Pferd eingedeckt im Winter

Pferd eindecken – ja oder nein?

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Der ganze große Artikel für dich auf einen Blick

Es wird Winter oder Herbst und die Temperaturen sinken. Vielleicht fröstelst du auch schon, wenn du die Haustüre hinter dir schließt und Richtung Stall gehst. Genau jetzt stellen sich viele Pferdebesitzer die Frage, ob sie ihr Pferd eindecken sollen oder nicht. Im Internet schwirren wild Fragen zu diesem Thema herum. Das Thema ist sehr umstritten.

Fragen wie: Ab wann braucht mein Pferd eine Decke? Ab wieviel Grad sollte ich mein Pferd eindecken? Soll ich mein Pferd überhaupt eindecken? Wieviel Gramm sollte die Decke haben?

Du fragst dich vielleicht:

  • Soll ich mein Pferd überhaupt eindecken?
  • Tut es meinem Pferd wirklich gut?
  • Braucht mein Pferd überhaupt eine Decke?






Eines verrate ich dir vorab: Wenn wir unser Pferd unnötig eindecken, können wir ihm sogar damit schaden. Die wenigsten Pferde brauchen wirklich eine Decke. Es gibt aber natürlich auch Ausnahmen. Manchmal kann eine Decke Sinn machen. Der Artikel beantwortet dir jetzt deine Fragen zum Thema „Pferd eindecken“ und liefert dir auch die Ergebnisse einer aktuellen Studie.

Pferdedecken

Pferde Eindecken – Die Basics

Brauchst du eine Decke für dein Pferd im Winter?

Für viele Pferde gehören die Decken in verschiedensten Varianten zum Alltag und es gibt durchaus auch wenige Situationen, in denen eine Decke Sinn machen kann. Auch im Winter. Aber für viele Pferde ist die Decke absolut unnötig und kann ihnen sogar schaden.

Im Artikel erkläre ich dir was Thermoregulation beim Pferd genau ist, ob du ein altes Pferd eindecken musst, was du bei Regen machen kannst, welche Deckentypen es gibt, wann sie Sinn machen und liefere die das Ergebnis einer neuen Studie zu diesem Thema.

Was du unbedingt wissen solltest: Thermoregulation beim Pferd

Wenn wir eine Decke nutzen, dann beeinflussen wir die körpereigenen Abläufe und Kräfte unseres Pferdes, sich selbst zu regulieren.

Pferde und Menschen haben eine sogenannte thermoneutrale Zone. Das ist ein optimaler Temperaturbereich, in dem sie bequem und problemlos ihre eigene Körpertemperatur aufrechterhalten können.

Bei ausgewachsenen Pferden in milden Klimazonen liegt dieser Bereich zwischen ca. 5 und 25 Grad. Beim (nackten) Menschen dagegen nur zwischen 25 und 30 Grad.

Pferde regulieren ihre Temperatur unter anderem über das Fressen und Verdauung, gegenseitiges Wärmen in der Herde, Erhöhung des Muskeltonus, Verringerung der Durchblutung ihrer Haut und natürlich durch die Entwicklung von genug Fell und indem sie ihr Fell aufstellen, wenn ihnen kälter wird.

Das ist fast ein bisschen wie bei einem Igel. Dadurch ist ihnen auf der Haut mollig warm, weil die Haare so ein natürliches Wärme-Isolierpolster bilden. Wenn du dein Pferd aber früh eindeckst, wird es nicht genug Winterfell entwickeln, die Haut „übt“ den Aufstellmechismus nicht und die Haut“muskulatur“ arbeitet nicht mehr richtig.

  • Wenn es kalt wird, verringert sich auch die Durchblutung der Haut deines Pferdes.
  • Das Fell entwickelt eine Art natürliche Isolation durch das kälter werden.
  • Denn der Schnee schmilzt dann nicht mehr, sondern bleibt auf dem Fell liegen, weil das Fell durch die weniger warme Haut natürlich auch kälter ist. 

