Pferde sprechen mit dir. Du musst ihnen nur zuhören. Sie reden in jeder Sekunde, die du mit ihnen verbringst. Sie sagen dir, ob sie sich wohlfühlen, ob sie Schmerzen haben, ob sie müde sind oder fit, ob sie lustlos sind oder neugierig, ob sie krank sind oder gesund, ob sie Schmerzen haben oder nicht, ob sie motiviert sind und ob sie dich ernst nehmen. Du kannst lernen ihnen zuzuhören und damit wirst du lernen die Pferde zu verstehen

Pferde sagen dir, ob du schon richtig für sie bist oder noch falsch. Du musst ihnen einfach nur zuhören. Ich werde dir Beispiele zeigen, wann und wie Pferde mit dir sprechen. Dir erklären, wie du lernen kannst mit ihnen zu sprechen und ihnen besser zuzuhören. So kannst du das Vertrauen deines Pferdes gewinnen.

Pferdeflüstern heißt zuhören

  • Pferdeflüstern heißt nicht, Seile zu schwingen
  • Pferdeflüstern heißt auch nicht, den Pferden die eigenen Botschaften einzuflüstern.

Pferdeflüstern heißt für mich, dass wir lernen müssen das Flüstern der Pferde zu verstehen und ihnen zuzuhören. Nur dann werden wir sie verstehen und nur dann wirst du zu einer Beziehung mit deinem Pferd finden. Daran glaube ich fest.

Freundlich "Hallo" sagen
Freundlich zum ersten Mal “Hallo” sagen

Damit meine ich nicht, dass dein Pferd machen darf was es will. Ich meine auch nicht, dass du nichts von deinem Pferd fordern darfst. Ich meine damit, dass du dir dein Pferd ansehen musst und zuhören musst, was es dir beim Training sagt. Was es dir über seine Haltungsform sagt und was es dir über eure gemeinsame Zeit sagt.

  • Ist es zufrieden?
  • Geht es gerne mit dir?
  • Hat es ein entspanntes Gesicht?
  • Ist es motiviert und kommt es dir entgegen oder wartet auf dich, wenn du dich annäherst?

Kurz: Wendet sich dein Pferd dir zu?

Pferdeohren zugewandt

Drei typische Beispiele Pferdebotschaften

Fehler, die immer wieder vorkommen und eine Lösung

Beispiel 1:

Wenn dein Pferd zum Beispiel jedesmal nervös wird, wenn du mit ihm rausgehen willst. Alleine. Ohne andere Pferde. Dann spricht es mit dir. Vielleicht hat es in seiner Vergangenheit schlechte Erfahrungen bei einem Ausritt gemacht, vielleicht ist es ein unsicheres Pferd, vielleicht vertraut es dir einfach noch nicht genug.

Es sagt dir unter Umständen durch seine Nervösität, dass es sich mit dir alleine als Herde noch nicht sicher genug fühlt, um Leib und Leben aufs Spiel zu setzen. Denn genauso kann sich ein kleiner Spaziergang oder Ausritt für das Pferd als Fluchttier anfühlen. Was auch immer der Grund ist, du musst deinem Pferd zuhören, seine Ängste wichtig nehmen und mit deinem Pferd daran arbeiten, dass es an Selbstvertrauen gewinnt und dir mehr Vertrauen entgegenbringt. Das ist ja auch in deinem Sinn, denn du willst ein sicheres Verlasspferd. Mangelndes Vertrauen, macht dein Pferd unter Umständen zu einem Sicherheitsrisiko für dich.

Beispiel 2:

Wenn dein Pferd zum Beispiel eher dich zum Putzplatz führt als du dein Pferd, dann redet es mit dir. Es sagt dir vermutlich, dass es dich nicht respektiert, dass es dich nicht anerkennt und deswegen einfach selbst die Entscheidungen trifft. Vielleicht hast du auch noch nie mit ihm über das Thema „Führen“ gesprochen und ihm gesagt, dass du das Pferd bewegst und nicht das Pferd dich.

Vielleicht hast du deinem Pferd deine Grundregeln nie erklärt. Vielleicht hast du auch ein Pferd, dem du die Grundregeln immer wieder erklären musst. Weil es immer wieder der Meinung ist, dass es die Grundregeln lieber selbst bestimmen will und dich deswegen immer wieder fragt, ob du deine Regeln ernst meinst. Es redet mit dir. Es fragt dich, ob du wirklich weißt, was du willst.

