Stell dir vor dein Pferd steht einfach nur herum, läuft ein bisschen Schritt und Trab am lockeren Zügel und verbessert dabei seine Sicherheit im Gelände, seinen Schwung, seine Hinterhandaktivität und seine Losgelassenheit. Kein Mühsames Gymnastizieren, kein schweißtreibendes Training, keine anstrengenden Dressurdrills – einfach nur laufen und schon kommt mehr Schwung und Losgelassenheit ins Pferd? Das können die Körperbänder für dein Pferd erreichen. Wie genau erfährst du hier im Artikel.

Pferdetraining mit Körperbändern

Pferde wissen manchmal selbst nicht wo sich welcher ihrer Körperteile genau befindet. Das klingt unglaublich, ist aber so. Deswegen haben viele Pferde auch Probleme mit dem Hufe geben, der Balance, dem Untertreten, schwungvollem Laufen und der aktiven Hinterhand oder auch dem individuellen Abstand zu anderen Pferden. Sie wissen schlicht nicht 100% wo sich gerade welcher Körperteil befindet und haben deswegen das eine oder andere Problem.

Das alles kannst du ganz einfach mit den Körperbändern ändern und so deinem Pferd dabei helfen gelassener zu werden, verträglicher, besser balanciert, schwungvoller und losgelassener. Denn die Körperbänder sind keine Gymnastikbänder für die Tiefenmuskulatur, sondern Bänder die deinem Pferd im Training und in der Bewegung dabei helfen sollen seine einzelnen Körperteile besser zu spüren und in Verbindung zueinander zu bringen.

Anke Recktenwald Balance Pads Körperbänder Tellington

Körperbänder – ein Erfahrungsbericht

Ich selbst konnte zusehen, wie ein Trainingspferd zum ersten Mal mit den Körperbändern gearbeitet wurde. Es handelte sich dabei um ein junges Pferd, das gerade erst angeritten wurde. Eine Quarterstute, die die Körperbänder überhaupt nicht kannte. Es bekam erst Bänder für den Kopf, dann für die Hinterhand und Vorhand-Verbindung. Das Pferd stand anfangs unsicherer da und hatte seine Augen und Ohren mehr bei der Umgebung als bei der Trainerin. Die Beine standen nicht besonders gleichmäßig und geschlossen im stehenden Zustand und es wirkte auch etwas schief.

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Dann legte Anke Recktenwald erst die Körperbänder am Kopf des Pferdes an und ließ es einfach nur in sich hinein spüren, wie sich das anfühlt. Das Pferd begann sichtlich zu entspannen und irgendwann auch abzukauen. Nachdem Anke die Bänder wieder entfernt hatte, gähnte es ausgiebig und strecke sich in alle Richtungen.

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Dann legte Anke Recktenwald die Körperbänder quer verknotet über Vorhand und Hinterhand des Pferdes. Wie viele junge Pferde und auch Quarter Horses hat die Stute Probleme beim Untertreten und muss erst noch lernen ihre Hinterhand aktiv unter den Schwerpunkt zu treten, wenn sie einen Reiter trägt oder auch einfach nur am Boden läuft.

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Nach dem kurzen Training mit den Körperbändern fing die Stute an aufrechter zu stehen, die Vorhand und vor allem die Schulter zu heben und leicht zu lösen und mit der Hinterhand aktiver zu laufen. Es waren nur Nuancen, aber das ist aus meiner Sicht nach nur einem Training schon unglaublich viel.

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Weil ich die Arbeit so beindruckend fand und glaube, dass die Körperbänder auch ganz viel für dich und dein Pferd tun können, habe ich Anke Recktenwald gebeten sie mir in einem ausführlichen Interview genauer zu erklären.

INFO: Anke Recktenwald ist auch Speaker bei #pfernetzt2019 und erklärt dir dort in ihrem Vortrag über Körperbänder, wie du zu einem schwungvolleren und losgelassenen Pferd mit aktiver Hinterhand ganz einfach durch das Training mit den Körperbändern kommen kannst.