Schlau, oder?

Das Pferd friert nicht nur am Rücken

Außerdem friert dein Pferd ja überall. An seinem ganzen Körper. Auch am Kopf oder an den Beinen. Dann versucht es natürlich durch verschiedene Maßnahmen seine Körpertemperatur zu erhöhen. Unter der Decke wird ihm dann aber schnell zu warm.

Wenn eine Decke auf dem Körper deines Pferdes liegt, kann es beispielsweise sein Fell nicht mehr aufstellen und die körpereigenen Prozesse laufen an den Körperteilen nicht mehr so ab, wie ohne Decke. Dabei ist dieser Igel-artige Mechanismus ein Spitzen-Isolierpolster für dein Pferd.

Der Körper des Pferdes reagiert instinktiv auf Temperaturwechsel und liefert dann entsprechend nach. Außerdem wärmen sich Pferde tatsächlich auch innerlich über die Verdauungsvorgänge. Deswegen fressen sie im Winter etwas mehr Heu, weil die Verdauung dann wiederum Wärme im Körperinneren erzeugt.

Wenn wir eine Decke überziehen, dann fehlt dem Körper erstens der Anreiz sich selbst zu wärmen und das Pferd wird nicht genug Fell entwickeln und seine ganzen instinktbedingten Wärmeabläufe nicht so starten, wie es das würde, wenn es sich selbst kümmern muss.

Wir beeinflussen so aber auch zweitens die Oberflächentemperatur, wie eine Studie ergeben hat. Das wiederum kann auch Auswirkungen auf das Wohlgefühl des Pferdes haben.

Pferde eindecken: Wie schädlich ist die Decke fürs Pferd?

Genau hier ist das Problem und die Ursache für so viele unnötig eingedeckte Pferde: Wenn der Mensch schon friert, fühlen sich die meisten Pferde noch pudelwohl. So – jetzt frieren wir Menschen aber schon und decken uns selbst mit Jacken und dicken Mützen ein.

Weil wir uns nicht vorstellen können, dass es dem Pferd anders geht, entscheiden sich viele frierende Pferdebesitzer dafür, ihre Pferd einzudecken, obwohl die Temperaturen für das Pferd eigentlich noch voll im grünen Bereich liegen. Oder sie wollen nicht putzen, nicht lange aufwärmen oder abschwitzen lassen im Winter. 

Aber Pferde sind keine Menschen und genau das müssen wir uns immer wieder bei unseren Entscheidungen bewusst machen.

Du beeinflusst also die natürliche Thermoregulation deines Pferdes und seine körpereigenen Mechanismen arbeiten nicht mehr so gut durch das Eindecken.

Das Pferd kann seine Fellpflege nicht mehr richtig betreiben und das wiederum kann zu Hautproblemen führen. Manche Pferde reagieren auch mit Verspannungen im Rücken durch die fehlende Bewegungsfreiheit durch eine Decke.

Das Fell kann abbrechen durch die Decke und die „Hautmuskulatur“ verlernt durch mangelnde Übung das arbeiten. Das wiederum beeinflusst aber nicht nur die Thermoregulation, sondern auch den Kreislauf deines Pferdes.

OFFTOPIC: Zuviel Putzen ist im Winter auch nicht so gut für dein Pferd, weil du ihm sonst die nötige Fettschicht an den Haaren ein Stück weit mit wegputzt. Das braucht dein Pferd aber, um sich gegen die Nässe zu schützen und damit wiederum die Haut schön warm zu halten.

Pferd eindecken: Welche Deckenarten gibt es und wann machen sie Sinn?

Es gibt verschiedene Decken für Pferde.

Du kennst sie vermutlich schon. Deswegen gehe ich sie nur kurz mit dir durch und erkläre dir, wann und wie sie Sinn machen können.

