Stell Dir vor, Du triffst einen guten Freund und er greift sich rüde Deine Schultern ohne „Hallo“ zu sagen und redet wie ein Wasserfall sofort nur von sich, ohne einmal darauf zu achten, wie es Dir heute eigentlich geht. Dann schaut er Dich an und erwartet, dass Du auch gleich von all Deinen geheimen Gedanken erzählst.

“NEIN, SO NICHT!”

„Nein!“ Würdest Du sagen. „Du hast mich ja noch nicht mal begrüßt oder mich gefragt, wie es mir geht“. Das ist unhöflich und sorgt dafür, dass Du erst einmal Abstand möchtest oder keine Lust hast auch von Dir zu erzählen, Dich zu öffnen und auf den anderen einzulassen. Wie fühlst Du Dich dabei?

Hast Du wirklich Lust mit dem Freund noch etwas zu unternehmen? Es ist nett, wenn man begrüßt wird. Wenn der gute Freund Dir zeigt, dass er sich freut Dich zu sehen, dass er Dich mag und dass er darauf achtet, wie es Dir heute geht. Dass er Dich nicht überfällt und gleich erwartet, dass Du Dich sofort zu 100% auf ihn einstellst. Was diese Geschichte mit den Pferden zu tun hat?

So viele Menschen verhalten sich ihrem Pferd gegenüber wie der aufdringliche Freund

Sie gehen zu dem Pferd, werfen das Halfter über den Kopf, schleppen es dann mehr oder weniger zum Putzplatz, schrubben kurz über das Fell, Sattel drauf, Zügel annehmen und los geht’s. Und dann wundern sie sich, dass ihr Pferd lustlos mitläuft, auf der Koppel nicht zu ihnen kommt, trippelt, wenn der Sattel auf dem Rücken landet und dann in der Halle verweigert.

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Die Kommunikation fängt so viel früher an. Nicht erst, wenn der Zügel angenommen wird. Nicht erst, wenn der Sattel sitzt. Die Kommunikation fängt mit dem ersten „Hallo“ auf der Koppel an. Mich wundert, dass so viele Reiter das nicht wissen. Dass sie nicht darüber nachdenken oder es als selbstverständlich nehmen, dass es so läuft. Wenn sie ihr Pferd von der Koppel holen, aber auch wenn sie neue Pferde das erste Mal treffen oder mit einem Schulpferd reiten wollen. Ich wusste das auch nicht und habe es anfangs auch nicht anders beigebracht bekommen. Aber ich wollte mehr als ein Pferd, das lustlos hinter mir herstapft. Also habe ich angefangen zu recherchieren und mit Pferdeexperten zu sprechen.

Die mir alle von der richtigen Annäherung erzählt haben. Respektvoll und höflich, mit Geduld und Blick auf die Zeichen des Pferdes. Seitdem übe ich mich jedesmal, wenn ich mich einem Pferd annähere. Und es funktioniert wirklich, immer besser.

Aufmerksame Kleine

Stell Dir zum Beispiel auch noch vor, Du lernst einen neuen Kollegen kennen. Der nimmt Dich einfach am Arm, zerrt Dich in die Kantine und erzählt Dir dann sofort von all seinen intimen Problemen. Dann schaut er Dich an und erwartet, dass Du auch gleich von all Deinen geheimen Gedanken erzählst.

„Nein!“ würdest Du sagen. „Wir kennen uns doch erst 5 Minuten. Wieso soll ich Dir jetzt vertrauen und alles von mir erzählen?“ Eine Freundschaft muss doch erst wachsen. Man trifft sich das erste Mal, man sagt von weitem Hallo, vielleicht schüttelt man sich die Hand, dann läuft man nebeneinander. Beschnuppert sich. Geht dann Kaffee trinken, fängt an erste Informationen auszutauschen, erzählt sich mit jedem Treffen mehr.

Du fängst an dem neuen Kollegen immer mehr zu vertrauen, Du fühlst Dich immer wohler und dann irgendwann nach ersten gemeinsamen Erlebnissen, nach einigen Treffen, verstehst Du den neuen Kollegen, Du kennst ihn und Du vertraust ihm immer mehr und dann seid ihr auf einmal gute Bekannte. Das erste Hallo verläuft herzlicher. Du läufst auf ihn zu und umarmst ihn schon zur Begrüßung. Ihr fangt sofort an euch zu erzählen, was euch bewegt. Tauscht schon erste Geheimnisse aus und dann seid ihr irgendwann Freunde. Ihr fallt euch in die Arme, wenn ihr euch seht, ihr wisst wie der andere denkt und fühlt. Du vertraust Deinem Kollegen und erkennst schon an seinem Gesichtsausdruck, was ihn beschäftigt. Du willst auf ihn achten und darauf, dass es ihm gut geht. Dann seid ihr irgendwann beste Freunde.

Petra sagt Hallo

Das ist echte Kommunikation. Das ist Höflichkeit und das sind Manieren. Es wundert mich, dass so viele Menschen das regelmäßig im Umgang mit ihrem Pferd vergessen. Gleichzeitig fordern sie aber diesen Respekt, diese Höflichkeit und die Manieren von ihrem Pferd ein. Ich empfinde das als ungerecht. Ich denke, dass wir den Pferden genau das geben sollten, was wir von ihnen verlangen: Achtsamkeit, Zeit, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Höflichkeit, Respekt, Geduld… Das ist alles, was mir Pferdetrainer von Mark Rashid* über Alfonso Aguilar* bis Kenzie Dysli* gezeigt und erklärt haben. Sie alle sind sich einig.

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Die Beziehung zum Pferd fängt beim ersten „Hallo“ an:

  1. Renne nicht auf das Pferd zu und greif es Dir. Sondern gehe entspannt auf das Pferd zu, am besten von der Seite statt frontal. Starre ihm dabei nicht in die Augen. Das machen Raubtiere, das machen Menschen. Fluchttiere machen das nicht.
  2. Mache es auf dich aufmerksam und bleibe vorher stehen. Beobachte das Pferd. Wendet es sich Dir zu? Klappt es ein Ohr ein oder wendet sogar den Kopf zu Dir? Dann hat es Dich bemerkt. Du kannst ihm die Hand hinstrecken und schauen, ob es zu Dir kommt. Du kannst dann auch weiter auf das Pferd zulaufen.
  3. Lass es an Deiner Hand schnuppern. Das ist „Hallo“ auf Pferdisch. Dann kannst Du es sanft und entspannt aufhalftern.

Beschnuppern

Das geht weiter beim Führen:

  1. Nehme Deine gewünschte Führposition ein. Bringe Deinem Pferd bei, wo Du es dabei haben willst.
  2. Indem Du es lobst und ruhig neben ihm läufst, wenn es die gewünschte Position hat. Und indem Du ihm zeigst, dass es weder vorauslaufen, noch hinterherschlurfen soll. Es soll auf Dich achten und gleichzeitig achtest Du auch auf Dein Pferd.
  3. Wie zeigst Du ihm das? Indem Du es sanft korrigierst, wenn es die Führposition verlässt.

Carey schaut

Meine persönliche Lieblings-Führposition? Ich habe viele verschiedene Führpositionen gesehen und beigebracht bekommen. Am liebsten mag ich die Position a la „Quantum Savvy“. Du stehst zwischen Hals und Schulter des Pferdes. Warum? Pferde haben einen nach rechts und links schwankenden Bewegungsradius und Du willst, dass Dein Pferd lernt sich um Dich zu biegen und sich selbst zu tragen, wenn Du es reitest. Warum dann die Biegung des Pferdes schon beim Führen beeinträchtigen, indem Du Dich in den Biegungsradius des Pferdes stellst und es so abstoppst, wenn es zu Deiner Seite schwankt mit dem Vorderkörper?

Knapp hinter der Schulter stehend, hast Du Dein Pferd im Blick UND es kann sich gut um Dich biegen beim Führen. Außerdem wirst Du in der Natur kaum ein Leitpferd sehen, dass in der Herde ganz vorne oder ganz hinten läuft. Die Leitstute läuft immer in der Mitte der Herde. Zum einen, um geschützt zu sein, da sie die wichtigste „Person“ ist in der Herde, zum anderen um alles im Überblick zu haben. Das alles erscheint mir so logisch, dass ich diese Führposition schätze.

Komm ruhig näher

Das geht weiter beim Putzen:

  1. Putze Dein Pferd mit Geduld. Vor allem die Sattellage.
  2. Achte darauf, was Dein Pferd mag und was es nicht mag. So kannst Du ihm schon beim Putzen zeigen, dass Du es kennst und ihm Gutes tun willst. Du kannst ein Freund sein, weil Du weißt, wo es besonders gerne gekrault wird.
  3. Außerdem siehst Du so, ob es Verletzungen hat, ob alles in Ordnung ist und wie seine Stimmung heute ist. Ist es aufgeregt? Ist es gelassen? Oder sogar müde? Diese Infos werden Dir alle beim Reiten oder bei der Bodenarbeit helfen.

Pferd buersten vor dem Ausritt in Nambia

Das geht weiter in der Halle oder auf dem Platz oder beim Ausritt:

  1. Führe Dein Pferd auch achtsam zur Halle. Auch da klärt ihr schon Euer Verhältnis.
  2. Ist es höflich? Ist es respektvoll? Achtet es auf Dich? Hält es die Führposition ein?
  3. Genauso wichtig: Bist Du höflich? Achtsam? Bist Du ruhig und gelassen und erfüllst damit Deine Aufgaben als Leittier und Beschützer in eurem kleinen Team?
  4. Lass Dein Pferd erst ruhig ankommen. Führe es im Schritt durch die Halle oder über den Platz. Lass es sich umschauen und die Lage erfassen. Das braucht es als Fluchttier. Es muss wissen, dass keine Gefahren lauern.
  5. Bleib dabei auch ruhig und gelassen. Das sagt Deinem Pferd, dass es sich entspannen kann. Denn wenn Du entspannt bist, dann ist Deinem Pferd klarer, dass es keinen Grund gibt sich zu fürchten oder aufzuregen.

Carey und Petra

Du bist natürlich kein Pferd und kein „echtes“ Leittier. Aber Du holst Dein Pferd aus der Herde in die Menschenwelt. Also musst Du auch der ideale vertrauensvolle menschliche Partner und Beschützer in dieser Menschenwelt sein. Für die Zeitdauer, die Du Dein Pferd aus der Herde holst. Du musst also das ruhige, gelassene, klare menschliche Leittier sein für die Dauer eurer Teamarbeit. Das bist Du, indem du klare Signale aussendest, indem Du ruhig aber konsequent bist in Deinen Wünschen an das Pferd. Indem Du in allen Situationen möglichst ruhig und gelassen bleibst. Denn das sagt Deinem Pferd: „Alles klar, mein Guter. Hier ist keine Gefahr. Ich bin ruhig und gelassen. Also kannst Du es auch sein.“ Du bist der achtsame und respektvolle Freund an der Seite des Pferdes.

(Reklame)

Du musst Deinem Pferd vertrauen, dann wird es auch Dir vertrauen.

Das ist nichts, was sich innerhalb von Sekunden bildet. Das braucht Zeit. Es ist eine Entwicklung und ein Weg. Aber auch das ist doch schön. Zu sehen, wie das Vertrauen wächst, wie eine Freundschaft entsteht, wie man sich hoffentlich immer mehr aufeinander verlassen kann. Weil man sich gemeinsam diese Sicherheit und das Vertrauen erarbeitet hat. Durch Spaziergänge, durch Trainings, durch Bodenarbeit, durch erfolgreiche Ausritte, durch gemeinsam gemeisterte Situationen und durch ganz viel Geduld, Respekt und Höflichkeit, ab dem ersten „Hallo“. Immer wieder. Auch nach einer jahrelang andauernden Freundschaft.

INFO: Habt ihr auch solche Geschichten? Und wie handhabt ihr das mit euren Pferden? Ich freue mich auf eure Geschichten. Schreibt mir einfach im Kommentar!

Miri von “MeinFaible” hat übrigens auch sehr wahre Gedanken zu dem Thema geschrieben “Mein Körper gehört mir“. Sehe ich ganz genauso. Wie seht ihr das?