PFERNETZT ist DAS Event für Pferdemenschen. Er findet auch 2019 wieder auf der Fohlenweide in Fulda statt – vom 25.-26. Mai. Dort dreht sich 2 Tage lang alles um pferdefreundliches Training, Vertrauen, Bindung, Motivation und gesunde natürliche Pferdehaltung. Von der artgerechten Fütterung, über Facts zu Pferdeanatomie und Stoffwechsel bis zu gesunderhaltendem und feinem Training für dein Pferd. Knapp 20 Trainer teilen dort ihr Wissen in vielen vielen Fachvorträgen mit dir.

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Hier kannst du dir ein Video vom letzten Event anschauen:

Interview mit Anke Recktenwald über die Arbeit mit Körperbändern und wie du sie für mehr Schwung und Losgelassenheit bei deinem Pferd einsetzen kannst

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Pferdeflüsterei.de: Ein Teil der Körperarbeit nach Linda Tellington-Jones sind die Körperbänder. Über die wollen wir jetzt reden. Sie werden irgendwie mit einem bestimmten System um das Pferd gewickelt. Auch wenn das im ersten Moment total skurril aussieht. Was genau können diese Körperbänder für das Pferd und den Pferdekörper tun?

Anke Recktenwald: Ja genau, die werden mit einem bestimmten System an den Körper gewickelt. Die Körperbänder sind eine ziemlich interessante Sache. Sie geben dem Körper ein Gefühl dafür, wo er ist. Nicht nur im Raum, sondern auch zueinander. Wenn ich Kursteilnehmern zum Beispiel frage: Welchen Abstand haben denn deine Schulterblätter voneinander – sagen die meisten Leute dann, Schulterblätter?

Pferdeflüsterei.de: (lacht) Abstand? Wie viel, ungefähr?

Anke Recktenwald: Jeder weiß, dass er Schulterblätter hat, aber man nimmt sie nicht wahr. Wenn ich meine Hand aber auf deine Schulterblätter lege, dann fühlst du sie und du fühlst auch, welchen Abstand sie zueinander haben. Diese Hand hilft, zu spüren, wo bin ich überhaupt und wie richte ich mich aus. Und ganz oft, wenn jemand die Hände an unser Becken legt oder an die Rippen, fangen wir an, tiefer zu atmen. Was man festhält, wird einem gewahr. Und das ist so ein bisschen die Idee der Körperbandagen. Wenn ich die jetzt bei einem Pferd um den Brustkorb oder um den Bauch lege, fangen die meisten Pferde an tiefer zu atmen. Das Band hilft ihnen einfach, sich zu erinnern oder zu spüren. Deswegen sind diese Bänder auch ganz locker. Also gerade so fest, dass sie nicht rutschen.

Pferdeflüsterei.de: Wollte ich nämlich als nächstes fragen. Man denkt im ersten Moment sofort an Gymnastikbänder und die sind ja eigentlich dazu da, um Muskelarbeit zu leisten…

Anke Recktenwald: Genau. Wenn ich ein Theraband zum Beispiel nehme, dann muss ich ja aktiv dagegen drücken. Das heißt, ich trainiere auch nur eine Sorte Muskeln in die eine Richtung. Wenn ich das Band wegnehme, habe ich einen anderen Effekt. Also, es geschieht etwas anderes danach. Aber wenn ich die Körperbänder wegnehme, habe ich erstmal einfach ein Gefühl im Körper. Ich empfehle jedem, der Körperbänder beim Pferd anwendet, sie an sich selbst auch mal anzuwenden, weil man dann erfährt, wie sie wirken und was das bedeutet. Es geht vor allem um das Gleichgewicht. Also, der Körper findet seine Mitte dadurch. Die Bänder, die zum Beispiel um Vorhand und Hinterhand liegen, helfen dem Körper, das Zusammenspiel von Vorhand und Hinterhand wieder zu entdecken. Und dadurch wölbt sich auch der Rücken besser auf. Dadurch entsteht mehr Rückentätigkeit und die Gelenke laufen freier.

