Artikel aktualisiert am 22.02.2017

Im Kleinen wie im Großen passiert viel Falsches in der Pferdewelt. Manchmal auch ungewollt, deswegen ist es toll, dass es Experten wie Sandra gibt, die einen liebevollen und geduldigen Umgang fordern. Die Pferdetrainerin und VOX Pferdeprofi Sandra Schneider beschreibt in ihrem ersten Buch “Denn Ihr fühlt nicht wie wir: Tagebuch eines Pferdes “eindrücklich das bittere Schicksal eines Reitpferdes. Leider beschreibt sie damit das Schicksal vieler Pferde, die schmerzvoll lernen mussten, dass sie dem Menschen nicht entkommen können.

Banner Sandra Schneider Juni 2015

„Denn Ihr fühlt nicht so wie wir – Tagebuch eines Pferdes“ ist die Geschichte von Honey, die in ihren ersten Pferdejahren nichts Gutes erlebt hat und von Menschen immer wieder enttäuscht wurde. Die Kapitel gliedern sich nach den Lebensabschnitten des Stutfohlens. Von der Geburt, über die ersten Begegnungen mit Hufschmied und Tierarzt, bis zu Verkauf und Beritt.

Aus dem Blickwinkel der Stute geschrieben und mit Fachwissen von Sandra ergänzt. Leider ist ihr Schicksal kein Einzelfall, sondern Alltag an vielen Reitställen. Es lohnt sich das Buch zu lesen, um dazu lernen und umzudenken.

Deswegen freue ich mich sehr, dass Sandra Schneider und auch Honey mir Fragen zum Pferdealltag, zu den großen Fehlern und Problemen in der Pferdeerziehung und den unnötigen Grausamkeiten den Pferden gegenüber beantwortet haben.

Wir Reiter müssten die Welt viel öfter mit den Augen der Pferde betrachten. Vielleicht lernen wir dann sie besser zu verstehen.

Eine ausführliche Rezension zu Sandras Buch findet ihr HIER in der Pferdeflüsterei

Interview mit Honey, Stute und Hauptfigur in Sandra Schneiders Buch:

Interview mit Honey
Interview mit Honey (Foto: Zauberwald-Foto / Martina Tiedemann)

Sandra Schneider beschreibt in ihrem Buch dein Schicksal. Wie du zu früh von deiner Mutter getrennt wurdest, wie man dich alleine gelassen und in den Transporter gequält hat, wie du zu früh und zu brutal zugeritten und in unnatürlich schmerzhafte Körperpositionen gezurrt und gebunden wurdest, bis du dich schließlich gewehrt hast und deswegen zum Schlachter gegeben werden solltest.

Gott sei Dank (jetzt verraten wir den Ausgang des Buches) wurdest du am Ende noch gerettet.

Viele deiner Artgenossen erleben ein ähnliches oder noch schlimmeres Schicksal und werden am Ende leider nicht gerettet. Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Du hättest sehr viel Besseres von uns Menschen verdient und ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich beim Lesen freute, dass es für dich am Ende doch noch gut ausgegangen ist.

Pferdeflüsterei: Wie geht es dir jetzt? Hast du alles einigermaßen überwunden oder wirst du ein Leben lang darunter leiden?

Honey: Es geht mir jetzt relativ gut. In Sicherheit fühle ich mich aber bei den wenigsten Mensch-Dingern. Wir Pferde vergessen niemals, aber wir VERGEBEN sehr schnell. Das, was eure Gattung als „nachtragend“ bezeichnet, kennen wir nicht. Wir leben im Augenblick. Und im Augenblick geht es mir gut. Man versteht mich endlich.

Pferdeflüsterei: Das ist schön und hätte von Anfang an so sein müssen. Aber meinst du, dass du uns Menschen irgendwann verzeihen kannst, dass ein paar von uns dich zu hart, zu früh und zu brutal in die Menschenwelt geworfen haben?

