Willst du wirklich wissen wie Pferde denken und fühlen? Willst du mehr erfahren über Pferdeverhalten und wie du lernen kannst ein bisschen mehr in ihre Köpfe zu schauen? Dann ist diese Serie hier genau das Richtige für dich.

Pferdepsychologin und KräuterLogo Herdis Hillerexpertin Herdis Hiller schreibt über das „Eins werden mit dem Pferd“. Schritt für Schritt – inklusive praktischer Übungen. Sie ist studierte Pferdepsychologin und Pferdeverhaltenstherapeutin und hat sich dem sanften Weg der Pferd-Mensch-Kommunikation verschrieben.

TEIL 1 der Serie findest du HIEREins werden mit dem Pferd: Was ist der Schlüssel zum Erfolg?
TEIL 2 der Serie kannst du HIER nachlesen – Die Natur der Pferde: Was die Pferdeseele bewegt und wie Pferde wirklich ticken
Teil 3 der Serie kannst du HIER nachlesen – Was Pferde brauchen und welchen Menschen sie an ihrer Seite brauchen
Teil 4 der Serie kannst du HIER nachlesen – Führung ist wie ein Tanz: Was Pferde wirklich von uns brauchen

Teil 5 der Serie „Eins werden mit dem Pferd“ – Die Welt mit den Sinnen der Pferde „sehen“

Teil 6 der Serie „Eins werden mit dem Pferd“ – Pferdesprache lernen

Herdis Hiller - Eins werden mit dem PFerd

Teil 7 der Serie „Eins werden mit dem Pferd“ von Herdis Hiller – Wie Pferde lernen wollen

Eine gute Lernatmosphäre schaffen

Wenn wir Pferde verstehen, ihre Bedürfnisse erfüllen und erfolgreich mit ihnen kommunizieren können, ist bereits eine gute Strecke auf dem Weg zur Einheit mit dem Pferd geschafft. Den nächsten Meilenstein werden wir erreichen, wenn wir verstehen, wie Pferde lernen wollen. Denn unser gemeinsamer Weg besteht aus fortwährendem Lernen. Wie leicht oder schwer er wird, hängt maßgeblich davon ab, WIE wir lernen. Denn verschiedene Lernarten sind unterschiedlich effektiv.

Pferd Führung (Copyright: Susanne Hauk)

Pferde lernen – Ein Überblick über die Lernarten

Pferde lernen sehr stark durch Assoziationen. Das heißt, sie verbinden eine Erfahrung mit Personen, Gegenständen, einer Umgebung usw. Wenn wir also verstehen wollen, warum Pferde reagieren wie sie reagieren, ist es sehr wichtig sich darüber klar zu sein. Denn oft gilt die Reaktion gar nicht der Ursache, sondern dem Objekt oder Subjekt, das im Kopf des Pferdes mit der Ursache verknüpft ist.

Ein Beispiel: Dass viele Tiere bereits im Warteraum des Tierarztes Angst bekommen, liegt nicht am Warteraum. Es liegt vordergründig zum Beispiel am ganz speziellen Geruch nach Desinfektionsmitteln, der in allen Arztpraxen vorherrscht. Aber auch dieser Geruch ist nicht die Ursache der Angst! Die Ursache ist der Schmerz, der entstand, als die Spritze des Tierarztes im Hintern des Patienten landete. Während das Tier den Schmerz spürt, nimmt es den Geruch seiner Umgebung wahr. Und nach ein paar Tierarztbesuchen, verbindet es den Geruch mit dem Schmerz.

Nun gibt es in seinem Kopf eine Gleichung die da lautet: Desinfektionsmittel = Aua!

Prägung bzw. prägungsähnliches Lernen

Bei vielen Lebewesen gibt es eine sensible Phase, wenn sie noch sehr jung sind, in denen sie besonders effizient und vor allem nachhaltig lernen. Diese sehr frühen Lernerfahrungen „prägen“ meist das ganze Leben und sind später schwer zu verändern. Wenn ganz junge Pferde zum Beispiel ohne Kontakt zu Artgenossen aufwachsen, fehlt ihnen das Wissen des richtigen Umgangs mit anderen. Ergebnis kann asoziales Verhalten sein, das großes Konfliktpotential bietet.

Pferd Führung (Copyright: Susanne Hauk)

Soziales Lernen bei Pferden

Diese Form des Lernens ist für Herdentiere eine sehr wichtige und darum sehr einfache Form des Lernens. Soziales Lernen bedeutet, dass Pferde durch Artgenossen lernen können. Am bekanntesten ist das Lernen durch Nachahmung. Hier kommen auch wieder unsere viel besprochenen Spiegelneuronen zum Zug (ihr erinnert euch?).