Wie trainiere ich richtig mit den Körperbändern

Pferdeflüsterei.de: Es gibt ja auch diese festen Hinterhandbänder, die viele verwenden. Die am Sattel festgemacht werden. Aber da geht es um einen ganz anderen Effekt, nehme ich an?

Anke Recktenwald: Es kommt darauf an, welche Form von Band man verwendet und wo. Wenn wir die Körperbänder hinten um die Hinterhand machen, dann ist das eine Handbreit unter dem Sitzbeinhöcker. Weil ich wirklich die Verbindung zum Becken will. Ich will das Becken ins Gespür bringen. Manche Becken von Pferden gehen nach rechts und links, manche rauf und runter. Aber eigentlich will ich ja eine Kippbewegung, die den Rücken aufwölbt.

Wenn das halt irgendwie verstellt ist merkt das Pferd das oft gar nicht, weil es zu einer Gewohnheit geworden ist. Wenn ich aber das Band darum mache, orientiert sich das Becken neu im Verhältnis zur Wirbelsäule und kann dadurch in diese Kippbewegung kommen und den Rücken aufwölben. Jetzt sieht das ja eben so aus, als würde das drücken, was es überhaupt nicht tut. Weil ich will ja, dass das Becken in beide Richtungen kippt, nicht nur in eine.

Wenn ich wirklich Raumgriff haben möchte in einer Bewegung, dann muss das eine Bein auch rausdürfen, während das andere untertritt. Und wenn ich das Band zu straff mache, dann drücke ich nicht einfach nur das eine Bein unter den Schwerpunkt, sondern ich verhindere, dass das andere Abtreten kann.

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Pferdeflüsterei.de:  Das ist ja im Grunde so eine Art Ausbinder – nur eben hinten.

Anke Recktenwald: Im Prinzip, genau. Sehr guter Vergleich.

Pferdeflüsterei.de: Also letztlich kann man zusammengefasst sagen, die Körperbänder sind kein Muskeltraining, sondern Körpergefühl?

Anke Recktenwald: Genau. Das ist eben so ein bisschen das Schöne, was ich an der Tellington-Arbeit sehr schätze. Wir gehen nie dagegen, wir gehen mit. Also wir machen Dinge, die etwas fördern, aber wir machen eigentlich nichts, das irgendetwas an Bewegung verhindert. Wir fördern die gute Bewegung, aber wir verhindern keine.

Pferdeflüsterei.de: Also kann ich eigentlich auch nicht viel falsch machen damit?

Anke Recktenwald: Man kann die Bänder im Grunde nur zu fest und zu tief binden. Ansonsten kann man tatsächlich nicht viel falsch machen. Nur Anziehen sollte man sie vorsichtig, wenn das Pferd noch nie was um die Hinterhand hatte.

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Pferdeflüsterei.de: Und ansonsten kann ich die ja nicht nur um die Hinterhand machen. Ich kann die um den Kopf machen, ich kann sie um den Hals machen, ich kann sie um die Nase machen. Kann ich sie also um jedes Körperteil machen?

Anke Recktenwald: Man kann sie um jedes Körperteil machen. Durchaus. Also, wir haben auch Bandagen, die an den Beinen runtergehen. Mit denen muss man so ein bisschen besser aufpassen, weil natürlich das Pferde schon mal verunsichert. Und man muss auch immer gucken, wie man sie wickelt. Dann kann es schon sehr helfen, die Beine in die Wahrnehmung zu bekommen, die Beugung zu verstärken, Stellung korrigieren und so was.

Auch Kopf und Hals kann man superschön mit Bandagen in die Wahrnehmung bringen. Die  Pferde können ihr Genick lösen und ihr Kiefergelenk. Da passiert ganz viel. Sie lernen die Halsbasis loszulassen. In den Bereichen Beine, Hals und Kopf sind viele Nervenbahnen. Da ist viel Input drin für das Pferd. Es bekommt viel Information über die Bandage und ist damit auch oft gut beschäftigt.