Autor: Petra

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

69 Kommentare zu ““Hallo Pferd!” Warum die gute Beziehung zum Pferd viel früher anfängt als Du glaubst

  1. sabina sigl sagt:

    was fuer ein wunderbarer Artikel…ein sehr achtsamer, aufmerksamer und bewusster umgang mit dem pferd…schulung von hinhieren, zuhoeren, hinsehen, absorbieren und dann erst reagieren…den ersten schritt zulassen, nicht einfordern…! das ist es, was ich meinen schuelern zu vermitteln versuche, ich werde diesen artikel weiterleiten und versenden…wunderbar geschrieben, ich danke dafuer! have a great week! Sabina/horsefeel

    • Petra sagt:

      Wow, ich freue mich wirklich sehr über Deinen Kommentar. Es freut mich, dass eine Pferdetrainerin, wie Du, meinen Text richtig und korrekt geschrieben findet. Ich habe ja etwas gebraucht, bis ich Lehrer und Trainer und gefunden habe, die genau diese Gedanken auch ihren Schülern nahebringen wollen. Wo unterrichtest Du denn? Ich bin, wie immer, neugierig 🙂 Alles Liebe und ich bin gespannt, wie Deine Schüler den Text finden, Petra

    • Sarah sagt:

      Alles was wir sind, ist das was wir fühlen!

      Unsere Gefühle bedeuten unseren Pferden etwas.
      Noch bevor wir auf die Koppel kommen, wissen sie bereits, wie wir uns fühlen und werden uns spiegeln.

      Sie sind unsere Lehrer, nicht anders herum. Das sollten wir dankbar annehmen. Korrigiert werden müssen, meiner Meinung nach eh immer wir. Die Pferde sprechen Ihre Sprache perfekt. Was soll man Ihnen also beibringen?

      Guter Artikel.

    • sabina sigl sagt:

      Hallo Petra, sorry für meine späte Antwort…..die Pferdewelt lässt mich viel reisen…..Zurück aus der USA/Californien bei einem mehrmonatigen Aufenthalt mit meinen Meistern Jack Brainard und Eitan Beth Halachmy, gehe ich nun wieder in meiner Heimat Salzburg meiner Leidenschaft als Pferdetrainerin im Bereich Natural Horsemanship und Cowboy Dressage nach. Ich würde mich über ein persönliches Kennenlernen sehr freuen….Deine Blogs find ich sehr ansprechend, informativ und anregend! Schön, dass du dasThema “Wesen Pferd” so nett in Worte fasst! 🙂 Herzlichen Gruss Sabina Sigl

    • Petra sagt:

      Hallo Sabina, das macht doch nichts. Wir haben hier immer alle Zeit der Welt 🙂 Ein mehrmonatiger Aufenthalt in Californien klingt toll, das war bestimmt spannend. Ich freue mich sehr, dass du die Artikel so magst und hier kommentierst. Dafür ganz lieben Dank. Ganz liebe Grüße, Petra

  2. Heike Koehler sagt:

    100%! Danke für den Bericht. Vertraut euren Pferden und ihr bekommt es 100x zurück. Versucht nicht euch zuviele Gedanken über “Richtig” oder “Falsch” zu machen, folgt eurem Herzen.
    Ich hatte am Wochenende einen kleinen Jungen zu Besuch der authistisch ist – und ich könnte schwören das meine Ponys vom ersten Moment an “Bescheid” wussten und sich dementsprechend nett und höflich ihm gegenüber verhalten haben. Der Junge hatte Spass wie Bolle und die Pferde haben soviel mehr toleriert als “normalerweise”, mit mir oder anderen Personen die denken sie wären tolle Reiter.

    • Petra sagt:

      1000 Dank für Deinen Kommentar, liebe Heike! Dein Satz ist toll “Versucht nicht euch zuviele Gedanken über “Richtig” oder “Falsch” zu machen, folgt eurem Herzen.” Ich war anfangs auch zu sehr damit beschäftigt möglichst perfekte Körpersprache zu finden, mehr als damit einfach auf das Pferd zu schauen und eine gemeinsame Kommunikationsebene zu finden. Das war sehr kompliziert und manchmal frustrierend, weil sich vieles erst entwickeln muss – auch die Körpersprache. Aber die Pferde erzählen einem schon, ob man es richtig macht. Ich würde übrigens auch wetten, dass Deine Pferde den kleinen Jungen genau gespürt haben. Man sieht ja auch so oft Pferde mit Kindern. Dann sind sie viel ruhiger und gelassener als bei so manchem Erwachsenen. Was für eine schöne Geschichte 🙂 Danke dafür und ganz liebe Grüße, Petra

    • Martina sagt:

      es ist manchmal wirklich magisch, wie sensibel Pferde reagieren. Ich habe eine kleine Hafi-Paint-Stute “Micky”, eine absolute Rennsemmel, die immer flott unterwegs ist, keinen Galopp auslässt. Wenn zu uns Kinder mit “Handycap” kommen, konnte ich ihr Verhalten nun wirklich mehrmals sehen. Sie ist total vorsichtig, geht nur dann schneller, wenn ich ihr eindeutig ein Kommando gebe. Bleibt lange geduldig stehen und geht in langsamen Schritt, wirklich von ihr aus. Ich bin derzeit auch so fasziniert, wie toll sie ist …

  3. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    Danke für diesen Artikel.
    Bei uns laufen die Begrüßungen meistens etwas anders ab, wenn ich zur Weide komme, steht mein Pony meist schon vorne am Tor und wartet darauf, dass ich “endlich” zu ihm komme. Meistens begrüße ich ihn dann ganz kurz, aber er ist meistens dann schon ganz ungedulig, will den Kopf ins Halfter strecken und raus Abenteuer erleben. An meiner Hand schnuppern will er nicht. Er drlängelt zum Tor. Ist er nicht vorne, sondern steht noch hinten auf der Weide, rufe ich ihn meistens fröhlich und er kommt fröhlich angerannt. Auch dann will er keine lange Begrüßung sondern los.
    Allerdings sind wir auch ein eingespieltes Team. Wir kennen uns, wir vertrauen uns und mein Pony weiß ganz genau, dass ich ihn wenn er nicht möchte auch in Ruhe lasse. Er genießt die Zeit mit mir, freut sich darauf und möchte meistens sofort los.
    Natürlich gibt es auch bei uns Tage wo mein Pony entscheidet, dass die frischaufgefüllte Heuraufe jetzt aber besser ist, oder er lieber bei seinen Mädels auf der Weide bleiben möchte. Manchmal kommt er dann kurz, begrüßt mich und dreht sich dann aber wieder weg. Und ich tue dann etwas, was in der Pferdewelt sehr selten und nicht besonders angesehen ist, ich lasse ihn dann gehen. Entweder beschäftige ich mich dann mit Weide abäppeln, ihm zuschauen oder geh einfach wieder heim.
    Hm, irgendwie bin ich glaub vom Thema abgekommen…
    Was ich aber noch zum Thema Vertrauen sagen wollte. Vertrauen braucht Zeit. Wie oft hört oder liest man, Aussagen wie “Ich habe mein Pferd jetzt seit 2 Monaten und es vertraut mir beim Spazierengehen nicht. Was soll ich tun?”. Ich persönlich finde nicht, dass 2 Monate in denen sich die Welt für das Pferd komplett geändert hat, besonders viel Zeit sind. Ich vergleiche das immer damit, wie es für uns Menschen ist, wenn wir in ein anderes Land auswandern würden wo wir die Sprache nicht sprechen. Das Pferd muss sich an eine neue Umgebung gewöhnen, es muss sich an andere Abläufe gewöhnen und jeder Mensch “spricht” ja auch anders. Und all das soll das Pferd nach ein paar Tagen verarbeitet haben und bitte ganz schnell dem Menschen vertrauen.
    Vertrauen ist ein Geschenk und man kann es nicht einfordern. Mein erstes Pferd hatte ich vorher 4 Jahre als Reitbeteilgung und erst 2 Jahre nach dem ich ihn übernommen habe, hat er mir vertraut. Wir kannten uns also 6 Jahre (!). Gut,. er war nicht ganz einfach und ich habe auch viel gemacht was nicht gerade vertrauensfördernd war. Aber vertrauen kann ich erst nach einiger Zeit. Ich habe mich bei meinem Pony z.B. wochenlang einfach nur zu ihm auf die Weide gesetzt und wir haben uns gegenseitig kennen gelernt. Ich habe seine Sprache gelernt und er meine. Das war so eine wichtige Zeit und dieses gegenseitig kennen lernen hört auch nie auf. Der Kleine ist jetzt 2 1/2 Jahre bei mir und trotzdem überrascht er mich immer noch.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, danke (wie immer) für Deinen wunderbaren Kommentar 🙂 Ich freue mich immer sehr von Dir und Deinem kleinen Kerl zu lesen. Wenn wir manchmal ein bisschen mehr darüber nachdenken würden, was da Pferd braucht und weniger darüber, was wir uns wünschen, würden solche Sätze, wie Du sie beschreibst wahrscheinlich weniger fallen. Vertrauen braucht auch bei Menschen Zeit, warum sollte es bei Pferden schneller gehen? Genau das dachte ich mir auch, als ich den Artikel geschrieben habe. Ich mag Deine Idee die erste Zeit einfach nur auf der Koppel zu sitzen. Die klaue ich Dir, wenn ich darf? Meine Idee war die erste Zeit wahnsinnig viel spazieren zu gehen. Aber das beschnuppern auf der Koppel als Einstieg und Schritt vor dem Spazieren gehen gefällt mir auch sehr 🙂 Ganz liebe Grüße an Dich und den kleinen Mann, Petra

    • Miriam sagt:

      Liebe Petra,

      natürlich darfst du meine Idee klauen ;).

      Ich hatte als ich den kleinen Ponymann zu mir geholt habe auch die Idee, dass wir viel spazieren gehen werden. Der Kleine hatte andere Vorstellungen. Um mit mir spazieren zu gehen benötigt es schon eine ganze Menge Vertrauen. Ich persönlich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass mich ein Pferd schon gut kennne muss bevor es mit mir spazieren gehen möchte.
      Nur als kleiner Denkanstoß.

      Liebe Grüße
      Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, sehr schön – dann wird hiermit geklaut und ich werde dann berichten, wie die Koppelstunden verlaufen sind im Sommer. Ich würde tatsächlich etwas früher spazieren gehen zusammen mit dem Pferd als Du. Weil ich möchte, dass sie auch lernt, dass ihr in unserer kleinen Zweierherde nichts passiert. Ich denke, dass das Vertrauen auch dadurch wächst. Aber ich werde zweigleisig daran basteln. Auch durch die von Dir vorgeschlagenen Koppelstunden. Ich stelle mir ja immer vor, wie ich im Sommer auf der Koppel liege und lese und zwischendurch beschnuppern wir uns immer wieder. Dann grast sie und ich lese und dann beschnuppern wir wieder. So in etwa 😉 Liebe Grüße und danke Dir für Deine Gedanken, Petra

  4. Bianca Gade sagt:

    Ich hatte mal eine Reitbeteiligung, die beim Putzen schon immer gezappelt hat und unaufmerksam war. Wenn die Stute viel zappelte, wurde ich ungeduldig, was es natürlich nicht besser machte. Bis ich eines Tages mal einen Tipp von einem Horseman gelesen habe: Die Freundschaft fängt schon beim Putzen an. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon angefangen mit ihr nach Parelli im Roundpen zu arbeiten und wollte nun noch früher, am Putzplatz damit anfangen. Und es war ganz einfach: Immer, wenn sie den Körper wegdrehte, stellte ich sie ganz ruhig gerade und machte weiter. Dabei nahmen wir uns alle Zeit der Welt, denn zur Not hätte ich mit ihr das den ganzen Tag geübt. Bis es sitzt. Wir hatten auch den ein oder anderen Putztag und es wurde immer besser. Am Ende kam die Stute sogar freiwillig zu mir auf den Putzplatz (dieser war bei ihr im Paddock) und ich konnte sie ohne anzubinden, putzen. Und wenn sie mal weggehen wollte, kam sie mit Handzeichen auch wieder zurück.

    • Petra sagt:

      Das war bestimmt ein guter Horseman 🙂 Ich würde ihn ergänzen und sogar sagen: Die Freundschaft fängt schon beim ersten “Hallo” an der Koppel an. Aber er hat so Recht. Das Putzen ist dann (aus meiner Sicht) die zweite Kontaktaufnahme, das engere “Hallo”, der Check ob das Pferd sich wohlfühlt, ob es saure Muskeln hat, ob es eine Massage braucht. Und Du zeigst mit solchen Situationen (ruhig hinstellen und das Pferd wieder zurückbewegen da wo Du es haben willst), dass Du weißt was Du tust und es Dir vertrauen kann. Ich habe in Australien vor kurzem nochmal verinnerlicht, dass alles – wirklich alles – eine Bedeutung hat mit Pferden. Auch das Putzen. Und auch wenn wir das Zappeln zulassen und nicht auf das Pferd eingehen, sondern unruhig dabei werden. Deine Geschichte zeigt wieder einmal, wie wahr das ist. Schön zu lesen, dass es so gut funktioniert hat zwischen euch beiden 🙂 Alles Liebe und bis bald, Petra

  5. Miri sagt:

    Sehr schöner Artikel lieber Petra!