  1. Eine Abschwitzdecke: Sie ist im Herbst oder Winter beispielsweise absolut sinnvoll, weil dein Pferd nach der Trainingseinheit nass und verschwitzt sein kann und du es dann so natürlich nicht in die Kälte stellen solltest. Dann legst du die Abschwitzdecke über seinen Rücken und kannst es so langsam trockenen lassen, während du mit ihm noch ein bisschen herumläufst. Im Schritt. Danach bürstest du über sein Fell. 
  2. Eine Ekzemer-Decke im Sommer: Wenn du einen „Ekzemer“ hast, hilfst du deinem Pferd natürlich mit einer Decke. Es ist dann die Abwägung und eine Frage des geringeren Übels. Die Qual, die dein Pferd durch die Kriebelmücken und anderen Pferdebiester hat ist sicher größer als die Beeinflussung der Thermoregulation oder anderer Punkte, wenn es mit Decke herumlaufen muss.
    TIPP: Du kannst deinem Ekzemen auch unterstützend mit Schwarzkümmelsamen im Futter helfen seine natürliche Hautbarriere zu unterstützen – HIER kannst du mehr dazu erfahren
  3. Eine Regendecke – ungefüttert bis leicht gefüttert: Wenn du ein sehr altes oder krankes Pferd hast, kann es auch sinnvoll sein ihm bei kalten Temperaturen eine Decke überzuziehen. Oder bei manchen Pferderassen, die keine so perfekte auf Winter geeichte Thermoregulation haben, wie Araber beispielsweise. Es gibt auch Pferde die zu extremen Rückenproblemen im Winter neigen, die dann unsere Hilfe brauchen.Kurz gesagt: Wenn dein Pferd es einfach nicht von alleine schafft die Thermoregulation hinzubekommen, dann müssen wir ihm helfen. Aber wir sollten uns ganz genau anschauen, ob eine Decke wirklich nötig ist und im Grunde müssten wir dann auch nach Tagestemperatur entsprechend umdecken, damit das Pferd nicht warm wird unter der Decke.

Pferd eindecken - ja oder nein? 1

Ich kannte eine Stute, die aus einem heißen Land zu uns nach Deutschland importiert wurde und es einfach nie geschafft hat im Winter genug Fell zu entwickeln. Sie hat immer gefroren, neigte zu Husten und Rückenproblemen – ohne Decke. Auch dann ist die Decke sicher das geringere Übel.

Das ist nur eine schnelle und einfache Auflistung. Denn es gibt erstens tausend verschiedene Deckenvarianten und mindestens genauso viele Gründe, warum Pferdebesitzer ihre Pferde eindecken. Deswegen prüfe unabhängig von diesem kurzen Überblick natürlich unbedingt, ob eine Decke für dein Pferd WIRKLICH SINN macht oder nicht. —> Wenn ja, welche Decke die richtige für dein Pferd ist.

Außerdem musst du wissen, dass dein Pferd gegen das Frieren auch seinen Muskeltonus erhöht. Deswegen sind Pferde im Winter oft steifer, schnell „spanniger“ und brauchen eine längere Aufwärmphase um locker zu sein für das Reiten oder euer Training. Das kann locker 30-40 Minuten dauern, bis du ein warmes und lockeres Reitpferd vor dir hast, wenn du es im Winter nicht eindeckst. Bei meiner sehr muskulösen Quarterstute kann das auch mal eine Stunde gehen, bevor ich aufsteige. Das ist es mir aber wert.

Denn viele decken auch deswegen ihre Pferde ein. Ich finde das schwierig. Denn ich denke nicht, dass wir das Recht haben in die natürliche Thermoregulation unserer Pferden einzugreifen – „nur“ um sie schneller und einfacher Reiten und „nutzen“ zu können. Also für unsere eigene Bequemlichkeit.