Beispiel 3:

Wenn dein Pferd zum Beispiel jedesmal schnappt, wenn du den Sattel auflegen willst, dann spricht es mit dir. Vielleicht hat es in seiner Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit dem Satteln gemacht. Vielleicht hat es Schmerzen. Vielleicht sitzt der Sattel nicht mehr richtig. Was auch immer der Grund ist, du musst ihn herausfinden und daran arbeiten. Egal ob er seelisch oder körperlich ist.

In dem du erst einmal körperliche Probleme abchecken lässt von Tierarzt, Ostheopat, Physiotherapeut, Hufexperte und Sattler. Wenn dein Pferd gesund ist, musst du daran arbeiten sein Vertrauen in den Sattel oder das Satteln wieder aufzubauen, indem du ihm zeigst, dass Reiten und Satteln nicht schlimm ist. Das kostet Zeit und Geduld, aber wenn du ein Pferd willst, das motiviert mitarbeitet, musst du es ernst nehmen. Auch seine Probleme.

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Der größte Fehler der Pferde

Der größte und vielleicht einzige Fehler, den die Natur bei Pferden gemacht hat, ist, ihnen keinen Schmerzlaut mitzugeben. Sie reden leise. Sie flüstern. Manchmal hören sie auf zu flüstern, werden stumm. Weil ihr Mensch ihnen nie zugehört hat. Sie geben auf. Nicht nur ihre Kommunikation, sondern manchmal sogar ihre Seele.

Depression ist eine weit verbreitete Krankheit unter Pferden. Sie reden nicht mehr und der Mensch merkt es nicht, weil er ihnen ohnehin noch nie zugehört hat. HIER beschreibt VOX Pferdeprofi Sandra Schneider ziemlich eindrucksvoll, wie viele typische Pferdeleben leider verlaufen*.

Dass es Pferde gibt, die aufgehört haben zu sein, die sich in sich zurückgezogen haben und unter Depression leiden, ist schrecklich. Das macht mich traurig.

Manchmal müssen Pferde auch laut schreien, weil ihr Flüstern jahrelang überhört wurde. Das ist das andere Extrem. Dann werden sie auf einmal zu Problempferden. Dann sind sie „der Gaul“, die „Zosse“, dann sind sie „unreitbar“ oder ein „Fall für den Schlachter“ – im schlimmsten Fall. Auch das macht mich traurig.

Denn ich glaube auch fest daran, dass kein Pferd als Problempferd auf die Welt kommt. Es ist immer der Mensch, der ein Problempferd erschafft. Der Mensch ist das Problem.

  • Manchmal weil er es nicht besser weiß
  • Manchmal weil es ihm egal ist
  • Manchmal weil er Angst hat und deswegen lieber mit Gewalt als mit Wissen arbeitet, um sich schnell sicher fühlen zu können
  • Manchmal, weil er es so gelernt hat
  • Manchmal weil er es nicht besser kann oder weil er sich zu spät Hilfe von Experten holt.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen aus ihrem Pferd ein Problempferd machen.

Die Pferdeexpertin Susanne Kreuer hat ein Buch zu Verhaltensstörungen bei Pferden geschrieben und mir in einem Interview mehr über Koppen, Weben, depressive Pferde und die Ursachen dazu erklärt.

Das Interview findest du HIER

Es ist unsere Verantwortung, wenn wir mit Tieren arbeiten, zu lernen die Tiere zu verstehen. Ich meine damit nicht nur Pferde. Auch Hunde, Katzen oder sogar das Kaninchen. Es ist egal. Sobald du entscheidest dir ein Tier in dein Leben zu holen, ist es deine Pflicht Wissen zu sammeln, zu lernen und dem Tier ein verantwortungsvoller Partner zu sein. Punkt.

Die Verhaltensbiologin Marlitt Wendt hat “Mein Pferd” HIER ein spannendes Interview zu dem Thema gegeben.

Pferd schaut

Das Tier hat sich nicht dazu entschieden zu dir zu kommen. Der Mensch hat es domestiziert und in sein Leben integriert. Deswegen ist es auch an dem Menschen zu lernen das Flüstern der Tiere zu verstehen.