    Besonders gefällt mir der Einsatz des Wortes Höflichkeit. Oft wird der nämlich mit Unsicherheit verwechselt. Ich finde höflich zu sein bedeutet einfach den Partner Pferd ernst zu nehmen und auf seine Gefühle einzugehen, und ihm Achtung zu schenken.

    Liebe Grüße

    Miri

    • Petra sagt:

      Vielen Dank, liebe Miri. Ein Lob von einer Gleichgesinnten ist immer etwas besonders Schönes 🙂 Ich mag Deine Körperspracheartikel ja auch wahnsinnig gerne. Ich glaube auch, dass wir vor allem in Deutschland ein Problem mit der Wortbedeutung haben. Höflichkeit wird von einigen mit Unsicherheit verwechselt, wie Du schreibst. Und Dominanz, scheint mir, wird von vielen mit Unterdrückung verwechselt. Dabei sollte sie eigentlich nur Klarheit und ruhige freundliche Konsequenz bedeuten. Hoffentlich ändert sich das irgendwann. Ganz liebe Grüße, Petra

  6. Saskia sagt:

    Hallo Petra,

    ein toller Artikel und ich denke, der Vergleich mit uns Menschen und wie wir begrüßt werden möchten, ist so treffend.

    Ich sage meinem Pferd eigentlich genau so “Hallo” wie Du es beschreibst. Ich gehe fast immer zunächst ohne Halfter auf die Koppel, rufe ihn und wenn er kommt freue ich mich einfach und versuche zu fühlen, wie er an dem Tag drauf ist. Erst dann entscheide ich, was wir gemeinsam unternehmen. Ich möchte nicht, dass er mich sieht und das immer sofort mit Arbeit verbindet.

    Ein Punkt ist mir noch eingefallen: Ich lasse ihn auch nie alleine, sobald ich ihn aus der Herde genommen habe. So versuche ich immer vorher schon alles zu holen, was ich brauche. Immer wieder sehe ich, dass Pferde irgendwo angebunden rumstehen und ihre Besitzer gerade Kaffee trinken. Solange er nicht in seiner Herde ist, sehe ich mich als Ersatz dafür. Letztens musste ich lange auf jemanden warten, da habe ich mein Pferd einfach ein wenig mit TTouches massiert. Zeit mit meinem Pferd in welcher Form auch immer zu verbringen, ist doch ein Geschenk. 🙂

    Viele liebe Grüße, Saskia

    P.S.: Ich bin selber ganz neu in der Bloggerwelt mit meinem eigenen Pferdeblog: pferdespiegel – Vielleicht hast Du Lust dort mal vorbeizuschauen.

    • Petra sagt:

      Hi Saskia, wie schön – ich freue mich über jedes Pferdeblog, das mir über den Weg galoppiert. Ich werde gleich mal bei Dir vorbeisurfen. Ich kann ja gerade gar nicht fassen, dass Menschen wirklich ihr Pferd anbinden und dann einen Kaffee trinken gehen. Ernsthaft? Wie respektlos! Auf diese Idee wäre ich nicht mal im Ansatz gekommen. Bislang habe ich das auch noch nicht erlebt. Gott sei Dank. Also danke Dir für Deine Ergänzung. Das ist für mich ein NoGo. Ich sehe es wie Du. Wir sind der Ersatz, wenn die Herde nicht da ist, wir sind dann die kleine Herde. Alles Liebe, Petra

    • Saskia sagt:

      Hallo Petra,

      lieben Dank für Deine Antwort. Ich hoffe, mein Blog gefällt Dir. Ich freue mich natürlich über Feedback 🙂 Bin gerade auch auf Deinen anderen Blog gestoßen. Genau mein Thema! Super toll! Werde ihn gleich mal an andere nachhaltig-bewusste Freunde weiterleiten und selber darin herum stöber. Jetzt frage ich mich aber langsam, ob und wann Du noch Zeit zum Schlafen hast 😉

      Ich beobachte leider sehr oft, dass Reiter ihre Pferde angebunden irgendwo stehen lassen. Letztes Wochenende habe ich ein Pony davor bewahrt sich am eigenen Zügel zu erhängen als es alleine, total nervös und scharrend am Putzplatz stand. Oft sehe ich auch Menschen, die ihre Pferde “zum Trocknen” in die Box in den leeren Stall stellen: Eingesperrt und dann noch ohne Sichtkontakt zu anderen Pferde…schrecklich.

      Freuen wir uns also, dass wir es anders handhaben 🙂 Viele Grüße, Saskia

    • Petra sagt:

      Hallo Saskia, allein der Name Deines Blogs ist ja schon toll. Ich mag den Satz “Die Pferde spiegeln” uns wahnsinnig gerne. Er sagt einfach alles. Und dass Du meine kleine nachhaltige Leidenschaft magst und mein anderes Herzensthema entdeckt hast freut mich natürlich auch. Schlaf, was ist das? 😉 Ja, es gibt einiges in der Reiterwelt, das sich dringend ändern muss. Aber , wie Du schreibst, es gibt auch Menschen, die ihr Pferd anders behandeln, sich kümmern und es als das Familienmitglied betrachten, das es sein sollte. Schön, dass wir uns jetzt auch kennen. Alles Liebe, Petra

  7. Corinne sagt:

    Sorengo ist ein 5 Jähriger Freiberger und wenn ich zu ihm gehe be vor ich die Box öffne oder Raus nehme ruf ich seinen Namen und sage hallo es ist selten das er mich nicht begrüßen kommt außer er ist aus irgend einem Grund eingeschnappt

    • Petra sagt:

      Oh, Du hast einen Freiberger? Ich liebe diese Pferde. Kennst Du Heidi vom Flurweid-Hof? Sie hat eine wundervolle Freibergerzucht und die Pferde dürfen dort ein Traumleben leben. Dort durfte ich einen Kurs mit Alfonso Aguilar mitmachen und mit einer ihrer Freiberger Jungstuten mittrainieren. Ein tolles Pferd. Naila hieß die Stute. So gelassen und freundlich. Seitdem bin ich Fan dieser Rasse. Ich finde toll, dass Du Deinen kleinen Kerl immer begrüßt. Man sieht ja dann auch (wie Du schreibst) an der Reaktion, wie die Stimmungslange ist und das wiederum macht die Zusammenarbeit später leichter und klarer. Weil man weiß, worauf man achten muss. Danke für Deinen Kommentar und ganz liebe Grüße, Petra

  8. becciblu sagt:

    Ein wunderschöner und wahrer Artikel! Ich habe mich in vielem wiedererkannt und freue mich, dass ich mich gegenüber Pferden auf diese faire Art verhalte.
    Hier meine Geschichte:
    Ich habe leider kein eigenes Pferd, dafür eine wundervolle Reitbeteiligung, die ich 3x in der Woche reiten darf. Eine kleine Tinker-Mix Stute, so gutmütig, freundlich und menschenbezogen wie man es nur selten sieht. Seit April 2014 kümmere ich mich um sie, bedeutet seit gut einem Jahr. Durch ihren so gutmütigen Charakter war es anfangs nicht schwer, eine Beziehung herzustellen. Doch in manchen ängstlichen Situationen war ich mir nie sicher: Was wird sie tun? Kann ich ihr vertrauen? Reißt sie sich gleich los?
    Jetzt ist es anders. Ich kann ihr voll und ganz vertrauen. Sie weiß wer ich bin, kommt auf der Koppel auf mich zu, auch wenn sie im Offenstall steht. Sie “blubbert” wenn ich komm. Ob es jetzt die Hoffnung auf Essen, oder doch die Freude mich zu sehen ist, bleibt fragwürdig! 😀 Aber es ist trotzdem schön zu sehen, dass sie sich gegenüber mir anders verhält, als zu anderen Personen. Ich kenne ihren Charakter, weiß was sie mag, was sie nicht mag. Ihre Leistungsfähigkeit im Dressur- oder Springsport ist zwar beschränkt, aber das brauche ich auch nicht. Wir haben unseren Spaß beim ohne Sattel und mit Halfter reiten, auch die ein oder andere Dressurstunde macht uns Spaß. Das kleine Kreuz bringt uns auch schon richtig in Schwung und lässt unsere Springfreudigkeit aufblühen. Aber NICHTS würde ich eintauschen wollen. Unsere Beziehung ist geprägt von Bodenarbeit, langen Ausritten, Geplantsche im Bach und einfachen Spaziergängen, die uns näher zusammengeführt haben. Auch den Turnierstress tun wir uns nicht an. Zugucken – IMMER! Mitmachen – hm, eher doch nicht! 😀
    Mit der Besitzerin verstehe ich mich super, obwohl wir in manchen Punkten nicht ganz das gleiche Verhalten gegenüber unserem kleinen Pöny haben. Sie erkennt zwar genau ihre Besitzerin, aber ich glaube die Besitzerin legt nicht ganz so viel Wert auf das Verhältnis zwischen ihnen. Sie sieht das Pony mehr als, naja, Pony eben, und nicht als Freund. Ich glaube sie will eher, dass sie “funktioniert”, wenn ihr versteht, was ich meine.
    Ich hoffe, dass unsere Kleine mich auch als ihr Freund sieht und die Abwechslung, die ich ihr gebe, schätzt und sie sich freut, mich zu sehen.
    Vielen Dank fürs Lesen meiner kleinen Geschichte! Vielleicht erkennt sich der ein oder andere auch wieder:)
    Viele liebe Grüße,
    becciblu

    • Petra sagt:

      Liebe Becciblu, was für eine wunderschöne Geschichte. Danke, dass Du sie hier geteilt hast. Ich finde das, was Du mit Deiner Reitbeteiligung hast auch so viel erstrebenswerter als jeden Turniererfolg. Pferde sind ja auch Lebewesen mit einer Gefühlswelt, es ist so schade, dass viele sie eher als Sportgerät betrachten. Auch wenn sie es nie zugeben würden. Schön, dass Du es anders machst und noch schöner zu lesen, dass es Dir deine Tinkerstute auch noch mit ihrer Aufmerksamkeit dankt. Alles Liebe und Danke Dir für den schönen Kommentar, Petra

  9. Roswitha Kirchner sagt:

    Ein sehr guter und lehrreicher Artikel. Ich habe in meinem Leben mit Pferden sicher nicht immer alles richtig gemacht. Aber eines hab ich gelernt: die Pferde sind die besten Lehrmeister! Sie haben mir in 35 Jahren so unendlich viel beigebracht.
    Ich sehe so vieles in Reitställen und im Umgang mit dem Pferd. Oft bleibt einfach zu wenig Zeit für das einzelne Tier. Seit dem ich das begriffen habe, ist meine Komunikation mit Pferden immer besser. Bei uns im Stall werde ich ganz oft um Hilfe und Rat gebeten, wenn etwas nicht klappt. Und ich will mir nichts darauf einbilden, das ich inzwischen so viel gelernt habe und immer noch lernen werde, aber die betreffenden Pferde, die bei Ratsuchenden Probleme machen, sind dann bei mir wie ausgewechselt. So kann ich wirksam helfen und zeigen, wie die Pferde es mögen und alle Menschen, die versuchen meinen Rat umzusetzen berichten immer wieder, wie wichtig es tatsächlich ist, sich Zeit zu lassen. Weil dann geht komischerweise alles viel besser und schneller, was vorher so große Probleme bereitet hat.
    Meinen Schülern bringe ich immer bei: “Reiten” beginnt bereits, wenn ihr auf den Hof kommt und die Stalltür öffnet. Und jetzt kann jeder überlegen, wie dieser Satz wohl gemeint ist. Vielen Dank

    • Petra sagt:

      Liebe Roswitha, das ist so wahr. Die Pferde sind wirklich die besten Lehrmeister. Allein die Pferde, dich ich in meinen Jahren als “Pferde”Mädchen getroffen habe, haben mir alles etwas beigebracht. Über mich selbst und über Vertrauen. Über Respekt und das “Zuhören” und und und. Wie schön, dass Dein Wissen in Deinem Stall angenommen wird. Das scheint ein guter Stall zu sein. Denn oft genug, will sich in der Pferdewelt ja keiner was sagen lassen, weil sie alle Recht haben 😉 Aber vielleicht ändert sich ja irgendwann etwas und wir werden ein bisschen offener für neue Ideen und respektvoller den Pferden gegenüber. Das wäre doch schön 🙂 Liebe Grüße, Petra

