Artikel aktualisiert am 25.02.2017

Namibia! Wir sind irgendwo im Nirgendwo auf einer Ranch in Afrika. Omaruru heißt der nächstgroße Ort. Gross Okandjou heißt die Ranch. Die Pferde leben auf riesigen Weideflächen, dürfen den ganzen Tag im Herdenverband rennen, spielen und grasen. Die Farm ist die erste Ranch für Westernreiten in ganz Namibia. Vor über 20 Jahren hat Immo Vogel zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter Horsemanship und Westernreiten nach Namibia exportiert.

Gross Okandjou Portal

Gross-Okandjou Morgenstimmung

Synchron-Salzlecken

Neben Bodenarbeit und Reitunterricht, bietet die Ranch vor allem Ausritte und Trails in die Natur an. Wir haben gefragt, ob wir mitarbeiten und dafür reiten dürfen. Wir wollen das Farmleben kennenlernen auf unserer Reise und erfahren, wie die Pferde hier leben, nach welchen Kriterien die Familie züchtet und wie sie ihre Pferde ausbilden.

Weite Wege auf der Weide

Hier zu sein ist ein Traum. Die Landschaft ist wunderschön, die Farben des Himmels schillern von morgens bis abends in den unterschiedlichsten Farbtönen und die Pferde stehen zwischen den Büschen und Hügeln, während ihre Mähne im Wind weht. Der Nachteil, wenn man es so sehen will, ist die Dauer bis das Pferd tatsächlich reitfertig ist. Da es keinen Stall und keine Boxen gibt, müssen wir entweder warten bis die Pferde zur Tränke kommen oder die Pferde suchen. Teilweise dauert das 1-2 Stunden, bis wir die Pferde gefunden haben.

Wir haben das Ganze für euch mitgedreht und einen 2-Stündigen Weidegang mit Alina auf knapp 5 Minuten zusammengefasst:

…jetzt könnt ihr erahnen, was ich meine. Ich möchte bitte nie mehr Beschwerden hören, dass der Weg zur Weide zu weit ist.

Drahtig und klein

Die Pferde haben alle einen schmalen Körperbau. Das liegt an der Natur, in der sie aufwachsen. Karge Gräser und Büsche. Das liegt aber auch an der Rasse. In den meisten stecken namibische Arbeitspferde und Mustangs. Sie werden hier auf der Ranch gekreuzt unter anderem mit Quarter oder Araberpferden. Da sie kaum zugefüttert werden (nur die trächtigen Zuchtstuten), sind sie von Natur aus eher schmal und fast schon knochig.

Geschecktes Pferd im Busch

Black Eyed

Das ist Pferdeleben so ursprünglich wie bei den amerikanischen Mustangs. Die Pferde haben riesige Weideflächen und können sich von dem Gras ernähren, dass auf dem Boden wächst. Kurz vor der Regenzeit ist das Gras besonders karg. Deswegen erleben wir die Pferde in ihrem drahtigsten Zustand. Sie sind gepflegt und gesund, sie werden liebevoll umsorgt und so weit es geht als Barhufer gehalten. Sogar die Hufpflege wird hier auf Gross Okandjou selbst in die Hand genommen.

Hufe feilen vor dem Ausritt

Perfektes Leben?

Das Team achtet sehr darauf, dass kein Pferd zu oft oder zu lange im Schulbetrieb geht. Bei maximal 10-12 Gästen und über 50 Pferden lässt sich das natürlich sehr gut umsetzen. Das ist im Grunde das perfekte Schulpferdleben. Man merkt, dass Alina und ihre Familie die Pferde lieben und umsorgen.

Natürlich will ich auch Reiten und Reiten und neue Trainingsideen kennenlernen. Das kann ich hier auf Gross Okandjou. Alina arbeitet schon seit Teenagerjahren mit Pferden und hat sich früh dem Horsemanship* verschrieben. Es dreht sich alles um die Körpersprache. Aber auch um Leittiertheorien und Dominanz-Fragen. Das ist für mich – wie immer der Knackpunkt. Ich kann nicht alle Ansichten teilen – sehe aber die liebevolle Konsequenz mit der hier gearbeitet wird. Ich beschreibe einfach die Trainingsideen im Artikel. Ob sie immer meine sind, sei dahingestellt.