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Wie lange trainiert man mit den Körperbändern

Pferdeflüsterei.de: Wie lange trainiere ich denn dann mit den Körperbändern?

Anke Recktenwald: Das sagen dir die Pferde. Also bei den Beinen ist es zum Beispiel einfach so, dass ich gucke und wenn ich merke, dass das Pferd zögerlicher wird, höre ich auf. Irgendwie werden sie unwilliger in irgendeinem Bereich. Dann sagen sie mir: Mir wird es jetzt zu viel. Und dann ziehe ich sie aus. Beim Kopf ist es tatsächlich so, dass die Pferde dann manchmal anfangen den Kopf zu bewegen und schubbern irgendwie und kommen immer wieder und sagen, so jetzt könnte es dann ab.

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Pferdeflüsterei.de:  Kann eine Minute sein, kann eine halbe Stunde sein?

Anke Recktenwald: Tatsächlich, ja.

Pferdeflüsterei.de: Also auch ganz genau hinhören, immer hingucken, Mimik beobachten…

Anke Recktenwald: Das ist immer so meine Hauptanweisung. Das Pferd darf entscheiden. Und bei den Kopf- und Beingeschichten würde ich grob sagen, wenn man jetzt nicht so sicher ist mit dem was man sieht, nicht länger als 10 bis 15 Minuten normalerweise. Und bei den Körperbandagen wie Bauch, Brust oder Hinterhand, kann man ruhig eine Stunde machen.

 

Die richtigen Körperbänder – welche nehmen und wie starten

Pferdeflüsterei.de: Wenn ich jetzt loslegen will, wo bekomme ich die richtigen Körperbänder her?

Anke Recktenwald: Mittlerweile kann ich sagen, dass es die besten Körperbänder im Tellington Shop gibt. Die werden extra für uns hergestellt. Früher konnte man sehr gut diese Pferdebandagen verwenden, die es so gab. Mittlerweile werden die aber immer härter. Da ist immer mehr Gummi drin, das ist gar nicht mehr wirklich angenehm.

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Pferdeflüsterei.de: Und wenn ich dann loslegen will, gibt es bestimmte erste Schnürungen für den Einstieg? Oder ist es wirklich völlig abhängig vom Pferd und ich hole mir besser einen Lehrer und gehe mit dem die ersten Male an?

Anke Recktenwald: Ich würde mir zumindest ein bisschen was angucken oder anlesen. Ich sage jetzt mal so, die Bandage um den Bauch ist im Allgemeinen keine große Nummer. Also Pferde sind gewohnt, gegurtet zu werden. Und die Bandage um den Bauch liegt eine Handbreit weiter hinten. Damit hat normalerweise kein Pferd ein Problem. Das kann ich einfach so auflegen. Ich lege eine, wenn ich keinen Sattel habe, um den Hals und eine um den Bauch. Sonst rutscht sie nach hinten und kommt in die Genitalien. Und das mögen die Pferde dann nicht immer. Wenn ich mit Sattel trainiere, dann kann ich sie einfach über den Sattel laufen lassen. Oder beim Englischsattel in dieses Lederriemchen, wo man das Ende vom Steigbügel reinsteckt.

Die Bauchbinde ist super für die Atmung und alles, was die Atmung vertieft hilft dem restlichen Körper. Viele Pferde fangen dann an, über den Rücken zu gehen.

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Pferdeflüsterei.de:  Weil sie dann atmen?

Anke Recktenwald: Genau. Weil Rückenmuskel und Bauchmuskel hängen ja zusammen. Und ein Pferd das nicht atmet, hält die Bauchmuskeln fest und kann auch nicht im Rücken schwingen.

Pferdeflüsterei.de: Kann also auch vielleicht ein gutes Training beim Thema Gurtzwang sein?