Aber sogar die bloße Anwesenheit an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit kann Wissen vermitteln wie zum Beispiel

  • „Das Gras ist hier besonders lecker!“ oder
  • „Am Nachmittag sind unter diesem Baum besonders wenige Mücken.“

Da Pferde sehr soziale Wesen sind, sollten wir diese Art des Lernens immer in unseren gedanklichen Vordergrund rücken.

Gewöhnung und Sensitivierung

Unsere Welt besteht aus unzähligen Reizen. Wenn wir alle diese Reize immer und in voller Intensität und ohne Priorisierung wahrnehmen würden, würden wir an Überforderung sterben. Die Natur hat sich darum etwas sehr Cleveres ausgedacht: Die Gewöhnung.

Ein Prozess der Anpassung an bestimmte Reize, der möglich macht, dass wir uns eine kräftezehrende Reaktion sparen können (wenn diese nicht nötig ist).

Als Beispiel: Für manche junge Pferde ist der Reiz eines Wasserstrahls auf den Beinen sehr aufregend, wenn sie es nicht kennen, abgespritzt zu werden. Wiederholt man diesen Vorgang aber immer mal wieder (ohne Druck und mit viel innerer Ruhe), ohne dass das Pferd eine negative Erfahrung macht, wird es sich daran gewöhnen und irgendwann nicht mehr reagieren.

Macht es beim Abspritzen allerdings eine negative Erfahrung wie z.B. durch Schmerzen, geschieht das Gegenteil von Gewöhnung: Sensitivierung. Die Reaktion des Pferdes auf das Wasser wird also noch heftiger ausfallen als zuvor.

Rope

Konditionierung von Pferden

Die Verbindung im Kopf, die zwischen einem Reiz (Schmerz) und einer Reaktion bzw. einem anderen Reiz (Geruch Desinfektionsmittel) entsteht, ist klassische Konditionierung.

Wenn ein zufällig ausgeführtes Verhalten Folgen hat und das Tier dieses Verhalten anschließend verstärkt oder vermindert zeigt, handelt es sich um operante Konditionierung. Das Tier lernt also, das Verhalten mit den Konsequenzen zu verbinden.

  • Sind die Konsequenzen angenehm (positive Verstärkung), wird es dieses Verhalten vermehrt zeigen
  • Führen die Konsequenzen dazu, dass ein unangenehmer Reiz entfernt wird (negative Verstärkung), wird es ebenfalls sein Verhalten vermehrt zeigen
  • Sind die Konsequenzen unangenehm (Bestrafung), wird das Verhalten weniger oder gar nicht mehr gezeigt.

Raum- & Zeitlernen

Auf diese Art des Lernens kann ich aus Platzgründen jetzt nicht detailliert eingehen. Nur so viel: Pferde lernen sich in ihrer Umgebung zu orientieren, ja, diese beinahe zu kartographieren. Und Pferde lernen Geschehnisse in zeitliche Dimensionen einzusortieren.

Nehmen wir das Beispiel Fütterung: Pferde lernen sehr schnell, wann gefüttert wird, und beginnen schon mit entsprechendem Verhalten in Erwartung des Futters, selbst wenn der Futtermeister verschlafen hat.

Lernen durch Versuch & Irrtum / Neukombiniertes Verhalten

Wenn Pferde vor einem Problem stehen, vor dem sie noch nie standen, haben sie kein erlerntes Lösungsmuster zur Hand. Aber „Not macht erfinderisch“, und so werden sie verschiedene Lösungswege ausprobieren, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Da können Sie eventuell Elemente alter Lösungswege aufgreifen und neu kombinieren.

Wie erfinderisch euer Pferd ist, um ein Problem zu lösen, kann unter anderem daraufhin deuten wie intelligent es ist …oder wie motiviert 😉

Wie wir lernen, ist, wie wir lehren

Wie wir in den ersten Folgen bereits gesehen haben, macht die Raubtiernatur des Menschen ihn zu einem „Fokussierer“ – die Fluchttiernatur des Pferdes hingegen, macht es zu einem „Alles Seher“. Wir Menschen tendieren also dazu, für unser Pferd genau den Lernweg zu wählen, den wir selbst kennen. Denn wir fokussieren uns immer gern auf das, was wir kennen. Aber wie in allen anderen Bereichen auch, die mit unserem Pferd zu tun haben, müssen wir auch in puncto Lernverhalten über unseren Tellerrand hinaus sehen und kreativ werden. Damit unser Pferd uns besser versteht. Vor allem aber, damit es motiviert bleibt. Denn ein „Alles Seher“ ist durch „fokussiertes Arbeiten“ ganz schnell gelangweilt.