Es gibt klare Regeln:

  1. Das Pferd senkt den Kopf ins Halfter
  2. Das Pferd hält einen Meter Führabstand
  3. Das Pferd lässt seine Hinter- und Vorhand auf leichten Druck wegbewegen
  4. Der Mensch ist ruhig und geduldig, aber konsequent mit dem Pferd
  5. „Woa“ heißt „Halt“ – immer!
  6. Die Pferde werden ruhig und ausführlich geputzt (da sie im Busch stehen, haben sie oft kleine Dornen oder Zecken)
  7. Sobald das Pferd wieder auf die Weide geschickt wird, wartet es, bis der Mensch es wegschickt – es rennt nicht einfach los
  8. Der Mensch lobt das Pferd, wenn es etwas richtig macht

Mensch und Pferd müssen diese Regeln einhalten. Tut es einer von beiden nicht, wird man freundlich daran erinnert. Die Linien sind klar. Dazwischen dürfen wir uns kuschelnder und streichelnder Weise bewegen und eine Beziehung aufbauen. Man merkt den Pferden an, dass sie das schätzen.

Wo sind denn die anderen?

Pferde im Afrikanischen Busch

Gross Okandjou ist mitten in der Natur. Das sorgt für eine unfassbare Ruhe, für einen mindestensgenauso unfassbaren Sternenhimmel und eine unfassbare Artenvielfalt bei den Tieren und Vögeln, die wild um uns herumspringen. Und: Es gibt unfassbar viel Platz. Die Ranch hat drei Gästehäuser und mehrere Hotelzimmer, die alle gemütlich eingerichtet sind. Es gibt eine große Veranda, auf der das frisch gekochte Essen serviert wird und einige Hunde, die herumspringen.

Ich führe, also bin ich…

Meist übernimmt entweder Alina oder der Guide und Fährtenleser die Suche und schickt die Pferde dann nach Hause. Beide erkennen an den Hufspuren, wann die Pferde wo entlang gelaufen sind und folgen ihrer Fährte. Wir gehen die ersten zwei Tage mit. Auf meine Frage, ob wir ein Halfter brauchen, lächelt Junias nur und schüttelt den Kopf. Auf meine Frage, wie wir sie dann nach Hause bekommen, sagt er „We Send Them Home.“ Mehr nicht. Gut, denke ich, es wird schon werden und laufe ihm hinterher.

Die Sonne brennt, die Insekten surren und zirpen und ich fühle mich ein bisschen wie Meryl Streep in „Jenseits von Afrika“ während ich in meinen Schnürboots entlangmarschiere. Zwischendurch zeigt Junias uns Pflanzen und Tiere, erklärt uns die Spuren im Sand (Antilopen, Kudus, Oryx und andere Tiere waren vor uns auf diesem Pfad) und erzählt uns mehr über sein Land.

Wir laufen über eine Stunde, bis wir die Herde in der Ferne entdecken. Sie stehen unter den Büschen und schauen uns an. Sie warten auf uns und mit einem leisen „Komm Komm Komm“ ruft Junias und schickt sie auf den Weg. Ich kann es kaum glauben, aber die Herde setzt sich tatsächlich wie bei einem Entenmarsch hintereinander in Bewegung und läuft langsam vor Junias den Weg zurück zur Ranch.

Damit ist es nicht getan. Sobald wir angekommen sind, putzen wir die Pferde. Das bedeutet auch sie auf Zecken (ich muss mein Kreischen unterdrücken und beschließe mir in Deutschland eine Zeckenzange zu kaufen) zu untersuchen und das Fell auf kleine Dornen zu untersuchen. Da die Pferde ihr Leben komplett in der freien Natur verbringen und es in Namibia viele karge und dornige Büsche gibt, fangen sie sich direkt unter dem Fell winzige Dornen ein, die wir mit unseren Fingern Stück für Stück ertasten und aus der Haut ziehen.

Wir putzen die Pferde, knüpfen Kontakt und lernen sie kennen. Bevor wir allerdings Richtung Platz gehen können ziehen dunkle Regenwolken auf und das erste Donnern kündigt ein Gewitter an.

