Stell dir vor, du und dein Pferd habt ein gemeinsames Ziel. Ihr wollte zusammen etwas erreichen und trainiert mit genau dem gleichen Fokus für diese Aufgabe. Dein Pferd wird gymnastiziert und merkt es eigentlich gar nicht, seine Kondition wird trainiert und es hat Spaß dabei und eure Kommunikation wird ganz nebenbei auch noch dabei verfeinert. Jede Aufgabe in dieser Reitweise hat einen Sinn und Zweck, den ihr beide zusammen erreichen wollt.  

Working Equitation

Das ist Working Equitation! Eine junge Reitdisziplin, die erst vor wenigen Jahrzehnten  aus den alten traditionellen Arbeitsreitweisen entstanden ist. Darin gibt es verschiedene Aufgaben und Trails, die du und dein Pferd gemeinsam meistern müsst.

Das kannst du natürlich professionell in den dazugehörigen Turnieren machen, du kannst aber die Elemente der Working Equitation auch ganz privat für dich nutzen, um euer Training mit mehr Energie, Spaß und feinerer Kommunikation aufzuladen. 

Was gehört zur Working Equitation

Working Equitation ist noch relativ frisch in der Pferdewelt. Letztlich gibt es mehrere Disziplinen in der Turniervariante. Falls du kein Turnierreiter bist, aber trotzdem Lust auf mehr Abwechslung und Spaß mit deinem Pferd hast, kannst du dir ganz einfach die verschiedenen Elemente daraus schnappen und in dein Training einbauen. Du brauchst gar nicht viel dafür. Einen guten Sattel, ein Zaumzeug und dein Pferd. Das wars. Der Sattel ist nicht ganz unwichtig, weil dein Pferd ja eine Mischung aus Dressur und Trail mit dir läuft in der Working Equitation. Das bedeutet, dass dein Sattel sowohl Dressurfähig als auch Speedtrail-kompetent sein sollte.

Deine Ausrüstung muss also einigermaßen vielseitig sein. Die Sattlerei Signum beispielsweise produziert speziell Sättel für die Working Equitation und auch Sättel, die vielseitig nutzbar sind von Dressur bis zum Trail im Gelände.

Dein Zaum sollte fein genug am Pferdekopf sitzen, damit alle Dressur-Signale ankommen, aber gleichzeitig auch die ganzen Speedelemente gut mitmachen.

Da kannst du beispielsweise einfach deine Zäumung nutzen oder einen LG-Zaum oder dein gut sitzendes Sidepull oder einen Multifunktionszaum.

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Alles was du zur Working Equitation wissen musst – Interview mit Mitja Hinzpeter

Die ganze Details zu den Trailelementen, der Dressur und der richtigen Ausrüstung, erklärt dir Mitja Hinzpeter jetzt aber nochmal im Interview.

Mitja Hinzpeter hat nicht nur wunderschöne Pintos in der Nähe von Frankfurt und eine zauberhafte, kleine Zucht, sondern er auch deutscher Working Equitation Meister. Working what? …fragst du dich vielleicht. Das ist eine relativ neue, junge Disziplin im Reitsport, die du auf Turnieren reiten kannst, die du aber auch ganz privat für dich und dein Pferd nutzen kannst. Mitja Hinzpeter sagt selbst darüber: Beste Teambuildingmaßnahme für Reiter und Pferd! 

Mitja hat mir im Interview noch mehr über die Working Equitation erzählt. Du erfährst jetzt was genau es mit Working Equitation auf sich hat, worum es dabei geht und wieso die Working Equitation eine super Sache für dich und dein Pferd sein könnte. 

Definition Working Equitation

Pferdeflüsterei: Starten wir mit der Begrifflichkeit. Wenn du jemandem die Working Equitation erklären müsstest, der  oder die noch nie davon gehört hat, wie würdest du das kurz und knapp tun?

Mitja: Letztlich würde ich denjenigen erstmal erzählen, dass man früher Rinder mit Pferden bewegt hat, dass sich eben diese Rinderhirten irgendwann messen wollten und Disziplinen entwickelt haben, um das zu tun. Da wird alles theoretisch gezeigt, was im Feld passieren könnte: Vom Tor öffnen und schließen über Graben springen, über die Arbeit mit der Garrocha bis zur Rinderarbeit. Manchmal muss man sehr schnell sein, um Rinder wieder einzufangen, deswegen gibt es in der Working Equitation zum Beispiel auch alles in  einer schnellen Gangart wie Galopp. 

Pferdeflüsterei: Ist es wirklich immer so, dass jede Prüfung in der Working Equitation im Galopp geritten wird? Kurz gefragt: Kann ich bei den Turnieren erst mitmachen, wenn ich alles im Galopp absolvieren kann?