Honey: Wir Pferde sind gezwungen, in eurer Welt zu leben. Was bleibt uns anderes übrig, als uns damit abzufinden? Wenn wir Glück haben, geraten wir an einen verständnisvollen Besitzer … aber wie viele von uns gibt es, die jeden Tag Unheil und Schmerz erleben und in einem ewigen Albtraum gefangen sind? Ist euch das klar? Habt ihr eine Vorstellung davon? Nun, wenn ihr mein Tagebuch gelesen habt, fangt ihr unter Umständen vielleicht an, euch damit auseinanderzusetzen.

Pferdeflüsterei: Ich hoffe sehr, dass endlich mehr Menschen darüber nachdenken, wie sie mit euch Pferden umgehen. Vielleicht möchtest du uns erzählen,  was für dich das Schlimmste an allem war – wenn du das überhaupt abstufen kannst?

Honey: Das Allerschlimmste ist wirklich, ein Wesen, vor dem du Angst hast und vor dem du eigentlich einfach weglaufen möchtest, vor dessen Berührung du dich ekelst, auf deinem Rücken sitzen zu haben.

Du kannst es nicht richtig sehen, du weißt nicht, was es da tut – das löst Todesangst aus. Und du kannst nicht entkommen. Mensch-Dinger wie der Gestiefelte (Anmerkung der Redaktion: Der Gestiefelte ist der Bereiter im Buch, der Honey mit Gerte und Gewalt den Sattel aufgezwungen hat) sind die Hölle. Die meisten von uns haben nur so viel Angst, dass sie sich einfach nicht wehren. Sie ziehen sich völlig in sich selbst zurück und versuchen auf diese Weise, zu überleben.

Honey
Honey (Foto: Zauberwald-Foto /Martina Tiedemann)

Pferdeflüsterei: Wenn du hättest mitentscheiden können, wie hätte dein Leben verlaufen sollen – also in kurzen Worten: Vom Fohlen bis zum ersten Ritt – wie hättest du dir die Begegnungen mit den Menschen gewünscht?

Honey: Ganz ehrlich? Ich wünschte, die Menschen wären niemals in mein Leben getreten. So sieht meine Idealvorstellung aus.

Pferdeflüsterei: Aber gehen wir mal davon aus, dass du mit Liebe und Geduld an die Menschen geführt worden wärest. Wie würdest du dir das ideale Pferdeleben vorstellen?

Honey: Ich weiß nicht, wie es ist, ein glückliches „Reitpferd“ zu sein. Ich will einfach PFERD sein. Nicht REITPFERD. Ich habe schon Pferde getroffen, die tatsächlich gerne geritten wurden – weil sie dem Reiter vertrauen und er ihnen Sicherheit gibt. Ich kenne so etwas nicht – darum ist das ideale Pferdeleben für mich einfach ein Leben OHNE Menschen.

Bevor ihr kamt, war mein Leben perfekt. Ich habe zwar einen guten Platz gefunden, aber reiten lasse ich noch immer niemanden auf meinem Rücken. Das kommt für mich nicht in Frage – egal wer es ist … es ruft in mir Angst und Schrecken hervor. Ich glaube nicht, dass sich das jemals ändert.

Honey auf der Wiese
Honey (Foto: Zauberwald-Foto / Martina Tiedemann)

Pferdeflüsterei: Meinst du nicht, dass die Zusammenarbeit mit Menschen auch Spaß machen kann, wenn sie respektvoll und freundlich verläuft?

Honey: Ja. Das Zusammensein kann Freude sein – auch das habe ich kennenlernen dürfen. Allerdings erst mit sehr wenigen Menschen. Wir fühlen, was ihr fühlt – das ist der Unterschied – aber ihr fühlt oft nicht, was wir fühlen. Wenn ihr Freude dabei empfindet, mit uns zusammenzusein und euch das Herz aufgeht, wenn ihr uns seht, dann spüren wir das. Wir spüren aber genauso eure Erwartungen, die nicht erfüllt werden, euren Druck, eure Ungeduld …. zentriert euch, bevor ihr uns entgegentretet und fragt euch mal: „Wie geht es mir heute eigentlich?“

Wir wissen es sonst, bevor es euch selbst bewusst wird.