Wie du dein Pferd zum Beispiel besser begrüßen kannst habe ich HIER schon einmal genauer beschrieben. Denn das erste „Hallo“ ist der Anfang eurer Kommunikation. Es spielt eine Rolle. Alles spielt eine Rolle.

Bei Pferden gilt eine Grundregel in der Herde: „Wer bewegt wen?“

„Wer bewegt wen?“

Schau dir mal eine Herde an. Über diese simple Botschaft wird sehr viel entschieden in der Herde.

Wer bewegt wen

wer bewegt wen

Jetzt mal ganz ehrlich: Bewegst du dein Pferd oder bewegt dein Pferd dich?

Allein an der Antwort auf diese Frage, kannst du schon sehr viel über euer Verhältnis ablesen.

Pferde flüstern mit ihrem ganzen Körper:

  • mit ihren Augen
  • mit ihren Nüstern
  • mit ihren Ohren
  • mit ihren Gesichtsmuskeln
  • mit ihrem Schweif
  • mit ihrer Kopfhaltung
  • mit ihren Zähnen, Beinen und Hufen

Letzteres ist dann oft schon eine deutliche Sprache…

Pferde in der Herde

Sie flüstern durch die Art wie sie auf dich reagieren, wie sie sich gegen dich wehren oder mit dir durchs Feuer gehen. Je nachdem ob du ein Mensch bist, der gelernt hat ihnen zuzuhören und sie in deine Entscheidungen einzubeziehen.

Pferde haben eine eigene Sprache

Sie haben eine eigene Sprache und es ist an uns diese Sprache zu lernen. Zu lernen wie Pferde sich verhalten und was sie von uns brauchen, damit sie sich bei uns wohl fühlen.

Ein Pferd, das sich bei dir wohl fühlt, wird sehr viel für dich tun. Es ist ein Pferd von dem du auch fordern kannst, mit dem du durch dick und dünn gehen kannst. Es wird dir viel dafür zurückgeben, dass du dich darum bemühst sein Flüstern zu hören. Kein Pferd ist von Natur aus ein Problempferd und wenn es eines geworden ist, muss es keines bleiben.

Pferde reagieren als Fluchttiere immer aus dem Moment heraus. Sie nehmen die Stimmungen und die Energie wahr um sie herum und agieren dann spontan. Das ist tief in ihnen verankert. Hätten sie diese Reflexe nicht, hätten sie in der Wildniss früher nicht überlebt.

Was Pferde von dir brauchen

Pferde brauchen von uns Gelassenheit, Ruhe und Autorität. Sie brauchen innere Haltung und klare Konsequenz. Sie wollen, dass wir für sie lesbar sind. Dass wir konsistent und einschätzbar sind. Denn damit beweisen wir, dass wir wissen was wir tun und ihnen die Sicherheit bieten können, die sie als Fluchttiere brauchen.

Wir müssen zu einem sicheren Ort werden, an dem die Pferde sich festhalten und zu dem sie zurückkehren können.

HIER findest du noch mehr Informationen zu diesem Thema.

Pferdetraining ist vor allem Persönlichkeitstraining. Denn die Pferde spiegeln uns. Diesen Satz hast du bestimmt schon öfter gehört.

Pferd läuft zu

Was ich tue bevor ich zu einem Pferd gehe

Jedesmal wenn ich zu einem Pferd gehe, atme ich vorher bewusst aus. Ich erinnere mich daran, wie sehr ich es liebe mit einem Pferd zusammenzusein. Ich ENTspanne mich im wahrsten Sinne des Wortes oder versuche es zumindest so gut es geht.

Du kennst das vielleicht: Heute reagiert dein Pferd ganz lieb. Es macht alles mit, es ist entspannt und zufrieden. Am nächsten Tag ist es gestresst, es wird schneller sauer oder es will gar nicht so recht mit von der Koppel. Vielleicht hat es auch einen schlechten Tag, aber viel wahrscheinlicher ist, dass du aus irgendwelchen Gründen heute spannungsgeladener als gestern bist. Dein Pferd spiegelt dich.