Rope

Wie Pferde lernen

Weil Pferde so viel um sich herum wahrnehmen, lernen sie auch auf so vielfältige Weise. Nehmen wir als Beispiel ein Fohlen, das die Welt ganz neu entdecken muss und unheimlich viel auf einmal lernt. Es lernt durch die Reaktionen seines sozialen Umfeldes, indem es Konsequenzen erfährt für sein Verhalten. Manche Konsequenzen fördern ein bestimmtes Verhalten, manche Konsequenzen unterbinden ein Verhalten. Es beginnt zu assoziieren. Und da Pferde sehr emotionale Wesen sind, werden auch und besonders Emotionen mit bestimmten Objekten, Subjekten oder Situationen assoziiert, was sich besonders tief ins Gedächtnis eingräbt.

Gleichzeitig lernt das Fohlen aber auch durch Nachahmung. So ahmt es schon das Grasen nach, selbst wenn es noch gar keine Zähne hat. Und es ahmt das Verhalten der Mutter anderen Pferden gegenüber nach. Und auch wenn sein Alter ihm natürlich gewisse Grenzen setzt, erklärt das neben weiteren Gründen, warum ranghohe Pferde oft ranghohe Nachkommen haben.

Weiterhin lernt das Fohlen allein dadurch, wo sich die Herde wann befindet und was sie tut.

Und es lernt durch Spiel, durch Versuch & Irrtum, durch Gewöhnung und Sensitivierung.

Wie Pferde lernen wollen – die drei wichtigsten Punkte:

1.Mit Emotionen

Die Verbindung eines Lernstoffes mit Emotionen sorgt für besonders schnelles und besonders nachhaltiges Lernen. Und da wir möchten, dass unser Pferd noch lange Freude daran hat, mit uns zu lernen, sollte es sich größtenteils um positive Emotionen handeln. Solche wie zum Beispiel Spaß, Genuss und Geborgenheit. Wenn wir uns überlegen, wie wir es schaffen können, jede Lernaufgabe mit einer positiven Emotion zu verbinden, sind wir auf genau dem richtigen Weg. Selbst und besonders, wenn es um schwieriges Verhalten geht.

Ein Beispiel aus der Praxis: Soziale Fellpflege ist für Pferde ein Genuss, der zusätzlich Nähe und Geborgenheit vermittelt. Diese Emotionen zu nutzen ist also ideal, um unser Pferd zu lehren, dass es schwierige Situationen überwinden kann.

  • Hierzu etablieren wir erst eine Geste, die in unserem Pferd diese Emotionen hervorrufen. Dazu kraulen wir täglich den Widerrist unseres Pferdes
  • Irgendwann beginnen wir damit, immer mal wieder und einfach so, unsere Hand auf den Widerrist zu legen und uns zusammen zu entspannen
  • Das Pferd wird also nach einiger Zeit diese Hand auf dem Widerrist mit Entspannung, Genuss und Geborgenheit assoziieren
  • Wenn das bloße Handauflegen für Entspannung beim Pferd sorgt, sind wir soweit uns Lernaufgaben zu stellen, die zum Beispiel Besorgnis beim Pferd hervorrufen
  • Jeden Tag nähern wir uns der Besorgnisquelle ein bisschen mehr, während wir mit der Hand auf dem Widerrist Entspannung erzeugen
  • Und irgendwann wird das Pferd diese Emotion der Entspannung auch mit dem ehemals besorgniserregenden Objekt verbinden und sich entspannen, sobald es dieses Objekt sieht.
TIPP: Diese Übung hat noch weitere positive Effekte: sie hilft dem Pferd, verschiedene Gehirnregionen besser zu verbinden, verbessert sein Körpergefühl und aktiviert Gehirnregionen, die entspannen.