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Pferdeflüsterei: Es gibt Menschen, die behaupten, dass Pferde zu Liebe oder freundschaftlichen Gefühlen ihrem Menschen gegenüber gar nicht fähig sind. Ich glaube das nicht – sind wir dir oder Euch Pferden wirklich egal, oder weißt du Nettigkeit, Fürsorge und Liebe schon so zu schätzen, dass du dein Herz auch an einen von uns hängen kannst?

Honey: Wir Pferde spüren, was von Herzen kommt und reagieren freudig darauf. Die Freude, die wir im Zusammensein mit euch empfinden, ist nur ein Spiegel dessen, was ihr in euch tragt. Wir können euch in gewissem Maße vertrauen – aber nie so sehr, wie ich einem Pferdefreund vertraue.

Petra von der Pferdeflüsterei: Was würdest du uns Menschen gerne sagen oder mitgeben?

Honey: Ganz einfach: Alles, was ihr mit uns tut – tut es aus Liebe. Dann könnt ihr gar keine Fehler machen.

Petra von der Pferdeflüsterei: Danke Honey, dass du mit uns über deine Gefühle besprochen hast. Ich freue mich sehr, dass du einen guten Platz gefunden hast und wünschte mir, dass du und deine Artgenossen nie mehr unter ungeduldigen, herzlosen oder brutalen Menschen leiden müsst. Ich hoffe, dass deine Geschichte und das Buch helfen, damit eure Lage endlich besser wird.

Wollt ihr auch wissen, was Sandra Schneider zu sagen hat?

Hier ist das Interview mit ihr – spannend, unbedingt lesen!

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14 Kommentare zu “Lesetipp! “Brutale Pferde-Schicksale sind Realität”

  1. Andrea sagt:

    Wir haben jetzt nur noch 4 Pferde, auch wenn wir uns das kaum noch erlauben können, würden alle warscheinlich beim Schlachter landen, Einer ist 21 und völlig Kaput nur noch bedingt Reitbar und war früher ein richtiger Arsch, heute ist er sogar ein Kinderlieber Kerl.
    Die weiteren sind nicht besser, die Medels haben alle schlechte erfahrungen, von Gebrochener Hüfte die damals nicht behandelt wurde und Exzem wo die Maden in den offenen Wunden waren, aber heute wenn ich auf Koppel komm und die Bande rufe, dan kommen sie auf zuruf und freuen sich das wir da sind.
    Nicht mit Gewalt sondern Verständnis und Liebe zu dem Tier haben wir das geschaft was uns NIEMAND zugetraut hätte, da alle als Böse und nicht Reitbar verschriehen waren, gut heute wissen wir das 2 von 4 nicht meht wirklich Reitbar sind, aber nicht weil sie böse sind, wie früher, sondern weil sie krank sind

  2. petra sagt:

    Liebe Andrea, erstmal muss ich einfach schreiben, dass ich ganz ganz wunderbar finde, dass du den Pferden ein Zuhause gegeben hast. Ich weiß gar nicht, ob ich wütend, traurig oder alles zeitgleich werden soll, wenn ich lese, was Menschen Deinen Pferden angetan haben, bevor sie zu Dir gekommen sind. Wie kann man eine gebrochene Hüfte nicht behandeln lassen? Oder Maden in offenen Wunden auch nur tolerieren? Die Pferde sind, wie so viele Tiere, unserer Verantwortung ausgeliefert. Und was macht der Mensch? Statt sie für ihre Geduld und Freundlichkeit zu belohnen, quält er sie dann noch. Kein Wunder, dass die Pferde irgendwann nicht mehr wollen und sich weigern. Irgendwie steckt auch die Geschichte von Honey (der Stute, die Sandra in ihrem Buch beschreibt) in der Geschichte Deiner Pferde und ich finde schön zu lesen, dass sie jetzt so zufrieden und glücklich bei Dir sein dürfen :-) Alles Liebe an Dich und Deine Pferde, Petra

