Artikel aktualisiert am 02.06.2019

Macht dein Pferd manchmal bei dir nicht was du willst, aber bei anderen schon? Fragst du dich immer mal wieder, ob dein Pferd dich nicht richtig versteht? Klappen eure Trainingssessions mal besser und mal schlechter? Ganz viel von euren Erfolgen liegt in dir und in deiner Einstellung. Im Interview erklärt dir die Expertin, wie du mit einfachen Tricks und zwei Übungen dein Mindset grundsätzlich optimieren kannst und so eine feinere und besser Kommunikation mit deinem Pferd bekommst. 

Persönlichkeitsentwicklung mit Pferden

Dana Santana ist Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Pferdetrainerin. Das ist auf jeden Fall eine ziemlich perfekte Kombination, weil Pferde starke Persönlichkeiten lieben.

Im Interview geht es um Persönlichkeitsentwicklung, das richtige Mindset und wie du mehr Achtsamkeit, Tipps und Erkenntnisse von Dana in deinen Pferdealltag mitnehmen kannst. Damit du eine noch entspanntere Zeit mit deinem Pferd haben und auch du selbst entspannter, zufriedener und glücklicher werden kannst. Das hilft dir, das hilft deinem Pferd und dabei kann auch dein Pferd dir helfen.

Du kannst übrigens auf ihrer Website HIER mehr über sie erfahren

Einfache Tipps um ein besserer Pferdemensch zu werden

Interview über Pferde, Persönlichkeit und das richtige Mindset – für eine tiefere und schönere Verbindung zum Pferd – mit Pferdetrainerin und Persönlichkeitscoach Dana Santana

Pferdeflüsterei: Bevor wir zum Wesentlichen kommen, nämlich zu den Pferden, erstmal eine ganz kurze Frage. Heißt Du wirklich so, Dana Santana? Das klingt wie ein Künstlername.

Dana: Ja, ich heiße tatsächlich Julia Santana Natalie Dana. Also ich habe sozusagen nur die Hälfte angeben. Meine Eltern waren sehr großzügig, was die Vornamen angeht. Ich finde es klingt einfach gut und man kann es sich gut merken. 

Eigene Erfahrungen: Von der FN-Reiterin zur Pferdefrau mit Gefühl und inneren Bildern

Pferdeflüsterei: Das stimmt absolut :-) Kommen wir zu den Pferden. Dein ganz großes Thema ist Persönlichkeitsentwicklung mit Menschen. Aber ich nehme mal an, dass das sehr stark auch auf deine Pferdearbeit überschwappt. Wie sehr hast du dich denn durch deine Pferde entwickelt?

Dana: Oh, krass! Also ich habe meine erste Stute mit 19 gekauft. Ich habe mich damals stark geprüft, ob das der richtige Zeitpunkt ist. Das war gerade kurz nach der Ausbildung. Da hat man natürlich nicht so viel Geld. Aber ich wollte das immer schon und habe mir dann eine Araber-Traber Mix Stute gekauft. Und ich bin wirklich verzweifelt mit diesem Pferd.

Pferdeflüsterei: Was war mit diesem Pferd?

Dana: Mit dem Pferd war alles in Ordnung, aber mit mir nicht. Das Pferd und ich zusammen waren eine Katastrophe. Sie hat mit wirklich auf alle Arten und Weisen gezeigt, dass sie keine Lust hat, mit mir Zeit zu verbringen. Sie ist alle paar Meter im Gelände stehengeblieben und wollte nach Hause. Sie ist nicht von der Weide gekommen. Sie wollte nicht gerne bei mir sein. Ich habe mir Unterricht gesucht, aber die Leute konnten sie auch nicht besser reiten. Sie war tatsächlich auch nicht ganz so einfach und ich war furchtbar ungeduldig. Ich habe mich echt bemüht, also nach dem, was ich damals dachte, was „Bemühungen“ ist. Ich war total verzweifelt und frustriert. Und habe dann irgendwie gedacht, “na, das Pferd ist einfach dumm”

Pferdeflüsterei: Der Klassiker… „Der Gaul verarscht Dich“…

B: Ja, es war echt schade. Ich war verzweifelt. Ich war aber auch gemein. Ich war wütend. Ich war hilflos. Ich habe das ganze Programm durch, was man so haben kann, wenn man nicht gut mit seinem Pferd klarkommt. Ich habe aber dann tatsächlich ein Erlebnis mit ihr gehabt, bei dem ich das erste Mal das Gefühl hatte, dass wir auf einer Ebene sind. Da stand ich im Wasser mit ihr und sie hat mit dem Vorderbein geschlagen. Ich hatte ihr schon so lange versucht, den spanischen Schritt beizubringen. Und habe dann das Kommando dazu gegeben und mich sehr gefreut. Das war unser Durchbruch. Sie hat alles für mich gemacht. Das war richtig, richtig toll. Aber das hat bei mir echt gedauert, bis ich verstanden hab, was es von mir braucht.