“Das Pferd ist dein Spiegel. Es schmeichelt dir nie. Es spiegelt dein Temperament. Es spiegelt auch deine Schwankungen. Ärgere dich nie über ein Pferd – du könntest dich eben sowohl über deinen Spiegel ärgern.” Rudolf G. Binding

Also ärgere dich nie über dein Pferd, sondern immer erst einmal über dich selbst. Frage dich, wie du dein Pferd anders fragen kannst oder welches Paket du heute mit dir herumschleppst. Wann du vielleicht vergessen hast deinem Pferd zu sagen, was du dir wünschst und was du nicht haben möchtest. Oder ob dein Pferd vielleicht ein altes Paket mit sich herumschleppt, dass du mit deinem Verhalten berührt hast.

Pferde „verarschen“ dich nicht. Sie testen vielleicht manchmal, ob du wirklich vertrauenswürdig genug bist, um sich dir anzuvertrauen. Sie fragen nach, ob du wirklich weißt was du tust und was du willst. Dann ist es auch deine Pflicht auf diese geflüsterte Frage mit einem klaren: Ja! Zu antworten. Ja! Ich weiß was ich will. Ja!

Ja, ich weiß was ich tue

Mir hilft es zum Beispiel sehr mir ganz genau vorzustellen, was ich als nächstes will. Ich überlege mir, wie es aussehen wird, was genau ich mit meinem Pferd üben möchte und versuche dann nur diesen einen Gedanken im Kopf zu haben. Ich bitte das Pferd so lange um das, was ich mir von ihm wünsche, bis es mir richtig antwortet. Dann lobe ich es. Wenn ich selbst genau weiß, was ich will, dann kann ich das natürlich viel klarer kommunizieren.

Ein Beispiel aus dieser Woche bei mir und meiner Jungstute:

Ich will, dass meine Jungstute mir beim ersten gemeinsamen Gang zum Platz nicht auf die Pelle rückt. Ich möchte, dass sie einen gewissen Abstand einhält und sich nicht an mich drängelt.

  • Also strecke ich den Arm so weit aus, wie ich mir den perfekten Abstand vorstelle und immer wenn sie in diesen Radius eindringen will, stubse ich sie mit den Finger wieder weg
  • Nimmt sie den gewünschten Abstand ein, lobe ich sie und laufe entspannt weiter.

So hat sie ziemlich schnell verstanden, was ich möchte. Sie hat mich gefragt, ob ich wirklich Tempo und Abstand bestimmen will, ich habe geantwortet, dass ich mir Abstand und Tempo exakt vorstelle. Und nach wenigen Schritten waren wir uns einig.

Es kann sein, dass sie mich das immer wieder fragen wird. Manche Pferde tun das. Es kann auch sein, dass sie mich das nur noch ein paar Mal fragen wird. Es ist egal. Es ist mein Job das immer im Kopf zu haben und sie so lange und so oft darum zu bitten, wie sie mich fragt.

Zusammengefasst: Pferdeflüstern ist kein mystisches Geheimnis. Es ist kein besonderes Talent, es ist nicht nur Seilschwingen und erst Recht kein Join Up a la Monty Roberts.

Es ist eine innere Haltung, eine klare Körpersprache und vor allem bedeutet es, dass du deinem Pferd zuhören musst. Du musst lernen seine Sprache und sein Flüstern zu hören und zu übersetzen. Du musst dich mit der Körpersprache und den Bedürfnissen der Pferde auseinandersetzen und nach und nach immer mehr lernen ihre Sprache zu verstehen.

Das ist im Grunde ein lebenslanger Weg und du wirst immer besser werden, aber das Schöne daran ist, dass es dir auch helfen wird dein bestmögliches ICH zu werden. Pferde sprechen nämlich nicht nur eine ziemlich klare Sprache, sie sind auch perfekte Persönlichkeitstrainer, wenn wir ihnen zuhören.

Ich weiß noch nicht genau, was meine Stute mit beibringen wird, aber ich bin mir sicher, dass sie meine Schwächen gnadenlos entdecken und mir zeigen wird, wie ich sie überwinden kann. Das ist ein Geschenk. Du musst es nur annehmen.

Annäherung mit dem Jungpferd

Fang an deinem Pferd zuzuhören!