Pferd im Regen

Es ist Regenzeit und wir haben den ersten Tag davon erwischt. Wir lassen die Pferde also wieder auf die Weide und freuen uns auf einen neuen Tag. Dann steht die erste Stunde Bodenarbeit an.

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21 Kommentare zu “Ich führe, also bin ich? Horsemanship auf namibisch

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    das hört sich doch nach traumhaften Lebensbedingungen an. Oft wünsche ich mir, dass ich meinem Pony das bieten könnte. Endlose Weiden mit viel Platz wo er selber aus verschiedenen Gräsern und Kräutern wählen kann, was er frisst und was er gerade braucht. In einem Familienverband umher wandern ganz wie es seiner Natur entspricht.
    Leider kann ich ihm das hier in Deutschland nicht bieten. Ich bin froh um die drei Weiden und den Offenstall den er mit seiner kleinen Herde hat und versuche ihm dadurch so gut es geht Platz und Gesesllschaft zu bieten in einer stabilen Herde.
    Es sind wirklich schöne Bilder die du hier zeigst und Namibia ist sicher auch als Land total interessant.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Hi Miriam, das stimmt – nicht nur die Weite, sondern vor allem die Wiesen mit allen Kräutern und Gräsern und Büschen, die das Pferd so braucht für die Gesundheit, das wäre schön. Ich würde am liebsten wie die bezaubernde Jeannie zwinkern und hätte dann eine Kräutergraswiese für meine Kleine, die nach uralter Mischung zusammengesetzt ist und nicht nur Futterwiese aus einfachem Gras ist. Aber ich bin mir sicher, dass Dein Kleiner es sehr gut hat und genauso sicher bin ich mir, dass meine Kleine auf der Bienwaldranch sehr gut aufgehoben sein wird :-) Fast wie in Namibia, Liebe Grüße Petra

    • Petra sagt:

      Hallo Bianca, als ich dort durch den Busch gelaufen bin, habe ich mir das auch geschworen. Da flucht man in Deutschland schon, wenn das Pferd mal am anderen Ende der Koppel steht… In Nambia läuft man länger, wenn das Pferd in Gatternähe ist ;-) Liebe Grüße, Petra

    • Petra sagt:

      Liebe Denise, es war tatsächlich traumhaft schön dort. Solltest Du mal Reiterreisen machen wollen, kann ich Gross Okandjou nur empfehlen. Das Licht, die Stimmung und die Weite – hach! Liebe Grüße, Petra

  2. Uta sagt:

    Hallo! Da ich auch schon mit Alina und Junias und den fantastischen Vierbeinern im Busch war, freue ich mich sehr über den Bericht. Irgendwann schaffe ich es hoffentlich auch meine Trailerfahrung mal in zumindest annähernd so schöne Worte zu fassen wie diesen Bericht hier. LG!

    • Petra sagt:

      Wie lustig! Du warst auch schon da? Ist es nicht wunderschön dort? Wir vermissen es schon ein kleines bisschen und sind ungerne weitergezogen :-) Den Trail hätte ich auch gerne gemacht. Das war bestimmt grandios? Liebe Grüße, Petra

  3. Gabi Fischer sagt:

    Hallo,
    einfach gigantisch diese endlose Weite des Landes. Da bin ich aber sowas von neidisch, besonders diese kargen Weiden, die den Pferden alles liefert, was sie brauchen. Lach, und ich bin hier schon so stolz auf unseren Offenstall mit 2 ha Koppeln.
    Bitte um weitere solche faszinierenden Berichte.
    Danke.
    LG Gabi

    • Petra sagt:

      Oooch, so einen Offenstall mit 2 ha würde ich auch nehmen ;-) Das ist ja für deutsche Verhältnisse schon sehr genial! Hier in Namibia gibt es wirklich sehr viel Platz und Weite. Besonders mochte ich auch, dass die Pferde sich selbst zusammensuchen können, was sie brauchen. Der nächste Bericht folgt heute :-) Liebe Grüße, Petra

  4. Miri sagt:

    Herrlich der Hund am Anfang des Videos!! :) Ganz tolle Aufnahmen von dieser unendlichen Weite.. da bekomme ich glatt wieder Fernweh. Ein langer Weg zur Weide wäre für mich auch ein Grund zur Freude, wenn mein Pferd dann den Zaun nicht sehen könnte.. das muss doch Glück sein! <3