Pferde lieben starke Persönlichkeiten

Pferdeflüsterei: Man braucht diese Pferde, die mit einem reden, die nicht aufgeben und die eine Meinung haben. Sie zeigen einem dann, dass man etwas anders machen muss.

B: Ja, das ist es. Vor 20 Jahren, erinnere ich mich noch, als ich dann tatsächlich ein bisschen mehr Horsemanship gemacht habe, bin ich richtig wütend geworden, wenn sie nein gesagt hat. Dann irgendwann, nach ein paar Jahren, als ich angefangen habe von der Technik zum Gefühl zu gehen, waren das die besten Momente, wenn sie nein gesagt hat. Auch heute noch…das sind das eigentlich die besten Momente für mich, wenn mein Pferd anderer Meinung ist.

Weil ich dann denke: „Okay, gut. Dann gucken wir mal, was du denn für einen Vorschlag hast? Was willst Du denn machen?“ Und wenn es nicht gerade das Stehen auf der vierspurigen Straße ist, bin ich auch ziemlich offen für Vorschläge. Also ich finde schon wichtig, dass man eine gewisse Klarheit hat und auch gewisse Spielregeln und Grundvoraussetzungen. Aber wenn die stimmen bin ich offen für die Vorschläge des Pferdes.

Pferdeflüsterei: Von der wütenden, hilflosen FN-Reiterin zu einer persönlichkeitsentwickelnden Pferdefrau?

B: Ja, genau.

Pferdeflüsterei: Das zeigt wieder etwas, woran ich ganz, ganz fest glaube. Dass die Pferde uns ein unglaublich großes Geschenk machen können. Ich schreibe das auch immer wieder auf der Pferdeflüsterei. Es ist ihre Fähigkeit, aus uns den besten Menschen zu machen, der wir eigentlich sein können.

B: Ja, absolut. Ich hatte einmal so einen schönen Moment mit meinen Pferden, den ich sehr wertvoll finde als Erfahrung und von dem ich auch immer in meinen Seminaren erzähle. Ich war mit meinen Pferden im Gelände und ich bin auf einer Wiese zurückgeritten. Der Offenstall war sozusagen auf der rechten Seite, links war eine Autobahn. Man musste schon aufpassen und deshalb hatte ich auch das Gefühl, dass ich jetzt tatsächlich auch die Situation händeln muss. Meine Pferde haben aber vorgeschlagen, dass wir galoppieren. Ich bin meine Stute geritten, nur mit Fellsattel und ohne Bügel natürlich. Und das wurde mir alles ein bisschen zu schnell. Ich habe dann versucht, sie zu verlangsamen. Aber sie und mein Wallach, fanden die Idee lustig, dass wir jetzt einfach mal richtig schnell galoppieren.

Pferdeflüsterei: Du fandest die Idee aber nicht so lustig?

B: Ich habe gesehen, dass es nur noch so 500 Meter waren, bevor es um die Ecke geht, und zwar eine richtig scharfe 90 Grad Kurve zum Stall. Und ich habe da wirklich gekämpft. Verzweifelt gekämpft und versucht, eines der Pferde langsamer zu bekommen. Aber keines hat reagiert. Ich war emotional wirklich verzweifelt. Aber dann ist etwas spannendes passiert.  Dann wurde ich so ein bisschen bockig, aber in diesem Bockig-sein liegt auch ein Loslassen. Dann habe ich die Zügel tatsächlich äußerlich und auch innerlich, also meinen Wunsch nach Kontrolle über die Situation, losgelassen. Und ich habe gedacht – und ich glaube das ist so eine Angst, die jeder Reiter kennt – jetzt passiert bestimmt etwas ganz Schlimmes. 

Pferdeflüsterei: Und? Was ist passiert?