Du wirst dafür sehr viel zurückbekommen. Unter anderem das Vertrauen deines Pferdes. Nicht heute und nicht morgen, aber nach und nach. Ein Geschenk, das all den Menschen entgeht, die ihren Pferden nicht zuhören.

Frage: Hörst du das Flüstern deines Pferdes schon? Vielleicht sagt es dir schon etwas? Oder du hörst ihm in den nächsten Tagen und Wochen mehr zu? Ich würde mich freuen, wenn du mir von den Gesprächen zwischen deinem Pferd und dir schreibst. Schreib mir einfach einen Kommentar!

10 Kommentare zu “Pferdeflüstern: Bedeutet dem Flüstern der Pferde zuzuhören

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    du gibst mir mit deinem Artikel etwas den Glauben an die Pferdewelt zurück, der diese Woche wieder mal etwas erschüttert wurde.
    Mein erstes Pferd hat nicht geflüstert. Er hat irgendwann bemerkt, dass die Menschen ihm nicht zuhören und fing dann an laut zu werden. Er war ein Pferd was von vielen Experten aufgegeben wurde, als schwierig eingestuft wurde. Mehrmals wurde mir geraten das Pferd zum Schlachter zu geben, weil das der einzige Weg sei. Ich bin bis heute froh, dass ich nicht auf die Menschen, sondern auf mein Pferd gehört habe.Als ich angefangen habe ihm zuzuhören und aufgehört habe irgendwas von ihm zu fordern, hat er aufgehört problematisch zu sein. Er war mein größter Lehrmeister.
    Mein Pony hat einen starken Charakter und viel Selbstbewusstsein. Wenn ich ihm nicht zuhöre, dann hört er einfach auf mit mir zu sprechen.
    Meine ehemalige Reitbeteiligung ist ein sehr leises Pferd. Er ist unheimlich sensibel und sagt die Dinge immer sehr vorsichtig und man muss genau hinschauen, was er eigentlich sagt. So hatten wir zum Beispiel anfangs das selbe Theme wie du mit deiner Carey. Anfangs ist er unheimlich dicht bei mir dran gelaufen. Bei einem so großen und schweren Pferd äußerst unangenehm. Ich habe ihn damals aber erst Mal trotzdem nicht korrigiert, sondern mir ist schnell aufgefallen, dass er das aus Unsicherheit macht. Die Situation war ihm noch nicht ganz geheuer. Er kannte zwar den Weg, aber ich war ihm fremd und er wusste nicht, was auf ihn zukommt. Also hat er Schutz gesucht und ist dabei immer näher zu mir gekommen. Ich bin nochmal ein Stück mit ihm zurückgegangen, habe ihm erst nochmal Zeit gegeben sich an mich zu gewöhnen. Ich habe ihn so wenig wie möglich am Strick geführt, dann nur bekannte Wege und besonders gut selber auf meine Füße aufgepasst. Er durfte aber erstmal in meiner Nähe bleiben. Mit jeder Einheit und jedem besser kennenlernen wurde er sicherer. Nach einigen Malen und der Erkenntnis auf seiner Seite, dass ihm nichts schlimmes passiert ist der Abstand von selber aus größer geworden. Hätte ich ihn hier anfangs korrigiert, hätte ich ihn alleine gelassen. Ich hätte gesagt, du bist dir unsicher, mir egal, schau wie du klar kommst. Natürlich will ich nicht, dass mir das Pferd auf die Füße steht oder mich über den Haufen rennt, aber das ist auch nicht passiert. Ich habe anfangs einfach für uns beide mehr aufgepasst und das ist heute nicht mehr notwendig. Ohne, dass ich das dann extra trainieren musste, lief er später in einem schönen Abstand neben mir.
    Manchmal ist es gut, genauer hinzuhören und auch hinzufühlen. Von außen kamen Kommentare, dass ich ihn korrigieren soll, dass er das macht, weil er mich bewegen will. Ich hatte dieses Gefühl nicht und bin mir sicher, dass es für uns besser war ihm erst Mal den Schutz zu geben, den er braucht.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das freut mich, wenn dir der Artikel gut getan hat. Auch wenn ich sehr schade finde, dass offenbar etwas vorgefallen ist, dass dich beschäftigt. Aber die Pferdewelt ist leider nicht immer so freundlich, wie man es von Menschen erwarten dürfte, die sich mit Tieren beschäftigen. Ich danke dir für deinen Hinweis und werde die kommenden Tage darauf achten. Meine KLeine ist sehr dominant. Ich habe auch schon gelernt, dass sie öfter fragt, ob man wirklich weiß was man will. Dann wird sie nicht ängstlich, sondern sauer. Aber nur, wenn man nicht den richtigen Ton trifft. Trotzdem muss das nicht für die Nähe gelten, da hast du schon Recht. Ich werde in den Kommenden Tagen darauf achten, ob sie unsicher ist oder mich bewegen will. Man spürt ja die Art der Energie, die einem da entgegenkommt. Und ich habe sie einfach etwas auf Abstand gehalten, ohne mir die Intention genauer anzusehen. Danke für deine Gedanken zu dem Thema. Ich freue mich wirklich sehr, dass du hier immer wieder vorbeischaust. Bis ganz bald und liebe Grüße an dein Pony, Petra

