide entgegenkommt, obwohl sie durchaus ein autarkes Pferd ist. Ich finde auch schön, was du alles mit Gismo machst, die Abwechslung tut Pferden sicher gut. Das glaube ich fest. Ganz liebe Grüße also an euch beide und schön, dass du auf der Pferdeflüsterei stöberst und liest – das freut mich sehr. Petra

Sehr wahre Worte! Mein Trainer sagt es so oft: "Die meisten Probleme sind hausgemacht."
Niemand ist perfekt, aber das Pferd schließlich für seine eigenen Fehler zu bestrafen ist das letzte.

Vielen Dank für die tollen Interviews, Petra :)

Absolut. Ich denke auch, dass niemand perfekt ist. Wir machen so viele Fehler. Aber das ist okay, solange wir offen sind und bereit dazu zu lernen. Und solange wir das Pferd nicht für unsere Fehler bestrafen. Genau wie du schreibst. Vielen lieben Dank für deine Kommentar und liebe Grüße, Petra

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