Ein anderer Punkt: Natürlich schwitzen die Pferde beim Training im Winter durch ihr dickes Winterfell. Ein Wildpferd würde sich im Winter einfach nicht so intensiv bewegen und deswegen nicht so ins Schwitzen geraten. Deswegen scheren Menschen die Pferde dann gerne und müssen nach dem Training eine Decke auflegen.

Was passiert, wenn dein Pferd schwitzt?

  1. Die feinen und dichten Unterhaare sorgen für die Wärme bei deinem Pferd und das leicht fettige Deckhaar wiederum sorgt dafür dass Regen und Schnee abperlen und nicht auf die Haut kommen.
  2. So bleibt das Pferd warm und trocken.
  3. Wenn dein Pferd aber mit dem Winterfell geritten wird schwitzt es.

Der Schweiß geht von der Haut in die Unterhaare und dann zum Deckhaar. Dadurch verklebt das alles und die wärmenden Eigenschaften gehen flöten. Dafür gibt es dann die Abschwitzdecken.

Dein Pferd kann langsam wieder trocknen, kühlt dabei nicht aus und das Fell kann seine positiven Eigenschaften wieder zurückerlangen.

Jetzt stelle ich dir eine Frage: Wie wäre es, wenn wir darauf einfach Rücksicht nehmen und nicht so intensiv reiten würden? Oder einfach eine lange Abschwitz”zeit” in Kauf nehmen, statt sie zu scheren und danach einzudecken?

Pferde eindecken

Soll man alte Pferde eindecken?

Pferd im Regen
Pferd mit Decke im Schnee

Punkt 3 war im Grunde schon die Antwort auf diese oft gestellte Frage. Wenn dein Pferd es nicht mehr schafft alleine für seine Thermioregulation zu sorgen, zu dünn ist und aufgrund seines Alters friert, zittert oder zu Husten neigt, wenn du keine Decke nutzt – dann ist eine Decke natürlich eine Hilfe für dein Pferd und das geringere Übel.

Wenn dein Pferd genug Fell entwickelt, für sein Alter gut dasteht und nicht friert – warum solltest du dann eine Decke benutzen? Es geht ihm doch ohne Decke gut. Nur weil es alt ist, braucht es nicht unbedingt eine Decke.

Aber ältere Pferde lassen eben hier und da auch nach – wie wir Menschen auch – und deswegen muss man das gut beobachten und dann entscheiden, wie man dem Pferd am Besten helfen kann.

Was ist bei Regen: Muss ich mein Pferd eindecken bei Regen?

Es ist schon wichtig, dass Pferde einen Unterstand haben, den sie bei Regen nutzen können. Wenn die Pferde aber entspannt da stehen, dann ist alles in Ordnung. Manche Pferde stellen sich sogar gerne auch mal in den Regen. Ein gesundes Pferd kann 24 Stunden draussen sein – egal welches Wetter gerade ist.

Wenn dein Pferd aber zittert, dann musst du natürlich ganz genau hinschauen. Denn wenn Pferde im Regen oder bei Kälte zittern und das Zittern auch nicht aufhört, liegt das oft an einer ausgekühlten Haut unter dem Pferdefell. Die Haut zittert – wie bei uns Menschen auch – durch eine erhöhte Muskelspannung und will so ein kleines bisschen Wärme erzeugen.

  • Normalerweise schützt das Fell die Haut deines Pferdes.
  • Es hat eine natürliche Fettschicht und die schützt die Haut davor nass zu werden.
  • Deswegen sind Pferdeshampoos auch mit Vorsicht zu genießen, weil sie diese Fettschicht auflösen können.

Wenn also dein Pferd sich alleine nicht mehr gegen den Regen schützen kann und friert und friert, kannst du ihm mit einer Regendecke kurzfristig weiterhelfen. Du solltest aber genau schauen, wann es wieder wärmer wird. Denn dann staut sich die Wärme unter der Regendecke und das wiederum ist nicht gut für dein Pferd und seine Oberflächentemperatur.