  2. Angela Schreiber sagt:

    Hallo ,ich würd wahnsinnig gern lernen und das Flüstern meines Pferdes verstehen,vielleicht hab ich es schon ein wenig gelernt ich weiß nicht wie man es erkennt ,was mein Pferd mir alles sagen will ,aber eins kann ich sagen mein Pferd hat mich für sich ausgesucht und sich für mich endschieden,er zeigt mir das ich loslassen kann ,und zeigt mir das Loslassen nicht heißt zu vergessen.Vor 3 Jahren verlor ich tragisch meine erste RB mein Seelenpferd er war alles ,vor 2 Jahren lernte ich mein jetziges Pferd kennen erst als RB dann Ostern vor einem Jahr hab ich ihn gekauft,ich habe das Gefühl das er mir immer mehr zeigt das ich zur Ruhe kommen kann , neu vertrauen kann und wieder neu lieben kann ,und ich möchte ihm gern zeigen wie dankbar ich ihm dafür bin ,und verbringe jede freie Minute bei ihm auch wenn ich mich nur auf der Weide hinsetze und zuschaue wie er genüßlich sein Gras frist .Ich werde mir das Buch von Susanne Kreuer kaufen .
    Lg Angela

    • Petra sagt:

      Hallo Angela, wie schön, dass du dich neu einlässt auf ein Pferd. Er wird es dir sicher danken, auch dass du so viel "Qualitätszeit" mit ihm verbringst. Wie oft rennen alle zum Stall um zu reiten und dann gehts wieder heim. Ich fahre manchmal auch zweimal an einem Tag, damit ich einfach nur Kuscheln kann und fahre dann wieder. Und wenn sie dann lieber frisst, als mit mir zu kuscheln, dann ist das eben so. Ich wünsche euch beiden alles Liebe und freue mich darauf, hier auf der Pferdeflüsterei, wieder von euch zu hören. Ich bin gespannt, wie dir das Buch von Susanne gefällt. Alles Liebe, Petra

  3. Andrea sagt:

    Liebe Petra, ein großartiger Artikel! Ich bin beeindruckt, wie Du die Dinge siehst und formulierst. Auch wie Du die altbewährten Vorurteile (der will dich nur verarschen), entkräftest. Durch mein Pferd habe ich gelernt, hinzuhören, sei das Gesagte auch noch so leise. Ich mußte lernen, zu beobachten. Pferde verstehen hilft uns nicht nur im Umgang mit Pferden, es hilft uns auch im Umgang mit Menschen.

    • Petra sagt:

      Liebe Andrea, absolut – das geht mir auch so. Ich bin viel klarer – ich kann plötzlich gelassen und emotionslos nein sagen und ich bin viel entspannter – egal was um mich herum passiert. Das ist ein großes Geschenk – das man aber nur bekommt, wenn man sich wirklich auf die Pferde einlässt. Ganz liebe Grüße und vielen Dank für den schönen Kommentar, Petra