  3. Katrin sagt:

    Hallo Petra,
    ich finde es super, dass du das Thema "Umgang mit Pferden" aufgegriffen hast! Es gibt leider immer noch viel zu viele Menschen, die ihre Pferde schlecht behandeln…
    Viele Grüße!
    Katrin

    • petra sagt:

      Hallo Katrin, freut mich sehr! Danke Dir für Deinen lieben Kommentar. Ich finde es auch so merkwürdig, dass so viele Menschen ihre Pferde "lieben", aber sich dann doch so wenige Gedanken machen, was die Pferde wohl gerne hätten. Schön, dass Du offenbar auch Pferdefreundlich unterwegs bist. Liebe Grüße, Petra

  4. Mandy sagt:

    Also dieses Interview ist doch wirklich nur noch albern..
    Das ist ja fast schon Wendy Manier.
    Und als Anmerkung: Ihr und Euer wird außer am Satzanfang und wenn man historische Romane schreibt, klein geschrieben..

    Einfach nur peinlich..

    • Petra sagt:

      Liebe Mandy, es ist schade, dass dir das Interview nicht gefällt. Aber ich kann noch nicht so viel mit deiner Kritik anfangen, da "albern" und "peinlich" Wörter sind, die ich nicht als inhaltlich relevante und konstruktive Kritik wahrnehme. Was genau stört dich denn? Und wie begründest du das fachlich? Welche Trainingsmethoden bevorzugst du dann stattdessen und warum? Worum ich dich aber sehr gerne bitten würde, wenn du weiterhin hier kommentieren willst, ist ein bisschen mehr Höflichkeit, Fairness und Respekt. Das sind Eigenschaften, die wir gerade als Tier- und Pferdemenschen sowohl unseren Tieren entgegenbringen sollten, als auch anderen Mitmenschen. Freundliches Miteinander, konstruktive Diskussionen und verschiedenen Meinungen sind auf der Pferdeflüsterei immer herzlich willkommen. Für simples Beleidigen ist mir meine Zeit ehrlich gesagt ein klein bisschen zu schade. Das verstehst du sicher, denn Zeit ist ein wertvolles Gut und du willst ja sicher weder die Zeit der anderen Leser hier noch deine oder meine verschwenden. Es ist mir wichtig, dass der Tonfall auf der Pferdeflüsterei immer friedlich und respektvoll bleibt, auch wenn einmal jemand anderer Meinung ist. Ich danke dir und wünsche dir noch einen schönen Abend.

      P.S.: Der Duden sagt übrigens: "In der Regel werden die Formen des Anredepronomens du kleingeschrieben, ebenso dann auch die der Mehrzahl ihr. Die Kleinschreibung gilt darüber hinaus auch für die Formen der Possessivpronomen dein, euer und auch für deinesgleichen, deinerseits usw.
      In Briefen (auch auf Ansichtskarten u. Ä.), E-Mails und SMS kann man allerdings auch großschreiben" Da ich eine persönliche und respektvolle Beziehung zu den Lesern hier habe, nehme ich es mir heraus "Du" und "Euer" wie in einem Brief großzuschreiben.