Ich habe die Zügel losgelassen und ich habe innerlich losgelassen. Ich bin einfach nur auf dem Pferd geblieben. Meine Pferde sind weitergaloppiert in einem sehr schnellen Galopp. Und als ich mich darauf einlassen konnte, war das so ein ganz wertvoller, kostbarer Moment für uns alle. Es war so wie „in der Herde sein”. Miteinander sein. Das war so ein Gefühl von getragen sein. Alles ist sicher, es gibt überhaupt gar nicht die Frage, ob hier irgendwer irgendwas machen muss, weil alle aufeinander aufpassen. Alles ist gut. 

Meine Pferde sind diese 500 Meter relativ schnell weitergaloppiert, aber sie sind von sich aus dann kurz vor der Kurve langsamer geworden und dann im Schritt zurück zum Stall gegangen. Es ist einfach wichtig auch mal loszulassen, weil da ganz, ganz, ganz tolle Erfahrungen drinstecken können. Pferde denken oft so gut mit. 

Wie du mehr Vertrauen mit mehr „Loslassen“ bekommst

Pferdeflüsterei: Wir wollen ja auch, dass sie uns vertrauen. Und dann fällt es uns so wahnsinnig schwer, ihnen zu vertrauen. Aber Ängste tragen wir mit uns wie schweres Gepäck und es ist gar nicht leicht sie loszuwerden. Gerade im Umgang mit Pferden passieren immer wieder unvorhergesehene Situationen. 

B: Ja, das ist wirklich so. Aber es ist eben auch so, dass vieles dann doch funktioniert, wenn wir lernen loszulassen. Gerade die Situation, die ich dir gerade beschrieben habe, war ein für mich ganz bewegendes Erlebnis. Seitdem strebe ich wirklich danach und wünsche es mir für jeden Schüler, dass er einfach loslassen kann. Weil ich einfach gemerkt habe: je mehr ich loslasse, also sowohl beim Reiten und beim Sitzen, als auch innerlich, je mehr tolle Momente hat man mit den Pferden.

Pferdeflüsterei: In der Pferdewelt ist es ein bisschen so, dass einem von klein auf erzählt wird: Wenn du dein Pferd nicht immer unter Kontrolle hast, dann wird dein Pferd sich gegen dich wenden. Das ist auch so ein Gedanke, der immer noch so ein bisschen im Hinterkopf steckt, dass wir denken, wir müssen immer Kontrolle haben über die Pferde. Und wenn wir sie nicht immer kontrollieren, dann gerät das ganz schnell außer Kontrolle. Das ist so ein falscher Glaubenssatz, finde ich.

B: Also ich beobachte zwei Extreme. Einmal die, die eben tatsächlich alles absolut Kontrolle  haben wollen. Und die auch dann so reiten, dass sie absolute Kontrolle haben. Mit viel Equipment, scharfen Gebissen und so weiter. Und dann gibt es auch die anderen, so gar nicht in die Kontrolle geht. Damit meine ich dem Pferd auch eine Sicherheit zu geben, sondern die dann einfach irgendwie mitgehen und hoffen, dass es gut geht. Die aber auch oft Angst haben vor ihrem Pferd und unsicher sind. 

Das ist natürlich ein ganz anderes Extrem, das für ein Pferd auch nicht angenehm ist. Das sind häufig Reiter, die es nicht besser wissen und die überhaupt erstmal für sich lernen müssen sicher zu sein. Das ist ja auch ein Lebensthema. Die Balance aus beidem ist wichtig. 

Ich sage mal, wenn ich an einer Straße anhalten will, dann bin ich sicherlich auch eher der alte Typ, der sagt, so jetzt hier sofort stehen. Da kann auch sofort ein Auto kommen. Ich finde, da muss das funktionieren. Wenn ich aber im Wald unterwegs bin, dann kann ich mir auch einfach mal erlauben, dass mein Pferd an einer längeren Leine ein bisschen durch die Gegend guckt, eigene Wege findet und da muss ich auch nicht so extrem aufmerksam sein.

Pferdeflüsterei: Und wenn wir entspannen, beziehungsweise, wenn wir verspannen, dann denkt das Pferd, wenn es sich zumindest einigermaßen an uns orientiert, weil irgendeine Form von Bindung oder Vertrauensverhältnis besteht: “Oh, mein Mensch, der hat was. Jetzt muss ich mich auch anspannen.“ Dann entsteht so ein merkwürdiger Teufelskreis. Wenn man dann noch mehr versuchen würde, das Pferd zu regulieren, dann spürt es die Anspannung, die dahintersteckt und möchte sich immer weniger regulieren lassen. Ähnlich wie dein Galopp wahrscheinlich, wo die Pferde sich gedacht haben, was stresst sie denn da oben so? Ist da wirklich was? 