  4. Lisa sagt:

    Liebe Petra,

    dieser Artikel hat mich sehr in meinem Herzen berührt! Ich bin gerade mal 16 Jahre und habe schon 3 wundervolle Fellnasen erlebt. Meine ersten Reitstunden habe ich auf einem kleinen Schulpony Charly gehabt. Ich habe ihn von Anfang an geliebt. Vier Jahre hat er mich begleitet, seit knapp einem Jahr kann ich ihn nicht mehr reiten, weil er zu alt ist. Er hatte schon immer seinen eigenen Kopf, und er hat immer gesagt, wenn ihm was nicht gepasst hat, nicht zu laut und nicht zu leise. Eigentlich genau passend, sodass selbst ich als damals 12 Jährige es verstanden habe. Nach ihm habe ich angefangen eine Isländerstute zu reiten. Sie war jung und erst ein Jahr bei uns. Sie hat schon damals nie mit den Menschen geredet. Sie hat es mit so jungen Jahren schon aufgegeben, nein oder überhaupt irgendwas zu sagen. Ich habe mich so bemüht, sie zu verstehen… Ein Vierteljahr nach unserer gemeinsamen ersten Reitstunde ist sie gestorben. Ihr Dünndarm war schon zur Hälfte abgestorben. Und ich glaube bis heute, dass sie auch sterben musste, weil ihr niemand zugehört hat. Und meine Dritte Maus ist auch noch jung und nicht lange an unserem Hof, sie ist sehr verängstigt gewesen(sie kommt aus eher schlechter Haltung), hat ziemlich schnell nach ihrer Ankunft bei uns angefangen wieder zu flüstern… und jetzt redet sie wieder mit vielen von uns. Und ich freue mich so, wenn sie mir ihre ganze Aufmerksamkeit schenkt, wenn sie ganz bei mir ist, und ich ganz bei ihr. Das sind die schönsten Minuten und Sekunden in meinem Leben. Weil ich weiß, dass es ihr wieder besser geht.
    Ganz liebe Grüße und vielen vielen Dank für diesen wahnsinnig tollen Beitrag!
    Deine Lisa

    • Petra sagt:

      Liebe Lisa, wow – dein Kommentar hat mich sehr beeindruckt. Ich bin froh, dass es Pferdemädchen wie dich gibt, die auch mit 16 schon eine klare Haltung zum Thema "Pferd" haben, nachfragen und pferdegerecht sein wollen. Viele hinterfragen nicht, sondern machen was der Reitlehrer sagt. In jeder Altersklasse. Aber gerade, wenn man jünger ist, ist es noch schwieriger. Ich habe als Kind nicht so viel hinterfragt, wie ich es heute tue. Es berührt mich auch, dass du die Pferde verstehen und ihnen zuhören willst – ich wünsche dir und deiner Stute weiterhin ganz viele und immer mehr gemeinsame Momente. Das sind die schönsten .-) Liebe Grüße, Petra

  5. Elke sagt:

    Hallo Petra, ich habe vor fünf Jahren angefangen, meinem Pony zu zuhören und war erst erschrocken, was ich alles von ihm gehört habe. Ich wollte es anfangs nicht glauben, dass es mit mir spricht. Habe geglaubt, dass ich mir das alles nur einbilde, aber dem war nicht so. Ich habe mich dann ein Jahr mit dem Pferdeflüstern beschäftigt und war erstaunt, wie aufnahmefähig ich war. Heute reden sogar einige Tiere mit mir ohne das ich sie vorher gefragt habe. Manchmal muss ich echt weinen, über das was mir die Tiere erzählen, weil ich es den Besitzern ja nicht einfach so sagen kann, dass ihr Tier mit mir redet. Sie würden das ja nicht glauben und mich für verrückt halten. Wie soll ich mich denn verhalten? Soll ich es ihnen sagen, oder nicht? Lieben Gruß Elke

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Elke, wie schön, dass du deinem Pferd und den Tieren zuhörst. Tatsächlich meine ich ja deren Körpersprache und die Kommunikation im Miteinander, die Mimik und den Gesichtsausdruck. Ich persönlich bin auch nicht überzeugt von der Idee der Tierkommunikation. Und kann dir da gar nichts raten. Ich bin nicht dabei und kenne die Situationen und Menschen nicht, von denen du sprichst und fände es deswegen falsch etwas dazu zu sagen. Ich fürchte, dass du dich da ganz auf deine Intuition verlassen musst, die dir sicher rät, was das Beste in der Situation ist. Viele liebe Grüße, Petra

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