2.Vielfältig und wechselhaft

Der Beste Weg zu einem demotivierten, widersetzlichen Pferd ist, etwas zu Üben bis es ihm zu den Ohren wieder raus kommt. Pferde möchten nicht stundenlang das Gleiche üben und immer auf die gleiche Weise. Auch keine 30 Minuten lang! Pferde möchten ein paar Minuten dies lernen, ein paar Minuten Jenes, mal im Spiel, mal mit Entspannung, dazwischen Laufen und den Kopf frei bekommen, aber immer ohne Druck, ohne Verbissenheit. Auch und gerade wenn wir Menschen ein Ziel haben, müssen wir kreativ sein und bleiben und 100 verschiedene Wege dorthin finden. Denn den Raubtier-Weg (immer geradeaus auf das Ziel zu, Umfeld ausblenden) können wir mit einem Fluchttier nicht erfolgreich gehen.

Es macht nicht viel Sinn, wenn wir zum Beispiel eine bestimmte Dressurlektion lernen wollen, jeden Tag wieder, eine Stunde lang in der Reithalle zu üben. Das Ergebnis sind meist zwei frustrierte Wesen mit Verspannungen und Magenschmerzen. Besser wäre es, wir übten diese Lektion nur 10 Minuten am Tag:

  • Und zwar heute in der Halle vom Sattel aus
  • morgen auf der Weide vom Boden aus
  • übermorgen im Sattel während eines schönes Ausritts
  • dann während eines Spaziergangs an der Doppellonge usw.

Und das Ganze mit Freude an der gemeinsamen Zeit, mit Leichtigkeit – ja vielleicht sogar spielerisch. Denn, wenn wir Leichtigkeit mit unserem Pferd erreichen wollen, müssen wir auch Leichtigkeit leben. Letztendlich spiegeln unsere Pferde nur unser eigenes Verhalten.

3.Der Persönlichkeit und dem Geschlecht des Pferdes angemessen

Jedes Individuum präferiert eine ganz bestimmte Art zu lernen. Wallache sind meist noch sehr verspielt und lieben es, etwas spielerisch zu lernen. Stuten sind oftmals ernsthafter, möchten also vielleicht lieber durch Genuss lernen. Besonders intelligente Pferde möchten auch „intellektuell“ herausgefordert werden. Einfacher gestrickte Pferde möchten vielleicht lieber durch Nachahmung lernen. Ängstliche Pferde möchten in Sicherheit lernen, mutige Pferde lernen auch mit einem gewissen Nervenkitzel. Und so weiter.

Um die beste Art des Lernens für Euer Pferd herausfinden zu können, ist es hilfreich, wenn ihr ganz genau wisst, wer euer Pferd als Individuum ist. Welches Temperament es hat, wie sensibel es ist, wie intelligent. Wie ihr all das und noch etwas mehr herausfinden könnt, erfahrt ihr in der nächsten Folge.

Horsemanship einfach

Ist Lernen durch Leckerli erlaubt?

Das ist eine der Standardfragen, wenn es ums Lernen mit Pferden geht. Ich beantworte sie so, wie ich Standardfragen immer beantworte: „Es gibt keine Standard-Antwort!“ Leckerli können bei bestimmten Pferden oder in bestimmten Situationen sehr hilfreich sein. Sie können bei anderen Pferden und in anderen Situationen aber auch absolut kontraproduktiv sein. Entscheidend sind die Art und der Zeitpunkt des Einsatzes, die Persönlichkeit des Pferdes und die des Menschen. Soviel kann aber gesagt sein: Der Einsatz von Leckerli ist nichts für Anfänger. Denn das Risiko, negatives Verhalten zu verstärken, ist groß.

MEHR zum Thema Leckerli findest du auch HIER „Umstrittenes Futterlob: Leckerli, ja oder nein?“

Warum ich wann Leckerli einsetze: Ich nutze Leckerli meist, um die aktive Gehirnregion zu ändern. Denn sobald ein Pferd frisst, wird die Region seines Gehirns aktiv, die zuständig ist für Fressen. Fressen wiederum ist mit Entspannung verknüpft. Wenn ich also zum Beispiel eine Situation kommen sehe, die die für Angst zuständige Region im Gehirn aktivieren könnte, kann das Leckerli zur richtigen Zeit und mit dem richtigen Verhalten zusammen verhindern, dass Angst sich ausbreitet. Dieser Einsatz von Leckerli erfordert allerdings viel Erfahrung und Sicherheit in Sachen Timing und Verhaltensdeutung, um nicht zum Beispiel Angstverhalten zu belohnen.

Es gibt aber auch einfach Individuen, für die es die reinste Freude ist, für ein Leckerli alle möglichen Dinge zu lernen. Auch bei diesen setze ich Leckerli gerne ein. (Stattdessen oder in Kombination könnte man auch Clickern).