    • Petra sagt:

      Liebe Mandy, here we go again. Wie du vielleicht schon gesehen hast, da du ja so eifrig hier vorbeischaust, habe ich auf deinen ersten Kommentar schon geantwortet. Da steht eigentlich alles Wichtige drin, was ich dir schreiben möchte. Aber trotz allem, möchte ich dir noch ergänzend sagen, dass wir keinen Kommentar gelöscht haben. Wir betreiben die Pferdeflüsterei mit viel Liebe und Herzblut neben unserer Arbeit, weshalb es auch manchmal ein paar Stunden dauern kann, bis wir Kommentare freischalten. Das steht übrigens auch im Text direkt, wenn du einen Kommentar abgeschickt hast. Viele Grüße, Petra

  5. Evelyn sagt:

    Hallo,

    ehrlich gesagt frag ich mich auch manchmal, was es für Pferde für einen Sinn macht, mit uns diverse Dinge zu tun. Als ich mein Pferd vor acht Jahren kaufte, hab ich überhaupt nicht über solche Dinge nachgedacht. Erst mit dem Zusammenwachsen mit meinem Pferd und durch das Sammeln an Erfahrungen in der Reiterwelt (die wirklich sehr seltsam ist) habe ich mir auch Gedanken zum generellen Sinn des Ganzen gemacht. Aber nun habe ich ein Pferd und auch die Verantwortung dafür. Selbst als es nicht gut zwischen uns lief und ich viele Tränen vergossen und so manche schlaflose Nächte hatte, wollte ich ihn nicht hergeben, auch weil ich Angst um ihn hatte, dass er an Leute gerät, die ihm weh tun. Natürlich wollte ich auch so nicht einfach aufgeben nur weil ich plötzlich Angst vor dem Reiten hatte. Mittlerweile haben wir diese Phase gut überstanden
    und wir verstehen bestens. Honey erzählt leider die Wahrheit, auch wenn wir uns etwas anderes wünschen und wollen, dass Pferde nur für uns da sind.
    Allerdings was wäre mit den Pferden, wenn wir als Menschen kein Interesse an ihnen hätten, wären sie jetzt eine bedrohte Tierart?
    Wenn man sich heut die Beziehung des Menschen zum Tier generell anschaut, nimmt sie sich nicht viel mit der Beziehung speziell zum Pferd…zum Nutzen des Menschen werden auf der ganzen Welt Tiere gequält und missbraucht.
    Der Mensch an sich hat heut generell kaum noch Respekt vor dem anderen Lebewesen, oft nicht mals vor den eigenen Artgenossen. Aber zum Glück werden es immer mehr Menschen, die sich darauf besinnen, dass andere Lebewesen auch Gefühle haben und es verdienen entsprechend respektvoll behandelt zu werden.
    Ich weis, das war jetzt ein langer Text und dennoch nur zum Gröbsten zusammengefasst. Dieses Thema ist einfach hinsichtlich der letzten Entwicklungen weltweit, schier unerschöpflich und man könnte ganze Bücher damit füllen…
    In diesem Sinne…
    Viele liebe Grüße
    Evelyn und Dival

    • Petra sagt:

      Liebe Evelyn, du sprichst mir aus der Seele. Ich verstehe oft genug auch nicht, wie Menschen mit anderen Lebewesen umgehen. Es ist wie du sagst: Wir haben den Respekt vor dem Leben verloren. Leider. Wenn uns das Fleisch abgepackt im Supermarkt serviert wird, wenn wir Kosmetik benutzen die an Tieren getestet wurde, wenn wir Medikamente nutzen die auf tierischen Stoffen bestehen – wir wissen nicht, woher es kommt und leider wollen viele es auch gar nicht wissen. Die, die daran verdienen, haben in der Masse des Geldes den Blick für das wesentliche verloren. Ich könnte viel dazu schreiben. Aber ich danke dir einfach für deine Worte und versuche, genau wie du, zu sehen, dass es doch auch immer mehr Menschen gibt, die sich Gedanken machen. Viele Grüße an euch, Petra

  6. Andrea sagt:

    Was gibt es nur für schlimme Menschen.
    Mir fehlen die Worte.
    Das ist eins der Gründe, warum ich niemals meine Pferde verkaufen würde.
    Ich wüsste nicht, in was für grausame Hände sie kämen.
    Wenn man den Pferden seine ganze Aufmerksamkeit schenkt, sie mit Respekt behandelt, hat man einen treuen Gefährten an seiner Seite.