    • Petra sagt:

      Ich hätte mich auch immer wieder kaputt lachen können über Sando und seine Schlappohren :-) Am liebsten hätte ich ihn und diese großen Weideflächen eingepackt und nach Deutschland verfrachtet. Es ist wirklich das perfekte Pferdeleben. Vielleicht ein bisschen karg manchmal, aber sie haben alles was sie brauchen und man muss sich keine Gedanken um Heufütterung, wann – wie oft – ad libitum – oder nicht – machen… sie leben einfach ihr Pferdeleben, so wie es sich gehört :-)

  5. Denise sagt:

    Oh ja… ich hätt da wahnsinnige Lust zu… und was reisen angeht mein Freund liebt es die Welt zu erkunden allerdings weiß ich nicht ob ihm ein Pferdeurlaub zusagen würde, da ich ja ohnehin nur von meinem Pferd und das jeden Tag rede :-)
    Ich liebe die Natur und die Tiere für mich gebe es nichts schöneres sowas zu machen und mein eigener Traum wäre es mal eine kleine Farm zu besitzen……..

    Träumen darf man wohl noch :-). lg

    • Petra sagt:

      Ich kann es so empfehlen. Mein Mann war anfangs übrigens auch "nur" der Haus- und Hoffotograf. Mittlerweile setzt er sich auch an und aufs Pferd. Bei dem ersten Reiturlaub, hat er viel fotografiert, ist mit dem Mountainbike gefahren, während ich Reiten war und hing am Pool ab. Vielleicht hat dein Freund auch ein Hobby, das sich mit der einsamen Natur und den schönen Ecken in einem Land wie Namibia und einer Farm wie Groß Okandjou verbinden lässt? Ganz liebe Grüße, Petra P.S.: Den Traum der eigenen kleinen Farm kann ich sehr gut verstehen – ich träume ihn auch… :-)

  6. Denise sagt:

    Mein Freund würde es mir zu liebe mal probieren mit den reiten aber ich weiß nicht ob es was für ihn ist…das wäre natürlich toll :-).

    Es ist lustig mein Freund liebt auch die Natur und die Tiere aber noch mehr mag er es sich verschiedene Städte anzuschauen….was eher nur seins ist :-) aber ab und an lass ich mich ja auch überreden. Wir haben das dann so vereinbart gehabt das einmal ich den Urlaubsort bestimmen darf und einmal er :-D super Lösung.

    Aber das wäre toll wenn wir das mal machen könnten aber Namibia ist schon ein wahnsinn da muss man sich auch erst mal hin trauen :-).

    :-D also haben wir einen gemeinsamen Traum ….vl. kann ihn jemand von uns verwirklichen jetzt oder in einem späteren Leben :-D……..

    • Petra sagt:

      Ich bin gespannt, wie er es findet, wenn er es ausprobiert. Aber wenn er nur an der Bande steht und euch stolz applaudiert, wenn die Führübung geklappt hat, ist das doch auch schon perfekt ;-) Namibia ist gar nicht so schwierig, wirklich. Ich habe es mir auch komplizierter und gefährlicher vorgestellt als es ist. Tatsächlich ist es ein sehr freundliches und entspanntes Land. Liebe Grüße, Petra P.S: Jaaa, schauen wir mal, ob eine von uns es hinbekommt :-)

  7. Denise sagt:

    Oh ja ich auch und darum möcht ich ihn natürlich auf das beste liebste und bravste Pferd setzen damit es ihm ja gefällt :-D

    Das zuschauen ist ihm zu langweilig…..beim spazieren gehen geht er gerne mit…da hatte er auch schon mal ein Pferd zum führen in der Hand hat gut funktioniert jedoch fehlt ihm auch die Konsequenz da er ja nicht weiß was er anrichtet wenn er so inkonsequent ist :-D …..wenn du verstehst was ich meine.

    Ja vor allem gefährlich irgendwie als weißer hätt ich mir auch gedacht….aber schön das du andere Erfahrungen gesammelt hast.

    PS. :-D

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