Du siehst also, wenn wir eingreifen in den natürlichen Mechanismus unserer Pferde, dann müssen wir genau aufpassen, was wir machen und wie wir damit umgehen.

Pferd mit Decke im Schnee

Was die Wissenschaft zum Eindecken von Pferden sagt

Mehrere Studien zum Thema Pferd eindecken

Eine amerikanische Studie mit dem Namen „Cold housing effects on growth and nutrient demand of young horses“ aus dem Journal of Animal Science kam zu dem Ergebnis, dass Pferde sich an verschiedene Temperaturschwankungen ohne Probleme anpassen können. Sie können 30 Grad im Sommer genauso gut ausgleichen, wie Minusgrade in der Nacht.

Die früheren Wildpferde mussten in den Steppen und Wüsten teilweise Schwankungen von über 50 Grad zwischen Tag und Nacht ausgleichen können. Alles von -10 Grad bis +40 Grad bekommen sie wohl super hin.

Wenn es im Herbst tagsüber 20 Grad und nachts schon fast 0 Grad hat, ist das für dein Pferd überhaupt kein Thema. Das soll sogar super für den Kreislauf deines Pferdes sein. Erst bei -10 Grad setzt die Thermoregulation überhaupt so richtig ein.

Forscher der Universität in Minnesota haben herausgefunden, dass Pferde auch über Körperfett für ihre Körperwärme sorgen. Das ist sozusagen eine eigene Wärmeschicht. Es sei vollkommen normal, wenn Pferde im Herbst bis zu 20% Gewicht zulegen. Die Studie „Equipe Winter Care“ hat ergeben, dass Pferde umso weniger Fell brauchen, je mehr Fettreserven sie haben.

Noch ein Beweis: Eine britische Studie hat die Auswirkung von Decken auf die Körpertemperatur erforscht.

Die Pilotstudie aus England hat jetzt sogar belegt, dass die Decken für die Pferde nicht nur unnötig sind, sondern sogar problematisch sein können.

Ihr Titel: “To rug or not to rug: Potential impacts on equine welfare“ – zu Deutsch: Eindecken oder nicht eindecken: Mögliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Pferdes“.

Die Autorin Kim Hodgess vom Duchy College in Devon, Großbritannien, stellte sie 2019 auf der Konferenz der ISES (International Society of Equitation Science – Internationalen Gesellschaft für Pferdewissenschaften) vor.

Die Zahl der Studien, die sich mit dem Eindecken und der Thermoregulation von Pferden beschäftigen, ist leider ziemlich überschaubar. Vor allem die Erforschung der Auswirkungen verschiedener Deckenarten auf die Körpertemperatur von Pferden ist Neuland.

Genau dieses Thema hat die Forscherin mit ihrer Studie angepackt. Die Studie wurde qualitativ durchgeführt – also mit nur einer kleinen Zahl von Pferden. Trotz allem sind die Ergebnisse ganz schön krass. Ich stelle dir die Studie und ihre Ergebnisse jetzt vor. Es ist so spannend und lohnt sich zu lesen.

Wie hat die Forscherin alles untersucht? Die Studie basiert auf Daten von Pferden, die regelmäßig eingedeckt werden, die meisten davon leben in Boxenhaltung.

  • Drei Pferde trugen Ekzemerdecken
  • Sechs trugen Fleece-Decken
  • Zwei trugen leicht gefütterte Decken
  • Zwei Pferde wurden nicht eingedeckt

Die Oberflächentemperatur der Pferde wurde für die Studie knapp unterhalb der Hüftknochen gemessen, während die Umgebungstemperatur an den Stalltüren oder im Freien gemessen wurde.

Alle Werte wurden 24 Stunden lang jede Minute aufgezeichnet.

Das Ergebnis: Es gab sehr deutliche Unterschiede zwischen den Oberflächentemperaturen der verschiedenen Pferde.