Anke Recktenwald: Absolut. Oder du nimmst im Grunde den Tellington Touch „Bauchheber“. Das kennt man von Koliken, wo man den Bauch mit dem Handtuch anhebt, hält und wieder loslässt. Das gleiche kann ich mit dem Gurt machen, bevor ich angurte. Das mache ich bei Pferden, die da empfindlich sind. Und ich kann das mit der Bandage auch noch vorher machen, um dem Pferd einfach das Gefühl zu geben, da kommt was und du kannst Weiteratmen.

Pferdeflüsterei.de: Gibt es denn da noch weitere Sachen, wo Du sagst, da sind Körperbänder einfach super? Da helfen so die kleine Liste der Körperbänder-Highlights?

Anke Recktenwald: Also grundsätzlich ist natürlich diese Vorhand und Hinterhand-Thema eines. Die Bänder helfen den Pferden unterzutreten. Gerade bei jungen Pferden. Ich reite kein Pferd an ohne Körperbandagen. Die helfen denen so sehr ihre Mitte zu finden und sie sind viel stabiler. Gerade auch Pferde, die lang und schlank sind. Ich sage immer, die haben so eine Einzelradaufhängung. Als wüssten die vier Teile nicht, wo sie sind. Und die Bandage hilft den Pferden, das zu finden. Das ist natürlich auch bei erwachsenen Pferden noch so.

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Da gibt es auch Pferde, wo Vorder- und Hinterhand einfach noch nicht wissen, wie sie zusammengehören. Da hilft das sehr. Es gibt ihnen aber auch Sicherheit. Also das ist auch wirklich ein Thema bei Pferden, die andere nicht so gerne an sich ranlassen. Die schon fauchen, wenn der andere noch 20 Meter weg ist. Die wissen oft nicht, wie lang sie sind. Und das hilft ihnen sehr, auch sicherer zu sein.

Pferdeflüsterei.de: Weil sie endlich mal wissen wo der Popo ist.

Anke Recktenwald: Genau. Sie lernen den Körper zu fühlen. Und wenn sie das spüren, sind sie auch sicherer. Also, sie sind auch weniger schreckhaft zum Beispiel. Oder andere Pferde können näher kommen. Weil sie einfach viel mehr wissen, da bin ich und alles andere ist nicht mehr so unsicher. Also auch bei ängstlichen Pferden, die gerne scheuen.

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Was Körperbänder alles für dein Pferd tun können

Pferdeflüsterei.de:  Also tatsächlich Arbeit für Körper und Seele.

Anke Recktenwald: Absolut.

Pferdeflüsterei.de:  Wenn ich es lernen möchte und sage, mir ist das zu tricky, das nur über ein Buch hinzukriegen. Man kann dich auch buchen, man kann andere Tellington-Trainer buchen. Oder wie mache ich das dann am besten?

Anke Recktenwald: Also, es gibt ein Heft für Menschen, für Hunde und Pferde jeweils. Das kriegt man nur im Tellington-Shop, weil das einfach so privat von Lindas Schwester gemacht wurde. Ich habe auch dazu Webinare gemacht, die man sich angucken kann. Aber wenn man sich nicht ganz sicher fühlt, ist es wirklich empfehlenswert, sich einen Lehrer zu holen. Wenn man jetzt ein Pferd hat, das ein bisschen unsicher ist mit der Hinterhand, dass man wirklich sicher ist.

Das Pferd kann dann einfach, weil es sich komisch anfühlt, natürlich schon mal treten oder so. Und es gibt viele Menschen, die sagen, ach meinem macht das nichts, ach der ist cool. Aber dann sage ich immer, das ist egal, ich gehe an dieses Pferd genauso vorsichtig ran, wie an eines, wo jemand sagt, sei vorsichtig. Weil das ist Fairness meiner Ansicht nach.

Wenn ich das zu schnell mache und das Pferd kriegt dann plötzlich Schiss, dann habe ich das Vertrauen gebrochen. Weil ich sage den Pferden ja eigentlich, da wo ich bin musst du keine Angst haben. Wenn ich dann irgend etwas tue, wovor es erschreckt, dann habe ich mein Versprechen gebrochen. Dann bringst du dich in Gefahr und das Pferd und das Vertrauen ist gestört.