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Jeder kann ein Pferdeführungsmensch werden

B: Ja, du hast recht. Und das ist eben auch das, weshalb ich meine Coachingausbildung so gerne mit dem Pferdetraining kombiniere. Weil, dieses Potenzial sicher zu sein, das ist in jedem drin. Ich glaube wirklich daran, dass jeder das Potenzial hat, ein guter Pferdeführungsmensch zu sein.

Es ist so wichtig sich zu fragen – auch beim Reiten – was denke ich eigentlich? Denke ich, dass ich das kann? Oder glaube ich eigentlich daran, dass ich das kann? Fühle ich mich überhaupt sicher? Zum Beispiel, wenn es um das Angaloppieren geht… Da kenne ich ganz viele, die vor diesem Moment vorm Angaloppieren Angst haben oder unsicher sind. Es kann dann aber auch sein, dass zum Beispiel ein Galopp nicht klappt, weil eben der Reiter sich einfach tief drinnen nicht sicher ist, ob er das wirklich kann oder will.

Pferdeflüsterei: Ja, das spüren die Pferde. Sie spüren dieses Zögern. Und sei es unsere Mikromuskelbewegung, die durch dieses Zögern ausgelöst wird.

B: Ja, genau. Oder man ist eben so verkrampft, dass die Pferde gar nicht können. Für einen Galopp erfordert es eben auch, dass du im Grunde dich wirklich nach hinten außen setzt, damit die Hinterhand eben wirklich schön durchspringen kann. Das kannst du als Pferd aber nicht, wenn sich da jemand festklammert und nach vorne fällt. Dann belastest du einfach die Vorderhand und dann geht der Galopp nicht richtig. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es im Unterricht oft hilft, wenn ich meine Schüler frage: „Was denkst du eigentlich jetzt im Moment?“ Ganz häufig findet da dann gerade im Kopf ein „Nein“ statt. 

Pferdeflüsterei: Hast du Tipps um direkt entspannt und fein ohne „Nein“ im Kopf ins Pferdetraining zu starten?

Ich stelle mir immer vor dem Training bildlich die Aufgaben vor und wie sie wunderschön klappen. Zum Beispiel morgens im Bett oder auf der Fahrt zum Stall. Dann – wenn ich beim Pferd bin – gehe ich in Kontakt mit dem Pferd und sage einfach „Du, ich möchte mit dir heute ein leichtes Training hier auf dem Platz machen. Mir ist ganz wichtig, dass wir heute zum Beispiel an der seitlichen Biegung arbeiten. Und wenn du das gut machst, und ich weiß, dass du das gut machst, weil du immer gut mitarbeitest, dann kriegst du auch einen Keks hinterher. Und dann bringe ich dich wieder zu deinen Freunden. Dann hast du einen richtig tollen Tag heute.” Dann machen die Pferde auch gerne mit. Sie sind dann super motiviert. 

Pferdeflüsterei: Ich wäre auch motiviert, wenn ich dein Pferd wäre, wenn du so mit mir sprichst :-)

B: Ich finde das total wichtig. Man muss sich vorstellen: die Pferde sind uns ausgeliefert. Ich meine, die wissen letzten Endes nicht, ob du vielleicht vier Stunden auf dem Platz schrubben willst. Gerade die Grundfrage, die Pferde ja zurecht immer wieder stellen ist, warum sollte ich das für dich tun? Diese Frage muss uns eigentlich immer präsent sein und wir müssen sie permanent beantworten. Sie kann nur beantwortet werden über Motivation und Spaß. Über eine tolle Zeit, über ein tolles Miteinander mit den Menschen. Dann hast du auch ein Pferd, dass wirklich gerne zu dir kommt und das sagt, geil, die ist wieder da. Das ist richtig toll. Mal gucken, was wir heute machen.

Pferdeflüsterei: Das ist ja das, was wir alle wollen. Ein Pferd, das wirklich gerne mit uns arbeitet. Ganz lieben Dank an dich, Dana, für das spannende Gespräch.

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