Mitja: Nein, nein. Wir haben natürlich wie bei FN-Turnieren auch eine Staffelung. Wir haben fünf Klassen: „E“ bis „S“ wie bei der FN auch. Die Klasse „E“ zum Beispiel fängt ganz einfach an. Sie traben ihren ganzen Trail nur, da wird überhaupt nicht galoppiert. Galopp ist das Schwerste in der „E-Klasse“ und erst Klasse „A“ galoppiert dann alles. Und sogar da dürfen die Teilnehmer die Wechsel zum Beispiel über den Trab machen. Wir müssen also keine fliegenden Wechsel springen, sondern dürfen über Trab in den Galopp wechseln.

Historie der Working Equitation

Pferdeflüsterei: Klingt alles schön entspannt und machbar auch für Neulinge. Die Working Equitation ist ja eine relativ junge Disziplin. Kannst du exakt sagen, wie lange es sie schon gibt? Und wie bist du eingestiegen?

Mitja: Wie lange es die Disziplin exakt gibt kann ich dir gar nicht genau beantworten. Die Working Equitation ist zumindest in Italien, Frankreich und Spanien entstanden. Das ist so etwa 20 oder 25 Jahre her. In Deutschland kam das erste Turnier 2008 auf. Ich habe eigentlich über meine Sattlerei – Signum Sattelservice – erfahren von diesem Sport. Wir haben damit ja im Grunde angefangen, das nach Deutschland zu holen. Damals war aber  gerade meine Tochter unterwegs. Deswegen habe ich das das erste Jahr nur am Bildschirm verfolgt, bin dann 2009 eingestiegen und gleich auch recht erfolgreich mitgeritten. Das hat mich sehr gefreut, weil ich mich bis zu diesem Zeitpunkt was Reitsport anging, nie richtig gefunden hatte – weder in der Dressur noch im Springen. In so einem Working-Equitation-Trail kann man wirklich alle möglichen Sachen ausprobieren 

Pferdeflüsterei: Dann reden wir mal über den Trail. Was gehört denn alles dazu?

Mitja: Es gibt sozusagen dynamische Hindernisse und dann gibt es Kopf-Hindernisse. So nenne ich das immer. Die dynamischen Hindernisse sind zum Beispiel der Sprung oder der einfache Slalom. Oder auch die Tonnen, zwei Tonnen, drei Tonnen, da geht es um Wechsel. Und dann gibt es die Denkhindernisse, das wäre zum Beispiel die Seitwärtsstange oder das Tor. Da müssen die Pferde ein bisschen nachdenken und auf sehr feine Hilfen reagieren. Das sind Kopfhindernisse, bei denen die Pferde wirklich Konzentration brauchen und eben ein sehr gutes Nervenkostüm. 

Working Equitation und wie sie die Verbindung zwischen Reiter und Pferd stärken kann

Pferdeflüsterei: Wenn jemand sagt: Working Equitation klingt gut, gefällt mir. Für welchen Reitertyp ist das etwas?

Mitja: Diese kleinen Klassen sind natürlich für alle Reiter machbar. Wenn man jetzt die Rinderarbeit und den Speedtrail dazunimmt, muss man natürlich auch Actionfreund beim Reiten sein. Da geht es nun mal um Geschwindigkeit, sowohl bei den Rindern, als auch im Speed. Man muss ein dynamischer Reiter sein.

Pferdeflüsterei: Was brauche ich an Ausbildungsstand, um loslegen zu können?

Mitja: Im Grunde reicht für den Einstieg eine solide Grundausbildung – das Beherrschen der drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp – schon aus. 

Pferdeflüsterei: Das klingt nach einer einfachen Basis. Was sind denn die Einstiegsübungen? Wie kann ich mir zu Hause auch einen netten, kleinen Trail bauen, damit ich trainieren kann?

Mitja: Das Schwierigste sind Brücke, Tor und der Stier. Da muss man tatsächlich ein bisschen basteln, um das zu machen. Wobei man sich auch da helfen kann. Zum Beispiel bei dem Tor: mit zwei Springständern mit einem Seil dazwischen. Bei der Brücke kann man sich auch helfen mit einer dicken, fetten Plane und zwei Sprüngen, rechts und links als Geländer. Für den den Stier könnte man auch einen Besenstil auf einen Springständer schrauben, dort einen Ring dran klemmen und schon hat man einen Stier. Das ist alles relativ leicht nachzubauen. Der Rest sind sowieso im Grunde Pylonen, Stangen und vielleicht ein paar Springständer. Wenn man das alles zur Verfügung hat und noch eine Glocke für die Glockengasse, kann man schon anfangen.

Die richtige Ausrüstung: Vom Sattel bis zum Zaum

Pferdeflüsterei: Gibt es eine Ausrüstung, die ich brauche, um loslegen zu können?