  10. Martina sagt:

    Hallo,
    es ist so schön zu lesen, dass es noch mehr Menschen gibt, die sich, wie mein bester Freund und ich, das Motto Vertrauen und Respekt auf die Fahne schreiben. Ich habe einen bayerischen Warmblutmix, viel Isländer mit drin, “nur” 1,46 groß, und mein Freund hat ein ungarisches Warmblut. Beide haben wir die Jungs aus einem Reitbetrieb übernommen, und speziell mein Sioux hat dort sehr schlechte Erfahrungen gemacht, da er wegen seines Ekzems im Sommer nicht gerne draußen war, aber musste… Als ich Ihn übernommen habe stand er kurz davor zum Schlachter zu gehen, da er im Unterricht immer häufiger Leute abwarf und im Gelände durchging, bis keiner ihn mehr Reiten wollte. Kein Wunder, dass Menschen für ihn nur zum Füttern und ab und zu Putzen gut waren. Ich habe in den letzten 5 Jahren, gemeinsam mit unserer Minherde, nach und nach ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, was zuerst einmal darin bestand, dass ich gelernt habe, mich selbst zu kontrollieren. Wir haben konsequent versucht “pferdisch” zu lernen und festgestellt, dass die Pferde auf einmal auch mehr versucht haben uns zu verstehen. Am Anfang hat mich Sioux, wenn ich ihn wegen seines Ekzems behandeln wollte, schon mal durch den Offenstall gezogen, aber Ruhe, Freundlichkeit und Konsequenz haben dazu geführt, dass ich mittlerweile seinen Kopf in den Arm nehmen kann, mich wenn er morgens früh noch liegt, zu ihm setzen kann, und dass wir putzen, Hufe raspeln und ähnliches ohne Anbinden frei erledigen können. Der schönste DANK aber kommt jetzt. Ich muss wegen einer blöden Knochengeschichte voraussichtlich 8 Wochen auf Krücken gehen. Vorgestern habe ich versucht mein Pferd mit 2 Krücken am Führstrick mitzunehmen. Erst mal im Paddock, und er hat so auf mich aufgepasst, als ob er nie etwas anderes täte. Gestern dann sind wir rüber ins Round Pen gegangen, und nach ein paar Runden habe ich den Führstrick aufgemacht, damit er sich noch etwas bewegen sollte. Was soll ich sagen, ich habe mich umgedreht, und er ist wie vorher direkt bei mir geblieben, als wollte er sagen, ich kann dich doch jetzt nicht alleine lassen… Ich hätte heulen können vor Glück. Die viele Geduld und jede Minute Zeit bekommt man 1000fach zurück !

    • Petra sagt:

      Hallo Martina, da schreibst Du etwas… So viele Pferde “müssen” immer alles. Ganz schrecklich finde ich das. Wie kann man einen Ekzemer im Sommer auf die Weide stellen, ohne sich zu kümmern? Das ist herzlos. Gott sei Dank hat er bei Dir ein schöneres Zuhause gefunden. Ich war und bin richtig gerührt, wenn ich Deine Geschichte lese. Ich glaube auch ganz fest, dass die Pferde auch uns beschützen und im Blick haben, wenn wir sie ebenfalls beschützen. Wichtig ist vermutlich, dass wir selbst zuerst geben. So wie Du mit Deinem Pferd. Dann bekommen wir so schöne Momente zurück. Alles Liebe und danke für Deinen wundervollen Kommentar, Petra

  11. Alex sagt:

    Hallo Petra, schön über Deine Seite gestolpert zu sein! Bis vor einem Jahr hatte ich noch nicht damit gerechnet ein “Pferde”- Mädchen zu werden obwohl ich immer den Wunsch hatte. Erst vor 6 Jahren (mit 33) habe ich beschlossen mir diesen Wunsch zu erfüllen… Zuerst in einem Reitverein auf Schulpferden, kurz danach kam ein Reiturlaub in Polen. Als ich zurückkam, war für mich der Reitverein gestorben. So eine Tierquälerei!

    In Polen hatte ich das gefunden, wonach ich gesucht habe und fuhr wann immer ich konnte hin. Der hübsche 2-jährige Hengst war der ganze Stolz des Hofes. Mein Traumpferd. Als er zum Verkauf stand hab ich einfach gesagt “ich kaufe ihn, dann kann er hier bleiben” . So schnell geht das manchmal. Er wuchs dort weiter auf, wurde aber selten geritten, da die Zeit fehlte.

    Erst letztes Jahr beschloss ich das Pferd zu mir zu holen, damit ich mich intensiver mit ihm beschäftigen kann. Ich hatte große Angst, dass ich es nicht hinbekomme, da mir jegliche Erfahrung fehlt. Aber was tun, wenn es nunmal so ist?

    In den ersten Wochen wollte ich ihn nur kennen lernen. Mit Sicherheit habe ich viele Fehler gemacht aber er nimmt alles ganz locker. Ich habe mein ganzes Wissen im Netz gesammelt und dabei auch sehr unterschiedliche Richtungen ausprobiert. Ein Grundkurs bei Sabine Birmann hat mir einen Weg gezeigt, wie man es machen kann und das klappt sehr gut.

    Ich weiß nicht, was wirklich richtig ist aber ich weiß, was ich nicht möchte: ein so schönes Lebewesen zu etwas zwingen, es bestrafen oder überfordern… Schon beim Reiten hab ich ein schlechtes Gewissen es zu benutzen…

    In den letzten Monaten hab ich mehr über mich selbst gelernt als in den Jahren zuvor, vor allem: was kann ICH denn tun, damit es besser klappt? Wo muss ich mich zurücknehmen? Weniger ist oft besser als Zuviel: nicht ständig antatschen, vollquaseln und manchmal lieber Rückzug als Angriff. Weniger nerven, weniger erwarten. Man kann sich doch auch am Anblick erfreuen und mit etwas Geduld kommt das Pferd von selbst auf mich zu. Und das ist erst recht schön…

    Wir haben aber noch einen langen Weg vor uns. Das Vertrauen wächst beidseitig aber eine Freundschaft “durch Dick und Dünn” muss sich entwickeln. Ich kann Allem, was hier gesagt wurde nur zustimmen. Leider denken nicht viele Reiter so. Ich bin dankbar für die Unterstützung der Leute im Stall aber teile nicht immer die Einstellung der Leute das Pferd kontrollieren/ dominieren zu wollen. Meine antiautoritäre Art wird dann immer etwas belächelt. Ich bin ja auch Anfänger 🙂

    Ich glaube, dass man mit einem Lebewesen so umgehen muss, wie man selbst behandelt werden möchte und der Rest kommt von Alleine. Natürlich darf man sich keine Frechheiten gefallen lassen. Man kann auch auf friedliche Art die Grenzen aufzeigen auch wenn es nicht sofort verstanden wird. Geduld. Das ist doch das Schöne: der Unterschied zum Alltag und unserer Menschenwelt, wo Alles sofort zu funktionieren hat.

    Diese Erfahrungen sind eine große Bereicherung meines Lebens. Ich bin froh, dass ich mich trotz der Angst so entschieden habe und auch wenn ich vielleicht nicht alles perfekt kann und alles über Pferde weiß: ich habe ein tolles Pferd, dass mir nicht böse deswegen ist. Vielleicht bin ich sogar besser für ihn als manch erfahrenes, turnierbesessenes “Pferde”-Mädchen?

    • Petra sagt:

      Liebe Alex,

      wir scheinen ja eine ähnliche Geschichte zu haben. Es tat gut Deine zu lesen. Ich weiss – genau wie Du – das es ein Wagnis ist, als “junger” Pferdemensch ein “junges” Pferd zu haben. Aber ich glaube auch an Geduld und Respekt und Vertrauen. Ich denke, dass das wichtiger ist als alles andere. Mit uns, mit dem Pferd und mit der gemeinsamen Beziehung zueinander. Klar, man macht Fehler, keiner ist perfekt. Aber daraus lernt man dann und vielleicht sogar mehr als erfahrene “das haben wir schon immer so gemacht”-Menschen. Ich sehe es mittlerweile als lebenslangen Weg, den ich mit Neugier und Spass gehen will, zusammen mit meinem Pferd. …und nicht mehr als riesigen Berg, der vor mir liegt und den ich so schnell wie möglich bewältigen muss.
      Wie schön, dass es mit Deinem Wallach so gut funktioniert. Er weiss Deine Geduld wahrscheinlich zu schätzen. Und ich glaube auch, dass die Pferde die innere Einstellung, die man ihnen gegenüber hat sehr genau spüren. Auch das wissen sie zu schätzen, mehr als jede überperfekte Reiterhilfe. Beides zusammen ist natürlich ganz genial 😉 Das Weniger ist mehr, ist auch eine Entdeckung, die ich in den letzten Monaten gemacht habe. Wenn man den Pferden zuhören will, kann man wirklich viel von ihnen lernen. Das ist für mich ein Teil der Faszination. Deswegen verstehe ich Menschen umso weniger, die Reiten, aber sich so gar nicht um ihr Pferd und sein Seelenleben kümmern wollen.

      Sabine Birmann muss ich mir ansehen, ich kenne sie noch nicht. Aber es ist immer spannend von guten Pferdetrainern zu lesen.

      Alles Liebe und schön, dass Du hierhergefunden hast,

      Petra

  12. Alex sagt:

    Ja, schau es Dir an. Ich muss aber dazu sagen, dass ich von der Reitweise nicht überzeugt bin… Das sieht zwar immer sehr “natürlich” aus aber ich für mich halte es für zu gefährlich und würde mich garnicht trauen… Habe auch schon Kritiken gelesen, dass es garnicht so gesund für das Pferd sei.

    Was ich aber sehr gut finde ist die Bodenarbeit. Sabine ist keine Pferdetrainerin. Sie ist Verhaltensforscherin und geht daher auch anders an diese Dinge heran. Es geht um eine mögliche Kommunikation, und Sie nennt es keine Methode! Auch da vestehen einige Kritiker wohl nicht worum es ihr geht…

    Im Kurs habe ich selbst erlebt, dass es funktioniert und mit meinem Pferd habe ich es auch ausprobiert. Mein Pferd nimmt mich nach einigen Minuten der freien Longierarbeit anders wahr. Für ihn ist das ein Spiel er entspannt sich und ich habe das Gefühl, dass er mich anders wahrnimmt.

    • Petra sagt:

      Liebe Alex, gerade hatte ich tatsächlich “Liberty Work” in Neuseeland. Dazu wird es ab nächsten Dienstag eine Serie geben. Und ich bin auch ohne Sattel geritten. Ich bin noch unentschlossen bei diesem Thema, aber was ich ganz sicher sagen würde ist, dass man nicht ausschließlich ohne Sattel reiten sollte und schon gar nicht lange. Wenn man sich ein bisschen beschäftigt damit, kommt man an den Punkt, dass jeder Sattel Vor- und Nachteile hat. Genau wie das Reiten ohne Sattel. Einige wirklich tolle Pferdetrainer haben mir alle unabhängig voneinander dasselbe dazu gesagt. Nämlich, dass es durch die punktuelle Belastung ohne Sattel nicht gesund ist ein Pferd lange ohne zu reiten. Sprich: Ausritte und Co. Aber als Reiter kannst Du an Deinem unabhängigen Sitz am besten ohne Sattel arbeiten und auch für das Pferd fällt wiederum die Belastung durch den Holzbaum weg. Ich glaube, dass es immer eine Art Waagschale ist, die man gut beobachten muss. Hat das Pferd die entsprechenden Muskeln? Ist der Reiter nicht zu schwer? Sitzt der Reiter so gut, dass er dem Pferd nicht in den Rücken knallt? Und wenn man es macht, wie lange macht man es dann? Kurz zusammengefasst: Für mich ist das Reiten ohne Sattel hilfreich um an meinem Sitz zu basteln, aber ich würde mich nie länger ohne Sattel auf den Pferderücken setzen. Ob es dann ein Fieberglassattel wird oder ein Holzbaum, da bin ich noch sehr unentschlossen 🙂 Wie handhabst Du das denn? Ich werde mir aber auf jeden Fall die Arbeit von “Deiner” Sabine ansehen, ich liebe das Thema Kommunikation. Es war von Anfang an und wird immer mehr mein Herzensthema. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass selbst die Schulpferde mich anders wahrgenommen haben, wenn ich kleine Gesten der Kommunikation und Körpersprache versucht habe 🙂 Ein schönes Gefühl. Alles Liebe, Petra

  13. Bianka sagt:

    Muss mich jetzt auch zu Wort melden, ich bin auch noch ganz “neu” ein Pferdemädchen. Hab mir letztens Jahr im Herbst meinen Kindheitstraum erfüllt.