Warum Leckerli mit Rangordnung nicht zwingend etwas zu tun haben müssen:

Oftmals wird von Leckerligabe abgeraten, um den Menschen nicht in eine untergeordnete Position zu bringen. Nach dem Motto: der Ranghöhere bestimmt, wer als Erstes frisst und was. Aber genau in dieser Begründung wird schon die Lösung offenbar: So lange der Mensch bestimmt, ob, wofür und wann es ein Leckerli gibt, bestimmt er auch wie ein ranghohes Pferd über das Futter. Wie immer ist es die Art und Weise des Einsatzes, die den Unterschied macht.

ACHTUNG:Wenn ich hingegen meinem Pferd immer dann ein Leckerli reinstopfe, wenn es mich anstubst oder meine Taschen durchwühlt, ja, dann kann ich evtl. in eine untergeordnete Rolle rutschen. Allerdings gehört hierzu weit mehr. Solche Probleme sind meist viel ganzheitlicher und lassen sich nicht nur an der Leckerligabe fest machen.

Welche Leckerli ich einsetze: Ich finde, dass auch ein Leckerli zu einer artgerechten Fütterung passen sollte – obwohl man natürlich keine Massen davon verfüttert. Darum ist für mich alles mit Zucker, Kleb- und Füllstoffen, künstlichen Aromen, viel Protein, Stärke oder ähnlichem tabu. Am besten finde ich getrocknete Hagebutten – allerdings muss das betreffende Pferd sie auch mögen (da scheiden sich die Pferdegeister). Alternativ gehen auch Apfel- oder Karottenstücke bzw. Leckerli aus gepresstem Heu ohne Zusätze.

Wann ich keine oder nur sehr dosiert Leckerli einsetze: Manche Pferde oder Ponys werden so gierig, wenn sie Leckerli bekommen, dass sich ihre gesamte Aufmerksamkeit nur noch auf das Leckerli fokussiert. Bei solchen Pferden macht es nicht viel Sinn, ihnen über Leckerli etwas beibringen zu wollen. Zumindest vorerst. Denn man kann diese Gelegenheit auch wunderbar dazu nutzen, ihm erst einmal „Mein Platz – Dein Platz“, Geduld und innere Ruhe beizubringen. Hat es dies gelernt, kann man zum eigentlichen Lernprogramm zurückkehren. Dann sogar auch mit Leckerli, wenn man möchte.

Frage: Arbeitet ihr mit Leckerli? Und wie reagiert euer Pferd darauf? Oder habt ihr ganz andere Lernmethoden und Erfahrungen? Schreibt mir einen Kommentar! Ich freue mich auf eure Erfahrungen.

Lernen ist eine Leben füllende Beschäftigung 😉 . Also lernen wir doch einfach mit Spaß, Leichtigkeit und ganz viel Kreativität. Und denkt daran, dass euch & euer Pferd jede zusammen gemeisterte Lernlektion noch näher zusammenbringen wird … weiter voran auf dem Weg zur Einheit!