    • Petra sagt:

      Liebe Andrea, das kann ich gut verstehen – ich könnte weder züchten noch Pferdetrainerin sein, weil ich mich immer fragen würde, was aus den Pferden wird, nachdem sie nicht mehr bei mir sind. Ich hätte keine ruhige Minute mehr. Danke für deine schöne und wahre Zusammenfassung am Ende deines Kommentars und ganz liebe Grüße, Petra

  7. Lena sagt:

    Hallo Petra,
    ein sehr interessanter Ansatz, Dein Interview mit Honey!
    Was mich dazu interessiert (ich muss dazu gestehen, dass ich Sandra Schneiders Buch noch nicht gelesen habe, da ich erst durch die Stöberei hier im Blog darauf aufmerksam wurde, daher fehlt mir evtl. die eine oder andere Hintergrundinfo): Woher wissen wir Menschen, dass ein Pferd genau das denkt? Klar, Pferde haben – wie jedes Lebewesen – ihre Art zu kommunizieren. Das steht außer Frage, und es gibt durchaus Menschen, die mit Empathie und (Sach-)Verstand in der Lage sind, diese Sprache zu deuten und mehr oder minder auf der gleichen Ebene zurückzukommunizieren. Diese Menschen werden dann gerne als "Horsemen" bezeichnet und spiegeln sich in Namen wie Monty Roberts, Bernd Hackl oder eben auch Sandra Schneider wieder, um nur einige zu nennen. Sicher gibt es da noch unzählige mehr (wobei ich persönlich diese ganzen Methoden der Pferdearbeit immer sehr kritisch hinterfrage). Nichtsdestotrotz sind wir Menschen, keine Pferde. Und Menschen neigen dazu, Dinge zu vermenschlichen – so auch die Kommunikation unserer Vierbeiner. Das denke ich zeigt dieses Interview und vermutlich auch Sandras Buch sehr deutlich. Denn Pferde sprechen unsere Sprache einfach nicht, ebenso wenig wie wir "pferdisch" sprechen. Das geht alleine schon rein anatomisch nicht! Gerne vergleiche ich die Arbeit mit den Pferden gegenüber Nicht-Pferdemenschen mit folgendem Bild: Ein fremdsprachiger Mitarbeiter wird in einer Firma angestellt, und der Chef (in dem Fall der Mensch) muss seinem neuen Mitarbeiter verständlich machen, was dessen Aufgaben in dieser Firma sind, was er darf und was er nicht darf. Dieser Mitarbeiter versteht kein Wort unserer Sprache, und der Chef spricht die Sprache des Mitarbeiters nicht. Da verstehen die meisten sofort, wie die Arbeit mit Pferden gelagert ist, und wie fragil diese Beziehung sein kann. Ein verunsicherter Mitarbeiter wird nie die Leistung bringen können, die einer bringt, der weiß, was von ihm erwartet wird und der ebenso weiß, dass sein Chef ihn versteht bzw. versucht zu verstehen, wenn die gemeinsame Kommunikationsebene noch nicht gefunden ist. Mit der Zeit lernt der Mitarbeiter, was welche Gesten und Worte des Chefs bedeuten, und der Chef lernt, seinem Mitarbeiter zuzuhören und findet einen Weg, ihm verständlich zu machen, was er sagen will.
    Aber nochmal zu Deinem Interview mit Honey: Es gibt ja sehr viele ähnlich gelagerte Filme und Bücher, man nehme nur "Black Beauty". Ich bin ehrlich, bei diesem Film kommen mir immer wieder die Tränen, wenn Ginger tot abtransportiert wird und Beauty dies sieht. Und ebenso, wenn der alte und geschundene Beauty am Ende gebrochen und fertig mit der Welt beim Händler steht und die Stimme "seines" Menschen hört, und sich erinnert, wie gut es ihm dort ging. Der Film berührt und erklärt gleichzeitig auch viel. Aber: Woher wollen wir Menschen wissen, dass Pferde ebendieses Gefühl, das wir "Freundschaft" nennen, genau so empfinden? Die sozialen Strukturen in Herden sind sicher ähnlich gelagert wie bei uns Menschen in Cliquen. Aber z. B. das Zeitgefühl ist ein Punkt, den Pferde meiner Meinung nach gar nicht so empfinden können wie wir, da sie schlicht eine andere "Zeitrechnung" haben – nämlich von hell nach dunkel, von Hunger zu satt und von Sicherheit zu Angst. Und am Ende von Black Beauty interpretiere ich Beautys Verhalten so, dass er sich an die Zeit zurückerinnert, in der es ihm gut ging, und das verbindet er mit diesem Menschen. Er wiehert nicht, weil er den Menschen an sich so gern hat, sondern weil er für sich wieder diese angstlose Zeit zurückhaben möchte, also reiner Egoismus bzw. Überlebensinstinkt!
    Meine persönliche Meinung ist, dass wir die Pferde (wie auch alle anderen Tiere) nicht so sehr vermenschlichen sollten. Immer wieder höre oder lese ich Dinge wie "Mein Pferd hat sich früher nie anfassen lassen, jetzt kommt es, wenn ich es rufe also liebt es mich". Da kann ich nur lächeln, denn das Pferd kommt, weil es gelernt hat, dass es etwas bekommt, wenn man es ruft. Sei es Futter, Streicheleinheiten oder schlicht Abwechslung zum Koppelalltag – es ist immer eine "bedingte Liebe".
    Um den Kreis (der jetzt mehr ein Ei geworden ist….) zu schließen: Dein Interview mit Honey trägt vielleicht (und hoffentlich!) dazu bei, dass Menschen, die sich für ein Tier entscheiden, anfangen nachzudenken, was sie damit sich und vor allem dem Tier antun, denn es übersetzt die eventuellen Gefühle eines Pferdes in die menschliche Sprache. Dennoch sollte immer im Hinterkopf behalten werden, dass es eben Tiere sind, die anders denken, fühlen und agieren als wir Menschen, und es sind nur Vermutungen, die wir anstellen können, was das Pferd (oder Tier allgemein) und mitteilen möchte.