    Als ich meine große zwei Wochen im Stall hatte bin ich mit ihr spazieren gegangen und leider durfte ich bei diesem Ausflug feststellen das sie keine Kühe mag.
    Um auf den Reitplatz zu kommen musste man an einer Kuhweide vorbei und zu unserem Pech standen an diesem Tag auf beiden angrenzenden Weiden Kühe. Als sie die Kühe gesehen hat konnte ich Sie noch relativ gut beruhigen, als jedoch so ein böses Tier gewagt hat auf sie zu zugehen wars vorbei. Rückwärtsgang rein und leider in Elektrozaun. Das Ende vom Lied war das sie mir durchgegangen ist, glücklicherweise zurück zum Stall. Ich hatte ne riesen Beule am Kopf und einige blaue Flecken. Das schlimmste jedoch war das mein Partner und die Kinder dabei waren und er solch eine Angst entwickelt hat, dass er meine Stute am liebsten sofort verkauft hätte.

    Die nächsten Wochen hatte ich ziemlich mit mir zu kämpfen um wieder Vertrauen zu fassen, aber mir war eigentlich immer klar das es mein und nicht ihr Fehler war!

    Heute 6 Monate später haben wir so ein tolles Verhältnis, das ist sogar vor ihren Hufen knien kann ohne das ich Bedenken habe das etwas passiert und auch die Kühe sind kein Problem mehr.

    Wir haben viel miteinander gearbeitet und voneinander gelernt! Ich möchte nicht behaupten das ich immer alles richtig mache, aber bei mir steht immer im Vordergrund das mein Pferd IMMER darauf reagiert wie ICH mich verhalten. Und der Fehler liegt in 99,9% beim Menschen, bewusst oder unbewusst und wenn ich mir das vor Augen führe, kann ich auch ganz anderst mit meinem Pferd umgehen.

    Auch werde ich viel belächelt, bin Reitanfänger und kauf mir n Pferd, dazu noch eins das vllt nicht Anfängertauglich ist, da sie sehr fein zu reiten ist. Mache seit Monaten fast ausschließlich Schritt mit ihr, da ich noch etwas an mir zweifel wenn es schneller wird. Aber trotzdem habe ich das Gefühl das die Chemie zwischen uns stimmt. Wir reiten mittlerweile sogar alleine aus und auch meine Kinder dürfen fast alles an und mit ihr machen ohne das sie die Geduld verliert.

    Was ich aber sagen wollte, ich bin der Meinung das ohne gegenseitigen Respekt kein Vertrauen entstehen kann und es viel Arbeit ist dieses zu gewinnen bzw. es zu erarbeiten und zwar gemeinsam! Es lohnt sich auf alle Fälle!

    LG Bianka

    P. S. Das ist eine wirklich tolle Seite und ich hab schon viele Anregungen und Denkanstöße bekommen!

    • Petra sagt:

      Liebe Bianca, ich finde toll, dass Du Dich zu Wort gemeldet hast. Genau wie Du glaube ich auch, dass die Pferde uns oder die Menschen spiegeln, die ihnen vorher in ihrem Leben begegnet sind. Sie tun nichts um uns zu ärgern oder aus Boshaftigkeit. Am Ende war immer der Mensch schuld, wenn bei einem Pferd etwas schief gelaufen ist. Deine Geschichte zeigt auch, dass Deine Stute sich auf Dich eingestellt hat. Ich kenne das von mir, wenn ich nervöser bin, sind es die Pferde um mich herum auch. Wenn ich Vertrauen darin habe, dass alles super läuft, sind die Pferde ruhig. Ausnahmesituationen gibt es natürlich immer, aber davon reden wir jetzt ja nicht. Sondern vom ganz normalen Alltag. Ich finde diese Menschen, die andere belächeln ja ganz bemitleidenswert, wenn ich das so ehrlich sagen darf. Es führen viele Wege nach Rom und ich finde, dass Dein Weg genau richtig klingt, für Dich und Deine Stute. Ich persönlich habe mir auch vorgenommen, nichts zu tun bei dem ich mich nicht sicher fühle. Einfach aus dem Bewusstsein heraus, dass mein Pferd sich immer gut aufgehoben bei mir fühlen soll und das kann es nur, wenn es merkt, dass ich mich sicher fühle. Wie mit den Kühen und Deiner Stute. Ab dem Zeitpunkt wo sie gemerkt hat, dass die Kühe kein Problem sind und sie Dir vertraut, weiß, dass Du sie respektierst und auf sie aufpasst, waren die Kühe auch kein Problem mehr. Ich freue mich richtig mit beim Lesen 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  14. Alexandra sagt:

    Wirklich toll geschrieben. Ganz große Klasse! Ich finde auch das man solch wunderbaren und edlen Tiere ganz viel Respekt,Liebe, Geduld und ganz wichtig Vertrauen geben soll. Denn Pferde können unsere Seelentiere werden. Ich hatte eine Quarter Horse Stute sie war mein Seelenpferd ich vermisse sie so sehr.

    “Wir haben fast vergessen, was für eine seltsame Sache das ist, dass ein Tier, so groß, so kraftvoll und so intelligent wie das Pferd, einem anderen, weit schwächeren Wesen erlaubt, auf seinem Rücken zu reiten.”

    • Petra sagt:

      Hallo Alexandra, das freut mich sehr, vielen Dank! Ich kann verstehen, dass du deine Stute vermisst. Sie haben alle eine Persönlichkeit und eine Seele, und mit manchen Pferden oder auch Hunden oder Menschen ist sofort eine Verbindung da. Es ist ein Geschenk, wenn man das erleben darf. Und ich es ist schön, wenn man es so zu schätzen weiß, wie Du offensichtlich. Darf ich fragen, von wem Dein Zitat ist? Ich mag es sehr. Viele Grüße und danke für Deine Gedanken, Petra

  15. Merle sagt:

    Dieser Artikel spricht mir aus der Seele… Es ist für viele selbstverständlich sich stundenlang aufs Pferd zu setzen und es über den Platz zu treiben, was ein Pferd von sich aus niemals machen würde, um es dann wieder in der Box abzustellen und am nächsten Tag erneut über den Platz zu marschieren.
    Ich finde Pferde geben uns viel mehr als die Möglichkeit zu reiten. Die Freundschaft sollte eine viel größere Rolle, als die gewonnen Schleifen spielen. Dies richtet sich nicht gegen Turniere an sich, sondern an die Einstellung vieler Reiter, auch im Freizeitbereich, dass reiten das einzige wäre, was man mit einem Pferd machen kann und dass es doch dafür gemacht sei… Allerdings sollte man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass das Pferd uns trotz Fluchtinstinkten gestattet auf seinem Rücken in seiner uneinsehbaren und sensiblen Zone zu sitzen und es herumzukommandieren. Es wird gezwungen Dinge zu tun, die für das Fluchttier Pferd keinen Sinn machen und sogar gefährlich sein können, deswegen sollten wir ihm auf jeden Fall Respekt zeigen und es nicht noch dafür bestrafen…
    Seit ca. drei Jahren pflege ich nun ein Minishetlandpony und mittlerweile gehen wir durch dick und dünn. Man konnte bei ihm ebenfalls zuschauen, wie er sich mit der Zeit vom zappeligen Rasenmäher zu einem tollen Kameraden entwickelt hat.
    Mittlerweile legt er sich auf Kommando hin und achtet sehr auf mich, wenn ihm etwas nicht ganz geheuer ist.
    Aufgrund seiner Größe werde ich ihn niemals reiten können, trotzdem würde ich ihn niemals gegen ein Reitpferd eintauschen, was mir schon häufiger vorgeschlagen wurde, weil unsere Freundschaft so stark ist, dass ich dann ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber hätte.
    Wir haben auch einige Zeit gebraucht um zueinander zu finden, aber es hat sich wirklich gelohnt. Man kann mit ihm so ziemlich jeden Blödsinn machen und er zerlegt keine Boxen oder Zäune mehr vor Langeweile.
    Ich persönlich reite zwar auch sehr gerne, vor allem im Gelände, aber ich möchte lieber eine gute Bindung zu meinem Pferd aufbauen, damit ich ihm auch blind vertrauen kann und der Ausritt entspannt wird und beiden Spaß macht. 🙂
    Deswegen finde ich den Artikel so toll, denn er verdeutlicht sehr gut, was für einen großen Einfluss der Umgang auch bei den alltäglichen Dingen, wie putzen oder füttern, für eine Beziehung und somit auch fürs Reiten hat. 🙂

    • Petra sagt:

      Liebe Merle, vielen Dank für diesen wunderschönen Kommentar. Und für Deine Geschichte. Du und Dein “Rasenmäher” (neulich habe ich diesen Ausdruck zum ersten Mal gehört und dann verstanden, dass Mini-Ponys für viele ja leider wirklich nicht mehr als das sind), scheint ein Spitzenteam zu sein. Ich liebe zum Beispiel auch das Putzen und Kraulen, ich freue mich fast mehr auf das Spazieren gehen als auf das Reiten und mag die Bodenarbeit total gerne. Mein Pferd wird zwar groß genug sein, um auch geritten zu werden. Aber ich freue mich sehr darauf all die anderen tollen Dinge mit ihr zu unternehmen. Auch um das Vertrauen und die Bindung zu stärken, denn das ist sowieso das Wichtigste. Ich habe anfangs auch nicht verstanden, dass Pferde als Fluchttiere viel für uns tun und sich täglich oft überwinden. Hufe geben, Strick stehen, Reiten – und und und. Aber wenn man es sich einmal vor Augen führt und begreift, dann weiß man auch, dass man dafür ruhig ein bisschen dankbar sein kann. Ich freue mich über Deinen Kommentar sehr, denn die Mini-Pony-Menschen zeigen ja noch viel deutlicher wie cool ein Pferd neben der ganzen Reiterei sein kann. Ganz liebe Grüße an Dich und deinen kleinen Kerl und alles Liebe, Petra

  16. Antonia sagt:

    Hallo!
    Auch ich finde deinen Artikel einfach Klasse! Vor allem passt er momentan super zu meiner Situation 🙂
    Ich war ca 6 Monate mit meinem Pflegepferd zusammen, musste dann aber wegen schulischen Gründen aufhören. Jetzt habe ich endlich wieder angefangen und ich merke, dass es viel besser klappt. Vielleicht / Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich jetzt viel gelassener bin. Früher habe ich sehr darauf geachtet alles so zu machen, wie es in den Pferdebüchern steht vor allem, weil er ein Vollblut ist und ich wirklich klein bin… Aber ich habe gemerkt, dass ich einfach meinem Instinkt oder, wie Heike schön gesagt hatte, meinem Herzen.
    Jetzt machen wir große Fortschritte beim freien longieren, spazieren gehen usw. !! Ich war zwar erst zwei Mal da, als er auf der Weide war, aber immer als ich ihn gerufen habe, kam er sofort an. Ich freue mich immer riesig und ich habe das Gefühl, dass ich mit ihm ein wenig so umgehe wie mit meiner besten Freundin… Also ich denke ihr wisst alle wie ich das meine 😉
    Ich hab ihn wirklich gern und ich denke (und hoffe wirklich sehr!), dass wir mal ein super gutes Team werden!
    LG
    Antonia

    • Petra sagt:

      Hallo Antonia, das freut mich sehr. Ich mag Deinen Gedanken mit der besten Freundin. Wir freuen uns sie zu sehen, wir sind nett zu ihr, aber auch ehrlich und direkt. Wir vertrauen ihr und die Zeit mit ihr macht Spaß. Danke für Deinen schönen Kommentar und ich drücke Dir und Deinem Pflegepferd beide Daumen, dass ihr ein Spitzenteam werdet. Ganz liebe Grüße, Petra