 

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Pferdeflüsterei.de: Wie bringst du da Sicherheit rein?

Anke Recktenwald: Ich baue das alles sehr sehr langsam auf. Das dauert ein paar Minuten. Aber diese fünf Minuten, die machen viel für mein Vertrauenskonto. Das Pferd lernt, es kann mir vertrauen. Ihm geschieht nichts und mir geschieht auch nichts. Weil wenn es nach der Bandage tritt und ich stehe blöd, dann hat es nicht mich geschlagen, ich stand nur dumm. Aber im Endeffekt habe ich einen blauen Fleck.

Ich bin seit 20 Jahren wirklich absolut unfallfrei mit allen Pferden. Und deswegen rate ich den Leuten schon, wenn sie dann anfangen zu experimentieren und nicht ein cooles Pferd haben, das schon in der Doppellonge lief, das ein Scheutraining gemacht hat, dann holt euch einfach einen Lehrer und lasst euch dieses eine Mal zeigen. Das macht einfach sehr viel Unterschied an Sicherheit und heil bleiben.

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So kannst du deinem Pferd die Körperbänder vertrauensvoll beibringen

Pferdeflüsterei.de: Dann für die, die das coole Pferd haben: Wie ist denn dein Aufbau, diese fünf Minuten?

Anke Recktenwald: Also erstmal lasse ich das Pferd schnuppern an der Bandage, dann streichle ich es damit. Und ich mache es oft so, dass wenn ich streichle, dass ich so eine Schlaufe raushängen lasse. Weil dann sehe ich zum Beispiel schon, ob das Pferd diese Schlaufe irritiert. Also, dieses Flattern am Körper.

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Dann gehe ich hin und lege die Bandage um den Hals. Ich habe einen Führer und stehe auf der gleichen Seite wie der, der das Pferd festhält.

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Dann lege ich sie so um den Hals, dass sie von oben kommt und verknüpfe sie dann. Und dann habe ich ja so einen Rest, den behalte ich aber in der Hand.

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Ich beobachte die ganze Zeit das Pferd, ob irgendetwas von diesen Maßnahmen in dem Pferd eine Unsicherheit auslöst. Das muss nicht panisch werden und losrennen. Es reicht ja, wenn es den Kopf hoch hebt und die Augen statisch werden.

Wenn es anfängt sich starrer oder schneller zu bewegen, dann sagt es mir schon, so ganz koscher finde ich das nicht. Und dann ändere ich etwas. Wenn es aber den Kopf entspannt hält, kaut, atmet, seinen Kopf langsam bewegt, mache ich weiter.

Oft gehe ich dann erstmal um den Bauch. Dann muss ich auf der anderen Seite vielleicht ein Stück fallen lassen. Dann kann ich schon mal gucken, irritiert das?

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Irritiert das nicht, gehe ich vorne gehe rum, knote die andere Bandage an, hole mir das Band unter den Bauch, mache es fest und lasse die Pferde ein oder zwei Schritte gehen. Dann habe ich die halbe Bandage drauf, das ist schon mal easy. Wenn ich jetzt an die Hinterhand möchte, dann verknote ich das Band auf meiner Seite, schiebe den Knoten auf die andere Seite des Widerristes. Und dann mache ich mir gleich schon das zweite Band dran, so dass ich eine Schlaufe habe, die voraussichtlich um die Hinterhand reicht. So ganz genau weiß man das nie.

Die Bandage lasse ich aber immer maximal auf der Fläche des Rückens liegen, wo der Sattel liegt. Nicht Lendenwirbelsäule, nicht Kruppe. Weil das können alles Bereiche sein, die irritieren.

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Und dann lege ich die da hin, halte sie fest. Und dann streiche ich mit meiner Hand über die Hinterhand. So, wie die Bandage liegen wird. Und hinten halte ich auch mal kurz vielleicht ein bisschen fester. So, dass das Pferd merkt, da ist was. Und ich gucke wieder. Kommt es jetzt irgendwie ins Halten, wird es unsicher oder sagt es, dass alles gut ist. Wenn es gut ist, streiche ich zwei, drei Mal mit der Hand und beim dritten Mal nehme ich einfach die Bandage mit. Da passiert gar nichts groß Neues und dann mache ich sie erstmal fest.