Mitja: Im Reglement heißt es, man soll mit gedeckten Farben reiten. Man sollte schon eine Weste oder ein Sakko haben in einer gedeckten Farbe. Und einen Reithelm oder eine Mütze oder Kappe, weil eine Kopfbedeckung auch Pflicht ist. Mehr nicht.  

Pferdeflüsterei: Stichwort Sattel? Working-Equitation-Sattel…brauche ich da etwas Besonderes? Signum Sattelservice macht ja speziell für Working Equitation Sättel.  Gibt es da einen Unterschied zum Westernsattel oder Dressursattel?

Mitja: Ja, definitiv. Der Working-Equitation-Sport ist dadurch, dass es eben diese vier Disziplinen gibt, von Dressurreiten bis zur Rinderarbeit, sehr vielseitig. Genau diese Vielseitigkeit sollte auch beim Equipment eine große Rolle spielen. Das heißt, mit einem reinen Dressursattel könnte es vielleicht im Speedtrail und bei den Rindern schwierig werden, wenn das Pferd wirklich schnell dreht. Genauso ein Westernreiter, der mit seinem Westernsattel über den Sprung hüpfen soll könnte es auch unangenehm werden. Also von daher sind im Grunde vielseitige Sättel, die einem ein bisschen Halt geben, eigentlich das Mittel der Wahl. Signum Sattelservice bietet eben genau das an. Sättel mit starken Pauschen, die aber das Bein sehr lang und nah am Pferd führen. Sehr bequem, große Auflage für die Pferde und trotz tiefem Dressursitz einen guten Halt eben bei den Rindern und im Speed.

Pferdeflüsterei: Letzte Frage. Stichwort Pferd. Kann jeder mitmachen vom dicken Kaltblut bis zum kleinen Reitpony?

Mitja: Ja, im Grunde schon. Natürlich gibt es Rassen, die sich eher dafür eignen. Also ich denke mit einem Kaltblüter zum Beispiel kann man nicht erwarten, dass man sich bis zu einer Klasse „M“ erfolgreich mit den anderen messen kann, weil der Kaltblüter einfach zu behäbig und zu langsam ist. Genauso ein Shetlandpony, das ist einfach zu klein. Diese portugiesischen Lusitanos sind sehr beliebte Working-Equitation-Pferde, weil sie sehr vielseitig und sehr flink sind. Aber auf den letzten Weltmeisterschaften wurden wir Deutschen ja Weltmeister und wir hatten wild durcheinander gewürfelte Pferde. Wir hatten Warmblüter, Mixed-Pferde, wir hatten einen Spanier und haben alle Lusitanos hinter uns gelassen. Wir hatten keinen einzigen Lusitano bei uns im Team. 

Pferdeflüsterei: Also hätte ich mit meiner aktuell mopsigen Quarterstute eine Chance ;-) 

Mitja: Ja, also wir hatten lange einen recht erfolgreichen Speed-Trail-Reiter. Das war jahrelang der schnellste Reiter, den es gab weltweit und er hat einen Quarter-Haflinger-Mix geritten.

Pferdeflüsterei: Ich danke dir vielmals für das Interview und schaue mal ob ich mir zu Hause einen Stier bauen kann. 

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4 Kommentare zu “Working Equitation! Eine Reitdisziplin für mehr Bindung und Vertrauen

  1. Anita sagt:

    Wir haben auch dieses Jahr die ersten Turnierversuche mit unserem Quarter beim Working Equitation gemacht. Er hat sich super geschlagen und es macht ihm sichtlich Spaß. Sogar der kleine Sprung, vor dem wir uns ein bisschen gefürchtet hatten, weil er sonst nie springt, war kein Thema, nachdem wir es mit ihm zu Hause und im Gelände entsprechend geübt haben. Nächstes Jahr im Frühjahr gehen wir das erste Mal mit ihm zur Rinderarbeit. Das wird eine echte Herausforderung. Er findet Kühe nicht soooo toll.

    • Petra sagt:

      Wow! Wie cool, dass ihr da angeht – es ist immer wichtig sich den großen Herausforderungen zu stellen. Ich denke, dass er mit ein bisschen Zeit und Geduld lernt, dass Kühe gar nicht so schlimm sind und drücke euch fest die Daumen, Petra

  2. Luna sagt:

    Gehört der Sattel auf den Nahaufnahmen dir, oder was für einer ist das?
    So ein Sattel mit dieser Punzierung suche ich schon so lange…

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Luna, das ist ein Sattel von meiner Sattlerei "Signum Sattel" – sie ist im Artikel verlinkt. Ich selbst habe einen Sattel ohne Punzierung von dort, weil ich ein anderes Modell habe. Aber du kannst einfach dort nachfragen und dann checken, was sie dir basteln können. Ich finde den Sattel aber such MEGAschick, ich kann dich gut verstehen :-) Liebe Grüße, Petra

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