  17. Alice Cramer sagt:

    Hallo
    Ich kann das mit dem Vertrauen zwischen Mensch und Pferd nur bestätigen. Aber es gibt auch Liebe/Vertrauen auf den ersten Blick!! Ich habe genau das mit unserem Pony erlebt!!
    Ich bin Mutter von zwei reitenden Jungs und wir suchten vor 7 Jahren ein neues Turnierpony. Ich selber habe schon seit meinem 6 Lebensjahr geritten und habe schon viele Pferde geritten, gekauft, verkauft, gezüchtet, aufgezogen und ausgebildet. Auf einem Turnier sah ich also dieses Pony!! Es war für mich sofort das schönste und tollste Pony der Welt!! Eben Liebe auf den ersten Blick!!! Es gehörte einem Händler und stand zum Verkauf. Ich bin also zu dem Pony gegangen, als es aus dem Parcour kam und habe angefangen mit dem Vater des Kindes zu reden. Dabei habe ich mich neben das Pony gestellt und angefangen dieses, mir komplett fremde Pony, zu streicheln. Nach nicht mal 1 Minuten fing das Pony an, an mir zu schnuppern (ich hatte keine Leckerlies o.ä. in der Tasche), an meinem Arm zu riechen und ging dann bis zu meinem Hals hoch, bis er hinten an meinem Hals und Haaransatz roch!! Das hatte ich wirklich noch nie erlebt!! Ok- das Pony wurde natürlich gekauft!! 😉 Dieses Pony hat seit diesem Tag eine ganz ungewöhnliche Bindung zu mir!! Wir vertrauen uns wirklich blind. Dieses Pony ist dabei sehr eigen- mein großer Sohn- für den das Pony eigentlich gedacht war, kam nie mit ihm zurecht- noch heute zwickt und beißt er meinen Sohn, wenn er ihn nur auf den Anhänger führt. Schon nach den ersten Monaten hörte mein Großer auf, dieses Pony zu reiten. Dagegen gab es mit meinem kleinen Sohn nie wirklich Probleme zwischen den Beiden. Mein kleiner Sohn war damals 9Jahre, als er anfing das Pony zu reiten. Man muss dazu sagen, dass das Pony ein gekörter Hengst war und sehr viel Temperament hat, sehr eigen ist, bei dem Vorbesitzer “blockiert” hat, als Problempony gezeichnet wurde,……, also eigentlich alles andere als ein Kinderpony ist. Fast jeder hat uns abgeraten, den Kleinen auf dieses Pony zu setzen, weil es einfach zu gefährlich erschien. Aber ich wurde für mein Vertrauen belohnt. Auf einem Turnier ritt mein Sohn seine erste Anfängerprüfung. Es war kalt, windig, ca 30 Ponys mit Kindern unterwegs und wir befanden uns auf einer Rennbahn- in der MItte war das Dressurviereck, auf der Rennbahn musste abgeritten werden! Es dauerte nicht lange und das erste KInd lag auf dem Boden und das Pony galoppierte wild durch die Menge. Zwei/drei andere Kinder flogen hinterher und nun ging die wilde Jagd auf der Rennbahn richtig los!! Mein Kind ritt etwas abseits. 4-5 Ponys rannten auf mein Pony zu, auf einem Pony saß noch ein Kind, dass natürlich wild schrie. Ich bekam Panik und rannte nun meinerseits auf mein Pony zu- soll man ja eigentlich nicht machen, aber in der Panik…. Mein Pony sah das alles, drehte sich um und kam im Stechtrab auf mich zugetrabt. Bei mir angekommen, stellt er sich neben mich und sah den anderen Ponys hinterher und blieb ganz geduldig neben mir stehen!! Ich hätte vor Glück und Erleichterung heulen können!! Noch heute findet er mich im dicksten Gewühle auf den Turnieren und stellt sich einfach neben mich. Mein Sohn läßt ihn dann einfach alleine gehen und er findet mich. Das ist wirklich unglaublich!! In den ganzen Jahren habe ich so viele unglaubliche Geschichten mit diesem Pony erlebt!! Meine Jungs sagen immer, wenn er bei uns am Haus stehen würde, würde er wahrscheinlich sogar mit mir das Haus putzen ;-)!!
    Also ich kann wirklich bestätigen, dass man im Umgang mit den Pferden wirklich Respekt und Vertrauen- erst dann hat man wirklich Spaß und Freude an dieser Beziehung!!!
    Lg ALice

    • Petra sagt:

      Liebe Alice, wie wunderwunderschön! Ich liebe Dein Pony jetzt schon und dabei bin ich ihm noch nie begegnet. Das klingt wirklich, als ob es ein besonderes Pferd wäre und ihr euch gesucht und gefunden habt. Du hast mich so zum Lächeln gebracht beim Lesen. Ich danke Dir dafür. Deine Geschichte zeigt, dass man immer und unbedingt auf sein Bauchgefühl hören sollte. Egal, was andere sagen oder der Kopf. Der Bauch weiß schon ganz genau, was richtig ist. Ganz liebe Grüße, Petra P.S.: Ich finde die Vorstellung von Dir und Deinem Pony im Haushalt sehr witzig. Du mit Putzeimer, das Pony mit Mutter Beimer Schürze und einen Wischlappen an den Hufen 😉

  18. jasmina sagt:

    Ich habe auch eine ganz besondere Beziehung Beziehung zu einem deutschen reitpony Wallach. Ich kenne ihn seit er auf der welt ist ubd das sind jetzt schon 10 Jahre. Leider ist es nicht mein eigenes oder aber es fühlt sich oft so an. Diese Bindung zu dem Tier kann man nicht beschreiben. Ich kann ihm vertrauen und er vertraut mir. Ich stehe hinter ihm und er macht nichts. Und wenn ich auf der weide stehe kommt er zu mir dreht sein po zu mir und will zwischen den beinen gekrabbelt werden. Oder wenn er frisst setz ich mich auf ihn bzw liege und er frisst in ruhe weiter. Ich liebe dieses Pferd einfach so sehr. Wenn er mal nicht mehr ist gwht für mich die Welt unter ! Und ich habe ihm versprochen das wir iwann ein Team sind und er bei mir wohnen wird. Und dieses Versprechen werde ich halten. !!!

    • Petra sagt:

      Hallo Jasmina, das ist genau das worum es mir geht. Diese Beziehung und das Geschenk einer solchen Bindung. Manchmal kommt sie von alleine, manchmal ist sie hart erarbeitet, aber sie ist so oder so ein Geschenk. Und ich würde mir wünschen, dass viel mehr Menschen da draussen sie auch so zu schätzen wissen wie du und sich Gedanken darüber machen, wie sie ihr Pferd artgerecht und gesund trainieren können ohne die ganzen Hilfsmittel und ohne Gebrülle und falsch verstandenen Ehrgeiz. Danke für Deinen Kommentar und ich drücke Dir und Deinem Wallach die Daumen, dass ihr zwei als Team irgendwann beieinander leben könnt. Ganz liebe Grüße, Petra

  19. Catia sagt:

    Ein wunderschöner Artikel, der einem mal wieder deutlich vor Augen führt, dass das, was man jeden Tag wie selbstverständlich tut, nicht für Jedermann “normal” ist.
    Ich habe zwei Hottis, die unterschiedlicher nicht sein können und ein jeder begrüßt mich auf seine Weise.
    Zuerst ist immer mein Youngster da (das bleibt er, auch wenn er dieses Jahr 10 geworden ist) – mein Momo kennt mein Auto genau und steht schon ungeduldig in der Box des Offenstalls und brüllt mir schon zu, wenn ich nicht schnell genug bei ihm bin.
    Ein ist ein komplett verspielter Andi, der wie ein kleines Kind ist, das mit den Fingern schnippt und “ich, Ich” ruft.
    Wenn ich ihn dann begrüßt habe und ein bisschen gekrault und auch ein Leckerchen zwischen den Zähnen verschwand, dann taucht auch mein Senior auf und bleibt hinter dem jungen Wilden stehen.
    Max ist ein Norweger- Warmblut Mischling (Typ Riesen-Fjordi), 22 Jahre alt und mit bewegter Vergangenheit. Sein Vertrauen zu gewinnen, war alles andere als leicht und ich hab lernen müssen, dass ihm das Leben Wunden geschlagen hat, die auch ich nicht kitten kann. Aber ich weiß inzwischen, was er leisten kann und was nicht. Was ich von ihm verlangen darf und was ich ihm nie zumuten werde.
    Max ist mein kleiner Beamter – wenn ich ihn hole, geht es erst zur Tränke, dann zum Pferde-Klo (überdachter Stroh-Bereich – wird perfekt als WC angenommen) und dann geht es erst zum Putzplatz. Niemals anders! Max kann es schon nicht leiden, wenn ich morgens statt Nachmittags im Stall auftauche. Für ihn ist Routine Sicherheit und seine täglichen Rituale geben ihm seine Ruhe und seine Zufriedenheit.
    Beide wollen begrüßt werden, beide auf ihre Art – und ich mache das täglich ganz ohne nachzudenken, das Momo eher ein bisschen forscher, das Mäxchen mit viel Ruhe.
    Jedes Pferd ist anders.
    Mein Araber, der leider bereits über die Brücke ging, hat mir beim Kommen bereits gesagt, was los ist. Stand er schon bereit: Mach los – ich will was tun! Stand er draußen, sah mich und brüllt mir kurz zu: Alles ok – mir gehts gut – muss jetzt nicht unbedingt kommen. Langsam auf mich zu, Kopf gesenkt: Mir gehts nicht gut – schau mal…
    Ihn konnte ich lesen, wie ein Buch – ich musste ihn nur sehen und wusste alles – so ist das, wenn man fast zwanzig Jahre zusammen verbracht hat.
    Jedes Pferd ist anders – und ein jedes begrüßt einen auf seine Weise – doch eines ist allen gemeinsam: Sie wollen unsere Aufmerksamkeit, wollen, dass wie sie begrüßen.
    Und auch nach Jahrzehnten mit den Hufigen lerne ich nie aus.
    In diesem Sinne – mit tierischen Grüßen von meinen Andi-Babe und meinem Big-Fjordi – LG Catia

    • Petra sagt:

      Liebe Catia, es scheint so als ob Dein Senior der Monk unter den Pferden ist. Kennst Du die Krimi-Serie? Irgendwie musste ich als erstes daran denken. Ich mag den Gedanken, den Du eingebracht hast, dass jedes Pferd Aufmerksamkeit will, aber eben auf seine Weise. Vielleicht sollte ich das auch nochmal ergänzen. Nicht jedes Pferd rennt mit gespitzten Ohren an den Koppelrand. Das heißt aber nicht, dass es seinen Menschen nicht mag. Sondern, dass es vielleicht einfach einen anderen Charakter oder eine andere Routine hat, wie dein Senior. Irgendwie neigen Menschen manchmal zu vergessen, dass Pferde genau wie Menschen verschieden sind. Die eine Freundin herzt Dich und drückt Dich zur Begrüßung als ob sie Dir die Luft aus den Rippen drücken will, die andere umarmt kurz und die dritte gibt die Hand. Das findet man normal und behandelt jede anders. Bei Pferde wollen viele Schema X bei jedem Pferd anwenden. Das geht natürlich nicht. Ich mag Deine zwei Charaktere und die Geschichte, weil sie perfekt zeigen, dass jedes Pferd anders ist und sie es Dir danken, dass du ihre Bedürfnisse kennst und respektierst 🙂 Ganz liebe Grüße an den Senior und den Youngster und natürlich auch an Dich, Petra

  20. MecTeo sagt:

    Was für ein schöner und wichtiger Artikel!
    Ich hatte mein persönliches Schlüsselerlebnis, als eine Bekannte, die null Ahnung von Pferden hatte, einmal an ein Pferd und vielleicht auch gern mal drauf sitzen wollte. Ich hatte ihr ein Kennenlernen mit meinem (heute alten) Wallach angeboten, der im Umgang brav und an der Longe zuverlässig war. Dieses Tier hat nie sonderlich viel Wert auf Nähe und Kontakt mit Menschen gelegt. Ich habe ihn mit zweieinhalb Jahren gekauft (heute ist er 20), zu mir kommt er immer sofort, er liebt es, wenn ich ihn putze, aber er ist kein verschmustes Pferd. Bei Fremden ist er sehr distanziert – wohlerzogen, aber gestreichelt werden möchte er nicht. So, und nun kam diese Frau, wollte reiten, und ich habe mein Standard-Erklärungsprogramm abgespult. Von wegen: reiten beginnt immer damit, dass ich mein Pferd von der Weide (aus dem Stall hole), es einmal genau ansehe (ob alles in Ordnung ist, wie es sich fühlt), dann in aller Ruhe putzen (und dabei ganz genau schauen, ob alles iO ist, ob irgendwo Schwellungen sind, eine Körperpartie besonders heiß oder geschwollen)… Die Frau hört sich alles aufmerksam an, nimmt sich eine Kardätsche und fängt an, dass Pferd extrem ruhig zu putzen. Dazu muss ich sagen: Sie ist Yogalehrerin – und hat sich dem Pferd entsprechend genähert. Total hingewandt, ruhig (im Fluss 😉 ). Und mein Bubiboy stand da… die Augen gingen halb zu, die Lippe hing, er hat geschildert… es war Genuss pur! Das war ein Erlebnis, das mir total die Augen geöffnet hat!
    Ja, Du hast total Recht. Unseren Pferden steht es zu, uns erst einmal kennenzulernen, und ihr Vertrauen und ihren Respekt müssen wir uns erwerben – von Zuneigung und Liebe mal ganz zu schweigen! Und an dem Punkt bin ich immer ziemlich platt: Wenn Leute zu ihrem Pferd kommen, das sie “lieben”, das sie “reiten, weil es mein Hobby ist” – und das sie dann weitgehend ignorieren, weil mit anderen klönen, rauchen, telefonieren etc wichtiger ist, als sich die eine verdammte Stunde, die sie an ihrem Pferd sind, sich auf eben das Pferd zu konzentrieren.
    Liebe Grüße und bitte weiter so schöne Gedanken posten!