Autor: Herdis

5 Kommentare zu “Wie Pferde lernen wollen! Tipps für ein motiviertes Pferd

  1. Miriam sagt:

    Liebe Herdis, liebe Petra,

    wie schon oft erwähnt, arbeite ich gerne mit Futterlob. Für mich ist es ein Dankeschön an mein Pony dafür, dass es sich anstrengt und das tut um was ich ihn bitte. Allerdings bedarf es hier tatsächlich viel Konsequenz und Genauigkeit. Bei uns gibt es klare Regeln für die Leckerligabe und diese sind nicht verrückbar. Das weiß mein Pony und so ist das völlig problemlos. Ich kann mit offenem Futterbeutel neben ihm stehen und er bedient sich nicht selber.
    Ich finde für mein Pony immer wieder die schönste Art zu lernen, wenn er selber Ideen entwickelt und sich ausprobiert. Dieser Stolz im Gesicht, wenn er auf die Lösung gekommen ist, ist das schönste überhaupt. Er wird dann ganz groß, schnaubt zufrieden und schaut mich an als wollte er sagen "Hab ich das nicht toll gemacht?" Das sind mit die schönsten Momente. Es gibt ihm unheimlich Selbstvetrauen und mir so viel Freude.
    Natürlich nutze ich auch das Lernen durch Nachahmen. Ich denke hier ist Achtsamkeit gefragt, was in welchem Moment am Besten klappt von allen Möglichkeiten zu lernen. Dafür heißt es für mich mein Pony beobachten und dann situativ entscheiden wie ich das gewünschte Verhalten erreichen kann.
    Nur durch Strafe wird bei uns nicht gelernt. Denn viel mehr als bei der Gabe von Leckelis bin ich der Meinung kann man bei Strafen falsch machen. Ich muss genau den richtigen Moment abpassen und dann auch noch aufpassen, dass mein Pferd die Strafe nun nicht mit einem Umweltreiz sondern tatsächlich mit seinem eigenen Verhalten verknüpft. Das ist schwierig bzw. kann ich gar nicht immer genau voraussehen.
    Außerdem schaue ich lieber auf die positiven Dinge und freu mich an den Dingen die mein Pony für mich tut. Und er soll auch keine Angst haben etwas falsch zu machen. Natürlich bestehe ich darauf, dass wir dabei höflich zueinander sind.
    Und mein Pony ist keine Gefahr für mich oder andere. Im Gegenteil immer wieder bekomme ich von Tierarzt, Huforthopäde und Co gesagt wie ruhig er bei allem ist und wie geduldig er alles mitmacht. Letztens erst hatten wir eine fremde Tierärztin da, weil unser Tierarzt im Urlaub war und wir einen Notfall hatten. Die Tierärztin hat mir nach der Behandlung gestanden, dass sie erst gar keine Lust hatte zu kommen als sie gehört hatte, dass es sich um ein Mini-Shetty handelt weil sie sich schon auf steigen und Theater gefasst gemacht hat und als sie dann da war, hat sie gemeint, dass sie selten so ein braves Pony hatte und so einen angenehme Behandlung.
    Liebe Grüße
    Miriam

  2. Sternchen sagt:

    Schöner Artikel! (schon wieder… ;))
    Ich würde euch gerne um einen Rat bitten, Sternchen ist was Lernen und Motivation angeht schon ziemlich schwierig. Wenn ich sie z.B. rückwärts schicke, oder auch bei fast jeder anderen Übung, da ist sie die ersten eins, zwei Sekunden voll motiviert dabei. Danach ist sie aber ganz "zickig" das heißt: sie legt die Ohren an, und an schlechten Tagen droht sie mir, mich zu beißen. Was soll ich tun damit Sternchen auf lange Zeit motiviert und Konzentriert ist?
    MfG.
    Luna&Sternchen

    • Herdis Hiller sagt:

      Liebes Sternchen,
      Vielen Dank für Deinen Kommentar und das liebe Lob! Da freue ich mich! 🙂
      So richtig beurteilen kann ich das natürlich nur, wenn ich Euch vor Ort beobachten könnte. Aus der Ferne kann ich nur vermuten, dass die Lösung des Problems nicht im Bereich Lernen oder Motivation zu finden ist, sondern eher im Bereich Führung. Vielleicht hilft es Euch, wenn Du Dich erst einmal darauf fokussierst?
      Herzliche Grüße und Euch beiden alles Gute! <3
      Herdis

  3. Sabrina sagt:

    Hallo Herdis 🙂

    Ich habe seit Mai einen Araber Berber Jährling namens Oualid (der komischerweise von vielen mit Q geschrieben wird :D), mit dem ich viel und ausgiebig schmuse. Außerdem achte ich besonders auf die kleinen Bälle die er mir zuspielt. Wenn er was anstupst (Bürsten oder auch mich), wenn er eine bestimmte Stelle gekrault haben möchte. Ich belohne ihn auch gerne mit einem Stück Möhre, wenn er besonders vertrauensvoll oder gar mutig war. Momentan achtet er jedoch sehr auf die Leckerlis. Ich muss dazu sagen, ich gebe ihm ein Möhrchen zur Begrüßung und eben zwischendurch, wenn er toll mitgemacht hat. Klar, ich sollte ihm vermutlich nicht einfach so eine Möhre zuschieben, wenn ich vermeiden möchte, dass er von selbst danach auf die Suche geht. Aber was kann ich ansonsten noch beachten, um ihm deutlich zu machen, dass es nur dann Leckerchen gibt, wenn ich es sage.

    Ich bedenke bei allem was ich mit ihm mache immer, dass er eben noch ein Kind ist und Kinder fragen auch gern mal öfter nach ob es wirklich nichts gibt (?) …

    Ich bin absoluter Fan deiner Serie zur eins werden mit dem Pferd 🙂 sauge alles auf wie ein Schwamm 😛

    Viele Grüße
    Oualid und Sabrina 🙂

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