    • Petra sagt:

      Liebe Lena, danke für deine Gedanken zum Thema. Was soll ich sagen? Du hast Recht! :-) Natürlich wissen wir nicht, was die Pferde denken. Wir werden es nie wirklich erfahren. Aber wir wissen ein bisschen über die Pferdepsychologie und Pferdeverhalten in der Herde und können uns auch empathisch in die Gefühlswelt aus Angst, Verunsicherung, Mut, Selbstbewusstsein, stolz und so weiter hineinversetzen, die Tiere sicher auch empfinden und uns daraus ein Puzzle bauen. Ich denke auch, dass es wichtig ist die Pferde nicht zu vermenschlichen. Ich glaube nicht, dass meine Stute mich liebt – ich glaube aber schon, dass sie mich kennt und ich eine größere Rolle in ihrem Leben spiele, als zum Beispiel die Stallbesitzerin (die sie ja auch oft sieht), weil wir Abenteuer zusammen bestehen, weil ich versuche sie zu verstehen, weil wir kommunizieren und natürlich auch, weil ich ihren Rücken kraule und ihr ein Möhrchen in den Futtertrog lege ;-) Und ich glaube, dass es vielen Menschen hilft, wenn sie die Gedanken der Pferde in eine Menschenform bringen – es hilft ihnen empathischer zu werden. Deswegen mag ich den Gedanken von Sandras Buch. Auf jeden Fall ganz liebe Grüße und danke für deine Gedanken zum Thema, Petra

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