  • Bei den Pferden mit Ekzemerdecken stieg die Temperatur um durchschnittlich 4,2 Grad an
  • Bei den Pferden mit Fleecedecken um 11,2 Grad
  • Bei jenen mit den leicht gefütterten Decken um ganze 15,8 Grad. Gerade die dickeren Decken erhöhen die Oberflächentemperatur der Pferde also drastisch.

Vier der eingedeckten Pferde entwickelten Oberflächentemperaturen zwischen 24 und 30 Grad. Bei Pferden der Kontrollgruppe ohne Decken wurden dagegen nur 12,5 bis 18,5 Grad gemessen – bei einer Umgebungstemperatur um 4 Grad.

Das Fazit der neuen Studie: Die falschen Decken können die Oberflächentemperatur des Pferdes weit über seine Wohlfühlzone erhöhen und damit auch seine Fähigkeit behindern, die eigene Temperatur zu regulieren.

Jetzt will sich die Forscherin noch weiteren offenen Fragen widmen. Beispielsweise, ob wie sehr die Decken die Fellpflege behindern oder ob die Haut unter den Decken langfristig geschädigt wird.

Quelle: equitationscience.com

Sind das nicht krasse Unterschiede? Genau das sollte uns zu denken geben. Wir beeinflussen die Oberflächentemperatur der Pferde enorm mit den Decken und sollten deswegen gut überlegen, wann wir eine Decke einsetzen und warum.

Pferd eindecken - ja oder nein? 2

“Pferdeflüstern bedeutet, dass wir lernen das Flüstern der Pferde zu hören und zu verstehen.”

Die Pferdeflüsterei ist ein Wissensblog und Herzensprojekt – denn wir wünschen uns, dass alle Pferde und ihre Menschen glücklich miteinander sind. Wenn wir lernen die Pferde zu verstehen, fein und fair zu trainieren und der beste Pferdemensch zu werden, der wir sein können – wird es auch deinem Pferd gut gehen und es wird immer sein Bestes für dich geben. Versprochen!

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Petra und Carey

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4 Gedanken zu „Pferd eindecken – ja oder nein?“

  1. Hey, meine Norweger und Shetties decke ich nicht ein – als Robustponies brauchen sie das nicht da sie mehr als genug Winterfell entwickeln. Sogar noch mehr wenn sie länger auf der Sommerweide (mit Unterstand) stehen und erst im November in den Offenstall zurückkommen. Beim Shettysenior muss ich dann im Frühjahr häufig eine "Lüftungsschur" an Hals und Gurtlage machen, damit ihm nicht zu warm wird. Grundsätzlich habe ich aber für jedes eine Abschwitzdecke.
    Den Vorschlag, nicht so intensiv zu reiten, finde ich zwar nett – aber je nach Pferd und Gegebenheiten ist das schwierig. Gerade bei Kälte entwickeln Pferde echte Lauflaune im Gelände, meine Stute bekommt dann richtig Freude am vorwärts oder wird schreckhafter wenn die Tage kürzer werden und regt sich dann schnell auf und kommt mit ihrem Plüschfell ordentlich ins schwitzen. Sie bekommt nach dem Reiten dann immer für 5 bis 15 Minuten eine Abschwitzdecke drauf. Ich striegele sie danach aber nicht (nie nach dem Reiten), u.a. weil sie sich danach immer ausgiebig wälzt und ich ihr dazu auch Gelegenheit auf Gras und Schlamm lasse – sie sieht dann aus wie ein Erdhörnchen und das nächste Putzen fällt dann größer aus, aber eine bessere Fellpflege gibts nicht ;)
    Nach sehr starkem schwitzen tausche ich die Decke nach 10 Minuten aus und es kommt die nächste drauf. Ganz stolz bin ich auch nach erstem Einsatz gestern auf meine neueste Decke, endlich mit Halsteil, sie wirkte echt zufrieden mit und hat geduldiger als sonst gewartet bis zum abnehmen und wälzen. Sieht zwar etwas albern aus, so ein nahezu verhülltes Pferd, aber wenn es hilft…. und für die superfiesen Mücken-Sommer-Tage benutzen wir eine Full-Fliegendecke (sieht aus wie Ritterpferd) zum Reiten.
    Obwohl ich früher auch schon das ein oder andere Mal gedacht habe: zieh ihr eine Decke auf wenn sie direkt vorm Reiten noch eine Stunde auf die Weide kommt, sie findet sicher das Schlammloch. Das war bei ihr glücklicherweise nur eine Phase, dann heißt es eben putzen nur so dass nix drückt (bei nassem/schlammigen Fell ist ok) und nicht so lang reiten und die Blicke im Dorf auf das augenscheinlich dreckige Pferd mit Fassung tragen sowie Satteldecke und Gurt hinterher waschen – Hauptsache das Pony ist glücklich und gesund. LG