    • Petra sagt:

      Liebe MecTeo, darf ich dir das gleiche schreiben? Bitte weiter so schöne Gedanken posten 🙂 Ich freue mich sehr über deinen Kommentar, weil er es auf den Punkt bringt. Ich verstehe, genau wie du, nicht warum Menschen ein Pferd haben und dann Handy telefonierend auf dem Rücken sitzen oder klönen, statt sich um das Pferd zu kümmern. Das kann man doch auch vorher oder nachher erledigen. Ich bin sehr froh, dass ich für mich erkannt habe, wie wichtig die Kommunikation und gegenseitige Höflichkeit ist. In meinen ersten Reitstunden, bin ich auf die Koppel, habe das Pferd geholt und geputzt, geritten und wieder weg. Ich habe weder gewartet, bis es mich bemerkt hat, noch “Hallo” gesagt, noch auf Führpositionen oder Putzstärke geachtet. Weil mir keiner gesagt hat, dass das wichtig ist. Im Gegenteil: Mir wurde beigebracht, dass ich extrafest am Hals putzen solle, wenn das Pferd das nicht mag. Ich habe mich dabei nicht wohl gefühlt und dann auch heimlich zart weitergeputzt 😉 Heute kann ich nur den Kopf schütteln und nicht fassen, dass mir das so gezeigt wurde. Man muss eigentlich nur überlegen, wie man selbst sich fühlen würde, wenn man das eigene Pferd wäre und dann erklärt sich vieles von selbst. Deine Geschichte mit der Yogalehrerin zeigt auch, dass in der Ruhe die Kraft liegt. Dieser Spruch trifft wohl fast nirgends so gut zu, wie bei Pferden. Danke dir dafür, dass du sie erzählt hast und bis bald hoffentlich. Alles Liebe, Petra

    • Anja sagt:

      Hallo Mecteo,

      ich verstehe auch nicht, warum so viele Leute meinen, auf dem Pferd rauchen oder gar telefonieren zu müssen. Ich hatte mal eine Stallkameradin, die sobald sie vom Hof ritt, das Handy am Ohr hatte. Ich wohne im Grünen, wo auch täglich Reiter vorbeikommen. Da habe ich durch das Telefonieren auf dem Pferd schon manche kritische Situation beobachten können – teilweise konnte ich vom Boden aus gerade noch rettend einschreiten. Und wenn man einmal miterlebt hat, wie einem Reiter die Zigarettenkippe zwischen Sattel und Pferdekörper fällt, versteht schon gar nicht mehr, warum auch so viele Reiter auf dem Pferd rauchen. Beides finde ich sowohl dem Tier als auch der Umwelt gegenüber extrem rücksichtslos.

  21. Berit Seiboth sagt:

    Ein sehr schöner Artikel mit dem ich zu 100% übereinstimme.
    Alle Pferde die ich bisher betreut habe kommen auf der Koppel freiwillig zu mir und das ist mir auch sehr wichtig. Ich rufe sie warte bis sie kommen dann streichle ich sie an ihren Lieblingsstellen und dann erst halftere ich auf.
    Wenn ich bei den Pferden bin vergesse ich alles andere. Ich handle sehr viel aus dem Bauch heraus und lebe mit den Pferden im hier und jetzt. Ich vertraue allen meinen Pferden und denke immer alles ist möglich. Ich werde immer nur durch andere Menschen darauf aufmerksam gemacht das es doch was besonderes ist. Ich bilde seit ihrere Geburt vor 2 Jahren ein Pony aus. Ausbilden kann man das gar nicht nennen, weil wir fast nichts üben, da sie es immer sofort macht, ob es Planen, Raschelsäcke, Wasser, Trecker etc. sind. Sie zeigt dabei nie Angst. Wenn sie was komisch findet geht sie zu mir und wartet ab was ich mache. Meistens bleibe ich einfach ruhig stehen, weil ich möchte das sie sich der Situation alleine stellt, was sie dann auch tut. Oft denke ich nur was und sie führt es aus. Ich habe nie den Gedanken das sie es nicht macht. Ich glaube an sie und vertraue ihr zu 120%. Sollte mal was nicht klappen denke ich über mein Verhalten nach und suche einen anderen Weg damit sie mich versteht. Wir haben eine sehr enge Beziehung.

    • Petra sagt:

      Liebe Berit, das Bauchgefühl ist etwas sehr wichtiges, das wir gerne mal vergessen. Wie schön, dass Du es immer bei dir hast. Mir geht es wie dir: ich vergesse die Zeit, das gestern und das morgen sobald ich mit Pferden und Tieren generell zusammen bin. Dafür bin ich ihnen so dankbar, dass der Rest fast schon egal ist. Ob etwas klappt oder nicht (und wir wissen ja, dass auch immer wieder ganz viel nicht klappt 😉 ) ist am Ende egal. Irgendwann wird es das schon. Dann müssen wir eben länger üben, denke ich mir dann. Neulich hatte ich auch so ein herziges Erlebnis. Ich wollte eine Stute dazu bringen mit etwas mehr Abstand zu mir mitzulaufen. Dafür habe ich sie leicht an der Schulter angetippt. Sie hat dann erst versucht das Kompliment zu machen, dann hat sie den Kopf gesenkt, dann ist sie mit der Vorhand gewichen und dann hat sie quasi erst begriffen, dass ich Abstand wollte. Ich habe es ihr bestimmt nicht klar genug gesagt und sie hat mir quasi alles angeboten, was passen könnte. Das war einfach nur goldig. Ich habe einfach so viele verschiedene Varianten probiert, bis wir beim Ergebnis angekommen waren. Ähnlich wie Du es mit deinem Pony beschreibst. Ich freue mich über deinen Kommentar und schicke dir liebe Grüße, Petra

  22. Anja sagt:

    Was ich auch immer wieder beobachte, ist, daß die Leute den Pferden feste auf die Stirne klopfen (eher schon fast schlagen) und bei Hunden oben auf den Kopf. Beide Tierarten reagieren darauf alles andere als begeistert, aber die Leute registrieren das einfach nicht. Ich würde es auch nicht mögen, wenn mir einer vor die Stirn oder auf den Kopf haut.

    Betreffs des Führens beim Pferd habe ich keine genaue Position. Wenn es geht, laufe ich auf Halshöhe. Aber meine Pferde gehen ebenso ordentlich hinter mir her, ohne mir in die Haxen zu treten; wie auch vor mir her, ohne loszustochen – eben je nach Situation und Erfordernis. Zum Beispiel mit 2 Pferden an der Hand durch einen engen Durchgang heißt 1 Pferd vorweg am langen Strick, dann ich und dahinter das 2. Pferd. Und ich habe so in vielen Jahren nie Probleme beim Führen gehabt.

    • Mecteo sagt:

      Hey Anja, ich muss Dir – leider – zustimmen. Wenn ich so umherschaue, sehe ich immer wieder Menschen, denen jedes Gefühl für ihr Tier abgeht. Ohne das irgendeine Bösartigkeit dahinter steht. Tocktock auf die Stirn als Begrüßung? Natürlich geht das gar nicht!
      Ich hatte vor kurzem ein Erlebnis, das mir wieder klar gemacht hat, wie wichtig es ist, nicht willkürlich abzuspulen und auszuprobieren, sondern wirklich genau hinzusehen. Ein Mann putzte sein Pferd. Das Pony stand nicht wirklich still, peitschte mit dem Schweif, machte ab und an Abwehr-, ja sogar Drohgebärden. Der Mann: “Ich glaub, mein Pferd mag mich nicht.” – Ich: “Warum denkst Du das?” Er: “Der mag sich noch nicht mal von mir anfassen lassen.” Ich: “Das stimmt doch gar nicht. Was er nicht mag, ist, wie Du ihn putzt.” Er: “Ich weiß aber nicht, was ich falsch mache. Ich hab schon so viele verschiedene Bürsten ausprobiert.” Fakt ist: Er war mittlerweile bei babyweichen Kopfbürsten angelangt und hat sein Schimmelchen fast nicht berührt. Ich habe ihn gefragt, ob ich mal was probieren darf. Dazu muss ich ergänzen, dass das Pferdchen mit kannte, weil unsere Jungs Boxnachbarn waren und ich seinen Jungen immer mit rein- oder rausgebracht habe. Jedenfalls habe ich dann einen Gummistriegel mit Noppen genommen und sein Pony mit ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen und leichtem Druck gestriegelt. Danach habe ich die Haare mit einer Magic Brush abgenommen. Pony hat sich total schnell entspannt. Ihm waren anscheinend die zu leichten, wischenden Bürstenbewegungen mega unangenehm. Der Besitzer war erleichtert – und hat sich sofort eine Bürste gekauft, wie ich sie benutzt hatte.
      Tja, nicht immer ist weniger mehr 😉 Hingucken, fühlen, reagieren 🙂 und schon waren wieder zwei glücklich miteinander…

    • Petra sagt:

      Genial! Stell dir nur vor, wie frustriert der Mann war und das Pferd dann auch immer mehr. Manchmal liegt die Lösung so nahe und es braucht jemanden, der sie einem zeigt. Wie schön aber auch, dass der Mann zuhören wollte und deinen Tipp angenommen hat 🙂 Das ist ja auch nicht immer üblich. Ich suche auch immer nach de Putzgesicht, egal welches Pferd ich treffe, erst einmal versuche ich beim Putzen alles, um dieses Putzgesicht hervorzurufen, also alles damit das Pferd zufrieden ist und ich weiß, was es mag 🙂 Ich denke, dass es quatsch ist zu sagen, dass das Pferd sich beim Putzen alles gefallen lassen muss. Klar sollte es sich überall anfassen lassen und natürlich auch nicht wegrasen sobald es eine Bürste sieht. Aber man kann sein Putzen ja wirklich ganz einfach ein bisschen an die Bedürfnisse des Pferdes anpassen. Schon sind beide glücklicher – so wie bei dem Mann und seinem Pony. Toll! Ganz liebe Grüße und danke für diese lehrreiche kleine Geschichte, Petra

    • Petra sagt:

      Ohja, das kenne ich auch. Dieses Geklopfe ist wirklich eine Unart, die sich alle abgewöhnen sollten. Man sieht ja sogar ganz tolle Trainer, die alles super machen und dann wird geklopft *seufz* Naja, vielleicht kann man den Mythos nach und nach aus der Tierwelt vertreiben. Das wäre schön! Deine Pferde klingen sehr gut erzogen 🙂 Ich habe auch keine ganz genaue Führposition. Je nach Situation. Manchmal muss ich das Pferd beim Spaziergang auch vorausschicken oder hinterlaufen lassen. Aber ich habe eine Lieblingsposition, die ich gerne habe – wenn nichts anderes dagegen spricht. Ich mag es wenn ich irgendwo auf Höhe zwischen Ganaschen und Schultern bin. Ich bin dann an der Seite des Pferdes, kann seinen Kopf aber sehen und seine Mimik und ich blockiere die Schulter nicht. Aber das ist nur meine persönliche Lieblingsvariante 🙂 Danke für deine vielen wunderbaren Kommentare – ich betrachte sie als tolle Ergänzungen zu den Artikeln und antworte nicht auf jeden einzelnen. Ich hoffe, das ist okay für dich und schicke dir ganz liebe Grüße, Petra P.S.: Fühl dich frei immer wieder so toll zu kommentieren 😉 Ich finds super!