Pferdeflüsterei.de: Also, kleine Schritte, langsam angehen.

Anke Recktenwald: Genau! Dann gucke ich mir wieder an, ist der Schweif noch drunter. Gucke ich wieder, was ist mit dem Pferd. Achten muss man drauf, dass man auf der anderen Seite unterhalb des Beckenkamms ist. Weil sonst kann die Bandage hoch rutschen.

Und dann gehe ich meistens hin und bitte das Pferd einen Schritt rückwärts zu setzen, nicht mehr. Ich habe festgestellt, wenn das Pferd ein, zwei Schritte vorwärts geht, ist der Fluchtinstinkt größer. Wenn ich es aber einen Schritt zurück bitte, dann wackeln die Pferde schon mal hin und her und merken sie die Bandage schon. Und wenn sie dann schon unsicher werden, lasse ich sie nochmal stehen, senke den Kopf. Ist es gut, lasse ich sie nochmal ein, zwei Schritte rückwärtsgehen.

Wenn ich dann auch wieder sehe, das Pferd lässt den Kopf eher fallen, gehe ich auch vorwärts. Bei jeder Stufe, wo das Pferd mir anzeigt, dass es sich nicht sicher fühlt, helfe ich ihm erst wieder in die Sicherheit bevor ich in den nächsten Schritt gehe. Das dauert wirklich nur ein paar Minuten aber es rettet mein Leben. Und, wie gesagt, auch das der Pferde.

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Pferdeflüsterei.de: Vielen Dank für das Interview. Ich fand das sehr sehr spannend, was man alles mit den Körperbändern, Körperbandagen erreichen kann. Das kann man sich gar nicht so recht vorstellen vorher, wenn man es einfach nur sieht.

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Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten “Ich”, das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

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3 Kommentare zu “Körperbänder! Wie du ganz einfach mehr Schwung und Losgelassenheit für dein Pferd bekommst

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,
    ich nutze die Körperbandagen auch total gerne. Momentan besonders für unsere Pferdedame. Sie hatte wieder einen Schub und lief wirklich schlecht. Mit Medikamenten und anderem ist es schon wieder viel besser geworden, aber trotzdem sind ihre Bewegungen noch sehr unrund. Sie spürt nicht viel in der Hinterhand und tut sich noch viel schwerer diese zu koordinieren. Mit der Körperbandage gehen wir regelmäßig spazieren und das hilft ihr total.
    Beim Ponymann nutze ich es auch, denn auch wenn er gesund ist, hilft ihm natürlich ein vermehrtes hinspüren was seine Hinterhand angeht sehr gut.
    Ich persönlich kenne die Bandagen schon lange und bin immer wieder begeistert. Es sieht nicht nach viel aus, aber es hilft den Pferden wirklich zu erkennen wo eigentlich ihre Körperteile sind und wie sie miteinander in Verbindung stehen.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Anke Recktenwald sagt:

      Das ist ja schön, MIriam, das freut mich.
      Um das Körpergefühl deiner Stute zu verbessern kann ich dir die TTouches sehr empfehlen. Sie wirken noch sehr viel intensiver und nachhaltiger als die Tellingotn Körperbänder.
      Klar, man muss sie ein bisschen üben, aber sie wirken auch mit noch wenig Übung oft schon erstaunlich.
      Und dein Pferd wird es genießen

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, sie stehen auch noch auf meiner ToDo Liste ganz weit oben. Gerade für meine wunderbare Quarter-Lady mit ihrem festen Muskelaufbau und der starken Hinterhand sind sie sicher eine gute Idee. Und ich höre nur Gutes darüber – jetzt auch von dir. Das inspiriert mich definitiv. Ganz liebe Grüße, Petra

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