    1. Hallo liebe Kati, da hast du so Recht :-) Ich stimme dir in allem 100% zu. Was ich mit "nicht so intensiv Reiten" meinte, ist genau das, was du machst. Aber viele wollen ihr "Turnierpferd" oder "Reitpferd" im Winter exakt so intensiv trainieren wie im Sommer. Was okay ist, wenn wir dann mehr Zeit zum Aufwärmen und Abschwitzen davor und danach einplanen. Aus Bequemlichkeit stattdessen die Decke zu nehmen, halte ich für falsch – aber das meinst du ja auch nicht :-) Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Liebe Petra,
    ich denke meine drei Ponys nicht ein und sehe das Thema auch kritisch. Wenn wir hier eingreifen, dann müssen wir das mit voller Konsequenz tun und dafür sorgen, dass unser Pferd weder schwitzt noch friert mit der Decke. Das bedeutet aber auch, dass es passieren kann, dass ich mehrfach täglich die Decke wechseln muss je nachdem wie warm oder kalt es draußen ist. Die meisten Pferde brauchen diese Decken auch einfach nicht. Wenn sie die Möglichkeit haben sich zu bewegen (damit meine ich nicht einen 3 qm Einzelpaddock), sie einen trockenen zugfreien Unterstand haben und die gesund sind, brauchen in den allermeisten Fällen keine Decke. Hier ist es in der Regel die Bequemlichkeit der Besitzer, die die Decken erfordert. Das Pferd muss zu lange aufgewärmt werden und brauch nach dem Training zu lange um wieder trocken zu sein.
    Wir haben unser Ponymädchen eingedeckt als sie so krank geworden ist. Sie wurde ja leider immer dünner und dünner und hatte irgendwann dann auch Probleme mit der Thermoregulation. Sie konnte diese nicht mehr leisten und fing an zu frieren. Also haben wir sie natürlich eingedeckt. Allerdings haben wir hier mehrfach die Decke gewechselt, je nach Außentemperatur. Ich kann nicht eine dicke gefütterte Decke den ganzen Tag auf dem Pferd lassen. Die mag nachts, wenn es richtig kalt ist, in Ordnung sein. Aber wenn die Außentemperatur steigt, und das tut sie in der Regel auch im Winter über den Tag, dann muss die Decke dünner werden. Es ist kein gutes Zeichen, wenn das Pferd schön warm ist unter der Decke. Ein Pferd ist im Winter nicht so richtig warm, wenn ich es anfasse. Meine Ponys haben teilweise richtig Raureif an den Fellspitzen im Winter. Sie frieren dann aber nicht.
    Liebe Grüße
    Miriam

    1. Hallo liebe Miriam, du hast so Recht – mit allem. Ähnlich steht es ja auch im Artikel – ich persönlich finde es auch schwierig. Denn – wie du schon schreibst – wie sollen wir über den Tag verteilt ständig umdecken können? Dank Igel-Effekt können die Pferde Kälte ja sehr gut kompensieren. Ganz liebe Grüße und alles Liebe an die Ponybande – wie immer, Petra

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