  23. Mecteo sagt:

    Moin, ich muss Euch mal erzählen, wie glücklich ich grad mit meinem Pony bin 🙂 die Dame ist sehr selbstbewusst – Pferden wie Menschen gegenüber. Mit der Vorbesitzerin, die sie eingeritten und als Jungpferd sehr erfolgreich auf Turnieren vorgestellt hat, war sie nie schmusig. Sie ist auch auf der Weide nicht gekommen, im Gegenteil: Hatte sie das Gefühl, es geht an die Arbeit, ist sie eher abgehauen. – Ich habe zunächst angefangen, sie als Schulpferd zu reiten, bevor ich sie dann im letzten Jahr ziemlich schnell gekauft habe. Mir ist sie nach wenigen Malen gemeinsamen Trainings immer auf der Weide entgegengekommen. Und auch bei mir Zuhause legt sie in der kleinen Herde Wert drauf, dass ich ihr gehöre 🙂
    Jedenfalls hat sie gestern, als ich auf die Weide kam, geguckt – und dann schnell noch mal den Hals gesenkt, ein paar Halme naschen. Okay, dachte ich, kein Thema, hier sind ja noch mehr Ponys, die ich begrüßen und arbeiten kann. Na, da hatte ich ja was angerichtet! Mein Mädchen war empört! Laut schnobernd kam sie auf mich zu. Und nun kommt’s: Normalerweise kommt sie sofort zu mir, wenn die Pferdchen weiter weg sind, kommt sie auch angetrabt, notfalls sogar angaloppiert. Aber sie ist keine Schmusekatze. Bisschen am Hals streicheln oder auf die Nüstern pusten: okay, mehr muss nicht seit. Gestern aber hat sie mir den Kopf auf die Schulter gelegt, hat sich lang und breit den Kopf streicheln lassen, dabei die Augen geschlossen und ganz tief geatmet.
    Ich hatte gestern Liberty-Unterricht (das ist für uns beide noch ziemlich neu), und wenn ich zwischendurch mit der Trainerin gesprochen habe, kam mein Mädchen auch immer wieder zu mir, suchte Körperkontakt und ließ sich beschmusen. Sie hat gestern ganz klar gesagt: Ich WILL wahrgenommen werden. Auch bei der Arbeit war sie sehr aufmerksam und fix bei der Sache. Ich bin so glücklich!
    Wir müssen nur genau hinsehen. Unsere Pferde sagen ganz klar, was sie wollen und brauchen. (Nach der Arbeit durfte ich dann auch meine anderen drei begrüßen und bespaßen.)

    • Petra sagt:

      Och Gott, wie süß! Damit bestätigst du mal wieder die Theorie, dass Pferde eifersüchtig sind und ihr Territorium, also auch ihren Menschen verteidigen. Das ist dir sicher sehr zu Herzen gegangen, als sie sich so angelehnt hat. Ich glaube auch, dass Pferde wahrgenommen werden wollen. Auch wenn das Leben auf der Koppel mit der Herde wirklich toll ist, kann der Mensch auch ein wichtiger Teil des Pferdelebens werden – wenn man viel Zeit miteinander verbringt, die beiden gerecht werden soll. Pferd und Mensch 🙂 Also, lass uns das zu unserem Mantra machen: Wir müssen hinsehen und hinhören, dann können wir uns auch mit unseren Pferden verständigen und beiden Seiten gerecht werden! Ganz liebe Grüße an dich und deine Pferdeherde, Petra

  24. Melissa A sagt:

    Danke für diesen guten und schönen Artikel.

    Den sollten sich (leider) einige zu Herzen nehmen. Mittlerweile wird das einem leider auch nicht mehr beigebracht … da bin ich froh, dass ich damals als ich mit dem reiten angefangen habe (vor ca. 9 Jahren) eine Reitlehrerin hatte, die sehr viel Wert auf einen Respekt-, Rücksichts- und Liebevollen Umgang mit allen Pferden gelegt hat (und es auch immer noch tut). In den ersten Wochen haben wir die Pferde erstmal vom Boden aus kennengelernt, sie geputzt, sind grasen gegangen und erst als das alles wirklich saß, ging es an die Longe und ans reiten.

    Deshalb auch ein Danke an alle Reitlehrer(innen), die darauf (noch) Wert legen! =)

    • Petra sagt:

      Ohja, ich schließe mich deinem Dank sofort an. Danke an alle Reitlehrer/innen, die Bodenarbeit und Basics, Umgangsregeln und Führtraining in ihren Unterricht mit einfließen lassen. Ich hätte mir so eine Reitlehrerin von Anfang gewünscht. Sehr. Und suche auch heute noch nach einer Trainer/in, die gute Sitzschulung macht. Es ist gar nicht so leicht, solche Perlen zu finden. Das ist schade. Aber ich hoffe, dass sich nach und nach etwas ändert. Ganz liebe Grüße, Petra

  25. Nadine Ullmann sagt:

    Super schön und korrekt geschriebener Artikel. Ich habe immer wieder diesen “Wow-/Aha-Effekt” bei vielen Schülern, die bisher nicht lernen durften, dass das Pferd so viel mehr braucht als geritten oder bewegt zu werden. Der Ausdruck der Menschen ist unbezahlbar, wenn sie zum ersten Mal erfahren, wie es ist, wenn das Pferd plötzlich ganz anders reagiert, mitdenkt und auf sie zugeht, nur weil SIE etwas anders machen – und ihnen dieses bisschen nicht einmal schwer fällt. Sie haben es lediglich nie gelernt. Dabei ist es gar nicht so schwer, doch gerade in der Einfachheit liegt oftmals die Schwierigkeit. Wir dürfen einfach nicht alles hinterfragen, diskutieren, analysieren und kontrollieren. Oft liegt die Lösung in der Beobachtung und der Ruhe.
    Beginnen wir zu Denken und zu Handeln wie ein Pferd es tun würde, öffnen sich uns ganz andere Türen. Ich lehne mich weit aus dem Fenster, aber ich sage es stehen uns alle Türen offen.
    Für mich gibt es nichts schöneres, dass mein Pferd schon wenn ich aus dem Auto aussteige auf ihren Paddock heraus kommt, mir freudig zuwiehrt und gespannt auf mich wartet. Die erste Zeit des Stallbesuchs steh ich dann einfach mit ihr in der Box, wie “beschnuppern” uns, kuscheln und fühlen vor, wie die heutige Stimmung ist. Davon abhängig passiert alles andere.

    • Petra sagt:

      Liebe Nadine, das stimmt. Verrückt wie es eine Unterschied machen kann, ob man zwei Zentimeter weiter vorne oder hinten am Pferd steht – das kann der Unterschied zwischen Stopp und Go sein. Pferde sind so fein – wir müssen es nur bemerken und zuhören 🙂 Danke für deinen schönen Kommentar und liebe Grüße, Petra

  26. Katrin sagt:

    Hallo Petra.
    Nach Jahren wieder im Status einer Anfängerin.
    Ich habe lange nach einem Ort gesucht, der mit meiner Unsicherheit gut umgehen kann. Das können nur Menschen mit Pferdeverstand.
    Endlich habe ich einen passenden Ort gefunden. Sofort wohl gefühlt und fand es richtig, dass man zuerst die Menschen beschnuppert. ?
    Ich bin noch nicht lange dort, aber ich fühle mich super gut aufgehoben, denn
    – bisher machen wir nur Bodenarbeit.
    Wir durften zusammen auf die Koppel und schauen, welches Pony auf uns reagiert.
    Ich habe mich einer jungen Dame vorgestellt. Einem Konik. Romy ist 5, also noch sehr jung. Aber ihre gelassene Ausstrahlung hat mich mit zittrigen Knien angezogen.
    Ich stellte mich zu ihr, den Blick auf das Schulterblatt und habe gewartet. Sie hat mich registriert, den Kopf kurz gehoben und weiter gefressen. Nach der Wiederholung hatte ich das Gefühl, es war in Ordnung.
    Halfter anlegen kein Problem. Striegeln super. Wir waren die letzten denn ich habe mir zeit genommen.
    Letzte Woche waren wir spazieren und Romy lernt langsam, dass ich ruhig aber bestimmt bin. Ich bin Mutter von zwei kleinen Kindern und weiß um den langen, geduldigen Atem bei der Erziehung. ?Strick knabbern geht nicht und sie hat es schon verstanden.
    Von ihrem Typ her ist sie sehr ruhig und aufgeschlossen.
    Die Idee ist, dass man mit einem Pony eine Beziehung aufbaut. Es ist für beide Seiten gut, einen Bezugspunkt zu haben.
    Jetzt ist erst die zweite Woche rum und ich habe mich für sie als Pflegebeteiligung angeboten. Ich werde also jede Woche noch zusätzlich beim Stall sein.
    Und ich genieße es, dass Romy offenbar schon jetzt Kontakt mit mir aufnimmt. Ein leises komm und sie trottet mit. Den Führstrick halte ich dabei ganz locker. Gestern abend kam sie nach Aufforderung auch ohne Halfter mit.
    Wir putzen derzeit noch in der Herde. Nicht unbeaufsichtigt , weil wir erst alle Charaktere in der Herde kennen lernen müssen. Es hilft uns Neulingen und ist einfach absolut verantwortungsvoll, denn wenn ein Haflinger auf Krawall gebürstet ist …
    Ich genieße die Stunden und komme zu ruhe. Weiß aber auch um meine Aufgabe und Verantwortung.
    Jetzt in den ersten Wochen lernen Romy und ich uns kennen. Wenn wir soweit sind, dass diese Phase der Beobachtung vorbei ist, werde ich einen Schritt nach dem anderen gehen. Ich muss mich auf sie einstellen und sie mir vertrauen. Dann werde ich zusammen mit den erfahrenen Mädels mich Austauschen und Ideen sammeln, was ich in der Bodenarbeit mit ihr machen kann.
    Derzeit bin ich ein bisschen am schweben, dass sie bereits nach so kurzer Zeit auf mich reagiert. Ohne ständige Leckerli vermittelt sie mir das Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Kommt mir sogar schon neugierig entgegen. Ich bin mir sicher, sie wird mir eine gute Lehrerin sein.

    • Petra sagt:

      Liebe Katrin, deine Romy klingt wirklich nach einer tollen Lehrerin und nach einem lieben und sanften Pferdchen. Sie scheint dir gegenüber ja wirklich sehr aufgeschlossen zu sein und du scheinst einiges richtig zu machen. Pferde sind ja so ehrlich und direkt 😉 sie würde sicher sagen, wenn sie deine Annäherung nicht passend fände. Und ich finde toll, dass in der Reitschule in der du bist so vorgegangen wird. Ich wünschte mir, dass alle Höfe und Reitschulen so sind. Das wäre toll. Ganz liebe Grüße an Romy und dich, Petra

  27. Ruth sagt:

    Ich habe eine Frage. Da ich nicht mehr wie damals Turniere zum Ziel habe, möchte ich in eine enge Beziehung zu meinem Pferd kommen. Meiner ist 4 und ich habe ihn erst einige Monate. Nun höre ich im Stall von einigen, dass ich zu viel mit ihm mache. Er soll einfach Pferd sein. Er ist rangniedrig und hat auf dem Paddock mit anderen eher Stress. Wenn ich komme, geht er gerne mit mir raus. Vormittags gehen wir oft in die Halle und haben Schmuse-Leckerli-Zeit und kleine Übungen wie “schau-weg” oder Bussi oder Knicks – alles nur gaanz kurz. Und einfach rumlaufen lassen neben mir oder er steht und guckt, ich trinke was, er wälzt sich und kommt nach einer Weile zu mir an die Bande. Nachmittags longiere ich ihn manchmal. Oder wir gehen mal ausreiten oder in der Halle reiten. Er ist noch sehr tapsig und kann nicht viel. Daher hauptsächlich Bodenarbeit. Oder Schmuse”arbeit”. Es gibt Tage, da komme ich nur einmal, meist aber zweimal – s.o. ———- Andere kommen zu ihren Pferden, reiten eine halbe Stunde und bringen sie wieder auf die Koppel. Das ist mir echt zu wenig. Da wächst doch keine Beziehung. ———– Ich mache eher so wenig, dass er selten zum Schwitzen kommt. Ich komme nicht, um ihn schnell intensiv einzureiten – und ich habe das Gefühl, er ist gerne mit mir zusammen, so wie er meist nachläuft. —————- Es gibt auch Tage, da ist eher “Ruhetag”, das heißt ich putze ihn, mache die Hufe, gehen mal zum Grasen und dann wieder auf das Paddock oder Weide. ———-

    • Petra sagt:

      Liebe Ruth, also ehrlich gesagt klingt das alles ganz toll, was du mit ihm machst. Egal, was der Rest am Stall sagt, ich würde einfach dein Pferd fragen. Und wenn er dir nachläuft, gerne kommt und mit dir mitkommt, dann würde ich sagen, bist du doch auf dem richtigen Weg. Wenn er das als zuviel oder blöd empfinden würde, was du mit ihm machst, würde er sich umdrehen und gehen. Da du ihn ja nicht zwingst, lernt er ja, dass er nicht gegen seinen Willen gearbeitet wird, hätte also sicher das Selbstbewusstsein “nein” zu sagen, wenn er nicht will. Ich schicke euch beiden liebe Grüße und lass dich vom Rest nicht beirren. Ich persönlich glaube, dass Freundschaft genau so anfängt. Gemeinsame Zeit, viel schöne Zeit, ein bisschen Arbeit und einander zuhören und aufeinander eingehen – warum sollte das mit Pferden anders sein als mit Menschen 🙂 Alles Liebe, Petra

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